Indiana Tribüne, Volume 26, Number 139, Indianapolis, Marion County, 3 February 1903 — Page 7

Fndtana Trlvnne, Februar 1908

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Anheim. ?sn?ilienromn von Hoctsr M tt lst. (Fortsetzung.) Ach, das heimliche Nest! Wie wenig glich es der Kammer, die sie soeben verlassen hatte! Wie viel besser hätte sie hier schlafen können in der guten Luft, in der Ruhe, auf dem Lager von Farnkraut, ohne ein anderes Geräusch zu hören, als das Rauschen der Blätter und des Wassers wie viel besser so, als zwischen den harten Betttüchern der Mutter Francoise und bei dem Geschrei der Nußbraunen und ihrer Kamerädinnen in der entsetzlichen Atmosphäre, deren Geruch sie bis jetzt verfolgt und ihr übel und weh gemacht hatte! Sie streckte sich auf das Farnkraut hin, schmiegte sich in ein? Ecke an die weiche Schilfwand und schloß die Augen. Aber als sie sich bald von einer süßen Schlaftrunkenheit umfangen fühlte, stand sie wieder auf, denn sie durfte nicht mehr völlig einschlafen, aus Furcht, sie möchte nicht rechtzeitig zum Eintritt in die Fabrik erwachen. Die Sonne war jetzt aufgegangen, und durch die östliche Oeffnung einer Wand fiel ein goldener Strahl in die Hütte, der sie ganz durchleuchtete. Draußen sangen die Vögel, und rings um das Jnselchen, auf dem Weiher, im Schilf, auf den Weider..' veigen ließ sich ein Durcheinander von Tönen, ein Surren, Piepen, Pfeifen hören, das das Erwachen der Thierwelt in dem Torfmoor anzeigte. Perrine streckte den Kopf zu dem Guckloch hinaus und sah, wie sich die Thiercben in größter Sicherheit um die Hütte herum ergötzten: im Schilfe flogen Libellen hin und her, längs der Ufer pickten Vögel die feuchte Erde mit den Schnäbeln auf, um Würmer zu suchen, und auf dem Weiher schwamm in leichtem Duft eine Ente mit graubraunem Gefieder, zierlicher als unsere Hausenten, umgeben von ihren Jungen, die sie durch fortwährendes Locken um sich her versammeln wollte, was ihr aber nicht gelang, denn sie entflohen ihr, um zwischen die blühenden Wasserlilien zu huschen, wo sie sich herumtrieben und nach allen Insekten jagten, die ihnen vor den Schnabel kamen. Plötzlich blendete Perrine ein blauer Strahl, der blitzschnell vorüberschoß, und erst, als er verschwunden war, wußte sie sich die Erscheinung zu erklären; es war ein Eisvogel, der über den Weiher geflogen war. Lange Zeit und ohne sich zu rühren jede Bewegung hätte ihre Gegenwart verrathen und dieses Moorvölkchen verscheucht blieb sie an ihrem Beobachtungsfensterchen. Wie reizend war das alles bei dem klaren Morgenlicht, wie fröhlich, lebendig, unterhaltend, wie neu ihrem Auge, fast märchenbaft! Sie konnte sich einbilden, diese Hütte auf der kleinen Insel sei eine Art Arche Roabs. Nach einer Weile bemerkte sie, daß sich auf den Weiher ein schwarzer Schatten legte, der sich launenhaft veränderte, sich vergrößerte und verkürzte, ohne verständliche Ursache, und diese Erscheinung dünkte ihr um so unerklärlicher, als die Sonne, die sich über den Horizont erhoben hatte, in aller Pracht am wolkenlosen Himmel strahlte. Woher konnte also der Schatten kommen? Die engen Gucklöcher der Vogelhütte erlaubten ihr nicht, sich Rechenschaft davon zu geben, darum öffnete sie die Thür und sah jetzt, daß es Rauchwolken waren, die durch den Wind von oen yoyen rammen oer Favni yergeweht wurden; also waren dort schon die Feuer angezündet, damit der Dampf beim Eintritt der Arbeiter seine Wirkung ausübe. Demnach würde die Arbeit bald beginnen und es war Zeit, daß sie die Schitfhütte verließ und sich den Werkstätten näherte. Ehe sie aber wegging, nahm sie von dem Holzblocke eine Ze:tung, die sie bis jetzt nicht bemerkt hatte, die ihr nun aber bei dem vollen Lichte, das zur offenen Thür hereinstrahlte, in die Augen fiel. Mechanisch las sie den Titel, es war das Journal von Amiens vom 25. Februar, und ihr Gedankengang war nun: aus dem Platze, auf dem sie das Blatt gefunden hatte, dem einzigen Sitze, auf den man sich niederlassen konnte, wie aus dem Datum der Zeitung, sei zu schließen, daß seit dem 25. Februar Niemand mehr diese Vogelhütte betreten habe. 16. Kapitel, n dem Augenblicke, wo Perrine 7 y aus dem Weidengebüsch auf die Ö Straße hinaustrat, ließ sich ein schrilles, durchdringend lautes Pfeifen von der Fabrik her vernehmen, und fast zu gleicher Zeit antworteten in rhythmischen Absätzen andere Pfeifsignale aus weiterer oder geringerer Entfernung. Sie dachte sich gleich, daß diese Signale den Arbeitern gälten: von Maraucourt ausgehend, wiederholten sie sich von Dorf zu Dorf, in Saint-Pipoy, Hercheux, Bacourt, Flexelles, in allen Fabriken Paindavoines, und thaten dem Herrn und Meifter kund, daß man überall und zu gleicher Zeit zur Arbeit bereit sei. Aus Sorge zu spät zu kommen, beschleunigte sie nun ihre Sefo" ,,nS

beim Eintritt in das Dorf fand sie schon alle Häuser offen: auf der Schwelle sitzend oder an die Thürpfosten gelehnt aßen die Arbeiter ihre Suppe, in den Schenken befanden sich Andere, die tranken, in den Höfen wieder Ankere, die s?Ä am Brunnen sehen; aber noch Niemand war auf dem Wege zur Fabrik das sicherste Zeichen, daß die Arbeitsstunde noch nicht geschlagen hatte und sie sich nicht zu beeilen brauchte. Nun aber hörte man die Uhr dr?i Mal schlagen, dann folgte sogleich ein Pfeiftn, noch stärker und lauter all das vorige, worauf unmittelbar ein reges Treiben begann, daS dem ruhigen Zustande ein Ende machte: aus den Häusern, Höfen, Schenken, überallher kamen Menschen auf Menschen, von denen es bald in der Straße wimmelte wie in einem Ameisenhaufen, und diese Schaaren von Männern, Frauen uno Kindern strömten der Fabrik zu. Die Einen rauchten paffend ihre Pfeife, die Anderen kauten und würgten hastig an einer Brodkruste, die Meisten aber machten ein Getöse mit lauten Schwatzen. Jeden Augenblick kamen neue Gruppen aus den Seitengassen herbei und mischten sich unter diesen schwarzen Menschenstrom, den sie vergrößerten, ohne ihn aufzuhalten. In einem Trupp neuer Ankömmlinge bemerkte Perrine Rosalie, sie

schlich sich hinzu und schloß sich an sie an. Wo bist Du denn gewesen?" fragt? Rosalie ganz erstaunt. Ich bin sehr früh aufgestanden, um ein wenig spazieren zu gehen." Ah so! Ich habe Dich gesucht." Schonen Tank! Aber Sie müssen mich nie mehr aufsuchen, ich bin eine Frühaufsteherin Man kam an den Eingang zur Fabrik und der Menschenstrom verlor sich in die verschiedenen Werkstätten unter der Aufsicht eines großen, mageren Mannes, der in einer gewissen Entfernung vom Gitterthor stand, die Hände in den Taschen feiner Joppe, den Strobhut nach hinten geschoben, aber den Kopf etwas vorgebeugt, mit aufmerksamem Blick, so daß Niemand an ihm vorbeigehen konnte, ohne daß er es bemerkt hätte. Der Dürre!" zischelte Rosalie. Allein Perrine bedürfte der Zuflüsterung nicht; sie hatte auf den ersten Blick errathen, daß dieser Mann der Direktor Talouel war. Soll ick mit Euch hineingehen?" fragte Perrim. Natürlich." Für Perrine war dieser Augenblick entscheidend, aber sie bezwäng ihr' Aufregung: warum sollte man sie zurückweisen, da man doch Jedermann annahm? Als sie in die Nähe des Herrn Talouel kamen, hieß Rosalie Perrine ihr folgen, trat aus der Menge heraus und näherte sich ihm, ohne Verlegenheit zu zeigen. Herr Direktor," sagte sie, das ist eine Bekannte von mir, die Arbeit wünscht." Talouel warf einen raschen Blick auf diese Bekannte. Werden gleich nachher sehen," antwortete er. Und Rosalie, die hier Bescheid wußte, stellte sich mit Perrine auf die Seite. In diesem Augenblick ertönte am Gitterthor ein Gebraus? von Stimmen, und die Arbeiter traten auseinander, um den Phaeion des Herrn Vulfran durchzulassen, den wieder der junge Mann von gestern lenkte. Obwohl Jedermann wußte, daß dem Herrn das Augenlicht fehlte, zogen doch alle Leute die Kopfbedeckung vor ihm ab, während die Frau mit einem Knickse grüßten. Du siehst, daß er nicht der Letzte ist," sagte Rosalie. Der Direktor kam mit eiligen Schritten an den Wagen. Herr Vulfran, ich fage Ihnen ergebenst guten Morgen," grüßte er mit dem Hute in der Hand. Guten Morgen, Talouel." Perrine verfolgte den Wagen, als er weiterfuhr, mit den Augen, und als sie dann wieder nach dem Emgangsthor zurückblickte, sah sie die Angestellten, von denen sie auch schon gehört hatte, nacheinander eintreten; Fabry den Ingenieur, Bendit, Mombleux und Andere, deren Namen ihr Rosalie nannte. Endlich hatte sich das Gedränge gelichtet, und die, die nun noch ankamen, hatten es eilig, denn die Uhr mußte gleich schlagen. Die Neffen sind natürlich wieder die Spätesten," sagte Rosalie leise. Jetzt schlug es und nach dem letzten Schlage kamen immer noch einige Spätlinge, athemlos, einer dinier dem anderen, herbeigelaufen, endlich wcn die Straße leer. Aber Talouel verließ seinen Platz noch, nicht; die Hände in den Taschen, den Kopf emporgestreckt, schaute er noch immer in die Ferne. Einige Minuten später erschien ein großer, junger Mann, kein Arbeiter, sondern ein Herr, und durch seinen feiNLN Anzug und seine Manieren noch weit mehr ein Herr als selbst der Ingenieur und die anderen Angestellten. Mitten im eiligen Gehen band er noch seine Krawatte fest, wozu er früher, wie man deutlich sah, keine Zeit gehabt hatte. Als er bei dem Direktor ankam, zog dieser seinen Hut vor ihm ab, wie er es vor Herrn Vulfran gethan hatte, doch entging es Perrine mcht, daß die zwei Begrüßungen dl'"aus verschieden von einander waren.

Herr Theodor, ergebensten guten Morgen," grüßte Talouel. Nun bestand diese Phrase so ziemlich aus denselben Worten wie die Anrede an Herrn Vulfran, doch drückte sie keineswegs dasselbe aus, das machte sich sehr bemerkbar. Guten Morgen, Talouel! Ist mein Onkel schon da?" Mein Gott ja, Herr Theodor, schon seit fünf Minuten." Ah!" Sie sind aber heute nicht der Letzte. Heir Kasimir ist noch zurück, obgleich er mchl. wie Sie, in Paris gewesen ist; doch dort unten seh' ich ihn tominen." Während sich Theodor den Bureaus zuwandte, näherte sich Kasimir mit schnellen Schritten. Dieser hatte wenig Ähnlichkeit mit seinem Vetter, weder in seinem Aeußcren noch in seinem Benehmen: klein, kurz angebunden, schroff. Als er am Direktor vorüberkam, drückte sich diese Schroffheit in der flüchtigen Neigung des Kopfes aus, womit er ihn, ohne ein Wort zu sagen, grüßte. Herr Talouel, noch immer die Hände in den Taschen, grüßte ihn auch mit Achtung, und erst als er verschwunden war, -drehte er sich nach Rosalie um: Was kann sie leisten, Deine Be-kannte?"

Perrine antwortete selbst auf diese tfiucIch habe nie in einer Fabrik gearbeitet," sagte sie mit einer Stimme, die stch zwang, fest zu klingen. Talouel musterte ste mit einem raschen Blick und wandte sich dann an Rosalie: Geh zu Oneux und sag ihm von mir, er solle sie an die Wagonets stellen, und nun macht, daß Ihr fortkommt!" Was sind das, die Wagonets?" fragte Perrine. während sie mit Rosalie durch die weiten Höfe schritt, die die verschiedenen Werkstätten von einander trennten. Würde sie wohl dieser Arbeit gewachsen sein? Würde sie die Kraft, das Verständniß dafür haben? Sollte nicht eine Lehrzeit vorangehen müssen? Alle diese Fragen stürmten auf sie ein und bedrückten sie um so mehr, als es jetzt, wo sie in die Fabrik zugelassen war, wie sie wohl fühlte, von ihr selbst abhing, ihre Stellung zu behaupten. Sei doch nicht bange," antwortete Rosalie, der ihre Aufregung nicht entgangen war; nichts leichter als das!" Perrine konnte mehr den Sinn dieser Worte errathen, als sie verstehen; denn schon seit einigen Augenblicken hatten sich die Maschinen und Betriebs der Fabrik in Gang gesetzt, die noch lautlos dalag, als sie eintraten, während jetzt ein furchtbares, aus tausend verschiedenartigen Geräuschen zusammengesctztes Getöse die Höfe erfüllte. In den Werkstätten klapperten die Webstühle, flogen die Schiffchen, drehten sich die Spindeln, die Spulen, während einem außerhalb von dem Umschwung der Triebwellen, der Räder, der Walzen Hören und Sehen verging. Bitte, sprechen Sie lauter," sagte Perrine zu Rosalie, ich kann Sie nicht verstehen." Tu wirst Dich bald an den Lärm gewöhnen," schrie Rosalie; ich habe Dir schon gesagt, daß die Arbeit nicht schwer ist; man muh nur die Spulen auf die Wagonets laden; weißt Du, was ein Wagonet ist?" Ein kleiner Wagen, denk' ich." So ist's. Und wenn der Karren voll ist, muß man ihn auf den Schienen bis zur Weberwerkstatt stoßen, wo er geleert wird; ein tüchtiger Stoß beim Abfahren, und er rollt ganz von selbst." Und eine Spule, was ist das eigentlich?" Du weißt nicht, was eine Spule ist? O jemine! Und ich habe Dir doch gestern aesaat. daß die Svulm" -den ftaoen für die Weberschiffchen zubereiten; Du wirst bald verstehen, was das heißt." Ich fürchte, nicht so bald." Rosalie schaute sie an und meinte offenbar, sie fei ein wenig dumm; dann fuhr sie fort: Nun, es sind eben kleine hölzerne Walzen, durch die ein Stift geht, und auf denen sich der Faden aufwindet; wenn sie voll sind, zieht man den Stift heraus, ladet sie auf die Wägelchen, die auf einer kleinen Eisenbahn laufen, und führt sie den WeberWerkstätten zu. Das ist nichts weiter als ein kleiner Spaziergang. Ich abe auch damit angefangen, jetzt bin ich an der Spulmaschine." Sie hatten ein Labyrinth von Höfen durchschritten, ohne daß Perrine ihre Augen auf dieser Umgebung hätte ruhen lassen können, so aufmerksam horchte sie auf Rosoliens Worte, die ein so großes Interesse für sie hatten; da wies Rosalie mit der Hand auf eine Reihe neuer, einstöckiger, fensterloser Gebäude, die aber gegen Norden durch eine die Hälfte des Daches einnehmende Glasbedeckung Licht erhielten. ter ist's!" sagte sie. Und alsbald öffnete sie eine Thür und führte Perrine in einen langen Saal, wo die schwindelerregende Bewe gung von tausend sich drehenden Spulen em betäubendes Getose verursachte Aber trotz dem Lärm hörten sie eine Männerstimme rufen: Da bist Du endnch, Bummlenn! Was, Bummlerin? Wer ist eine Bummlerin?" schrie Rosalie, nicht ich. Vater Holzbein, daß Jhr's wißt!" Wo kommst Du her?" Der Dürre hat mix befohlen, dies junge Madcyen zu Euch zu bnngen; Ihr sollt sie an den Wagonets beschäf tigen."

Der Mann, der Rosalie auf so lie-1

venswurdige Weise begrüßt hatte, war ein alter Arbeiter mit einem Stelzfüße, der schon vor einem Jahrzehnt in der Fabrik verstümmelt worden war, daher sein Name Holzbein. Als Ruheposten war ihm die Aufsicht bei den SpulMaschinen übertragen, wo er die hier beschäftigten Kinder kommandirte, kurz und rauh, immer scheltend, brummend, schreiend und fluchend, denn die Arbeit an diesen Maschinen ist sehr mühsam, sie erfordert ebenso viel Aufmerksamkeit des Auges als Sicherheit der Hand, um die vollen Spulen abzunehmen und durch leere zu ersetzen, die abgerissenen Fäden neu anzuknüpfen, und der Alte war der Meinung, wenn er nicht fortwährend schimpfte und fluchte und dabei mit einem starken Aufstoßen seines Stelzfußes seinem Schelten Nachdruck gäbe, müßte die Bewegung der Spulen stocken, was ihm unerträglich gewesen wäre. Da er aber im Grunde eine gutmüthige Haut war, hörte man kaum auf ihn, noch dazu wurde ein Theil seincr Worte von dem Maschinenlärm übertönt. Bei all' dem liegen Deine Spulen die ganze Zeit lahm!" rief er Rosalie zu und drohte ihr mit der Faust. Kann ich etwas dafür?" So mach Dich jetzt flugs an die Arbeit!" Un nun wandte er stch zu Perrine. Wie heißt Du?" fragte er. Sie wollte ihren wahren Namen nicht nennen, darum überraschte sie diese Frage, die sie doch hätte vorhersehen können, da Rosalie sie schon gestern Abend an sie gerichtet hatte, und sie schwieg verblüfft. In der Meinung, sie habe ihn nicht verstanden, beugte er sich gegen sie hin und schrie mit einem derben Stoß des Stelzfußes auf die Diele: Wie Du heiß:, will ich wissen!" Sie hatte Zeit gehabt, sich zu fassen und sich des Namens zu erinnern, den sie sich bereits gegeben hatte. Aurelie," sagte sie. Aurelie, wie sonst?" Sonst nichts." Gut, so komm mit mir." Er führte sie vor ein Wägelchen, das in einer Ecke stand, gab ihr dieselbe Erklärung, die ste vorhin von Rosalie gehört hatte, und schrie sie nach jedem Satze mit der Frage an: Verstehst Du's?" Darauf nickte ste jedesmal zur Bejahung mit dem Kopfe. Im Grunde genommen war ihre Ar beit auch fo einfach, daß sie sehr beschränkt hätte sein müssen, sich nicht hineinzufinden; und wie sie nun ihre ganze Aufmerksamkeit, ihren ganzen guten Willen daran setzte, schrie ihr Vater Holzbein bis zur Feierstunde mehr als ein dutzendmal nacb doch mehr um sie zu warnen als zu schelten: Vergnüg Dich nicht unterwegs!" Es fiel ihr nicht ein, sich vergnügen zu wollen; aber indem sie ihrem Wägelchen immer wieder einen Stoß gab und mit regelmäßigen Schritten nachkam, ohne sich aufzuhalten, konnte sie wenigstens beobachten, was in den verschiedenen Räumen, durch die ste hindurch mußte, vorging, und nun alles in's Auge fassen, was ihr vorhin während der Erklärungen Rosaliens entgangen war. Ein Stoß mit der Schulter, um ihren Karren in Bewegung zu setzen, ein Druck mit der Seite, um ihn anzuhalten, wenn er auf ein Hinderniß traf, das war alles; ihren Augen wie ihren Gedanken war es unverwehrt, sich in voller Freiheit zu ergehen. Als die Feierstunde schlug und sich alles beeilte, nach Hause zu kommen, gilg ste zum Bäcker und ließ sich ein halbes Pfund Brod abschneiden, das sie verzehrte, während sie durch die Straßen schlenderte und den guten Suppendamvf einatbmete. der durch die risse un sauren, an denen sie voroeiging, herausströmte; sie sog den Duft langsam ein, wenn es nach einer Suppe roch, die sie gern mochte, schneller, wenn nach einer, die nicht nach ihrem Geschmack war. Für ihren Hunger war ein halbes Pfund Brod nicht viel, und es verschwand auch schnell, sie machte sich aber nichts daraus; seit sie daran gewöhnt war, ihrem Appetit Stillschweigen zu gebieten, befand sie sich nicht so übel. Nur die Leute, die gewohnt sind, zu viel zu essen, bilden sich ein, man könne es nicht aushalten, wenn man hungrig sei; und ebenso können sich solche, denen immer alles nach Wunsch geht, nicht deinen, daß ein Trunk, mit der hohlen Hand aus einem klaren Bache geschöpft, den Durst trefflich stillen kann. 17. Kapitel. och vor der Arbeitsstunde und der allgemeinen Ruckkehr in die Fabrik befand sich Perrine am Einlaßthor. setzte sich im Schalten einer Säule auf einen Prellstein und wartete auf das Zeichen von der Dampfpfeife. Sie sah hier Knaben und Mädchen ihres Alters, die auch zu früh am Platze waren wie sie, und sich mit Laufen und Springen vergnügten; sie wagte aber nicht, sich in ihre Spiele zu mischen, so gerne sie es aethan hätte. Als Rosalie kam, ging sie mit ihr hinein und nahm ihre Arbeit wieder auf. Vater Holzbein trieb sie, wie am Vormittag, mit Schreien und Aufstampfen an, was jetzt gerechtfertigter war, denn je weiter der Tag vorrückte, um so mehr nahm bei ihr die Müdigknt llberhand. Sich bücken, sich wieder aufrichten, um das Wägelchen zu füllen und wieder zu leeren, ihm einen Stoß mit der Schulter zum Fortrollen, einen Druck mit der Seite zum Anhal-

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Werde gesund und bleibe gesund

indem du Leberkrankheiten, Billiöfitit, Unreines Blut, durch die Anwendung vo Tr. August Aönig's

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los wirst, sie reguliren undtz reinigen. ,che . Jakobs Ocl gegen

len zu geben, es weiterstotzen, zum Stehen bringen, das war am Anfang nur ein Kinderspiel; aber wieder und wieder ohne Aufhören dasselbe thun, daraus wurde eine Arbeit, und besonders in den letzten Stunden befiel sie eine Mattigkeit, wie sie sie noch niemals, selbst nicht an den härtesten Tagen ihrer Futzreisen empfunden hatte. Trödle doch nicht so!" schrie Vater Holzbein. Aufgerüttelt durch das Stampfen des Stelzfußes, das diesen Ordnungsruf begleitete, beschleunigte sie ihren Schritt wie ein Pferd auf einen Peitfchenhieb, mäßigte ihn aber gleich wieder, sobald sie dem Treiber aus den Augen war. Und nun hatte sie, ganz in ihr Geschäft vertieft, das sie fühllos machte, für nichts anderes mehr Sinn und Aufmerksamkeit als für das Zählen der Glockenschläge wenn es die Viertel, wenn es halb, wenn die Stunde ausschlug und ihr war dabei bange, ob sie's bis zum Schluß werde aushalten können. (Fortsetzung folgt.) MnslvrD 5a&tifdT. Was ist Dir, E.lschen, Du weinst?" Ach, der Litcraturlehrer hat mich nachsitzen lassen. Und ich Unglückliche glaubte, daß er mich liebt!" Win idealer öeruf. ...Nun, und was will denn Ihr Sohn werden?" O, das ist ein Schwärmer! Sein Ideal wäre es. einen Beruf zu haben, der es ihm ermöglicht, seine Mitmenschen zu beglücken, ihnen Gutes und Liebes zu erweisen, Trost zu spenden, Hilfe zu bringen. Er möchte, wo er hinkommt, die Herzen jubiliren und die Augen leuchten machen, in trübe Mienen ein frohes Lächeln zaubern!" Wissen Sie was, lassen Sie ihn Geldbriefträger werden!" Zweierlei. Junge Frau (bei Tisch zu einem Gast): Die Zeiten sind wirklich jetzt recht ernst, ich kann es keinem jungen Mann verübeln, wenn er nicht heirathen will." G a t t e (leise zu dem Gast): So spricht sie jetzt, weil sie mich bat!" Kindermund. Frau: Sieh' 'mal, Mann, mit den Kinderanzügen sind wir diesmal ordentlich 'reingefallen!" Ehemann: Wieso denn?" F tau: Weil sie sich nicht waschen lassen!" Der kleine Edwin: Du Mama, dann seid Ihr wohl mit unö auch ordentlich 'reingefallen?" Kleine Gefälligkeit. . . . Ihre Braut bringt Ihnen wohl ein ordentliches Stück Geld mit?" Ja, wenn ich das nur bestimmt wüßte! Möchten nicht Sie zur Probe die Schwester heirathen?" Praktische Kilfe. Eine Versicherungsgesellschaft, die auch eine Begräbnißkasse unterhält, gibt, um die Vortheile einer solchen plausibel zu machen, in ihrem Prospekt bekannt: Eine solche Kasse ist eine außerordentliche Wohlfahrtseinrichhing, da es doch sehr viel Leute gibt, die sich nicht selbst b e e i'd i. gen tonnen! Gcdankcnsplittcr. Große Herzen gleichen dem Weltmeer, sie frieren ine zn. Der Löwe des Tage wird oft ein Hase zur Nacht. Den wahren Freund erkennt, den falschen durchschaut man. Der Eine vergoldet sich schlechte Zeiten mit der Hoffnung auf bessere, der Andere verdirbt sich die guten mit der Furcht vor schlechteren. Die Natur ist eine gute Mutter: vollkom. nien konnte sie den Menschen nicht schaffen; dafür machte sie uns blind für unsere FeKler. Die 3!inge einer Konponscheere find die Brille maucker cb.'uauschauung.

Feuer - Signale. 4 Pennsylv und artet 5 Eng lish 'S Opern HauS S Säst und New York 7 Noble und Michiflan g 91. Jersey u. Mass Avs S Pine und North 10 Mavket und Pine 11 Vermont nah East 12 N. 8 Spritzenhaus Mast. Ave nahe Noble 13 Deware und Walnut 14 N. Jersey Central I, 16 Mass. und Cornell Ave .6 Ash und ll. Straß 17 Park Ave und 12 Et? .S Columbm und Hillfide 19 Highland Ave u. P,att 21 Illinois und St. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und EL 9tK 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiS 26 Senate Ave u. StSlai? 27 Jllinsis und Mchigan 25 Pesylvania und 14. Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave naheMichigan 32 Meridian und Wainut 24 Callsornia u Vermont 25 Blake und Nctv Dort 3 Jnd. Av. u. St. lair 37 City Hospital 3 Blake und North 39 Michlgan und Agnes 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 42 Gfendorf u Wash. 43 Missouri u Rcw Kort 45 Meridian u Wash 46 Jllmois und Oyw 47 Captol Av. u Wash 48 Kmgan'ö Porkhaus 49 Straßenbahn Stölle W.Washington Str 61 N. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 62 Illinois u Louisiana 52 West und Couch 64 West und McCarty 6 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Rav 68 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u MorviS 69 Madison Av. u Tunlop Sl Slo 2 Haken Leiteraus South nahe Telawar, 2 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McEarttz 4 ast und McEarty S6 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 68 Saft und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Cedar und Elm 74 Davidson u Seorgia 75 Suglish Zlv. u Pine 76 Cheky und Bäte 7? No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 East u Wasbington 84 New ?)ork u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 Or.ental und Wash. 89 Frauen-Resormat. Sl No. 13 Spritzenbau Marvlan nah Mer. 92 Meridian u. Vcrgia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Lonisiana 95 Birsini? Ave u. Alab. 9 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Obis .23 No. 16 Spritzenhaus l. und Ash. 124 Alabama und 1. ,25 Central Ave und ib. 126 Landes und 15. 127 Brookside und Jupiter 123 Central Av und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontame und 134 College Ave und 2. 135 Delaware und iZ. 1? Alabama und Rorth 137 Ntwmann Ut d 19. 133 College Ave und 14. 133 Cornell Ave und 13. 141 Dandes und 10. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvord und 17. 147 Ro. 2 Spritzenhaus Hiltside Ave und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Ave und 22. 15? L C u. W Bahn u. Z2. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Stougbton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawyatt. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood 12 Arten und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Elan u. eystom 167 Arsenal Ave und LZ. 163 Bellefontame und 23. 169 Park Ave und 10. 1 Capital Ave und 17. 213 Pennsylv. u. Michigan 214 Jllirnus u.'d 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsylvania und 22. 217 Meridian nd 1. 218 Capital Av und 26. 219 Broadwau und 10. 231 Illinois und McLean 234 No. 14 Spritzenhaus Kcnwo?d und 30. 235 J'.linois und 33. 2-36 Annctta und 90. 237 No. 8. Spri?cnh 5u Udcll und Raoer . 233 Udeil Laddrr WorkS 289 Jiadcl und 7. 241 Meridian und 24. 242' Illinois u Et. Cla r 243 Eldrioge nd 23. 312 West und Wainut 813 West und 12. S14 Horrard und 16. 315 Dorbet und Paca 816 Capital Av und 10. 317 Northwestern Ave u 313 Gent und 18. 81 Canal und 10. 824 Cercaline WorkS 324 Vermont und Lynn 825 Bismarck uranric 826 No. 29 SyritzcnhauS Hauahv'lle. 827 M'chigan u. Helmes, L28 Michigan u. Cencord 841 West und Mcnty 412 Viffouri u. Marvtand 413 Missouri und Ohio 415 Capital Ave u Gcorgia 416 Misiour'.u Aentuöy? 417 Senate Aoe 11. Was?. 421 P und E Run'uS 23. Washington. 423 Jrrcn-Hofpitat. 424 Mi.eyAve u. JDu2 425 Waso. und Harris 426 No. 18 Spritzenhaus 23. Waibmgton 427 Oliver und Birch 28 Oliver und Osgood 429 Nordvke und Z1rr 431 Hadlev Ave u. Morris, 432 River Ave u. Msrri? 4ö4 River Ave und Ray 435 Hatting u. Pig 4 R A 436 Harding und Oliva 437 No. 19 Lpritzenk? Morris und Harbin. 8 Howard und, 439 Stlxkyard 451 Reisn und Miller 52 Howard und Lee 455 Moros und SlaptK 456 Lambett und Beirut 57 Nordvke Ave u. War txon Works 512 West und Ray 613 enwcky Ave u. MerrS 14 Meridian und Morris 51 JllinoiS Nd Jlanfsl! 17 Morris nd Dakota 618 Morris und Ehurch bIS kapital . u McCartd 621 Meridian und Palm 523 Pine un' Lord 624 Madisor Avt u Lincoln 26 Meridian und Belt 9 627 Carlos und Ray 628 Meridian und Ar,zona 629 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty &i2 No. 17 Spritzenhaus Morris nah Wett 12 McKernanund Dough, 13 Last u. Lincoln Lu 14 East und Brecher 615 Wnaht und Sander 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u ir Ave 712 Spruce und Prospect 713 Enylist, Ar, u. LaureZ 714 Statt Avu. Blt R 716 Shelby und Bescher 716 State Av und Orang, 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Ct,aaae Av, 7i Lerington A. u Lau? 73 Flcher Ave u. Crac 72 State Ave u. Pleasant 725 Prospte und leasa: 72 Orange und Har laF 728 Liberty und Meek 729 9lbllZ UNb South 812 No 16 Spritzenhaus Ost Washington Str 813 Market und Noble 81 Ohio u. Highland v 81 Michigan u. Highlanl 1 Market u Arsenal 8Uw 817 Oft S Ciair und Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Sb-pL 823 Vermont und Valcstt 824 Wash. und Statt Afc. 826 Madden s Lounge Jak 82 Ducker und Dorsey 27 Wash. und BeviUe Av 829 No. 12 Spritzenhaus Beville nahe Mcdtg 831 Sontbeaster v und Woodfide. 82 Wash. und Dearbon, 884 Southeaftcrn und Arsenal kvet. 88 New Kort und Dempk 912 JllinoiS und Maryl, tii Jlunoii und Market 14 Perm, nd Woshk 16 Delaware nd Spezial Signale. Ersten I Schlage, ztoeiter Alarm, Zweiten Schläge, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, viert Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 8 Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlag, Uhr Mittags. Die V bezeichneten Signale werden nur vom Zhun Wächter angegeben da an den betreffenden Vttahes Keuzunge fcme Alarmkasten angebracht find.