Indiana Tribüne, Volume 26, Number 138, Indianapolis, Marion County, 2 February 1903 — Page 7

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H-HH-i Anheim. Fsmilirnroman von cctoi M alot. !-:-:-:-: : : : (Fortsetzung.) ao es nur allzuviel Jöenen m nc fer kleinen Kammer, so war dagegen kein einziger Stuhl zu entdecken. Die Nägel in den Wänden sind ganz bequem, seine Kleider dran aufzhängen." sagte Rosalie als Antlro.t uf den suchenden Blick, den Perri. rfc herschweifen ließ. Auch gab es unter den Betten einij Kiftchen und Körbe, worin die Schlaf gäste ihr Weißzeug, oder was sie sonst noch hatten, verwahren konnten, aber da Perrine nichts dieser Art besaß, so genügte ihr am Ende der Nagel, der zu Füßen ihres Bettes eingeschlagen war. Du schläfst mit braven Mädchen zusammen," sagte Rosalie; '.venn die Nußbraune in der Nacht zu schwatzen anfängt, so mach' Dir nichts draus; sie hat' dann nur zu viel getrunken, und sie plaudert ein bischen gern. Morgen früh steh mit den Anderen auf; ich werde Dir dann sagen, was Du zu thun hast, um angenommen zu werden. Gute Nacht!" Danke schön. Gute Nacht!" Ich stehe immer zu Diensten " sagte Rosalie noch unter der Thür. Perrine kleidete sich schnell aus, froh darüber, daß sie noch allein und der Neugierde der Mitbewohnerinnen nicht ausgesetzt w?r. Aber als sie sich Mischen ihre Betttücher steckte, spürte sie nichts von dem Wohlbehagen, worauf sie trotz der groben Leinwand gerechnet hatte. Wäre diese aus Hobelspänen gewebt gewesen, sie hätte nicht harte? sein können, aber das schadet nichts: die bloße Erde war auch nicht weich gewesen, als sie sich das erste Mal darauf gebettet hatte, und wie bald hatte sie sich daran gewöhnt! Es dauerte nicht lange, so ging die Thür auf und ein Mädchen von etwa fünfzehn Jabren trat herein, das sich auszog und von Zeit zu Zeit nach Perrine hinüberblickte. Da die junge Arbeiterin ihre Sonntagskleider anhatte, dauerte es lange, bis sie ganz fertig war, denn sie hatte diese in eine kleine Kiste einzuräumen und den Werktagsanv.lg für den nächsten Morgen an den Nagel zu hängen. eine Andere kam herein, eine Dritte. Vierte, und nun hob ein ohrenbetäubeute Plappern an, wobei alle zu gleicher Zeit schwatzten und jede ihre heutigen Erlebnisse erzählte. In dem ausse'varten Raume zwischen den Betten , gen sie ihre Stiefel aus und stießen sie fort, rutschten mit den Körben oder Kisten auf dem Boden umher und brachten sie untereinander, was Ausbräche der Ungeduld und ein Geschimpfe hervorrief, das sich schließlich gegen die Besitzerin der Schlaftammer kehrte. Welch ein Rattennest das!" hieß es. Nächstens werden sie noch Betten in die Mitte stellen." Das sag' ich, ich bleib' nimmer lang in dem Loche!" Wo willst Du denn sonst hin? 's ist immer noch besser hier als anders-wo.-So schrieen sie durcheinander; endlick aber, als sich die beiden zuerst Gekommenen auf's Ohr gelegt hatten, trat einige Ruhe und Ordnung ein, und bald waren alle Betten besetzt, außer einem einzigen. Die Unterhaltung wurde aber immer noch fortgesetzt, nur wechselte sie den Gegenstand. Nachdem man sich erzählt hatte, was heute Interessantes vorgekommen war. ging man zum gestrigen Tage über; man sprach sich über die Arbeit in der Fabrik aus, klagte über den ausgestandenen Aerger, die Karten Zumuthunzen, erzählte von den Streitigkeiten, die jedes gehabt hatte, den Klatschereien der ganzen Fabrik mit Bemerkungen über die Vorgesetzten: über Herrn Vulfran, seine Neffen, die man nur die Jungen" nannte, den Direktor Talouel, der blos einmal auf's Tapet kam, aber mit Prädikaten, die besser ausdrückten, was man von ihm hielt, als es viele Worte vennocht hatten: der Schnüffler, hieß es, der Dürre. der I"das! oecytlcy Perrme ein iciiiames Gefühl, aus Widersprüchen gemischt, üver die sie erstaunen mußte: sie wollte ganz Ohr sein, hätte gern kein Wort von diesen Aeußerungen verloren, die ihr ja so wichtige Aufschlüsse geben !c ntmz und doch sträubte sich etwas in ihr dagegen, als schämte sie sich, die losen Reden mit anzuhören. Mittlerweile nahm das Klatschen seinen Fortgang, aber die Reden waren gar oft so dunkel oder persönlich, daß man die Leute, von denen gesprochen wurde, kennen mußte, um den Sinn zu verstehen; so dauerte es auch lange, ehe Perrine errieth, daß unter dem Schnüffler, dem Dürren, dem Judas, einzig und allein jener Talouel gemeint war, den die Arbeiter gründlich haßten, doch ebenso sehr fürchteten, was die ZurückHaltung, die Vorsicht, die gleisnerische Art bewiesen, womit über ihn geurtheilt wurde. Alle Stiche auf ihn endigten nahezu auf dieselbe Weise. Da hieß es: Trotz alleoem ist er ein braver Mann!" Ja, und unparteiisch!" O. ich weiß doch nichts Aber gleich darauf setzte ein Andere hinzu: Trotzdem Und dann wurden allerhand Beweis

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aufgezählt, die diese Güte und'diese Unparteuichkeü darthun sollten. Wenn man nur nicht fur's liebe Brod arbeiten müßte!" Nach und nach wurden aker die Zunqen müde. Wenn man nur schlafen sönnt " rain es vcn einer cr'chopsten stimme. Wer hindert Dich daran?" La Ncyelle, die Nußbraune, ist noch nicht da. Ich habe sie vorhin gesehen." S?..' ist wobl in ihrem Dusel?" Ja. und wie!" Daß sie nicht einmal die Treppe allein heraufsteigen tann?" Das kann icy nicht wissen." Wie wär's, wenn man die Thür verriegelte?" Welchen Heidenlärm würde sie da machen!" Es wird gerade so schlimm werden wie letzten Sonntag." Vielleicht noch schlimmer." In diesem Augenblick hörte man ein schweres Cstolper auf der Treppe. Da kommt sie!" Aber die Schritte hielten an, und eö folgte ein Stöhnen. Fall und ein schmerzliches Si.' ist hingefallen." Wenn sie sich nicht aufhelfen könnte?" Ach was, sie schliefe ebenso gut auf der Treppe als hier." Und wir. wir schliefen um so besfer.' Das Wimmern dauerte fort, und dazwischen hörte man bittende Rufe: Komm doch. Laide! Nur ein klein tocnig hilf mir, mein Kind!" Das fehlte noch, daß ich hinunterginge." O je! Laide, Laide'" Da sich aber Laide nicht rührte, hörte nach und nach das Rufen auf. Sie schläft ein." Zum guten Glück!" Sie schlief aber keineswegs, sondern sie versuchte, von Neuem die Treppe heraufzusteigen und rief wieder: ,.Laide, komm, mein Kind, und gib mir die Hand! Laide. Laide!" Sie war offenbar nicht naher ge-

kommen, die Hilferufe kamen noch rädinnen der Nußbraunen diese Nachimmer vom Fuße der Treppe, und je barschaft ertragen? Ob es wohl in

flehentlicher sie bat, je bitterlicher weinte sie dabei. Meine kleine Laide. mein Laidchen, kleines, liebes, die Treppe sinkt unter. o weh. o weh!" Da ging ein Gelachter los und lief von !6ett zu Bett. Sage. Laide, bist Tu denn noch nicht heimgekommen? Sage, Laide. sage nur. dann will ich Dich heimholen. Nun haben wir Ruhe," kam es von einer Stimme. O nein, sie wird jetzt gehen, um Laide zu suchen, und wenn sie sie nicht findet, wird sie zurückkommen in einer stunde vleüelcht. und dann geht der Lärm von Neuem an." So wird man ewig nicht zum Schlafen kommen! Geh. Laide. hilf ihr herauf!" Geh Du selber!" Dich allein will sie." Laide entschloß stch endlich, sie wa einen Rock über und ging hinab. O mein Kind, mein Kind!" rief die gerührte Stimme der Nußbraunen Man batte nun alauben sollen, es bindere die Beiden nichts mehr, die Trevpe, die nun nickt mehr versänke. miteinander bcraufzusteiaen aber die l v reude. ihre Laide zu sehen, brachte die -trumenc aus anoere eoanien: , e fT t Komm mit mir, ich zahle ein Töpfchen für Dich." aive nen na? aver ourcy Oieien Aorschlag nicht in Versuchung unKomm jetzt nur in's Bett." sagte sie. Nein, komm Tu mit mir, meine kleine Laide!' Die Unterhaltung zoa sich in die Länge, denn die Nußbraune, die sich auf ihren neuen Gedanken ganz versteifte, wiederholte ihre Worte fort und fort: Ein kleines Töpfchen!" Das nimmt kein Ende." sagte eine stimme. Und ich möchte doch gern schlafen. ich!" Man muß morgen so früh wieder aufstehen!" Und so ist's nun jeden Sonntag!" Arme Perrine! Sie batte geglaubt, wenn sie ein Dach über ück kätte. mürce ihr der friedlichste Schlummer zu Theil werden. Ach, um wie vie'. besser war sie doch im freien Felde daran gewesen, umaeben von den Schrecken der Tnlelheit und den Un f. 1 - c .11 m II f. r bilden des Wetters, als jetzt in dieser vollgepfropften Kammer mit ihrem wüsten Durcheinander, ihrem Lärm und ihrem abscheulichen Dunst, der anfing sie des Athems zu berauben, und in einem Grade, daß sie nicht wußte, w:e sie es noch mehrere Stunden hier sollte aushalten konncn. draußen dauerte die Verhandlung noch immer fort, und man hörte die Nußbraune ftets wiederholen: ..Ein kleines Töpfchen!" worauf Laide immer wieder antwortete: Morgen. Ich will jetzt der Laide zu Hilfe kommen." sagte eins der Mädchen, sonst dauert die Geschichte bis morgen. Sie stand auch wirklich auf und ging hinunter; dann brach auf der Treppe ein wirres Reden und Schreien los, begleitet von schweren Schritten, dumpfem Aufschlagen und dem Schelten der Bewohner des Erdgeschosses, die sich über diesen Lärm erbosten; das ganze Haus schien in Aufruhr zu sein. Schließlich wurde die Nußbraune in die Kammer aeschlevvt. sie beulte er-

vnne, . bärmliw und rief: Mjßas hab' ich Euch denn gethan? Ohne aus thr Gcmmmer zu hören, zog man sie aus und steckte sie in's Bett; aber sie beruhigte sich keine?weas,. schlief nicht ein, sondern fuhr fort zu weinen und zu stöhnen. Was hab' ich Euch denn gethan. daß Ihr so crob mit mir umaeln? Bin ich nicht unglücklich genug? Bin ich denn eine Diebin, daß man nicht mit mir trinken will? Laide, ich habe Durst." 5te mehr sie jammerte, je mehr stieg ver Unwille gegen sie in er Schlafkammer, icde rief ihr mehr oder wemger heftig ein Schimpfwort zu. Ader sie horte mcht auf zu Pappeln: Tralala, hopsasa, da sind wir ja. Guten Morgen, mein Bester! Was macht Ihre Schwester? Wie schmecken Trester? Laidchen halt fester!" Als sie alle Reime auf ester, die ihr in's Ohr fielen, erschöpft hatte, kam sie auf andere, die auch nicht mehr Sinn hatten: Der Kaffee riecht fein. viel besser schmeckt Wein: er macht auch Pein: in'L Spital hinein! Da gibt's keine " :! Ich hab' viel Durst; Durst hao' ich. Durst. Durst!" Von Zeit zu Zeit wurde ihre Stimm schwächer und die Worte folgten sich langsamer, wie wenn sich der Schlaf nun bald einstellen wollte; aber auf einmal fing sie fc:n Neuem an, schwatzte geschwinder, kreischender, und dann fuhren die eben Eingeschlummerten heftig aus dem Scblafe empor und siießen wüthende schreie aus. die die Nußbraune erschreckten, doch nicht zum Schweigen brachten: Warum geht Ihr denn so grob Mit Mlr um? Seid gescheit, liebe Leut, und verzeiht!" Das war ein sauberer Einfall von Dir, sie heraufzuschleppcn!" Du Hast's ja so haben wollen. Wie wär's, tvenn man sie wieder hinunterschaffte?" Dann wär's vollends mit dem Schlafen vorbei Das dachte auch Perrine. die sich vorstellte, wie schrecklich es wäre, wenn sich die Szenen jeden Sonntag wiederholten; wie konnten nur die Käme Maraucourt nicht andere Herbergen gäbe, wo man seine ungestörte Nachtruhe hatte? fragte sie sich Es war aber nicht allein der gräßliche Lärm, der ihr den Aufenthalt in dieser Kammer im höchsten Grade zuwider, ja unerträglich machte, es war auch die grundschlechte Luft, die sie einathmen mußte: dumpfig, heiß zum Ersticken, voll übler Gerüche, erregte sie ihr Uebelkeit und Schwindel. Endlich fing die Wortmühle der Nußbraunen an, sich langsamer zu drehen, brachte nur noch abgebrochene Worte hervor, und zu guter Letzt kam blos noch ein regelmäßiges Schnarchen aus ihrem Munde. Hwar herrschte nun eine andauernde Stille in der Kammer, und doch konnte Perrine keinen Schlaf finden: sie fühlte eine heftige Beklemmung, dumpfe Schläge pochten an ihre Schläfe, sie war vom Kopf bis zu den Füßen in schweiß gebadet. Der Grund dieses Uebelwerdens war nicht weit zu suchen, sie erstickte fast, weil ihr die Luft fehlte, und wenn ihr? Schlafefährtinnen nicht in gleicher Weise litten wie sie, so geschah es, weil iene daran qewovnt waren, in solcher Atmosphäre zu leben, die auf Fernand, der aewöbnlick im dreien IV. ' o i j - fM -f. erst ck end wirken muhte. Da sich nun diese Mädchen, die doch vom Lande waren, an die schlechte Lust aewöbnt hatten, sollte sie es auch dahin bringen können, dachte Perrine: es fehlte ibr wobl nur an Mutb und Ausdauer dazu; und war sie auch nicht auf dem Lande aufgewachsen wie die Anderen, so hatte sie doch eine ebenso saure Lebensweise, vielleicht eine viel kum merlichere. hinter sich, darum sah sie keinen Grund ein. warum sie nicht ebenso gut das ertragen lernen sollte, was die Anderen ertrugen. Nur nicht athmen, dachte sie, nur nichts fühlen, dann müsse sich der Schlaf einstellen denn das wußte sie, bflft ;m Scklafe der Hnuckssinn nickt mebr in Tbätiakeit ist. Leider athmet man aber nicht, wann man will, oder wie man will; es nützte ihr nichts, den Mund zu schließen und die Nase zuzuhalten, sie mukte bald die Lippen wieder öffnen und einen um so tieferen Athemzug durch die Nafe thun, weil keine Luft mehr in den Lungen war; ja zu ihrem Schrecken mußte sie dieses Einathmen trotz allem Widerstreben mehrmals wiederholen I . - ' ' Aber was nun? Was sollte aus ihr werden? Wenn sie nicht athmete, mußte sie ersticken, und athmete sie, so wurde sie krank. Als sie so mit sich im Streite lag, streifte ihre Hand zufällig das Papier, das in dem Fenster, neben dem ihr Lager aufgestellt war, die Stelle einer Scheibe vertrat. Ein Papier ist keine Glasplatte, man kann sie ohne Geräusch zerreißen, und dann ließ es die Luft von außen hereindringen. Was cyaoete es. wenn sie's zerriß? Waren die Anderen auch an diese verdorbene Luft gewöhnt, so hätten sie dann gewiß weniger davon zu leiden. Wenn sie alio Niemand da durch aufweckte, konnte sie das Papier ohne Nachtheil sprengen. Aber sie hatte nicht nöthig, sich zu diesem Aeußersten, das Spuren zurücklassen mußte, zu entschließen; denn als sie nach der Stelle tastete, fühlte sie. daß das Papier nicht festgeklebt war. so daß sie es mit dem Nagel vorsichtig an einer Seite loslösen konnte. Sie vreßte dann ihren Mund an die Ocff-

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FebrzKr 1903. nung, tonnte jetzt athmen und schlief in dieser Stellung ein. 13. Kapitel. A ls Perrine ei wachte, fiel ein weißlicher Schein auf das Fenster, doch so schwach, daß es in der Kammer nicht hell davon wurde; draußen krähten die Hähne, und durch den Spalt an der papierenen Scheibe drang eine kalte Luft herein: es war der neue Tag, der sich anmeldete. Trotz dem leichten Luftzug, der von außen kam, war doch der schlechte Gcruch tn der Kammer nicht gewichen; wenn auch ein wenig reine Luft eingeströmt war, so war doch die verdorbene nicht hinausgezogen, sie hatte sich gehäuft, verdichtet, erhitzt und in einen feucktcn Dunu zum Ersticken verwanoelt. Dennoch lag alles in bleiernem Schlafe, den nur hin und wieder dumpfe Klagelaute unterbrachen. Als es Perrine versuchte, den Spalt zwischen Pavier und Fensterrahmen zu vergrößern, stieß ste ungeschickter Weise mit dem Ellenbogen so stark gegen die Scheibe, daß das schlecht in seine Umrahmung eingelassene Fenster einen fortschwingenden Schall gib. Aber nicht nur erwachte Niemand davon, wie sie fürchtete, sondern es schien auch, als hatte dieses ungewöhnliche Geräusch keine einzige der Schlafenden gestört. Nun wußte sie, was sie zu thun hatte. Ganz leise nahm sie ihre Kleider vom Nagel, zog sie langsam, ohne Geräusch zu machen, an, nahm dann ihre Schuhe in die Hand und schlich barfuß der Thür zu, wohin ihr das Frühlicht die Richtung anzeigte. Die Thür war nur zugeklinkt und ließ sich ganz leise öffnen, so daß sich Perrine auf dem Treppenabsatz befand, ohne daß Jemand ihr Hinausgehen bemerkt hätte. Nun setzte sie sich auf die oberste Treppenstufe, zog ihre Strümpfe und Schuhe an und stieg dann die Treppe hinab. Ah. die gute Lust! Die köstliche Frische! Noch nie hatte sie mit solcher Wonne Athem geholt! Sie ging nun mit offenem Munde und zitternden Nasenflügeln durch den kleinen Hos, schwang ihre Arme und wiegte den Kopf hin und her. Das Geräusch ihrer Schritte weckte einen Hund in der Nachbarschaft; er fing an zu bellen und gleich darauf antworteten ihm andere Hunde im wüthenden Eifer. Aber was kümmerte sie das? Jetzt war sie nicht mehr die Vagabundin. die sich vor den Hunden fürchten mußte, und wenn sie Luft hatte, ihr Bett zu verlassen, so hatte sie das beste Recht dazu, ein Recht, das sie mit ihrem Gelde bezahlt hatte. Da ihr der Hof für ihr Bewegungbedürfnist zu klein dünkte, trat sie durch das offene Gatterthor auf die Straße hinaus und ging nun gerade dor sich hin. ohne zu fragen, wohin sie der Zufall führen werde. Die Schatten der Nacht lagen noch auf ihrem Wege, aber über sich sah .sie schon die Gipfel der Bäume und die Firste der Häuser vom Morgenlicht angehaucht. In wenigen Minuten mußte es Tag werden. In diesem Augenblick erklang ein Glockenschlag inmitten der lautlosen Stille: er kam von der Fabrikuhr, die ihr mit ihren drei Schlägen ankündigte, daß sie noch drei ganze Stunden vor dem Eintritt in die Arbeitssäle frei hatte. Was sollte sie in dieser Zeit anfangen? Da sie sich vor dem Beginn der Arbeit nicht ermüden wollte, konnte sie nicht so lange auf den Füßen bleiben; darum hielt sie es für's Beste, sich irgendwo hinzusetzen und zu warten. Von Minute zu Minute hatte sich der Himmel mehr aufgehellt, und die Gegenstände um sie her nahmen unter dem Streiflichte, das sie traf, so bestimmte Formen an, daß ihr bald deutlich wurde, wo sie sich befand. Sie stand gerade am Rande eines Weihers, der hier begann und sein stilles Wasser fortzuleiten schien, um es mit anderen Weihern zu vereinigen; und so ging es fort von Teich zu Teich die je nach der Ausbeutung des Torflagers verschieden an Umfang waren bis zum großen Flusse hin. War das nicht eine Bodengestalt, wie sie sie schon auf ihrem Herweg von Picquigny bemerkt hatte? Nur schien ibr diese Gegend abaeleaener. einsamer vno mehr mit Bäumen vesttzt, deren Reihen wirr ineinander liefen. Sie blieb hier eine Weile stehen, da ihr aber der Platz zum Niedersitzen nicht bequem schien, ging sie wcher. Der Weg verließ jetzt hm Pand des Weihers und führte am Abhänge eines bewaldeten Hügels hinauf; in jenem Gehölz, dachte Perrine, würde sie gewiß finden, was sie suchte. Aber als sie sich dem Orte näherte, bemerkte sie am Ufer des Weihers unter ihr eine jener Hütten aus Rohr und Zweigen, die im Winter zur Jagd auf Zugvögel dienen. Da kam ihr der Gedanke, wie gut sie in dieser Hütte, wenn sie sie erreichen könnte, geborgen wäre, ohne daß es Jemand auffiele, was sie zu so früher Stunde in den Wiesen zu thun hätte, und auch ohne immer wieder von dicken Thautropfen benäßt zu werden, die von den über den Weg hängenden Zweigen wie ein Regen auf sie herabtröpfelten. Sie stieg wieder hinab, und nach einigem Suchen fand sie in einem Weidengebüsch einen schmalen, kaum betretenen Fußpfad, der zu der VogelHütte zu führen schien. Sie schlug ihn ein, bemerkte aber, daß der Pfad wohl zu der Hütte hinführte, aber nicht bis zu ihrem Eingang, da sie auf einem ganz kleinen Jnselchen zwischen drei Weiden, die ibr als Stütze dienten, er-

St. Jakobe

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Das beste Heilmittel in der Welt. In 25 und 50 richtet und durch einen vollen Wastergraben von dem Weidengebüsch getrennt war. Glücklicher Weise war aber ein Baumstamm quer über den Graben gelegt, ein ziemlich schmaler zwar und durch den Thau feucht und glitscherig geworden, doch kein Hinderniß für Perrine, hinüberzuklettern. Und nun stand sie vor einer Thür aus rfc? st ii Qvtipt nrt ii nS frrnisftA mir V4.y' Utlt.' IVV klJVtl V W V VV V V7 V die Weidenruthe, womit sie befestigt war, loszumachen, um sie zu öffnen. Die Vogelhütte war viereckig und bis zum Dache hinaus mit einem dichten Geflecht von Schilf und Binsen bekleidet; an allen vier Seiten waren kleine Oeffnungen ausgeschnitten, die von außen nicht sichtbar waren, aber den Ausblick auf die Umgebung gestatteten und zugleich das Tageslicht einließen. Auf dem Boden war eine dichte Streu von Farnkraut ausgebreitet, und in einer Ecke diente ein Block aus einem Baumstamme als Stubl. (Fortsetzung folgt.) Marokkanisch: vcrhuttnift. BkUvieUose rptton euf Schritt und 2(tt2. TaS LooS der eiche. Im Hinblick auf die Legenwärtigen Wirren in Marokko dürften die nachfolgenden Mittheilungen eweö eng lischen Reisenden über daS dortige Gefänznißwefen und die heillosG Korruption in dem halb':ivilisirten Staate des Interesses nicht entbehren. Seit Menschengedenkcn hat der ungehemmte Goldzufluß in die Kassen des jeweiligen Sultans rcn Marokko und seiner Minister nch den Belichten unseres Gewährsmann.' seine HauptqueÜe in beispiellos frech:n Erpressungen. Der Sultan hat ii:er die Besitzihümer seiner Unterthanen unumschränkte Maazt, und gelüstet es ihm nach den Reichthümern irgend eines Kaufmanns, so werden dieselben einfach konfiszirt und der arme Reiche w'v als staatsgefährlichz Person" in's Gefängniß geworfen. Besonders die Juden, die etwa 25 Prozent der Bevölkerung Marokkos bilden, und den größten Theil des Handels in Händen haben, müssen unter diesen Verhältnissen schwer leiden. Sie sind mit Steuern überlastet, und webe demzenigen, der es an gelegen!lichen Geschenken für den Sultan und seine Schranzen fehlen ließe! Die Steuer.'inhebung erfolgt vollkommen willkürlich, und vom Sultan herab bis zum niedersten Beamten betrachtet es Jeder als den Hauptzweck, die eigenen Taschen dabei nach besten Kräften zu füllen. Zeigt sich ein Bürger widerspenstig und weigert er sich, mit dem schnöden Mammon herauszurücken, so werden ihm im Gefängniß Daumschrauben angelegt, bis er unter den gräßlichen Folterqualen das Versteck seiner Schätze zu verrathen geneigt ist. Kaufleute werden eingesperrt, nur um für ihre Freiheit ein Lösegeld zu erpressen, andere wieder zahlen regelmäßige hohe Abgaben an die Machthaber des Sultans und erkaufen sich damit das Recht, ungestört ihren Geschäften nach gehen zu dürfen. Die Gefängnisse Marokkos stnd schmutzige Ställe, denen oft sogar das Dach fehlt, so daß der Regen ungehindert hereinströmt. Die Gefangenen werden wie die Thiere zusammengepfercht und von irgend wel chen sanitären Maßregeln ist natürlich keine Rede. Die Nahrung besteht aus winzigen Stückchen verschimmelten Brodes, ja selbst Trinkwasser wird den Gefangenen nur sehr spärlich, oft mit zweitägigen Unterbrechungen, verabreicht. Eine Gefangenenliste zu führen, wäre für den marokkanischen Beamten unnütze Zeitvergeudung. Eines schönen Tages sind eben mehrere Leute weniger im Gefängnisse,' und Niemand wird es auch nur im Traume einfallen, nach ihrem Verbleib zu forschen. Daß unter solchen Umständen von Industrie oder geregelter Landwirthschaft kaum die Rede sei kann, erscheint nicht weiter verwunderlich. Jedermann hat allen Grund zur Furcht, in den Ruf eines reichen Mannes zu kommen. Er weiß, daß den Lohn seines Fleißes Andere ernten würden und er selbst für seine Beinühungen noch Hollenqualen im Gefäirgniß zu erleiden hätte. QmTttivlcben. Fleischet: Was gefallt Ihnen denn an der Wurst nicht?" K ä uf e r i n : Na, die beiden Enden!" Fleischer: Aber jede Wurst hat doch zwei Enden!" K ä u f e r i n : Aber bei dieser hier liegen fi zu dickt bei einander!"

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Schmerzen, wie Etablirt seit 50 Jahren. Sentö rötzeu. Feuer - Signale. 4 Pennsvlv nd Werte 6 English S Op-HuS 6 Sast und Sie York 7 Noble und Michigan 8 N. Jnley u. Mass M 0 Pine und North !0 Mavkkt und Pine 11 Vermont nah East 12 Nz. 8 Spritzenhaus Maff. v nak? Noble !3 Dcwan und Walnut 14 . Jersey u Central. 15 Mass. und Ssrnell Ave -6 m und 11. S trabe 17 Part ve und 12 Str .3 Coiumb, undHillfide 169 Park ve und 10, 212 apiUtl Av und 17. 213 Pennshlv. u. Michigan 214 Illinois und 20. 215 Senate ve und 21. 216 Pennwlvania und 22. 217 Meridian nd 16. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLeen 234 No. 14 Spritzenhaus Aenwood und 30. 235 Illinois und 52. 2-36 Annetta und V. 237 No. 9. Spritze, hzus, Udell und Ra,er 238 Udeil Ladder SLorlS 239 Jjabll und 27. 241 Meridian und 24. 242 JllinoiS u Et. Cla, 243 Eldridge und 23. S12 West uud Walnut 813 West und 12. S14 Howard und 16. 815 Torbet und Paca 816 Capital Ave ud 10. 317 Nortrwestern Ave 21 818 Gent und 18. 31 Canal und 10. 324 Cerealine Works 324 Vermont und üirnn 325 Bisrnarck u ?randie 26 Ro. 20 Svrttzenhaus Haugbvilie. 27 Michigan u. Hlmes. 28 Michigan u. Concord 41 West und McJntyre 412 Missouri u. Maryiand 413 Missouri und Obio 415 Capital Ave u Seoraia 416 Missouri u Antuky V 417 Senate Av n. Was. 421 P und E Rund'lS W. Washington. 42 Jrren Hospital. 424 Mi.evv u.JDu2 425 Wash. und Harris 42 No. 18 Spritzenhaus W, ashinzton 427 Oliver und Bü-ch 428 Oliver und OSgood 429 Rordyke und Dcrk 431 Hadlev Ave u. MorrU 4Z2 River Ave u. MorriS River Ave und Ray 435 Hardrng u. Big 4 N 436 Harding und Oliv 437 Ro. 19 SpritzenhoZ WorriS und Hardin. 488 Howard unftoU 439 Stockvards 451 Reisn und Will 452 Howard und Lee 45 MornS und Kar 45 Lambert und Bei..nl 457 Nordyk ve u. rnon Worts 612 West ,d Ray 513 AentucrdAve u.Merriu 14 Meridian und Morrkt 516 Illinois und ansas 617 Storni und Dakta 618 MorriS und Church 519 Capital A. u McCarty S21 Meridie und Palms 623 Pine un', Lord ü24 Madisor Ave u Lincoln 26 Meridian und Belt A K27 CarloS und Ray 528 Meridian ud Anzona 629 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McCarty 632 Ro. 17 Epritzcnl-2uS Morris nahe West 612 McKernanund Dough 613 East u. Lincoln L 614 East und Brecher 615 Wnght und Sander 617 McCarty und Beaty 618 New Jersey u ir Ave 712 Epruce und Prospekt 71 Cnglish p. u. Laurel 714 State Ave u. Belt R K 716 Shelby und Beecher 716 State Av und Orang, 713 Orange und Laurel 7 Shelby u. Ccaae AlX 721 Lexington A. u 2auaJ 725 Flacher Ave u. Spru 724 State Aveu. P'.easant 7 IS Prostet und leasa. TM Orange und Hnlar ?28 Liberty und Meek 729 Nbl: und South 812 No. 16 Spritzenhaus Ost Washington Str 81 Market nd Noble 814 Obio u Hißhland 815 MicbiaZN U. Higolank 816 Markn Arsenal Av, 817 Ost S Cla und Union ahn eleile. 821 Pan Handle ShepK 825 Vermont und Walcott 824 Wast. und State , 826 adden'iktge Jak 626 Ducker und Dorsey 827 ash. und veville Av 829 Ro. 12 Spritzenhaus Beville nah Michiga, 851 Southeaster Av und Woodside. 2 Wash. und Dearvor 854 Southeastern und Arsenal Aves. 856 New Kork und Tempi 12 JllinoiS nd Vary . tlt Illinois und Harte.. 14 Penn, id 915 Telawar nnd ta 13 Highland Ave u. P,att tl Illinois und St. I 2? Pennsvlv. und Pratt 24 Meridian und 11. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiS ZS Senate Ave u. EtSlatr 27 Illinois und Michigan 2? Pksylvani und lt. i.9 Snate Ave. und 13. 31 No. 1 Cpritznchaus Ind Ave ncchMichigan Z2 Meridian und Valnut 34 California u Bmont 36 Blake und Ren? j)crt 36 Ind. Av. u. St, lair 37 6lty Hospital 38 Blake und Norty 39 Michigan und Agnes 41 No. e Spritzenbaus Washington nah West 42 Esendorf u Wash. 43 Missouri u New Dort 45 Meridian u Wash 46 IllmoiS und hu 47 Capitol As. u Wash 43 lngan'i Porkhaus n Tnaßenbahn Ställe W. Washington Str 51 Ns. 1 Spritzenhaus Illinois u Merrill 2 JllinoiA u Louisiana 53 Wcsl und South 54 West und MeCartl, 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Morvi 60 Madison Av.uTunlop 61 No 2 Haken Leiterhau South nahe Telawar 62 Penn, u Mernll 03 Tklaware u. McEarttj 4 aft und VcEatty 65 Nett, Jersey u. Merrill 67 irg. 5lv. u Bradsha 68 East und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Lir ?.vk. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Ecdar und Elm 74 Davidson u tZeorgt 75 English Av. u Pine 76 Sbcldy und Bäte 7k No. 3 Spritzenhaus Prr,svcct nahe Shelby 7) Fletcher v. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Fork u. Davidior & Taubstummen Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Rcsormat. 91 No. 18 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Vcrgia. 93 Meridian und South 94 Pennshlv u. Loniftana 95 Birzini? Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohio 23 No. 16 Spritzenhaus 1. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 PandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 128 Central Ave und 17. 12g Delaware und IS. 131 Alabama und 11. 13 Bellesontaine und fc 134 College Ave und 2. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Rewmann und 1. 138 College Av und 14. 13? Corntll Ave und IS. 141 Dandes und I?. 142 Highland Ave und 10. 143 Trcumseh und 10. 145 New Jersey atid 22. 146 Aloord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hillside Ave und 16. 148 College ve und 22. 149 College Ave nd 27. 152 Park Ave ' und 2. 15 L E u. W Bahn u. 2. 154 Ramsey Ave und 16. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Briahtwood l2 Arven und Depot 163 Brightwsod und 26. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eystone 167 Arsenal Ave und 23. 163 Bellefontaine Md 28. Spezial-Giznale. Ersten l Schläge, zweiter Alarm. Zweit 2 Schlage, dritter Alarm, Dritte 2 Schlüge, vierter Alariu. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. Schlag, Wasserdruck ab. 12 Schlüge, 12 Uhr Mittags. Die V bezeichneten Signal werden nur vom Xhwn (Dächtet angegeben da an den ve tretende Strafen kreujunge tctec Alarmtüfte angebracht sind

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