Indiana Tribüne, Volume 26, Number 132, Indianapolis, Marion County, 26 January 1903 — Page 7
Jndiana Tribune, 26 Januar I90tt,
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1 Anheim. mnilienromau von z) v V v V m - - ...,-V'-V'T,V,-,,'T-'..'..,.,'-i,, iVi i rrn """" rrm t ji n 4- . 34-1 , 1 I .-v (Fortsetzung.) Da wandte sie sich zu ihnen allen, größte sie mit einer sprechenden Bewegung des Kopfes und beider Hände, und in diesen Abschiedsgruß legte sie ihre ganze Dankbarkeit; dann entfernte sie sich aufs Eiligste, den Rücken geduckt, als ob sie sich flüchtete. Ich lade zu einem Schluck Wein ein," s..,.' Pfefferkorn. . Das könnte einem gut thun," meinte die Gräfin. Zum ersten Male that jetzt Vater Karpf den Mund auf und flüsterte: Arme Kleine!" Als Perrine in die Ringbahn eingestiegen war, zog sie aus ihrer Tasche eine alte Reisekarte von Frankreich hervor, die sie seit ihrer Entfernung aus Italien oft gebraucht hatte, und der sie sich zu bedienen verstand. Von Paris nach Amiens war ihr Weg einfach, sie brauchte nur der Straße nach Calais zu folgen, die früher von der Briefpost befahren wurde und durch eine feine schwarze Linie auf ihrer Karte bezeichnet war. Es ging über Saint-Denis, Ecouen, Luzarches, Chantilly, Clermont und Breteuil; in Amiens würde sie diese Straße verladen und der nach Boulogne folgen müssen. Da sie auch die Entfernungen abzuschätzen wußte, so berechnete sie, daß der Weg bis Maraucourt ungefähr einhundertfünfzig Kilometer betrage; wenn sie nun Tag für Tag dreißig Kilometer zurücklegte, würde sie fünf bis sechs Tage zu ihrer Reise brauchen. Ob sie aber wohl diese dreißig Kilomcter täglich zurücklegen könnte? Ob sie immer am nächsten Morgen im Stande wäre, weiter zu wandern? Gerade weil sie aus Erfahrung wußte denn sie hatte Stunden auf Stunden an der Seite Palikars große Märsche gemacht daß es durchaus nicht dasselbe ist, dreißig Kilometer gelegentlich oder diesen Weg Tag für Tag zu machen, stiegen ihr bange Zweifel auf. Sie wußte, wie bei solchen Märschen die Füße wund die Kniee lahm wurden. Und wie würde sich das Wetter während dieser Zeit halten? Würde der .Himmel so heiter bleiben wie jetzt? Wenn die Sonne schiene, auch noch so heiß, könnte sie ihren Weg recht wohl verfolaen, aber was sollte sie anfangen. wenn Regen einträte und sie nichts hatte, sich zu schützen, als ihre-zerlump-ten Kleider In einer Sommernacht konnte sie sehr gut im Freien übernachten, unter dem Schutze eines Baumes oder eines Gebüscbes. Aber das Blätterdach, das den Thau aufnimmt, hält den Regen nicht ab. Hx m großen Gui sen durchschlägt. Sie war freilich schon oft genug durchnäßt worden, und ein Gewitterguß, selbst ein Wolkenbruch scoreckte ne mcht; tonnte sie es aber sechs Tage ohne einen trockenen Faden auf dem Leibe aushalten, vom Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zum Morgcn ? Harte sie Pfefferkorn geantwortet, oaß sie nicht genug Geld habe, mit de Eisenbahn zu reisen, so meinte sie damit, wie sie es bei sich selbst dachte, daß sie für eine Fußreise noch genug habe aber nur unter der Voraussetzung, daß sich diese Reise nicht in die Länge Zöge. Als sie das Champ Guillot verließ. besaß sie noch fünf Francs funfund dreißig Centimes, und nachdem sie ihre Fahrtarte mit sechs Sous bezahlt hatte, , blieb ihr noch ein Fünffrancsstück und ein Sou übrig und sie hörte die Münzen in ihrer Tasche aneinander klingen, wenn sie eine lebhaftere Bewegung machte. Dieses Geld mußte also zur ganzen Reise ausreichen, ja noch darüber hinaus, damit sie noch ein paar Tage in Maraucourt davon leben könnte. Ob dies wohl möglich wäre? Sie war mit dieser Frage und allen sich daran knüpfenden noch nicht m's Reine gekommen, als sie die Station La Chapelle ausrufen hörte; da stieg sie aus und schlug sofort den Weg nach Saint-Denis ein. Jetzt brauchte sie nur geradeaus zu gehen, und da die Sonne noch zwei bis drei Stunden am Himmel sein würde, so hoffte sie nach ihrem Untergange so weit von Paris entfernt zu sein, daß sie unbesorgt im freien Felde übernachten könnte, was das Beste für sie wäre. Allein wider Erwarten folgte ununterorochen Haus auf Haus, Fabrikgebäude auf Fabrikgebäude, und soweit ihr Auge reichte, sah sie auf dieser weiten Ebene nichts als Dächer und hohe Kamine, aus denen Wolken von schwurzem Rauch cmporwirbelten. Aus den Fabriken, den Schuppen, den LagerHäusern tönte ein furchtbarer Lärm, das Brausen und Schnauben der Maschinen, gellende, schrille Pfiffe, das Zischen des ausströmenden Dampfes, während sich auf der Straße selbst Fuhrwerke, Karren. Pferdebahnwagn in einer dichten Wolke von rothem Staube oorwärts bewegten oder sich in gedrängten Reihen kreuzten, und auf den mit einer Plane der getheertem Segeltuch bedeckten Karren zeigte sich wieder jene Aufschrift, die ihr schon an der Barriere von Bercy aufgefallen war: Fabriken von Maraucourt, Vulfran Paindavoine."
Dieses Paris wollte also kem Ende
nehmen! Wann würde sie cs endlich im Rücken haben! Es war ja nicht die Einsamkeit des freien Feldes, die Snlle der Nacht, die Schauer der Dunrelyett, wovor sie sich fürchtete, sondern die große Stadt mit. ihren Üäusnn. ihren TOnftfyn. ib"e lsfiam nen . '- mm - . r " a Ein viaues scyllv an vcr ae emes Hauses belehrte sie. daß sie sich nun in Saint-Denis befand, während sie immer noch in Paris zu sein glaubte; das aab ibr neuen Mutb. denn furripr Samt-ems wurde tt Mer ttC off ein Land gelangen. Obrhl sie nicht eigentlich hungric. war, siel ihr. ehe sie den Ort verließ. ein, sie tonnte ein Stück Brod kaufcn und es vor dem Einschlafen noch essen, und so trat sie in einen Bäckerladen. Ich bitte um ein Pfund Brod," sagte sie zu der Bäckerin. Hast Du Geld" fragte die Frau. der das Aussehen des Mädchens wenig Vertrauen einflößte. Hier sind fünf Francs; ich bitte Sie. mir darauf herauszugeben." Ehe die Frau das verlangte Pfand Brod abschnitt, prüfte sie mißtrauisch das Fünfsrancsstück, das sie in der Hand hielt. Was soll das für Geld sein?" fragte sie, indem sie die Münze auf den Marnwrtisch aufklingen ließ. Sie sehen ja, daß cs fünf Francs sind." Wer hat Dich dazu angestiftet, dies Geldsiü bei mir anzubringen?" Niemand; ich fordere nur ein Pfund Brod für mein Abendessen." Weißt Du was? Du bekommst gar kein Brod, und ich rathe Dir, Dich, so schnell Du kannst, davonzumachen, sonst lasse ich Dich verhaften." Perrine war nicht in der Verfassung. Widerstand zu leisten. Warum mich verhaften lassen?" stammelte sie. Weil Du eine Diebin bist!" u , Madame!" Mir ein falsches Fünffrancsstück einschmuggeln willst! Mach, daß Du fortkommst, Landstreicherin! Nein, wart ein wenig, bis ich einen Schutzmann, herbeigerufen habe!" Perrine hatte ein gutes Gewissen, aber sie war doch nicht sicher, ob ihr Geldstück gut oder falsch war; eine Landstreicherin war sie allerdings das mußte sie zugeben, denn sie hatte weder ein Unterkommen noch eine Familie. Was würde sie dem Schutzmann antWorten können? Wie sollte sie sich vertheidigen, wenn man sie verhaften wollte? Was würde dann aus ihr werden? Alle diese Gedanken durchkreuzten mit der Schnelligkeit des Blitzes ihren Geist, aber so groß auch ihre Bedrängniß war, und obwohl die Furcht idr anfing die Kehle zusammenzuschnüren, dachte sie doch daran, ihr Geldstück zu retten. ..Wenn Sie mir kein Brod aeben wollen, so geben Sie mir wenigstens mein Geld zurück," sagte sie, die Hand ausstreckend. Damit Du hingehst und andere Leute betrügst, nicht wahr? Nein, ich behalte die Münze. Wenn Du sie haben willst, so geh und hole einen Schutzmann herbei, dann kann man es mit einander prüfen; inzwischen packe Dich flugs, geh mir aus den Augen, Diebin!" Das Geschrei der Bäckerfrau, das auf die Straße hinausschallte, hatte drei oder vier Vorübergebende aufmerksam gemacht, und sie bezeigten sich neugierig, zu hören, was hier vorgehe Was ist denn los?" fragten sie. Das Mädchen da wollte mir Brod aus der S&ublade mausen." Der sieht man's von Weitem an." sagte einer. Ist denn niemals die Polizei auf dem Platze, wenn man sie braucht?" sagte ein anderer. In ihrer Seelenangst besann sich Perrme. ob sie sich fortmachen könnte man ließ sie auch gehen, rief ihr aber die ärgsten Schimpfworte nach, und sie wagte es nicht, über Hals und Kopf davonzulaufen, was sie am liebsten ge than hätte, noch zurückzuschauen, ob man sie verfolge. Endlich nach einigen Minuten, die ihr ebenso viele Stunden dünkten, befand sie sich im freien Felde, und so übel sie daran war, athmete sie doch erleichtert auf: Nicht verhaftet! keine Schimpfreden mehr!" Freilich hätte sie hinzusetzen können: kein Brod und auch kein Geld mehrl Doch dieser Gedanke lag in der Zukunft. Der Mensch, dem das Wasser bis an den Hals ging, wird ja, wenn er wieder oben ist, nicht zu allererst fragen, womit er heute zu Abend, morgen zu Mittag seinen Hunger stillen werde. Nachdem sie sich aber eine kurze Weile dem Wohla.efühl ihrer Befreiung hingegeben hatte, drängte sich ihr die Sorge um ihr tägliches Brod, wenn auch nicht für den heutigen Abend, so doch für den nächsten und die folgenden Tage umso gewaltsamer auf. Sie war nicht so kindlich unerfahren, sich einzubilden, daß die Wucht des Kummers ihren Hunger unterdrücken werde, sie wußtc recht wohl, deß man nicht marschiren kann, ohne zu essen. Be Berechnung ihrer Reisezeit hatte sie die Ermüdung nicht in Anschlag gebracht, hatte nicht an den Frost der Nächte und die Hitze des Tages gedacht, und glaubte mit ihrem Fünffrancsstück die Kosten ihrer Nahrung vollständig bestreiten zu können; nun aber, da man ihr diesen Schatz genommen hatte, blieb ihr nur ein einziger Sou übrig wie sollte sie da zu dem Pfund Brod kommen, das sie nothwendig jeden Tag brauchte?
Unwillkürlich warf sie ihre Blick? nach beiden Seiten der Landstraße, wo sich im Scheine der den Boden streifenden Abendsonne die Felder ausbreiteten. Da war Korn angebaut, das zu blühen anfing, Runkelrüben mit grünein Blätterwerk, Zwiebeln, Kohl. Klee. Luzerne, aber von alledem konnte man nichts essen und wären auch diese Aeckcr mit reifen Melonen oder frucht, beladenen Erdbeerstöcken bevilanzt at Wesen, wozu hätte ihr's gedient? Sie durfte fo wenig ihre Hand ausstrecken, um Melonen und Erdlren zu pflücken, uia uie armoerzigkelt der Vorübergehenden anzuflehen; sie war keine
Diebin, keine Bettle-.in, leine Landstrcicherin! Ack. wenn sie nur einem Menschen. ebenso elend wie sie. begegnen möchte, der ihr sagen konnte, womit die Vagabunden aus den weiten Wegen, die ste durch die civilisirten Länder machen. ihr Leben fristen! Aber aab es denn auf bieicr Wett noch ein Geschöpf, so unglücklich, wie sie es war? Allein, ohne Brod, ohne Dach, ohne eine Menschenttele sie auszurichten, niedergedrückt zerschmettert. das Derz zerrissen, der Körper durch Kummer entnerot! Und doch mußte sie weiterwandern, ohne zu wissen, ob sich am Ende eine Thür für sie öffnen würde. Wie sollte sie dies Ziel erreichen? Wir alle haben in unserem täglichen Leben Stunden der Tapferkeit wie der Mutlosigkeit, wo uns die Bürde, die wir zu tragen haben, leichter oder schwerer wird: so versenten die Abendstunden Perrine, auch ohne bestimmten Grund, immer rn eine traurige Stimmung; aber um wieviel bedrückter fühlte sie sich jetzt, wo sich noch die Last der persönlichen, unmittelbaren Schmerzen, die sie zu erdulden hatte, hinzugesellte! Noch nie hatte sie sich so unfähig gefühlt, ihre Gedanken zu ordnen, so schwach, einen Entschluß zu fassen, ja sie kam sich vor wie ein im starken Winde flackerndes Licht, das sich in der Irre, widerstandslos bald hierhin bald dorthin schwankend, abkämpft und zu erlöschen droht. Welche Schwermuth sog sie aus diesem schönen, strahlenden Sommerabend, wo kein Wölkchen den Himmel trübte, kein Lüftchen wehte, einem Abend, für sie umso trauriger, je lieblicher und heite rer er für ihre Mitmenschen war: für die Torfbewohner, die auf ihrer Thürschwelle saßen und sich des vollbrachten Tagewerks freuten; für die Arbeiter, die aus den Feldern zurückkehrten und schon den Duft ihrer Abendsuppe einathmeten; selbst für die Pferde, die dem Stalle, den sie witterten, zueilten, um dort an voller Krippe auszuruhen! Als sie das Dorf verließ, befand sie sich an der Kreuzung zweier großen Landstraßen, die beide nach Calais führten: die eine über Moisseles, die andere über Ecouen, wie der im Krni zungspunkt errichtete Wegweiser angab; sie wählte den Weg über Ecouen. 7. K a p i t el. bwohl Perrine sehr müde zu werden anfing, und ihre Füße sie schmerzten, wäre sie doch am liebsten noch weitergegan gen, denn bei diesem Wandern in der Abendkühle und Einsamkeit, wo sie ganz unangefochten blieb, war eine Ruhe aber sie gekommen, die der Tag ihr nicht gebracht hatte. Aber wenn sie diesem Antriebe folgte, wiirde sie zuletzt Halt machen müssen, wenn sie schon übermüdet wäre, und hätte in der Dunkelheit der Nacht kein gutes Plätzchen zum Schlafen aufsuchen können; ste hatte sich dann in den Chausseegraben oder das nächste Feld niederlegen müssen, und da wäre sie nicht wohlgebettet aewesen. Somit war es das Beste, sie opferte ihre Wanderlust der Sicherheit und benutzte das letzte Abendllcht, ein Oertchen ausfindig zu machen, das sie schützte und verbarg, und wo sie in Frieden schlafen konnte Wenn die Vöglein zur Rüste gehen, lange es noch hell ist, thun sie es nicht, um ihr Ruheplätzchen besser auswählen zu können? An den Thieren sollte sie jetzt ein Beispiel nehmen, da sie ja auch ein Leben fahrte wie sie. Sie brauchte nicht weit zu gehen, um ein Plätzchen zu finden, das ihr alle Vortheile zu bieten schien, die sie sich wunscyen konnte. Als sie an emem Ar tischockenfelde vorbeiging, sah sie einen Landmann und eine Frau damit beschäftigt, die Köpfe der Früchte abzuschneiden, die sie dann in Körbe legten; sobald ein Korb voll war, wurde er in einen Äagen gestellt, der auf der Straße hielt. Ohne besondere Absicht blieb Pernn? stehen und sah dieser Ae beit zu; in diesem Augenblick fuhr ein anderer Karren heran, ein iunges Mäd chen saß auf der Deichsel und lenkte dein Torfe zu. Ihr habt schon Eure Artischocken geerntet? rief sie den Leuten zu. Es ist nicht zu früh," erwiderte der Landmann; 's ist kein Vergnügen, jede Nacht hier außen Wache zu halten vor den Stromern nun kann ich doch wieder in meinem Bette schlafeir." Und das Feld des Monneau?" Ja, Monneau ist ein Schlaukopf; er denkt: die Anderen hüten mein Feld. Aber heute Nacht will ich wenigstens nicht der Hansnarr sein; ein Hauptspaß wär's, wenn er morgen seinen Segen eingeheiinst fände." Alle Drei rüsteten sich zur Heimfahrt, und mit lautem Gelächter, woraus zu schließen war, daß ihnen das Wohl jenes Monneau, der von der Wachsamkeit seiner Nachbarn profitirte. ' um selbst ruhig schlafen zu können, nicht sonderlich am Herzen lag.
O das war' em Jux!" rref das Mädchen. Warte noch ein bischen, wir kommen auch mit, wir sind fertig," sagten die Anderen. 'Und gleich darauf entfernten sich die beiden Karren nach der Seite des Torfes zu. Nun konnte Perrine von der verlassenen Landstraße aus in der Dämmeruna wabrnebmen. wie sich die heu ccn oenacuoarren fteioer umericyicoen: das eine war vollständig seiner Früchte beraubt, das andere trug noch in reicher Fülle seine dicken, zur Ernte reifen Artischockenköpfe; auf der Grenze aber stand eine kleine Hütte aus Zweigen, worin der Landmann so ungern genächtigt und mit seiner eigenen Ernte auch die seines Nachbars bewacht hatte. Wie froh wäre sie, dachte Perrine, wenn ihr ein folches Schlafstübchen zu Gebot ftiinh! ttaum war ihr dieser Gedanke durch den Kopf gegangen, so fragte sie sich auch schon, ob es denn nicht ganz gut möglich wäre, daß sie diesen Unterschlupf benutzte? Was fük ein Unrecht wäre dabei, da die Hütte doch leer stand? Auch hatte sie keine Störung zu befürchten.. da ja das Feld jetzt abgeerntet war und wohl Niemand hierher käme. Zudem glühte in geringer Entfernung ein Ziegelofen, was ihr die
Empnndung gab, als ob sie weniger allein wäre, als ob ihr die rothen Flammen, die durch die ruhige Abendluft sprühten, mitten auf dem einsamen Felde Gesellschaft leisteten, wie der Leuchtthurm dem Seemann auf dem Meere. Sie wagte es aber doch nicht, gleich Besitz von der Hütte zu nehmen; denn zwischen ihr und der Straße dehnte sich eme ziemlich große offene Flache aus, und so hielt sie es für besser, erst hinübcrzugehen, wenn es dunkler geworden wäre. Einstweilen setzte sie sich auf den grasbewachsenen Grabenrand und wartete da im Gedanken an die gute Nacht, die sie dort oben verbringen wurde, nachdem sie sich schon auf eme so schlechte gefaßt gemacht hatte. Als sie endlich nichts mehr unterscheiden konnte als einige verschwommene Gegenstände in der Entfernung, wartete sie einen Augenblick ab, wo keinerlei Geräusch mehr auf der Landstraße hören war, und schlich sich dann geduckt durch das Artischockenfeld nach der Hütte, die sie besser eingerichtet fand, als sie erwartet hatte, denn ein gutes Strohlager war auf den Boden gebreitet, und ein Bündel Schilf konnte zum Kovfkissen dienen. Seit Saint-Denis war eö ihr zu Muthe gewesen wie einem genetzten Wilde, und mehr als einmal hatte sie zurückgeschallt, ob ihr die Gendarmen nicht auf den Fersen wären und sie verhaften wollten, damit endlich die Geschichte mit dem falschen Fünffrancsstück aufgeklärt würde. In der Hütte löste sich jetzt die Spannung ihrer gemarterten Nerven, und von dem Dache, das sie über ihrem Haupte hatte, senkte sich eine Beruhigung auf sie herab, ein Gefühl der Sicherheit, das ihr wieder Vertrauen einflößte: so war )och noch nicht alles verloren, doch noch nicht alles zu Ende! Aber zu gleicher Zeit meldete sich der Hunger beihr an, zu ihrem Erstaunen, denn während ihres Marsches meinte sie, sie werde es nie mehr nöthig haben, zu essen und zu trinken. Das war nunmehr das Beunruhsgende und Gefährliche ihrer Lage: wie sollte 4e mit dem einen Sou in der Tasche fünf oder sechs Tage ihr Leben fristen? Der gegenwärtige Augenblick kam nicht in Betracht, aber was würde morgen sein, was übermorgen? Indessen, so ernst diese Frage war, sie wollte sich nicht ganz von ihr niederbeugen lassen, .im Gegentheil, es galt sich aufzuraffen, Trotz zu bieten und sich zu sagen: Du hast ein so gutes Stübchen zum Uebernachtcn gefunden, während Du Dich doch hättest begnügen müssen, die Nacht an der Landstraße oder am Stamme eines Baumes zu verbringen da wirst Du wohl am nächsten Tag auch etwas zu essen sinden. Was und wo? Das konnte sie Lfiich freilich nicht vorstellen. Aber diese Ungewißheit durfte sie mcht abhalten, sich ohne weitere Sorge dem Schlafe hinzugeben. Sie hatte sich auf das Stroh hingestreckt, das Rohrbündel unter den Kopf genommen und konnte durch eines der Gucklöcher ihres Hüttchens die Feuer des Ziegelofens sehen, wie sie phantastische Lichter durch die Nacht gaukeln ließen. Die Wohlthat des Ausruhens. der Friede ringsum, der gewiß nicht geitört werden würde, halfen ihr über das nagende Gefühl in ihrem Magen hinweg. Sie schloß die Augen, und wie jeden Abend seit dem Tode ihres Vaters, rief sie sich vor dem Einschlafen sein Bild vor die Seele; aber diesen Abend gesellte sich zu dem Bilde des Vaters das der geliebten Mutter, die sie an diesem furchtbaren Tage auf den Friedhof begleitet hatte, und sie sah im Geiste beide Eltern über sich herabgebeugt, wie sie es im Leben immer gethan hatten, um ihr den Gutenachtkuß zu geben. Unter vielem Schluchzen, das durch die große Müdigkeit und mehr noch durch die Gemüthsbewegung etwas gestillt wurde, fand sie endlich den Schlaf. Und doch, so bleiern auch diese Mübigfeit war, schlief sie nicht fest; von Zeit zu Zeit weckte sie das Rollen eines Wagens auf, oder das Vorübersahren eines Eisenbahnzugs, oder sonst ein geheimnißvolles Geräusch, das ihr bei der gesammelten Stille der Nacht das Herz pochen machte, aber gleich darauf schlief sie wieder ein. Einmahl glaubte sie. ein
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Das beste Heilmittel in der Welt, In 25 und 5 Wagen komme die Straße her und halte in ihrer Nähe. Diesmal horchte sie auf. Sie hatte sich nicht getäuscht, sie vernahm ein Gemurmel unterdrückter Stimmen, bci ein Geräusch von leichtem Aufschlagen auf der Erde. Lebhaft erhob sie sich auf die Kniee, um durch eins der Löcher in der Hüttenwand hinauszusehen: da stand wirklich ein Wagen am Ende des Feldes, und es schien ihr. so weit sie es bei dem blassen Sternenlicht beurtheilen konnte, als ob ein schatten Mann oder Zvrau Korbe aus dem Wagen herabwürfc, die zwei andere schatten entgegennahmen unv in das Reib nebenan das fteld des Monneau trugen. Was sollte das in solch nächtlicher stunde bedeuten? Noch ehe sie eine Antwort auf diefe Frage gefunden hatte, entfernte sich das Fuhrioerk, und zwei Schatten verfügten sich in das Artischockenland, gleich üarauf hörte sie kurze scharfe Hiebe, als ob .man dort etwas abschnitte. (Fortsetzung folgt.) Schnitzel Allerlei Jntcreffantcs auS allerlei Ge: biet Für Jeden etwas. Deutsche in Austral i e n zählt man zur Zeit über 106,500. Bei der Theeernte Ind i e n s sind nicht weniger als 666,000 Arbeiter beschäftigt. Rund 13,400 verschiedee Po st marken sind in den Ländern der Erde in Benützung. Das werthvoll st e Nebenprodukt, das auf Farmen erzeugt wird, ist die abgerahmte, Milch. Moos auf Dachziegeln kann durch eine Tjznche aus ungelöschtem Kalk und Holzasche zerstört werden. Auf den Schweizer Seen sind 66 Dampfer im Betriebe. Der größte von ihnen trägt 1200 Passagiere. Auf vier Millionäre in England entfällt im Berhällniß zur Einwohnerzahl je einer in Frankreich. An Unfällen in den Alpen sind in den letzten zehn Iahren 275 vorgekommen. Sie involvirten 301 Todesfälle. Das Größenmaß der Soldaten ist in der britischen Armee ein' höheres, als in irgend einem anderen Heere der Welt. Von den Mitgliedern eines Kegelklubs in Mlwaukee wiegen vier zusammen die Kleinigkeit von 1000 Pfund. Baumwollspindeln sind in Kanada dermalen mcht wemger als 550,000 im Betriebe. Hamilton hat allein drei Baumwollfabriken. Die kanadische Paci-fic-Eisenbahn wird in Bälde die enorme Fläche von 23,000,000 Ackern zum Verkaufe an Ansiedler freiejebem Die Suezkanal-Gesellschaft erhob im verwichenen Jahre von 3699 en Kanal passirenden Schiffen Gebühren in der Gesammthöhe von $19,450,000. Ein Motorwagen hat, ohne anzuhalten, kürzlich die Strecke von Edinburg nach London in 20 Stunden 40 Minuten zurückgelegt. Die Fahrt war ein Rekord. Von 600,000 Arbeitern Belgiens haben 85,000 Männer, 25,000 Frauen und 15,000 Kinder unter 16 Jahren täglich mehr als elf Stunden zu arbeiten. L a ck st i e 1 l erhält man sehr lange schön glänzend, ohne sie zu wichsen, wenn man dieselben mit einer Zwiebel abreibt. Nachdem dies geschehen, kann man sie auch noch mit einem wollenen Tuche nachreiben. Die Stiefel erhalten durch die Zwiebel ihren schönen Glanz wieder und erfordern nicht das öftere Anstreichen mit dem theuren Lack. recye Banditen. In Neapel wurde letzthin der dort auf der zoologischen Station arbeitende Sanitätsrath Dr. Schücking aus Pyrmont in einem vollbesetzten Wagen der elekkrischen Straßenbahn von zisei elegant gekleideten Männern überfallen und ferner Brieftchche, die eine größere Summe Papiergeld enthielt, beraubt. Die Thäter entkamen. In Neapel ereignen sich in letzter Zeit fast täglich ähnliche freche Ueberfälle.
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Schmerzen, wie Etablirt feit 50 Jahren. Cent rötze. Feuer Signale. 1 Pennsylv und Markt 6 English'S Opern-HauS 6 East und Na Nork 7 Noble und Michigan 8 N. Jerfty u. Maff Ar Pin und Nortb I Wavttt und Pine 11 Lermont nalx Esst 12 9i$. 8 Spritzenhaus SXafl. Ave nahe Rodle :3 Teaware und Walnut 14 N. Jersey u Central A. i& Mass. und Corn.' iltt .6 Afh und 11. Straße 7 Park ve und 12 Etr .3 Columb undHiUslde 19 Highland Ave u. Piatt l Illinois und St. Joe 23 Pennsvlv. und Pratt 24 Ncndian und 11. Stt 25 No. 6 Spritzenhaus 15. nahe Jllmois 26 Senate Aveu. StSlai? 27 Illinois und Michigan 2 Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 18. 21 No. 1 Spritzenhaus Jnd Ave naheMichigan 32 Meridia und Walnut 34 California u Vermont 35 Blake und New Kork 36 Ind. Av. u. 6t Clair 37 City Hospital 38 Blake und Norty 39 Michigan und Agnes 41 No. S Spritzenhaus Washington nah West 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Kort 45 Meridian u Wash 4 Jllmois und Chic 47 Capitol Av. u Wash 48 Ikmgan'ö PorkhauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 61 N. 10 Spritzenhus JllinoiS u Merrill 82 Jllmois u Louisiana 63 Welt und South 54 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav i No. 4 epritzmhauS adrson Av. u Mor.-is 59 Madison Av. Tunlop S1 No2HaknLeit,'!-sus South nahe Delawar, 2 Penn, u Merrill 63 Delawar u. McCarty 54 Oast und SkCatty 65 New Jersey u. RerrM 7 Birg. Av. u Bradsbaw 8 East und Prospect 9 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Vir Ave. nhe Huron 72 East und Gorgia 73 edar und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Snglish Av. u Pine 7 Chelby und Bäte 75 No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 7-Z Fletcher Av. u Shelby i Market u. New Jersey 82 Dekaware und Wash. 83 East u Washington 84 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt 80 Ver. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Ivrauen-Resormat. n TiO. 13 SxritzenbauS Marvland nah Mer. 92 Meridian u. Vcorgia. 93 Mkridian und Souch 54 Pennsvlv u. Louisiana 95 Viraini, Ave u. Alab. 55 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 03 Capital Ave und Ohio .23 No. 16 Spritzenhaus IS. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 12 Kande und 15. 127 Brooksioe und Jupiter 128 Central Ave und 17. 12 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellcfontame und W. 134 College Ave und 20. 135 Delawar und 18. 13 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 133 Cornell Ave und 13. 141 Aandes und 12. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 New Jersey nd 2. 146 Aloord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.side Ave und l. 148 College Ave und 22. 149 College Av und 27. 152 Park Av und 2. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave und 10. 156 Sloughton u Rewman 157 Atlas und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaut Brightwood 12 Arven und Depot 168 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eyftrne 167 Arsenal Av und 28. 168 Bellesontaine und 28. 169 Park Ave und 10. 12 Kapital Av und 17. 213 Pennsvlv. u. Vichiga 214 JllinoiS und 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pe:msvlvania und 22. 217 Meridian nd 1. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadwav und 10. 231 Jllino.- und McLcar. 234 No. 14 Svritzenhaus jkenwood und 80. 235 JllinoiS und 85. 236 Annetta und 30. 237 Ro. 9. Epritzenhiu Udell und Raer 238 Udeil Ladder WorlS 2S9 J'abel und 27. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u Et. Ctox 243 Eldrioge und 23. 812 West uud alnut 818 West und 12. 814 Howard und 16. S15 Torbet und Pau. 816 Capital Ave und itt. 817 Northwesttrn Ave u 818 Gnt und 13. 81 Canal und 10. S! Cerealine WorkS 824 Vermont und Lynn 325 Bismarck u Grandvie 826 No. 29 SrntzenhauS Hauabmlle. 827 Michigan u. Holmes, 823 Michigan u. Concord 841 West und McJntyr 412 Mlsiour: u. Marviand 413 Misiouri und Ohi 415 Capital Ave u Seorgia 416 Misioun u entuekyA 417 Senate As . Was. 421 P und E Runt'uS W. Washington. 428 Jrren-Hosvital. 424 Mi.ey Ave u. I D u2 425 Wash. und HarriS 42 No. 18 Spritzenhaus W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Nordvke und f)crt 431 Hadlkv Ave u. Morrit 432 River Ave u. Morr I A R'.ver Ave und Stay 435 Haiding u. Big 4 R 4 Huroing uxib Otitftf437 Ro. 19 Spritzeny? Morris und Hardma. 4 6MBt UNdUKB 490 GteXtyftCfeft 451 Reisn und Villa 452 Howard und L 458 Morris und 456 Lamvert und Betaut 457 RordyK Aoe u. War mo Works 612 West uud Ray 18 enluckv Ave u. Merr. 14 Meridian und Morris 16 JllinoiS und KansaS 17 orru und Dakota 18 Morris und Church IS Capital X. u McCarty 621 Meridian und Palmer 23 PMe un?, Lord 624 Madilor Tve u kMcsl ,2 Meridian und BeltA 627 Carlos und Ray 628 Meridian uud Arizona 629 Meridian. Ravmond 631 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Epritzenhiu MorriS nahe Wett 12 McKernan und Dough. 618 East u. Lmcoln 2t 614 Catt und Beecher 615 Wright und Sander 617 McCarty und Beaty 613 New Jersey u ir 71 Epruce und Prospect 718 English Av. u. Laure) 714 Etate ve u. Belt R 716 Shelby und Beecher 716 State Av und Orangl 713 Orange und Laurel 719 Shelby u. Cua Av, 721 Lerington A.u Lau 728 Flacher Ave u. Opr, 724 Etat Av u. Pleasmtt 726 Prosvltt und leastu 726 Orange und HarlaR 728 Liberty und Merk 729 l'u und South 812 Nr. 15 Spritzenhaus Ost Washington SU 813 Market und Noble 814 Ohio u. Highland A 81 'Michigan u. Highlant 816 Market u Arsenal Av 817 Ost S Clair uub Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle ShepS 828 Vermont und Walcott 824 Wash. und State Atz. 5 Waddn'Sou?Sa 82 Tucker und Dorsey 827 Wash. und Beville 829 Ro. 1 Ertzenhau Beville nah MchchS, 881 Southeaster Ax uud Woodfide. 82 Wash. und Dearbon, 84 Southeastern und Arsenal AveS. 886 New Dork und Tempi 912 JllinoiS und Maryl. 18 JllinoiS Md artet. 14 Penn nt sstz, 915 Delaware nnd Spezial-Signale. Ersten i Schläge, zweiter Alarm, Zweite 2 Schlag, dritter Alarm, Dritte 2 Schläge, vierter Alarm. . 1-1-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. Z Schlägt, Wasserdruck ab. l Schlage, 12 Uhr Mittags. Die jo bezeichneten Signal werden VM vom Tour wacht angegeben da an de bnrtitrJJesi Striches roeuKungeu seine Alarm!auen angebracht ftnfr
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