Indiana Tribüne, Volume 26, Number 131, Indianapolis, Marion County, 24 January 1903 — Page 7
Jndtana Tribune, 2'i Januar 1903
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v i Daßeim. a. X W l Familienroman von Hcctor M atot. (Fortsetzung.) 5. Kapitel. ja sollten sie mit den dreißig Francs anfangen, da sie doch CJ ihre Berechnung auf hundert gemacht hatten? Diese Frage wälzte Pcrrine, als sie an den Festungswerlen hin betrübt nach Charenne zurückkehrte, in ihrem Kopfe herum, ohne eine beruhigende Lösung zu finden. Auch als sie das von der Hasenbluse empfangene Geld ihrer Mutter einhändigte, hätte sie nicht sagen können, wie und wozu es verwendet werden sollte. Die Mutter war es. die darüber bestimmte. Wir müssen abreisen," sagte sie, müssen ohne Aufschub nach Maraucourt zu kommen suchen." Bist Du auch kräftig genug dazu?" Ich mus; es sein. Wir haben nur zu lange gezaudert, haben immer aus meine Wiederherstellung gewartet, die nicht eintreten wird wenigstens hier nickt. Unterdessen haben sich unsere Mittel erschöpft, wie sich auch die durch den Verkauf des armen Palikar gewonnenen erschöpfen würden. Auch hätte ich's gern vermieden, uns dort in diesem herabgekommenen Zustande vorzustellen; doch wer weiß, vielleicht werden wir, je elender und armseliger wir erscheinen, umsomehr Mitleid erregen. Wir müssen, müssen abreisen." Heute noch?" Für heute ist's zu spät, Kind, wir fämen ja mitten in der Nacht an, ohne zu wissen, wohin uns wenden. Aber gleich morgen früh. Du mußt heute Abend noch die Abfahrt der Züge und die Preise der Plätze zu erfahren suchen; wir reisen mit der Nordbahn, die Ankunftsstation heißt Picquigny." Perrine wandte sich in ihrer Verlegenheit an Pfefferkorn, der ihr rieth, in dem Papierhaufen nachzusehen, wo sie sicher einen Fahrplan finden würde; das sei bequemer und weniger ermüdend, als auf den Nordbahnhof zu gehen, der sehr weit von Charonne entfernt liege. Aus einem solchen Fahrplan ersah sie dann, daß im Laufe des Vorniittags zwei Züge abgingen, der eine um seÄs, der andere um zehn Uhr, und daß ein Platz dritter Klasse nach Picquigny neun Francs fünfundzwanzig kostete. Wir reisen mit dem Zehnuhrzug," sagte die Mutter, und nehmen bis zur Eisenbahn einen Waqen, denn ich werde sicher nicht die Kraft haben, den weitcn Weg zum Bahnhof zu Fuß zu maeben. Bis zur Droschke werde ich aber gut gehen können." Aber ach, sie hatte ihre Kraft überschätzt,,denn als sie um neun Uhr, auf die Schulter ihrer Tochter gestützt, den Wagen, den Perrine herbeigeholt hatte, erreichen wollte, vermochte sie es nicht, so kurz auch die Entfernung von ihrem Zimmer bis auf die Straße war; sie wäre umgesunken, wenn Perrine sie nicht gehalten hätte. Es wird mir gleich besser werden," sagte sie mit schwacher Stimme, beunruhige Dich nicht, es wird schon gehen." Über es ging nicht; die Gräfin, die der Abreise zusah, mußte einen Stuhl bringen. Mit verzweifelter Anstrengung hatte sich die Kranke aufrecht erhalten, doch kaum hatte sie sich auf den Stuhl niedergelassen, so befiel sie eine Ohnmacht, der Achem blieb aus und mit ihm die Summe. Man muß sie vor Allem niederlegen," sagte die Gräfin, und tüchtig reiben. Sei ruhig, liebes Kind, es hat nichts zu bedeuten; geh, rufe Vater Karpf. wir Beide tragen sie dann in Euer Zimmer; Ihr könnt nicht abreisen jetzt noch nicht." Sie war eine Frau von Erfahrung, die Gräfin; sobald man die Kranke niedergelegt hatte, fing das Herz wieder an, in Thätigkeit zu kommen, und der Athem kehrte zurück; aber nach einiger Zeit, als sie sich wieder aufrichten wollte, bekam sie einen neuen Anfall. Sie sehen, daß Sie ruhg liegen bleiben müssen," sagte die Gräfin etwas streng. Sie können erst morgen reisen, jetzt aber müssen Sie eine Tasse Bouillon trinken, die ick mir von Vater Karp geben lassen werde; es ist nämlich eine Leidenschaft von dem Stummen, das Bouillontrinten, gerade wie das Weintrinken von unserem HausWirth: im Winter und Sommer steht er um fünf Uhr auf, um seinen Fleischtopf an's Feuer zu stellen, und er versteht's prächtig, sag' ich Ihnen, die Bouillon zu kochen; es gibt nicht viele Bürgersleute, die eine so vortreffliche zu genießen hätten." Ohne eine Antwort abzuwarten, trat sie bei dem Nachbar ein. der sich wieder an seine Arbeit gemackt hatte. Möchtet Ihr mir eine Tasse Bouillon für unsere Kranke geben?" fragte sie ihn. Ein sihlaues Lächeln war seine Antwort; sofort hob er den Deckel von seinem irdenen Topf, der im Kamin an einem kleinen Holzfeuer stand. Wie dann der Dampf der Bouillon das Zimmer durchduftete, sah er die Gräsin mit aufgesperrten Augen und weiten Nasenlöchern voll Glück und Stolz an. .
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Ach, wie gut das riecht!" sagte f.i Wenn die arme Frau zu retten wäre, diese köstliche Bouillon müßte es zuwege bringen; aber," setzte sie mit g?Dämpftet Stimme hinzu, Ihr wißt, sie ist sch'.o?r krank es rann nicht mehr lanae bii ibr dauern " Vater Karpf hob die Arme zum Himmel empor. Es ist gar so traurig für die arme Kleine," sagte die Gräfin. Vaier 5!arpf lies; den ftotf sinken und vrcttcte die Ärme au, womn c; sagen wollte: Was können wir da helfen?" Und was sie thun konnten, das thaten sie auch, eins wie das andere; an: Unglück ist ein so gewohntes Ding für die Unglücklichen, daß sie nicht darüber erstaunt sind oder sich dagegen auflehnen. ?er hat nicht zu leiden auf dieser Welt? Heute trifft's mich, morgen Dich. Als die Tasse gefüllt war, trug sie die Gräsin in kurzen Schritten fort, um ja keinen Tr?pfen zu verschütten. Trinken Sie das. meine lieb: Dame," sagte sie, neben der Matrc?e niedertnieend, und vor Allem bleiben Sie rafcifl liegen, öffnen Sie nur die Lippen." Sachte wurde ihr nun ein Löffel vol: Bouillon in den Mund geflößt, aber sie war nicht im Stanoe. die Flüssigtci. zu schlugen, und der Widerwille führte linen neuen Herzkrampf herbei, der länger dauerte als die beiden ersten. So war also Bouillon entschieden nicht das Rechte, das sah die Gräsin deutlich ein, damit aber die Kraftbrühe nicht verloren gehe, redete sie Perrine zu, sie zu trinken. Du wirst Kraft nöthig haben, meine Kleine," sagte sie, Tu muß: Dich aufrecht zu erhalten suchen." Da die Gräjin mit ihrer Bouillon, die sie für das beste Mittel gegen alle Leiden hielt, nicht den geringsten Erfolg gehabt hatte, war sie am Ende mit ihren Auskünften, und es schien ihr das Näthlichste, den Arzt zu holen; vielleicht tonnte der noch etwas thun. Aber obwohl der Arzt etwas verschrieb, so erklärte er der Gräfin doch beim Weggehen offen, daß er der Kranken nicht helfen könne. Das ist eine Frau," sagte er, die durch Unglück, Anstrengung, Hunger und Kummer ganz erschöpft ist. Wenn sie es durchsetzen wollte, abzureisen, würde sie unterwegs sterben; es handelt sich nur noch um eine Frist von wenigen Stunden, die ein neuer Anfall wahrscheinlich noch abkürzen wird." Nicht Stunden, sondern Tage lang mußte die Aermste noch leiden, denn das Leben, das im Alter so leicht erlischt, zeigt sich in der Jugend widerstandsfähiger. Ohne daß eine Besserung eintrat, ging es doch nicht schlechter, und obschon die Kranke nichts hinunterschlucken konnte, weder Bouillon noch Arznei, so glimmte der schwache Lebensfunke doch weiter. So lag sie auf ihrer Matratze, regungslos, fast ohne Athem, in dumpfer Betäubung. Perrine konnte die Hoffnung noch nickt aufgeben. Der Gedanke an den Tod, der alte Leute im Banne hat und sich ihnen, auch wenn sie noch nicht bedrobt sind, überall aufdrängt, ist so abschreckend für die jungen, daß sie ihn schaudernd zurückweisen, selbst wenn der Sensenmann vor ihnen steht. Warum sollte ihre Mutter nicht genesend Warum sollte sie sterben müssen? Fünfzig oder sechzig Jahre alte Menschen stürben wohl, dachte sie, aber die Mutter war ja noch nicht dreißig! Womit hätte sie so vorzeitigen Tod verdient, 'sie, die mildeste der Frauen, die zärtlichste Mutter, die niemals etwas anderes als Güte und Liebe für die Ihrigen und alle Menschen gehabt hatte? Nein, es war nicht möglich, im Gegentheil, die Genesung war das Wahrscheinlichste. Und sie wußte sich die glaubwürdigsten Gründe für ihre Hoffnung vorzuspiegeln, selbst die fortdauernde Betäubung der Kranken schien ihr nur ein wohlthätiges Ausruhen nach so vielen Mühseligkeiten und Entbehn:ngen. Wollten aber dennoch Zweifel auf sie einstürmen, so wandte sie sich um Rath an die Gräfin, von der sie dann auch in ihrer Zuversicht bestärkt wurde. Da sie nicht beim ersten Anfall gestorben ist," sagte die Gräfin, so wüßte ich nicht, warum sie jetzt sterben sollte." Nicht wahr?" rief Perrine. Ja, so denken auch Pfefferkorn und Vater Karpf." War damit ihre größte Sorg? um daö Leben der Mutter beschwichtigt, so überlegte sie nun, wie lange wohl die dreißig Francs der Hasenbluse vorhalten möchten; denn so gering auch d'r tägliche Verbrauch war, so schmolz das Geld' doch schrecklich schnell zusammen: einmal für diesen Bedarf, dann für jenen, und besonders für unvi)rhergesehene Ausgaben. Und wenn endlich der letzte Sou fort wäre was dann? Wo würden sie eine Aushilfe finden bei ihren schwachen Kräften wenn ihnen nichts, gar nichts mehr übrig geblieben wäre als ihre dürftige Kleidung? Wie sollten sie nach Maraucourt gelangen ?
Wenn sie sich am Lager ihrer Mut ter diesen Gedanken hingab, überfiel sie manchmal eine solche Bangig reit, erlitt sie eine so heftige Erschütterung ihrer Nerven, daß sie, in Schweiß gebadet, auch von einem Herzschlage gctroffen zu werden fürchtete. Und da fühlte sie eines Abends, als sie sich in einem solchen Zustande der Angst und halben Ohnmacht befand, von der Hand ihrer Mutter, die sie in der ihrigen hielt, einen sanften Druck, der sie in die Wirklichkeit zurückversetzte.
..Möchtest Du etwas?", fragte sie lebhaft. ..Ja. mit Dir sprechen, denn die Stunde der letzten Worte, der Abschiedsworte ist gekommen." O! Mama" ..Unterbrich mich nicht, mein? geliebte Tochter, und nimm Dich zusam men, wie ich's auch thun will, um der Verzweiflung nicht zu erliegen. Ich hatt Dir's so gern erspart. Dich zu erschrecken darum habe ich bis icfct aeMw:egcn, um Deinen Schmerz zu Ichonen, aber was ich Dir zu sagen habe, muß aesaat werden, so peinvoll es für an elve ,n. Jcy wäre eine schlechte Mutter schwach und feig und zum Wenigsten wäre es unverständig, noch länger zu zögern." Sie machte eine Pause, um wieder zu AttVm zu kommen und ihre irrenden Gedanten zu sammeln. Endlich fuhr sie fort: Wir müssen uns trennen" Perrine brach in heftiges Schluckzen auö, trotz ihrer Anstrengung, es zurückzuhaltcn.
Ja, es ist schrecklich, liebes Kind! und doch muß ich mir auch sagen, daß es am Ende besser für Dich ist. eine Waise zu sein, als von einer Mutter nach Maraucourt gebracht zu werden, der man vielleicht die Tbür weist. Wie es auch sci es ist Gottes Wille, Du wirst allein bleiben in einigen Stunden schon, viellciää morgen." Die Gemüthsbewegung raubte ihr die Stimme und sie konnte erst nach einiger Zeit wieder fortfahren: Wenn ich nicht mehr bin, wirst Tu Formalitäten zu erfüllen haben; dazu mußt Tu aus meiner Tasche ein in doppelte Seide eingewickeltes Papier nehmen, das Tu den Leuten übergibst, die ' es von Dir verlangen werden: es ist mein Trauschein, der auch meine Namen und die Deines Vaters cntlält. Du mußt den Schein zurückverlangen, denn er wird Dir später von Nutzen sein als Dein Geburtsschein. Du mußt ihn also mit großer Sorgfalt verwahren. Da Tu ihn aber doch vielleicht verlieren könntest, mußt Du ihn so gut auswendig lernen, daß Du die Worte niemals vergessen kannst: an dem Tage, wo Du genöthigt sein wirst ihn vorzuzeigen, mußt Du einen anderen dafür verlangen. Verstehst Du mich? Willst Tu Dir genau merken, was ich Dir sage?" Ja, Mama ja." Du wirst Dich sebr unglücklich, sehr verlassen fühlen aber Du mußt Dich fassen, mein liebes Kind. Sobald Du nicnts mehr in Paris zu thun hast und allein ganz allein bist, dann mußt Du unverzüglich nach Maraucourt abreisen: mit der Eisenbahn, wenn Du genug Geld hast, den Platz zu bezahlen, zu Fuß, wenn es nicht reichen sollte. Es wäre besser für Dick, Dein Nachtlager in einem Chausseegraben zu nehmen und zu hunaern, als in Paris zu bleiben. Versprichst Du mir das?" Ich verspreche Dir's." Der Jammer unseres jetzigen Zustandcs ist so groß, daß es mir fast eine Erleichterung ist, zu denken, wie es später sein, wird." Die Erleichterung war aber nicht groß genug, sie vor einer neuen Ohnmacht zu behüten, und geraume Zeit blieb sie ohne Athem, ohne Stimme, ohne Bewegung. Mama rief Perrine, über sie gebeugt, zitternd vor Angst, außer sich vor Verzweiflung Mama!" Dieser Ruf erweckie die Sterbende. Gleich habe ich Dir noch Einiges an's Herz zu legen, ich muß es thun," sagte sie mit so schwacher Stimme, daß ihre Worte nur wie ein oft unterbrochenes Murmeln klangen ich weiß nur nicht mehr, was ich Dir schon gesagt habe warte." Nach ein paar Augenblicken fuhr sie fort: Ja. das ist's, das ist's. Du kommst in Maraucourt an. Du darfst Dich nicht hinstellen, nicht klagen Du hast kein Recht etwas zu beanspruchen; was man Dir gewährt, das bekommst Du durch Dich selbst, indem Du Dich gut hältst Dir Mühe gibst, daß man Dich lieb gewinnt ja, daß sie Dich lieben lernen nur um Deiner selbst willen darauf kommt alles an. Aber ich hoffe es Du wirst Liebe ernten wie ist's denn anders möglich und dann wird Dein Unglück überstanden sein." Sie legte die Hände zusammen und ihr Blick nahm den Ausdruck von Verzückung an: Ich sehe Dich ja, ich sehe Dich glücklich! Gott sei Dank, daß ich mit diesem Glauben sterbe und mit der Zuversicht, immer in Deinem Herzen fortzuleben!" Diese Worte sprach sie aufgerichtet, mit der feierlichen Andacht eines Gebetes zum Himmel hinauf. Aber sogleich nach diesem gewaltsamen Aufraffen fiel sie auf ihr Lager zurück völlig abgespannt, fast leblos, doch war es kein Herzschlag, was der keuchende Athem bewiest Perrine wartete einige Augenblicke, dann, als sie sah, daß ihre Mutter in demselben Zustande verblieb, ging sie hinaus. Kaum war sie im Freien, als sie sich, von Schluchzen überwältigt, auf das Gras niederfallen ließ; ihr Herz, ihr Kopf, ihre Glieder konnten ein längeres Zurückdrängen ihres Schmerzes nicht aushalten. Während einiger Minuten blieb sie gebrochen, fast athemlos vor Schluchzen liegen, aber trotz ihrer Erschütterung sagte ihr das Gewissen, daß sie ihre Mutter nicht allein lassen dürfe; sie erhob sich und versuchte sich etwas zu beruhigen, wenigstens äußerlich, indem sie ihre Thränen und das Zucken der Verzweiflung bekämpfte. Durch den Hof, auf den schon die Schatten der Nackt berabsanken.
sie ziellos dahin, geradeaus oder trn Kreise herum, mit Anstrengung ihr Schluchzen zurückhaltend, das gleich darauf nur umso heftiger ausbrach. Wie sie vielleicht zum zehnten Male an dem Waggon vorbeiwankte, trat der Zuckersieder, der sie beobachtet hatte, aus seiner Behausung und näherte sich ihr mit zwei Stangen seiner süßen Waare in der Hand. Du hast Kummer, mein Töchterchen," sagte er in miiUifctficm Tone zu ihr. . Herr" Da. nimm da?!" Dabei streckte er ihr die Zuckerstangen entgegen Süßigkeit ist gut für alle Schmerzen." 6. Kapitel. Per Armenpfarrer, der bei Beerdigungen die Gebete spricht, hatte sich entfernt, und Perrine blieb vor dem Grabe hingekauert; da nahm die Gräfin, die sie nicht verlassen hatte, ihren Arm und sagte: Du mußt nun gehen, Kind." O! Äcadame " Steh auf, Du mußt mit mir kommen." wiederholte sie mit Nachdruck, und indem sie Perrincs Arm fest an sich drückte, zog sie'sie mit sich fort. Sie gingen so eine Weile mit einander hin, ohne daß Perrine ein Bewußtsein davon gehabt hätte, was um sie her vorging, oder einen Begriff, wohin man sie führen konnte; ihre Gedanken, ihr Herz, ihre ganze Seele waren bei ihrer Mutter geblieben. Endlich hielt man in einer einsamen Allee, und Perrinesah außer der Gräfin. die sie losgelapen hatte, noch Pfefferkorn, Vater Karpf und den Zuckersieder dastehen, erkannte sie aber in ihrer Betäubung nur halb. Die Gräfin hatte schwarze Bänder auf ihrem Hute, Pfefferkorn war als feiner Herr angezogen und hatte einen hvhen Hut auf dem Kopfe, Vater Karpf hatte seinen ewigen Lederschurz durch einen hellbraunen Ueberzieher ersetzt, der ihm bis auf die Füße ging, und der Zuckersieder hatte seine Jacke aus weißem Drill mit einer aus Tuch vertauscht; sie alle hatten als echte Pariser, die den Kultus des Todes zu feiern wissen, es nicht versäumt, sich in ihren besten Staat zu werfen, um der fremden Frau die letzte Ehre zu erweisen. Wir wollen Dir nur sagen, Kleine." fing Pfefferkorn an, der als die maßgebende Person der Gesellschaft zuerst das Wort ergreifen zu müssen glaubte wir wollen Dir nur sagen, daß Du im Cbamp Guillot, ohne Miethe zu bezahlen, wohnen kannst, so lange Du willst." Wenn Tu mit mir singen gehen willst." fuhr die Gräfin fort, so kannst Du Deinen Lebensunterhalt gewinnen: es ist ein angenehmer Beruf." ..Wenn Du mehr Lust zur Konditorei hast," sagte der Zuckersieder, so komm nur ,u mir: das ist auch ein angenehmer Beruf, und ein solider." Vater Karpf sagte nichts, aber durch ein Lächeln seines geschlossenen Mundes und eine nicht mißzuverstehende Bewegung der Hand, die etwas anzvbieten schien, drückte er deutlich die Einladung aus, die er seinerseits zu machen hatte; so oft es ihr nämlich erwünscht wäre, eine Tasse Bouillon zu trinken, würde sie bei ihm eine bekommen, und zwar eine ganz ausgezeichnete. Diese Anträge, einer nach dem anderen. rührten Perrine zu Thränen, die mit ih.em Balsam bie Bitterkeit der seit zwei Tagen in größtem Jammer vergossenen wegwuschen. ,Mie Sie Alle so gut gegen mich sind," flüsterte sie. Man thut eben, was man kann," sagte Pfefferkorn. Man darf ein braves Mädchen, wie Tu bist, nicht auf dem Pflaster von Paris sich selbst überlassen." sagte die Gräfin. Ich soll nicht in Paris bleiben," erwiderte Perrine, ich muß auf der Stelle abreisen, um zu Verwandten zu gehen " Verwandte hast Du?" unterbrach sie Pfefferkorn, indem er die Anderen mit einem Blicke ansah, der sagen wollte: Schöne Verwandte werden das sein! Wo wohnen denn Deine Verwandten?" In der Gegend von Amiens." Und wie willst Du nach Amiens kommen? Hast Du Geld?" Nicht genug, mit der Eisenbahn hinzufahren, deshalb werde ich die Reise zu Fuß machen." Weißt Du den Weg?" Ich habe eine Karte in meiner Tasche." Zeigt Dir Deine Karte auch die Wege m Paris, die Du zu machen hast, um auf die Straße nach Amiens zu kommen?" Nein; aber wenn Sie mir Auskunft geben wollten." Da war jeder mit Belehrung bei der Hand, und die widersprechendsten Weisungen summten durcheinander, bis Pfefferkorn endlich dazwischenfuhr. Wenn Du Dich in Paris verirren willst," sagte er, dann mußt Du auf den Rath dieser Herrschaften hören. Ich will Dir sagen, was Du zu thun hast: zuerst fährst Du mit der Ringbahn bis La Chapelle-Nord, das kostet Dich secks Sous; von da aus findest Du die Straße nach Amiens leicht, der Du nur geradeaus u folgen brauchst. Wann willst Du denn abreisen?" Gleich jetzt; ich habe es Mama versprochen. mich sogleich auf den Weg zu machen." Du mußt Deiner Mutter gehe?chen." sagte die Gräfin, das versteht sich von selbst. So ziehe denn hin. aber vorher laß Dich umarmen: Du bist ein tavferes Mädcken."
Der Grippe specifisches Seilmittel.
Die Grippe tritt wieder epiveiscl, auf. ANe Aerzte wissen, daH sich dieselbe in Folge von Er, kältungen entwickelt. Sie greift ftetS die schma ehe Punkte des menfcklichen Snsteins an, darin 'tegt eben tzaö gefährliche dieser Krankheit. Sn.AMULbKseniK's Hamburger Lrußthee
ist mit falch großen: Erfolg gegen dieses schmerlhafte Leiden angewandt worden, das viele Aerzte dessen Wertk schäven und denselben häusig ver schreiben. Er wärmt da B'nt. delunigt die Nerven, liiOert den Reiz, stärkt das ganze System und beseitigt dadurch die Krankheit. Skoti, : Skur in Original. Packktcn verkauft, und der echte hat die Unterschrift von Dr. Auguft König aus jedem Umschlage. Er wird niemals lose verkauft.
Die Männer drückten ihr die Hand. Sie sollte jetzt den Friedhof verlassen. doch sie zögerte und wandte sich nock einmal dem Grabe zu, oon dem sie hergekommen war. Die Gräsin, die ihre Gedanken errieth, trat ihr entgegen und sagte: Da Du doch einmal fortgehen mußt, so geh lieber sogleich, das ist das Beste." Ja. thue das," saate Pfefferkorn. (Fortsetzung folgt.) 'am. san. Das große Fest um die Mitte des Ramasans, die Ausstellung des Mantels des Propheten, ist auch diesmal in Constantinopel in der üblichen Weise begangen worden. Zahlreiche Posten und Patrouillen in den Straßen erweckten in harmlosen Gemüthern den Glauben, daß der Sultan sich auf dem Landwege in die Moschee am alten Serail begeben würde, wo er dem Herkommen gemäß den heiligen Mantel zu küssen hat. Es wurde abcr, wie etwa seit zehn Jahren üblich, der Seeweg vorgezogen. In dem Vierspännrc, der den Sultan aus dem JildisPalast an's Meer führte, mußten Prinz Burhan ed Din und der Kriegsminister Platz nehmen. An derSerailspitze legte der Dampfer an, und von dort fand auch Nachmittags die Rückfahrt statt. Eine Wolke von kleinen Barkassen und Ruderbooten umgab die Anlegevlätze von Dolma Lagdschc und Ortakiöi; die Landvolizei war zur See gegangen. Von irgend welchen Zwischenfällen wurde nichts berichtet. Inzwischen war für die gewönlichen Sterblichen ein anderer heiliger Rock in der Eski Ali Pascha-Moschee ausgestellt., dessen Verehrung sich besonders die Frauen widmen. Es ist ja nicht ungewöhnlich, daki auch Propheten mehrere Mäntel haben. In der Moschee des alten Serail füllt der Kyslar Agha des Sultans kleine Fläfchchen mit dem Wasser, in das der Chirka i Scherif, der Mantel des Propheten, getaucht worden ist. um sie an Bevorzugte zu versenden. Mit dem Kanonenschuß um 5 Uhr endet das Fest, und wieder ein Jahr rrd vergehen, bevor der Beerrfcher der Türkei etwas Anderes sehen wird, als seinen Sternenpalast. Erstaunliche Lebenskraft. Ein Oekonom in der Nähe von Augsburg, der einen russischen Schnauzer hatte, ging vor Kurzem zu einem von seinem Anwesen eine Viertelstunde entfernten freistehenden Stadel, nahm seinen Hund mit, und sperrte denselben aus Unachtsamkeit ein, ohne davon eine Ahnung zu haben. Der Hund war und blieb verschwunden und alles Suchen erfolglos. Neulich hatte der Mann wieder in seinem Stadel etwas zu thun. Beim Oeffnen kam ihm, zum Ske??tt abgemagert, fein Hund entgegen, der 1 7 T a g e ohne Nahrung in dem Stadel zugebracht hatte. Vergiftung durch Kohlenoxydgas. In Cannstatt. Württemberg, wurde dieser Tage ein Ehepaar, Schreinermeister Weber und Frau, vergiftet in der Wohnung aufgefunden. Man glaubte zuerst an einen Doppelselbstmord; die Untersuchung und Sektion haben aber ergeben, daß der Tod unfreiwillig durch Einathmung von Kohlenoxydgas herbeigeführt worden ist. Im Keller unter der Weber'schen Wohnung war vom Hausbesitzer ein sogenannter Trockenofen zur Erwärmung von Most aufgestellt worden; von diesem Ofen drangen Gase in das Schlafzimmer der Weber'schen Eheleute, die dadurch um's Leben kamen. Reichlich viele Gevatter erhielt ein Kind in einer ostjütländischen Stadt. Wie sich herausgestellt hat, sandte der Vater des Kindes an 200 bekannte Geschäftsleute der Stadt gleichlautende Briefe, in welchen er bat, feinen jüngsten Sproß nach dem Vctreffenden benennen zu dürfen. In einer Gesellschaft fanden sich allein neun Herren, die Jeder die erbetene Erlaubniß ertheilt und dem Antwortschreiben eine ihren Verhältnissen entsprechende Pathengabe beigefügt hatten. Erst die zufällige Aussprache in dieser Gesellschaft enthüllte den spekulativcn Sinn des glücklichen Papas. Ob's helfen wird? Kapitän: Was ist denn eigentlich mit dem Schiffsjungen los. der wird ja ipin. deldürr!" Koch: Ich glaube, dem bekommt unsere Kost nicht!" Ka pZtan: Qkben Sie ihm augenblickli ein Vnind Speck und dann Marsch :t:t dem Venael in den Maslkorb!"
i j Feuer - Signale. 4 Pennsylv und artet 6 English's Opern HauS 6 Saft und New York 7 Noble und Michigan 8 N. Jerjey u. Maff A s Pine und Norch 10 Aavket und Pk 11 Vermont naht Gjü 12 No.. 8 CpritzendauS Wals. Ave nahe Noble 12 Tcxaxvart und &alnut II Ä. Jersey u Eentral . 16 M-ss. und Eernell Avt .6 Ash und 11. nahe ? ark Ave und 12 Ltr .S Tolumbm undHiUfid 19 Higbland Ave u. P,att kl JUinoiS und St. Joe U '!ennsvlv. und Pratt 24 Mendran und 11. Str M No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Illinois M Senate Ave u. StLlai? 2? Illinois und Michigan 25 Pesylvania und 14. 3 Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Epritznibaus Ind AvenabeRichigan 32 Meridian und Walnut Z i California u Vermont 35 Blake und New York 36 Znd. Av. u. Et. 5lair 37 City Hospital 33 Blake und Norty ?g Michigan und Agnes 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe eft 42 GZndorf u Wash. 4Z Missouri u New Kort 45 Meridian u Wash 46 Jllmois und Ohio 47 Capitol Av. u Wash 43 kmgan'b Porkhaus 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 51 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 JllinoiS u Louisiana 53 West und South 54 West und McCarty 5 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor-. 5g Madison A. u Tunlop kl No 2 Haken LeiteryauS South nahe Delawar 2 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McCarty 64 aft und SKEarty 65 New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 gast und Prosvect 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Bir Ave. nahe Huron 72 East und Seorgia 73 Eedar und Elm 74 Tavidlon u Georgia 75 Englifh Av. u Pine 7 Ehelby und Batet 7? No. 3 Spritzenhaus Prospect nahe Shelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 83 a,t u Washington 84 New York u. Davids 85 Taubstummen Anstalt 86 Vor. Staaten Arsenal 87 Oriencal und Wash. 89 rauen-Resormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Maryland nabe Wer. 92 Meridian u. S:raia. 03 Meridian und Souch 4 Pennsvlv u. Louisiana ''.raini? Aye u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 93 Capital Ave und Ob 23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. ,25 Zentral Ave und 15. no Z)ndes und 15. 127 Brookfide und Jupiter 12 Central Ave und 17. 129 Delaware nnd 19. 131 Alabama und II. 132 Bellefontaine und. 134 College Ave und 29. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und North 137 Newmann und 19. 138 College Ave und 14. 13? Cornell Ave und 13. 141 Dandes und 1L. 142 Higbland Ave und 10. 143 Tecumseh und 1. 145 New Jersey uno 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus HilVside Av und 16. 14 College Ave und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 15? L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave nd n. 156 Stoughron u Rewman 157 Atlas und Pike. 15 Bloyd und Pawpaw. 159 No, 21 Spritzenhaus Brightwood l2 Arden und Depot 153 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. evi'tone 167 Arkenal Ave und 23. 18 Bellefontaine und 2. 169 Park ve und 1. 212 Kapital ve und 17. 213 Pennfyl. . Michigt, 214 JllinoiS nnd 2. 215 Senate Aoe und 21. 216 Pennsylvania und 22. 217 Meridian nur 16. 218 Capital Av und 26. 2l, Broadivav und 1. 231 und McLean 2."l No. 14 Spritzenhaus iiittvod und 30. 235 JllinoiS und 52. 23 Annetta und 30. 237 No. 9. Epritzenhzu Udell und ! 238 Udeil Ladder Wor 239 Jabel und 27. 241 Meridian und 24. 242 Illinois u St. Cltr,?, 243 Eldrioge nd 23. 312 West uud Wlnut 813 Weit und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet müd v,. 316 Capital i'.e und :o 317 Northwestern Avc u 818 ent und 1. 81 Canal und 16. 324 Ccrealine Wor 324 Vermont und Lynn 325 Bismarcku ffrandoiete 326 No. 29 Spritzenhaus Haughmlle. 327 Michigan u. Helmes, 82 Michigan u. Cenrord L41 West und MeJntyre 412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Ohio 415 Capital Ave uorg'0 41 Missouri KentuckyA 417 Senate Ave u. Was?. 421 P und C Runt'tus W. Washington. 423 Jrrcn-Hoipital. 424 M'..cy Av u. I D u ü 425 Wash. und Harris 426 No. 18 Cvntzenhau W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osqood 429 Nordyke und Dort 431 Hedley Ave u. Morris 432 Niver Av u. Msrru! 44 Rivr Ave und Rap 435 Harding u. Big 4 R Ä 43 Harding und Oliv 437 No. 19 Spritzenho? Morris und Harding, 46 Howard undUKem4 4 etrtyaM 451 Reisn und ilier 452 Howard und Lee 453 Morns und ftavwS 456 Lambeot und KtUjHA 457 Norddle Aoe u. fceax tnon Works 612 West und Rav 613 entuckv Av u. MerriS 614 Meridian und Morris Kl Illinois nd ansas 617 Morris und Dakota 518 Morris und Church 619 Capital A. u McCarty 621 Meridian und Palmer 623 Pine un', Lord 624 Madisor Aveu Lincoln 26 Meridian und Belt RA K27 Carlos und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McCarty 632 No. 17 Spritzenhaus Worns nahe West 612 McKernan und Dough. 613 Caft u. Lincoln Lti 14 Cast und Beecher 15 Wright und Sanders 17 McCarty und Beaty 61 New Jersey u Bir ve 71, Spruce und Prospekt 713 Sngllsh Ar, u. Laurel 714 State Ave u.Belt R 715 Shelby und Beecher 71 State Av nd Orangt 71 Orange und Laurel 7 Shetbv u. Cc.tüge Avi 721 Lexinaton A. u Laurel 725 Flcha Ave u. Syru 724 State Av u. Pleasant 726 Prospekt und leasa.t 72 Orange und Hailar 728 Liberty und Meet 729 Rbl: und South 12 No. 16 Spritzenhaus Oft Washington Stt 3 Market und NobR 14 Ohio . Hiahland Aix 15 Michigan u. Highlan. 1 Market u Arsenal A 817 O Wa Clair und Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shsrö 23 Vermont und Walcott 24 Wash. und State Atz. 26 Madden'stounae Aab 26 Tucker und Dorsky 27 Wash. und Bevillk Ave S22 No. I Spritzenhaus Beville nahe Michig, 831 Eoutheafter Ave und Woodside. 32 ash. und Z tarier 634 Soutbeaftern und Arsenal Aves. 866 New York und Tempi 12 Illinois und Maryl. 91 Illinois und Market 14 Penn, und Soft 815 DelAwarc nnd Spezial-Signale. Erste 2 Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schläge, dritter Alarm. Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. l-2-i, Feuer aus und Schlauch aufoerolk. s Schlag, Wafferdnuk ab. 12 Schlag. 1 Uhr Mittag. Die V bezeichneten Signale werden nur vom Tfyurm wacht angegeben da an den betreffenden Straß krUHuge Beins Alarm kästen angebracht nnd.
