Indiana Tribüne, Volume 26, Number 120, Indianapolis, Marion County, 12 January 1903 — Page 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Pommern. 'Stargar d. Ackerbürger Detert, der vor einiger Zeit das Unglück hatte, sich beim Häckselschueiden die Hand zu durchschneiden, ist, nachdem noch ein Arm amputirt wurde, trotz aller ärztlichen Sorgfalt gestorben. S t ü d e n i tz. Dem Mühlenbesitzer l. Schwolow hier sind Scheune, Stall und Mühle niedergebrannt. Treblin. Ein Brand legte die Stärkefabrik des Herrn von Puttkamer in Asche. W o l l i n. Der in die erte Pfarrstelle an der hiesigen St. Nikolaikirche berufene Pastor Schabow, bisher in Kolzow. wurde zum Superintendenten der Synode Wollin ernannt. Provinz ScHceswkg-Ldorstein. Schleswig. Die Handwerterdank hat im laufenden Jahre einen großen Aufschwung genommen; besonders hat sich mit der Mitgliederzahl auch der Wechseldiskont ganz bedeutend gesteigert. A l t o n l. Aufsehen .erregte die unter der Beschuldigung des Concurs-

Verbrechens erfolgte abermallge VerHaftung des hiesigen Bankiers Finberg. Derselbe wurde sofort nach Halberstadt transportirt, wo sein Bruder sich ebenfalls in Untersuchungshaft befindet. Feinberg ist schon einmal verhaftet worden, hat dann Monate lang in Untersuchungshaft gesessen und wurde schließlich freigelassen. ÄoldiScum. Feuer zerstörie das Gewese des Landmanns Taniau. E g g st e d t. Aus Anlaß der gvldenen Hochzeitsfeier ist den Eheleuten ochuldt von hier die Ehemedaille verliehen worden. l l m h o r n. Bei der Ergänzungswähl zum Stadtverordneten - Eoüegium wurde Kaufmann Heinrich Schtoarj wiedcrgenTahlt, während an Stelle des ausscheidenden Maurermei sters Feldvoß Rentier Theodor Ahsbabs zum Stadtverordneten gewählt wurde. H o h e n f e l d e. Lehrer Blöcker, welcher bisher die z'wei Lehrerstelle hier verwaltet hat, ist zum 1. April 1903 in den Schuldienst der Stadt Neumünster berufen worden. G a r d i n g. Zum Vorsitzenden des Eiderstedter Gartenbauvereins ist an stelle oes nach niei verzogenen Pastor Harder Dr. Wörpel vcn hier gewählt worden. Pastor Harder wurde zum Ehrenmitglied des Bereins ernannt. H u s u m. Bei der Stadtverordnetenwahl an Stelle des ausgeschiedenen Kaufmannes P. Peters wurde Bankdirektor Witt gewählt. Kdensee. Einem Brande fiel das Anwesen des Landmannes Jakob Jrers zum Opfer. N e u st a d t. Zu Stadtverordneten wurden Rentier Robert Lienau und Apotheker Ernst Mariens gewählt. T ö n n i n g. Kaufmann Gustav Kerstens legtsein Amt als Stadtverordnete? nieder. U e t e r s e n. Bei der Wahl zweier Stadtverordneten wurde der bishenae Stadtverordnete Gärtnereibesitzer A. Meyn wieder und Maschinenfabrikant Stark neugewählt. Provinz Kchccsicn. B r e s l a u. Regierungspräsident Dr. jur. Wilhelm v. Heydebrand und der Lasa. der in den Ruhestand zu treten gedenkt, ist erst 53 Jahre alt. Er ist Besitzer des Rittergutes Nassadel im Kreise Namslau und war bis 1884 Landrath dieses Kreises. Dann wurde er vortragender Rath im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, 1889 aber Rcgierangspräsident in Königsberg. Von dort wurde er später nach hier versetzt. Dyhrenfurtth. Den Weiß'schen Eheleuten ist anläßlich ihrer goldenen Hochzeit ein Geschenk von 30 Mark bewilligt worden. G l e i w i tz. Dem Oberlehrer am hiesigen Gymnasium, Dr. Wilbelm Waller, wurde derCharakter als Professor" beigelegt. G o l d b e r g. Bei der Stadtverordneten - Ersatzwahl wurde in der ersten Abtheilung für den verstorbenen Fabrikbesitzer Pladeck der Kaufmann Hclmchen und in der zweiten Abtheilung für den in den Magistrat eingetretenen Kaufmann Sichert Malermeister Wackes gewählt. G r ü n b e r g. Der hier stationirte Lokomotivheizer Matz aus Graudenz hat sich zwischen Bentschen und Rothenburg a. O. auf der Eisenbahnsahrt erschossen. H o h n d ex f. Einem Brande fielen die Mühle desBesitzers Fischer und das Dobschall'sche Wirthshaus zum Opfer. K o st e n b l u t. Das Rentier Boer'sche Ehepaar feierte seine goldene Hochzeit. M Y s l o w i tz. Feuer zerstörte das Maschinenhaus der Dampfziegelei des Stadtraths Ernst Mühle. R i e m b e r g. Das Wohnhaus der Wittwe Mummert hier brannte nieder. Der Kutscher Geisler vom Dominium Kroitsch ritt auf einem der Pferde, welche vor die Kroitscher Spritze gespannt waren, und fiel beim Abfahren herunter, wobei ihm der Spritzenwagen über den Leib ging. In Folge der erlittenen Verletzungen ist Geisler gestorben. S t e i n a u. Baumeister Zimmermann ist zum Rathmann unserer Stadt gewählt worden.

"gfrorm3 "goletx. Posen. Dem Regierungsrath Plüddemann. Mitglied der Provinziai Steuerdiretion in Posen, ist die Rett :7.gs - Medaille am Bande verliehen. E x i n. In Tarnowo ist der Ortsarme Lukas Antulski erfroren. TrotzUm ihm von dem Gemeindevorsteher eine Wohnung angewiesen worden war, suchte er sein Nachtlager im Stalle auf. Kostschin. Bei der Stadtverordnetenwahl wurde in der ersten Abtheilung der Kaufmann D. Haase, in der zweiten Abtheilung der Gastwirth Rubiß gewählt. L e g n o. Dem emeritirten Lehrer Rahl ist der Adler der Inhaber des Haus - Ordens von Hohenzollern verliehen worden. Lewitz-Hauland. Aus Anlaß der goldenen Hochzeit erhielten die Eheleute Kar! Böhm von hier ein Geldgeschenk von 30 Mark. R a w i t s ch. In Damme brannte eine mit Ernte - Erträgnissen gefüllte Scheune des Landwirths Braun nieder. Schocken. Auf Anregung des Lehrers Krüger I wurde hier einMännergesang - Verein gegründet. Nach Berathung der Satzungen ist Hauptlehrer Ziemke zum Vorsitzenden und Lehrer Krüger I zum Dirigenten gewählt worden. S ch r i m m. An Stelle des Wirthes Johann Vartkowiak zu Nieslabin ist der Wirth Joseph Jurga zum Waisenrath ernannt. Tirschriegel. Die Kirchengemeinde Schierzig - Hauland beging oie Feier ihres 2(Xjährigen Bestehens. T l u k a w y. Das einjährige Kind der Kuhn'schen Eheleute fiel in ein offenes Gefäß mit glühenden Kohlen i;nd erlitt schreckliche Brandwunden. u s ch. Die evangelische Kirchengemeinde' feierte das Fest des 60jährigen Bestehens ihres Gotteshauses. ZfrsVinz SacHen. Magdeburg. Der Großherzog von Heisen hat dem Gent:ralsuperintenduen D. Holtzheuer hier dasKomturtreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen. Seinen 80. Geburtstag feierte der frühere Buckauer Stadtraty, Stadtältene Maurereister Chr. A. Schmidt. A s ch e r s l e b e n. Zu Staotoerordneten wurden in der 3. Abtheilung gewählt: Zimmermeister Karl Müller. Zicgeleibestner 5)ermann Nahry und Kaufmann Theodor Horlitz. Die zweite Abtheilung wählte den Seifenfaorikanten Hermann Märker. Professor Dr. Straßburger, Ziegeleibesitzer Robert Tietz und KaufmannWilHelm Kersten auf 6 Jahre, sowie den Rentner Hermann Hörning auf 2 Jahre. Die Wahl in der 1. Abtheilung ergab die Wiederwahl de. Rentners G. Hörning, Direktors Albrecht. Direktors Simon und die Neuwahl des Bankiers Büchler. Die unbesoldeten Stadträthe Ramdohr. Beyte und Gustav Kuntz wurden auf eine neue sechsjährige Dienstzeit wiedergewählt. Erfurt. Verhaftet wurde von der Paroleausgabe weg der Bataillonsschreibe? des Z Bataillons des 71. Jnf.-Regiment hier. Feldwebel Senf. Er hat sich in mehreren Fällen Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen. Friedrichslohra. Der 75jähriqe Einwohner Peter feierte mit seiner 72jährigen Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Gerbershausen. Gehöft und Wohnhaus des Landwirths Anton Meier brannten nieder. G r o ß - S a l z e. Privatmann C. Beinhoff stürzte beim Aussägen von Bäumen und erlitt einenSchädelbruch, der seinen sofortigen Tod herbeiführte. Halle. Dem ordentlichen Pro-

fessor in der juristischen Fakultät der hiesigen Universität Dr. R. Stammler wurde der Charakter 'als Geheimer Justizrath verliehen. Lieutenan. Heinz von Oertzen vom Kürassierregiment v. Seydlitz No. 7 in Halberstadt wurde vom Kriegsgericht der 8. Division hierselöst wcgen versuchter Nothzucht zu vier Monaten Gefängniß und Dienstentlassung verurtheilt. Verletzt war ein Dienstmädchen. H e i l i g e n st a d t. Dem Stadtkämmerer Poppe ist sein Gesuch um Pensionirung bewilligt worden; an seine Stelle tritt der KämmereikassenAssistent Aug. Montag. K L n i gs s e e. Als der 17jährige Knecht Karl Richter von hier seinen im Gang befindlichen Wagen besteigen wollte, glitt er aus, fiel unter die Räder, wurde überfahren und sofor! getödtet. R e i n st e d t. Ein Einbruchsdiebstahl wurde auf der hiesigen Haltestelle ausgeführt. Der eingemauerte Geldkästen der Stationskasse, sowie sämmtliche Schränke wurden erbrochen, wobei den Dieben 5.35 Mark baares Geld in die Hände fielen. R o g ä tz. Bahnwärter a. D. Heinrich Ziem beging mit seiner Ehefrau die goldene Hochzeit. S e e ha u s e n. Feuer entstand in dem Dampfsägewerk des Zimmermeisters Schlüsselburg. Die Maschinenaebäude wurden vollständig eingeäschert. 'S t e h l i tz. Infolge eines Fehltrittes stürzte der Greis Kupfernagel beim Verlassen des Bettes zu Boden und brach ein Bein. Der 75jährige Mann ist an den Folgen des Falles gestorben.

Eine Llnmenpefl. Wie eine Wasserpflanze zur Landplage Floridas wurde.

Tie '"afferhnalinlhe Schwimmende Blumen, bec.c TornröSch, : Reminiscenzen Prosaisches Enve Tie hemie in der Roll des Rärchenprinz,,. Ein eigenartiger Feind ist der Schifffahrt auf den Strömen und Flüssen Floridas erstanden in Gestalt einer Blume mit schönen weihen, rosa Und blauen Blüthen. Fast wäre man versucht, von einer Blumenpest zu sprechen, welche über die südliche Halbinsel hereinbrach und mit glcißnerischer Schönheit den Menschengeist zu bannen und Handel und Wandel zu unterbinden sucht. Die Sache hört sich wie ein Märchen an. Vor vielen Jahren brachte ein Mann, der an den Ufern des St. JohnStroms wohnte, von einer Reise eine Wasser-Hyazinthe mit nach Hause und verpflanzte sie sorgsam in ihr feuchtes Element. Die Blume ward des Mannes Freude und mit Entzücken sah er, wie sie neue Knospen, frische Blüthen trieb, wie die jungen Triebe sich dehnten und weiteten, Blume auf Blume emporsproßte und sich bald ein schwimmendes Gärt lein den staunenden Blicken bot. Die Zeit ging dahin und aus den Wassern des Stromes wuchsen immer mehr Blumen, die sich verdichteten zu einer leuchtenden Farbenfymphonie in Weiß und zartem Rosa und Blau. Wie die Rosenhecken um Dornröschens Märchenschloß, so schlang sich Blume an Blume, und selbst die Nebenflüsse des St. JohnStroms erfüllte bald die helle Blüthenpracht. Die Schiffer, die auf großen und kleinen Fahrzeugen den Strom durchschnitten, freuten sich erst, dann staunten sie über das rasche Wachsthum der eigenartigen Pflanze, und später murrten sie, wenn das acht und zehn Fuß lange Wurzelwerk wie Nixenarme in Ruder und Steuer griff. Endlich ward es kleineren Schiffen fast unmöglich, das Gewirre der Schlingpflanzen zu durchbrechen und selbst Dampfer bahnten sich mit Mühe ihren Weg. Die Blumen wurden zu einer ernsten Gefahr für die Schiffahrt; der Handel wurde durch allerlei Verkehrsstockungen behindert und drohte, völlig zu erlahmen, die Blumenpest" zebrte an dem Wohlstand der Bevölkcrung und wurde zu einer schweren Heimsuchung, nicht nur für Florida, sondern auch für die angrenzenden Staaten Texas und Louisiana. Wie an den Ufern des ewigen Stroms" die Lotosblumen sich träumerisch im Winde wiegen, so schaukelten sich auf den südlichen Gewässern die WasserHyazinthen im linden Lufthauche, und schläfernde Stille ward rings um sie her. Der Lärm und das Getöse modernen Lebens und Treibens verstummten allmälig und ein mühsam aufgebautes Civilisationswerk schöpferischen Menschengeistes schien in Schönheit sterben und versinken zu wollen in der Märchenromantik vergangener Zeiten. So weit war alles wie in der Geschichte vom Dornröschen. Nur nehmcn die Märchen, die ein neckischer Zufall in unserer Zeit sich abspielen läßt, ein weniger poetisches Ende, als einst, in früheren Tagen. Und auch das halbtropische Amerika ist kein Land für Märchenglauoen und eine vom fahlen Mondglanz der Romantik bestrahlte Poesie. An die Stelle des Prinzen, der den Zauberbann von Dornröschens Lippen küßte, trat in Florida ein starkes Dampfboot, dessen keuchende Maschinen ihm hinreichend Kraft verliehen, sich einen Weg durch die Wirrniß der Wasserpflanzen zu bahnen. Der Dampfer schleppt eine Barke, die in mächtigen Behältern ein chemisches Kompositum mit sich führt, und diese Flüssigkeit ergießt sich aus Pumpen über die schwimmenden Hyazinthenbecte, die oft von Ufer zu Ufer reichen und an manchen Stellen so fest sind, daß Menschen sie ungefährdet ! überschreiten können. Für die Blumen bedeutet das Besprenkeln mit jener Flüssigkeit hoffnungsloses Verderben. Sie hängen alsbald die schönen farbigen Blüthenkelche und sterben binnen wenigen Stunden ab. Dieses Sterben aber ist ein Massentod. Man rechnet, daß in der angegebenen Weise täglich etwa 100.000 Quadratyards der schwimmenden Beete vernichtet werden. Wenn man nun bedenkt, daß die Arbeit im besten Falle mehrere Jahre hindurch fortgesetzt werden muß, kann man leicht ermessen, welche riesenhafte Ausdehnung die Blumenpest in Florida genommen hat. Der Menschengeist aber feiert einen neuen Triumph über die Natur, die .ihn diesmal mit dem Rüstzeug der Schönheit bekriegte und ihn zur Unkultur zurückführen wollte. Das Pygmäengeschlecht der Menschen fühlt in sich Titanenkräfte. Es hat reißende Ströme gebändigt, es hat den mächtigen Urwald ausgerodet und dem freien Svhn der Wildniß Sklavenketten angelegt. Und auch der sieghaften Macht der Schönheit hat es sich trotzig entgegengestellt, wenn diese seine Kreise störte. Unaufhaltsam stürmt der menschliche Fortschritt voran und nur ein außergewöhnliches Naturereigniß hemmt von Zeit zu Zeit diesen Siegeslauf und beweist so auf's Neue, daß die vermnntlichen Titanen blos Vriamäen find.

Ideale Städte.

Interessante Vorzüge etlicher' Crte in Schwden, Hollans und Amerika. Eine Anzahl Städte, in denen es sich lohnt, zu leben, werden in einer englischen Zeitschrift aufgezählt. Wer nur über ein kleines Einkommen verfügt, sollte in der schwedischen Stadt Orsa seinen Wohnsitz aufschlagen. Dort bezahlt man seine Steuern, die Erziehung für die kwder ist frei, das Telephon kann man umsonst benutzen, und bei einer Fahrt mit der Straßenbahn verlangt der Schaffner keine Bezahlung. Alle diese Vortheile kann die Gemeinde gewähren, weil sie durch den Verkauf von Bauholz aus den ausgedehnten Waldungen in der Umgebung ein großes Einkommen hat. Wer vollkommenen Frieden wünscht, muß Nashua, N. H eine Stadt von 20,000 Einwohnern, als Wohnsitz wählen. Hier findet man keine Rechtsanwälte. Der Handel, die einzige Beschäftigung der Gemeinde, wird vom Magistrat selbst betrieben und zwar mit solchem Erfolg, daß keine Steuern erhoben werden. Die Straßenreinigung und Ausbesserung der Wege wird abwechselnd von den Bürgern unternommen, und diese freiwilligen Arbeiter sind so friedliebend, daß es keine Polizeibeamte in der Stadt gibt. Die Liebhaber von Reinlichkeit werden sicherlich die Stadt Brock in Holland nach ihrem Geschmack finden. Sie ist seit LanIPW zqv!Z) zWllUlZi Ziq jo Ulöö bekannt. Die Bewohner wachten so eifrig über diesen Ruf, daß bis vor wenigen Jahren Pferde auf ihren Straßen nicht geduldet wurden. Auch jetzt noch Wird der Ort peinlich sauber von der Bevölkerung gehalten, die fast ausschließlich mit der Zubereitung von Edamkäse beschäftigt ist. Die Befürworter der Frauenherrschast sollten nach Beattie, Kan., gehen, wo alle hauptsächlichsten Stellen von Frauen zusgefüllt werden. Diese sind nach der öffentlichen Meinung weniger als das starke Geschlecht der Bestechung zugänglich und geben ausgezeichnete Verwaltungsbeamte ab. Ein großer Theil der Polizeimacht besteht aus Frauen. Ungalantes Gesetz. Im Jahre 1770 wurde im englischen Parlament folgende Bill eingebracht und dann einstimmig zum Gesetz erhoben: Jedwede Frau, gleichviel welchen Alters, welchen Ranges oder Berufes, jedwede Frau, und sei sie noch so hoch gestellt, jedwede Frau, glelchviel ob verheirathet, Wittwe oder Jungfrau, die von dem Tage der Verkündigung dieses Gesetzes mit Hilfe von Wohlgerüchen, Schminken, Pomaden, falschen Zöpfen, Hackenschuhen einen Unterthan Seiner Majestät zur Heirath und falscher Voraussetzung verführen wird, ist als Betrügerin zu bestrafen, insbesondere aber ist jeder Heirathsantrag, der von einem Mann, dessen Sinne durch Wohlgerüche betäubt wurden, gestellt wurde, als ungiltig und nicht klagbar zu betrachten. Der Gebrauch von Parfüm ist überHaupt fortan nur vei Begräbnis en gestattet, da man die Ueberzeugung hegen darf, daß bei so ernsten, traurigen Anlässen selbst hinterlistige, gefährliche Frauen nicht gestimmt sein werden, sich aus der Schaar der Leidtragenden ein Opfer zu suchen." Verschwundene Stadt. Etwa fünf Meilen von Orleans. Frankreich, fand man jüngst in dem zum Schlosse Charbonniere gehörigen Walde beim Fällen Jahrhunderte alter Eichen 12 Zoll unter der Erdoberfläche zwei Steingräber, von denen das eine noch Reste von Gebeinen entkstelt, und die ihrer Form nach aus dem 6. bis 8. Jahrhundert stammen. Früher führte durch die Gegend eine Römerstraße, und nach der Ortssage bestand dort einst eine bedeutende Stadt Namens Segry, deren Trümmer sich noch unter dem Boden befinden sollen. Thatsäch lich hat man bei Wald- und Erdarbeiten auf dem betreffenden Gelände seit undenklichen Zeiten Mauerreste gefunden, die aber immer wieder nur oberfläcklich umgegraben, nie methodisch durchforscht worden nnd. Sollten wntere Nachgrabungen zur Freilegung eines größern Gräberfeldes führen, so dürfte die a!te Sage ihre Bestätigung finden. Verhängnißvoller M i ßgriff. Im Puttdjab in Ostindien ist letzthin bei den Impfungen gegen die Pest ein außerordentlich peinlicher Mißgriff vorgekommen. Die indische Regierung impft die ganze Bevölkerung mit dem Hasskine-Serum. Auf unaufgeklärte Weise wurden nun die Bewohner eines Dorfes bei Gujerat statt mit dem Heilmittel mit einem giftigen Serum geimpft, worauf über 20 von den Leuten starben. Dieser unglückliche Vorfall hat den Jmpfungsplan schwer geschädigt, denn die Bewobner des Pundjab, die bisher der Impfung keinen Widerstand entgegengesetzt hatten, weigern sich jetzt, sich weiter impfen zu lassen. Mit Hilfe der Elektriz i t ä t werden in letzter Zeit auch Bäume gefällt. Dazu benutzt man, an Stelle einer Säge, einen Platindraht, der zwischen zwei Polen ausgespannt ist und durch einen starken elektrischen Strom weißglühend gemacht und erhalten wird. Das Verfahren erfordert weniger Arbeit als mit der Säge, Sägespäne fallen dabei auch nicht ab und das Verkohlen der Schnittflächen verhindert auch noch dte Verwitterung des Holzes.

Der SpieUkusel in Madrid. Ce i.-.c Ursachen, sein Umsanq und seine demo ralisirenden Wi. fangen. Eine der größten Plagen Madrids, so schreibt ein dortiger Berichterstatter, ist von jeher das Hazardspiel gewesen, nicht nur in Folge der Nachlässigkeit" der Polizei, sondern auch wegen der verhängnisvollen Neigung so vieler Spanier zu diesem Laster. Der Typus eines Spielers, der im Spie! nur ein Mittel erblickt, um sich zu zerstreuen, ist in Spanien kaum bekannt, erst recht nicht in Madrid. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es in der spanischen Hauptstadt überhaupt keinen Verein, der mit mehr oder wemger Dekorum gleichzeitig nicht auch ein Spielklub wäre. Zu dem Spielklub kommt die Mehrzahl der Mitgliede? etwa mit derselben Absicht, mit der sie ein Lotterieloos kauft: man will Geld erlangen, um zu leben, um sich zu vergnügen. Denn so groß im AUgemeinen die Armuth ist, noch größer ist die Lust, sich an Vergnügungen aller Art zu betheiligen, und noch weit größer die Unlust, stch die nöthigen Mittel dazu durch ehrliche Arbeit zu erwerben. Daher ist die Mehrzahl der Spieler, von dem Beamten, der sein Monatsgeholt verdoppeln möchte, um allerHand außerordentliche Obligationen" zu befriedigen, bis zu dem Studenten, der trotz des kleinen Wechsels auch das Stiergefecht besuchen möchte, nicht von einer Art Sportttieb erfüllt, sondern sie fröhnen dem Spiel nur als Mittel zu dem Zweck, ihre Einnahmen zu vergrößern. Daneben gibt es nun aber noch eine Menge Leute, die wieder von dieser Spielwuth der Anderen leben. Sie fungiren als Bankiers und KrouPiers, als Portiers und Kellner, als Diener in den aristokratischen Spielklubs, als Wucherer und Halsabschneider von Beruf, als Schlepper und Angeber. Ihre Zahl wird für Madrid auf mindestens 5000 geschätzt. Hat man diese widwärtige Gesellschaft für sich, so kann man z. B. eine zweifelhafte Wahl gewinnen; hat man sie zu Feinden, so läuft man Gefahr, daß grober Unfug aller Art angerichtet wird, daß Petarden und Bomben geworfen und sogar aufrübrische Umtriebe angestiftet werden. Thatsächlich hat sich noch kein Gouverneur lange auf seinem Posten halten können, der mit der ganzen Strenge des Gesetzes gegen das Hazardspiel vorgegangen ist. Gegen ihn wühlen Politiker und einflußreiche Persönlichkeiten, deren Cirkel gestört werden und deren Klubs eingehen, die Polizei, die ihre hohen Nebeneinnahmen verliert, und dann jene oben geschilderte hungrige Masse, die zu allem fähig ist, nur nicht zu ehrlicher und regelmäßiger Arbeit. Sibirische Indianer. Eine von Präsident Morris K. Jesup vom Amerikanischen Naturhistoriscken Museum in New Iork ausgerüstete Expedition, welche kürzlich von einer längeren Forschungsreise durch das nördliche Sibirien zurückkehrte, hat die überraschende Entdeckung gemacht, daß dort, im äußersten Norden des russischen Reiches, Volksstämme wohnen, welche eine nahe Verwandtschaft mit den amerikanischen Jndia-

Aern aufweisen. Sprache. Sitten und Gebräuche dieser Stämme sind dieselben, wie bei den Indianern. Die Expedition hat eine reiche Sammlung von Handarbeiten und Zeichnungen dieser sibirischen Eingeborenen, sowie Zelte, Haushaltungsgegenstände und Jagdgeräthe mitgebracht, wie wir sie ganz ähnlich auch bei den Indianern finden. In der Sammlung befinden sich prächtige Kostüme, welche von den Medizinmännern getragen wurden, sowie eine vollständige Garnitur von Trauerkleidern. Außerdem enthält die Sammlung mehrere Scklitten der Eingeborenen und einen Medizinkasten. Wie die amerikanischen Indianer, so befinden sich auch ibre sibirischen Vetlern im Aussterbezustand. Sie bewohnen den Kolymadistrikt, eine wüste Gegend von über 14,000 Quadratmeilen Flächenraum, die fast unerforscht daliegt. Ihre Hauptbeschäftigung bilden Fischerei und Jagd. Die Benutzung des 3!ennthiers ist ihnen unbekannt, ihre Schlitten werden von Hunden gezogen. Im Sommer wohnen die Leute in Zelten aus Thierfellen, im Winter in dürftigen Holzhütten. Nach der Meinung von Gelehrten sind diese sibirischen Stämme thatsächlich desselben Ursprungs, wie die amerikanischen Indianer. Sicher gehören sie nicht der mongolischen Rasse an. Die Leute sind von kleiner, ebenmäßiger Gestalt, und haben meistens ein weicbes, rundes Gesicht. Die Hautfarbe ist besonders bei den Frauen oft fast weiß. Die größte Oelquelle des russischen Oeldistrikts wurde letzten Sommer ungefähr drei Meilen südwestlich von Baku erboyrt.und zwar in einer Tiefe von 1650 Fuß. Nahezu drei Tage lang schoß aus der Quelle ein tägliches Quantum von 180,000 Faß Petroleum hervor, worauf sie nachließ, bis etwa 2,000,000 Faß abgeflossen waren. Die Quelle brachte jedoch den Eigenthümern kein Glück, da sie nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte und durch das Oel viel benachbartes Eigenthum beschädigt wurde. I m russischen Heer ist der gegenseitige Gruß der Offiziere nicht Sitte, nur Generäle werden von allen im Rang tiefer stehenden gegrüßt, sonst thun es nur die Bekannten uni tereinander.