Indiana Tribüne, Volume 26, Number 113, Indianapolis, Marion County, 3 January 1903 — Page 7
Jndtana Tribune, 8 Januar 1903.
UttttttUNNNKtt
n n u n 5t Mer ackfischKasten , s, ,y, AA ,l I lH TV Tt H" " (Fortsetzung.) 7. Kapitel. N einem Sonntage eö war Jrl noch früh, noch vor der Kir3 cher.zeit sah der General bei deu Stiftstanten im Kloster zu Bützown einem hochgewölbten riesenqroßen Gemach und versuchte die Beiden fr seine HypotheZtnidee zu erwärmen Eine Erwärmung war in den Räumsjn des Klosters eigentlich immer von Nsöthen, vor Allem in diesem Empfangßzimmer," in dem trotz der sommerlichen Luft draußen eine empfindliche ühle herrschte. Die Stiftstanten taugen denn auch sogenannte Seelenwörmer, d. h. gestrickte Jäckchen aus schnöarzer Wolle, die ihnen äußerlich etwsas eigenthümlich TintenwischerhafteÄ aaben. dazu noch Pulswärmer und 7i den tviircn arone niNbaousazen. in ir r iiiii i m iiiiiri r in ; r r n i - c r y . rrn mimi ui nunirr nu ii ir i. . f i . 5 r . . r jf. i rr - . . i - . - iy - r . i r r ? . i - j - r " omie oas aues ier,r orain m lein, nur onnte man es nicht schön nennen. Dies war jedoch den Tanten aleickailtia. Fritz," sagte Tante RUchen, warte einmal: ehe Du fortfährst, halte uns erst auf dem Laufenden. Wir sitzen hier in der Einsamkeit, und weder die ,Kreuzzeitung' noch das ,Quellwasser für das christliche Haus,' unsere beiden einzigen Zeitungen, wozu noch be: ,Bote aus Jerusalem' kommt, den Fräulein von Schwabingen hält, bringen etwas über die Geschehnisse in der Familie Lehn. Gott sei Dank, nicht; denn was müßte man sich schämen, wenn so etwas in die breitere Oefsentlichkeit käme! Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht mehr in Riegnitz zu zeigen. Es ist ja gar zu gräßlich!" Es wäre alles noch erträglich," schaltete Tante Fiekchen ein, wenn nicht auch diese Tochter aufgetaucht wäre. Fritz, Fritz mich täuscht mein Auge selten: das ist eine Tochter Belials und in dem Gomorrha der Neuen Welt aufgewachsen, und lasse Dich warnen: bringe sie nicht mit Deiner Anna zusammen; die Sünde, so man sie weckt, wächst wie ein Cedernbaum." Ihr übertreibt wie gewöhnlich," aniwortete der General. Außerdenl möchte ich um die Erlaubniß bitten, meinen Paletot anziehen zu dürfen. Ich verstehe es nicht, wie Ihr es hier bei dieser eisigen Temperatur aushaltet." Die innerliche Wärme ist die Hauptsache, Fritz," sagte Tante Rikchen; und Gott sei Dank, die haben wir. Di: bringt uns das Heil und das wohllhätige Bewußtsein, so zu ben, wie es christlich und adlig zugleich ist. Es heizt sich schlecht in diesen Räumen; das ist wohl wahr. Aber es bat sich früher noch schlechter geheizt, 'enn da gab es nur Kamine. Und jemand hat g?tlagt Der Geist, der urch das Kloster wehte, der glich ner Flamme, die Wärme schuf. Doch imerbin, zieh Deinen Paletot wieder l. Und dann berichte " Der General schlüpfte in seinen' lerpnipher und fsfisnn frnsMnr h tragen hoch. Es war klar, daß ihm ijicit un uuijcicc uiuuiic tllg ui& an der inneren Flamme. Er war ein Weltmensch geblieben. m i . xaa i i Benchten. Gut. Da ist wenig ,u sagen. Ernst ist halb mit seiner Tochter einverstanden, halb nicht. Daß sie es uns tüchtig gegeben hat, n5ar ihm ersichtlich eine kleine Genugthuung" Haha ich glc JV." Daß sie auf rem Schein besteht. ärgert ihn daa tn. So hat er sie denn vorläufia m den Backfischkasten gebracht " Mit Anna zusammen " sagte Fiekchen. das ist mein Kummer. Für das geistige Wohl ihrer Zöglinge thun die Schroters sowieso mcht viel. Alles ist da auf das Weltliche gestellt." Auch das muß sein, Fiekchen. Aber laß mich fortfahren. Anna ist am 22. Juli Mittags geboren worden. Nun behauptet Ernst allerdings, seine Daisv habe bereits Vormittags, also einige Stunden früber das 9(hi her W?st erblickt. Doch ist das nicht urkundlich zu beweisen, denn der amerikanische Geburtsschein gibt nicht die Stunde, sond-rn nur den Tag an. Es müßten demgemäß Zeugen beschafft werden Das ist natürlich eine langwierige und umständliche Sache, so daß die Chancen für Anna im Allgemeinen nicht schlecht sieben. Ich bin auch überzeugt, daß Daify eines schönen Tages vernünftig werden wird. Herrgott, materiell ge nommen liegt mir ja gar nichts an Hohenwarte! Ihr wißt ja, daß wir es uns erhalten müssen Müssen," betonte Fiekchen. Nun also unsere Ansichten gehen da ganz konform. Aber ich bin ein armer Plöter, und da dachte ich, vielleicht könntet Ihr mir unter die Arme greifen. Kurzum: ich brauche dreißigtausend Mark für Hohenwarte. nicht für mich selbst. Ich selbst bin anspruchslos. Ihr habt das Geld lieaen. in dreivrozentigen Staatspapie-
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(Eine srOf)siri)P Solilmcrgc schichte bzn Fedr uou Zobclt! T 44 Ö vi Mi JA. T . n Z4 rv 4? v-r ren. ch rann iucq ci:i Prozenl r willigen. Die Bauernpacbten sollen zum Oktober eine Kleinigkeit erhöht werden: die Leute sind damit emverstanden sie machen immer noch ihre Geschäfte. Da schinde ich also den einen Prozent scbon heraus. Ich denke, es fanr Euch nicht schwer fallen, mir cieie neme nie zu ersuuen ia?on tin allseiiwen Familieninteresse nicht " Die Manien schauten sich einen Momcnt schweigend an und verstanden sich. Tann tthob sich Ri'chen. faltet.' die Hände über dem Seelenwärmcr und enigegnete: Fritz, die Familie ist mir sehr theuer. Auch Fiekchen. das weiß ich. Ja. wir würden alles für sie opfern. Aber diese dreißigtausend Mark, das aeht nicht. Ich will Dir nicht erst die Grunde auseinandersetzen; Du würdest sie vielleicht gar nicht anerkennen. Unser Leben ist Dir ja nichts wie das verschleierte Bild zu Delphi: Tu weißt nicht, was wir ha ben und brauchen, diesen kärglichen Leib zu erkalten. Verlange, was Du willst für die Familie. Die Familie ist uns heilig. Nur kein Geld" Da erbob sich auch der General, schüttelt sich ein wenig, weil ihn plötzlich heftige? fröstelte, und ging an seineu Hut. Also nicht. Alles für die Familie blos kein Geld. Wißt Ihr. daß mir der Grempel mit Hohenwarte nachgerade zum Halse herauswächst?" Fritz menagir Dich!" 'Ach was habt Ihr Euch meinem Bruder Ernst gegenüber menagirt? So lange gestichelt nd gebost habt Ihr. bis die Daisy rebellisch geworden ist. Nun gut: die Daisy hat das Vorrecht. Es soll ihr verbleiben. Sie hat mehr Geld als ick und die Anna und wird yoyenwarle ausoauen uno oercyonern und noch eine Thurm darauf setzen und hingen einen Wintergarten anleren und vorne vielleicht eine Veranda. Nun gut. Ich kann nicht hexen und mir das Geld aus den Aermcln schütteln. Ich habe auf Euch g?rechnet, und Ihr laß mich im Stiche. Also mag die Daisy Hohenwarte übernehmen. Adieu!" Er nickte und wollte gehen. Aber sie waren Bcide hinter ihm her. ...Halt. Fritz" Fritz, halt-" Fritz, das ist keine Beredung, sondern Schreien und Davonrennen. Wenn wir nun auch so heftig sein wollten? Aber Gott sei Dank, wir haben in frommer Uebung gelernt, unserer Leidenschaft Herr zu werden. Setz Dich noch, einmal. Friert Dich noch immer? ' Fiekchen. es muß noch ein Kognak da sein. Frage Fräulein von Schwabingen" Doch der General wehrte energisch. Ich danke crgebenst. Ihr habt mir schon früher einmal Euern Kognak angeboten. Er wird im Hause gemacht " ..Aber aus reinem Spiritus, Fritzchen" Trotzdem. Er ist mir zu brenzlig." Wie Tu willst. Wir führen im Kloster kein Lasterleben wie die zu Babylon. Wir brauchen den Kognak nur als Medizin und zu Einreibungen, nicht zur Befriedigung alkoholischer Gelüste. Doch bleiben wir bei der Sache. Du drohst uns. Ja, Du drohst. Das ist Deiner unwürdig und Deines Namens. Du willst eine Pression auf uns ausüben; Du drohst uns mit dem Schwert des Demosthenes. Aber ich sage Dir: damit kommst Du doch nicht zum Ziele. D u bist,'s, der daö Familieninteresse schädigt und schändet. Wenn nun die Daisy einen Mister Smith oder Mister Mycrs heirathet he?" Ter General hatte sich in der That noch einmal gesetzt und hielt seinen Hut zwischen den Knieen. Er ließ Tante Nikchen reden. Was nützte das alles! Allerhand Worte und keine Thaten. Doch ließ sich nun auch Tante Fiekchen vernehmen und.sagte mit sanfter Stimme: Kann denn die Daisy nicht den Otto heirathen. da sie nun doch einmal hier und di? Sache so sehr verwickelt ist?" Rilchen rümpfte erst die Nase, nickte sodann und -wurde eifrig. Das ist ein Vorschlag, über 'den sich reden ließe," meinte sie. Fiekchen, ich muß sagen, ich hätte Dir eine solche Erleuchtung nicht zugetraut. Hast Du den Gedanken aus Dir selbst?" Ganz aus mir selbst, Rikchen," behauvtete Fiekchen stolz; er kam mir so." Er ist gut. Fritz, es kommt zuweilen Weisheit aus Kindermunde. Sieh, die Daisy ist nicht aus der Welt ?u schaffen. Sie ist da und hat sogar, wie Du behauptest, ihr Anrecht auf Hohenwarte. Nun denke weiter. Otto i''t arm und muß sich sehr quälen. Man konnte ja auch Erich und Egon in die Berechnung ziehen, aber die schlagen sich schon durch, wenn auch ihre Berufsthätigkeit bürgerlicher Natur ist. Otto dagegen ist Offizier. Und als
ecluer Lehn wird er auch e:n Opfer zu bringen wissen." Was denn für ein Opfer?" fragte der Ccneral. Mein Gott, das Opfer, die Daisy m heirathen. Stell Dich doch nicht so schwerfällig. Fritz. Dann kann schließlich noch alles in's Rcine und in Ordnung kommen und dann verbleibt Hohenwarte den Nachkommen Ottos, also d Lehns. Die Daisy ist, schein:',, ja nichl häßlich. Mein Geschmack wär sie nicht. Aber die Männer von beute lieben ja das 'piurige. "nd Otto würde sie sich schon erziehen, und dann geht Ernst wieder nach Amerita zurück, und oer Fleck in der Ehronik wird, wenn auch nicht ausgewaschen, so doch erheblich blasser. Hör, Fritz, der Gedanke Fiekchens sagt mir eigentlich sehr zu." Er kam ganz aus mir selbst," wieVerholte Fiekchen, so auf einmal " Der General war nachdenklich geworden. Er stand langsam auf. ..Es ist nur die Sache." sagte er, daß zum Heirathen immer zwei gehören. Angenommen, der Otto wäre wirklich dazu zu bewegen, sich um Daisy zu bewerbenso glaube ich noch lange nicht, daß das' Mädel ihn auch wirklich nehmen wird." Jedenfalls ist de? Gedanke gut," meinte Tante Fiekchen in wachsendem Selbstbewußtsein: er kam mir ganz plötzlich. Mir kommen manchmal solche Gedanken." Der General nickte lächelnd. Ich werde darüber nachdenken und 'mal mit Bertlippchen sprechen. Auch Otto ist nicht so leicht zu nehmen. Er ist ein straffer Charakter; das muß man ihm lassen. Also adjö; ich will noch zu Schröters, die Mädel abholen. Ihren SonWtagsurlaub kann man ihnen schon gönnen " Die Tanten begleiteten den General die Ulmenallee hinab, die vom Kloster bis zur Gartenpforte führte. Tante Rikchen gab ihm noch im letzten Augenblick ein paar gute Lehren. Weißt Du, Fritz," sagte sie, Du mußt Dich auch hinter die Daisy ein bischen hermachen. Erzähle ihr nur. das da neulich, das hätte ich gar nicht so gemeint. Schick sie 'mal zu mir. Ich werde recht nett zu ihr sein, freundlich, liebenswürdig, verwandtschaftlich. Ich werd' sie schon ein-wickeln."
(So na " iDer General zögerte noch einen Augenblick. Verwandtschaftlichauf einmal. Die ganze Geschichte ist einfach scheußlich, und Ihr mögt sagen, was Ihr wollt edelmännisch auch nicht. Und daß gerade Ihr gehabt Euch wohl addw! Er ging mit starken Schritten über den Straßendamm, während die Tanten kopfschüttelnd durch die Ulmenallee nach dem Kloster zurückkehrten. Fritz wird auch alt," sagte Fiekchen. Fritz wird sogar recht alt." bestätigte Rikchen. Wie äußerte er sich? ,Nicht edelmännisch?' Im Gegentheil wir wollen ja nichts weiter, als die Tcgenerirten wieder an uns heranholen. Fritz ist nicht klug. Er war blos wüthend, daß wir auf seinen Pumpversuch nicht eingingen." Das war's. Unsere paar Nothgroschen!" Und die Amerikaner haben es scheffelweise. Fiekchen, es müssen doch schon junge Radieschen da sein. Ich glaube, der Gärtnrr betrügt uns." Rikchen, die Welt ist so schlecht. Von dem Spalierobst kriegen wir immer das knorpligste auf den Tifch. Alles gute verkauft er. Und die Stiftskasse besieht wenig genug. Wir sind viel zu gut." Ja. das sind wir. Aber es ist mir ein Trost, daß wir es sind. Es gibt doch eine köstliche innerliche Befriedigung. Und das ist besser als alles Ändere" Im Backfischkasten bereitete sich an diesem Sonntag eine große Wallfahrt nach Riegnitz vor. Alles flog aus. Es herrschte eitel Jubel, daß man die Uniform ablegen und Stiefelchen mit hohen Absätzen anziehen durfte. Die Mutier Ulla von Mergentins, die in Riegnitz wohnte, hatte einige der Pensionärinnen zu sich geladen. Der-Gene-ral gerieth gerade in den Abzugstrubel hinein. Er fand auch Anna und Daisy bereits reisefertig vor, die den alten Herrn mit brennender Ungeduld erwarteten. Wie wundervoll war dieser freie Sonntag! Nun stapften die Beiden rechts und links von ihm der Pferdebahn zu, die am Kurpark hielt. Väterchen," fragte Anna, wie finden1 Du mich? Mache ich schon einen gesitteteren Eindruck?" Noch nicht so ganz den erwünschten." Onkel, das kommt noch," schaltete Daisy ein; ein VieiHeljahr im Backfischkasten, und wir sind nicht wieder zu erkennen." Väterchen, der Ernst des Lebens hat sich mir bereits aufgethan " Mir auch, Onkel. Ich bitte dringend, daß Du ein gutes Wort bei meinem Vater für mich einlegst " Will ich schon; aber was für eins? Den Tickkopf hast Du noch immer?" Der ist.Llaub' ich, Lehn'sches Erbe. Und warum nicht? Andere nennen so etwas Charakter. Von Erbe spreche ich übrigens nicht gern. Ich habe immer Angst, Du wirst zornig." Nein, mein Kind, über den Zorn bin ich hinaus. Ich möchte nur die Vernunft walten lassen. Ich frage mich vergebens: was willst Du mit Hohenwarte? Früher oder später kehrst Du doch mit Deinem Vater nach Amerika zurück. Und wann wirst Du wie-
verkommen? Vielleicht in Jahresfrist, vielleicht häufiger, vielleicht gar nicht. Nimm an, Du verheirathest Dich drüben, Du bekommst Familie " Ach, Onkel-" Aber, Papa" Kinder, was ist denn da weiter? Also nimm an, so käm' es. Dann wird Dir der Besitz von Hohenwarte nur eine Last sein, eine große Unbequemlichkeit " Sagtest Du nicht, auch Dir sei der Besitz im Grunde genommen nichts anderes?" Der General wurde ein wenig verlegen. Gewiß. Aber der ideale Zweck hilft mir, diese Last leichter zu tragen. Das fällt bei Dir fort. Tarire ich wenigstens. Du bist Deines Vaters Tochter. Ihr hängt nicht so an der Ueberlieferung wie wir hier. Das ist ganz naturgemäß. Ihr steht der Familie schon um deshalb ferner, weil Ihr in Amerika lebt. Und unwillkürlich haben sich die auf das Praktische gerichteten amerikanischen Anschauungen auch auf Euch übertragen. Stimmung und Empfindung ist Euch sozusagen Luxuösache. Ihr lebt der Gegenwart und nicht der Erinnerung an die Bergangenheit. Wie gesagt, das ist selbstverständlich durch das Milieu, aus dem Ihr kommt. Aber ich will Dich nicht zu überreden versuchen, Daisy. Mam das mit Dir selber ab. Schließlich müßte das Recht sprechen" Sie antwortete nicht. Sie war wirklich ein Trotzkopf. Sie hatte die Lippen fest geschlossen, und auf ihrer Stirn lag der Eigensinn.
Man stieg in die Pferdebahn. Es war derselbe Wagen, der auch die übriaen Pensionärinnen nach Riegnitz bringen sollte. Ter ganze Backfischkasten rollte auf Rädern. Es war ein unaufhörliches Lachen, Kichern, Plaudern und Quieken. Der Kondukteur wurde ordentlich verlegen angesichts dieser jungen Gesellschaft, die mit ihren lichten Frühlingskleidern den Wagen füllte. Er drängte sich vorsichtig durch die sich bauschenden Kostüme und theilte die Billette aus. Die Prinzessin mußte sich einen Thaler wechseln lassen. Das machte Umstände. Während der Kondukteur in seine Geldtasche griff, sprang der Wagen mit leichter Erschütterung über ein anderes Geleis; der Kondukteur hatte nicht aufgepaßt, verlor das Gleickgewicht und saß plötzlich auf dem Schoß Grethe Vollmers. Nun war des fröhlichen Lachens kein Ende. Der arme Kondukteur wurde purpurroth und zog sich rasch auf seinen Perronplatz zurück, und Grethe Vollmer wurde viel geneckt. An diesem Nachmittag fand Anna Zeit, auf ein Stündchen der väterlichen Hut zu entweichen. Sie hatte sich bei Egon mit Otto verabredet und wollte mit Beiden gemeinsam den Vetter Rechtsanwalt aufsuchen. Aber sie traf Egon allein in seinem Atelier; nur Pfiff war noch anwesend und begrüßte Anna mit freudigem Kläffen. Otto hat abgeschrieben," sagte der Malersmann; das heißt, nicht ganz. Er geht direkt zu Erich und will um vier Uhr bei ihm sein. Da ist es denn freilich Zeit, daß wir uns gleichfalls auf die geehrten Beine machen. Notabene, wenn Du überhaupt noch Lust zu dieser meiner Meinung nach ganz unnützen Rücksprache hast " Anna war in Hut und Mantel mitten im Atelier stehen geblieben und knabberte an ihren Handschuhspitzen. Plötzlich fing sie an zu weinen und fiel Egon um den Hals. Ach Gott, Egon," schluchzte sie. .es ist doch ein recht elendes Leben! bin ganz verzweifelt." Weil Du, nimm eS mir nicht übel, ein lieber kleiner Hammel bist. Weil Du selber nicht weißt, was Du willst. Weil Du doch noch viel zu jung zum Heirathen bist. Endresultat: Du gehörst wirklich in den Backfischkasten und nicht in die Ehe" Jetzt trocknete Anna ihre Thränen schnell und mit zorniger Geberde. Das ist niedrig. Egon; ja. das ist sehr gemem. Du bist immer gleich grob und ungezogen zu mir." Die Wahrheit hat selten Sammetpfötchen. holdes Wesen" Laß Deine albernen Titulaturen! Ich bin Dttij holdes Wesen noch lange nicht. Ich bin ein armes und sehr bedauernswcrthes Mädchen. Willst Du mich nun zu Erich begleiten oder nicht?" Wenn ich nur wüßte, was ich da soll?" O. Egon, pfui! Du sagst, Du seiest mein Freund und willst mich allein lassen? Ich muß mich doch schon anstandshalber mit Otto auseinandersetzen" .Anstandshalber. Also sei es. Ich
werde wieder einmal den Elephanten und den guten Onkel spielen. Aber werde auch mit der Wahrheit nicht hinterm Berge halten, Anna. Ich rede, wie mir um das Herz ist. Wir müssen den Pfiff mitschleppen. Nimm ihn an die Strippe " So gingen die Beiden denn los, durch die berühmten Anlagen des Gartens und an der Kugel mit dem grinsenden Menschengesicht vorüber. Pfiff erregte Aufsehen unter seinesgleichen. Eine Rotte von Kötern zog bald hinter ihm her, die Egon nur mittelst Lufthieben seines Spazierstocks in Schach hielt. Es ist gräßlich mit diesem Hunde," sagte er. .Seine hündische Schönheit ist so groß, daß er stetig von Anbetern umringtest. Sei so gut, Anna, und nimm ihn auf den Arm." Dem unde zuliebe." entaeanete
Der Grippe specifisches Heilmittel.
Die Grippe tritt wieder epidemisch auf. Alle Nerzte missen, daß sich dieselbe in Folge von Sr kältungen entwickelt. Sie greift stets die schwa chen Punkte des menschlichen yftems an, darin 'tegt eben das gefährliche dieser Krankheit. Sx.AuMRaig Hamburger Vrostthee
ift mit solch großem Erfolg gegen dieses schmerchafte Leiden angewandt worden, daß viele Aer,te dessen Werth schätzen und denselben häusig ver schreiben. Er wärmt das But, berubigt die Skerven, linder den Sketz, stärkt das ganze System und beseitigt dadurch die Krankheit. Notiz! Skur tn Originai'Packeten verkaust, und der echte hat die Unterschrift von Dr. August König auf jedem Umschlage. Er wird niemals lose verkauft.
Anna, niast um Deinetwillen" Sie war noch immer sehr verstimmt uud zog eine krause Lippe. Erich wohnte an der Promenade und hatte dort ein sehr behagliches JunggeseLenguartier. Otto saß neben ihm am Schreibtisch und schien auch nicht besonders rosenfarbener Laune zu sein. Das war er in letzter Zeit selten. Man merkte ihm an, daß ihn allerhand Sorgen bedrückten. Doch begrüßten Beide die Eintretenden mit freundlichen Worten. Anna erhielt den Ehrenplatz, einen großen Fauteuil, in dem einmal ein angeklagter Bankdirektor gesessen hatte, durch dessen Freisprechung Erichs Ruhm als forensischer Vertheidiger begründst worcen war. Sie nahm sich loischen den hohen Armlehnen wie ein Liliputweibchen aus und machte ein klägliches Gesicht. Erich verneigte sich ironisch vor ihr. Stehe zu' Diensten," sagte er; ..was befiehlt die gnädige Kousine?" Anna sah erst hilfesuchend zu Egon herüber und dann zu Otto. ..Otto, sprich Du." meinte sie schließlich. Fortsetzung folgt.) Wahnwitzige Wette. Ein Student von E?langen, Bayern, sprang jüngst auf freiem Felde auf einen in voller Fahrt befindlichen Schnellzug. Ein Fahrgast zog den Verwegenen, der an seinem Koupe hing und geschleift ward, in das Koupe, wo er halbtodt und am ganzen Körper zitternd sich auf der Bank ausstreckte. Der lebensgefährlichen Narrethei lag eine Wette von 1000 Mark zu Grunde, die der Verwegene also gewonnen hatte. Verschiedene Ansichten. In München stand unlängst ein wegen Langfingerei angeklagter Schuster vor den Schranken des Gerichts. Af die Bemerkung des Vorsitzenden, - eine Handlung wie die feinige heiße man eb:n Diebstahl, erwiderte der Ritter vom Knieriemen: Ja seg'ns Herr Amtsrichter, dös moan i wieda nöt, die Ansichten sind eben verschieden!" Zuletzt behielt aber doch die Ansicht des .Gerichtes die Oberhand, und der Zweifler wurde zu einem Tag Gefängniß verurtheilt. ProponirtesDuell mit Kanonen. Im Gemeinderathe zu Roncegno, Südtirol, schimpfte jüngst das Mitglied Kofler den Bürgermester in der Hitze der Debatte einen dummen Kerl. Daraufhin forderte der Bürgermeister den Kofler zum Zweikampfe heraus, und zwar möge, wie er sagte, Kofler auch gleich die Waffe nennen, die ihm zusage. Kcifler hatte aber keine Luft, sich mit dem Bürgermeister, einem alten Veteranen, auf derlei einzulassen, weshalb er entgegnete, daß er als Waffe die Kanone wähle und sich damit auf einem nahen Berge aufstellen werde; der Bürgermeister möge auf einem anderen Berge desgleichen thun. Die Zinkbraut. An der belgisch-fvknzösischen Grenzstation bei Avesnes kam kürzlich ein Hochzeitszug an. Ter Bräutigam saß vorne im
Wagen und sprach eifrig auf seine junge Frau ein, deren Gesicht durch einen dichten Schleier verhüllt war. Die Zollbeamten, die den Wagen durchsuchten, bemerkten, daß die Braut auffallend steif dalaß. Einer von ihnen redete sie an. Sie gab aber keine Antwort. Der Beamte riß ihr den Schleier ab und sah nun, daß die angebliche Braut eine Zinkfigur war, die wahrscheinlich mit Branntwein gefüllt war. Leider konnten die Beamten den Sachverhalt nicht feststellen, da der Kutscher plötzlich wüthend auf die Pferde einhieb, und der Wagen in der Ferne verschwand, bevor die Zollwächier ihn aufhalten konnten. Schlimme Folge eines Polizeimißgriffs. Der Stationsassistent Emde in Bremen brach, als -er neulich an einem Morgen um 5 Uhr sich zum Dienste begeben wollte, auf der Straße bewußtlos zusammen. Schutzleute fanden den Unglücklichen und brachten ihn in der Annähme, er sei betrunken, nach dem Kantongefängniß. Erst nach mehreren Stunden theilte die Polizei den Vorfall im Stationsbureau mit, und als man von hier erfuhr, daß der Herr unmöglich betrunken sein könne, da er um die angegebene Zeit seinen Dienst hätte antreten müssen, wurde ein Arzt requirirt, der feststellte, daß der im Kantongefängniß Untergebrachte von einem Gehirnschlag getroffen worden sei. Nunmehr wurde der Schwerkranke in's Krankenhaus geschafft, wo er nach kurzer Zeit verstarb. , 7
I l euer Signale. 4 Pennsylv und Varkt 5 English'i Opern-Hau East und Ne York 7 Noble und Michigan 8 N. Jerjey u. Mass fce 9 Pine und Norch 10 Mket und Pine 11 Vermont nabe Esst 12 S!. 8 CpritzenbauZ Mafi. v nahe Noble 13 Deawareund Walnut 14 R.JerZcv u Ce:iira: Sl. 16 Mast, und Cormll v .6 Ash und 11. Straß :7 Park Ave und 12 Etr .S Columbia und Hillstde 19 Highland Ave u.P,att kl JUinois und Tt. Jo 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. er 25 No. S SvritzenbauS IS. nahe JllmslS LS Senate Ave u. StCIai? 27 Illinois und Michigan 2? Pesylvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. 31 No. 1 Spritzenhaus Ind Ave nabeRichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vamsnt 36 Bla!e und New Kork S Ind. Av. u. Ct. air 37 Sity Hospital 35 Blake und Nvrtl) 39 Michigan und Azne 41 No. 6 Spritzenhaus Wajbington nah West 42 Gsendorf u Wash. 43 Mistouri u Ncto Kort 46 Midist u Wash 46 Illmois und Ohio 47 Eapitol Av. u Wash 43 Kmgan'S PorkbauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str 61 Ro. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 62 Illinois u Louifiana 63 Welt und Eouch 64 West und McOartv 66 Senate Ave. u Henry 67 Meridian und Rav öS No. 4 Spritzenhaus Madifon Av. u Mor.tt 69 Madison Av. u Tunlop Sl No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telawar 2 Penn, u Merrill 63 Delaware u. McEarttz 4 aft und 9fcte9 66 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 68 Last und Prosvect S9 Bioling und High 71 No. 11 Spritzenhaus ir Ave. nah Huron 72 East und Georgia , 73 Cedar und El 74 Davidson u Georgia 76 English Av. u Pine 75 Ehelöv und Bäte 7? No, 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 79 Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. 82 East u Washington 84 New Dor! u. Davidsar 86 Taubstummen Anstalt 86 Ver. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 SpritzenbauS Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Scorgia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Leniftana 96 Viraini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Ohis .23 No. is Spritzenhaus IS. und Afh. 124 Alabama und 1. 126 Central Av und 16. 12 HandeS und 16. 127 Brookside und Jupiter 12s Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und il. 132 Bellefontaine undW. 134 College Ave und 29. 136 Delaware und 13. 13 Alabama und North 137 Rewmann und 19. 136 College Ave und 14. 139 Corneil Av und 13. 141 Dands und IL. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 146 Ne Jersey nd 22. 14S Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiltside Av und IS. 148 '!olleg Av und 2. 149 College Av und 7. 162 Park Ave und 22. 16?. L S u. W Bahn u. 22. 164 Ramsey Ave und 10. 16 Stoughton u Newman 167 Atlas und Pike. 168 Bloyd und Pawpaw. 169 No. 21 Spritzenhau Brightwood 12 Arden und Depot 163 Brightwood und 26. 164 Rural und Bloyd 1K5 St. Clair u. Aeystone 167 Arscnal Ave und 23. 168 Bellefontaine und 28. 169 Park ve und 1. 212 Capital Ave nd 17. 213 Pennsylv. u. Michigan 214 Illinois und 20. 215 Senate Av und 1. 216 Pennsvivania und 22, 217 Meridian nd 16. 218 Capital Ave und 2. 219 Broadway und 10. 231 Jllino.4 und McLean 234 No. 14 Spritzenhaus Senwod und 30. 236 Jilincis und 35. 236 Annetla und 30. 237 No. s. EprinhluS Udcll und Raer 38 UdeU Ladder Worli 239 Jabel und 27. 241 Meridian und JA. 242 Illinois u Et. Gla'x 243 Cldrioae und 23. 312 West uud Wzinut S13 West und 12. 314 Howard und IS. 816 Torbet und Paca 316 Capital Ave und 10 317 Northwestern Ave u1 318 Gent und 18. 319 Canal und 10. 824 Ccrealine WorkS 324 Vermont und Lvnn 825 Bismarcku SrandvieK 32 No. 2 Spritzenban HaughvUle. 827 Michigan u. HolmeS. 328 Michigan u, Concord 341 West und McJntyn 412 Missouri u. Marylant 413 Missouri und Ohio 416 Capital Ave u Georgia 416 Missouri Scntuckv S 417 Senate Av; u. Wao 421 P und G Runut W. Wasbington. 423 Jrren-Hospital. 424 Wi.ey Ave u. JDuS? 425 Wash. und Harris 42 No. 18 Spritze,chati W. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Oegood 429 Nordyke und Kork 431 Hadicy Ave u. MorriS 432 River Ave u. Norri2 4 River ve und Rsy 436 Harding u. Bia4 R 436 Hading im 487 No. 19 SprVgnx? Morris und Hardmg, 488 Howard wAtZman i99 Ctttkvar 461 Reisn und Mille? 462 Howard nd See 468 Morns und SlttlftK 456 Lambert und Bel..nl 467 StordySe Ave u. lar cm 3 vion Wort 812 West und Ray 613 Aentucky Av u. Nerrtö 614 Meridian und MorriH 615 Illinois nd ansaS 617 orris und Dakota 618 Morris und Church 619 Capital . u McCarty 621 Meridien und Palm 623 Pine un,'. Lord 624 Madisor Av u kincol 2 Meridian und Belt RR 627 CarloS ui.d Ray 628 Meridian und Arizona 629 Meridian u. Raymond 631 Meridian u. McSarty 622 No. 17 Spritzenhaus Morns nahe West 12 WcKernan und Dough. 18 East u. Lincoln fcn 614 East und eecher S16 Wright urd EanderS 17 McCarty und Beaty IS New Jerfey u ir A 712 Spruce und Prosvect 713 Englisch Av. u. Laurel 714 State Ave .BeltRR 716 Shelby und Beech 71 Etat Ave nd Orang, 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Ct..taae Av, 721 Lerington A. u Laurei 723 Fletcher Ave u Gpruot 724 State Av u. Pleasant 725 Prospikt und leaf 72 Orange und Harla? 728 Liberty und Meek 729 9Ullz und South 612 Ro. 16 Spritzenhaus Oft Washington Str 818 Market und Noble 814 Ohio u Highland ve 816 Michigan u. Highlant 81 Market u Arsenal 3üx 817 Oft Clair und Union Bahn Seieis. 821 Pan Handle EhepZ 823 Vermont und Walcoti 24 Wash. und State A 826 Midden'SLouaFab. 826 Tmker und Dorsey 827 Wash. und Bcville Ave 829 Ro. 12 SvrrtzenbauS Beville nah Michig, 821 Southeaftern Av Ad oodfide. 82 Wash. und Dearbon 884 Southeaftern und Arsenal AveS. 855 New Kork und Tempi 912 Illinois und Maryl. Sl Illinois und Market 914 Penn, nd W"kh. 915' Delaware nnd Spezial, Signale. Ersten 2 Schläge, zweiter Alarm, Zweite Schläge, dritter Alarm, Dritten , Schlä, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgerollt. Schläge, Wafferdruck ab. ' 12 Schläge. 1 Uhr Mittags. Die so bezeichneten Signale werden nur da Thurm Wächter angegeben da an den betreffenden Strafte keupmg Alarmkästen angebracht find.
