Indiana Tribüne, Volume 26, Number 110, Indianapolis, Marion County, 30 December 1902 — Page 7
Jndiana Tribune, 30 Dezember 1902.
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Wackfisch-Kasten
tt tt tt t (Fortsetzung.) Erich und Egon nicht wahr?" rief er. Tie Zähne des Langenbuschers? Ah ja ich seh's Euch an! Kinder, was hab' ich mit Eurem Vater ge.ollt, als wir Beide noch in der Prima saßen! So was gibt es in unseren geordneteren Zeitverhältnissen gar nicht mehr gibt's gar nicht mehr" Er schien glücklich zu sein, einmal sein Herz reden lassen zu können und in zwei junge, frische, lachende Gesichter schauen zu dürfen, in verwandte Züge, die weder Groll noch Abwehr zeigten. Ja (5uer lieber Vater! Geld hatten wir nie aber Euer Alter o, das war ein Pumpgenie der hätte Finanzminister werden können! Wir pumpten sogar unseren Ex'kutor an. Wenn der bei uns pfänden wollte, zitterte er immer vor Angst" Jetzt räusperte sich Tante Fiekchen, und Tante Rikchen murmelte in sich hinein: Takt scheint drüben in Amerika nicht zu Hause zu sein " Aber Ernst überhörte das, auch fiel Erich raschen Worts ein: Onkel Ernst, ich entsinne mich: der Papa hat uns oftmals von Eurer Schulzeit erzählt im Rex'schen Gymnasium, nicht wahr?" Ganz richtig wir waren schon große Bengels, und einmal einmal hatte ich auch so eine Art Duell mit Eurem Alten. Die Rapiere waren stumpf, aber er hieb mir doch eine ilber's Ohr, daß mir Hören und Sehen verging. Wir liebten Beide nämlich dieselbe Konditormamsell, und da mußte das Blut natürlich fließen. Nachher betranken wir uns. Ach Gott, die glückselige Jugend! Da saß man noch nicht " Er wollte weitersprechen, verstummte aber. Eine bissige Zwischenbemerkung traf sein Ohr. Mit kurzem, bitterem Auflachen hatte Tante Rikchen den Satz ergänzt, hatte, an ihre Schwester gewandt, halblaut gesagt: Noch nicht auf dem Schusterschemel " Nun erschrak sie selbst. Der General fuhr zornig auf, und eine dunkle Röthe stieg in sein Gesicht. Von der Thür herüber, der Seite, da Daisy stand, drang ein ganz leiser, kaum vernehmbarer Wehlaut wie ein Aechzen. Alles war empört. Das ritterliche Blut wehrte sich gegen die Bosheit. Selbst Otto war bläh geworden. Er starrte zu Daisy hinüber. Jetzt erst sah er sie schärfer vor sich: ein schlankes Mädchen mit regelmäßigen und feinen, sehr klugen und energischen Zügen, das Gesicht wie versteinert und ganz weih, nur in den Augen einen heißen Brand. So stand sie bewegungslos an der Thür. Da aber war auch schon Anna an ihrer Seite und nahm ihre Hand und sagte weich und lieb: Daisy Kousine" Nichts weiter. Doch die Andere verstand und nickte freundlich, obne die fest aufeinandergepreßten Lippen auch nur zu bewegen. Der General legte die Rechte auf die Schulter seines Bruders. Vergib, Ernst." bat er. Du kennst kennst sie" Kenne sie ja. Kenne die lieben Baen " lernst rectte stey, blies einen Strom von Luft zwischen oen Lippen hervor, und dann lächelte er. Aber sein Blick blieb trübe dabei. Schufterschemel sagtest Du, Rikchen. So war es. Hab' einmal mit Pfriemen und Pechdraht gewirthschaftet, und es hat meinen adligen Händen nichts weiter geschadet. Nichts weiter. Und wenn ich klapp, klapp, klapp die Nägel in die Sohlen getrieben, dann habe ich auch zuweilen an Euch gedacht, Basen, und" Er schüttelte den Kopf. Nein es lohnt sich nicht, in Bitterniß zu antworten. Ich habe nichts gehört. Fritze, wo ist Dein Mädel? Das da sieh, Anna, was bist Du groß und hübsch! Gar kein Backfisch mehr. Stell Dich 'mal neben die Daisy. Bei Gott, Ihr seid gleich groß! Daisy, hast Du alle Verwandten begrüßt?" Jetzt sprach das Mädchen zum ersten Male und antwortete ruhig, mit klarer Stimme und leichtem amerikanischen Accent: Ja, Vater: alle, die mir die Hand reichen wollten " Die Stiftstanten rührten sich nicht. Bertlippchcn aber sprang herbei und umarmte Daisy und küßte sie auf den Scheitel. Daisy blieb ganz gelassen dabei, und es zuckte nur leicht um ihren rothen Mund, als auch Otto sich näherte und ihr die Hand reichte. Ich freue mich, Dich kennen zu lernen " Der kühle Ton. in dem er das sagte, schien ihr nicht zu mißfallen. Es war eine ehrliche Gegnerschaft ohne Tücke und Bosheit. Zur Sache!" rief Ernst mit erhöbener Stimme. Kommen wir zum Geschäftlichen. Wir sind ja doch nicht nur hier, um Also zur Sache! Ein Anwalt ist in der Familie der ftrirfi
Du hast nur nöthig," sagte der General, Deinen Entschluß protokol-
llren zu lassen. Den notariellen Akt
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Ött tt tt ü tt tt . . well. Also los " Der Alte ried sich die Hände und schaute auf seine Schuhspiyeu. Well. Papier und Feder ist da. Schreib. Erich. .Ich. Ernst von Lehn, verzichte hiermit in aller Form Rechtens" ,-orm Rechtens,' " wiederholte SriA "7 f dj an den Tisch oesetzt hatte und desi'en Feder rasch über das Papier glitt. IkamenS meiner Tochter Daisy'" Halt!" rief Daisy. Sie trat an den Tisch heran. Ihr stahlgraueö Auge, das zuweilen durchsichtig licht, zuweilen tiefdunkel erschien, heftete sich fragend auf Erich. Du verzeihst. Vetter," fuhr sie fort, daß ich an Dich als Juristen eine Frage stelle O, ich bitte, Kousine "
Darf mein Vater ohne meine strikte Einwilligung in meinem Diainen eine Urkunde vollziehen?" Eine unruhige Vewegunff entstand in der kleinen Versammlung. Die Tanten hatte sich erhoben; der General war betroffen. Auch Ernst; doch es flackerte dabei ein lustiges Licht in seinen klugen auf. Nu sag 'mal. Daisy," meinte er. was soll denn das heißen? Hast Tu mir nicht vorgestern gesagt, Hohenarte sei Dir ein höchst gleichgiltiges Stück Erde?" Jawohl, Vater vorgestern. Und heute stehen wir hier. Man kann seine Ansicht ändern. Vetter Erich, darf ich freundlichst um Antwort bitten?" v Mit Vergnügen, Kousine," ervnderte der Rechtsanwalt. So lange Tu minorenn bist, hat Dein Vater Vollmacht für Dich. Aber allerdings: eins darf er nicht. Er darf Dich nicht vermögensrechtlich benachtheiligen. Darf Dir also auch nicht eine Erbschaft entziehen, die für Dich Besitz bedeutet. Du müßtest denn" In diesem Augenblick trat der General hinter Daisy und legte, Erich abwinkend, gleichsam Schweigen von ihm erkittend, seinen Arm um ihre Schulter. Mein liebes Kind," sagte er, ich verstehe Dich nicht. Oder doch ja, ich glaube Dich zu verstehen. Du bist gereizt worden" Das bin ich. Onkel" Ich bedaure es tief. Aber es ist, meine ich, noch kein Grund, gegen den eigenen Vater zu opponiren." Ich will nur mein Recht wahren, Onkel." Recht?" rief Tante Rikchen gellend. Jetzt hielt es sie nicht mehr; jetzt mußte sie sprechen. Wer ist im Recht? Sie, mein liebes Fräulein doch nur in der Einbildung. Hand auf's Herz: fühlen Sie sich noch zu dieser Familie gehörig? Zu einer sozialen Gemeinschaft, von der sich schon Ihr Vater losgesagt hat?" Laßt mich aus dem Spiel!" rief Ernst dazwischen. Er stand an der Wand, die Arme verschränkt, so etoas wie ein verkniffenes Lachen auf dem alten faltigen Gesicht. Jetzt hat die Daisy das Wort. Und gehört soll sie werden. Daisy, ich frage Dich nochmci!s, heute vor Zeugen, vor allen diesen ehrenwerthen Männern, Frauen und Jungfräulein des Namens Lehn: willst Du Hohenwarte entsagen?" Nein!" Das Nein" klang scharf und trotzig, wie Stahl auf Eisen. Der General ließ sich langsam auf einen Stuhl nieder, leise aufseufzend. kopfschüttelnd und mit verstimmtem Gesicht. Neben ihm stand Otto. Er fühlte sich in dieser Stunde als Vertreter des Ohms, als ganzer Lehn, der mit zäher Energie an der Traktion des Hauses festhielt. Die Kousine da drüben gefiel ihm trotz Allem und dennoch: sie war eine Feindin. Sein Blick streifte finster die Stiftstanten und bannte deren .unaen. aiy, n letztes Wort," tagte er. Auch ich verstehe, daß man im gerechten Zcrn bitter werden kann. Es kann kein Opfer für Dich sein, uns Hohenwarte freizugeben. Die Scholle ist werthlos, und für Dich fällt auch der ideale Werth fort, der sie uns theuer macht."
Wer sagt Dir das?" entgegnete
Sie hatte den Kopf in den
Nacken geworfen, und ihre Lipp:n wölbten sich spöttisch. Wer sagt Dir das? Mein Vater ist gegen die Tradition holla, ich bin dafür! Jawohl ich hare zuweilen romantische Neigungen; vielleicht rührt es daher, daß meine Ahnen Kreuzritter und keine Schuster waren. Ich poche auf meine Geburt vor Euch! Auch ich bin adligen Bluts, und es patzt mir, recht kräftig auf mein Wappenschild zu schlagen so laut, daß es Euch, meine gnädigsten Tanten vom Stifte U Bützow, in den Ohren klingen soll! Und fällt mir Hohenwarte zu, wie ick hoffe und wünsch-, da werde ich über dem alten Portal am Burgfrieden noch ein zweites Symbol in den Stein nieißeln lassen: einen Bundschuh. O ich bin in der Geschichte unseres Hauses bewandert: es war ein Geraldus Lehn, der zog mit Florian Gever
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und dem Berlichingen gegen das Ritterthum zu Felde. Und drei JahrHunderte später trat ein anderer Lehn für die Rechte des Bundschuhs ein. Nehmt's nicht übel, daß unter ihm schließlich das Symbol zu wirklichem Leder würd:! Nehmt's nicht übel, daß der Erbe Heinos und Hilberts statt auf edlem Vollblut auf Schusters Rappen ritt! Nehmt's nicht übel, daß der heimathlose Flüchtling in der Fremde zur ersten besten Arbeit griff, sich und die Seinen zu ernähren! Nehmt's nur nicht übel. Vetter Erich, lege Feder und Papier beiseite: ich verzichte nicht!" Es war schwer, auf diese Worte sogleich passende Entgegnung zu finden. Darum schwiegen auch alle. Der Gen?ral hatte den Ellenbogen seines rechten Arms auf das Knie gestützt und ließ den Bart durch die Finger gleiten; ihm ging aar viel durch den Kopf, und sein starrer Blick hob sich kaum vom Boden. Egon hatte sein besonderes Vergnügen an der Beobachtung der Stifistanten; die Eine war grün geworden, die Andere purpurn. Und plötzlich fuhr Tante Rikchen jach auf. Man erwartete eine gewaltige Explosion. Aber es kam anders. Tante Rikchen raste quer durch das Zimmer, so daß die Luft erschüttert wurde, riß die Thür auf und verließ das Zimmer. Augenblicklich folgte ihr Tante Fiekchen. Aber sie raste nicht, ste wandelte, lang, erhaben und voll feierlicher Würde. Hinter ihr krachte die Thür in's Schloß. Da lachte der alte Ernst herzhaft auf, ging zu seiner Tochter und gab ihr einen schallenden Kuß auf den Mund. Das als Belohnung," sagte er, und nu kommt die Strafe, Daisy. Du bist mir zu gut zu Fuß unter der Nase, Kleine. Sage 'mal, Fritze, Tu sprachst mir da neulich von einem Institut in Bützow, allwo man dem jungen Geflügel die Fittiche ein bissel stutzt glaube, Du wolllest auch Deine Anna noch auf ein Jährchen hinbringen" Das ist der Backfischkasten, Onkel," fiel Anna kleinlaut ein. Backfischkasten sehr gut! Gefällt mir. Daisy, mein Kind, Du kommst in den Backfischkasten" Vater!" fuhr Daisy auf. Stille ich will's! Nun sag adieu nur eine Verbeugung, nicht erst die Hand reihrum. Taxire. Du hast Dich so ein bischen unbeliebt gemacht Good bve, Fritze. Wir reden noch miteinander. Aber wenn wir miteinander reden, sorge dafür, daß die stacheldrahtigen Basen zu Hause bleiben. Die Verwandtschaft mit denen hat etwas vom gespickten Hasen an stch. Gott befohlen allerseits! Go on, Taisy." Er riß die Thür auf und schob Daisy voran. Na," sagte der General und stand auf, nun wären wir ja am Anfang vom Ende. Nun heißt's beweisen, wer die früher Geborene ist: Du, Anna, oder die Daisy!" Mir ist schon aNes gleich," erwiderte Anna maulend. Und dann lachte sie. Aber eins freut mich doch: die Daisy kommt auch in den Backfischkasten! Das ist ihr gesund." Famoses Frauenzimmer," äußerte Egon. Ich werde sie heirathen, um die Familientragödie zu gutem Ausgang zu führen." Otto zuckte mit der rechten Schulter. Versuch's, mein Junge. Sie hat Geld wie Heu. Aber wenn Du sie erst hast, dann zieh mit ihr nach New Aork und male da weiter. Unter die europäischen Lehns paßt sie nicht." Nee, nicht so ganz," gab Egon köpfnickend zu. Erich widersprach. Er schob die Papiere zusammen, die noch vor ihm lagen, und erhob sich. Ich bin nicht Eurer Meinung," sagte er. Diese Daisy ist halbe Amerikanerin und doch ganz Vollblut. Ist reine Rasse und durch und durch eine Lehn. Gerade, daß sie nicht sanftmüthig herunterschluckte, was ihr an bitteren Pillen servirt wurde daß sie sich ganz einfach gewehrt hat gerade das, ich kann' mir nicht helfen, hat mir an ihr gefallen. Indessen ich will Euch mein Urtheil nicht aufdrängen. Onkel, ich muß auf das Gericht. Befiehlst Du noch etwas?" Vorläufig nichts mehr, Erich; später noch manches. Ich danke Dir " Es war eine kurze Verabschieduna. Auf Jedem lastete ein unbehagliches und niederdrü'endes Gefühl. Als der General Bertlippchcn die Hand gab, schaute er ihr in die Augen. Thränen. Na ja; es ist auch zum Heulen," sagte er. Es war alles geebnet und vorbereitet. Es hätte alles so glatt gehen können. Es hätte wenn die beiden diese beiden gräßlichen Stiftsbasen nicht gewesen wären. Sie sind die allein Schuldigen." Nicht so ganz, Fritz," entgegnete Bertlippchcn sanft. Ich meine, einen Theil der Schuld tragen auch wir. Mich dünkt, das mit Hohenwarte 'st geradezu symbolisch. Wir haben kein Recht, auch das Empfinden Anderer immer nur von unserer hohen Warte zu beurtheilen. Kein Recht' dazu, 3ntz-" 6. K a p i t e l. war Büßow : in einem Thaly kessel gelegen und von anmuthigen Höhen umgeben, die ein Laubwald umbuscyte, hineingebettet in freun'iches Grün, ein Schmuckkästchen der Natur. Auch eine harmlose Heilquelle sprudelte hier, die hatte ein kluger Arzt vor etwa zehn Jahren entdeckt und daraufhin schleunigst ein Sanatorium gegründet, und fo nannte sich
dann Bützow von tntt Zeit av stolz Kurort" oder Bad Bützow." Onkel Nante war freilich wüthend darüber. Er behauptete, die Kranken schleppten erst die Bazillen ein, und was die Quelle beträfe, so würden allnächtlich einige Centner Glaubersalz oder Na--tron in das Wasser geschüttet, um den Heilgeschmae?" kenntlich zu machen. Natürlich war das Unstnn. Auch kamen ernsthafte Kranke wenig hierher, nur dann und wann ein paar nervöse Großstädter, die von der Waldluft eine wohlthätige Wirkung erhofften und mit großer Regelmäßigkeit vom Sprudel der Einbildung" tranken. So hatte Oberst Jüttner nämlich die Quelle getauft: ihre Wirkung liege nur in der Einbildung, meinte er. und in der Autosuagestion. Daher haßten den auch sämmtliche Aerzte von Bützow den guten Onkel Nante, und wenn sie ihm begeaneten. beschrieben sie einen großen Bogen um ihn oder starrten an ihm vorüber. Onkel Nante wohnte in einem kleinen Häuschen ganz in der Nähe von Kloster Bützow. Dies alte Kloster war der Stolz der Villenstadt; es gab ihr einen gewissen historischen Hintergrund. Denn thatsächlich: das Kloster ragte in geschichtliche Zeiten hinein, und seine starken Mauern hatte der Sturm der Reformation umtost. Aber Mönche hausten hier seit zweihundert Jahren nicht mehr. Das Kloster war Staatsbesitz geworden, und der Fiskus hatte es eines Tages an einen großen Familienverband verkauft, der die Stätte mönchischer Aszese in ein Fräuleinstift verwandelte. Doch kamen nur solche Fräulein hierher, die adligen Geblüts waren und die Zeit junger Thorheiten längst hinter sich hatten. So war also das Kloster ein Gegenstück zu dem Backfischkasten," der auf der anderen Seite Bützcws lag. Zwischen beiden Gebäuden dehnte die Villenstadt sich auS. Die reicheren Einwohner von Riegnitz hatten hier ihre Villeggiaturen, die im Frühjahr bezogen und im Herbst wieder verlassen wurden. Das war um so bequemer, als Bützow mit Riegnitz sowohl durch die nach Breslau führende Eisenbahn als auch durch eine Trambahn verbunden war. Ter Backfischkasten" hieß die Schröter'sche Penston natürlich nur im Volksmunde. Auf den Prospekten des Instituts stand weit vornehmer: Erziehungsanstalt für junge Mädchen aus guten Häufern zu Bad Bützow. Inhaber: Botho Freiherr von Schröter. fürstlich staynhausen'scher Kammerherr a. D. und königlich preußischer Hauptmann a. D., und Corona Freifrau von Schröter, geborene Freiin von Wolffenclau." Die Betonung des Kammerherrn hielt Herr von Schröter für geboten, weil sie etwas Höfisches an sich hatte. Auch Frau von Schröter war Hofdame gewesen. Aber als die Beiden sich geheirathet, hatten sie Staynhausen verlassen müssen, denn der alte Fürst war gestorben und der junge schränkte seinen Hofhalt ein oder vielmehr: er vertheilte nur Ehrenämter, doch keine Gehälter. Und von der Ehre allein konnten die Schröters auf die Dauer nicht leben,so gern ste es auch gethan hätten. So begründeten ste denn das war nun an zwanzig Jahre her den Backfischkasten und fühlten sich sehr glücklich bei der Heranbildung der weiblichen Jugend zu tugendhaften und sittsamen Hausfrauen. Es war ihr Stolz, daß bisher keiner ihrer Zöglinge das heirathsfähige Alter überschritten hatte, ohne vor den Traualtar getreten zu sein. Und da die ehemaligen Insassen des Instituts eine große Anhänglichkcit an das Schröter'sche Ehepaar zu bewahren pflegten, so schickten sie auch stets getreulich die Anzeigen ihrer Verlobung und Trnuung und sonstiger erfreulicher Familienereignisse nach Bützow, und Schröter trug diese dann mit pedantischer Sorgfalt in sein gro:ßes Hausbuch ein. Jahraus, jahrein flatterten segcnvermeldende Briefchen in den Backfischkasten; es gab nicht nur Verlobungen und Trauanzeigen, sondcrn auch gesunde Mädchen und fröhliche Buben in Fülle, dazwischen freilich auch einmal einen schmerzlichen Trauerfall,-wofür indessen ein erstes Enkelchen den Ausgleich brachte. Dies Enkelchen gehörte einer Dame an, die vor zwanzia Jahren als schüchternes junges Mädelchen das Pensionat hatte eröffnen helfen. Nun war sie schon Großmutter, eine sehr junge zwar, aber den Titel konnte man ihr nicht nehmen. Und mit großem Stolze trug Herr von Schröter auf der ersten Seite seines Hausbuchs hinter dem Namen Ditta Erdmann und einer Reihe auf ihr Familienglück bezüglichen Bemerkungen ein: Die erste Großmama des Instituts " An diesem Tage gab es für die Pensionärinnen Bowle und am Abend Mohnstriezel. Es war ein Tag der Freude. Der Backfischkasten war eine freundliche Villa, die in einem schönen und gut gehaltenen Garten lag. Im Parterregeschoß des Hauses wohnten die beiden Schröters; hier befanden sich außerdem der allgemeine Speisesaal, zwei Unterrichtszimmer, der Turnsaal und der große Salon, während die Zimmer der Mädchen im ersten und zweiten Stockwerke belegen waren. Im Turnsaal war augenblicklich das gesammte Pensionat versammelt. Die große Glocke hatte alle zusammengerufen. Es war der 1. April: da wußte man, daß die neuen Ankömmlinge vorgestellt werden sollten. Die sieben Mädchen standen in einer Reihe, nach der Größe geordnet. Sie trugen sämmtlich dunkelblaue Tuch-
Wnde gesund und bleibe gesund indem du
Leberkrankheite, Villiösität, Unreines Blut, durch die Anwendung vo
Dr. Augnft König's
Kamburger
ropfen
loS wirst, sie reguliren und reinigen.
eache 5t. Jakob Otl gege Schmerzen..
lleijn niil tarmesinfarbcnen Kragen und. sahen wirklich wie weibliche Kadetten aus: wie ein sehr niedliches Amazcncnkcrps. Nur die Lehrerinnen auf dem rechten Flügel, Fräulein Braman, Miß Hcplins und Mademoiselle Larbcuz, waren in menschlicher Toilette,' wie Käthe Finck zu sagen pflegte. Fortsetzung folgt)
c?t:t 3ttsc ::tcro erfiUH wurde in Berlin am 23. Novc.bcr cm hellen Sage in der F-.i.-.i-Straße verübt. Das Bankgeschäft von Schwerdtfege? u. Co. hat in dem Hause FriedrichStraße 99, gerade gegenüber der Uhr des Bahnhofs Friedrichstraße, einen kleinen Laden mit einem schmalen Eingang. Die Auslage enthält allerhand Münzen und Wcrtbpapiere. Dies Zweiggeschäft, das der Reisenden wegen bis 9 Uhr Abends geöffnet ist. wird von dem 25 Iahe alten Bankboamten Otto Salzwede! verwaltet. Am Sonnabend Abend kam zu ihm ein junger Mann, verlangte einige Münzen und knüvfte ein längeres Gespräch an. Sonntag Morgcn um 8h Uhr, kurz nachdem Salzwedel den Laden qeöffnet hatte, kam der junge Mann wieder und wollte einige Münzen aus dem Schaufenster kaufen. Salmedel aing hin, um die verlangten Münzen herauszunehmcn. In diesem Augenblick stieß ihm der Fremde einen Dolch in die Schulter. Dem ersten Stich folgte sofort ein zweiter. Salzwedel floh bis binter den Ladentisch, der Kunde folgte ihm und stach blindlings auf ihn ein. Salzmann stürzte, raffte sich aber wieder auf, als plötzlich dem Räuber der Dolch entfiel. Run floh der Kunde. Der Gestochene erreichte die Ladenthür und brach dann blutend auf der Straße zusammen. Der Mordbube lief in den Bahnhof hinein und nach der Kaiser Wilhelms - Akademie zu sofort wieder heraus. Publikum und Schutzleute verfolgten ihn. Nun rannte er die schmale Straße zwischen Bahnhof und Akademie entlang nach der Spree zu. Am Schlütersteg gelangte es den Verfolgern, ihn zu packen. Er riß sich aber los und sprang über daö Geländer in die Spree. Obstschiffer machten sogleich ihreBoote los, Schutzleute und Zivilisten sprangen hinein und kamen gerade zur rechten Zeit, um den Mann zu fassen, als er wieder auftauchte. Er wurde zunächst als Polizeigesangener nach der Charitc geführt. Der Räuber ist ein 1875 zu Löwenberg in Schlesien geborener Klempnergeselle Karl Moser. Den verwundeten Bankbeamtcn brachte man nach der königlichen Klinik. Hier stellten die Aerzte ?wei klaffende Wunden über dem rechten Auge, sieben Stiche in das linke Schulterblatt und den linken Oberarm und zwei Stiche in den Rücken fest, von denen einer die Lunge qestreift bat. Der etwa 20 Zentimeter lange Dolch lag hinter dem Ladentisch, seine Spitze war ganz umgebogen. Der Räuber war in Berlin seit vierzehn Tagen ohne Beschäftigung gewesen. Seiner Wirthin hatte er erzählt, daß er Sonntag nach Hause reisen wolle, und bei der Polizei hatte er sich schon abgemeldet. o Ein odi auf den König vo 2o',ii. ldemokratiN. In Leipzig hat König Georg von Sachsen kürzlich die Ortskrantenkasscn besichtigt, und bei dieser Gelegenheit haben sich auch die sozialdemokratischen Mitglieder des Vorstandes der Leipziger Ortskrankcnkasse an dem Hoch auf den König betheiligt. Deshalb nun liest die sozialdemokratische Chemnitzer Volkszeitung" ihnen wie folgt den Text: Wenn der König die Kasseneinrichtungen kennen lernen wollte, hatten ihn unsere Genossen selbstverständlich höflich zu empfangen. Aber ebenso selbstverständlich hätte sein müssen, daß sie jede Art von monarchischer Kundgebung unterlassen hätten. Sie hätten rund erklären müssen, daß sie nicht mitmachen würden. Sie haben aber mitgemacht und haben Hoch gerufen. Sie sind nicht etwa durch eine unvermuthere Ovation überrascht worden, sondern sie haben vorher darüber gesprochen, was sie thun sollten. Sie haben nicht die Courage gehabt, so zu handeln, wie ihnen ihre sozialdemokratischen Ansichten zur Pflicht machten. Daß das im revolutionären Leipzig passiren mußte, wirkt fast komisch bei der Sache." Ebenso komisch ist es aber, daß die Sozialdemokraten im deutschenReichstag. wenn beim Schluß einer Session ein Kaiserhoch ausgebracht wird, jedesmal insgesammt ausreißen.
Feuer - Signale.
4 Pnmsylv und Markt k Englifh'S Opern-Haus 6 Eafi und Rew Dort 7 9loblt und Michigan 8 N. Jerfty u. Mass Ave 9 Pine und North 10 Startet und Pine 11 Vermont nahe Eaft 12 N. 8 Spritzenbaus Maq. nahe Nob'.e 13 Deiwan und Walnut 14 R. Jersey u Central. 15 Mass. und kornell Av -6 Ash und 11. Straß a Park v und 12 Str .S Tolumbia undHillflde 19 Sighland Ave u.P,att kl Illinois und St. Io 23 Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und tL Etr 25 No. K Spritzenhaus 1k. nahe Illinois 26 Senate Ave u. StSlair 27 Illinois und Michigan 28 Pesylvania und 14. 29 Senate ve. und 15. 21 No. l Spritzenhaus Jnd Ave nahichigan Z2 Meridian und Walnut 34 California u amwni 35 Blake und New Aork 3S Ind. v. u. St. Clair 37 eity Hospital 33 Blake und Norch 39 Michan und Agnes 41 No. S Spritzenhaus Washington nahe West 42 GZndorf u Wash. 43 Missouri u New Mort 45 Meridian u Wash 46 Illinois und Ohio 47 Capitel As. u Wash 48 Klnaan'S Porkbaus 49 Straßenbahn Stalle W. Washington Str 51 No. i Spritzenhaus Jllwois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 West und South 54 West und McCaNy 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav No. 4 Epnmbauö Madifon Av. u Morvii 69 Madison Av.uDunlop 61 No 2 Haken Leiterbaus South nahe Delawar 62 Penn, u Merrill 83 Delaware u. McSarttz 4 afl und McSartY New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 6 Gast und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. II Spritzenhaus Bir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 Cedar und Elm 74 Davidson u Georgia 75 Snglish Av. u Ptne 76 Shelöy und Bäte 7? No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelbtz Ti Fletcher Av. u Shelby 81 Market u. New Jersey 2 Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 er. Staaten Arsenal 87 Onental und Wash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 SpritzenbauS Marhland nahe Mer. 92 Meridian u. S:raia. ?3 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana 95 Virini Ave u. Alab. 96 Hauptquartier. 97 ttrand Hotel. 98 Capital Ave und Ohio .23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Av und 15. 126 Hände und 1. 127 rooksioe und Jupiter i29 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellesontame und 134 College Ave u. d 20. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Newmann und 19. 133 College Ave und 14. i?9 Cornell Ave und 13. 141 Dandes und 1L. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumseh und 10. 145 Ne Jersey nd 2. 14 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hiltside Ave und 16. 148 College Av und 22. 149 College Ave und 27. 152 Park Ave und 22. 15?. L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey ve und 1. 156 Ctougbton u Nkwman im tlaS und Pike. 155 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 Arden und Depot 162 Brightwood und 26. l4 Rural und Bloyd 165 St. Elair u. eystone 167 Arsenal Av und 23. 163 Bellesontain und 28.
169 Park ve und 10. 12 Capual Ave und 17. 213 Pennsylv. u. NichiM 14 JllinmS und . 215 Senate Ave und 11. 216 Pennsvlvania und 22, 217 Meridian nd 16. 218 Capital Ave und 26. 219 Broadway und 1. 231 Jllino.s und McLea 234 Ro. 14 Crntzenhaus Aenwod und 30. 235 Illinois und 35. 236 Annetta und 30. 237 No. 9. Spnenhius Udell und Naver 238 Udal Ladder Vor 239 Jiabel und 27. 241 Rendic..! und 24. 242 Illinois u Et.Clar 243 Eldrioge und 23. 312 West und Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16. 815 Tcrbtt und Pacc. 316 Capital Ave und tt. 317 Northwestern Ave u 318 Gent und 18. 319 Canal und 1. 324 Cerealine Worts 524 Vermont und Lynn 325 Bismare! u Grandi 82 Ro. 29 Spritzenhaus HauqlMlle. 827 Michigan u. Holme. 828 Michigan u. Concord 341 West und McJntyre 412 Miffovrr u. Mary land 13 Misscuri und Ohio 415 Capital Av u Seorgia 416 Missourt u entucky 417 Senate Ave . Waso 421 P und Rtdue W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 W?.ey Av u. I D u 2? 425 Wash. und Harris 42 No. 18 Spntzerchaui LZ. Washington 427 O'.iver und Birch 42 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Fort 431 Hadley Ave u. Morris 432 River Av u. MorriZ tM River Ave und Rah 435 Harding u. Big 4 R N 43 Harding und Oliv 487 No. 19 Spritzenha? Morris und Hardina, M Howard nftSUBa 4 tttkvard, 451 Reisn und Milk? 452 Howard nd 8c 453 Morris und JtapdvZ 45 Lamben und Betont 457 SkordyK Ave u. War. Nkon Works 812 West ud Rech 518 entucky Ave u. MerrtK 514 Meridian und MorrW Kl Illinois und ansas 17 Morris und Dakota 518 Morris und Church 1 Kapital A. u McCarty 521 Meridian und Pal 523 Pine und Lord 524 Madison Av u Lincoln 2 Meridian und Belt RA 527 Carlos und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. Melarty 532 Ro. 17 Spritzenl-us Morris nahe West 1 McKernan und Dougtz. 18 Caft u. Lincoln Lu 14 East und Becher 15 Wright und Sander 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u Vir 71 Spru und. Prospekt 71 English Ave. u. Laurel 714 State Ave u. Belt R 715 Shelby und Beecher 71 Etat Ave und Orangt 718 Orange und Laurel 7 Shelby u. Guttat AM 711 Lrington A.u Zau? 728 Fltcher Aveu. Spru 724 Statt ve u Pleasant 725 Prostxkt und leasa 726 Orange und Harte 728 Liberty und Merk 729 Rolö und South 12 Ro. 15 Spritzenhaus Ost Washington Str. 18 Market und Rodle 14 Ohio u. Highland Ave 15 Michigan u. Highlant 1 Market u Arsenal Av 17 Ost Clair nd Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shops 28 Vermont und WalcoU 24 Wash. und State Av tt addtn's Lvunae Fab. 2 Tueler und Dorsey 27 Wash. und Beville Ave 29 No. 1 Spritzenhau Beville nah NichuM 831 Southeafter v und Woodside. 82 Wash. und Dearbor, 884 Southeastern und Arsenal Ave. M Rrw Kork und Tempi 912 JUinoick und Vtaryl. 9i3' JLimni und Market 14 Penn, und V?stz, 15 Dklawan nad ta
Spezial-Siznale. Ersten 2 Schlage, zweiter Alarm, Zweite 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schlage, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch ausgerollt, 3 Schlag, Wasserdruck ab. 1 Schläge, I Uhr Mittags. Die rp bezeichneten Signale werden nur vo Thurtw Wächter angegeben da an der. betreffenden Straßen kreuMige keine AlarmMen angebracht sind.
