Indiana Tribüne, Volume 26, Number 107, Indianapolis, Marion County, 26 December 1902 — Page 7
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Aer n i t , t f n n n n n n n , W W I (Fortsetzung.) Xttfl lagen ,iC nco gegenuoer miu plauderten. Nach der impulsiven Herzlichkeit der ersten Begrüßung stieg wieder eins leise Kühle zwischen ihnen aus. Sie waren sich doch sehr fremd geworden. Und wie hatte das Leben sie verschieden gemodelt. Dem General sah man noch immer den alten Offizier an; auch der aristokratische Typus war unverkennbar. War nun Ernst auch keineswegs plebejisch von Erscheinung, so hatte er doch etwas ausgesprochen ?.ufmännisches in seinem ganzen Sichgeben und einen leichten Zug von Dankeethum in seinem Aeußeren. Dem General stand noch immer das Bild des schlanken jungen Studenten vor Augen, mit dem Milchgesicht und dem Flaum auf der Oberlippe. Nun saß ein nUer Mann vor ihm mit einem Profil, wie aus braunem Holz gesck'nitzt, und einem Bart, den man hierorts in keiner Gesellschaft tragen konnte; mit einem Anzug, der zusammengenähten Säcken glich, und Stiefeln, die vielleicht sehr bequem sein mochten, nichtsdestoweniger aber kleinen Kähnen ähnelten. Der Ernst schien das Weite wirklich außerordentlich zu liefen; die Manschetten blähten den Aermel förmlich auf, und der gestreifte Kragen saß locker um den Hals. Alles war auch so merkwürdig massiv an ihm. Also es geht Dir gut, Ernst?" hatte der General gefragt. Ja. gut, danke. Recht gut. Hab' mich so langsam durchgefressen und bin nun ein reicher Mann geworden Kaufmann " Kaufmann. Natürlich; was anderes gift's da drüben nicht " Er lachte gutmüthig. Das heißt: es gibt schon noch andere Berufe; aber man faßt jedweden kaufmännisch auf. Uebrigcns: es ist mir nicht leicht geworden, mich in die Höhe zu arbeiten. Es ging langsam und holprig. Anfänglich wollte mir gar nichts glücken. Da hab' ick' bungern gelernt, lind damals schrieb ich auch an die Mutter und bekam meinen Bris uneröffnet und ungelesen zurück. Hinten auf dem Kouvcrt, da stand meine Adresse" Er fccb den Kopf. Sein Blick blieb auf einem gerahmten Pastellbild haften, das über dem altmodischen Schreibsekretär hing. Er stand langsam nd wuchtig auf und trat an das Bild heran. Es zuckte über sein Gesicht. Das ist sie," sagte er halblaut, und ich war ihr Liebling. Aber sie konnte nickt vergessen. Sie war hart, hart " Er strich mit dem Rücken seiner Hand flüchtig über die Augen. Siehst Du, Fritze damals, als ich den Brief zurückvekam, da ging eine große Wandlung in mir vor. Da wurde ich erst ein Mann. Well, sagte ich mir, Tu hast keine Heimath mehr, keine Eltern, teschwister und Freunde. Stehst ganz allein. Nun mache auch, was Du willst. Da wurde ich Steinträger; dann Bicrzavfer; dann anderes, nichts Besseres. Es war so der Lehr- und Werdegang der Meisten, die hier Schiffbruch erlitten haben. Und eines Tages faß ich auf einem Schusterschemel. Das war der Anfang meines Glücks. Die Tochter meines Prinzipals wurde meine Fu. Heute bin ich ein gemachter Mann und habe ein riesiges Waarenhaus, und der Name Lehn" Er stockte und lächelte ein wenig bitter. Ja, Fritze, es hilft nichts. Ich heiße doch nun einmal so. Und" Hast Du Deine Frau mitgebracht?" fiel der General ein. Es war erfichtlich: er wollte Erörterungen abschneiden, die ihm unangenehm waren. Ter Bruder schürtelte den Kopf. Sie ist längst todt, meine gute Alte. Aber ich habe zwei Kinder, die sind mitgekommen. Fritze, sentimentale Neigungen kenne ich nicht. Ich bin recht praktisch geworden. Aber nun die Mutter gestorben und der Gerhard, überkam mich doch auf einmal die Sehnsucht. Es war wie ein Fieberanfall. Ich wollte D i ch noch 'mal wiedersehen" Er sireckte dem General die große, rauhe, verarbeitete Hand entgegen. Der nahm sie und drückte sie herzlich. Doch er war unruhig dabei; er hatte das Gefühl, als müsse noch irgend etwas sehr Fatales kommen. Ich gleiche in dem einen Punkte nicht der Mutter, Ernst," erwiderte er. Ich kann vergessen und chu' es gern. Es ist mir eine ehrliche Freude, Dich noch einmal wiedergesehen zu haben. Gehen unsere Ansichten und Anschauungen auch hundertfach auseinander mein Gott, wir sind Brüder und sind Beide alte Leute geworden. Also zwei Kinder, sagst Du? Zwei Buben, Ernst V Ein Bube und ein Mädel. Der Bub ist der jüngere, ,st erst elf Jahre; Bill heißt er Wilhelm eigentlich und Bill nennen wir ihn. Ein Prachtjunge. Und das Mädel heißt Daisy und ist Siebzehn."
I t , ... rv :ä . TT TT $ Eine ftöhsiche SommergcschiMe von F?dcr von Zobcltitz 'su 3 33. ! c TT ff " TT A ah." sagte der General mit gespanntem Gcsichtsausdruck; gerade so alt wie meine Anna. Die hat am 22. Juli ihr.-n Geburtstag." Am 22. Juli?" Ernst lachte wieder belustigt und heiter auf. Das nenne ich einen kuriosen Zufall! Nämlich, mein alter Fritz: die Daisy ist am ielo:n .age geocren aucy am 222. Juli-" Es ging dem General augenblicklich wie dem traten Hasenpfeffer mit der Froschtragcdie. Er hatte etwas Un angenehmes vorgeahnt." Das Schicksal tennte keine Barmherzigkeit; es ft fiel sich in teilen Streichen und närrischen Verwicklungen. War es glauben! Nun ' hatte die selige alte Excellenz zwei älteste" Enkelinnen. Es kam lediglich darauf an, wer von Beiden an diesem verüängnißvollen 22. Juli zuerst das Licht der Welt erblickt hatte. Der General wagte gar nicht zu fragen. (53 stand fest für ihn, daß der alte Stammsitz des Geschlechts unter leinen Umständen den Amerikanern" überlassen werden dürfte. So beschloß er denn, es zunächst einmal mit der Politik der offenen Thür zu versuchen. Das war Bismaräischc Art und Bismarck war sein Idol. Auch er lachte. Weiß Gott, Ernst, das ist seltsam. Um so seltsamer, als Aber höre: es gebt nicht an, daß wir in der Stunde des Wiedersehens so trocken nebeneinander sitzen. Du bist doch nicht etwa Temperenzler?" I wo denn," entgegnete Ernst einfach. Na. das ist mir lieb. Da drüben bei Euch soll es viel derlei Trockenmenschen geben. Die Heilsarmee fr't sogar schon bis zu uns gekommen. Aber das wahre Heil hat schließlich mit der inneren Ateuchtung nichts zu thun. Roth oder weiß. Ernst? Und falls weiß: Rhein oder Mosel? Beim Frühschoppen bevorzuge ich eigentlich den Sauren; bccr) ich habe da noch eine Forster Auslese im Keller liegen, die es werth ist, unter Brüdern getrunken zu werden" Man soll immer brüderlich sein, Fritze. Aber wenn ich bitten darf: ein Ärödchen zu Deiner Auslese. Der Magen ist noch so morgenjung " Kaviar," sagte der General und klingelte. Zu dem Forster gehört Kaviar. Wir sind hier zwar nicht in New 9)ork. wissen aber in Niegnitz auch zu leben. Wir haben einen Traiteur, der gerade in Kaviar groß ist; ganz Borhardtsch, nicht etwa Elb, sondern veritabler Astrachan; ich glaube sogar vom Sierlett; der soll noch seiner sein als vom Stör " Währenddessen war bc3 Dienstmädchen eingetreten, und der Genera! gab seinen Auftrag; sprach auch dem Bruder sein Bedauern aus, daß die Anna nicht zugegen sei, die eine ganz besondere Art habe, ein Kattarbrödchen zuzubereiten, mit einer gewissen Grazie und außerordentlich niedlich; sonst sei ihre Kochkunst etwas verwegen. Doch war auch die Zofe gut geschult, deckte den Tisch schnell und bligsauber, und es währte nicht lange, so hatten die beiden alten Herren die Servietten in die Kragen gesteckt, und zwischen ihnen stand eine Glasschale mit großkörnigem grauen Kaviar, standen ein paar grüne Römer und zwei Flaschen, die nach etwas aussahen, mit jenen eigenthümlich angegrauten unv verschmutzten Etiketten, die man lieber hat als funkelnagelneue. Sehr gut, Euer Kaviar," sagte der Amerikaner, milde und angcnehm. Und dieser Forster da lacht das deutsche Herz" Fr verstand zu trinken; er kau:e sozusagen die ersten Schlucke und ließ dann den goldenen Wein langsam in die Kehle rinnen, worauf er wohlgefällig aufathmete. Bruder, icb bin glückliÄ, daß ich meiner Sehnsucht nachgegeben habe. Mein Geschäft drüben ist in guten Händen; ich kann bleiben, so lange ich will. Ader Du brauchst ich nicht zu ängstigen. Wir fallen Euch nicht zur Last. Ich will der Daisy noch mehr zeigen als Riegnitz, noch ein größeres Stück vom alten Kontinent " Freu' mich, das Mädel kennen zu lernen, Ernst " Ein ganzer Kerl, Fritze. Ihr werdet sie vielleicht ein bischen zu amtxxkanisch finden. Unsere jungen Mädchen werden sehr selbstständig erzogen. Die sind schon als Backfische fix und fertig. Das paßt mir eigentlich auch nicht. Ich hätte ihr gern den letzten Schliff in Teutschland zu Theil werden lassen; hätte sie gern noch ein paar Monate in efne gute Pension gesteckt " Aber so thu' das doch, Ernst. Ich kenne eine ausgezeichnete Pension hier ganz in der Nähe in Bützcw. Da geb' ich die Anna hin." Ernst wiegte den Kopf auf den mächtigen Schultern hin und her. Es ist so 'ne Sache. Ich glaube, die Daisy kratzt mir die Augen aus. Ich wag' es ihr gar nicht zu sagen. Sie vantoffelt mich so ein klein bischen.
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FUr den Bill hab' ich einen Hauslehrer gleich mitgebracht " Tu mußt unmenschlichen Mammon haben. Alterchen" ..Es hat sich so zusammengeläppert, Fritze. Hier hätt' ich es nicht geschafft. Es ist doch alles noch sehr kleinlich gegen drüben. Und merkwürdig: ich spüre auf Tritt und Schritt, wie sehr ich der Heimath entwachsen bin. Ich könnte auf die Dauer nirgend anders leben als in Amerika. Na und Du, sage 'mal: gefällst Du Dich in der Ruhe? Gar kein Heimweh mehr nach dem bunten Rocke? Oder willst Du etwa Hohenwarte übernehmen?" Jetzt war der gefährliche Augenblick nahe. Ernst hatte schon die erste Flasche geleert, fast allein. Er war in angeregtestcr Stimmung, streckte sich im Sessel, und sein ganzes braunes Gesicht lachte. Hohenwarte übernehmen," wiederholte der Gener. 'l. Ich denke nicht dran. Das ainge auch nicht. Rauchst Tu, Ernst K Aber wie! Bleib sitzen, Fritze Du mußt 'mal eine von meinen Cigarren nehmen" Er faßte in die Tasche und holte ein mächtiges Etui aus Pflanzenfasern hervor, mit langen schwarzen Cigarren, die der General etwas mißtrauisch ansah. Aber Ernst versicherte, sie seien nicht schwer; jede?' Quartaner könne sie rauchen; und er reichte dem General jjcner. Der zündete die Cigarre mit langsamcr Umständlichkeit an. Er überlegte dabei. Mit Hohenwarte ist das eine eigene Geschichte," sagte er. Du weißt wohl noch von früher, daß cS de facto gar nichts werth ist " Ich nehm's nicht geschenkt," erklärte Ernst. Der General athmete auf. Das war doch ein ehrliches Wort. Wir erbalten es nur der Tradition zuliebe " Tradition ist Ballast. Ueber Bord, wenn der Ballast unbequem wird!" Ich will darüber nicht streiten. Ansicht gegen Ansicht. Die selige Mutter hat Hohenwarte nun der Anna vermacht; das heißt nicht direkt der Anna, sondern wörtlich der ,ältesten Enkelin.' Und deshalb, lieber Ernst, ist es mir außerordentlich angenehm, daß Du persönlich herübergekommen bist. Ich hatte bisher keine Ahnung on Deinen Familienverhältnissen. Jetzt will der Zufall, daß Deine Daisy am gleichen Tage und im selben Jahre geboren ist wie Anna. Zu welcher Zeit. Ermt? Um wie viel Uhr? Vormittags, Nachts oder Nachmittags?" ; Ernst schaute zuerst ein wenig verblufft auf; dann schlug er sich mit der flachen Hand auf den Schenke! und lachte wahrbart dröbnend. I Gott bewahre.- rief er. so etwas so etwas! Da sind ja die beiden Mä?el Rivalinnen! Na, mein guter Fritze, Du kannst Dich trösten: Hohen?arte verbleibt Deiner Anna. Möchte wohl wissen, was die Daisy mit dem Dinge anfangen wollte! So alle Jahre einmal auf acht Tage von New Jork räch Hohenwarte kommen blos, um ;u sehen, ob der Stammburgthurm loch steht was? Im Ernst. Fritze: ich veiß nicht, ob der Daisy das ältere stecht zusteht warte 'mal, ich glaube, sie wurde so zwischen Zehn und Elf vormittags geboren ich hatte gerade bei der neuen Appreturmaschine zu chun aber, lieber Junge, das ist Jacke ivie Hose: ob älter oder nicht wir verzichten wir verzichten feierlich und in oller Form Rechtens! Wir werden in Hohenwart Besuch machen selbst?erständlich werden zu den Gräbern Der Eltern gehen, auf den Kirchhof, in :ie kleine alte Kapelle, auch 'mal den Vark durchstreifen aber nu sage mal ehrlich, Alterchen: es wär' doch total verrückt, wenn wir uns Hohensatte auf den Hals laden wollten!" Der General gab sich alle Mühe, sein inneres Frohlocken zu verbergen. So leicht hatte er sich die Geschichte nicht gedacht. Er war selig und hatte die zrößte Lust, eine Flasche Sekt holen ;u lassen. Aber das hätte gar zu übermüthig ausgesehen. So blieb er denn anscheinend ernst. Natürlich." erwiderte er. Ihr in Amerika was wollt Ihr mit der Scholle? Sie macht mir ja im Grunde genommen nichts weiter als Sorgen, Ernst. Aber um der Pietät willen sei ?s. (5s kommt keiner über sich selbst hinaus. Du hast von jeher etwas neumodische Ansichten gehabt; ich hänge mit allen Fäden meiner Seele an dem Althergebrachten, an der Ueberlieferuna. Ich kann nicht anders." Nehm's Dir auch nicht übel. Fritze. Liner vorm Anderen, 's wär schlimm, wenn wir alle über denselben Kamm geschoren wären. Werdet glücklich mit Hobenwarte. Ick g'önn's Euch." Hm." Ter General nippte an seiwem Glase. Weißt Du, es wäre gut, wenn wir das schriftlich machten. Es handelt sich überall um Leben und Tod. Es wäre gut, wenn Ihr allen etwaigen Ansprüchen auf Hohenwarte notariell entsagtet. Oder möchtest Du das nicht?" Aber warum denn nicht? Immerzu. W'r entsagen. Natürlich entsagen wir. Vor der gesummten Korona. Beruf einen Familientag ach ja, Du. das thu'! Ich möchte doch auch die anderen Mitglieder der Familie begrüßen; Ihr wohnt ja hier alle so 'rum. Riegnitz war immer die Centrale. Sage 'mal: leben denn die beiden Töchter vom alten Onkel Hans Leopold noch: Nikchen und Fiekchen? Rikchen war ein so hübsches dralles Marjellchen " Drall ist ',.e heute noch, Ernst so- " na der Fasson gegangen;
aber hübsch ist sie niefy geblieben. Nem. das kann man nicht sagen. Dagegen hat sich Fiekchen ihre reise Schönheit erhalten und ist dazu auch noch sehr gottselig geworden. Ich bin nun selber kein Heide, und Du kannst mich einen Sonntag um den anderen in der Garnisonkirche sehen. Aber ich glaube, daß die intensive Beschäftigung mit dem Himmlischen, namentlich in der Art. wie Fiekchen dies betreibt, dem lieben Gott selber nicht angenehm sein kann. Es ist' zu aufdringlich." Ernst nickte. Ja. das haben manche Menschen so an sich." sagte er. Ich bin auch nicht für das Hallelujahthum. das sich in der Hauptsache nach außen hin kundgibt. Na, da bin ich ja sehr neugierig auf die beiden Basen leben sie auch hier in Riegnitz?" Aber nein; die sind längst Stiftsdamen zu Bützow und treten nur bei außerordentlichen Gelegenheiten in die Welt zurück" Sirt in Vünow! Ricktia: Klost Bützow fit das Altiungserninst für die weiblichen Lehns. Daisy wird's nicht in Anspruch nehmen. Ich bin gegen das Beginenwesen wie gegen jedwede Abgeschlossenheit. Nu sag. wer ist denn sonst noch übrig von der lieben Familie?" Der (Zeneral erzäblte, und Ernst hörte aufmerksam zu. Doch schielte er dabei so interessirt nach den beiden geleerten Flaschen hinüber, daß der Genera! schließlich notbgedrungen fragen mußte: Na. wie ist's, Ernst? Noch eine dritte?" Ja. Fritze. Wegen der guten Dinae. Und wegen der Freude des Wiedersehens. Und wegen noch sonst allerlei. Forster Auslese kriege ich zur Noth drüben in Amerika. Aber D i ch hab' ich nicht dabei. Also laß ruhig die dritte kommen " Während der General sich erhob, um an die Klingel zu gehen, hatte Anna ihre ersten Gänge bereits hinter sich. Ihre Freundin Olli Rathenau war zwar nicht zu Hause gewesen; dafür traf Anna aber in der Leihbibliothek von Vüchsenstein eine andere gute Bekannte, die sie nicht in Riegnitz vermuthet hatte. Die Büchsenstein'sche Leihbibliothek war für Riegnitz die Quelle geistiger Nahrung. Es war eine große BuchHandlung, in der man jedweder literarischer Richtung zur Genüge sröhne.i konnte, und vor allen Dingen: es ging hier sehr amüsant zu, denn man stieß von früh bis spät auf mancherlei Bekannte und hörte immer das Allerneueste. Der Austräger und Verkünder der ?!euigkeiten war Herr Scknäbele. der junge Mann" des Geschäfts und unentbehrlich für die Firma Buchseu?in: denn er war in Sonderbeit rei oen tarnen leyr oettevi, wußte vielerlei Geheimnisse und trug sich stets mit eine? gewissen Eleganz, bei der er namentlich auf die Farbe der Schlipfe Ton und Werth zu legen pflegte, ohne den Schick der Westen zu vernachläfstgen. So begrüßte er Anna heute in einer kleinen feuerrothen Krawatte auf blauem Hemde mit weißem Kragen und trug dazu eine zimmtbraune Weste mit niedlichen gelben Tüpfelchen, die sich bei näherem Hinschauen als die Abbilder zierlicher Hufeisen entpuppten. Habe dir.Ehre. gnädiges Fräulein," sagte Herr Schnäbele und verbeugte sich hinter dun Ladentisch. So früh schon? Ah, ich weiß: der dritte Band von Freytags .Ahnen' hatte Ihnen keine Ruhe gelassenNein. Herr Schnäbele, den will ich nicht. Man muß ja die ,Ahnen' kennen; aber ich habe nun genug davon. Das ist mir eine zu graue Zeit. Und dann kann ich die Namen nicht behalten. Jngo geht noch; aber allmälig kommt die Familie zu sehr durcheinander. Geben Sie mir lieber etwas Moderneres. ich meine, was heutzutage spielt, und für den Papa einen Roman von Winterfeld." Sebr wohl, gnädiges Fräulein: Winterfeld ist in Massen da und auch Modernes. Ich weiß blos nicht da ist zum Beispiel ein Roman .Der Katzensteg' von einem gewissen Sudermann, der erregt jent viel Aufsehen, weil dieser Sudermann ein Drama geschrieben hat, nach dem sie in Berlin ganz wild sind. Ich denke, wir werden es auch hierher bekommen. Wenigstens ließ gestern Direktor Werner so eine Andeutung fallen; er bestellte zwanzig Exemplare Maria Stuort," ReclamAusgabe der alte Schiller geht doch immer noch. Ja, mit dem ,Katzensteg gnädiges Fräulein' ich habe nur einmal flüchtig hcreingucken können es kommen da mancherlei Szenen vor und wenn ich mir unterthänigst einen Rath erlauben dürfte: für den Herrn Papa ist das Buch nichts" Er sagte dies mit ehrbar bleibendem Gesicht, ohne List und Verschlagenheit, und vackte den Katzensteg"mit einem Soldatenroman Winterfelds zusammen. Anna wollte etwas erwidern, aber es trat in diesem Augenblick ein Dragoner in den Laden, der beim Anblick Annas die Sporen zusammenschlug, die Hände an die Hosennaht legte und vor der jungen Dame salutirte, als sei sie ein Oberstwachtmeister. Anna nickte ihm lächelnd zu: es war der Bursche Ottos, der bei feierlichen Gelegenheiten im Hause des Generals bedienen helfen mußte. 'Tag. Pfotenhauer," sagte sie, .wie geht's?" B'fählen. gnä'ges Frölen," erwiderte Pfotenhauer und rückte und rührte sich nicht. Woll'n wohl ein Buch für den öerrn Leutnant holen ?"
Werde gesund und bleibe gesund
indem du Lebn-krankheiten, Billiöfitit, Unreines Blut, durch die Anwendung von
Tr. August König's
Kamburg
los wirst, sie regulire.1 und reinigen.
evrauche t. Jakob Oel gegen n-rn
B lählen, gnä'ges Frölen." Und was für ein Buch?" fragte Herr Schnäbele. Härr Lcitnamt sagten, das Buch, was, wie er zulätzt hier gewesen wäre, wär' es blos französisch dagewäsen. aberscht nu würd' es woll deutsch da sein, Hütten Sie gesagt, sagte Härr Leitnamt. Nunee hieß es von So-lon-" Aha," meint? Herr Schnäbele und wandte sich an Anna. Sehen Si?, gnädiges Fräulein, das hat schon de: selige Hausf an:r!an".t, da eö gar nicht so leicht ist. eine Leihbibliotbe! zu Ui ten. Man muß dabei auch Räthsel lösen können. Nunee von Solon soll nämlich .Nana' von Zola sein, ein Buch, das ich Ihnen nicht empfehlen könnte, das aber einem königlich preußischen Offizier nichts schadet" (Zr wickelte den Band ein und gab ihn dem Burschen. Meine Empfehlung an den Herrn Leutnant," sagte er dabei, und Anna fügte hinzu: Grüßen Sie den Herrn Leutnant schön. Pfotenhauer." (Fortsetzung folgt.) i",!rt,,hiv : -i: f-'::'::j'-ii: K.ms, ijiif und Kmd HM"iMiMJ,5' XKKJHXJMv' v Haarwuchs. Cr wird durch kalte Waschungen des Kopfes sehr gekräftigt. Daß dabei weniger festsitzende Haare ausfallen, ist nicht zu beklagen, da dieselben, die ohnehin bald ausgcfallen wären, doch nur kräftigerem Haarwuchs Platz machen. K a l k g ? r u ch. Um aus neu tapezirten oder gemalten Zimmern den Kalkgeruch zu entfernen, stellt man ein Gefäß mit glühender Holzkohle oder Koaks in den betreffenden Raum und verschließt diesen fest. Sobald die Gluth erloschen ist. öffne man eine Stunde lang die Fenster. Käse a u f z u b e w a h x e a Käse muß in einem trockenen, luftiger! Raum aufbewahrt werden. Um ihn von Insekten und Luft abzuhalten, bedeckt man ihn mit Tüchern, Hopfen. Spreu. Um angeschnittenen fetten Käse gut zu erhalten, wickelt man ihn in ein mit Salzwasser befeuchtetes, leineues Tuch ein und befeuchtet dies öfters von Neuem. Aufgesprungene Hände. Wer sich täglich ein bis zwei Mal nach gründlicher Reinigung die Hände mit einigen Tropfen Glycerinund eben so viel Tropfen kalten Wassers einreibt und sie dann vollständig abtrocknet, wird, wenn er in der Häuslichkeit auch noch so sehr thätig ist, doch geschmeidige Hände haben und das Aufspringen der Haut verhindern. Rohr st ühle reinigt man, indem man dei? (,tuhl umstürzt und das Rohrgeslecht mit möglichst heißem Wasser und einem Schwamm tüchtig abwäscht. Das Rohrgeflecht muß sich mit Wasser ansaugen. Hierauf stellt man die Stühle entweder in freie oder Zugluft zum Trocknen; und ist das Geflecht nicht zerrissen, so wird es wieder so ftst und gespannt sein, wie bei neuen Stühlen. Wasserflaschen zu rein i g e n. Manches Wasser läßt einen braunen S.itz in der Flasche zurück, d?r schlecht wegzubringen ist. Als sicherstes Mitte! gilt, einen brennenden Schwcfclfaden in eine Flasche zu stecken und luzemacht stehen lassen, bis der Schwefel ganz verdampft ist. Nun spült man die Flasche einmal mit klarem Wasser a::s und sie wird ganz klar und hell sein. Gefrorene Fenster sof 0 r l a u f z u t h a u c n. In eir. Pint warmen Wassers thut man eine Handvoll Kochsalz oder Alaun. Sobald dieses aufgelöst ist, taucht man den Fensterschwamm hinein und bestreicht damit die gefrorenen Glasscheiben, und sofort wird das Eis verschwinden. Die Fenster werden alsdann mit einem Tuch abgetrocknet und sind wieder rein und klar. A e p f e l s p e i s e. Einige Aepfel werden geschält und fein gehobelt, in eine gut ausgestrichene Form, mit Zucker, Zimmt und feingeschnittenen Mandeln lazenweise eingelegt und auf jede Lage etwas Semmelbrösel gestreut. Dann nimmt man vier Eier, schlägt diese mit einem Teller voll feinem Zucker eine halbe Stunde zu Schaum, gibt vier bis fünf Eßlöffel Mehl dazu und etwas feingewiegte Citronenschale oder Citroncnöl, gießt den Teig über die Aepfel und läßt die Masse eine Stunde backen. Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt, Mucho's Longfellow".
m Feuer - Signale. i Pennsvlv nd artet 5 English'S Opern-Haui 6 East und New York 7 Noble und Michigan S N. Jersey u. Msff Ad 9 Pmk und Norch 10 Mmket und Pine 11 Vermont nab East 12 9i$. 8 Spritzenhaus Mass. Ave nahe Noble :3 Te Tware und Walnut 14 R. Jersey uCentrel Ä. 15 Maff. und Sornell Ave Ash und 11. Straße i7 Park Av und 12 Etr .6 Eolumtna undHkllfid 19 Highland Ave u. P,att kl Illinois und St. Jo 23 Pennsvlv. und Pratt 24 Ncndian und 11. Str 25 No. 5 Spritzenhaus 15. nahe Jllinoit 2 Senate Ave u. StSlarr 27 Illinois und Michigan s? Peeshlvania und 14. 29 ScnaU Ave und 13. 31 No. i Spritzenhaus Jnd Ave naheMlchigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Lanrsnt 35 Blake und New Kork Z Jnd. Ab. u. Lt ! 37 6itv Hospital 38 Blake und Rorty 39 Michigan und Aznc 41 No. 6 Spritzenhaus Washington nahe Best 42 Gsendorf u Wash. 43 Missouri u New Bort 45 Meridian u Wash 4 JlluioiS und Chio 47 Capitel Av. u Wash 48 mgan'S Porkhaus 49 Straßenbahn StSlIe W. Washington Str 61 No. io Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Jllmvts u Louisiana 53 West und South 54 West und McCarty 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Rav 5 No. 4 Epr,tzcnhauS Madison Av. u Mor.iS 55 Madison Av.uTunlop 61 No 2 Haken LeiterbauS South nahe Delawar 2 Penn, u MerNll 53 Delaware u. McEarttz 4 ast und VeEarth 5 New Jersey u. Merrill 7 Birg. Av. u Bradsha 68 gast und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. 11 Spritzenhaus Vir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 73 dar und Elm 74 Tavidson u Seorgia 75 English Av. u Pine 76 Sbelöy und BateS 7k No. 3 Spritzenhaus Prosvect nah Shelbtz 7 Fletcdcr Av. u Stlby 81 arkct u. New Jersey 82 elatrare und Wash. 83 East u Washington 84 New ?)ork u. Tavidsoe 85 Taubsturnnen Anstalt ? Be?. Staaten Arsenal 87 Onental und Wash. 8g Frauen-Rcsormat. 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. S:rg,a. 93 Meridian und South 4 Pennsvlv u. Lomstana 93 Brrami? Ave u. Alab. 9V Hauvtquarticr. 97 Grand Hotel. 98 Capital Ave und Odis 23 No. 10 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. ,25 Central Ave und 15. 126 Z)ndeS und 15. 127 Brooksio und Jupiter 128 Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellc?ontain und '. 134 College Ave und 2. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 1Z7 Newmaiin und 19. 13 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. 141 Yandcs und 1L. 142 Hi,il?Iand Ave und 1. 143 Tecumscl, und 10. 145 New Jersey und 22. 14 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.sid Ave und 16. 14 College Ave und 22. 149 College Ave und 7. 152 Park Ave und LZ. 15Z L E u. W Bahn u. 22. 154 Ramsey Ave nd 10. 156 Lkougbton u Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Bloyd und Pawpaw. 159 No. 21 Spritzenhaut Brightwood 12 Arten und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Bloyd 165 St. Clair u. eyston, 167 Arsenal Av und 23. 168 Bellefontaine und 28. 169 Park Ave und 1. 212 Capital Ave nd 17. 213 Pennsylv. u. Michigan 14 Illinois und 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsolvania and 22, 217 Meridian nd 16. 218 Capital Lln und 26. 219 Broadwa und 1. 231 Illinois und McLca 234 No. 14 Svritzenhaus Senn?ooc nd 30. 235 Jilrnoifr und SS. 236 Annctta und 30. 237 No. 9. Cpritzknhiu Udell und Raer 23 Udetl Ladder Work 239 Jiabel und 7. 241 Mcrldian und 24. 42 JUmvts u St. Cla. 243 Eldrioqe nd 23. 312 West uud Walnut 313 West und 12. 814 Howard und 16. 315 Torbet und Paca 316 Capital Ave und 10. 317 Northwestern Ave 21 31 Gent und 1. 31 Canal und 10. 824 Ccrealine Workö 324 Vermont und li.'ynn 325 BlSma?ck u Gran,ie 820 No. 29 SvntzenhauS Hauabmlle. 327 Michigan u. Helme. 328 Michigan u. Concord 341 West und McJntyr? 412 Missouri u. Marvlant 413 Missouri und Oh 415 Capital Ave u Gecrzu 416 Missouri LNluckhA 417 Senate Are u. Wa?y 421 P und C Rund'.'! W. Washington. 423 JrrenHc,spital. 424 Ai.cy Ave u. J Du2 425 Wash. und Harris 426 No. 18 Ep?itztnbai 23. Washinzum 427 Oliver u id Birch 428 Oliver und O4good 429 Nordvke und ?)ork 431 Hadlcy Ave u. Morris 432 River Ave u. Rsrr,: ,A Rircr Ave und ?la$ 435 Hardinq . Big 4 R SZ 436 Harding und Oliva 437 No. 19 Spritzenha ? Morris und Harbins. 4S8 Howard und tMHurra 439 Stockt 451 Reisn und Rilkr 452 Howard und Lee 453 Morris und Kax. 456 Lambett nd Beirni 457 ordyk u. Was mon Works 612 es! und Rav 513 enwcky Ave u. VlerrT. 514 Meridian und Morris 516 Illinois nd ansas 517 orn und Dakota 51 Morris und Church 519 Capital A. u McCart?' 521 Meridian und Palm 523 Pine und Lord 524 Madison Av u kincoln 26 Meridian und Blt R 527 Carlos und Rav b28 Meridian und Arizona 529 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McCarty 532 No. 17 Spritzenhaus Morris nahe st 612 McKernanund Douzh. 613 East u. Lincoln fic 614 East und Beecher 615 Wright und Sanders 17 McCarty und Beaty i Rew Jersey u ir A 712 Spruce und Prowect 713 Engltsh Are. . Laurel 714 State Av u. Blt R 715 Etzelby und Beecher 716 State Ave nd Orang, 71 Orange und Laurel 719 Sheldy u. CiaaqelM 721 Lerington A. u Lau 723 Fletcher Ave u. Sprua 724 State ve u. Pleasairt 725 Proszxtt unv leasat 726 Orange und H icr 728 Liberty und eek 729 Nol: und South 812 No. 1 Cxntznchau Oft Washington S 13 Market und Noble 14 Ohio u. Highland Ave 16 Micttgan u. Hightanl 81 Market u Arsenal Av 817 Ost 2. klair und Union Bahn eins. 851 Pan Handle Eh-pS 23 Vermont und Walcott 24 Wasb. und State Av 825 Matden'sougk Fak 26 Tucker und Dorsey 27 Wash. und Bemll Av 82 No. 1 Spritzenhaus Beville nah Michigs, 831 Toutheaster IM und Woodsite. 832 Wash. und Dearvon, 854 Eontheastern und Arsenal AveS. 836 New Dort und Tempi 912 JllinoiS und Maryl. 013 JSinoiS und Market 914 Penn, uno 915 Telawa xmd Vpezial-Siznale. Ersten Schlag, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlage, dritter Alarm, Dritten 2 Schläge, vierter Alarm. l--l, Feuer aus und Schlauch ausgerollt. 3 Schlüge, Wasserdruck ab. 12 Schlag. 12 Uhr MlttagS. Die h bezeichneten Signale werden nur vom Tbvrm Wächter angegeben da an den betreffenden Strah kreuHunae fcta Alarnrkasten angebracht sind.
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