Indiana Tribüne, Volume 26, Number 106, Indianapolis, Marion County, 24 December 1902 — Page 7

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Jndiana Lridune, 2' Dezember I2. 7

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tt n 55 55 fct per Ö ...... ,... --ttt ff 8 ff It (Fortsetzung.) Er hat ja gar keinen Schwanz," wisperte Anna zurück. Aber wenn wir ein Schmetterlingsnetz hätten. Wir haben blos keins. Weißt Du was? Ich werde mein Tuch über ihn werfen Si? nahm das Tuch von ihrer Schulter und schlich sich auf den Zehen hinter den Frosch. Paul folgte in der Gangart eines erfahrenen Präriejägers? Der Frosch sah sich um. derzog ein wenig das breite Maul, als ob er lächeln wollte, und hüpfte unentwegt weiter. Nun saß er auf dem schmalen Brettersteg. Anna war kampflustig geworden. Sie hatte einen rothen Kopf bekommen und hielt ihr Tuch mit beiden Händen empor, als wäre der Frosch ein Stier und sie ein Toreador. So betrat sie den Steg und ließ rasch das Tuch fallen. Hurrahl" schrie sie; ..letzt yaoen wir ihn!" Hurrah!" schrie auch Paul. Dann krachte und splitterte es. Die morschen Bretter brachen; Anna plumpste zuerst in das hochaufspritzende Wasser und Paul hinterher. Ueber Beide hinweg schwang sich mit kühnem Satze der Frosch Als die Drei vom Burgberge her ten lZerunglückten zu Hilfe eilten, war-die Situation kritisch geworden. Freilich reichte das schwarzgrüne Wasser Anna und Paul nur bis an die Brust und den Hals. Aber sie kamen aus der Wirrniß der Schlinggewächse nicht heraus, zngelten mit Arnen und Beinen, plätscherten und pudeltcn und schrieen dabei zewaltig. Otto schimpfte, Erich lachte ant Egon begann Rock und Weste auszuziehen, Sliefel und Strümpfe und sich die Beinkleider bis über die Kniee aufzustreifen. ..SÄreii nicht so!" rief er. Otto, gib mir die Hand! Erich, gib Otto die Hand! Wir müisen eine Kette bilDen. Und nun fest halten!" Er tappte vorsichtig in das Waffer hinein und streckte seinen rechten Arm aus. Anfassen, Anna! Und ziehen, Erich, Otto ziehen, ziehen!" Die zogen mit aller Kraft. Aber das Geschlinge und die Nanken unten im Wasser und das dichte Röhricht hielten das Gegengewicht. Hoppla!" Erich fiel der Länge nach in das Gras und Otto :jner über ihn. Dann purzelte Egon, und da er Anna noch immer krampfhaft festbielt und mit sich zog. so stürzte auch diese ohne Grazie und die Anmuth der Tanzstunde. Und jammerte, wimmerte und weinte ganz leise dabei. Otto schimpfte. Erich lachte und Egon begann sich die heruntergerutschten Beinkleider von Neuem aufzukrempen. DaS Rettungswerk für den Kadetten zing schon leichter von Statten. Aber nun hieß es, die triefenden Kinder in das Schloß zu schaffen. Paul erklärte, :r wolle zu Fuß gehen. Anna sollte zetragen werden. Weinend sträubte sie sich dagegen. Stützt mich nur ein bischen," stöhnte sie; mir fehlt ja nichts wenn nur der Schlamm und cer Moder" sie snüffelte nicht so schrecklich schlecht röchen! " Ja," meinte Egon, es ist mehr Pestilenz dabei als Gefahr." Wie ist das nur möglich gewesen, Anna?" fragte Otto ernst, und Anna schluchzte auf: Ich wollte ja nur einen Frosch fangen. Ottcken!" Einen Frosch?" erwiderte Otto verwundert, wandte sich dann an Erich zurück und sagte halbleise: Und das Hai heirathen wollen " Gott, warum nicht." gab Erich zurück; ein Frosch ist schließlich kein Hinderniß" Es ging im langsamen Trauermarsch nach dem Herrenhause. Voran schritt Paul, kläglich anzuschauen und sehr still, obwohl ihm Otto eine gewicblige Rede hiclt, in der viel von Ehre im Leibe" und niedenrächtige Pflicht und Schuldigkeit" vorkam. Dann folgten Egon und Erich, das Weltkind in der Mitte. Das Weltkind triefte -.'.ngeheuerlich und trcpfte bei Schritt und Tritt und hielt das niedliche Naschen sehr hoch; denn wirklich: Pestilenz war dabei." Und weinte und schluchzte gottserbärmlich. Erich hatte seine ironische Miene aufgesetzt und sprach nicht viel; Egon dagegen überschüttete die Kousine mit TrostWorten. Man immer still, Annchen. Der Mensch trocknet wieder, wenn er feucht geworden ist, und auch gegen die Miasmen gibt es Mittel. Wozu ist die Eau de Eologne erfunden worden und sonstiges Parfüm? Annchen. Du bist schon wässerig genug; spare die Thränenfluth. Es gibt Gelegenheiten, wobei man Thränen gediegener verwerthen kann. Annchen. sei nicht kindisch. Annchen. sei lieb. Was thut denn so 'n bischen Wasser! Denle doch an die arme Melusine und an Undine und wie die Seemamsells alle heißen" Solchen Trost gab es im Schlosse nicht. Da zürnte zuerst der General. Es sei ein unerhörter Skandal, diese

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(sine früsjficijc 5ommcigcscsncf)tc von Feder von Zovclti) 55 !" ff ö w TT Aufführung. Und noch dazu an einem Trauertage. Tante Fiekchen war auf das Höchste entsetzt, als sie die Geschichle von dem Frosche hörte; sie that, als ob der Frosch einer der apokalyptischen Heiter gewesen sei und das Nahen des jüngsten Gerichts verkündet hätte. Nrakmcker aab sich Tonte Nikchen. Unna und tyain wurden ojon in die Betten gesteckt, bekamen Unmassen von Fliederthee eingeflößt und mußten schwitzen. Auch Bertlippchcn war außer sich über den Streich ihres Jungen. Hasenpfeffer freute sich, daß er so etwas vorgeahnt hatte, und sagte zu der Mamsell des Hauses: Das hab' ich gewußt. Mamsell Riedeneck. Wozu wollte das Fräulein das extragroße Glas? Sie sagte, das verstände d) nicht. Und nun haben wir's. Grade am heutigen Tage hat das was zu bedeuten. Es ist ein Anzeichen. Mamsell Riedeneck. Das Telegramm zu Mittag war das erste. Ich weiß, was ich weiß" Dabei machte er ein sehr geheimnißvolles Gesicht und ließ sich einen Kümmel geben, weil ihm nicht so wäre." Dieser Zustand trat häufigcr ein. Der Rentmeister hatte sich schon verabschiedet', doch Onkel Nante war noch da. Er hatte sich als Allerneuestes einen Patentthermovbor als Schutz gegen Erkältungen cnaeschafft und war unglücklich, daß er ihn nicht bei sich hatte, um ihn Anna in das Bett stecken zu lassen. Den Wassereffekt bei Paul hielt er im Uebrigen für eine durchaus ritterliche That. Der Junge ist de? Anna nachgesprungen," behauptete er, er sagt's blcs nicht; er'ist bescheiden. Der Junge ähnelt dem alten Barbarossa, der im Kalykadnos ertrank, oder dem Poniatowski, der in der Elster dran glauben mußte. Gut, daß wir den Jungen gerettet haben. Aus dem Jungen wird noch einmal ein Aomiral " Draußen im Weiher hatten die erregten Wasser sich wieder beruhigt. Der Ahnenschwan schlummerte im Sonnenschein. Auf dem Baumstamm im Röhricht aber saß der entsprungene Frosch und verzog das breite Maul, als ob er lächeln wollte. 4. K a p : t e l. Vr4 icguih war eine große Stcidt: jjjj Garnison, Regierungs-Sitz, Malerakademie, eine technische Hochschule, zwei Thoater und ein großer Tingeltangel es ging recht lebhaft zu. Auch war Riegnitz so eine Art Pensionopolis: wenn man auf dem Reul" spazieren ging, konnte man sicher sein, daß unter den Begegnenden der zehnte Mann ein verabschiedcter Offizier war. Des Reul." das war die Promenade: eine vornehme Gegend mit einer Lindenallee und Bänken und einem berühmten Brunnen aus patinirter Bronze, der noch aus den Tagen des Herzogs Hans von Riegnitz stammen sollte. An: Brunnen spielte allsonntäglich Mittags die Musik: zuerst die von den Dragonern, dann die von der Artillerie. Aoer die Dragoner hörte man lieber; sie bliesen auch nicht besser als die'von der Bombe, doch ihre blauen Röcke sahen so lustig aus, und dann machten sie immer so vergnügte Gesichter. Das hatten die Riegnitzer gern. Dem historischen Brunnen gegenüber, in einem großen Miethshause mit blanken Fenstern, wohnte der General. Er hatte dasselbe Quartier behalten, das er schon als Brigadetommandcur bewohnt; er schränkte sich lieber nach anderen Richtungen hin ein wenig mehr ein. Die alte liebe Wohnung hätte er ungern aufgegeben. Allerdings: das schwarzweiß gestreifie Schilderhaus vor dem Portal hatte man ihm fortgenommen, als ihm der Abschied in Gnaden und mit dem üblicken Orden bewilligt worden war. Aber der bronzene Brunnen blieb, und an den hatte der General sich gewöhnt. Es. war ein närrischer Brunnen und stellte auf niedrigem Postament einen Höllenhund dar, doch mit fünf Köpfen. Die fünf Hundemäuler spieen unausgesetzt Wasser in ein'' weite Porphyrschale; der fünfte Kopf saß in der Mitte ds grün angelaufenen HundeHalses, und sein fletschendes Maulwerk spie, um Abwechslung in das Gegurgel zu bringen, das Wasser gleich einer Fontäne hoch in die Luft. Die Gewohnheit thut viel. Wenn der General am Morgen nach dem Frühstücke seine Zeitung las. so saß er am Fenster, schaute zuweilen auf den Hundebrunnen, und das unablässige Plätschern, Rauschen und Gurgeln that ihm wohl. Nach einem langen Soldatenleben hatte er angefangen, die Ruhe zu lieben. Kummer und Sorgen waren ihm nicht erspart geblieben. Er war arm. und seine Frau, eine geborene Gräfin von Warthauscn aus dem .Haus: Trumme, hatte so gerade das Kommißvermögen mit in die Ehe gebracht. Aber die Ehe war dennoch sehr glücklich gewesen. Da starb Frau von Lehn und bald darauf auch ihr jüng-

stes Töcylercyen Agnes. Nun blieb der General allein mit seiner Anna. Er richtete seinen Haushalt auf ziemlich bescheidenem Fuße ein. Köchin und Dienstmädchen führten ihn, und über dem Ganzen sollte Anna, der Geist über den Wassern, schweben. Aber Anna zeigte wenig wirthschaftliche Beranlagung. Sie nahm allerdings von Zeit zu Zeit heftige Anläufe, studirte das Kochbuch und versuchte sich in der Küche auch selbst. Doch wählte sie mit Vorliebe Gerichte, die ihr mißlangen, und da sie viel Sinn für das Verzwickte besaß, so kamen zuweilen Speisen auf oen .iicu, cie cen neueren oesremdeten. Zwar erging sie sich dann in Erläuterungen. erzählte, dies sei ein Brioclic a la Baron de Brissc' und jenes ein? echt provencalische Brandade de rnoruc" aber an der Thatsache, daß die Fremdgerichte dem General bei allem Entgegcnlommen nicht schmecken wollten, ließ sich nickt rütieln. Außerdem erklärte die Köchin am Monatsersten. daß es ganz unmöglich sei. mit dem Haushaltungsgelde auszukommen, da die Zuthaten, die das gnädige Fräulein auf Befehl des Kochbuchs verlange, nicht mehr zu erschwingen seien. Und da bat denn der General selber seine Tochter, sie möge bc Kochen doch lieber lassen; es sei ihm zu theuer. Der alte Herr saß am Fenster, dem historischen Hundebrunnen gegenüber, hatte die Kreuzzcitung" in der Hand, las aber nicht, sondern dachte daran.

wie einsam es für ibn werden würde, wenn Anna erst in den Bützower Backfischkasten gesperrt worden wäre. Das freilich war eine Nothwendigkeit; es half alles nichts. Es lag an der Mutter, daß Anna ein wenig oberflächlich erzogen worden war. Die war zu stolz gewesen auf ihre hübsche begabte Tochter und hatte sie thun und machen lassen, was sie wollte. So war Anna herangewachsen und doch noch ein ganzes Kind geblieben, mit liebem Herzen und Launen und Ungezogenheiten. Es ging nicht so weiter. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Froschfang an dem Begräbnißtage auf Hohenwarte. Da börte dow alles auf. Der General wuroe emrunet, wenn er nur oaran dachte. Ein junges Mädchen in Trauerkleidung, ein Mädchen aus freiherrlichem Hause springt einem Frosch nach und fällt in das Wasser. Und dieses Mädchen war siebzehn Jahre alt und sollte baldigst bei Hofe vorgestellt werden. Und was geradezu grotesk klang: dieses Mädchen wollte allen Ernstes heira hen. Es ist eigentlich beruhigend für mich," sagte sich der General, der seine Gedanken gern in die Form halblaut gemurmelter Selbstgespräche kleidete, daß die Anna noch gar so kindisch ist. So hat denn auch die Heirathsidee keinen realen Hintergründ. Es ist einfach eine Laune von ihr. Und es ist eine Dummheit, daß der Otto diese Laune unterstützt hat. Wenn man nicht einmal so viel hat, daß das Kommißvermögen herauskommt, soll man an derlei Dinge überHaupt nicht denken. Da verkneift man sich das, wie so vieles im Leben. Nicht wahr, mein Kind?" sagte er laut, da in diesem Augenblick Anna in das Zimmer trat, in Hut und Jacke, zum Ausgeben gerüstet, morgenfrisch und strahlend und durchaus kummerlos. Ich weiß zwar nicht, was Du meinst, Baterle." erwiderte sie; aber ich denke, ich werde Dir einen Gefallen thun, wenn ich ja sage. Also jawohl." Na, siehst Du. Nun gib mir noch einen Kuß. Ich freue mich, daß nach dem unfreiwilligen Bade von neulich das dicke Ende nicht noch nachgekommen ist. Tu hättest Dir eine gehörige Erkältung holen können." Unkraut vergeht nicht, Papa. Und dann der Fliederthee von Tante Rikchen. Ich bin eine ziemlich tapfere Natur. Aber vor Fliederthee schaudere ich. Schon der Geruch brrrr! Ich werde demgemäß nie wieder in's Wasser fallen, um nicht dem Fliederthee ausgesetzt zu sein." Ich denke und hoffe. Du wirst in der Pension" Herzenspapa ach, die Pension! Verdirb mir nicht den schönen Morgen! Ich sage nichts mehr gegen den Backfischkasten. Ich respektire Deinen Willen. Ich füge mich schweigend. Aber bitte, bitte: rede nicht davon. Wenn der erste April da ist, werde ich wie eine Märtyrerin abziehen. Caesar, moritu morita Tu weißt schon, wie die armen Kerle immer sagten, wenn sie in die Arena gingen. So sage ich zu Dir, und dann stürz' ich mich in den Vackfischkasten. Hast Du mich schon angemeldet?" Versteht sich. Frau von Schröter freut sich sehr. Es sind nur noch sieben junge Damen da; Du wirst die achte sein. Wo willst Du hingehen? Ich sehe. Du bist straßenfertig." Anna lachte. Den üblichen Rapport. Also: zuerst Besuch bei meiner Freundin Olli Rathenau. Dann Leihbibliothek. dann" mlt! Ad vocern Leihbibliothek : ich wünsche nicht " Nochmal halt! Nämlich ich weiß schon. Nichts Französisches und von dem Deutschen auch nicht das Neueste." Nein. Man schreibt heute zu schändliche Sachen. Aber einen Band von Winterfeld kannst Du mir wieder 'mal mitbringen. Es ist merkwürdig: die Autoren, die man zu meiner Zeit gern las, gibt's heute kaum noch in den Leihbibliotheken: Gustav vom See und Bernd von Guseck und Hesekiel und Hiltl und Temme. Na und wohin dann?" Dann geht's zu Egon. Der hat sich ein paar neue Portieren gekauft,

und da soll ich mein Urtheil abgeben. Du, Baterl, der Egon verdient jetzt bombenmäßig. Er hat schon wieder einen Auftrag. In Berlin stellt er auch ans: eine Hammelheerde am Bach." Seine ewigen Hammelbeerden kenn' ich nun nachgerade. Und in der Mitte ein altes Weib. Kann er denn nicht 'mal etwas Hübscheres malen?" Das ist nicht Mode. Das Feinste ist jetzt das Häßlichste. Und das Aelteste ist jetzt das Neueste. Alle alten Meister kommen wieder zu Ehren, sagt Egon." Na, mir soll's recht sein," brummte der General. Anna knickste noch einmal an der Thür und sagte: Au revoir, Herr General und ging. Der Alte griff wieder nach seiner Zeitung. Aber der Leitartikel war heute langweilig. Lehn ließ das Blatt sinken und schaute zum Fenster hinaus. Die Linden auf der Promenade hatten schon ihr junges Laub entfaltet: es wurde nun wirklich Frühling. Draußen in Hohenwarte mußte der Park bald in Knospen und Blüthen stehen. Doch an Hohenwarte dachte der General nicht gern. Er hatte eine ernsthafte Rücksprache mit Finck gehabt. Die Einnahmen aus der Verpachtung der Ländereien deckten die Hypothekenzinsen. Das war alles. Aber für das Herrenhaus mußte endlich etwas gethan werden; es verfiel gar zu sehr. Etwas gethan werden" das war gut gesagt; woher nehmen, ohne zu stehlen? Der General dachte daran, sich an die Stiftstanten zu wenden. Die hatten ein kleines Kapital liegen, und im Kloster zu Bützow brauchten sie nichts. Aber die Stiftstanten waren zäh. Wenn man bei denen einen Pump anlegen wollte, mußte man fortifikatorisch vorgehen: erst die Festung zerniren, Minen graben und durch zahllose kleine Ausfälle die Besatzung erschöpfen. Tann ergaben sich die Tanten vielleicht. Der General nahm eine heimliche Prise. TieS Laster kannte Anna nicht an ihm. Der Vater verbarg es, weil er es eines allen Offiziers nicht würbig hielt. Aber wenn er grübelte. mußte der Notschitotschi nachhelfen. Nun nieste er ein paar Mal und holte das rothseidene große Taschentuch aus der gesteppten Morgenjacke hervor, die er trug. Der beabsichtigte Pump bei den Stiftsdamen genirte ihn ein klein wenig. Als jungem Fant hätte ihm so etwas keine sonderlichen Kopfschmerzen gemacht. Aber nun war er alt und gesetzt geworden. Trotzdem: es galt Hohenwarte. Hohenwarte war die Gralsburg der Lehns, das große Heiligthum, der Tempel der Tradition. Da mußten Fiekchen und Rikchen Einsehen haben. Mit dreißiatausend Mark ließ sich schon viel machen. Die Belagerung des Klosterschatzes mußte in's Werk gesetzt werden. Nein; noch nicht. Erst mußte Amerika abgewartet werden. Das war eine Sorge mehr: dieser verschollene Bruder, der so plötzlich auftauchte und wer weiß was für Ansprüche mitbringen konnte. Der General erhob sich und begann das Zimmer zu durchqueren. Es war ein hübsches und wohnliches Gemach; aber auf dem Vertiko lag eine feine Staubschicht. Der alte Herr schrieb mit dem Finger ein Pfui" in den Staub; das Pfui" sollte Anna gezeigt werden; als Geist über den Wassern hatte sie dafür zu sorgen, daß so etwas nicht vorkam. Im Backfischkasten wird eigenbändig Staub gewischt." murmelte er; sehr gut für die Anna. Sehr gesund für die Anna. Drill muß sein " Und blieb wieder am Fenster stehen. Der fünfköpfige Teufelshund unten sprudelte seine Wasser von sich: vier breite Strahlen aus fletschendem Maulwerke längshin, und einen Strahl hoch in die Luft; der fiel in flimmernden Tropfen in das Becken zurück. Passanten gingen vorüber. Den und jenen kannte der General; er kannte die Hälfte der Bevölkerung von Riegnitz. Auf einmal stutzte der Alte. Am Brunnen stand eine fremdartige Erscheinung und betrachtete unter leichtem Kopfnicken das speiende infernale Gethier. Ein großer, etwas vierschrötiger Mann, wohl schon bei Jahren, denn der kurz gehaltene Zimmermannsbart, der das eckige und energische rothe Gesicht umrahmte, war ganz weiß. Der Mann trug einen grauen Cylinderhut. Das war schon auffallend für Riegnitz; man mußte von weither kommen, wenn man hier mit einem perlgrauen Cylinder paradiren wollte. Und dann trug der Mann einen Anzug aus quadrirtem Stoff von unbestimmter Farbe: sehr weite Beinkleider, die merkwürdig schlotterten, und ein sackartiges Jackett und darüber noch einen ganz kurzen, offenstehenden erbsengelben Paletot. Es sah aus, als ob ihm alle Sachen viel zu weit wären. I der Kuckuck," sagte sich der General, so etwas sieht man bei uns nickt alle Tage. Das ist etwas Internationales. Das ist ein zahmer Engländer oder ein Iankee aus Amerika " Aber kaum hatte er dies ausgedacht, so Durchfuhr es den alten Herrn gleichwie ein elektrischer Schlag. Aus Amerika " Und sofort war es dem General klar: das da unten ist kein Anderer als der Bruder Ernst aus New York.Er blieb am Fenster stehen, mit stärker klopfendem Herzen, scharf auslugend. Ter Fremde im erbsengelben Paletot schien den diabolischen BronzeHund genügend bewundert zu haben; denn nun wandte er sich der Häuserfront zu, wie um eine Nummer zu suchen. Dabe entdeckte er den General am Fenster. Jetzt stutzte .auch er. , Er

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Das beste Heilmittel in der Welt. In 25 und 50 Icgie lie linke Hand als Sonnenblende dachariz iiler die Augen und dann wetterte ein frches Leuchten über da? alte Gesicht; er nahm seinen grauen Cylinder und schwenkte ihn und nickte d.ibei und fuchtelte mit den Armen. Ja, das war Ernst. Ter General winkte und nickte zurück und er wollte es nicht. ab?r es kam so das Wasser stieg ihn in die Augen. Drauße auf der Trepp: erwartete der Gencrcl den Bruder. Eine ganzc welle Welt lag zwischen den Leiden und von Grund aus verschiedene An- ! schauungen trennten sie: dennoch fielen sie sich in die Arme und hielten sich lange umschlungen. Vierzig Jahre sind ein halbes Menschenalter; seitdem waren Beide Greise geworden. (FortseZung folgt.) Pariser geifeftanS der Mcnt de hatte nach dem soeben veröffentlichten Berichte imJahre 1900 eine Einnahme von rund 56 Millionen Francs. Die Versetzer zahlten 3 Millionen Francs Zinsen und Gebühren. Auf 1.119.988 verpfändete Sochcn wurden 35.846.066 Francs ge. liehen, was auf das Stück durchschnittlich 35.18 Francs macht. Seit mehreren Jahren beleiht das Pfandhaus auch WertKpapiere. Die ältesten Gegenstände, die sich in dem Leihhause befanden, waren nach dem Petit Parisien" eine Mannshose und eine Weste, die seit 1869 zusammen mit 5 Francs beliehen waren. Jabraus, jahrein kam eine alte Frau, um die Zinsen zu bezahlen und den Pfandvertrag zu erneuern, bis man ihr schließlich die Pfänder zurückgab. und zwar nicht etwa aus Mitleid dieses fccirf das Leihhaus nicht kennen sondern, weil sie trotz sorgfäl.'igster Aufbewahrung vermodert waren. Dabei erfuhr man, daß die Kleirungsstücke. deren Verkauf die Alte über 30 Jahre verhindert hatte, die sie aber während dieser ganzen Zeit nicht einlösen konnte, von ihrem 1870 im Kriege gefallenen Manne herrührten. Im Durchschnitt werden im Pariser Leihhause jährlich unter Anderem 350.000 Taschenuhren und 60.000 Trauringe versetzt. Sebald die erste Kälte eintritt, holen die Versetzer Bettzeug und wärmere Kleidungsstücke massenhaft aus dem Pfandhause ab. wogegen die Einlieferunz von Sommerbedürfnissen" mit vorrückender Jahreszeit zunimmt. Im August dieses Jahres wurden 5.431, im Septem ber 5.572. im Oktober 6.299 Fahrrüder verpfändet, und zwar durchschnittlich zu 35 Francs. Unter jungen Frauen. Es ist schrecklich, vor Mit!ernc,cht kommt nici:Mann selten nach Hause!" . Sie Glückliche! Da geht der min'go manchmal erst aus!" Merkwürdig. Es giebt aufgetragene Faullenzer, die mehr ihre Knochen schinden als die fleißigsten Pflasterer? Wie sie heißen? Dauerradler! Auf dem Tandem. Schutzmann: Sie fahren ohne Laterne, c.r; ich muß Sie notiren!" Sie irren, mein Bester; meine Flamme" sitzt ja vor mir.!" Kleiner Mangel. Bezweifeln ac ewa, daß mein Korrsbruder (in braves, altes Haus ist?" ja, scheint nur etwas feucht zu se n!" Ueberflüssige Mühe. Gouvernante: ..Na. wart' nur. Fritz, ich sa 'i der Mama, daß Du so unartig b'si!' Ach, das weiß sie schon. Fräulein!" Malice. Bankier Meier hat Besuch von einem Geschäftsfreund. Wie gefällt Ihnen diese Stickerei?" Sehr gut!" Hat meine Tochter gearbeitet!" (Bei Tische.) Wie schmeckt Ihnen diese Speise?" Sehr gut!" Hat meine Tochter zubereiteil" (Im Salon.) Wie gefällt Jhncn dieser Rubens?" Sehr gut weiß schon, hat Fräulein Tochter gemalt!" Sie will ja gar nichts. Sie schlingt zwei zarte, weiße Arme um seinen Hals und lehnt ihre rosige Wange an die einig. Mein geliebtos Väterchen, nicht wahr. Du hast mich lieb?" Er kennt diese Liebkosungen und ahnt, was nun folgen wird. Also was willst Du. etwa wieder einKleid?" Nein, theurer Papa!" Vielleicht noch einen neuen Hut?" Nein, guter Vater!" Ist es eine Rechnung vom Handschuhgeschäft?" Ach nein, Papacken!" Jetzt weiß ich' es, Du willst Deine Freundin in Wien besuchen?" Nein, bester aller Väter!" Sag' mir doch endlich, was Du willst, Kleine !" Ack. süßer Papa, ich will ja gar nichts aber Karl will mich!"

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HelmeS. 523 Michigan u. Concord 541 West und McJntyre 412 Miffoun u. Marylant 413 M'.ssouri und Ohro tl5 Capital Sv u Georgir 410 Missouri u kentuSy A 417 Senate Ave :i. Waso. 421 P und E Runt'us W. Waington. 425 JrriN'.H?svital. 424 Mi.ey Ave u. JDuZ7 425 Wash. und HarriS 426 No. 18 Spritzenhaus 23. Washington 427 O'.ivcr und Birch 428 Oliver und OSgood 4Z9 Nordvke und Kort 431 Hadley Ave u. Morris 482 Nwer Ave i. TOomi 454 Niver Ave und Ray t35 Harding . Big t R 9 36 Harding und Ollva 457 No. 19 Spritzenhu J Morris und Harbin. 488 Howard und SUUao 439 EtoekyardS 451 Reisn uab Miller 452 Howard und ktt 453 Morris und Ita&wS 456 Mindert und Bcu,nt 457 Nordyte Ave u. war on Works 512 West ud Ray 513 entuckv Ave u. MerrQ 614 Meridian und RorrU 516 JllinoiS und ansas 517 orns und Dakota 618 Moms und Church 51S Capital A. u McCarty 521 Meridian und Palm 623 Pine und Lord 524 Madison Ave u kincol 26 Merioian und Belt RR 27 Carlo und Ray 528 V;rioien und Arizona 29 Meridian u. Raomond 31 Meridian u. McCarty 5ZL No. 17 Spritzenhaus Morris nahe West 61 McKernan und Dougy. 615 East u. Lincoln L 614 East und Beecher 61 Wright und Sander 17 McCarty und Beaty 18 New Jersey u B v 71 Spruce und Prospect 718 Engllsh Ave. u. Laurek 714 State ve u. Belt R 715 Shelby und Beecher 71 State Ave und Orang, 713 Orange und Laurel 719 Shell,? u. Ctastg Av 781 Lerington A. u Laurel 725 Flttcher Ave u. pru 724 State Ave . Pleasant 726 Prospekt und leasa. 726 Orange und Harla? 728 Liberty und Merk 729 Role und South 812 No. 15 Spritzenhaus Oft Washington Stt 813 Market und Noble 814 Ohi" u. Highland Ave 815 Michigan u. Highlanl 816 Market u Arsenal Att 817 Ost 2'. Clair und Union Bahn Gel. 821 Pan Handle Sdcr? 825 Vermont und Walcott 824 Wash. und Statt Ave 825 Radden'skounae Fad. 8 Duckn und Dorsey 827 Wash. und Beville Ave 829 Ro. 1 SpritzenbauS Beville nahe Michiga, 851 Southeafter Ave und Woodfide. 85 Wash. und Dearbon, 854 Southeaftern und Arsenal ve. 855 New ork und Tempi 912 JllinoiS und Maryl. t JllinoiS und Markt 914 Penn, und Bft, 915 Delaware nnd -- eptiiaU&iztaU. Ersten 2 Schlag, ztveiter Alarm, Aweitm 2 Schlage, dritter Alan, Dritten Schlage, vierter Alarm, l--l, Feuer aus und Schlauch aufgerolk. - 5 Schlag, Wafferdruck ab. 1 Schlag. 1 Uhr Mittags. Dtt V bezeichneten Signale werden nur vom Zbun wacht angegeben da an den bernffende Straße? rreutunae kine AlarmUsten angebracht knd. W WWV