Indiana Tribüne, Volume 26, Number 85, Indianapolis, Marion County, 29 November 1902 — Page 7
Jndiana Tribune, 29 November 1903
0S00S00$0 cSOScTOSOKOZH I Im Waimm f
O O 5 o ö e o s o o o liontan von iScmlioli Ortmann. o 00'J0$000 00000 0?A o (Fortsetzung.) XU legten Worle des allen Fürsten, die sich auf den Grafen Meinburg bezcgen. waren weniger an den Forstmei--ster als an einen Herrn gerichtet, der eben die Stufen der Terrasse herauflam. Er mochte von ungefähr gleichem Alter sein wie Alexander v. Alvörden; aber er war von erheblich kleinerer, sehniger Gestalt, und die tiefliegenden, auffallend lebhaften dunklen Augen gaben ihm fast das Aussehen eines Südländers. 'Der Händedruck, den er mit dem Fürsten Vilmarstein tauschte, bewies, daß er nicht gleich dem Forstmeister in einem Abhängigkeitsverhältnitz zu dem Herrn des meerumspülten EilandeS stand. Alvörden war ein wenig zurückgeheten und hatte sich so weit zur Seite gewendet, bafe der Andere sein Gesicht nicht sogleich sehen konnte, nun aber nöthigte ein freundlicher Zuruf' des Fürsten ihn wieder heran. Erlauben Sie mir, mein lieber Graf, Sie mit unserer wichtigsten Persönlichkeit, meinem wackeren Forstmeisier v. Alvörden bekannt zu machen, fceijeti Gunst ich Sie für die Dauer Ihres Aufenthaltes ganz besonders empfehle." Das Zucken einerUeberraschung, die, wie es schien, keine freudige war, hatte für einen Moment den Gesichtsausdruck des Grafen verändert. Doch im nächsten Augenblick schon streckte er dem Forstmeister seine Hand entgegen. Dank für die Empfehlung. Durchlaucht einer Vorstellung aber bedarf es nicht, denn Herr v. Alvörden und ich sind alte Bekannte, wenn ich auch ganz gewiß nicht darauf vorbereitet war, die Bekanntschaft hier zu erneuern. Sie haben da ja allem Anschein nach eine ausgezeichnete Karriere gemacht, Verehrtester!" Flüchtig nur batte der Blondbärtige die dargereichte Hand berührt, und es klang im Gegensatz zu den Worten des Anderen merkwürdig kühl, als er erwidcrte: Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, Herr Graf!" Meine auch, daß Sie's sein können! Es muß ja ein wahres Vergnügen sein, im Dienste unseres liebenswürdigen Fürsten zu stehen. Und auf dem gewohnlichen Wege wären Sie wohl noch kaum beim Oberförster angelangt. Aber es war ohne Zweifel eine wichtige Besprechung, in der ich Durchlaucht gestört habe. Bitt: also, mich einstweilen beurlauben zu wollen. Habe wohl später noch das Vergnügen, Herr Forstmeister!" Er ging nss Schloß, und der Fürst wandte sich wieder an Alvörden. dessen Gesicht sehr ernst erschien. Eine gegenseitige Ueberraschung. wie ich sehe; denn auch Sie wußten wohl kaum, daß Graf Meinburg und seine Gemahlin seit gestern auf Schloß Girnig weilen." In der T'hat.Durchlaucht.ich wüßte es nicht." Und Sie sind alte Freunde? Vermuthlich noch von Ihrer Militärzeit her?" Ich bin mit dem Herrn Grafen zu verschiedenen Zeiten meines Lebens in Berührung gekommen. Aber ich habe keinen Anspruch auf die Ehre, mich seinen Freund zu nennen." Ah, verzeihen Sie! Nach der Begrüßung., die er Ihnen zu Theil werden ließ, glaubte ich Sie kennen auch seine Gemahlin?" Ich verkehrte im Hause des Herrn v. HertlingZ, als Graf Meinburg sich mit der Baronesse verlobte." Eine ausgezeichnete Dame! Ich hatte erst in diesem letzten Sommer das Vergnügen, ihr vorgestellt zu werden, und ich gestehe, daß ich schon in der ersten Viertelstunde vollständig hingerissen war von ihrer Schönheit und Grazie. Es ist mir eine wahre Freude, daß die Herrschaften meiner Einladung - mit so liebenswürdiger Bereitwilligkeit Folge geleistet haben." Fürst Xaver war in's Plaudern gekomm:n. und in solchem Moment pflegte er namentlich dem Forstmeister ceaenüber leicbt n veraessen. dan es ein uniergeoener war, mit oem er ipracy. Seinen Arm leicht auf den Alvördens stützend, war er die Stufen der .Terrasse hinab gestiegen, und indem er sich wie zu einer diskreten Mittheilung etwas näher gegen ihn neigte, fuhr er fort: Man erzählt sich ja ivunderliche Geschichten. von diesem beneidenswerthen Grafen. Er ist jedenfalls ein Beweis mehr für die. alte Wahrheit, daß der ungebärdigste Most oft den besten , Wein gibt. Als alter Bekannter sind ja auch Sie ohne Zweifel über die romantische Episode seines Lebens unterrichtet,' die sich irgendwo jenseits des Ozeans abgespielt haben soll." Ganz oberflächlich, Durchlaucht! Ich begegnete dem Herrn Grafen zuweilen, als er noch aktiver Offizier war, und traf ihn. toi; gesagt, spater im Hause des Herrn v. Hertlingk wieder. Von seinen Lebcnsschicksalen weiß ich nicht viel mehr, als daß er inzwrschen aus einem ziemlich mittellosen Leutnant zum Majoratsherrn auf Meinburg aufgestiegen ist." .Ja, ja und wie ich höre, durÄ eine beinahe wunderbare Fügung des Geschicks, denn innerhalb eines einzigen Jahres, starben nicht. weniger d3 drei
1 einer Verwandten, die zwischen ihm und dem Majorat standen. Aber der große Besitz ist bei ihm in die rechten Hände gekommen. Mein alter Freund Willisen, der sozusagen sein Nachbar ist, wußte nicht Rühmens genug .von der Energie und Schneidigkeit seiner Verwalnnl? ,u macken." Der 'Förstmcijter schwieg, und Fürst Vilmarstein hielt es für angezeigt, die seinerseits vielleicht etwas zu vertraulich gewordene Unterhaltung zu beenden. Nun aber will ich Sie nicht länger aufhalten, denn ich kann mir denken, wie kostbar Ihnen die Stunden sind. Ich bitte Sie, heute bei mir zu speisen, da werden wir ja Gelegenh:it finden, noch über dieses und jenes zu sprechen, was bei unseren Vorbereitungen bedacht werden muß. Auf Wiedersthen also um sechs Uhr, mein lieber Alvörden!" Er winkte freundlich verabschiedend mit , der Hand und ging mit raschen, etwas trippelnden Schritten tiefer in den Park, in angemessener Entfernung gefolgt von dem Diener, der stets in der Nähe bleiben mußte, seitdem Sine Durchlaucht vor Jahresfrist von einer etwas bedenklichen Ohnmacht heimgesucht worden war. Der Forstmeister aber schritt langsam seiner unfern dem Schlosse gelege, nen Dienstwohnung zu, und der tiefe Ernst seines Antlitzes verrieth, daß es sehr unerfreuliche Gedanken waren, welche die unerwartete Begegnung mit dem Grafen Meinburg in ihm wachgerufen hatte. 5. K a p i t e l. Das Nisiowcr Waldrevier war von dem Flecken Girnitz, der fürstlichen Nesidenz, erst in etwa zweistündiger Wagenfahrt zu erreichen. Meilenweit dehnt: sich der Wald auf hügeligem Terrain am hoch aussteigenden östlichen Rande der Insel dahin, den Sommergasten des neuerdings zum vielbesuchten Seebad aufblühenden Dorfes Ristow reiche Gelegenheit zu schönen und
ausgedehnten Spaziergangen bietend. Jetzt, da das Laub der herrlichen alten Buchen sich bereits herbstlich zu verfärben begann, waren die sommerlichen Zugvögel allerdings sammt und sonders wieder den heimathlichen Gefilden zugeflogen und unter den majestätischcn Baumkronen herrschte tiefe, feierliche Stille. j Beinahe lautlos auch rollten die Räder des leichten Einspänners, den der Forstmeister auf seinen oft weit ausgedehnten dienstlichen Fahrten zu benutzen pflegte, über den Waldweg dahin. Das Ziel, dem sie zustrebten, war offenbar jenes alte, burgähnliche Gebäude, das sich auf dem höchsten Punkt des Reviers erhob, mit seinem runden zinnengekrönten Thurm weithin die Gegend beherrschend. Seine Erbauung fiel noch in die Zeit, da die Schweden hier auf der Insel das Regiment geführt hatten. Damals hatte es viele Jahrzehnte hindurch dem Geschlecht der Eederström zur Residenz gedient. Bon den Vilmarstein aber, deren Erster sich sogleich den prächtigen Palast im Flecken Girnitz erbaut hatte, war es in ein einfaches Jagdschloß verwandelt worden, das nur in der dem edlen Waidwerk gewidmeten Jahreszeit vorübergehend einige Bewohner in seinen Mauern sah. Einmal allerdings war es für mehrere Jahre wieder zum Range einer fürstlichen Residenz erhoben worden, ohne daß indessen seine prunklose innere Einrichtung irgend .welche Verschönerung oder Bereicherung erfahren hätte. Denn Fürst Axel Vilmarstein. der ältere Bruder des jetzigen Familienoberhauptes. war ein Sonderling gewesen, ein Stubenhocker und umsättlicher Bücherwurm, der in Erscheinung und Wesen viel mehr einem stillen, weltscheuen Gelehrten ähnlich sah. als einem lebensfreudigen Aristokraten. Er hatte nach seines Vaters Tod der Mutter und den Geschwistern das Eirnitzer Schloß überlassen, und war mit seinen Büchern und Sammlungen nach Ristow übergesiedelt, um dort in tiefer Waldesstille ganz seinen Wissenschaftlichen Neigungen zu leben. Damals hatte das prächtige Forstgebiet ausgehört, ein wohlqepflegtes Jagdrevier zu sein; denn Fürst Axel war von Jugend auf ein Verächter dieses ritterlichen Vergnügens gewesen, und der Knall eine5 Sckusses mamte ihn ner toi. ist erstattete seinen Forstveamten kaum, 'das ständig überhandnehwende Raubzeug abzuschießen, und die unvermeidliche Folge seiner Absonderlichkeik war, daß sich der ehedem so weitberühmte Wildstand auf Ristow nach Verlauf weniger Jahre in einer reckt kläglichen VerfaNung befand. Hätte nicht Xaver Vilmarstein, der als jüngerer Bruder damals nur den Grafentitel führte, neben der ganz in seinen Händen liegenden Verwaltung des aesammten Fammenoesitzes auch der zweckmäßigen Bewirthschaftung der großen Glinltzer Waldungen eine besondere Sorgsalt zugewandt, so wäre die Insel vielleicht für alle Zeiten um ihren bisherigen iagdlichen Ruf gekom men ein Verlust, der dem Fürsten Arel wahrscheinlich sehr wenig Slum mtx bereitet hätte. Denn er vergrub sich von Jahr zu Jahr tiefer in die Schätze, die er mit unermüdlichem Sammeleifer um sich her anhäufte. Seine .Studien galten ausschließlich der geschichtlichen und vorgeschichtlichen Vergangenheit der Insel; und die Herbeischaffung irgend einer bedeutsamen alten Urkunde oder die Aufdeckung eines Hünengrabes interessirten.ihn unendlich viel mehr, als
viv 4vnimium4iii, viv nm lltll JOlUUCl
zur Unterfertigung und Prüfung vorleqic. AIS er im retten Mannesalter nach kurzer Krankheit, starb, hinterließ er eine überaus kostbare Sammlung von Alterthümern und eme Bucherei, die, so weit es sich um die Lieblingsfächer des verewigten Fürsten handelte, vielleicht kaum ihresgleichen hatte. Seine letztwillige Verfügung bestimmte, daß alle diese Schätze nicht in das Glrmtzer Schloß überfuhrt werden dürften, fondern n Ort und Stelle verbleiben mußten eine etwas engherzige Anordnung, da sie in dieser weltfernen Waldeinsamkeit so gut wie vörgraben waren, während sie als Bestandthcue irgend emcr öffentlichen Sammlung der Allgemeinheit sehr wohl hätten von beträchtlichem Nutzen sein können. Das Testament des Verstorbenen aber mußte selbstverständlich respektirt werden. Der alte Kammerdiener des dahingeschiedenen Fürsten wurde zum Kastellan des Jagdschlosses und damit zum Hüte: der wijjenschaftlichen Kostbarkeiten bestellt, von deren Fülle und Mannigfaltigkeit unter den naiven Bewohnern der Insel die abenteuerlichsten Voritellungen und Erzählungen im Umlauf waren. Für die Aufnahme einer größeren Anzahl von Jagdgästen war das Schloß dadurch unbrauchbar geworden. Und wenn es einmal für längere oder kürzere Zeit einen Fremden in seinen alten Mauern beherbergte, so war es sicherlich irgend ein stiller Gelehrter, der bei dem Fürsten um die stets mit großer Bereitwilligkeit ertheilte Erlaubniß nachgesucht hatte, die Sammlungen für seine Studienzwecke zu benutzen. Als der Wagen des Forstmeisters vor der zum Eingangsthor des Jagdschlosses empor führenden Treppe hielt. erschien auf den oberen Stufen derselben ein hochgewachsener junger Mensch in der Uniform eines Forstaehilfen. der grüßend seine linke Hand an die Kopfbedeckung legte. Die andere konnte er dazu nicht wohl benutzen, da er sie nicht mehr besaß, der rechte Aermel seiner Jacke hing vom Ellenbogen abwärts schlasf hernieder; und der Anblick dieser Verkrüppelung wirkte doppelt mitleiderregend bei' dem kraftvollen, fast herkulischen Körperbau des höchstens Vierundzwanzigjährigen. ..Guten Morgen, Hilgert!" rief der Forstmeister in freundlicher Erwiderung seines Grußes. Ich wollte nur auf einen Augenblick vorsprechen, um mich nach dem Befinden des Professors Mcinardus zu erkundigen. Der alte Herr ist doch wieder' wohlauf?" Ter Herr Professor hatte die kleine Unpäßlichkeit schon gestern vollständig überwunden," lautete die in ehrerbietigem Tone gegebene Antwort. Er ist drinnen im großen Bibliothekzimmer bei der Arbeit wenn der Herr Forstmeister vielleicht den Wunsch haben, ihn zu sprechen" Alexander r; Alvörden, der noch im Wagen saß, schien für einen Augenblick unentschlossen. Es war als hätte er noch eine weitere Frage auf den Lippen. Aber er sprach sie doch nicht aus. sondern sprang eine Sekunde später auf das grasüberwucherte Steinpflaster und wandte sich an den Kutscher: Warten Sie hier, Langschmidt! Ich bin in wenigen Minuten wieder da, und wir holen die kleine Versäumniß später schon wieder ein." Dann stieg er rasch die Treppe empor, und es war wie der Abglanz einer freudigen Erwartung auf seinem sonst so ernsten Gesicht. Melden Sie mich .also bei dem Herrn Professor, Hilgert! Er ist doch allein?" Nur mit dem Fräulein, Herr Forstmeister wie immer. Aber sollte es wirklich nöthig sein, daß ich " Ja, ja, melden Sie mich nur; und sagen Sie. daß ich unter keinen Umständen stören will, falls ich etwa gerade in diesem Augenblick ungelegen kommen sollte." So weit die Miene des Einarmigen einen Schluß auf seine Gedanken gestattete, ließ sich darin lesen, daß er diese Förmlichkeit für ziemlich überflüssig erachtete. Aber er stand zu Alezander v. Alvörden in dem Berhältniß des Untergebenen und gehorchte, ohne weitere Einwendungen zu erheben. Wenige Augenblicke später kam er wieder aus dem ersten Stockwerk berab mit dem Bescbeid: Jfttrz P-ivscnor Mnnarous tu icyr erfreu:, den Herrn Forstmeister zu sehen." Und nun eilte Alvörden behend die breite Wendeltreppe hinauf, um befchciden an eine der hohen Flügelthüren zu klopfen und auf das doppelstimmige Herein." das ihm von drinnen entgegen tönte, mit einem sehr heiter und herzlich klin'genden Gruße die Schwelle zu überschreiten. Der große, sonnenhelle Raum, den er betrat, mußte mit seinen gewaltigen, ringsum bis zur Decke reichenden Bücherregalen schon auf den ersten Blick das Entzücken jeder Gelehrtenseele bilden. Von den Geweihen und sonstigen Jagdtrophäcn, die einstmals die Wände geschmückt hatten, war nichts mehr geblieben, und der dicke, weiche Teppich, der den Fußboden bedeckte, um die Tritte der Diener unhörbar zu machen, ließ gleich dem gewaltigen, grün überzogenen Tische inmitten des Gemaches und gleich allen anderen Stücken der überaus schlichten, prunklosen Einrichtung unzweideutig erkennen, daß dieser ehemalige Speisesaal. der so oft von dem hellen Gläserklang und der derben Lustigkeit ausgelassener Jägermahle durchtönt worden war,sich n n. r, langji in eine laue ernner, niuer ut beit verwandelt haiit.
Und als eine Stätte ernster Arbeit
diente er ohne Zweifel auch in diesem Augenblick, denn der große grüne Tisch war mit Buchern und Skrlpturen mehr als zur Hälfte bedeckt, und in einem der tieflchnigen Stühle saß ein Mann, dessen feinem Gesicht man es unschwer ansah, daß sein ganzes Leben einer rastlosen, unermüdlichen Geistesarbeit gewidmet gewesen war. Und es mußte wohl em langes, gesegnetes Leben gewesen sein, das ihm so dahingegangen, denn das lange und noch immer dichte Haarfiel ihm schneeweiß in den Nacken hinab, und das blasse Gesicht war von zahllosen Falten und Fältchen durchzo'gett. Aber die großen, blauen Augen leuchteten noch jugendlich hell daraus hervor, und aus den greisenhaften Zügen sprach die friedliche Heiterkeit eines mit sich selbst wie mit der Welt in vollster Harmonie beiindlirbi'n Cn?vitiih? Mit einer Elastizität, die ebenso wenig etwas von seinem eben überstandenen Unwohlsein erkennen ließ, als davon, daß er das biblische Alter schon um beinahe fünf Jahre überschritten hatte, erhob sich Professor Ludwia Meinardus bei Alvördens Eintritt von seinem Sitz und streckte ihm die feine, schmale Hand entgegen. Grüß Gott, mein lieber Herr Forstmeister! Sie kommen wie der Wolf in der Fabel. Denn es sind noch nicht fünf Minuten vergangen, seitdem wir oder vielmehr seitdem meine Enkelin von Ihnen gesprochen." Dabei hatte er mit einer kleinen Kopfbewegung auf das junge Mädchen hingedeutet, das ihm gegenüber an der Schmalseite des grünen Tisches saß. Aber es hätte dieses Zeichens nicht bedurft, um die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sie zu lenken. Denn schon von der Schwelle aus war des Forstmeislers erster Blick zu der lieblichen Erscheinung in dem altmodisch hohen geschnitzten Armsessel hinübergeflogen. Er hatte das freudige Aufleuchten in ihren Augen ebensowohl gesehen, als das holde, rasch wieder verschwindende Erröthen auf ihrem reizenden Gesicht. Und wenn sie ihn nun auch ganz so förmlich und gemessen freundlich begrüßte, wie es sich für eine achtzehnjährige junge Dame einem Manne gegenüder geziemt, den sie erst seit wenigen Wochen kennt, so würde ein sehr aufmerksamer Beobachter doch vielleicht Verdacht geschöpft haben, daß dabei auch ein klein wenig Komödie mit unterlaufe. Das junge Mädchen hatte die Feder noch in der Hand, und der vor ihr liegende Papierbogen war zum guten Theil mit feinen, gleichmäßig zierlichen Schriftzügen bedeckt. Es hätte demnach keines besonderen Scharfsinns bedurft, um zu errathen, daß sie äugen blicllich die Funktionen eines Sekretärs bei ihrem Großvater, dem berühmten Historiker, ausübte. Ich hörte zu meiner Freude von Hilgert, daß ' Sie ganz wieder hergestellt seien. Herr Professor," sagte der Forstmeister. Und daß ich Sie schon wieder mitten in der emsigsten Arbeit finde, ist gewiß der beste Beweis für die Nichtigkeit der Auskunft. Es ist hoffentlich nicht zu viel, was Sie damit Ihren kaum zurückgewonnenen Kräften zumuthen?" Nein, gewiß nicht, die Arbeit hat sich mir noch immer als das beste HeilMittel erwiesen. Und dann gilt es jetzt c.-.ch. die Zeit zu nützen. Länger als um höchstens vier Wochen kann ich den Beginn meiner Vorlesungen nicht mehr hinausschieben. Und ich denke, taß ick die Gastfreundschaft Ihres gütigen Fürsten schon über ' Gebühr in Anspruch genommen habe." Ah, was das betrifft er würd? Ihnen das Waldschloß und seine wisstnschaftlichen Sammlungen .sicherlich mit Vergnügen noch auf Monate zur Verfügung stellen." Ich glaube es wohl, aber das wäre der Liebenswürdigkeit doch zu viel. Und ich muß neben allem Anderen schließlich auch ein. wenig an mein? kleine Gehilfin denken. Die Waldeinsamkeit, die ich alter Mann wie eine köstliche Wohlthat empfinde, dürfte mir das Kind zuguterletzt noch ganz melancholisch machen." Sehe ich wirklich aus, als ob ich auf dem Wege dazu wäre, Großväterchen?" sagte di: junge Dame lachend. Ich babe mickz fcicr niemals so alücklick ah heimisch gefühlt wie jetzt, wo die Sommergäste fort sind und wo ich auf meinen Spaziergängen oft stundenlang keinem menschlichen Flttn mehr begegne. Es ist mir dann, als ob der Wald mir ganz allein gehöre, und es überkommt mich dabei zuweilen ein berauschendes Gefühl der Freiheit und des Ungebundenseins, wie ich es drinnen in der Stadt niemals empfunden habe." Ei, ei. liebe Renate, das ist ein recht bedenkliches Gefühl für ein junges Mädchen," fiel der. Professor ein, indem er ihr scherzend mit dem Finger drohte. Wer weiß, was Deine Eltern sagen würden, wenn sie Zeugen eines solchen Geständnisses wären." Ich glaube, sie würden sich dessen freuen, Großväterchen, und sie würden Dir dringend an's Herz legen. Deinen Aufenthalt auf Ristow meinetwegen nicht um einen einzigen Tag zu verkürzen." Das alles klang gewiß sehr' munter und unbefangen, aber da es sich nun zufällig fügte, daß der Blick des Forstmeisters abermals dem der jungen Dame begegnete, schoß es wieder verrätherifch heiß in ihren Wangen auf, und sie beugte sich so tief auf ihr Manuskript herab, daß er für die Dauer
u. 5
St. Aakobs ii I; : : i heilt alle körperlichen
Rheumatismus, Gicht, Verreukungen, Quetschungen, Hüftenschmerzen, Neuralgie. Wirkt wie Zauber.
EsWegtSchmerzen
Das beste Heilmittel in der Welt. I 25 und 50 der nächsten Minuten von ihrem Kopse nichts anderes sehen konnte, als das lichtgoldig schimmernde, wellige Haar, das sich über der Stirn zu einem Ge kraus wirrer, widerspenstiger Löckchen ringelte. Nach einer kurzen Pause sagte Alexander v. Alvörden: Ich habe hier nur im Vorübergehen Halt gemacht; denn ich befinde mich auf dem Wege zum Ristower Förster. Es gibt sür das Forstpersonal voraussichtlich viel zu thun während der nächsten Wochen, da die Jagdzeit begonnen hat und da man, wie alljährlich, auf dem Girnitzer Schloß viel vornehmen Besuch erwartet." Dann jagt man vermuthlich auch hier?" fragte der Professor bedauernd, und mit der schönen, heiligen Stille in der Umgebung des Jagdschlosses ist es vorbei?" lFortsetzung folgt.) Eine gute Antwort. Als Alexander 2. bei einem Besuche in Ma die Balten mahnte, sich als Nüssen zu fühlen, da ihre Heimath nun einmal zu Rußland achöro. erwidert: ihm der ritterliche Bllraermeistcr von O:ttina.en: Majestät, wenn ein Pferd im Schweincstall geboren worden ist. ist es dann ein Pferd oder ein Schwein?" Das war der Herrensinn cincs Oettingcn nach oben, und der Zar hat ihn mit gutem Hunio? crtraacn. Museum als Lagerbans. Laut einer Meldung aus London sind die amerikanischen und anderen Sammler von Kunstwerken, welche ihre Sammlungen dem South KensingtonMuseum anvertraut haben, plötzlich benachrichtiat worden, daß sie ihre Gemälde und sonstigen Kunstgegenstandc binnen sechs Monde abholen lassen müssen. Der augenscheinliche Grund dieser Anordnung ist. daß das Museum den Raum für seine eigenen Kunstgegenstände benöthigt; es wird aber allgemein behauptet, die Mu seums-Verwaltung sei dahinter gekommen, daß die Eigenthümer der geliehenen" Kunstwerke dabei nur von der Absicht geleitet seien, die Aufbewahrungsgebühren dafür, wenn dieselben einem Storage"-ßpeicher übergeben werden, zu sparen. Zu dieser Klasse werden besonders viele Amerikaner gerechnet, welche in Europa zusammenkaufen, was gut und theuer ist, und welche dann ausfindig machen, daß der Einfuhrzoll auf die Sachen ein sehr hoher ist. Sie kalkuliren dann, daß es für sie profitabler ist, die Sachen zum Besten des Publikums" dem Museum zur Aufbewahrung zu übergeben, als in den Ver. Staaten den Zoll dafür zu zahlen. , Einige davon haben sogar beschlossen, ihre Sammlungen lieber dem Museum zum Geschenk zu machen, als sie abholen zu lassen. ' - Nothstand in Schweden. Meldungen aus den nördlichen Landestheilen Schwedens lassen erkennen, daß dort für große Gebiete traurige Zeiten bevorstehen. Besonders bösartig gestalten sich die Zustände in den Gegenden hinter Lulea, wo bereits jetzt die Kornvorräthe, die man noch vom vorigen Jahre her besaß, auf die Neige gehen; das bischen Getreide, das in diesem Jahre reif wurde und gerettet werden konnte, ist nicht einmal zum Brodbacken geeignet. In vielen Gebieten schicken die Eltern ihre Kinder nicht zur Schule, weil sie ihnen kein Brod mitgeben können, und ohne dies Nah'rungsmittel dürfen die Kinder natürlich nicht wagen, sich auf den Weg zum Schulhaus zu machen, der in den dünn besäten Gegenden oft außerordentlich weit ist. Schlimm ist auch der Mangel an Viehfutter, der die Bauern nöthigt, selbst die nothwendigen Milchkühe zu schlachten.' Zu c.llem Unglück herrscht noch große Arbeitslosigkeit, die sich erst mindern wird, wenn im Winter in den schwedischen Wäldern die AbHolzungen beginnen, die bei dem großartigen Umfang, den dieser Erwerbszweig bat, natürlich von Bedeutung sind. Leider wird wohl wie im vorigen Jahr wieder eine erhebliche Einschränkung des Holzeinschlags eintreten, da die Säaewerke glauben, nur auf diese Art schlechten Verhältnissen auf dem Hlzmarkt vorbeugen zu können. 3)oä Paradies der P o -l y g l o t t t n ist Britisch-Jndien. Bei einer Bevölkerung von 280.000.000, auf einem Flächenraum von der Größe Europas ohne Rußland, werden dort nicht weniger als 721 Spracyen gesprochen.
Gel.
Schmerzen, wie IV II Ctablirt seit 50 Jahren. nt Gröbe. Feuer - Signale. i Pamsylv nd Wartet 6 English'i Opan-Haui Saft und Re ZZork 7 Noble und Michigan S N. Jjky u. Nag Et 9 Pine und Nrrtb 10 Startet und Pme 11 Vermont nahe Last 12 Nz. s Spritzenhaus Mass. Zl nahe Noble 13 Dttawan und Walnut 14 N. Jersey u Lentral S. 15 Mass. und CorneZl Av 1 Ash und 11. Straße 17 Park & nd 12 ett .8 Columbia undHillslde 1 Highland Zlve u. P,att kl JllinoiS und Ct. Jo 25 Pennshlv. und Pratt 34 Meridian und li. Err 25 No. 5 EpritzenhsuS 15. nahe Jllinoi 25 CenateAveu.CtLlair 27 Illinois und Michigan 29 Ptshlvania und 14. 29 Senate Ave. und 13. Sl 5lo. l Spritzenhaus JndllvenahMichigan 32 Meridian und Walnut 84 California Vermont 35 Blake nd New Z?orf 36 Ind. v. u. Lt, lair 7 eity Hospital 33 Blake und Norty 3g Michigan und AzncS 41 No. 6 CpritzenhauS Washington nahe West 42 Esendorf u Wash. 42 Missouri u New Fork 45 Meridian u Wash 46 Illinois und Ohio 47 Capitol Lv. u Wash 48 Kuisan'S Porkhaus 49 Straßenbahn SUlll, 23. Washington Ctr 51 No. 10 Spritzenhaus JllinoiS u Merrill 52 JllinoiS u Louisiana 53 Wc und South 54WeftundMcCarrt) 56 Senate Lve. u Henri) 57 Meridian und Rav 58 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u MorviS 59 Madison Av. u Dunlop 61 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Telaware 62 Penn. Merrill 63 Telaware u. MrEarttz 4 sft und McSarty New Jersey u. Menill 7 Birg. Av. u Bredshsw 8 East und Prospekt 69 Bickmg und High 71 'No. 11 SpntzmhauS vir Ave. nahe Huron 72 East und Georgia 75 Cedar und Elm 74 Davidson u Seorgi 75 English Av. u Pine 76 Chelö? und BateS 78 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Shelby 79 Fletcher Lv. u Shelby 1 Market u. New Jersey LZ Delaware und Wash. 83 East u Washington 84 New Dork u. Tavidso? 85 Taubstummen Anstalt 86 Ber. Staaten Arsenal 87 Orient! und Wash. 89 Frauen-Reformat. 91 No. 13 Spritzenhaus - Marhland nah Mer. 92 Meridian u. Scrgia. 93 Meridian und South 4 Pennsylv u. Louisiana 95 Virginia Ave u. Zllab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel, 98 Capital Ave und Ohis -23 No. 16 Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 126 DandeS und 15. 127 Brookside und Jupiter 12S Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 1Z2 Bellefontaine und W. 134 College Ave und 20. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rortb 137 Ncwmaim und 19. 138 College Ave und 14. Z39 Corncll Ave und 13. lil FandeS und 19. 142 Highland Ave und lo! 143 Tecumseh und 10. 145 Ne Jersey ind 22. 146 Alvord und 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.fe Av und 16. 148 College Ave und 22. 149 College Lv und 27. 152 Park Av und 22. 153 2 C u. 23 Bahn u. 22. 154 Ramsey Ar und 10. 156 Stoughton u Newman 157 tlaS und Pike. 158 Bloyd und Pawpa. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood I 12 Arden und Depot 163 Brightwood und U. 164 Rural und Vlovd 165 Ct. Clair u. chstone 167 Arsenal Av und LZ. 168 Vellefontain und 28. 169 Park Ave nd 10. 212 Capital vc und 17. . 213 Pennsyl. .Michiga 214 JllinoiS und 20. 215 Senate Av und 21. 216 Pennsvlvania und 22. 21? Meridian nd 16. 218 Capital Av und 26, LI Brvadway und 10. 131 Jllino'L und D!cLa 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 30. 235 JllinoiS und 33. 2Z6 Annetta und 80. 237 No. 9. Spriyenhiu Udcll nd Nacr 2Z8 Udell Ladder WorkS 239 J.'aiel und 7. 241 Meridian und 24. 24ZJUmoiSu StClft 243 Eldrioge nd 23. 812 West uud Walnut 313 West und 12. 314 Howard und 16. 315 Torbet und Pa 31 Capital Ave und 10, si7 Northwestern Av 21 13 Gent und 18. 319 Canal und 10. 321 Cerealin Work 324 Bcrmont und Lvnn 25 DiZmarcku Srandvie 2 Ntz. 29 SxntzenhaS Haughmlle. 327 Michigan u. HolmeS. 23 Michigan u. Concord . 41 West und McJntyr? '412 Missouri u. Maryland 413 Missouri und Ohio 415 Capital Ave u (Seorgio 416 Missounu Kentua'vA 417 Senate Ave u. Was 421 P und E Rm'.d-Z W. Washingn. 423 Jrren-Hosxital. 424 Miley Ave u. I D u ST 425 Wash. und Harris 426 No. 13 Cpriyenhalt 23. Washington 427 Oliver und Jirch 423 Oliver und Osgood 429 Nordhke und Dork 431 Hatlcy Ave u. Morrt 432 Nie Av u. Worrit 4 Niver Ave und Ray 435 Harding u. Big 4 R S 43S Harding und Oliva 437 No. 19 Spritzen pj SRctri und 438 Howard nAEZkaß 43t CtoAttdS 451 Neiön und VÄer 452 Howard und Lee 453 MorriS und atfu4 456 Lambert nd Betank 457 Nordhk Lv fcot on WorkS 612 West ib 513 Kentucky Ave u. MerriH 514 Meridian und" WorriS 51 JllinoiS und LansaS 17 RorriS nd Dakta 518 MorriS nd Church 19 Capital A. u McCarty 521 Meridian und Palm 523 Pine und Lord 524 Madison Ave u Lincoln 2 Meridian und Velt SlR 527 Carlo und Ray 528 Meridian und Arizona 529 Meridian. Raymond 531. Meridian u. MkCarry 532 No. 17 SxritzenhZus MorriS nahe West 12 Mcernanund Dough. 613 East u. Lincoln Lne 14 Cast und Brecher 615 Wright und Sander 17 McCarty und Bcaty 18 New Jersey u Bir Ave 712 Epruce und Prospekt 713 Emglish Are. . Laure 714 Etate Avu.Blt R5 715 Shelby und Beecher 71 State Ave und Orange 718 Orange und Laurel . 7 Shelby u. Ct.laae Av 721 LexingtonA. Laurek 723 Fltchn veu. Opru 724 State Ave u. Pleasant 725 Prospekt und leasar 72 Orange und Harta 728 Liberty und Mcek 79 Noüle nd South 812 Na. 15 Spritzenhaus 0fr Washington Ctn 813 Market und Noble 814 Ohio . Highland Av 815 Michigan u. Highlani 81 Market u Arsenal Av 17 Ost S Clair und Union Bahn Geleise. 821 Pan Handle Shc3 . 823 Vermont und Cctlcott 824 Wash. und State Av 25 Madden'i Lounge JakX 26 Tuckrr und Dorsey 827 Wash. und Deville Lv ' 29 No. 12 Spritzenhaus vevill nah MichigaH 831 Southeaster 2U und Woodside. 832 Wash. nd Dearbor 834 Southeaftern und Arsenal Ave. 5 New Kork nd Templ 12 JllinoiS nd Maryl. i Illinois nd Markt. 14 Pa. nd Wosh. 15 Delaware nd kc Spezial-Signale. erst CchlZge, zweiter Warm, ... Aweit 2 Schlage, drter Alar. Dritten Schlag, diäter Alar. ' l-l-l, Fer cul und Schlauch auheroQ. 3 Schlag, Wafferdru 6. ' 12 Echlög, l, Uhr Mittag. Die Zo bezeichneten Signal e werd nur dom 7vnra Wächter angegeben da an den bernssende Straße? keujunz rtf LlarmLst angtfrftcht sind.
MM Äfek ÄWKM vytAV W mMw 5YVS. TRA0E
