Indiana Tribüne, Volume 26, Number 76, Indianapolis, Marion County, 19 November 1902 — Page 7

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Ucbcr den Man. ' Nömair von ÖStar Nscdom. Söo4Q404040oo4004040o (Fortsetzung.) Pardon! Ich muß Dich aber lU ien, mich von diesem Fest zu dispen stren. Meine Nervu:, meine Geruchsnerven, dürften nicht widerstandsfähig genug sein." Es lag ein Hohn in Egons Worten, der Hildegard reizte. Aber da" sie wies mit dem Daumen der rechten Hand über ihre Schulter da waren Deine Nerven widerstandsfähig genug! Bleib Du auf Deinem Zimmer, es wird Dich Niemand vermissen!" Egon wandte sich der Thür zu. Noch eine Frage, Egon!" Er blieb stehen. - . Du hast im April," begann Hildegard ruhig, dreitausend Mark an einen 'Herrn von Schmiedens derborgt." Ganz recht!" Ist das unser- Schmiedens, ich meine der Regiments-Adjutant?" Das zu wissen dürfte Dich wenig interessiren." Es interessirt mich. Ich habe außerdeni Dein Versprechen, also bittet Ja, allerdings, es ist der' SchmieKens." Hast Du auch mit ihm gesvielt?" Ich habe nie in Trontheim gespielt." .Weshalb borgtest. Du ihm, was Du selbst nicht hattest?" , Er war mir gefällig, gewesen und da er in Verlegenheit war, half ich ihm aus." antwortete Egon gleichgiltig. Sie lachte spöttisch. Und die Gefälligkeit bestand darin, daß er meinem Vater von Deiner Herzensgüte erzählen, ihn über Dein Vorleben hinwegtäuschen mußte." Egon-erschrak. Wir haben nie über diesen Punkt gesprochen, bei Gott!" Aber doch ließest Du durch Schmiedens bei meinem Vater werben um mich." Schmiedens war , mir befreundet; meinen häufigen' Verkehr im Hause Deiner-Eltern nach jener Fahrt von der Belvedere hat Schmiedens wohl beqünstigt, wie weit aber er für mich geprochen. weiß ich wahrhaftig nicht." Aus seinem Antlitz wie aus feinem Ton sprach etwas- von gekränkter Unschuld. Hildegards Herz beschlich ein seltsames Weh, als Egon die Belvedere erwähnte. Die Erinnerung quälte sie, und ihre hoheitsvolle Sicherheit schien zu wanken. Hast Du Schmiedens gesagt, daß Du selbst in Geldverlegenheit seiest?" Nein." ' Hildegard kämpfte noch mit dem drückenden Gedanken an die Belvedere. Schon gut," klang es tonlos. Dabei senkie sie abwehrend d:e Hand gegen den Gatten. Als er gegangen war, stüzte sie das Haupt in die Hand. Der nächste Abend ist herangekommen. Die Glocke in ihrim hohen Thurm über dem alten Stall schallt laut durch die feierliche friedliche Stille. Da regt es sich .in den Häusern des Dorfes. In festlichen Gewändern treien sie hen. 3. Männer, Weiber und Kinder. Ein .'gewohntes Leben, ein wirres Treiben herrscht auf der dunklen Straße. In Hasten und Eilen, in Flüstern und Raunen geht's dem Schlosse zu.. Die weite Halle füllt würziger Geruch. Der ganze Fußboden ist mit Tannenzweigen bedeckt. Der Oberinspektor zündet den reich geschmückten Baum n. und Hildegard prüft sorglich die peinlich geordneten Geschenke. Da liegen auf weiß bedeckten Tischen Tücher und Nöcke, Schürzen und Jacken und auf den großen mit Pfefferkuchen überladenen Schüsseln blitzt das blanke Geld. Auf die niedrig gestellten Platten aber zur rechten Seite der Halle sind Mützen und Handschuhe, SteckenPferde und Puppen in großer -Anzahl sorgfältig aneinandergereiht. Da erschien auch Egon. Sein Auge flackert unruhig, aber dann haftet es fest am Lichterglanz des Baumes, als 'alle sich versammeln in bunterFolge vom Kämmerer bis zum Hirten mit Weib und Kind. Egons Blick beleöt sich nicht. Nur Hildegards Auge strahlt hell und eine Thräne perlt darin, wie nun leise das Lied der Kinder anhebt: Stille Nacht, heilige Nacht." Erst angsterfüllt und dumpf, dann immer läuter, zuversichtlicher und liebevoller durchweht der Sang den weiten Raum. Und wie das Lied verhallt ist, da beugt die junge Herrin sich nieder, anmuthig unb freundlich und dankt den Kleinen für die Freude, die sie ihr bereitet. Die Beklommenheit schwindet, Vertrauensvoll schließen sie sich an die vornehme Dame.. Und als Hildegard dann den einen nach dem Namen, die anderen nach dem Alter frägt, hier das rosige Kindergesicht streichelt, dort das lockige Haar kost, hat je aller Herzen gewonnen. Egon siandweit ab in. der äußersten Eckeder Halle, durch den Baum verdeckt, ein spöttischer Zug um die bleichen Lippen. Was konnte ihn das Gesindel interessiren? Allerdings es war knapp geworden auf Bodollen, einer nach dem anderen kehrte den Rücken und die wenigen Uebrigen verlangten schon denselben hohen .Lohn, den die

Freiarbeiter, du. geworbenen Tagelöhner erhielten. Der Oberinspektor hatte n r l ortil VI. r.

es erzryeuic geagi. '-uoer eesgaio oic,e Siene? .Unverständlich Er drehte verzweifelt an seinem Monokle. Aber er war machtlos. . Nicht einmal, einen Blick gönnte sie ihm. als sie die Reihen entlang ging, die Männer und Frauen hinter den Kindern gebildet hatten. Der Oberinspektor empfand eine gewisse Verpflichtung, sich an Egon zu wenden, aber Hildegard rief ihn ab, als sie feine Absicht ,erkannte: Bleiben Sie in meiner Nahe, Herr Lange, Sie müssen mir helfen, bekannt zu werden." Mit dem Kämmerer war sie schon zusammengetroffen. Sie wandte siüz an ihn: Nun stellen Sie mir Ihre Frau vor. Kammerer." Schüchtern mit gesenktem Blick trat eine ältere Frau in rothem Rock hervor und küßte Hildegard die Hand. Ganz recht, ich habe Sie schon gesehen. Sie haben' neulich geholfen, die schönen Guirlanden .abzunehmen, die die Terrasse schmückten bei. meinem Einzug. Da ist auch die Frau des Kutschers! Sie haben am Triumpb; bogen gearbeitet. Gewiß haben Bit das alles auch hergerichtet. Ich danke Ihnen herzlich, Sie haben mich sehr erfreut." Skandalös!" murmelte Egon, indemr sich das Monokle tiefer in das Auge drückte, als habe er nicht recht gesehen. ' Jetzt reichte sie der alten Frau des Kutschers auch die Hand, da, sogar noch den anderen Weibern, alle küßten sie ihr den Aermel oder gar die Hand. Entsetzlich!' Nun, Herr Lange," begann Hildegard wieder, fehlt mir noch' die alte Juste. Egon. Deine Amme." Jetzt trat der Herr Baron einen Schritt vorwärts; wie strafend sah er auf Hildegard, sie ächtete dessen nicht. Sie ist krank, Frau Baronin," entgegnete der Oberinspektor. Was fehlt ihr?" Der alte häßliche Husten plagt sie. in dem sie schon lange leidet; heute soll auch etwas Fieber aufgetreten fein." Egon, wir Beide werden der alten Juste noch heute Abend ihr Geschenk selbst hinbringen." Eqon trat näber. Pardon!" näselte er, es dürfte etwas zu schmutzig im Dorfe für Dich sein." Du wolltest allein gehen?" erwiderte Hildegard schnell, o nein, ich komme mit, ich. fürchte den Schmutz nicht." Die Männer und Frauen waren scheu zurückgewichen, als Egon vor ihnen stand; Hildegard entqing nicht der haßerfüllte Blick. Sie fürchten sich doch nicht vor meinem Mann?" .fragte siemik .liebenswürdigem Lächeln den alten Kämmerer, der trotz seines kahlen Hauptes verlegen an seiner Mütze drehte. Nein, Frau Baronin, fürchten thun ivir uns nicht" er stockte. Der Oberi: 'ktor wa dazwischenzetreten. Ein wenig noch ließen sie sich nöthigen, dann traten sie alle heran an oen großen Tisch. . Da standen auf weißen Zetteln die ftamm aufgeschrieben, so qroß und so deutlich, daß es nicht schwer hielt, sich' zurecht zu smden. Die Kinder hatte Hildegard herangeführt. Sie naschten und sanken und spielten und schauten zegenfeitig alle die schönen Sachen an, die das Christkind beschert. Sie eilen zur Mutter, zum Vater. Manches Uuge glänzt. Ehrfürchtig sehen die Männer zu Hildegard auf. Thränen der Rührung rollen herab über runzlige Weibergesichter, und zufrieden gehen alle auseinander. Die Erinnerung an dieses erste Weihnachtsfest , im Schloß lebt lange noch fort' in dankbaren Herzen. ' Die Nachricht von Vurkhard lautet noch immer zuversichtlich. In vielen Feldpostkarten und manchen Briefen hat. er die verschiedensten Eindrücke wiehergegeben, die täglich ihn bestürmten. Die lange Ueberfahrt hat .er gut überstanden. Die Nachricht von Elses Verlobung mit Zeschau hat ihn nicht mehr überrascht, aber doch von Herzen erfreut. Dem Feinde hatte er einmal erst gegenübergestanden, und da -hatte fem Bataillon gegen große Uebermacht gesiegt ohne Verl.lstö. . Jetzt hat ihn fttpri lange die Hiobspost von Hildegards Verlobung erreicht und gespannt wartet man, wie er sie aufgenommen. Als Zeschau von anstrengendem Dienst ermüdet nach Hause zurückkehrte, fand er einen Brief von Burkhard vor. Hastig brach er das Siegel. Mei lieber Zeschau! Weß das Herz voll ist, deß geht der Mund, über! Ich wollte Dir viel erzählen, aber nun ist aller Stoff vergessen, wie mit mern Schlage. Wenn ich schon "manches härte Schicksal in meinem Leben würdig zu ertragen suchte, so glaube ich doch, Hildegards Verlobung, nicht überwinden zu, können. Du weißt, lieber Freund, meine Natur ist nicht elastisch. Eine' fatale Schwäche überkommt mich, die meine seelische Kraft zu brechen droht. Ich will es Dir gestehen, ich habe gekämpft, um mein eigenes Leben mir wieder abzuringen. Ich habe dem Feinde gegenübergestanden und ich habe mich gefreut, ihm die Brust zu bieten. Jetzt habe ich nichts anderes mehr zu hoffen, als: das Schicksal möge Erbarmen haben! Ich will Vertrauen haben zu dem Schicksal, aber, wenn es Dich 6c ruhigt. lieber Zeschau, eingreifen werde ich nicht, die Gedanken sind begraben!

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Doch wozu schreibe ich Dir das alles? Nur weil Du, Dich über Mangel an Vertrauen beklagst. Es hat daran nicht gesehlt; damit Du es glaubst, will ich Dir DeineFragen beantworten. so sehr mich daö martert. Der KernPunkt meiner Unterredung mit dem Vater zu Weihnachten war .seine ErÖffnung, daß er ein bedeutend größeres Vermögen besitzt, cls ich ahnte, und daß er mich pekuniär in die Lage setzen wollte, nach meiner Beförderung zum Hauptmann einen Hausstand aus eigenen Mitteln standesgemäß zu unterhalten. Deshalb war ich sroh gestimmt. Ich hatte mich ja gefürchtet, als Vetiler vor den Obersten zu treten, nun glaubte ich stolz den Kopf heben zu können. Und doch kam die Demüthigung! Du weißt, wie' schlecht ich mit dem Obersten stand, Du weißt, wie gering die Aussicht war, daß er mich als Schwiegersohn willkommen hieße; da wollte mein Vater in seiner Herzensgute die Vermittlerrolle übernehmen. Aber bevor er noch viel zu Worte gekommen, da hatte der Oberst ihn abgewiesen, .es sei nicht üblich. in seiner Familie, bürgerlich zu heirathen! Da' war es! Darauf war mein Scharfsinn nicht verfallen! Nun war ja alles klar! Ein großer Stolz, ein feines Zartgefühl gehörte wohl nicht weiter dazu, die Werbung einzustellen. Aufgegeben hätte ich sie nie! Eine Weile nur sollte Gras wachsen, ich wollte gehen, urn den Widerspruch des Obersten nicht noch mehr zu reizen. , Aber ich wollte wiederkommen, wenn Hildegards Liebe.die ich tausendfachstärker wähnte, als den Adelsstolz, mir erhalten bliebe. . Aber indem ich weiß, daß sie einem Anderen gehört,. da will ein Heer von Zweifeln mich bestürmen, da will's wie Schuppen mir von den Augen fallen, da will's mir scheinen, als wäre ich mit Blindheit geschlagen gewesen! Ich kann und will nicht zweifeln an Hildegards Liebe! Aber, um mich zu beruhigen, sage es mir, Zeschau, habe ich nicht doch falsch' gehandelt, hätte ich nicht deutlicher zu ihr reden sollen, als ich ging? Ist. es unmöglich, daß der Oberst ihr meine Werbung verschwiegen? Ist es unmöglich, daß ein liebebedürftiges Herz zu schwarz gesehen, sich vereinsamt glaubte und dann in falschem Stolz in unergründliche Finsterniß sich soweit verirrte? Eine Verlobung mit dem Bonin! Sage mir, ist es unmöglich, daß ich eine schwere Schuld sogar auf mich geladen habe? Aber auch, wenn's anders ist, schreibe mir. offen und sobald Du kannst. Ich will Gewißheit haben! Und nun fragst Du weiter, weshalb ich über die Unterredung, die zu Weihnachten zwischen dem Vater und mir stattfand, Schr-eigen bewahrte. Es geschah auf Wunsch des Vaters. ' Du solltest in Else nicht ein reichet Mädchen sehen. Jetzt habt Ihr Eure Probe längst bestanden, ich kann die Wahrheit schreiben! . Und das andere? Sei nicht böse, lieber Freund, es that so weh, das viele Reden und Denken! Aber ich gestehe Dir gern zu, es wäre besser gewesen. Da hast Du mein Vertrauen und nun lebe wohl! . Ich überlasse Dir, Else nach Deinem Ermessen Mittheilung zu mächen. An den Vater schrieb 'ich gestern selbst. Herzlich grüßt Dich Dein B u r k h a r d." L ' Den Weibnachtsaufenthalt inTrontheim hatte vas junge Paar dazu 'benutzt, die nothwendigen Besuche zu machen, die darauf auch im Tegencr Kreise abgestattet wurden. . . Kurz nach Neujahr war beim Regierungspräsidenten vonVeckhaus dieAristokratie von Stadt und Land zum Ball geladen. Der große Empfangssaal hatte sich bereits gefüllt, als FreiHerr von Bonin nebst Gemahlin eintraten. Der Regierungspräsident begrüßte das Paar mit großer Zuvorkommenheit. indem er Egons Verbeugung liebenswürdig erwiderte, Hildegard die Hand küßte und zu beiden gewandt mit verbindlicher Handbewegung sagte: Ich schätze mich glücklich, der erste zu sein, welcher das junge Paar hier empfangen darf!" Ich hoffe," ergänzte Frau von Beckhäus, indem sie Hildegard herzlich die Hand drückte. Sie haben den alten fireiv noch nicht vergessen, in dem Sie schmerzlich vermißt, wurden." ...Ich. habe, mich sehr, auf den heutigen Abend, gefreut, gnädige. Frau." In der schweren weißen Seidenrobe, die reich mit Silber bestickt, war, sah Hildegard entzückend aus. Sie war sofort in Anspruch, genommen. Alte Freundinnen, die Damen des Regi ments, die Offiziere kamen von allen Seiten und begrüßten sie mit großer Herzlichkeit.. Guten Tag, Frau Baronin, wie geht's Euch?" Hildegard erwiderte mit freundlichem Lächeln den Gruß des Vaters. Was gibt's Neues in Bodollen?" fragte dieser wieder. Seit WeihLachien nichts; wo ist Mama?" . - . . Tort, drüben mit , Frau Reinhard; sie erwartet Dich ungeduldig." Jetzt begrüßten sich auchdie Herren. Du wirst die Güte haben. Papa, mich noch einigen Damen und Herren vorzustellen. '. Ich bin noch vielfach unbekannt," bat ttgon. - Hildegard nahm seinen Arm. Erst suhre mich, bitte, zu Mama." Frau Reinhard war nicht von der Seite der Kommandeuse gewichen, nur um diese Begrüßung sich nicht entgehen zu lassen. Frau von Loewen war befangen, als

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, " . itt sie Hildegards Hand in der ihren hielt. Frau Reinhard empfing sie wortreich und stürmisch: Sie sehen bezaubernd aus, Frau Baronin, ja. ja. wie sollten Sie auch nicht strahlen! Ich habe schon von Ihrer Frau Mama gehört, ein feenhaftes Glück in Bodollen! Es muß herrlich dort sein!" .. Hildegard ließ ruhig den Wortschwall über sich ergehen; aber über ihr blasses Gesicht flog ein Schatten des Unwillens und lyre seosnren waren längst weitab, als die Brave noch immer auf sie eindrang: Käthchen hat sich schon tagelang gefreut, Sie wiederzuseyen;" ihre Augen flogen über den Saal: Sieh da, Herr von Schmiedens. er muß wieder einer der, ersten sein, der die alte Freundin begrüßt - Hildegard hatte' längst beobachtet, wie Zeschau sich mühevoll durchzwängte, um vor Schmiedens bei ihr zu sein. Gottlob, da trat Egon auf diesen'zu und nahm ihn in Beschlag. Ah, Herr von Zeschau!" rief sie mit gut gespielter Ueberraschung; sie wollte kalt erscheinen, sie konnte es nicht, ihr Herz wallte auf. Was würde sie erfahren und wie brannte sie auf jedes Wort von ihm! Sie streckte ihm die Hand weit entgegen, ihr Auge glänzte: Und Ihr Fräulein Braut?" Ist leider krank." Aber nicht ernstlich, Sie wären sonst nicht hier." . Gewiß nicht!" Hildegards , Antlitz verklärte . sich mehr. Das freie, offene Gesicht, die treuen blauen Augen, die auf ihr ruhten, berührte sie wohlthuend wie ein Trost in langem Leid. Dabei war Zeschau nicht einmal freundlich, ab und zu flackerte auch ein halb verlegener, halb unsicherer Zug in seinem Antlitz auf. Seine Worte klangen hastig: Darf ich so unbescheiden sein, um den Kotillon zu bitten?" In Hildegard bebte eine freudige Erregung. Unbescheiden, Herr von Zeschau? Mit wem sollte ich lieber die legten Abendstunden verplaudern, als mit einem alten Freunde?" . Sie lächelte, als sie ihm die Tanzkarte reichte, aber in ihrem Innern mahnte eine Stimme: Wozu die Qual erneuern, wozu die alten Wunden aufrühren? Ginge es ihm schlecht, so hätte sie es vom Vater erfahren. Was wollte sie weiter? Aber die warnende Stimme schwieg vor dem gewaltigen Zauber, der sie ganz befangen hielt. .Weshalb jauchzte ihr Herz in begehrlicher Lust, nur den Namen zu hören, den lieben Namen. Oder wollte sie doch mehr noch erfahren? Zeschau mischte sich wieder in die Gescllschaft; er hatte sein Vorhaben erreicht, er wollte, er mußte wissen, wie es um Hildegard stand, weshalb sie Vurkhard untreu geworden. 'Bald rauschten die Wogen des Tanzes. Hildegard flog aus einem Arm in den anderen. Wie wenig lag ihr daran! ...... Sie haben einen etwas alten TischHerrn," sagte Frau, von Veckhaus zu Hildegard, aber uns fehlt das Mittelalter heute, nur die alten Herrschaften sind außer der tanzenden Jugend da. Auch dürfen wir Ihren Gatten nicht eifersüchtig machen." Ein liebenswürdiges Lächeln und i: war verschwunden. Der alte Herr mit dem KronenOrden zweiter Klasse, der Hildegard zu Tische führte, war der Oberstaatsanwalt. Er 'war ihr recht langweilig. Aber sie war damit an der Honoratiorentafel in den unteren Räumen untergebracht, während die übrige, zum größten Theil jugendliche Gesellschaft hier oben an den kleinen Tischen Plätze zu belegen sich beeilte. Der Kavalier war sichtlich bemüht, semer schonen Dame die größten Delikatessen, die das Büffet aufzuweisen batte. zu besorgen. Aber er hatte Pech. Frau Baronin, ich muß Ihre Nachsicht erbitten," dabei blickte er fast vorwurfsvoll durch die scharfen Brillengläser über die Tafel, ich war der erste an der Hummerschüssel, nahm die zugehörigen Löffel und Gabel in die Hand. Da waren aber flinkere Herren, weniger umständlich als ich, mit den Händen griffen sie von allen Seiten zu, rissen mir sogar die eine Scheere fort, die ich krampfhaft zwischen Löffel und Gabel festzuhalten versuchte, und ich stand vor der leeren Schüsse!." Aber der böse Zug aus dem dürren, bartlosen Gesicht war gewichen, als er fortfuhr: Ich habe mich gerächt, indem ich diese kleinen Kaviarmuscheln, mit denen die Fasanenschllssel garnirt war, als Entrce für Sie wählte." Herzlich lachend stellte Hildegard die dargereichten, zierlich arrangirtenDelikateizen vor sich hin. Sie sind sehr gütig. Herr Oberstaatsanwalt, aber hoffentlich haben Sie sich nicht selbst vergessen." . Es war eine unnöthige Besorgniß; ein Blick cmf den wahrlich nicht knapp bedeckten Teller des Tischherrn bewies eS. Hildegard bemühte sich zu essen, aber die Kehle war ihr wie zuqeschnürt,jeder Bissen wollte ihr im Halse stecken bleiben. Dagegen trank sie eifrig in den langen Pausen, die in der Unterhaltung eintraten. Sie liebte diesen Vix Vara" und der Oberstaatsanwalt goß ihr fleißig ein. .Es war doch 'schöner da oben gewesen, vor zwei Jahren, als sie mit tiefinnerem hellen Juel an Burkhärds Seite saß. Und vor ihrer Seele stand wieder dieser heißgeliebte Mann; sie sah seine feurigen' Augen, den warmen innigen Blick, den sie heute noch in tiefstem Herzen verborgen hielt, heute und

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j Das beste Heilmittel in der Welt, In 25 und 50 immer unv ewig, 'und wo war er, weit, weit, vielleicht ..... Dein Wohl, Frau Baronin." . Es war ihr Vater, der die heißen Gedanken unterbrach und mit gefülltem Glas hinter ihren: Stuhle stand. Sie stieß mit ihm an; ihre Augen glänzten noch hell, und die blasse Farbe ihre? Wangen deckte ein leichtes Roth. Du siebst vergnügt aus, das ist brav. Wo ist Dein Gatte?" (Fortsetzung folgt.) Wie man aus dem Gcsängnisz cnt P kommt. Paris ist in Aufregung wrgcu der Flucht cines Gefangenen, die allerdings verblüffend ist durch die Einfachheit. mit der sie vor sich ging. Der am 2. Oktober wegen Diebstahls, Betrugs, Unterschlagungen und anderer Delikte verhaftete Finanzmann Voulaine wurde am Dienstag in einer Droschke aus der Prison de la Sant6" zu drei Untersuchungs - Nichtern im Jusiiz-Pa-last geführt, und sollte nun auf demselben Wegl) wieder zurückkehren. An der Thüre des Zimmers des Untersuchungsrichters fand Voulaine die seiner harrenden beiden Beamten, und sagte mit ?usried?n Mieie: . Endlick werde ich in Freiheit gesetzt! Man kann mich nicht im Gefängniß behalten, da man weiß, daß ich nichts getban habe. Morgen werde ich draußen sein! Die Veamten riefen vor dem Thore des Ju-stiz-Palostes einen Fiaker an; als sie sich ihm wieder zuwandten, war ihr Gefangener spurlos verschwunden . . . Jedenfalls kann man. schreibt dazu ein pariser Blatt, aus dieser Thatsache wieder einmal den Einfluß des Fortschritts in der Kunst zu entwischen ersehen. Es giebt zwei Verfahren, ein altes barbarisches und ein neues raff:niertcs. Das alte System bestand darin, eine feine Stahlseile in einem Strohhalm des Kerkers zu verbergen und jede Nacht geduldig die Eisenstäbe am Fenster zu durchfeilen, dann, wenn diese nachgaben, in einer sehr dunklen Nacht mit zerschnittenen Laken, deren Streifen . man verband, sich an der Mauer herabzulassen. Im Aahre 1887 konnte ein Gefangener m La Roquette ein Loch in die Mauer seiner Zelle machen und sich mit seinem zerschnittencn Laken hinablassen, aber unterwcgs wurde er aufgehalten. Geschickte? war ein Soldat der Kommune, der im Mai 1871 in einem Zellenwagen befördert wurde, unterwegs ein Loch in den Boden machte und sich zwischen den Rädern hindurchgleiten ließ. Er erhob sich, als der Wagen vorbei war. und ging ruhig seiner Wege. , Das moderne Verfahren verwirft das Rasiermesser, die Strickleiter, das Laken, die Feile und jede Gewalt. Schon unter der Restauration tauschte M. de Lavalette mit seiner Frau hinter einem Schirm die Kleider aus und ging als Frau gekleidet, mit einem Taschentuch vor den Augen schluchzend hinaus. Arme Frau!" sagten die Wächter, die kurz darauf feststellten, daß ihr Gefdngcner eine Fraü war. Dieser befand sich inzwischen an einem sicheren Zufluchtsort, im Ministerium des Aeutzeren! Napoleon der Dritte entkam als Maurer gekleidet aus Ham, mit einem Brctt auf . der Schulter, neben der Schildwache. Er hatte, den Kittel eines im' Schlosse arbeitenden Maurers Nahens Badinguet genommen, und diesen Beinamen gaben ihm auch die Republikner später. Ferner sind die Flucht Garibaldi's von Caprera, die Röchesorts von Neu - Kaledonien und vi?le andere dieser Art zu erwähnen. Das Meisterstück hat aber vor etwa zehn Jahren Altmayer geleistet, der dk' Handschrift seines Untersuchungsrichters nachmachte und an den Direktor von Mazas schrieb: Geben Sie bitte sogleich, ohne die Haftentlassung abzuwarten, den in Mazas seit dem 23. Oktober Znhaftirtcn Altmayer frei." Im Zimmer des Untersuchungsrichters. fast unter seinen Augen, gelang es Altmaycr, das Siegel des Richters auf den Brief und den Umschlag zu sehen; und beim Herausgehen übergab er den Brief dem Diener, der ifin auch beförderte, als er ds Sienef Tafi. . . . 3 m Orient wird Jeder, der einen Panther tödtet, zuerst als Strafe 24 Stunden eingesperrt, dann aber mit einer Velohn'. bedacht. Eine'ver merkwürdigsten Straßen der Welt ist eine solche in Konton, China, die ausschließlich von Apothekern und Zahnärzten bewohnt ist. Glanzpapier bildet durchgehends ein Dach darüber, und sie enthält mehr Firmenschilder, Karten Und ausgehängte Preisverzeichnisse als irqend eine andere Straße fcuf der Erde.

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Schmerzen, wie Etablirt seit 50 Jahren. tttnll Größe Feuer - Signale. 4 Pnmsylv und Market 5 English's Opn-HauS 6 East und New Fork 7 Noble und Mich'lga S N. Jnjey u. Mass Ade Pine und NorU) 10 Vavket und Pine 11 Vermont nah Eaft 12 Nz. S Cxritzcnhauk Maff.Lve nahe Noble 13 Delware und Walnut 1t R. Jersey u Eentral A. 15 Mass. und ornell Ab 18 Ash und 11. C trabe 17 Park ve und 12 Str .3 Columbia undHillsid 19 Highland Ave u.Pratt kl JllinoiS und Ct. Joe 23 Pennsylv. und Pratt 2 vlendian und II. Str LS No. 6 Spritzenhaus 15. nahe JllinoiZ . , . 26 Senate Ave u. StLlair 27 Illinois und Zkichigan 28 Peesylvania und lt. 29 Senate Ave. und 1Z. ZI No. 1 Spritzenhaus JndAvenaheNichigan 32 Meridian und Walnut 34 California u Vermont . ss Blake und New Z)ork . 35 Ind. Slv. u. Ct. Slair 37 City Hospital 3S Blake vnd Norty 3S Michigan und LgneS tl No. 6 Spritzenhaus Washington nahe West 2 Sscndorf u Wash. -43 Missouri u New Fort 45 Meridian u Wash 46 JllmoiS und Ohis 47 Capitol Sv. u Wash 48 Kingan'e PorkhauS 49 Straßenbahn Stille W. Washington Str 11 No. 10 Spritzenhaus Illinois u Merrill 52 Illinois u Louisiana 53 West und South. 54 West und McCarty ee emte Zlve.u Henry 57 Meridian und Rsv 5 No. 4 Spritzenhaus Madison Av. u Mor-.iZ 59 Madison Av'.u Dunlop ei No S Hakcn LeiterhauS South nahe Delaware 52 Penn, u Merrill KZ Delaware u. McCarttz 4 Last und McEartY 65 New Jersey .MariN 67 Birg. Av. u Bradshaw es East und Prospekt 69 Bicking und High 71 No. II Epritzcnhau ir Ave. nahe Huron 72 East und Seorgia 73 Crdar und Elm 74 Davidson u Seorgia 75 Cnglish Av. u Pine 76 Chclby und BateS 7? No. 3 Spritzenhaus . Prospekt nahe Chelby 7S Fletchcr Av. u Ehelby I Market u. New Jersey 82 Delaware und Wash. L3 Cast u Washington 84 New York .Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 Vcr. Staaten Arsenal 87 Oriental und Wash. 89 Frauen-Rcformat. . 91 No. 13 Spritzenhaus Marvland nahe Mer. 92 Meridian u. Jargia. 93 Meridian und South 94 Pennsyl u. Louisiana 95 Birgini? Ave u. 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Marylant. 413 Missouri und Ohi 415 Capital Ave u Sccrgia 416 Missouri KcntuckvA. 417 Senate Ave u. Wash. 421 P und E RundhauS W. Washington. 423 Jrren-Hospital. 424 MileyAveu.JOuL 425 Wash. und Harr,6 426 Nc. 18 CpritzenlMl 23. Washington 427 Oliver und Birch 423 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Fort 431 Hadlcy Ave u. MorrtS 422 River Ave u. ,MsrriS 4ji Sttver Ave und' Stay 425 Harding u. Big 4 R Si 436 Harding und Olivez 437 No. 19 Spritzenhix , MorriS und Hardina, 438 Hewacd und WWams 439 etoOflßH 451 Reisn und Miller 452 Howard und Lee 453 MorriS und Kaps 456 Lambert und BeKsn 457 Nordhle Ave u. acx moa Works 512 West ud Skay 513 AenwcAve u.I!ariZ 514 Meridian und MorriS bis JllinoiS und ansaS 517 MorriS und Dakota 518 MorriS und Church , 519 Capital S. u McCarty 521 Meridian und Palm 123 Pine und Lord 524 Madison Ade u Lincoln 2 Meridian und Bclt RA 527 Carlo Und Ray 528 Meridian und Arizonq 529 Meridian u. Raymond 531 Meridian u. McSaNY 522 No. 17 Spritzenhaus MorriS nahe West 612 Mcernanund Dcugh, 613 East u. Lincoln Ln 14 East und Beecher 515 Wright und Sander 617 McCarty und Beaty 618 New Jersey u L Ave 712 Cxruce und Prosxnt 71S English Ave. u. Laurel 714 Etat Av tt. Belt 3 3t 715 $clty und Bccchcr 716 State ve unb Orana 718 Orange und Laurrl 7tt Chelby .CtaaeAvt 71 LeringtonA. Lau? 723 Fletchcr Aveu. Cpract 724 State Ave . Pleasant 725 Prospekt und "leasari 726 Orange und Harla? 728 Liberty und Wcek ' 729 yivllz nd South 812 No. 15 Spritzenhaus . Ost Washington Str. 813 Market und Noble '4 Ohio u. High land Ave 815 Michigan u. Htghland 816 Market Arsenal Av, 817 Ost e. Clair und Union Bahn Geleise.' 821 Pan Handle Ehcp? 823 Vermont und WaK,tt 824 Wash. und Etat Ave 825 Maddm'Skonnge Fak 26 Duck und Dorsey 827 Wash. und eville Ave 829 N0.12 Spntzmhau, eville nah ZZeichig, 831 Coutheastmt Zxtmb Woodside. 83t Wash. nd Tearbon, 834 Coxlhkasterll Arsenal TtveS. 855 New Dork lad Tempi 912 Jllinoii und Vary!. tlm SHinoii und Startet. 914 Senn nd 2B fii52selattart nnd Spezial Signale. Ersten 2 Schlag, zweiter larm, Aweitm t Schlage, dritter Star, ' Dritten 2 Schläge, vierter Alarm. . , 1-2-1, Feüet aus und Schlauch ufgeroll. - 2 Schläge, kSasserdruck ab. l 12 Schlage. U.Uhr Mittags. Die Zo bezeichnet Signale werden u? vom rhurm to&cht angegeben da an den betreffende Straße? kreuzung Ktne AlarmLlften angebracht find.

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