Indiana Tribüne, Volume 26, Number 63, Indianapolis, Marion County, 4 November 1902 — Page 7

Jndiana Tribune,

4. November 1002

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Verschlungene T l Honian von (Carola von Eynatten. (Fortsetzung.) 23. K a p i t e t. Hurrah! Harrah! Der Onkel ist wieder auf!" Mit dieft lärmenden Jubelruf stürmten Walter und Rudi in das Merrcldt'sch: Wohnzimmer im StegenHof, in welchem der Kommerzienrath zum ersten Mal seit seinem Unfall erschienen war, und wo er nun saß. Die greifte der Buben war so groß, daß Fräulein Qlivia genug zu thun hatte, um sie von einem kühnen Sprung auf des Onkels Knie zurückzuhalten. - Weißt. waZ Du bist eine böse Tante bist!" rief Rudi, der vergebens versuchte, sich aus den ihn umfangenden Armen der jungen Dame loszuwinden. Sie sollen sich in die andere Sophaecke setzen dürfen, wenn sie versprechen, sich hübsch ruhig zu halten," sagte Herr Merveldt, den Knaben zunickend. Walter legte das geforderte Versprechen bereitwillig ab und kletterte mit großer Vorsicht auf das Sopha, sich in die ihm zugewiesene Ecke kauernd. m Und Du, Rudi, bitte die Tante' daß sie Dich neben Dein Brüderchen setzt." Ich mag nicht hinauf, ich kann doch nicht stille sitzen. Du, Onkel, mein Veinchen ist doch schon längst wieder heil, warum bist Du noch nicht gesund?" fragte der Jür.gling. Weil ich bei dem Sturze mehr abgekriegt habe als Du. und auch, weil bei älteren Leuten nichts so rasch heilt wie bei Euch. In fünf bis sechs 2a gen wird sich's wohl wieder machen," sagte der Kommerzienrath. Oh, fünf bis sechs Tage noch können wir nicht nach Deiner Fabrik? Oh und ich möchte doch so gerne hören, wie die großen Räder schnurren und wie die Maschinen so arg hu hu machen! Gelt, sie machen es gerade so wie die Lokomotive?" Wenn Euch so viel daran gelegen ist, könnte ja die Tante mit Euch hinüberfahren " O nein, o nein, mit ihr wollen wir nicht!" Na, Olivia, Du kannst Dir was einbilden auf Deinen Erfolg bei diese:, jungen Herren!" rief der Kommerzienrath lachend. Die junge Dame zuckte die Achseln. Wer ihnen nicht schmeichelt und ihre Unarten hingehen läßt, steht natürlich nicht in Gnaden. Es sind ganz unge,zogene, unleidliche Vengel, und ich beyreife Frau Bothmer nicht, sie verzieht sie in Grund und Boden," rief sie ungeduldig. Tante Olivia." begann Walter sehr nachdenklich, warum nennst Du meine Mama Frau Bothmer, sie" Onkel, soll ich Dir von der Prinzessin im .Silberkleid erzählen?" fiel Rudi ein. Freilich sollst Du; hole Dir dort den Schemel und setze Dich hierher." Und nun begann Rudi in seiner kindlichen Weise zu erzählen. Aus einmal aber sagte Walter, während er des Kommerzienraths Gesicht zärtlich streichelte, seinen Bruder unterbrechend: Onkel, möchtest Du denn gar ncht unser Großpapa sein, wenn wirDich recht, aber ?echt schön bitten?" Ei, warum denn nicht?" lachte Merveldt. Hurra! hurra!" erscholl es gleichzeijig aus beiden Kehlchen. Walter schoß wie eine Kugel vom Sopha herunter, um sich schleunigst dem davontrippelnden Brüderchen anzuschließen. Wohin. Ihr Buben?" rief ihnen der Kommerzienrath nach. Wir wollen nur schnell mal erzählen, daß wir einen anderen Großpapa haben," lautete die Erwiderung. Olivia eilte den Ffüchtlingen nach, um sie wieder .einzufangen. An der Schwelle aber kam ihr eine Magd mit der Mcldunq entaeaen, Herr Doktor Rheder wünsche den Herrschaften seine Aufwartung, zu macven. Mama! Nana!" hörte man draufan das Brüderpaar schreien. Gehe hinunter, Olivia, ich mag mich so nicht zeigen," sagte Herr Merveldt. Unter einer Viertelstunde komme ich aber nicht wieder herauf, und was willst Du so lange allein anfangen?" Ich kann ja lesen, und dann werden die Buben wiederkommen, oder ich lasse Frau Bothmer bitten, mir ein Weilchen Gesellschaft zu leisten' Ja, Papa, das ist das Richtige; ich will ji? im Vorbeigehen bitten, herüberzukommen." sagte Olivia, die mit Vergnügen jede Gelegenheit ergriff, Vater und Schwägerin zusammenzuführen. Jetzt noch nicht, mein Kind; ich brauche ja nur dem Mädchen zu schellen, wenn es mir langweilig wird." Nach Olivias Weggange, wurde es still im Zimmer. Der Kommerzienrath blätterte in einem auf dem Tische liegenden Buche, aber ohne darin zu lesen, und von Zeit zu Zeit horchte er hinaus, ob noch immer keine Kinderstimmen laut würden, denn er zweifelte nicht daran, daß die Buben baldigst wiederkehren würden. In dieser Erwartung sollte er sich auch nicht getäuscht sehen, denn sein Alleinsein hatte kaum zehn Minuten gedauert, als die beiden Brüder Hand in Hand hereinspazierten. Sie kamen

aber -merkwürdig still und mit verdutz-! ten Gesichtern. Na. was hat's gegeben, seid Ihr ausgezankt worden?" fragte der Kommerzienrath. Ne," erwiderte Walter kopfschüttelnd. Aber Lob habt Ihr wohl auch nicht geerntet?" Ne." ließ sich Rudi jetzt vernehmen, doch nur, um alsbald wieder zu verstummen. Diese unnatürliche Wortkargheit war dem Fabrikanten aber doch zu arg, und beinahe besorgt forschte erweiter: Was hat's also gegeben, hat die Mama gar nichts gesagt zu Eurer Neuigkeit?" Ne. Aber geweint hat sie," entgegnete Walter nachdenklich. Ja, das hat sie gethan, und ich möchte doch gar zu gern wissen, warum sie es gethan hat. Weißt Du's. Onkel?" fragte Rudi, dessen Redelust wieder erwachte. Das mußt Du die Mama fragen, mein Bub, ich kann's nicht wissen. Es wird Zufall gewesen sein." Der Kleine aab sich aber noch immer

nicht zufrieden, und sagte, sein Lockenköpfchen schüttelnd: 's ist doch waS zum Freuen und nichts zum Weinen! Du, Walter, die Mama hat doch auch zur Nana was gesagt, qelt?" Ja. .Was denkst Du davon?' hat sie gesagt." Ho, richtig, so war's! Und dann hat die Nana wieder gesagt: ,Er soll sich was schämen, der alte Eigensinn!' gelt, das hcit sie gesagt?" Walter nickte, mit wichtiger Miene hinzusetzend: Und noch mehr hat sie gesaat-..Gott verzeih's ihm, wenn er's nicht UjUÜ' " ' Die Knirpse plauderten lustig weiter, bald von diesem, bald von jenem, der Herr Kommerzienrath war aber lange kein so aufmerksamer Zuhörer wie sonst, und verhielt sich auch schweigsamer. als seine Gewohnheit war, bis er endlich Walter zu sich rief und ihn auf das Sopha steigen hieß. Sage mir, ob Du wirklich Walter Merveldt heißt, wie Du mir vor etlichen Tagen erzähltest?" fragte der Kommerzienrath voll Spannung. Na freilich, da brauche ich mich doch nicht erst lange zu besinnen! Wie. soll ich denn heißen?" versetzte das Bürschlein mit weitaufgerissenen Augen. Der Komerzienrath gab keine Antwort, nachdenklich schaute er vor sich nieder, warf ab und zu einen Blick auf das Brüderpaar, und dabei nahmen seine Gesichtszüge einen' Ausdruck sieigender Erregung an. Und Eure Mama heißt Adelheid, Euer Papa Botho?" Die Buben schauten den Großvater beinahe starr an vor Ueberraschung, dann rief der eine um den anderen: Woher weißt Du es denn. Onkel?" Von Eurer Mama." Hat sie Dir auch gesagt, daß der junge Onkel Karl heißt und Bilder machen kann? O. alles, was es gibt, kann er machen, neulich hat er uns einen ganzen großen Bilderbogen gemacht so groß!" und die Aermchen spannten sich so weit als möglich von einander. Und die Tante Olivia hat er auch gemacht, aber nur getuscht hu, die ist schön, und man sicht'S gleich, daß sie 's ist!" plauderte Walter voll Begeiperuna. uno varum wiro i,te lym auch einen Kuß gegeben haben." meinte Rudi. Nun kam die Reihe des Starrseins an den Herrn Kommerzienrath. Er saß unbeweglich, lautlos. Endlich fragte er gedehnt: Einen Kuß hat sie ihm gegeben?" Ne, nicht einen zwei, drei, vier oder gar fünf 's waren so viele, ich habe 'gar nimmer zählen können! Und was für welche!" berichtete Walter. Merveldt konnte sich noch immer nicht zurechtfinden. Die Entdeckung, die r soeben mit Hilfe seiner hoffnungsvollen Enkelsöhne gemacht, hätte er nie und nimmer für möglich gehalten. Olivia, der er jeden Wunsch erfüllte, für die ihm nichts zu kostbar war, unterhielt ein geheimes Liebesverhältniß mit Karl Rochitz! Wäret Ihr denn dabei, als die Tante den Onkel geküßt hat?" wandte er sich ln seinen Zweifeln an Walter. Ja. Eigentlich, weißt Du, Onkel. wir hockten, wie wir gerne thun, hinter dem großen Ofenschirm und weil Tante Olivia uns immer fortschickt, wenn sie kommt, so haben wir uns platt auf den Boden gelegt," gestand Walter nicht ohne Schuldbewußtsem. Der Kommerzienrath athmete wieder freier. Dann könnt Ihr auch von den Küssen nichts wissen. Oh doch, wir haben sie ja gesehen! versicherte der Knirps mit dem Ausdruck des lebhaftesten Vergnügens. Durch den Schirm hinVu.'ch ?" Ne! Weißt, wir haben unten ein ganz kleines bischen hmdurchgeguckt!" lö ste Rudi das Räthsel. Ihr seid zwei kleine Taugenichtse, wißt Ihr das!" rief der Kommerzienrath mit einer Heftigkeit, die in Wahr httt aber nicht den Kindern, sondern Fräulein Olivia galt. Ne, Onkel, das sind wir nicht!' lachten die Schelme. Wieder ward es still, und der Groß vater sah so finster aus, daß den Buben unheimlich ward und sie einander bange Blicke zuwarfen. Endlich schlich sich Rudi dichl an ihn heran und fragte mit leiser Stimme: Warum bist Du auf einmal so böse, Onkel, wir haben doch so viel Spaß gehabt?" Merveldt fuhr in die Höhe, bemüht, eine freundliche , Miene anzunehmen. Ich bm mcht bose, Kmder, und w:r werden noch mehr Svan taten.

Hurrah! Fang doch mal gleich

anr Erst will ich Euch etwas fragen. Walter soll auch herkommen. Sagt mal, Buben aber sagt die volle Wahrheit " begann er. sie fest anschauend. wen baöt Ihr lieber, den Onkel Karl oder mich?" Ueber die beiden Kinderaesichtchen flog es wie Heller Sonnenschein und in einem Hm saßen die Buben auf des laut aufstöhnenden Großvater Knieen, die Aermchen ungestüm um seinen Hals schlingend. Dich! Dich haben wir l:eber! Oh oh viel, viel lieber haben wir Dich!" klang es jubelnd an fein Ohr. So unbehaglich sich der Kommerziellrath auch unter dieserDoppellast fühlte. er ertrug sie doch geduldig, wies die wilden Liebkosungen Nicht zurück, sondern drückte das Brüderpaar zärtlich an sich. Fraulcin Olivia kehrte jetzt zurück, Rheders Grüße an den Patienten und seine besten Wünsche für baldige Genesung bestellend. Wenn es ihm möglich sei. wurde er des folgenden Tages w:ederkcmmcn. Und wie steht's mit Schmieder, hat er nichts erzählt?" fragte Herr Merveldt. Es ist noch alles beim alten, der Gefangen? beharri bei seinen Angaben, und die angestellten Erhebungen haben noch keinerlei Schuldbeweise zu Tage gefördert." Das ist höchst bedauerlich, denn geht der Kerl Mangels an Beweisen straflos aus, so ist das für hundert andere Taugenichtse sehr ermuthigend. und schließlich ist Niemand mehr seines Lebens und seiner Habe sicher." Und Ihr," wandte sich die zunge Dame an die Kinder, wart Ihr auch artig und habt den Onkel nicht allzusehr geplagt?" Gar kein bischen geplagt haben wir ihn, nur Spaß gemacht; kannst ihn fragen," erklärte Rudi stolz. Muß es bestätigen; wir haben uns prächtig unterhalten und sogar sehr merkwürdige Entdeckungen gemacht." erwiderte der Kommerzienrath mit seltsamem Lächeln. Jetzt möchte ich aber ein wenig ausruhen." So kommt, Kinder, wir wollen in die Gaststube hinunter zu Mama," sagte Olivia. Als sie gegangen waren, schüttelte der Kommerzienrath den Kopf. Zwischen seine Augen legte sich eine tiefe Falte, sein Gesicht nahm einen beinahe schmerzlichen Ausdruck an. Wie unschuldig Olivia aussah, wie treu sie ihn anschaute, gerade als ob nicht die kleinste Sünde ihr Gewissen beschwerte, und das war alles Verstellung, Heuchelei! Daß sie sich mit Bruder und Schwägcrin gegen ihn verschworen, daß sie diese und ihre Kinder unter falschem Namen hierhergebracht und das hatte sie gethan, wahrscheinlich, um ihn mit ihnen bekannt zu machen das war noch verzeihlich und er hätte es verziehen um 'der Buben willen, die beinahe von der ersten Stunde an eine so lebhafte Zuneigung zu ihm gefaßt, und die auch ganz geeignet schienen, ihn den Acrgcr vergessen zu machen, den ihr Vater ihm bereitet hatte. Aber den Karl Rochitz sollte er dem ebenfalls verzeihen? Das konnte das Mädel doch nickt erwarten, wenn er aeaen den jungen Künstler persönlich auch keinen Groll hegte. Wenn er ihm aber nicht verzieh? Das war sehr einfach, dann machte es Olivia sckließlich um kein Haar anders, als ihr Bruder es gemacht hatte! Sie besaß durchaus keine Anlag: zur Rolle einer stillen Dulderin, und da sie in Jahresfrist volljährig ward und damit das freie Verfügungsrecht über ihr mütterliches' Erbe erhielt, lag die Sache sehr bequem. Es war eine tolle Geschichte, das sah der bedauernswcrthe Kommerzienrath immer deutlicher ein, je länger er nachdachte. Den Enkelchen zuliebe Sohn und Schwiegertochter in Gnaden aufzunehmen, dazu war er schon seit gestern entschlossen aber den Maler auch noch ? Und doch war es, streng genommen, nur logisch, wenn er es that Donnerwetter, das ist doch eine harte Nuß. die Dir das Schicksal zu knacken gibt!" brummte er vor sich hin. Und es half nicht einmal, wenn er sie knackte, sofern der alte Narr von einem Baron, nicht mitknackcn wollte! Daß man es mit ihm zu thun bekam, war das Schlimmsie von Allem! Es nochte ja sein, wie Olivia behauptete, vielleicht hatte er wirklich zu sehr von der Leber weg mit dem Alten geredet, die Sache zu kaufmännisch behandelt, ein Narr war und blieb Jener aber trotzdem, darüber konnte kein Zweifel bestehen. 24. Kapitel. Gertrud Rheder lag auf dem Sopha ihres Wohnzimmers, das Gesicht in die Kissen gedrückt, in die sie bitterlich hineinschluchzie. Auf dem nebenstehenden Tische aber lag ein offener Brief, der die Schriftzüge ihrer Mutter trug. Er brachte ihr die Nachricht, daß die Gräfin im Begriffe fei, nach Rom abzureisen, wo sie den Winter zuzubringen gedächte, und auch ihr schristliches Lebewohl. War diese gänzlich unerwartete Kunde für Gertrud schon in hohem Grade schmerzlich und aufregend geWesen, so, war es der Schluß des Schreibens noch weit mehr, denn hier hieß es: Mit meinen Abschiedsgrüßen will ich Dir auch noch eine Warnung zugehen lassen. Meine Ahnungen in Bezug auf Rheders Freundfchaftsschwärmerei scheinen mich nämlich nicht betrogen zu haben. Durch

me Walvyeimer 'irtyicyaslerin vaöe

ich erfahren, daß er seit Kurzem beinahe taglich im Stcgenhofe verkehrt und dort mit einer sehr hübschen junaen Frau oft stundenlang beisammen sitzt, auch in ihren Zimmern aufsucht. Diese Person nennt sich Frau Bothmer. ist Mutter zweier kleiner Knaben, bewohnt drei der besten Zimmer und 'lebt sehr fein. Ihren Mann, der sich angeblich in der Residenz aufhalten soll, wo auch sie für gewöhnlich lebt, fyii noch kein Mensch gesehen, er hat sie kein einziges Mal besucht, obgleich sie schon an sünf Wochen im Stegenhofe wohnt! Barbara hat die saubere Geschichte von einer der Wirthsmägde. Sei klug und bemühe Dich, Deinen Mann auf der That zu ertappen; gelingt es Dir, so ist er vollständig in Deine Gewalt gegeben. Ist Dir aber unter diesen Umständen das Zusammenleben mit ihm unerträglich, so folge mir nach Rom. Du sollst mit offenen Armen dort von mir aufgenommen werden." Die arme Gertrud batte diese verhängnißvolle Stelle nochmals Wort für Wort gelesen, jetzt ließ sie den Brief in ihren Schooß sinken und schaute starr vor sich hin. Darum also lehnte Hans stets ihre regelmäßig angebotene Begleitung ab, wenn er sich nach dem Stegenhcf begab, angeblich, um den leidenden Kommerzienrath Merveldt zu besuchen? Die tollsten Pläne durchwirbelten Gertruds Hirn; sie dachte an sofortige Flucht, sogar an den Tod. Daß sie sich von früher Jugend an in der schweren Kunst der Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung hatte üben müijen, kam ihr aber auch jetzt wieder zu Gute. Sowie der erste Sturm nur ein wenig vertost hatte, schwanden auch die Pläne der Verzweiflunz. und sie sagte sich, daß ihr jedes Recht mangle, ihrem Mann Vorwürfe zu machen, sich zu beklagen, denn er hatte ihr nur Freundschaft angeboten. Es war allerdings überflüssig gewesen, daß er hinzugesetzt, er liebe sie, liebe sie schon seit seinen Knabenjahren, doch ein Verbrechen war es nicht. 'Die Schuld lag an ihr; sie hätte seinem Beispiele folgen, sich besser überwachen und keinen Empfindungen Raum geben sollen,",die Niemand von ihr verlangie oder nur erwartete! Ja, die Mutter hatte recht; sie mußte mit eigenen Augen sehen; nicht, um Hans in ihre Gewalt zu bekommen, sondern, um sich ruhig mit ihm auseinanderzusctzcn, mit ihm zu überlegen, wie ihr künftiges Leben einzurichten fei. Und verlangte er es. so mußte sie auch fernerhin an seiner Seite ausharren. sollte sich selbst alles genau so verhalten, wie die Mutter glaubte. Erwiesen war ja eigentlich noch nichts, und den Aussagen einer Wirthsmagd, die man nicht einmal kannte, unbedingten Glauben beizumesscn, erschien auch nicht räthlich. Nach kurzem Ueberlegen barg fcl: junge Frau den Unglücksbrief in ihrem Kleide und stand auf. Ihr Entschluß war gefaßt. Hans war auch an diesem Nachmittag wieder nach dem Stegenhof gegangen, sie wollte nun ebenfalls hin. Im Lesezimmer des Stegenhofes, dem gewöhnlichen Versammlungsorte der Pensionsgäste an sommerlichen Regentagen, saßen Adelheid und Olivia Merveldt. Karl Rochitz und Rbeder in lebhafter Unterhaltung beisammen. In den Mienen der Damen spiegelten sich Bestürzung und Sorge, der Baron sah sehr ernst aus. Wilprecht hatte ihnen mitgetheilt, daß er soeden von dem Kommerzienrath den Auftrag erhalten habe, ihn zum aljen Baron Rochitz am nächsten Morgen zu fahren. Jedenfalls will ich mich morgen in der Nähe halten, damit ich zur Hand lin, sollte ein allzu heftiger Zusammenstoß drohen." sagte der junge Maler. Nicht doch. Karl, es ist besser, den Dingen ihren Lauf zu lassen; wer Papa nicht genau kennt und ihn nicht zu nehmen weiß, würde mehr verdcrben, als nützen." Jedenfalls dürfte Besonderes vorgegangen sein, wovon Sie nichts ahnen; der ' Herr Kommerzienrath ist der Wahrheit wahrscheinlich auf der Spur, vielleicht sogar mehr als das," bemerkte der Doktor. Das ist auch meine Meinung." nickte Rochitz. Wer weiß, ob er Adelheid nicht doch wiedererkannt hat. wenn er es sich auch nicht merken läßt!" Olivia schüttelte jedoch den Kopf. Nein." sagte sie. von einem Erkennen ist keine Rede, in diesem Punkte bin ich meiner Sache gewiß. Wahrscheinlich, viel wahrscheinlicher , ist mir, daß die Buben zu Verräthern geworden, denn auch ich bin überzeugt, daß Papa, bereits weiß, wer sie sind und wie sie heißen!" Wie wäre es, wenn wir mit den beiden kleinen Herren ein Verhör anstellten?" schlug Rheder vor. Sie haben recht, Doktor, ich will sie holen.", stimmte Frau Adelheid bei. Frau Merveldt trat bald wieder herein. und hinter ihr trippelten die Vrüder, wie gewöhnlich Hand in Hand. Walter! Rudi! Hierher, zu mir kommen!" gebot Olivia scharf. Die Buben schauten einander an. und in den Blicken, die sie sich zuwarfen, stand deutlich die Frage zu lesen: Was gibt's nun wieder?" Sie gehorchten schweigend, stellten sich vor der Tante wie kleine Soldaten auf, die Gesichtchen sahen aber eher trotzig als freundlich aus. Habt Ihr dem Onkel gesagt, wie Ihr heißt?" fragte sie heftig. - Welchem Onkel?"

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Daö beste Heilmittel in der Welt. In 25 und 50 Dumme Frage!" Die Buben blieben stumm, und in ihren Gesichtchcn drückte sich wachsender Trotz aus. , Wollt Ihr wohl antworten?" herrschte Olivia sie an, die im Umgange mit Kindern überhaupt wenig Geduld besaß und in ihrer augenblicklichen Aufregung noch weit weniger als sonst. Wie können wir denn, wenn wir gar nicht wissen, ob Du den jungen oder den alten Onkel meinst?" rief Walter, schon halb schluchzend. Hierher Bengel, ich will Dich Manier lehren!" und pitsch patsch brannte auf jeder seiner Backen eine schallende Ohrfeige. Durch dieses Ungestüm verdarb es Olivia aber ganz und gar. Wie auf Kommando brachen beide Buben in gellendes Geschrei aus, und Rudi schrie noch ärger als der Gemaßregelte selber. Augenblicklich seid Ihr still, oder ich setze Euch vor die Hausthüre hinaus. und dann könnt Ihr die Nacht im Walde schlafen!" zürnte das Fräulein. Mama! Mama!" kreischte Walter. Ich saq's dem Onkel oben, Du Du!" rief Nudi. (Fortsetzung folgt.) Ein Fcind dcr Arznei. Der Pariser Schauspieler Casiellano war schon seit Langem krank, aber er konnte .sich nicht entschließen, eine ihm verordnete Medizin zu sich zu nehmen. Sein Arzt kam daher auf eine eigenartige Kriegslist. Casiellano spielte gerade damals in einem großen Drama, in dem er als Gefangener zum Tode verurtheilt wurde und Gift nehmen-mußte. Als er eines Abends den verhängnißvollen Becher" wieder an die Lippen setzte, bemerkte er zu seinem Schrecken, daß der Portwein, der ihm sonst gereicht wurde, sich in eine abscheuliche Medizin verwandelt hatte. Man kann sich seinen Zorn vorstellen. Aber der Text' des Dramas verlangte, daß der zum Tode Berurtheilte den Becher bis zur Neige leeren und mit einer herausfordernden Geste, die von einer großartigen Tirade begleitet war, seinen Henkern zeigen sollte, daß er wirklich leer war. Der Schauspieler schwankte einen Augenblick. Aber er sah keinen Ausweg, er konnte dem Trank nicht entgehen. Er hätte sonst die ganze Wirkung der Tirade zerstört und vielleicht sogar den Erfolg des Stückes in Frage gestellt. In der ersten Reihe aber saß, mit einem Lächeln auf den Lippen, der Arzt und beobachtete den Schauspieler, der blaß Vor Wuth war. Da schloß dieser heroisch die Augen und leerte den Kelch mit einem Zuge; dann aber ging er vor an die Rampe zu der Stelle, wo sein Arzt saß und rief ihm halblaut die Drohung zu: Unverschämter Apotheker! Aber ich werde mich rächen!" Er rächte sich in der That; er starb, aber ohne seinen Arzt bezahlt zu haben. Der wihlge Bauer. Vor vielen Iahren lebte in Hythe in England ein alter Bauer, der mit einem Eselwagen zu fahren pflegte. Er nahm stets mit besonderem Eifer an den Wahlen theil. Er war ein Tory, seine Farbe war also die dunkelblaue. In der Nacht vor einem Wahltag strichen nun einige Spaßvögel den Esel des alten Mannes mit hellblauer Farbe an, der Farbe der Whigs (seiner Gegner). Trotzdem fuhr der alte Mann mit dem Esel unbesorgt auf den Wahlplatz und gab seine Stimme für den Kandidaten seiner Partei ab. Alles amüsirte sich über den hellblau angepinselten Esel. Als man den Bauer fragte, für wen denn sein Esel stimme, entgegnete er: O, der stimmt für die andere Seite, wie die anderen Esel auch." Höchste Zerstreutheit. Professor: Jetzt habe ich schon wieder mein Schnupftuch vergessen. Ich werde mir doch gleich einen Knoten hinein machen!" Gedankensplitter. Ta5 Elück erkennen die meisten Menschen nur von hitttklk. Vor dem NichterstMe des cigmen Sklbst ifl der Staatöclnwalt einer Ansicht mit dem V?r theidiger. Drei verschiedene Meinung', machen einen Stammtisch. Ein Mann srent sich de Sieges, eine Fran freut sich erst, wenn sie trinmphiren kann.. SSrnn Jemand saqt: Meiner tinmasjcjeb lichen Meinung nach" sa ist er überzellgt daß seine Meinung sehr maßgebend ist.

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Ersten Schlage, zweiter Alarm, Zweiten 2 Schlüge, dritter Alarm, Dritten 8 Schläge, vierter Alarm. 1-2-1, Feuer aus und Schlauch aufgercl. 8 Schlag, Wasserdruck ab. 1 Schlage. 12 Uhr Mittags. Die 'fi bezeichneten Signal werden nur vom Thür wicht angegeben da an den breffende Stra&cr deujunge kine AlarmUsten angebracht sind.

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