Indiana Tribüne, Volume 26, Number 58, Indianapolis, Marion County, 29 October 1902 — Page 7

Jndiana Tribune, 29 Oktober 1902.

fr--I Verschlungene Wcgc.

i z t ; 1 lioman ton : Carola von Eynattcn. (Fortsetzung.) Ihr' geht Koch nicht mit den Hühnein zu Bett!" rief die Gräfin, die so munter plauderte und mit ihrem Schwiegersohn so unbefangen verkehrte, daß sicherlich Niemand die stattgehabte Störung des guten Einvernehmens zwischen Beiden geahnt hätte. Es ist allerdings noch ziemlich früh; nach einer so unruhigen Nacht, wie die letzte war, wird es jedoch gut sein, wenn Gertrud bei Zeiten zu Bett geht; sie sieht sehr angegriffen aus. Ist es Dir aber noch zu zeitig und möchtest Du vielleicht ein wenig lesen, so darfst Du nur befehlen, daß man in der Bibliathek das Gas anzündet," erwiderte der Doktor.. ' In meinern Zimmer sind auch einige Bücher und will ich mich einschläfern, so nehme ich eins von diesen. Uebrigens bleibe ich nicht lange auf, denn ich will morgen mit dem Zehnuhrzug nach Hause und muß vorher noch nach Waldheim fahren." Morgen schon willst Du fort?fragte Gertrud bedauernd. Ich habe keine Wahl, mein Kind, die Depesche, von der ich Dir sagte, ruft mich zurück. Wahrscheinlich werde ich aber bald wieder herauskommen, denn ich weiß noch nicht einmal, in welcher Art Du Dein Haus eingerichtet hast." Das liegt aber nicht an mir, liebe Mama; ich habe Dich schon oft gebeten, wenigstens für etliche Tage unser Gast zu sein," erwiderte die junge Frau. Das hast Du, mir aber war es leider ganz unmöglich, mich los zu machen. Gute Nacht, Kinder, und gute Erholung! .Deine Frau mußt Du aber besser in Acht nehmen, lieber Rheder, sie sieht wirklich elend aus, so verblaßt, so saft- und kraftlos wie eine verblühende Blume; auch ist sie sehr mager geworden. Ich denke, Eure Lebensweise taugt nichts, Ihr scheint Euch in einem ewigen Einerlei zu bewegen, und zur Erhaltung der Gesundheit und Frisch: ist nichts so nöthig, wie Abwechslung. Nun, gute Nacht." Lächelnd und freundlich nickend, zog sich die Gräfin endlich zurück. Rheder .aber, der sie bis an die Thür begleitet, fetzte sich jetzt wieder an seinen gewöhnlichen Platz. Kannst Du mir noch einen Augenblick schenken, Gertrud?" fragte er. Gewiß, ich bin .gar nicht müde," entqegnete sie. Ich kann dieser Versicherung zwar nicht recht glauben, will aber trotzdem mit meiner Mittheilung nicht zurückhalten, denn sie wird uns nicht lange aufhalten. Karl hat aus der Stadt drei Geheimpolizisten mitgebracht, die der Her? Polizeidirektor persönlich uswählte und unterrichtete. Ihre Aufgäbe besteht zunächst darin, über unsere und der Fabrik Sicherheit zu wachen, gleichzeitig sollen sie aber auch nachforschen, ob Schmieder Mitschuldige oder doch Mitwisser hat, ob es sich um die That eines einzelnen Ruchlosen oder um ein Komplott handelt. Um nun die Leute auf gute Art mit den Arbeitern in Berührung zu setzen, werden sie selber in der Fabrik arbeiten. Natürlich ist strengstes Schweigen zu beobachten, und das ist der Grund, weshalb ich Dir erst jetzt davon sage." Gertrud ward vurcy viele tfunoe indessen eher beunruhigt als beruhigt, und mit beklommener Stimme sagte sie: Das hört sich ja ganz ängstlich an, wenn Tu von einem Komplott sprichst!" Nicht hjch, Theuerste, zu Angst und Sorge ist, bisher wenigstens, kein Grund vorhanden. Ich selber bezweifle übrigens den Bestand eines Komplottes, wenn ich es auch für wahrscheinlich halte, daß Schmieder Mitschuldige hat. Es ist aber trotzdem dringend geboten, der Sache auf den Grund zu gehen und jede mögliche Vorsicht zu beobachten." Diese Erklärung mochte die junge Frau befriedigen, denn sie beschränkte sich auf die Frage: Weißt Du. ob sich Herr von Rochitz über seinen Verdacht gegen Tschernowsky aussprach?" Nein, er sagte nichts, und ich dergaß, ihn darüber zu befragen." Rheder machte sich mit dieser Antwort einer Unwahrheit sckuldig. Er that es ah:x nur. weil er oie Befürchtung hegte, Gertrud möchte sich noch heftiger sorgen, wenn sie erführe, daß Rochitz sich sehr eingehend über diesen Verdacht geäußert, und daß der.Polizeidirektor seine Begründung keineswegs für ganz ausgeschlossen hielt. Der erfahrene Beamte hatte schon seit längerer Zeit ein Auge auf den Russen und wußte bereits, daß er mit Gräfin Holften in ziemlich regem Verkehr stand. (jr ist in der That keine ganz unverdächtige Persönlichkeit, und es dürfte dienlich sein, auch den Untersuchungsrichter auf ihn aufmerksam zu macken." batte er zum Schluß gesagt. Nach seiner letzten Bemerkung hatte der Döor eine Weile geschwiegen und heimlich in den Zügen, seiner Frau geforscht, die thatsächlich einen recht leidenden Ausdruck zeigten. Jetzt aber begann er, den Gesprächsstoff wechselnd. von Neuem: Deine' Mutter hat wirklich recht, liebe Gertrud, Du siehst auffallend schlecht, beinahe krank aus, und es mncfp firfi Sstirnmt imsrn Q

benö'wei'fe' vielleicht wirklich empfehlen. Du bist an ein so stilles Leben, wie wir es seit unserer Rückkehr von der Hochzeitsreise führen, nicht gewöhnt. und da kann es leicht sein, daß es Dir schlecht bekommt. Ich will mich bei erster Gelegenheit nach einer passenden Stadtwohnung umsehen " Die junge Frau aber unterbrach ihn beinabe crscbrocken mit den Worten: Wein, Hans, ich will durchaus nicht in der Residenz leben, ich bin froh, daß ich nicht mebr dazu genöthigt bin! Was hat es zu sagen, wenn ich heute blässer bin, das kommt von der letzten Nacht!" Du siehst aber schon seit längerer Zeit recht schlecht aus." Das' kommt bei -jedem Menschen einmal vor. Ich fühle mich .jedoch ganz wohl und glücklich!" Ist das die Wahrheit, Gertrud, bist Du glücklich?" fragte Rheder mit einem langen, bangen Blick. Warum diese Frage, bezweifelst Du es denn?" versuchte Gertrud zu scherzen. Soll ich ehrlich sein, so muß ich mit einem ,ja' antworten. Hast Du irgend einen Wunsch, den ich zu erfüllen vermag, fehlt etwas zu Deiner vollen Zufriedenheit, was ich Dir geben kann.

so sprich, bat er sie herzlich. . j Was sie wünschte, was ihr fehlte, um glücklich zu sein, er konnte es ihr geben aber sie konnte es unglücklicher Weise nicht verlangen, ste konnte doch j nicht sagen: ich will nicht länger mehr Deine Freundin sein, es ist mir unerträglich; liebe mich, wie ich Dich liebe!" Ich habe keine Wünsche, und es fehlt mir nichts; ich danke Dir aber von ganzem Herzen für Deine Worte und Deine Fürsorge, lieber Hans," entgcgnete sie. Du bist also vollkommen zufrieden und wunschlos?" Ja!" Rheder stand auf-und küßte seiner Frau, ihr Gutenacht wünschend, die Hand. Im Hinausgehen aber unterdrückte er einen Seufzer, denn er war fest überzeugt, daß sie ihn getäuscht, daß sie von Glück und Zufriedenheit nichts wußte. Trübe wie die Gegenwart, ,lag auch die Zukunft vor ihm, denn er verlor mehr und mehr die Hoffnung, jemals verwirklicht zu sehen, was er als Bräutigam für möglich, zuweilen selbst für wahrscheinlich gehalten hatte, nämlich, sich mit der Zeit Gertruds Liebe zu erringen! Ihm blieb für die Zukunft nur eins: die Arbeit! Sie mußte ihm fortan Trost und Stütze sein, sie mußte ihm alles ersetzen, was das Leben Anderer in so reichem Maße schmückt und erhellt. Er war, während er diese Betrachhingen anstellte, im Eßzimmer stehen geblieben, jetzt ging er langsam, gesenkten Kopfes weiter, einen Augenblick zu früh, nur einen einzigen, denn schon im nächsten wurde Gertruds leidenschaftliches Schluchzen zu seinen Ohren gedrungen sein, ihn zu ihr zurückrufend und sie in seine Arme führend zu Beider Seligkeit. Sie aber machte sich die bittersten Vorwürfe, daß sie nicht den Muth gefunden, ihm zu sagen, was sie ganz erfüllte, sie krank und unglücklich machte. Warum diese thörichte Scheu, sie besaß doch das beste Recht, so zu ihm zu reden, sie war ja seine Frau, er gehörte ihr für alle Zeit! Rheder aber hatte dieses Schluchzen nicht gehört, er hatte Gertrud nicht gcsehen in ihrem leidenschaftlichen Schmerz, und ihr Anblick am anderer. Morgen bestärkte ihn in seiner Ueberzeugung. denn ihre Auaen trugen noch die Spuren der vergossenen Thränen, ihre bleichen Wangen die Spuren einer abermals schlaflos hingebrachten Nacht. 19. Kapitel. Der Winter hatte ungewöhnlich zeitig begonnen, eingeleitet durch einen zwanzigstündigen Sturm mit nachfolgendem, starkem Schneefall. Seit dem Morgen war das Wetter aber wieder hell, und jetzt lachte die Sonne in das weite Thal hinunter, sein blendend weißes Flockengewand mit ihren Strahlen übergoldend. Olivia Merveldt stand am Fenster ihres Zimmers, hinausschauend in die Landschaft, die ein so gänzlich verändertes Aussehen angenommen hatte. Sie betrachtete das ungewohnte Winterkleid jedoch ohne Interesse. Auf ihrer breiten, festen Stirn; auf welcher der Eigensinn in Frakturschrift" eingegraben stand, wie der Herr Kommerzienrath gelegentlich zu scherzen liebte, schwebten Wolken, und ab und zu entstieg ein Seufzer ihrer Brust, der sich aber eher anhörte, als ob ärgerliche Ungeduld ihn erpreßt hätte, denn wirklicher Kummer. Auch noch diese dumme Arbeitergeschichte, die Papa ganz und gar in Anspruch nimmt es ist zum Verzweifeln! Geht es nun nicht bald vorwärts, so gehe ich, und will Karl nicht mitkommen, so mag er bleiben, ich helfe mir auch ohne ihn durch! Dann haben Beide ihre Strafe!" flüsterte sie zwischen zwei Seufzern. Nach ein Weile trat sie vom Fenster zurück und begab sich in's Vorzimmer, welches ihre Wohnräume mit denen des Kommerzienraths verband. Es war Niemand darin; auf den Ruf der elckirischen Glocke kam aber ein junger Bursche in der Arbeitsschürze herbei, die er beim Anblick des Fräuleins rasch losnestelte. Lassen Sie nur, Stephan! Sie können gleich wieder an Ihre Arbeit gehen; ich möchte nur wissen, ob mein Vater noch nicht zurück ist?"

Der Herr Kommerzienrath ist nosi in der Fabrik." Und wie steht es drüben? Wissen Sie, ob eine Einigung zu Stande kommen wird?" Vorhin scheint's nicht sölecht gestanden zu haben. Ein paar Leute haben Kohlen hinübergefahren, .und die sagten, der Herr Kommerzienrath habe den Arbeitern manche Forderungen zugestanden, und es würde sich doch wohl wieder machen." Es ist gut, Sie können gehen!" sagte Fräulein Merveldt, sich ihren Zimmern zuwendend. Die schon so lange von fern drohende Gefahr der Arbeitseinstelluna war sc't zwei Tagen zu einer unmittelbaren geworden. Die Leute hatten'dem Fabrikanten rundweg erklärt, für den bisherigen Lohn nicht weiterfchaffen zu wollen. Außer einer Lohnerhöhung verlangten sie noch Abkürzung der Arbeitszeit und Herabsetzung der Straffätze für die verschiedenen, in der Fabrikordnung vorgesehenen Vergehen und Verstöße. Dem ersten Ansturm hatte der Kommerzienrath widerstanden, sämmtliche Forderungen seiner Leute kurzer Hand zurückweisend, und darum erstaunte Olivia nicht wenig, als ste nun hörte, er habe stch zu etlichen Zugeständnissen herbeigelassen. Verhielt es sich wirklich so, dann mußte diese Sinnesänderung durch ganz besondere Umstände veranlaßt worden

sein, denn er gehörte nicht zu jenen, die heute gewähren, was sie gestern verweigert haben, oder die sich durch Drohungen einschüchtern lassen. Im ersten Augenblick hatte sich die junge Dame auch gefreut über diese Nachricht, die hoffen ließ, daß im Fabrikbetriebe keine Störung eintreten werde; bei ruhigem Ueberdenken mußte sie sich aber sagen, für sie sei dadurch wenig oder gar nichts gewonnen. Hatte der Vater nachgeben müssen, so konnten viele Wochen vergehen, ehe er wieder zu einigermaßen guter Laune gelangte, und vorher wär an eine Förderung ihrer Versöhnungspläne nicht zu denken. Die Aussicht so langen Wartens war ihr aber nicht nur um ihre: selbst willen im höchsten Grade unangenehm, sondern auch mit Rücksicht auf ihre Schwägerin, die bereits über eine Woche mit den beiden Knaben im Stegenhof wohnte, einem einsamen GastHofe, der im Sommer von der Restdenz aus viel besucht ward und auch Kurgäste beherbergte. Der Kommerzienrath war nämlich ein großer Kinderfreund, und so wenig er sich im Allgemeinen um das Treiben seiner Arbeiter bekümmerte, gegen ihre Kinder war er allzeit freundlich, bis zu einem gewissen Grad sogar freigebig. Seine Neigung für die Kleiuep kennend, hatte Olivia ihre Schwägerin bestimmt, im Stegenhof Aufenthalt zu nehmen, denn sie hoffte, durch Vermittlung der Knaben eine Aussöhnung zwischen Vater und Sohn zu Stande zu bringen. Wie das anzufangen fei, war ihr allerdings noch nicht ganz klar; das beleitete ihr indessen geringe Sorge, je nach den Umständen würde sie das Richtige zu treffen wissen. Alles, was sie vorläufig ersehnte, war eine günstige Gelegenheit, ihre kleinen Neffen mit dem Kommerzienrath bekannt zu machen, ohne daß er ahnte, wer sie seien. Erst wenn er sie öfter gesehen und Gefallen an ihnen gefunden, sollten sie ihm als seine Enkelsöhne vorgestellt werden.' Das Weitere mußte sich dann finden. Leider eigneten sich die gegenwärtigen Verhältnisse keineswegs zur Ausführung dieses Planes, aus den die junge Dame ihr ganzes Hoffen setzte. Na, Kind, was treibst Du Grillen fangen, wie? Machst ja 'ne ganz trübselige Miene," klang des Kommerzienraths etwas trockene Stimme in seines Töchterleins Gedanken hinein. Er war nicht vom Vorzimmer aus eingetreten, sondern kam aus dem anstoßenden Salon, unter dessen Thüre er stand, die kostbaren, reich bestickten Vorhänge von himmelblauer Seide zulückgeschlagen haltend. Olivia stand rasch auf, den Vater willkommen zu heißen, und bemerkte zu ihrer angenehmen Ueberraschung, daß er weder verdrießlich, noch erregt aus sah. Ach, Du armer lieber Papa, Du hast gewiß einen harten Vormittag hinter Dir!" begrüßte sie ihn, die Stirne zum Kusse darbietend. Es geht, es geht! Sobald man den Beutel zieht, wird die Gesellschaft geschmeidig," erwiderte Herr Merveldt lächelnd. So hast Du die Forderungen der Arbeiter also doch bewilligt?" , Zum Theil, mein Kind, nur zum Theil! Die Männer erhalten pro Stunde eine .Aufbesserung von drei, die Weiber und die Burschen bis zu acht zehn Jahren von zwei Pfennig. Tu lachst? Hast gut lachen; sind's auch nur wenige Pfennige; bei vierhundertdreiundzwanzig Köpfen läuft's doch gi?altig in die Höhe, bis das Jabr herum ist! Zudem habe ich die Strafgeldsätze um ein Viertel heruntergesetzt. allerdings nur sur leichte Verstöße," erklärte der Kommerzienrath. Da hast Du ja sehr viel aethan!" versetzte Olivia in dem Bestreben, ihr Lächeln von vorhin möglichst wieder gut zu machen. Bah. ist nicht so gefährlich! Ich hätte, zu Dir gesagt, die geforderten fünf Pfennige ganz gut geben können, denn ich. habe alle diese Jahre mit äußerst geringen Kosten gearbeitet, dank meiner. Festigkeit, die mich davor bewahrte, ebenfalls ein Opfer des modeinen Humanitätsdusels, au werben.

Es widerstrebt aber meinen Grunosätzen, alles zu gewähren, was die Leute wollen, und dann wär's der reinste! Blödstnn, fünf Pfennige zu zahlen, wenn es drei thun. Sturm und Schnee sind für mich gerade zur rechten

Zeit gekommen, meine ich, der plötzliche Winter hat die Leute zahm gemacht." Dann hatten wir ja alle Ursache, uns über den Wetterwechsel zu freuen!" Haben wir auch, haben wir auch, und ich will nur wünschen, daß es lange kalt bleibt, denn im Frühling hebt der Tanz wahrscheinlich von Neuem an, und dann dürften die Leute zäher sein. Denke, eine Schlittenfahrt müßte sich heute famos machen hättest 2u Luft zu einem Versuch?" Gewiß, Papa!" versicherte die junge Dame rasch, doch ohne Enthusiasmus. Sie erinnerte sich nämlich einer Schlittenfahrt im letzten Winter, bei welcher der Herr Kommerzienrath das Amt eines Kutschers versah und ihr zu einem unfreiwilligen Schneebad verholfen hatte. Na, dann lasse auftragen, damit wir bei Zeiten fortkommen. Wir sahren gleich los. den Kaffee können wir unterwegs trinken; das Einkehren geKört ohnedies zu einer ordentlichen Schlittenfahrt." Es war noch nicht halb drei, als Olivia Merveldt ganz in kostbares Pelzwerk gehüllt aus dem Hause trat, um den bereitstehenden, hocheleganten Schlitten zu besteigen, der eine von einem vergoldeten Schwan gezogene Muschel darstellte und mit Bärenfellen ausgeschlagen war. Der Herr Kommerzienrath hielt die schellenbesetzten Zügel; auf dem erhöhten Bedientensitz prangte Andres, der Kutscher, in einem pelzgefütterten Kaftan, eine Kosakenmütze auf dem Kopfe. Betrachte Dir einmal unseren Rosselenker, Olivia. Sieht er nicht prächtig aus und gibt er der ganzen Geschichte nicht einen echt moskowitischen Anstrich? War eine famose Idee von mir, ihn in dieser Art herauszuputzen, famose Idee!" . Entzückend!" versicherte die junge Dame. Im Stillen konnte sie sich jedoch nicht enthalten, diesen moskowitischen Anstrich" ein wenig lacherlich zu finden, paßte er doch so g.-.r nicht zu dem im Allgemeinen milden Klima ihres engeren Vaterlandes. Herr Merveldt hüllte seine Tochter eigenhändig in eines der Bärenfelle, und obgleich sich auch auf dem Boden des Wagens eins befand, schob er ihr doch noch vorsorglich ein Wärmekissen unter die in Pelzstiefelchen steckenden Füße. Kann man losfahren?" Olivia nickte, sich in ihrem Herzen der himmlischen Obhut empfehlend. Ein scharfer Peitschenhieb, der den Rücken der ohnehin recht feurigen Grauschimmel unsanft kitzelte, und der Schlitten sauste, einen Bogen beschrcibend, mit solcher Schnelligkeit davon, daß Olivia sich ängstlich an den Sitz festklammerte und einen tiefen Athemzug that, als man glücklich durch das Parkthor gekommen war. Um des Himmels willen, Papa, die Peitsche macht die. Thiere rasend! Andres kann es bestätigen!" rief das Fräulein in höchster Angst. . ' Braucht er nicht, braucht er nicht! Ich kenne meine Pferde mindestens ebenso gut wie er und verstehe mich auf ihre Lenkuna um kein Haar schlechter," brummte Merveldt, der sich in der Kunst des Mährens sehr tüchtia alaubte uno tm weiset an vieler wuchtigkeit üöel aufnahm. Tes Kutschers Gesicht verzog sich zu einem stillen Lächeln, und Olivia beeilte sich, den begangenen Fehler wieder gut zu machen, trotzdem sie noch immer um Leib und Leben in Sorge war. Das weiß ich wohl, Papachen." sagte sie. aber so ausgezeichnet Du auch fährst, mit den Eisenschimmeln bist Du noch so wenig ge " Thut nichts, thut nichts! Wer sich gründlich auf Pferde versteht und sie zu behandeln weiß, kann mit der wildesten Bestie zurccht kommen." Uebrigens schien die Schlittenfahrt wirtlich gut verlaufen zu wollen, denn man befand sich schon über anderthalb Stunden unterwegs, ohne daß irgend ein unangenehmer Zwischenfall eingetreten wäre, und die junge Dame mahnte an die Heimkehr. Erst wollen wir aber irgendwo einkehren und Kaffee trinken, das gehört zu einer Schlittenfahrt," erwiderte der Kommerzienrath. So fahren wir über Tiefenthal und rasten im .Löwen,' " schlug Olivia vor. bestimmt durch den Umstand, daß die Tiefenthaler Landstraße sehr breit und stets in bestem Stande war. Bah, der .Löwe' ist die reinste Arbeiterkneipe Wie wäre es mit dem Stegenhof, wir waren schon lange nicht mehr dort, und beim alten Wilprecht ist man trefflich aufgehoben?" Die junge Dame war über diesen Vorschlag so überrascht, daß sie nicht gleich eine Antwort fand. War es der Himmel, war es die Hölle, die dem Vater diesen Gedanken eingegeben? Wenn ihm Adelheid unversehens vor Augen trat, wenn er sie trotz der in ihrer äußeren Erscheinung vorgegangenen Veränderung wiedererkannte? Nun. Fräulein, der Stegenhof scheint Dir nicht sonderlich zu behagen. Du besinnst Dich ja ewig lange!" begann er neuerdings und nicht ohne einen Anflug von Ungeduld. Ich bin immer gern dort, nur dachte ich, für die vorgerückte Stunde wäre es vielleicht doch schon zu weit," entgegnete Olivia.

Werde gesund und bleibe gesund

indem du Leberkrankheiten, Villiösität, Unreines Blut, durch die klnwendnng vo

!r. August König's aöurg

' loS wirst, sie reguliren und reinigen. Sedrauch St. Jakobs Del gegen -n

Von hier aus haben wir allerdings etwas länger zu fahren, als nach Tiefenthal, dafür sind wir aber dann auch schneller daheim. Es bleibt also beim Stegcnhof. Vorwärts!" Fräulein Olivia erhob keine Einwendung; dem Wirthe hatte sie selbst die erforderlichenWeisungen ertheilt.von dieser Seite stand also kein zufälliger Verrath zu befürchten, und Adelheid hielt stch dem Gastzimmer nach. Möglichkeit fern, denn Baron Rochitz fand sich öfter für ein halbes Stündchen im Stegenhof ein, dessen Besitzer er von Kindesbcinen an kannte. Dennoch pochte ihr Herz ein wenig rascher, als man sich dem einsam am Waldrande gelegenen Hof näherte, und sie zuckte sogar zusammen, als sie vor dem offenstehenden Einfahrtsthore ihre kleinen Neffen einen Schneemann bauen sah. Das Schellengeklingel des Schlittens erregte die Aufmerksamkeit der Bübchen, und kaum, daß ' sie ihn erblickt, sprangen sie herbei. Wie froh war jetzt Olivia, daß sie die Vorsicht gebraucht, die Kinder stets entfernen zu lassen, ehe sie das Zimmer ihrer Schwägerin betrat. .(Fortsetzung folgt.) ic Keife um die Welt." Originell tetli für die Lt. Lauiser Welt. Ausstellung in 1904. Der Direktor des Departements für Konzessionen und Eintritt für die St. Louiser Weltausstellung in 1904, Morris B. Gregg,' hat einen originellen Plan entworfen, um die Midway" früherer Ausstellungen zu ersetzen. Die Midway" der St. Louiser Ausstellung, die den Namen Reise um die . Morris B. Grcgg. Welt" führen wird, soll die Besucher mit den verschiedenen Erdtheilen bekannt machen. Man wird auf einem Ende, im Wilden Westen" beginnen können, dann San Francisco, Hawai, China, Japan, die Philippinen, ein Dorf von Menschenfressern besuchen, um später über Indien durch den Suez-Kanal nach Afrika, von dort nach Jerusalem, nach Konstantinopel, nach Rom zu gelangen. In Rom wird ein schönes Panorama zu finden sein, und von dort soll man dann in die Schweiz, von dort nach Oberammergau, nach Wien, nach Dresden in eine Porzellanfabrik und in die Rheingegend gelangen.- Ueber Spanien, wo man Gclegenheit haben wird, schwarzäugige Tänzerinnen auf der Bühne zu beachten, wird die Weiterreise nach Paris angetreten. Von dort wird man sich nach ' England und schließlich nach Schottland begeben, um Robert Vurns' Geburtsstätte und andere Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Konzessionäre für ein Chinesendorf, ein Zulu-Lager, ein Schweizer-Dorf, ein römisches Pakorama, einen Münchener Biergarten und ein Alt-Wien" hatten sich bis vor Kurzem bereits gemeldet, und der Ausfllhrung des Projekts scheint nichts im Wege zu stehen. Morris V. Gregg wurde 1856 in St., Louis geboren. Er besuchte die Wyman-Akademie und absolvirte sp'äter die Washington-Universität. Seit dem Jahre 1876 nahm Gregg verantwortliche Stellungen bei großen Geschäften in St. Louis ein. In 1887 wurde er Präsident der Mound City Paint & Color Company. I e v cr Pariser verzeyr: jährlich 8.57 Quarts Alkohol, 13.93 Quarts Bier, 6.71 Quarts Obstwein und 203.84 Quarts Wein. ' Das ergibt einen Tagesverbrauch von 0.022 Quarts Alkohol, 0.038 Quarts Bier. 0.019 Quarts .Obstwein und 0.56 Quarts Traubenwein.

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Washington Ctr 51 No. 10 Cxritzenheus JllinoiS u Men-ill 52 JllinoiS u Louisiana 63 West und Couth 54 West und McCarry 56 Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Na 53 No. 4 EpritzenhauS Madison Av. u MorviS 59 Madison Av. u Dunlop tl No2Hakm Leiterhau Eouth nahe Telaware 2 Penn, u Merrill 53 Telaware u. McCartv 54 Sast und McSarty New Jersey u. Merrill 67 Birg. Av. u Bradsha 68 East und Prospekt 6 Bicking und High 71 No. 11 CpritzcnhauS Lir Ave. nahe (uron 72 East und Georgia 73 Cedar und Clm 74 Davidson u Georgia 75 English Av. u Pine 76 Chclby und BateS 78 No. S EpritzenhauS Prospekt nahe Chelby 79 Fletchcr Av. u Chclty Sl Market u. New Jersey 82 Telaware und Wash. S3 East u Washington 4 New Dort u. Davidsor 85 Taubstummen Anstalt 86 Lcr. Staaten Arsenal 7 Orient! und Wash. 89 Frauen. Reformat. 91 No. 13 Spriyenhau - Marhland nahe Mer. 92 Meridian u. S:rgia. 93 Meridian und South 94 Pennsylv u. Lonistana 93 irgini? Ave u. Zllab. 96 Hauptquartier. 97 Erand Hotel. 93 Capital Ave und Ohis 123 No. l Spritzenhaus 16. und Ash. 124 Alabama und 16. l?5 Central Ave und 15. 126 7andeS und 15. 127 Brooksid und Jupiter 125 Central Ave und 17. 129 Telaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bellefontaine und. 134 College Ave und 2. 135 Telaware und 13. 135 Alabama und North 137 Nemmann und 19. 133 College Ave und 14. 139 Cornell Ave und 13. ll DandeS und 1?. 142 Highland Ave und 10. 143 Tecumsch vnd 10. 145 New Jersey ind 22. 146 Llvord und 17. 147 No. 2 Epritzenhaui HUlside Ave und 16. 113 College Ave und 22. 149 College Ave und 7. 152 Park Ave und 22. 152 C U. 23 Bahn U. 22. 154 Ramsey Ave nd'io. 1öS Stoughtonu Newman 157 AtlaS und Pike. 158 Bloyd lind Pswpaw. 159 Ro. 21 Epritzuchau! Brightwood !2 Arven und Depot 163 Brightwood und 25. 164 Rural und Vloyd 16Z Et. 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Ersten 2 CchlZge, zweiter Alarm, Aweite t Schläge, dritter Alarm, Dritte 2 Schlage, vierter Alaru. 1-2-1, Feuer auS und Schlauch aufgerolk. Schlage, Wasserdruck ab. 12 Schlage, 12 Uhr Mittags. Die Zo bezeichnet Cignae werden nur vom Thür wacht angegeöen da an den beuestenden Strafte? deuzunge fönt AlarmUsten angebracht sind.