Indiana Tribüne, Volume 26, Number 47, Indianapolis, Marion County, 16 October 1902 — Page 7

s Jndiana Tridnnr, 1 Oktober 1902.

Vcrschlungcnc Wrgc.

llUliittil VVU , Carola von (Gtjixatictx.' . (Fortsetzung.) ' ' Mit dieser Vermuthung traf sie m dessen bh Wahrheit nur zur Hälfte. Der Kr.mmerzienrath hatte allerdings keine besonders gute Vlaqt geyavt, doch nur, weil er sich über ihr Fernbleiben ain gestrigen Abend Gedanken gemacht und die Befürchtung gehegt hatte, sie werde sich lSielleicht tage- oder gar wochenlang auf's Schmollen verlegen, was ihn in seinen Gewohnheiten und darum auch in seinem Wohlbehagen ungemein gestört hätte. Nun fühlte er sich aber in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt; Olivia nahm die Sache von der guien Seite und ergab sich in ihr Schicksal. Jbre Haltung bestärkte ihn mehr und mehr in dieser Ueberzeugung. Von Votho war keine Rede, und sie enthielt sich auch jeder Anspielung, so daß Merveldt sich dornahm, diesen rührenden Gehorsam zu belohnen und ihr aus der Residenz, wohin ihn Geschäfte führten, einen hübschen Schmuckgegenstand mit-zubringen.-Zum Essen darfst Du nicht auf mich rechnen," begann er nach einer Weile. Die Unterhandlungen mit Damert nehmen jedenfalls mehrere Stunden in Anspruch, und außerdem habe ich der verschiedenen Banken zu thun, so daß ich erst den Siebenuhrzug zur Rückfahrt werde benutzen können. Soll ich Dir in der Stadt dies oder jenes besorgm?" Ich wüßte nichts, Papa, - besten Dank!" Na, dann sind vielleicht Wünsche vorhanden, die Papa erfüllen könnte, wie?" . Du überhäufst mich ja mit allem, was begehrenswerth ist, wo sollte ich noch Wünsche hernehmen?" entgegnete Olivia lächelnd. Na, denk' einmal ein bischen nach, 's wird Dir vielleicht noch dies oder das einfallen; ich muß in den nächsten Tagen ohnehin wieder hinein. Was wirst Du aber heute anfangen?" Das kann ich noch nicht sagen.jedenfalls werde ich in Waldheim einen Besuch machen." Soo " Die junge Dame schaute den Vater verwundert an, dieses soo" hatte so eigenthümlich geklungen. Hast .Du etwas dagegen. Papa?" fragte sie. Das will, ich nicht sagen, aber auf allzu große Intimität mit der Gräfin lege ich allerdings keinen Werth. Sie ist keine reelle Frau, man weiß nie so recht, was man von ihr halten soll und wie es enden wird. Jetzt ist. sie freilich wieder fein heraus dank Rheders blödsinnigem Streich, aber, wie gesagt, 's ist nicht viel los mit ihr. Und dieser Assessor von Brenken gefällt mir um kein Haar besser, ich halte ihn für einen ausgemachten Windbeutel, verstanden?" Tu bist ja so deutlich.daß man Dich gar nicht mißverstehen kann, liebster Papa: übrigens ist der Herr Assessor für mich nur insoweit vorhanden, als er mich amüsirt. Der, Hauptzweck meines Besuches ist, zu fragen, ob Rheders noch immer Nicht an die Heimreise denken. Ich hoffe nämlich, daß die Frau Doktor geneigt sein wird, in näheren Verkehr mit mir zu treten, denn es ist doch recht unangenehm, wenn man weit und breit Niemand hat, der ungefähr im gleichen Alter steht." Du kannst Dir ja Deine Freundin nen einladen, so oft Du willst. Aber halte es ganz nach Deinem Belieben Wo es sich um Geschmackssachen tjan--delt. kann man nicht viel sagen, mein Fall ist die junge Frau Doktor aller dings- nicht, und ich fürchte sehr, es wird jetzt noch eine tollere Wirthschaft anheden, denn sie ist ebenfalls hochgradig von dem Aroeiter-Begluckungswahn be fallen," brummte Merveldt. Ich finde es doch sehr nett, daß sie gegen diese Leute so freundlich ist. Eine schöne Nettigkeit! Unsinn ist es, krankhafte Sentimentalität! Mit solchen Geschichten wird nichts erreicht, als daß man sie noch anspruchsvoller macht, als sie ohnehin schon sind. Von den hiesigen Arbeitern kann ich keinen anstellen, sie sind zu verwöhnt, und mit , den Auswärtigen habe ich auch meine liebe Noth; sobald sie mit den Tiefenthaler Einrichtungen bekannt geworden sind, werden sie unzufrieden." Unter den Rheder'schen' Arbeitern soll es aber doch auch Unzufriedene geben," versetzte Olivia. Gibt es auch,' mehr als genug! Uebrigens ist es von Rheder rücksichtslos, uns anderen den Betrieb 'so zu erschweren und zu vertheuern, denn wie man es anfangen mag, schließlich sieht man sich doch genöthigt, weiter zu gehen, als man gern thut. Hollah, beinahe neun, da ist's höchste Zeit, denn ich muß noch auf's Komptoir!" Der Herr Kommerzienrath verließ seine prachtvolle Villa in bester Stimmung. Seine Olivia war ein Prachtmädel,'so vernünftig und einsichtsvoll! Die Sache mit dem ungerathenen Bruder nahm sie wirklich von der guten Seite, darüber konnte keinZweifel mehr obwalten, und was beinahe noch besser war, sie machte sich auch nichts daraus. ' Ihre gestrige Erregung war ein einfaches Strohfeuer, welches seine Festigkeit und eigenes ruhiges' Ueberlegen rasch zum Erlöschen gebracht hatten. Nachdem die. ,'unae Dame ibren

hausfraulichen Pflichten genügt, das heißt, der Haushälterin die erforderlichen Anweisungen für die Tagesarbeit ertheilt hatte, bestellte sie für halb elf Uhr den Wagen, worauf sie sich von ihrem Mädchen ankleiden ließ. Sie machte sehr sorafältiq Toilette und

stand länger als gewöhnlich vor dem in 4. mi . r rr. , ; . Die uano cingeuiiciicn vpicqci. Als Olivia aus der Villa heraustrat, stand der befohlene Wagen schon bereit. Es war eine hochelegante zweisitzige Kalesche, zu der zwei schöne Eisenschimmel gehörten, des Vaters letztjähriges Weihnachtsgeschenk, welches sie mehr erfreut hatte, als das kostbarste Schmuckstück vermocht hätte, denn der alte Wagen, die Familienbadewanne," war zu häßlich. Ueber den Hühnerkopf nach Waldheim fahren Sie, aber recht langsam, Andres," wies sie den Kutscher an. den von einem Goldlackschuh umschlossenen Fuß auf das Trittbrett fetzend. Der Befehl, über den Hühnerkopf zu fahren, war dem Andres ein recht unwillkommener, denn diese Waldhöhe war nur auf einem steilen, steinigen, von tief eingefahrenen LLagengeleisen durchfurchten Holzabfuhrweg zu erreichen, der seiner Meinung nach wohl für Ackergäule taugen mochte, doch keines falls für englische Vollblutpferde. Was dem Fräulein einfiel, die armen Thiere alle paar Tage dort hinauf zu jagen, trotzdem man das Kühbachthal doch in beinahe der gleichen Zeit auf bequemer Straße erreichen konnte? Der Bursche schüttelte den Kops zu dieser seltsamen Laune und nahm sich vor, bei erster Gelegenheit vorstellig zu werden, denn die beiden Eisenschimmel waren sein Stolz und seine Freude. Eine ziemlich umfangreiche, ganz ebene Plattform bildete den Gipfel des Huhnerkopfes, nnes der schönsten Aussichtspunkte m der Gegend. Von hier aus übersah man nämlich nicht nur das ganze Kühbachthal und einen großen Theil des Tiefenthals, sondern auch die weite Ebene, die sich in der Richtung nach der Residenz ausdehnte. ia bei ganz Hellem Wetter am Rande des Ho rizontes sogar etliche ihrer Kirchthürme. Fräulein Olivia bekundete jedoch sehr geringes Interesse für das abwechslungsreiche Landschaftsbild, und wenn sie den Waqen auch hatte halten lassen und ausgestiegen war, so gönnte sie emen längeren Blick doch nur dem überraschend romantischenKühbachthal, in welchem sich auf mäßig hohem, be buschtem Fels Schloß Rochitz erhob. derzeit des Freiherrn Arnulph von Ro chitz einsamer Wohnsitz und einziges Besttzthum. ' Olivias Augen ruhten eine ziemlich lange Zeit mit sinnendem Ausdruck auf dem sogenannten Schlosse und sie mußte zugeben, daß der Vater vollkommen recht hatte, wenn er es ein altes Eulennest nannte. . Von der einstigen, wie es hieß, sehr stattlichen Burg war nämlich nichts mehr übrig, -als der mächtige Burgfried, in welchem der Baron hau ste, trotzdem das Mauerwerk bereits recht bedenkliche Risse' und Sprünge auszeigte, hier und dort fogar abbrockelte. An diesen Thurm überdehnte sich ein kleiner, äußerst. einfacher Bau. eine Art Bauernhaus, welches man mit den Steinen der alten, theilweise noch ausrechten Umfassungsmauer gebaut hatte, um mehr Raum zu aewmnen. Je länger die junge Dame dieses seltsame Scyloß" betrachtete, zu wel chem die Bewohner des Kühbachthales trotz seiner armseligen Gestalt noch immer mit einer gewissen Ehrfurcht emporschauten, einen um so entschlosseneren Ausdruck nahm ihr Gesicht an. Und er muß doch nachgeben, er muß! sagte sie leise vor sich hin, und der kleine Fuß druckte sich tiefer in den Bodeu hinein. An einen offenen Kampf mit dem Vater dachte sie allerdings nicht; ein solcher war, vorläufig wenigstens, nicht nöthig, er mußte als letztes, außerstes Mittel, aufgespart werden, sofern es durchaus nicht anders gehen sollte. Sie glaubte aber nicht daß es dahin kommen wurde: bewahrte sie kal tes Blut, so gelang es sicherlich auf Umwegen zu erreichen, was der Vater ihrer liie verweigert yaue. xx mun nachgeben," wiederholte sie, beide müssen tzr , Fahren. Sie in den Schatten, Anvres, ich will ein wem herumaehen. setzte sie laut hinzu, dem Kutscher eine Baumgruppe weisend, unter welcher Pferde und Wagen vor Ten heißen Strahlen des schon hochstehenden Tagesgestirns geschützt' waren. Dann wandle sie sich einem schmalen Fußpfad zu, der abwärts führte, und war den Blicken des nachschauenden Burschen bald entschwunden. Sie mußte über moosiges Gestein und zwischen verrenk tem Gestrüppe hindurch, bis sie nach etwa fünf Minuten auf einen kahlen Felfenvorsprung gelangte, auf welchem sich eine Art Wegweiser erhob. Auf sei nem auffallend langen Arm stand jedoch nichts geschrieben, dafür aber war er beweglich ' und konnte mittelst einer wohlbefestigten Schnur nach 'Belieben hier- und dorthin gedreht werden. OliVia nestelte diese Schnur los und zog hierauf so lange, bis die Spitze des beweglichen Querholzes gerade auf Schloß Rochitz zu stand. Dann machte sie die Schnur wieder, fest, und zwar mit solcher Sorgfalt, daß eine Veränderung des Signals denn ein solches mußte es sein ausgeschlossen schien, holte aus ihrer Kleidertasche ein winziges Brief lein heraus und schob es unter einen Stern, der neben dem scheinbaren Weg weiser lag. Hoffentlich wird er es bald sehen! sagte sie halblaut, noch einen Blick nach

rochitz zurückwerfend, -als sie den unwegsamen Pfad wieder hinanklomm.

.Nach Waldhelm, aber nicht auf der Chaussee nehmen Sie die Straße längs des Waldes." gebot sie dem Andres, der ob dieser neuen sonderbaren Anordnung ein sehr verwundertes Gcsicht machte. 10. Kapitel. Der Nachmittaa hatte drückende Schwüle gebracht, die das Naben. eines Gewitters anzeigte. Des Himmels drohendes Aussehen schien Olivia Merreibt jedoch wenig zu bekümmern, denn, wenn sie auch ab und zu einen prüfenden Blick nach dem Gewölk warf, so ließ sie sich doch nicht aufhalten in ihrem Gange durch die Wiesen. die sich m einer Breite tun etwa zwanzig Minuten zwifchen der kommcrzienrathllchen Villa und dem Hühnerkopf ausdehnten. Eilig mochte sie es wohl haben, denn sie ging raschen Schrittes und unterbrach ihren Weg zum erstenmal seit dem Verlassen des Hauses.- als ein alter Mann, der auf' einer der Wiesen mit dem' zweiten Grasschnitt beschäftigt war.seme Mutze vor ihr zog. wobei er hinüberrief: Fraulem sollten lieber umkehren, es wird bald losgehen, und heute gibt'S ein ganz gehöriges Wetter, das' ist sicher!" . . Meint Ihr, daß es schlimm wird. Jakob?" fragte sie ein wenig besorgt. Ja, ja, das mem ich, denn die Anzeichen sind danach, und die letzten Gewitter des' Jahres sind allemal die bosartigsten, bei uns wenigstens," lautete die nicht sehr tröstliche Erwiderung. Olivia sah sich neuerdings um, dann sagte sie: EineWeile wird es doch wohl noch aushalten, über uns ist kein Wölkchen zu sehen, und die Sonne scheint ganz hell." . Thut nichts, in einer Stunde schllttet es. was es nur mag." beharrte jedoch der Knecht bei seiner Meinung. Wenn das Fräulein nicht umkehren will, sollte es hinter der Waldecke den Fußpfad heimwärts benützen." Das will ich. Jakob; macht nun aber ebenfalls, damit Ihr nicht naß werdet," versetzte Olivia . freundlich, den Weg fortsetzend. Sie ging nun noch schneller, als vorhin, und binnen wenigen Minuten war sie am Fuß des Huhnerkopfes und damit auch am Walde angelangt. Sie blieb wieder stehen, um ein weiteres Mal das Aussehen des Himmels zu prüfen. Er hatte sich nicht verändert, und anstatt den Weg am Waldessaume einzuschlagen, der sie in kurzer Zeit nach der Villa zurückgeführt hätte, trat sie in den Wald ein. Wohl hegte sie eine in Anbetracht ihrer sonstigen Unerschrockenheit seltsame Scheu vor Donner, und Blitz, und für gewöhnlich genügten schon die geringsten gewitterhaften Anzeichen, um sie in die Nähe des Hauses zu bannen, heute aber bot sie lhnen Trotz. Sie zweifelte nicht, daß Karl Rochitz das Signal auf dem Hühnerlops sehr bald bemerkt und sich dann eiligst in den Besitz des Briefchens gesetzt habe, welches sie am Fuße des Wegweisers für ihn niedergelegt hatte. Nachdem man seit einer vollen Woche nicht mehr zusammengekommen war, hatte er jedenfalls fleißig Ausschau gehalten. Die Hoffnung, den jungen Baron zu treffen, gab ihr Muth, dann sagte sie sich auch, sie wurde m dem von hohen Bäumen- dicht umstandenen Waldhäuschen beinahe ebenso sicher sein. wie unter dem Blitzableiter der Villa. Dieses Waldhauschen, früher eine einfache Hütte, die den Holzarbeitern zum Aufbewahren ihrer Werkzeuge und Gerathe gedient, war vom Kommerzienrath wesentlich vergrößert und geschmackvoll hergerichtet worden, denn Fräulein Olivia liebte es, zur Sommerszeit zuweilen Gaste hinzuführen und an schönen Nachmittagen den Thee dort zu trmken. Man konnte das Häuschen in etwa vierzig Minuten bequem erreichen, und war doch , mitten drinnen im Walde. Heute erschien ihr der Weg allerdings unendlich weit. be n die Luft verfinsterte sich mehr und me.r, lein onnennrayt vrang durch das Laubwerk, und die Hitze wurde immer drückender. Endlich von Angst gejagt, hatte sich die junge Dame beinahe außer Athem gelaufen schimmerte ihr die kleine Waldwiese entgegen, an deren anderer Seite ihr Ziel lag, das Bohlenhäuschen. Gott sei Dank!" flüsterte sie vor sich hin. das feucht gewordene Haar aus der glühenden Stirn streichend. Bald aber überkam sie bittere Enttäuschung, denn als sie auf die Wiese hinaustrat, war von Karl Rochitz noch keine Spur zu entdecken.' Was bedeutete das? Sonst war er doch stets lange vor der bestimmten Zeit an Ort und Stelle. . Auf ihrer Stirne lag eine Wolke des Unmuths, um den Mund ein trotziger Zug, als sie das Häuschen aufschloß. Hatte Karl so geringe Eile, sie wiederzusehen, dann lohnte es sich wohl gar nicht der Mühe, daß sie sich seinetwegen so sorgte und quälte, sich so sehr den Kopf zerbrach, wie es wohl gelingen könnte, die. Väter umzustimmen und einander näher zu bringen! Ein heftiger Windstoß riß ihr die Thüre aus der Hand, und flink sprang sie in, das Häuschen hinein, welches blos zwei Räume enthielt, einen größeren, mit eleganten Gartenmöbeln und allerlei Bequemlichkeiten versehen, und einen kleineren, der durch eine Bohlenwand abgegrenzt war und gleichzeitig ' als Küche und Vorrathskammer diente. Der Gewittersturm war indessen mit voller Gewalt losgebrochen und umheulte mit seinen schauerlichen Tönen das Waldhaus. an. den Fenstern rüi-

ttlno, als ob er-sie aus den Angeln heben wollte. Die junge Dame verwahrte die Thür so gut wie mögliches war ihr mit einem Male so unheimlich dann zog sie ein Streichholzdöschen aus der Tasche und beeilte sich, die beiden Lichter anzuzünden, die stets auf einem Schränkchen bereit standen. Als aber plötzlich jäher Lichtschein durch die Ritzen 'in den Finsterladen drang, dann nach wenigen Augenblicken ein gewaltiges Rollen folgte, genügte ihr das Kerzenlicht nicht mehr, und mit zitternden Händen machte ' sie die. Hängelampe uver Dem NtnveMijch vereit. Nachdem das geschehen war. setzte sie sich in einen Korbstuhl und lauschte, die Hände "über die Augen gelegt, mit bänglich klopfendem Herzen auf das beinahe unaufhörliche Rollen des Tonners und das Prasseln des in Strömen niederrausckcnden' Regens, den der Wind klatschend gegen die- Holzwände des Häuschens warf. Zur Angst vor dem Gewitter qesellte sich noch die Äorge um den Erwarteten. Wenn er sich jetzt im Walde befand, wie leicht konnte ihm ein Unglück zustoßen! So verging eine endlose halbe Stunde, endlich pochte eine kräftige Hand an die Thüre. Olivia fuhr in die Höhe, mit erregter Stimme rufend: Wer ist draußen?" Karl Rochitz," erwiderte eine Männerstimme. Ein Athemzug der Erleichterung hob Olivias Brust. Sie öffnete, und über die Schwelle schlüpfte ein junger hochgewachsener Mann, an dessen Lodenmantel das Regenwasser in Bächen niederricselte. Unbekümmert um ihr neues silbergraues Foulardkleid warf sich Fräulein Merveldt an seinen' Hals, zärtlich flü-sternd:-Gott sei tausend Dank, ich war in solcher Angst um Dich!" Karl Rochitz preßte die bebende

Mädchengestalt an sich und sagte heiter: Ohne Noth, mein Lieb, ein bischen Regen schadet nichts Nun wirst Du aber ebenfalls naß wohin darf ich den Mantel hängen?" An den Kleiderständer O Karl, höre doch nur, wie es draußen donnert und tobt!" Das ist eine Wohlthat, konnte man doch kaum mehr athmen vor Hitze. Verzeihe, daß ich Dich warten ließ, ich bin aber erst mit dem zwei Uhr hier eintreffenden Zug aus der Stadt zurückgekommen, und so sehr ich eilte, eine Verspätung war doch nicht zu vermeiden. Dein Brief hat mich überglücklich gemacht, mein Liebling, erstens haben wir uns so lange nicht mehr gesehen, dann bringe ich gute 'Kunde!" plauderte der junge Mann, während er sich seines triefenden Mantels und Hutes rasch entledigte. Als dies geschehen war, zog er die junge Dame neben sich auf das Rohrsopha nieder. Ich wollte, das Gleiche 'sagen dürfen, Karl, leider ist es nicht der Fall; ich bringe schlimme Nachricht " Oho, Dein Vater hat doch keinen Verdacht geschöpft?" Das nicht, aber er will von einer Versöhnung mit Botho durchaus nichts wissen und das macht mir großenKummer,. auch unsertwegen. Doch davon später; erzähle lieber, was Dir Angenehmes begegnet tu. Meine arone Vorarlberg? Winter landschaft'ist von der königlichen Gal lerie für achttausend Mark angekauft worden, und außerdem wurde ihr von der Jury der erste Preis zuerkannt. Du siehst, Schatz, ich fange an, ,Jemand' zu werden!" Olivias Augen strahlten ebenfalls in Heller Freude, sie schien noch höher beglückt, als der Preisgekrönte selber, so beglückt, daß sie sogar das noch mit nverminderter Gewalt tobende Gewit er vergaß und in hellen Jubel nach semen .Worten ausbrach. O Karl, das ist ein wirklicher Glückstag! 'Wer kann nun noch an Deinem Talente, Deinem ernsten Stre ben zweifeln?" rief sie, seine Händ innig in die ihrigen pressend und ihm freudia zulächelnd. Mehr als einer wird das thun, Olivia, darauf müssen wir gefaßt sein, erwiderte er. Ja, Neider und Leute, die nun einmal kem Kunstverständniß besitzen." Das ist noch die Frage, schließlich kann Jedem einmal em Wurf glucken. Dir ist aber noch jeder Wurf aeglückt alle Deine Gemälde, die großen wie die kleinen sind herrlich!" In Deinen Augen, Kind, weil Du den Maler liebst!" Nein, nein, das habe ich schon früher' gesagt, ehe ich Dich noch näher kannte, und liebte! Was der Vater sagen wird, wenn er von Deinem Erfolg hört! Er ist heute in der Residenz, und man wird ihm wohl davon sprechen; ich bin begierig, ob er sich gegen mich äußert." Ich bezweifle daß er e der Mühe werth finden wird, Dir Mittheilung zu machen. Votho und Adelheid lassen herzlich grüßen und Dich bitten. Dir des gestrigen Briefes wegen keine Sorgen zu machen. Es ist möglich, daß sie überhaupt nicht mehr nach Amerika zurückkehren, da sich laut soeben eingetroffenen Nachrichten Gelegenheit bietet, das Geschäft gut zu verkaufen " Das wäre herrlich!" unterbrach Olivia. Ja, auch mir wäre , es sehr lieb. wenn Adelheid in unserer Nähe bliebe, denn daß ich mich der Kunst widmen durfte,. was in meinen Verhältnissen allerdings sehr gewagt war, habe ich allein ihre? Fürsprache zu danken. Indessen wollen wir uns noch nicht zu sehr freuen. Dein Bruder ist noch nickt ent-

'',., Werde gesund und bleibe gesund indem d , y ,

Ltberkrankheiten, Vilttösität, Unreines Blut, durch die Anwendung von , ,

Dr. August König's Kamöurger

topfen

IoS wirst, sie 'reguliren und reinigen. Sedrache St. Jakobs Otl gege T ifimiTsit m

schlössen, und dann fragt es sich, ob die angebahnten Unterhandlungen zu' befriediaendem Abschluß gelangen," erwiderte Karl Rochitz. Das wird wohl zumeist von Botho abhängen. Ich will ihm heute noch schreiben, und in den nächsten Tagen fahre ich selber in die Residenz, um mit ihm zu reden. ' Der Vater hat mir allerdings dauernden Verkehr mit ihm untersagt; bin ich aber vorsichtig, so wird er wohl nichts erfahren von der Uebertretuna." saate Olivia. Jcy mochte vas nicht als so .sicher annehmen!" Und wenn Papa erfährt, daß ich Loth' besucht habe, werfe ich einfach die Maske ab und Isle es auf einen offenen Kampf ankommen. .Ich scheue ihn nicht, denn in diesem Falle, ist er nicht nur hart, sondern sogar ungerecht! Er hat Bothos Verbindung mit Deuter Schwester dringend gewünscht" Eine in der herkömmlichen Form vollzogene Verbindung, aber nicht das heimliche Durchbrennen, in welchem die Beiden ihr Heil gesucht haben!" Nicht nur gesucht auch gefunden! Votho schreibt, er genieße trotz Allem eines ganz idealen Glückes, und Adelheid sei nicht minder glücklich. Sie baben reckit aelban. aam reckt!" (Fortsetzung folgt.) ' Vorurthcile gegen Erfindungen. Der deutsche Juristentaa, der vor Kurzem in Berlin stattfand, hatte unter' Anderem auch die Automöbilfrage auf die Tagesordnung gesetzt. Jn.der n , , t . r t i ' . i rr.f. i . i. l : T t je itgai oqajajngi jicn jci in eui,u)land alle Welt mit den Automobilen, theils legt sie große Begeisterung für sie an den Tag, theils haßt sie sie als eine Art Erfindung desTeufels, ganz so. wie man es vor einigen Jahren mit dem Zweirad und vor nicht gar sä vie!en Jahrzehnten mit der Eisenbahn gethan hat. Bei der Einführung der Eisenbahnen wurden, in Deutschland viele fchöne Gutachten über die UnMöglichkeit derselben abgegeben. Aber nicht nur deutsche gelehrte Stuben Hocker hatten so wenig praktischen Scharfblick. Die praktischen Engländer waren genau ebenso gescheit, obgleich doch ein Landsmann die Eisenbahn erfunden hak Ein sehr bekanntes Parlamentsmitglied sprach im Unterhause gegen den Gesetzentwurf über den Bau einer Eisenbahn von Live?Pool nach Manchester im Interesse der in eigenen, oder gemietheten Equipagen Reisenden, der Wagenbauer, Pferdezüchter und Pferdehändler. Das Haus sollte doch den Äauch und Lärm bedenken. Die Thiere am Pflug und auf den Wiesen würden geängstigt werden. Die Eisenbahn müßte die vollständigste Störung der Ruhe und des Behagens im ganzen Königreich bedeuten, die das Genie des Menschen erfinden könnte. Die Quarterly Review" verlangte im Jahre 1823, daß höchstens eine Fahrgeschwindigkeit von acht bis neun Meilen in der Stunde gestattet werden möchte' Im Jahre 1831 hielt dasselbe Blatt eine Geschwindigkeit von,13 englischen Meilen in der Stunde für eine große Gefahr. Um die Zahl der Unfälle mit Automobilen und Zweirädern zu verringern, ist vorgeschlagen - worden, die Wege mit unraffinirtem Petroleum zu besprengen, zumal dieses auch wirksam den bazillenreichen Staub niederhält und den Fahrweg haltbarer macht. Versuche sind bereits in Kalifornien. 'England und Frankreich' angestellt worden. Die Kosten sind nicht groß. da ein einmaliges Besprengen .den Weg eigentlich den ganzen Sommer hindurch staubfrei erhält, so daß er in dieser Zeit weder Mit Petroleum noch Mit Wasser, wieder , bespreng! zu werden braucht. ' F i s cö f c?n a z u V f e r d e treiben die Bewohner Oreaons am rm teren Columbiastrome. Man sieht dort berittene Männer, die sich scheinbar zwecklos im Wasser hin und , her bewegen. Thatsächlich fangen die Reiter aber . Lachse mit großen Schleppnetzen. r jc, rts . r. r'tc. oic Q tywzz iuv, uap vu sjnz eines Pferdes bei dem Fischfange ganz nntr r? n ' enioeyrlicy in. . Die altkätholische Dio'3 t f t des Bischofs. Koslowski in Edicaqo umsaßt 100.000 Seelen. Unterschied. Wie unterscheide! sich em Mlnnk'r von cinerGuitarre? - Eine Guitarre wird mit der Lin kcn gchaltm und mit der Rechten gc ziivft. ein Minister rp'ird von derAZcch ien halten und. von der Lin7cn gc r oV!l' .

WM

y n r" 8W TiVjl llÄ-iP Feuer-Signale. i Pennsylv und Startet 5 Englist'i Opn-HauK Eastund New Dork 7 Noble und Michigan 8 N. Jerjey u. Mag Ave Pine und North - 10 Mästet und Pine 11 Vermont nahe Last ' 12 N. 8 Spritzenhaus Mass. 8tx nahe Noble 13 Dawäre und Walnut 14 N. Jersey u Central A. 15 Mass. und Esrnell five 15 Ash und li.'Ctrae 17 Park Lve und 12 Etr .3 Columbia undHillZide 19 Highland Ave u. Pratt kl Jllino und St. I 2Z Pennsylv. und Pratt 24 Meridian und 11. Etr 25 Tio. 5 Spritzenhaus 15. nahe Illinois -' 5 Senate Ave. CtElai? 27 JllinoiS und Michigan 28 Pksyloania und lt. 29 Senate Ave. und 13. ' 31 No. 1 CpritznchauS ' Indölvenab. Michigan 32 Weridia und Walnut 34 California u Vermont 35 Blake und New Jork ' 3 Ind. Av. . St. lair 37 City HospiUll ZS Blake und Norty . 39 Michigan und X jnt 41 No. 6 Spritzenhaus . Washington nahe West 42 fcndorf u Wash. 42 Missouri u New Fork 45 Meridian u Wash 169 Park Ave und 10. 1 Capital Ave und 17.' 15 Pennsylv. .Michiga 214 JllinoiS und 20. 215 Senate Ave und 21. 216 Pennsvlvania und 22. 217 ?kcridian nd 1., 21 Capital Ave und 2K. 219 Broadway und 10. 231 Illinois und McLcan 234 No. 14 Spritzenhaus Kenwood und 50. 235 Illinois und 83. 236 Annctta und 30. 237 No. 9. Spritzenhaus Udell und Naer L3S TXbtd Lavder Works 239 Jsabel und 7. . 241 Meridian und 24. 242 Illinois u Et.Clatr. 243 Eldridge und 23. . 512 West uud Walnut 313 West und 12. 514 Howard und 1. 515 Torbet und Paca 81 Capital Ave und 10, 317 Northwestern Ave u Ll 318 Gent und 18. 819 Canal und 10. 321 Cerealine Wsrk 524 Dcnnont und Lynn 35 BiSmarck u Granrvie -32S No. 29 Spritzenhaus Haughvtlle. . 827 Michigan u. Holme. 328 Michigan lt. Ccncrrd L41 West und McJntyre 412 Missouri u. Marylant 413 Missouri und Ohio 415 Capital Ave u Georg's 416 Mtssoun u KcntuSv. . 417 Senate Ave n. Wlh. 421 P und E Rmvdhue 23. Washinztcn. 423 Irren-Hospital. 424 Milev Lve . I D u 52 425 Wash. und Harris 42 No. 18 Spritzcnhmß ' Z2. Washington 427 Oliver und Birch 428 Oliver und Osgood 429 Nordyke und Dork 431 Hadlcy Ave u. Morrik 432 Rio Ave u. MorriS S4 River Are und Siay ' 435 Harding u. Big 4 R K 436 Harbin und Oliv 437 No. 19 Cpritzenh, Morris und Hardinz. 38 Howard und William 39 Stocks 451 Reisn und Miller 452 Howard und 453 MorriS und iiappc 56 Lanlbert und Belmonk 457 Nordyk Ave u. Mar mon Works 512 West ud Rat) 613 entuckv Av u. Merrill 514 Meridian und MorrU 516 JllinoiS und'LansaS 17 Morris und Dakota L13 Morris und Church 519 Capital A. u McCarttz , 521 Merusian und Palmer . 523 Pine und öord 524 Madison Ave u Lwcol 26 Meridian und Seit RZl 627 Carlo und Ray 628 Meridian und Arizvna 529 MerUian Raymond 531 Meridian u. McCarr? 532 No. 17 Spritzenhaus . Morris nahe West :'Mc.lcrnanund Dough. . 613 Caft . Lincoln La ' 614 East und Brecher 15 Wright und Sanders' ' 17 McCartY und Beat? 18 New Jersey u Vir 2 712 Spruce und Prospekt 715 Cnglish Ave. u. Laurel 714 State Ave u.Belt R 715 Shclby und Beech 716 State Ave uno Orange 718 Orange und Laurrl . 719 Shelby u. C.aa 3Ü 721 Lexington A. Laurel ' 723 Fletcher Ave u. Spru 724 State Ave u. Pleasant 725 Prospekt und nitafarJt . 726 Orange und HZtl 728 Liberty und Meek 729 Nole und South 812 No. 15 Spritzenhaus Ost Washington Str. LiZ Market und Noble . 814 Ohio u. Highland Av 15 Michigan u. Highland 816 Market u Arsenal A 817 Ost S. Clair und Union Ba5n ßefc'. 821 Pan Handle Shrp? . 823 Vermont und Walcoti 824 Wash. und State Av 82 Madden'sLöungeFak. 826 Tue! und Torsey 827 Wash. und eville Av, 829 No.U Spritzenhaus eville nahe Muhigsb . .831 Eoutheaster Ave und '. Woodstde.' , 832 Wash. und Tearbor LZ4 Loutheastern und Arsenal Ab es. 885 New Fork ud Tempk 912 JllinoiS und Vary!, 13 JllinoiS und Market, 14 Penn, nd Wsh. 9iS'Tlaatt nnd 46 JllmoiS und Ohio. 47 Capitol As. u Wash 48 Lmgan'S Por'hauS 49 Straßenbahn Ställe W. Washington Str. 51 No. 10 Spritzenhau ' JllinoiS u Verrill 52 JllinoiS u Louisiana SS West und South L4 West und ÄtcCarty ' öS Senate Ave. u Henry 57 Meridian und Na öS N0. 4 Spritzenhaus Madiso Av. u McrviS 59 Nadison 2. u Tunlop 61 No 2 Haken LeiterhauS South nahe Delaware 62 Penn, u Merrill LZ Delaware u. McCarth 64 Saft und McEarty 65 New Jersey u. Merrill 67 Lirg.Av.u Bradsha es East und Prospekt 69 Bicking und High ' 71 No. 11 Spritzenhaus Vir Ave. nahe Huron 72 East und Gcorgia 73 kcdar und Elm 74 Davidson u Georgia 75 önglish Av. u Pine 7 CheUiy und Bäte -78 No. 3 Spritzenhaus Prospekt nahe Chelby 7, Fletcher Zl. u Shelby 1 Market u. New Jneh 2 Oclaware und Wash. 3 Oast U Washington 84 New York .Tavidsor 8Z Taubstummen Anstalt so Ver. Staaten Arsenal S7 Orient! und Wash. . l9 Fraum-Reformat. vl No. 13 Spritzenhaus ' Maryland nahe Mer.92 Meridian u. Grgia. ' 03 Meridian und South 94 Pennsylv u. Louisiana" . 95 $in,im? Ave u. Llab. 96 Hauptquartier. 97 Grand Hotel. 98 Capital Av und OHis 123 No. 16 Spritzenhaus 16. unb Ash. .. 124 Alabama und 16. 125 Central Ave und 15. 12 DandeS und 15. ; 127 Brookside und Jupiter 12S Central Ave und 17. 129 Delaware und 19. 131 Alabama und 11. 132 Bcllefontaine und;. 134 College Ave und 20. 135 Delaware und 13. 136 Alabama und Rorth 137 Newmcutn und 19. 158 College Ave und 14. ' 139 Cornell Ave und 13. 141 DandeS und 1L. 142 Higbland Ave und 10. 143 Tecumseh und 1. 145 New Jersey nd 22. 146 Alvnd ;:nd 17. 147 No. 2 Spritzenhaus Hil.fid Ave und 16. 14S College Ave und 22. 149 College Ave. und 27. 152 Park Ave und 22. 15? LSu. SS Bahn u. 22. 154 Ramsty ZZre und 10. 156 Stoughton u Newman 157 Atlas And Pike. ' . 158 Bloyd und Patrpaw. 159 No. 21 Spritzenhaus Brightwood l2 Arven und Tepot 163 Brightwood und 25. 164 Rural lmd Blodd 165 Et. Clair u. Keystone 167 Arsenal ve nd 23. 153 Bellefontame und 58. Spezial-Signale.' . Srften Schvlg, Zweiter Alarm, Aweiten 2 Schlage, dritter Alarm, ' Dritten 2 Schlage. vierter Zlarau . . l-t-l, Feuer au und Schlauch aufgero. 3 Schläge, Wasserdruck ab. U SlSge, 1 Uhr Mittags. Die Zo bezeichneten Signale werden nur vom Thurnv vSchter ngegebe da an den betreffende Etraßci? rreuzunge Ktne Alarmklftc angebracht sind.

.

' . : ,i r.-'j. - t- .:E'-c-3--