Indiana Tribüne, Volume 26, Number 4, Indianapolis, Marion County, 27 August 1902 — Page 7
1 Jndiana Mdnnc. 27. Qugust 1902.'
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V Harricts Ehe. ß Vom von A. Don der (Elbe. 8 oc$o$oo$ceooeoc$ooi (Fortsetzung.) Endlich war sie vor einigen Tagen, als O'Dannes Besuch feststand, ge radeswegs auf ihr Ziel losgeganzen und hatte dem Herrn mitgetheilt, daß seine Tochter mit ihrem Manne herkommen werde, und flehentlich bitte, ihn sehen zu dürfen. Nach lanzem Schweigen erfolgte unter bitterem Lächeln die zögernde Ant wort: ctfar.en sie ja thun wenn sie'Z ristiren wollen." Darauf hatte sie leise den Gedanken hingeworfen, daß man die übereilt geschlossene Ehe vielleicht trennen könne. Mr. O'Danne kränkle, vermöge nicht aufzutreten, es müsse ihm an einer Sicherstellung seiner Zukunft liegen. Liefce sich machen." Wieder dies boshafte Lächeln. Sie wußte nicht, was sie don dem Verhalten des alten Mannes denken sollte. Auch jetztgab es nichts Bestimmtes auszurichten. Sie fühlte deutlich, daß sie sich in eine recht zweifelhafte Sache eingelassen habe. Aber alles geschah ja für ihren Hans Egon. Also Muth! Sie mußte sehr vorsichtig sein, denn ihre Stellung in Schönemanns Hause stand auf dem Spiele. Oder sollte sie noch mehr zu befürchten haben? Der Taufschein hätte sie sich' nur darauf nicht eingelassen; ein dummer, ein gefährlicher Handel! Samuel riß die Thür zum Salon auf, und Frau v. Kurzenbach rauschte mit der ihr eigenen gesellschaftlichen Beflissenheit in's Zimmer. Meine süße, liebe Harriet endlich, wie glücklich bin ich!" Die junge Frau lag schluchzend an ihrer Brust. Und Sie. Verehrter, wie schön, wie wohl, wie unverändert Sie Beide!" O'Danne zog die Hand der Dame an seine Lippen und stammelte: O, Sie Hütige, welch' wahre Freundschaft!" Aber so beruhige Dich doch, geliebies Kind. Es wird ja noch alles gut werden." Zärtlich streichelte sie die glühende Wange der Erregten. Auch Harrtet küßte unter DankesWorten die Hände der mütterlichen Freundin, die ihr den Frieden, das Glück, wonach sie sich schmerzlich sehnte, zurückgeben wollte. ' Und nun hielt sie sich nicht mehr, sie fragte: Wie geht es meinem Vater? Wc:s hast Du mir von ihm auszurichten, Tante Laurette?" Ruhiq, mein liebes Herzchen. Dein Papa läßt bitten. Du möchtest Dich morgen Mittag um zwölf Uhr zu Hause halten." Will er herkommen? Ich weiß es nicht. - Oder den Wagen schicken?" Frau v. Kurzenbach zuckte die Achseln. Als Harriet sah, daß die Freundin nichts wußte oder nichts sagen wollte, bczwang sie sich und fragte nach Franziska. Sie läßt nichts von sich hören," belichtete die Dame. Einige Wochen nach Deinem Fortgehen ist in aller . Stille da natürlich Dein Papa wenig aufgelegt war Franziskas Hochzeit mit Leforet gefeiert worden. Dann ist das junge Paar abgereist, erst wollten sie, wie ermir sagte, einige Zeit in Paris zubringen, um Handelsbeziehun5en für fein neu zu gründendes Geschaff anzuknüpfen, dann sind sie in Neapel zu Schiff gegangen. Ich glaube nach Indien oder einem anderen überseeischen Hafen. Ihre Adresse besitze ich nickt." Die Unterhaltung wurde allgemelner. O'Danne und Frau v. Kurzenbach waren die gewandtesten Plauderer, die man finden konnte. Er redete bis zur Stimmlosigkeit. Frau Laurette machte im Stillen die Bemerkung, daß er unerhört verbraucht fei und sich freuen könne, wenn der Schwiegervater ihm die schöne Frau abkaufe. Schön aber war Harriet wirklich geworden. toie hatte sie früher kindisch und fade gefunden, jetzt gab sie Hans Egon recht, man mußte das junge Weib ein bezauberndes Geschöpf nennen. Harriet hätte gern nach Arnold gefragt, aber so sehr sie auch von ihm zu hören wünschte, sie brachte seinen Namen nicht über die Lippen. Die Berickiterstatterin umging es, seiner zu erwähnen. War das Absicht? Wo mochte er sein, und wie ging es ihm? Nun war Tante Laurette fort, und Harriet umfaßte ihren Mann: Hast Tu's gehört, morgen morgen! O, die Freude und das Bangen! Was glaubst DuBitte, laß, ich bin todtmüdc. Ist das eine angreifende Person! Und so diplomatisch und verschlossen!" . Er ging, sich von Samuel auskleiden zu fassen Die Erregte erzählte ihrer Pine alles Gehörte; bei der treuen Seele fand sie wie immer Thellnatzme und Bertröstung. Aber welch' ewe Nacht! Wie sollte Harriet bis morgen Mittag die unbeschrcibliche Spannung aushalten? Sie hätte aufspringen mögen, jetzt in dunkler Stunde hineilen, bettelnd an ihres Vaters Thür klopfen jach auf mach auf Dem Kmv ist da, laß es nicht draußen stehen, laß es wieder ein in Dein Haus nimm es an Dein Herz. In der weiten Welt ist's ode und kalt.
ich habe Heimweh ich sehne mich nach
Dir, nach meiner H:imath." Aber so schwer sie auch rang, mit Ungeduld, Furcht und Sehnsucht, die Minuten und Stunden gingen ihren gleichmäßigen Schritt. O'Danne lao acni rubia er sulut sich ermüdet, aber der Schlaf wollte auch bei ihm nicht ejnlehren. Der Gedanke, ob er unvorsichtig gehandelt, ob er den Ztopf ln eine Schlinge gesteckt habe, peinigte ihn. Wenn man das gefälschte Dokument zu einer Klage gegen ihn anwandte, konnt: man ihn jedenfallZ gerichtlich belangen. Was mochte darauf hierzulande für eine Strafe siehen? Vielleicht wurde sogar seine Ehe für null und mchng erklart. O nur das nicht, er konnte seinWeib nicht missen. Ja. er fühlte, daß die Nähe des entschlossenen. blühenden Geschöpfes ihm, dem Schwachen, Muthlosen, unentbehrlich sei. Daß er ganz zusammenbrechcn werde ohne sie. Der Empfang hier, die lühie Bestellung auf morgen hatten wenig Ermuthigendes. Wäre der morgende Tag nur schon" überstanden, wären sie nur erst wieder fort! Harriet sank spät in einen unruhigen Schlnmmer,aus dem sie am hellen Tage mit schmerzendem Jlopf erwachte. . Am Frühstllckstische sah das Ehepaar sich mit zerstreutem Wesen gegenüber. Beide mochten nicht von dem sprechen, was sie doch allein innerlich beschäftigte.' Sie fragten sich nach ihrem Ergehen, versicherten, daß sie wohl seien und gut geschlafen hätten, hörten aber des Anderen Antwort kaum. Es herrschte eine Stimmung zwischen ihnen wie die Ruhe vor dem Sturm. Die Morgenstunden schlichen dahin. Obgleich ein feiner Negen niederging, und dicke Nebelschwaden über dem Alstcrbasstn schwebten, trat Harriet doch von elf Uhr an oft und öfter auf den kleinen Balkon hinaus, der am Salon lag. Ihr Mann ging ab und zu, auch er wurde von großer Unruhe, hin und her getrieben und wußte nicht, ob er bleiben oder sie verlassen solle. Endlich der Klang der Mittagsglocke von den Thürmen; Harriets Athem stockte, ste sank in einen Sessel. Zwölf Uhr, die Stunde war da. . Noch tönt von fern her der sonore Klang einer ehernen Stimme über die Stadt hin, als Samuel mit einer Karte auf silbernem Brett in's Zimmer kommt. Harriet fliegt ihm entgegen, reißt die Karte an sich und liest: Arnold Rüdiger." Das Blatt sinkt zur Erde und wird vom Diener aufgehoben. O'Danne tritt herzu. Mit bleichen Lipven spricht Harriet: Arnold ist's." Ein nervöses Zittern überfliegt den Mann: Da wird's am besten sein, daß ich mich zurückziehe." Mit hastigen Schritten eilte er in's andere Zimmer und schließt die Thür bis auf eine kleine Spalte. Er weiß, daß ihm ein Kampf, eine große Gemüthsbewegung bevorstehen würde. Weshalb sich exponiren? Mag sie mit dem Vetter, in dem er seinen erbittertsten Feind wittert, erst allein verhandeln. Harnet stammelt: Ich lasse bitten.Im nächsten Augenblicke stehen sich die einst so nahe Verbundenen gegenüber. Beide sind, ohne es zu wissen, todtcnblaß vor gewaltiger Gcmüthsbewegung ' und für einige Sekunden stumm, sprachlos. Nun eilt Harriet, getrieben von freudiger Wallung, Arnold beide Hände entgegenstreckend, auf ihn zu. Er berührt die eine flüchtig mit steifer Verneigung. Wie finster und ablehnend er aussieht! Sie möchte alles thun, ihn zu versöhnen. Bitte, setze Dich zu. mir und sag mir. ob ob Papa mir endlich derzeiht." Er folgt ihrem Winke. Du der langst viel. Du solltest Dir klar machen. daß es fast unmöglich ist." Er blickt ihr freier in das erschrockene Gesiebt. Wie vergeistigt sie aussieht! Dieselbe, aber doch anders in so kurzer Zeit. Bitterer Schmerz , durchzuckt ihn. Eine Knospe unter fremder Sonne erblüht. Unmöglich?" wiederholt sie fragend. Wir sind doch nun einmal verhirathet. Und wenn Püpa auch recht hat, böse zu sein, weil ich ohne seine Erlaubniß ging, so hoffe ich doch, endlich er kann doch nicht immer zürnen. O, Arnold, verschaffe mir seine Vergebung." Es durchzuckt ihn ein Hoffnungsschimmer. Sollte sie wirklich nichts von demschändlichenBetrugewissen? Deine Trauung ist nur durch eine Fälschung ermöglicht worden," spricht er hart. Mit großen, erschrockenen Augen starrt sie ihn an. Eine Fälschung? Aber rs war doch der richtige Pastor von Helgoland." Der Geistliche darf eine Minderjährig: nur trauen, wenn eine notariell beglaubigte Zustimmung des Vaters oder Vormundes deponirt wird. Es geschah, aber das Dokument ist unecht, gefälscht." Unecht ein Dokument ich weiß nichts davon." Aber Du nahmst doch, um die thörichte Heirath zu ermöglichen. Deinen Taufschein aus Vaters Schrank." Er sieht sie strafend an. Ich?" Das Bild der reinsten Jestürzunq. Wie kannst Du denken?" Juristisch läßt sich vielleicht darthun, daß jeder Mensch ein erstes Recht am eigenen Taufschein besitzt. Ob also von einem Hausdiebstahl die Rede sein kann ist" Arnold!" sie fährt auf, zürnend steht sie da, glühend, mit flammenden Augen. Das mir das wagst Du mir zu fagen!" Ihre Arme hängen steif herab, aber er sieht, aß ihre Hände sich zu. Fäusten..ballen..,daß Thränen ge-
kränkten Ehrgefühls ihr in's Auge r f ' - c. t - l 1L lim-
Ziesten, und zi cticuni, mu ciuciu in fen Seufzer der Erleichterung, daß sie unschuldig ist. . Keine Betrügerin, eine Betrogene. Beschwichtigend legt er die Hand a'.:f ihren Arm. drückt sie auf ihren Platz zurück, und endlich belebt ein freundlicher Ausdruck sein finsteres Gesicht. Laß Dir in Ruhe den Sachverhalt berichten. Harriet, Du wirst einsehen, daß ich berechtigt war, jenen häßlichen Verdacht auf Dich mit zu übertragen. Ich schweige von dem Schrecken, mit dem Deine Flucht uns erfüllte. Frau v. Kurzenbach und Franziska wollten von nichts wissen. Philippine. Deine Vertraute, war mit Dir gegangen. O'Danne hatte die Stadt, verlassen, es hich, er sei nach Amerika zurückgekehrt. Alle Nachforschungen, die wir diskret unternahmen, fruchteten nichts. ' Wir verlebten einige Tage in furchtbarster Ungewißheit. An eine Trauung auf Helgoland konnten wir nicht denken, da O'Danne. wie wir glaubten, keine Papiere besaß. Sobald wir Deinen Brief aus Helgoland erhielten, fuhr ich natürlich nach dort. Da ich mit der Vollmacht Deines Vaters versehen war, konnte mir der Geistliche die Einsicht in die ihm übergebenen Legitimationspapiere, die Eure Trauung ermöglichten, nicht verweigern. Ich erkannte sofort die Fälschung, und daß der Tausschein Deinem Vater entwendet sein müsse." Schrecklich! Sind wir denn nicht rechtmäßig " Leider doch. Es war auch mein erste? Gedanke. Ich fragte den Geistliehen. Er sagte mir, daß die durch einen Diener desHerrn eingesegneteEhe unter allen Umständen giltig sei. Daß man nur den Fälscher bestrafen könne. Werzeih, wenn ich schweren Herzens Dich einverstanden wähnte." Furchtbar abscheulich wer?" stammelte Harriet athemlos vor dunklen Befürchtungen. Wer? Das fragst Du noch, armes Kind!" Arnolds Mienen verzerren sich, düstere, leidenschaftliche Wuth flammt aus seinen Augen, und die Faust schwer auf den Tisch legend, ruft er überlaut: Wer anders als dieser elende Gaukler Percy O'Danne, der durch Betrug Dein Mann geworden ist!" Vor diesem Ausbruch der Leidenschast, diese? Beschuldigung, deren Wahrheit klar zu Tage liegt, erbebt Harriet in tiefster Seele, schamerfüllt schlägt sie die Hände vör's Gesicht und stöbnt: Halt ein, schone ihn!" Arnold achtet dessen nicht, in seiner zornigen Erregung blind für alles um ihn her fährt er fort:. Solange wir Dich für seine Mitschuldige hielten, schwiegen wir. Wir konnten es nicht über's Herz bringen. Dich zu verfolgen, Dich zur Strafe zu ziehen. Jetzt, wo ich sehe, wie schändlich er Dich umgarnt hat, will ich nicht eher ruhen, als bis Du aus diesen unwürdigen Banden befreit bist, bis der Betrüger seine Unthat im Zuchthause büßt." Harriet schreit laut auf: Entsetzlich er darf nicht" Beide völlig von ihrer erschütternden Zwiesprache gefesselt, beachten nicht einen leisen, fast wie ein Echo tönenden Laut der Qual aus dem Nebenzimmer, wo ein Unglücklicher sein Verdammungsurtheil anhört. ' Ich bin außer mir ich kann's nicht fassen" schluchzt Harriet. Er soll mir nicht entgehen er ist verloren," knirscht ihr Gegenüber ingrimmig. Wo ist er, daß ich mit ihm abrechne?" ' Harriet, von Angst ergriffen, daß jetzt gleich hier eine furchtbare Szene zwischen den beiden Männern bevorstehe, haucht: Ich weiß es nicht." Ist er ausgegangen?" .Ja-ja." Ich werde solange warten, bis er zuruarommk, werde tyn der grasenden Gerechtigkeit überliefern." Harriet fühlt, daß ihreKraft zuEnde ist. Laß, bitte bitte komm morgen wieder." Er sieht, daß sie mit einer Ohnmacht ringt. Grenzenloses Mitleid erfüllt ihn. Ja, alle diese Eröffnungen mußten sie auf's tiefste erschüttern. Und er kann sie noch quälen? Er, dem sie doch über alles in der Welt theuer ist. Helfen will er ihr. sie rächen und befreien, jetzt aber vor allen Dingen muß er sie schonen. , Ganz weich wird dem eben noch so Wilden um's Herz. Er preßt die Lippen inbrünstig auf ihre kalte, zitternde Hand und wendet sich zum Gehen. Ruh: Dich erhole Dich. Ich schicke Dir Deine Philippin?." murmelt er, bemüht, so milde zu sein wie möglich. Ja, Du mußt erst alles fassen lernen, armes, geliebtes Kind. Morgen komme ä) wieder. Dann wird auch Dein Vater Dich zu sehen wünschen. Erhole Dich nur erst. Sage O'Danne noch nichts. Ich will mich schon mit ihm auseinandersetzen. Und nun, Gott be fohlen." Als er auf die Straße tritt, fpürt er. daß auch er der Sammlung bedürfe. Seine Kniee zittern. Schwindel benimmt ihm den Kopf, und sein Herz schlägt zum Zerspringen. Welch ein Erlebniß! Er winkt eine Droschke heran und läßt sich nach der Villa Sch'önemann hinausfahren. Er fühlt, daß die Freude, sie unschuldig an dem Betrüge zu wissen, alle anderen Empfindungen überwiege. Und dann drängt sich ihm die Frage auf: Wer kann aus Schönemanns Schrank den Taufschein genommen haben? O'Danne selbst? Unmöglich. Wie hätte der unbemerkt in die Villa und gar an den eisernen Schrank kommen
louenk öo'muB er einen Hause gehabt haben. ' Seine Gedanken prüfen jeden Einzelnen auf Redlichkeit und Unbestechlichkeit. Ein plötzliches dämmerndes Ahnen, Erschrecken. Sollte es möglich sein? Sollte sie Harriets Entfernung, ihr Zerwllrfniß mit dem Vater gewollt, Vortheil für sich davon erwartet haben? Arnold besinnt sich darauf, daß ihm ein gewisser zärtlicher Ton von Seiten der Kurzenbach gegen den alten Herrn in derzeit nach Harriets Flucht aufgefallen 'sei. Ein sachtes Näherkommen, ein schmeichelnd zärtlicher Ton. Bei allen Vorwürfen über Pflichtversäumniß. mit denen Schönemann sie nicht verschonte, war sie die Sanfte, Einschmeichelnde 'geblieben. Der Hausherr hatte erschreckend deutlich, ja derb werden müssen, um sie zu belehren, daß er ihre Annäherung nicht wünscke. Rechnete die schlaue Person darauf, den Vereinsamten sammt seinem großen Reichthum in ihre Netze zu ziehen?' Arnold hat die Ueberfeine nie leiden können, er hält sie für unzuverlässig, für eine berechnende Kokette. Aber Schönemann war stets von ihr eingenommen gewesen, eine so elegante Revräsentantin des Hauses schmeichelte semer Eitelkeit. Noch mehr. Es war Arnold nicht entgangen, daß Harriet den Leutnant v. Kurzenbach in herber Backfischart schnöde abgewiesen. Sollte dies die Mutter zu einem Akt der Rache gesta' chelt haben? Ein ganzes Wirrsal von Intriguen scheint sich vor dem Sinnenden aufzuthun. Die Dame hat ja am leichtesten in einem unbewachten Augenblick an die Dokumentenmappe kommen können. .Auch Franziska mag nicht ganz unbetheiligt gewesen sein. Ihm ist's manchmal so vorgekommen, als ob die weniger Schöne, weniger Umworbene ihre bevorzugte . Base mit neidischen Blicken verfolge. Wie aber der verschmitzten ffrau Laurette die Maske höflich lächelnde? Harmlosigkeit vom Antlitz reißen? Ah, er würde sie nicht schonen, würde sie derb anfassen! Er würde es ihr ansehen, ob sie schuldig war. Und da hielt sein Wagen auch schon vor dem Thorwege der Villa. Als er dem Hause zuschreitet, gewahrt er Frau v. Kurzenbach am Fenster im Salon, sie grüßt ihn huldvoll, aber es scheint ihm, als liege eine angstliche Spannung im Ausdruck ihrer Mienen. Im nächsten Augenblick tritt er bei ihr ein. Sie wirft ihre Stickerei aus der Hand, will sich erheben, ihm artig entgegengehen, er aber winkt ihr gebieterisch. jede höfliche Form zu unterlassen, und tritt mit der Strenge eines Richters vor sie hin. Wie finster und drohend er aussieht, weiß er selbst nicht. Die Dame aber bemerkt es mit innerem Erbeben. Er ist kein ' Diplomat und sagt schroff: Ich komme von unserer armen Harriet. Sie ist das Opfer der krassesten Niedertracht geworden. Ich weiß, ich durchschaue alles. Leugnen hilft Ihnen nichts" Ihr Erblassen, die unverkennbare Furcht des schlechten Gewissens, die sich in ihren Zügen ausdrückt, überzeugt ihn mebr und mehr. Welche Vorwürfe, welch' ein Ton" stammelt sie mit bebenden Lippen. Sie denkt: O'Danne. der Feigling, der Undankbare, hat mich verrathen, und verliert völlig ihre Fassung. Er nimmt seinen Vortheil wahr. Sie haben das Vertrauen des Vaters getäuscht und eine Heirath begünstigt, die er verwarf. Doch nicht genug da--mit. eines noch größeren, eines geradezu niedriaen Veraebens muö ick Sie beschuldigen. Sie wien, was icy meme und welchen Namen man Ihrer That geben kann." Sie fährt empor und hebt die Hand abwehrend, im höchsten Schrecken. Halten Sie ein nennen Sie die liebevolle Schwäche für mein theures Kind, dem ich ein ersehntes Glück verschaffen wollte, nicht, mit verletzenden Worten. Man verkennt mich. Meine selbstlose Güte bleibt unverstanden." Darf man aus Güte," er betonte ironisch, sich an fremdem Eigenthum vergreifen?" Dem eigentlichen Besitzer zu dem Seinen verhelfen, kann kein Gerichtshof rerurtheilen." Elende Sophismen!" Ich sehe, daß ich dies Haus verlassen muß, in dem man meine treue Hingäbe nicht zu würdigen weiß." Er lacht bitter auf. Wenn Sie gehen, so kommen Sie vermuthlich Herrn Schönemanns Wünschen entgegen." Sie wirft den Kopf, auf und verläßt das Zimmer mit der Miene g:kränkter Unschuld. Er ist froh, daß sie den Weg selbst findet, auf den er sie sonst im Auftrage des Hausherrn hätte hinweisen müssen. Und nun geht er zu seinem Onkel, um dem schwer gekränkten Vater den Trost zu bringen, daß sein Kind nicht so schuldig ist, wie sie befürchtet haben, und um mit ihm die weiteren Schritte zu berathen. Arnold wünscht jetzt, wo er ruhiger wird, jeden öffentlichen Skandal zu vermeiden, aber getrennt werden muß diese Ehe. 14. Kapitel. Nach Arnolds Fortgehen btteb Harriet wie gebrochen zurück. . ' Also Percy der Unglückliche er, dc sie sich voller Vertrauen und mit einer an Anbetung grenzenden Liebe
hingegeben, er hatte sich zu solchen Betrügereien hinreißen lassen! Welch' einer groben Täuschung ist sie unterlegen, als sie ihn über alles hoch stellte! Was nun o. was nun? Sie weist Pine. die besorgt eintritt, ab. Was soll ihr jetzt Pflege? Mit sich allein muß sie sein, um alles Furchtbare zu begreifen. Sie springt empor und ringt die Hände. Aber wie seltsam, neben alle dem Bitteren, welche Freudigkeit im Grunde ihres Herzens! Arnold! Sie hat sein ehrliches Gesicht wiedergesehen, hatte gefühlt, wie viel Freundschaft er trotz Allem, was vorgefallen, noch für j hegt. Er hat ihr die Augen geöffnet, so daß sie erkennt.' wie leichtsinnig sie mit ihrem Lebensglück gespielt. Welch' ein Traum hat sie umfangen gehalten! Ihr scheint's, als sei sie jetzt, trotz allen früheren Erfahrungen, jetzt eben erst zur vollen Einsicht in Percys Wesen erwackt. (Fortsetzung folgt.)
Kaufmannslcbrliug vor 50 Jahreu. Als ich vor etwa 50 Jahren, so erzählt ein sächsischer Kaufmann in seinen Erinnerungen, in einer größeren Provinzi.:lstadt bei einem reichen Schnittwaarenhändler, der als tüch tiger Kaufmann bekannt war, in die Lehre trat, herrschten noch Zustände im Lehrlingswesen, von denen man jetzt keine Ahnung hat. Mit dem Verechtigungsscheine zum Dienste als Ein-jährig-Freiwilliger in der Tasche und großen Rosinen im Kopse, traf ich in B. ein, um sechs Jahre, schreibe sechs Jahre, bei freier Kost und Wohnung, den Frohndienst eines kein Lehrgeld zahlenden Lehrlinqs zu verrichten. Von sechs Uhr früh bis zehn Uhr A5ends wurde ich im Trab gehalten, mußte als Sekundaner a. D. Stiefel putzen, den Laden fegen, alles abwischen. Fenster putzen, Mittags im Komptoir den Tisch decken und alles dazu Nöthige aus der Wohnung herunter und wieder hinaufschleppen. Abends nach Schluß des Ladins Kouverts schneiden und kleben, mit :m Alten zusammen Geld abzählen und einpacken, Briefe abschreiben, eine Kopirpresse gab es nicht, Bücher registriren und anderes mehr. Es war mir in der ersten Zeit ein etwas prekäres und genirliches Vergnügen, den böhmischen Weibern, die in einer Grenzstadt bei uns die theuersten Stoffe einkauften, diese unter den langen Kleidern anzubringen und festzubinden, damit die Käuferinnen' damit unbehindert über die Grenze kommen konnten. Auch war es ein recht zweifelhafter Genuß, zu Zweien, mein lieber Prinzipal und meine Wenigkeit, in einer primitiven Holzbude zu schlafen, wobei ich mit dem Kopfe an die Klappe zu liegen kam, durch die wir in die Bude hineinkrochen. Früh Morgens weckte mich der Nachtwächter, indem er die Klappe öffnete, um mich kräftig am Ohr zu zupfen. Trotz alledem habe ich doch etwas Tüchtiges gelernt und das damals noch übliche mündliche und schriftliche Gehilfenexamen vor der hochwohllöblichen Kramerinnung glänzend bestanden, so daß ich nach der langen schweren Lehrzeit stolz und frei mit Stock und Cylinder, ,was während der Lehrzeit verboten war, als frisch gebackener Kommis bei meiner Angebeteten Fensterparade machen konnte. Salzprvduktion in den Ver. Staaten. Das Jahr 1900 markirt den Höhepunkt der Salzproduktion in den Ver. Staaten. In diesein Jahre wurden nicht weniger als 20.869.342 Faß von je 280 Pfund produzirt, einen Werth von beinahe 57.000.000 repräsentirend. Im Jahre 1901 nahm die Produktion um 302.681 Faß wieder ab. der Werth des Produkts um $327,154. Die Staaten New Jork und Michigan sind die beiden Hauptrivalen in der Salzproduktton; Michigan behauptete den ersten Platz bis 1893, in den folgenden acht Jahren lief New York dem Wol-verine"-Staat den Rang ab, mußte jedoch in 1901 wieder an zweite Stelle zurücktreten. Im letzteren Jahre produzirte Michigan 7,729.641, New York 7,268,320 Faß. Die beiden in zweiter Reihe in Betracht kommenden Staaten sind Kansas und Ohio, ersteres mit 2.078,791 und letzteres mit 1,153.535 Faß. Alle vier Staaten zusammen liefern 89 Prozent des gesammten in den Ver. Staaten produzirten Salzes. Etwa 50.000 Faß wurden letztes Jahr exportirt, aber fast 2.000.000 Faß importirt, da der Konsum in den Ver. Staaten im verflosfenen Jahre nahezu 22,000.000 Faß betrug. Das importirte Salz lieferten Großbritannien, Britisch Weftindien und Italien, der Export amerikanischen Salzes ging nach Centralamerika, Mexiko und Hawai. Das verschobene Nation a l f e st. In der kleinen französischen Gemeinde Mere waren heuer für die Feier des Nationalfestes am 14. Juli besonders eifrige Vorbereitungen getroffen worden. Die von der Gemeindeverwaltung bewilligten Kredite waren aufgebraucht, man hatte geflaggt und die Oriflammen aufgesteckt, man hatte auch den Fackelzug gehörig .vorbereitet, als plötzlich, am Nachmittag des 13. Juli der Ausrufer alle Einwohner zusammenrief und ihnen verMündete: .Da der Herr Bürgermeister sein Heu noch'nicht eZngefahren hat. so wird das Nationalfcst auf den 20. Juli verschoben."
DaS Kurzschneiden der Haare. Die Wiener Friseurgenossenschast hat in einem Referate gegen die zur Sommerszeit übliche kurzgeschorene" Männerhaartracht Stellung genommen und zur Begründung außer geschäftlichen auch medizinische Rücksichten in's Treffen geführt. In dem Referate wird unter Anderem gesagt: Zu wiederholten Malen haben wir die heutige Unsitte des kurzen Haarschneidens besprochen und die Friseure aufmerkfam. gemacht, von der Maschinenscheere in ihrem eigenen Interesse den beschränktestcn Gebrauch zu machen. Aber leider sieht man noch immer keine VerMinderung von kahlgeschorenen Köpfen, im Gegentheile werden die Maschinenscheeren während der heißen Jahreszeit noch intensiver in Bewegung gesetzt, um alle Männerköpfe gleich zu scheeren. Welchen Einfluß die Haare auf die Gesundheit des Menschen und speziell auf die Entwicklung verschiedener Haarkrankheiten haben, entnehmen wir dem Buche einer ärztlichen Autorität, des Gerichts- und Bahnarztes Dr. Meyer. Danach wird das Eindringen von Mikroben besonders erleichtert durch das Kurzschneiden der Haare. Das langgewachsene dichte Kopfhaar läßt Staubtheile u. s. w. nicht leicht zum Haarboden gelangen, verhindert auch eine direkte Berührung der Kopshaut mit infektiösen Gegenständen und konsumirt auch zum Zwecke seiner Befeuchtung und Geschmeidigmachung einen ziemlichen Theil der ausgeschiedenen Drllsensekrete." Die Schne.llbahn der Zukunft. Gegenüber den Versuchen, elektrische Bahnen mit hoher Geschwindigkeit zu bauen, mehren sich in Deutschland die Stimmen, welche eine allgemeine Einführung solcher auf ebenem Terrain angelegter Bahnen für unthunlich erachten und nur in den Schwebebahnen die Schnellbahn der Zukunft erblicken. Es wird vorgefchlagen, die neuen Fernschnellbahnen in enge Verbindung mit den bereits bestehenden Hauptbahnen zu bringen, d. h. sie unmittelbar oberhalb derselben zu erbauen. Die bisherigen Dampfbahnen würden dann den langsameren Massenverkehr, die elektrischen Schwebebahnen den Eilverkehr übernehmen. Auf diese Weise kommen Grunderwerbskosten ganz in Wegfall und ebenso neue, breite und hohe Bahnkörper, die immer mehr die Bewirthschaftung der Ländereien und Querverkehr erschweren; die Kosten der Bahnaufsicht werden kaum, diejenigen der Bahnunterhaltung und Verwaltung nur wenig vermehrt, während die bestehenden Bahnhöfe auch für die Haltestellen der Schwebebahnen ausreichen. Von der Kontinentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Nürnberg ist bereits für die Berliner Stadt bahn der Entwurf einer über derselben sich hinziehenden Schwebebahn ausgearbeitet worden, deren Kosten sich durch den Wegfall der für Berlin fast unerschwinglichen Terrainkostcn sehr mcZßig stellen würden. Baltimores Rückgang als Ausfuhrhafen. Aus einem jüngst veröffentlichten Bericht des Zollkollektors Stone für das zum Abschluß gekommene Fiskaljahr ergibt sich, daß die Ausfuhr über Baltimore während des erwähnten Zeitraumes im Durchschnitt um 25 Prozent zurückgegangen ist. Der Gesammtwerth der Ausfuhr belief sich während des bezeichneten Jahres auf Z80.503.075. was eine Abnahme um Z25.658.317 oder durchschnittlich gegen 25 Prozent beträgt. Die Artikel, welche die stärkste Abnahme zeigten, waren: Mais, wovon im Vorjahre über 40,000.000 Büschels exportirt worden waren, gegen weniger als 4,000.000 im Jahre 1902. Abnahme über 90 Prozent. Kohlen etwa 30 Prozent, Baumwolle 9 Prozent, Eisen- und Stahl-Fabrikate 60 Prozent, Oelkuchcn 24 Prozent, vegetabilische Ocle 63 Prozent, SchweineProduktes Prozent, Rindprodukte 53 Prozent, Holz und Holzfabrikate 24 Prozent. Die Weizenausfuhr nahm dagegen beträchtlich zu, sie belief sich nämlich auf 17.765.448 Vushels gegen 7.857.768 Bushels im Jahre 1901. was eine Zunahme von mehr als 125 Prozent bedeutet. ; i Räthselhaftes Phänomen. Leutnant Foster von dem hydrographischen Bureau der Bundesregierung in New Orleans, hat dieser Tage an das Departement in Washington berichtet, dc.ß er bei einer kürzliehen Vermessung der Meeresticfe im mexikanischen Golf die Beobachtung machte, daß unweit der Mündung des Mississippi, wo nach früheren Vermcssungen die Meercstiefe 60. Faden war, jetzt die Tiefe nur noch 25 Faden beträgt. Ueber die Ursache dieser Äodenverflachung werden verschiedene Vermuthu'ngcn geäußert.' Viele glauben, daß "der Meeresgrund sich in Folge der vulkanischen Erscheinungen auf den lleinm Antillen gehoben hat. Von anderer Seite werden Ablagerungen aus dem Mississippi als Ursache angegeben. Auf Grund der Beobachtungen des Leutnants Foster wird die Bundesregierung voraus sichtlich eine neue Vermessung der ganzen Golfküste vornehmen lassen, um festzustellen, ob eine Bodenerhebung stattgefunden hat. Nach einen Abcrglauben der Bauern in den Vogcsen haben die Lei Neumond geboreneu Kinde? eine schärfere -Zunge, als die im letzten Viertel geborenen.
