Indiana Tribüne, Volume 25, Number 305, Indianapolis, Marion County, 16 August 1902 — Page 7
Jndlana Tridune, I August 1JÜ3.
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Harriets Ehe. Hcman von i 5?.. Vsn drr CClbc. o Ö0OC$OGOOO$OCHOOO$Q (Fortsetzung.) Der Landauer setzt sich in Bewegung. Hariiets Beschützer hält der offenbar noch Schreckbetäubten cm elegantes -Flacon mit stark duftender Essenz unter die Nase, und nun scheint sie sich zu besinnen. Ihr erster Blick trifft Arnold. 11 blutest!" ruft sie und fahrt em per, ihm beide Hände entgegenstreckend. Bedeutet nicht viel. Wie fühlst-Du Dich? Ich hoffe. Du bist nicht derletzt." .Nur schwindlig." Eine starke Erschütterung. Bedaure unendlich, daß meine Equipage die Veranlassung zu dem Unfall g?geben." spricht der schlanke Herr mit angenehm tönendem Organ und bietet dem Mädchen aufs Neue sein Flacon. Beim ersten Laut dieser Stimme .durchzuckt Harriet ein freudiger Schreck, sie sieht ihren Nachbar an, und eine dunkle Nöthe fluthet über ihr liebliches Gesicht. Q Sie sind es Herr O'Danne!" Percy O'Danne aus Nett York und hier mein Sekretär, Mr. Wilson." Arnold fühlt ein' gewisses Unbehagen. Er lüftet indeß artig den Hut und nennt seinen und seiner Gefährtin Namen. Nun folgt, so weit das Rollen der Räder es erlaubt, eine kurze rasche Unterhaltung über den Unfall, der, wie es scheint, ohne ernste Folgen abgelaufen ist. Ein paar Nadeln werden' seine Fleischwunde bald zusammenbringen, meint Arnold. Benommen von einem mit Staunen gemischten Gefühl der Freude sitzt Harriet neben dem bewunderten Manne. Also das ist er wirklich, so sieht er aus; wie schön, wie edel seine Züge! O welch' eine herrliche Fügung, ihn kennen zu lernen! Und der wundervolle, erquickende Duft! Hat dieser, der von ihm auszuströmen scheint, sie nicht zu neuem Leben erweckt? Vergessen sind Schreck und Ungemach des Sturzes; wie gern hat sie alles ertragen für das heimlich ersehnte Glück dieser Bekanntschaft. Scheuen Blicks sieht sie ihn manchmal von der Seite an; wenn sich dann ihre Augen begegnen, fliegt ein FarbenWechsel über ihr Gesicht, während sich in seinen Mienen Wohlgefallen und befriedigte Eitelkeit malen. Endlich ist die Außenalster erreicht. Schönemann, der in der Stadt auf dem Komptoir war, kommt in seinem Wagen kurz vor dem Landauer des Hotels bei seiner Villa an. Er sieht die Seinen in der fremden Equipage, Arnold mit dem blutigen Tuche vor seirem Gesichte, und weiß, daß den bei den Radlern ein Unfall zugestoßen ist. Mit besorgtem Ruf reißt er den Waenschlag auf. Es ist nichts, Papa!" Völlig erbolt hüpft ifjm sein Kind entgegen. Auch die Herren sieigen aus, und mit kurzen Worten wird der Unfall, der so leidlich abgelaufen ist, berichtet. Arnold muß zum Arzt, das ist eine sich aufdrängende Nothwendigkeit. Nimm meinen Wagen." sagt Schönemann, und O'Danne bittet, daß sein Sekretär Herrn Rüdiger begleiten dürfe. Der Verletzte fühlt sich diesen bestimmten Anordnungen gegenüber zu ermattet, um zu widersprechen. So fährt Mr. Wilson mit Arnold zur Stadt, um den Arzt aufzusuchen. Schönemann betrachtet voll Interesse den berühmten Künstler, der bei ihm durch einen so seltsamen Zufall eingeführt wird. Wollen Sie nicht bei mir eintreten, Mr. O'Danne, und eine kleine Erfrischung annehmen?" Harriets Blick begleitet des Vaters Einladung, und der große Mime erklärt sich bereit, mit der höflichen Ver- ' sicherung, daß die Einladung ihn außerordentlich erfreue. , Sie gehen durch den Garten auf'ö Haus zu. Von der Veranda eilt ihnen Frau v. Kurzenbach voll zärtliche? Sorge für Harriet entgegen. Diese sieht jetzt ihr Abenteuer im Licht einer Lebcnsrettung durch ihren Helden und schildert mit warmen Dankesworten, 'unbewußt in glänzenden Farben, was er für sie gethan. O'Danne lächelt mit bescheidener Abwehr. Sie treten in's Eßzimmer. Der Tisch ist hier für das zweite Frühstück gedeckt, und Schönemann, von seines Gastes bestechender Persönlichkeit eingenommen, bittet ihn, an dieser Familienmahlzeit theilzunehmen. Auch Franziska erscheint, und ein Kouvert für den Gast wird aufgelegt. O'Danne fühlt sich von der ihm mit naiver Offenheit entgegengebrachten Verehrung Les reizenden Mädchens, dem schmeichelhaften Empfang von Seiten des Hausherrn und von dem allerorten hervortretenden gediegenen Wohlstande höchst angenehm berührt. Er zeiat, sich als interessanter, ja, als hinreißender Erzähler, und das Mahl verläuft unter allseitiger Befriedigung. Harriet, die kaum das Glück dieser Stunde, dieses nahen Gegenübers faßt. sitzt manchmal, wie von einem süßen Traum umfangen, aus dem t zu er wachen fürchtet, manchmal aber auch fühlt sie sich wach, gespannt in gesteioerter Lebenskraft.
Wie schmeichelnd und kosend tönt
lein melodisch beherrschtes Organ an ihr Ohr! Wie wunderbar wechselt sein
ttenenspicl und gibt allem, was er spricht. Leben und Farbe! Der Ausdruck leines großen dunklen Auges ist bald von sammetartigem Schmelz, bald voll tiefen Ernstes oder auflodernder Leidenschaft.. Bezaubert von dieser eigenartigen Persönlichkeit vermag Harriet nichts anderes zu sehen, nichts anderes zu denken als ihn ihn. Im Laufe der Unterhaltung erwähnt Schönemann seiner Sammlungen und findet auch hierfür Interesse und Verstandmß bei seinem Gast. Die Herren gehen nach dem Frühstück in Schönemanns Zimmer, wo sie bei einer guten Cigarre die Münzen, Konchylien und seltenen Marken besehen. O'Danne verspricht einige alte Brakteaten mit zieruchem Stempelschnitt zu überbringen, die er zufälllq erhalten, die aber wenig Werth für ihn haben, da er kein Sammler ist. Der Hausherr druckt ihm dankbar die Hand, seine Augen glänzen verznuzt, nne so wichtige Ergänzung seines Schatzes macht selbst dem retchen Mann Freude. Nachdem der Schauspieler sich den Damen im Garten empfohlen und der anmuthigen Tochter des Hauses warme, werbende Blicke zugeworfen hat, besteigt er seinen Wagen und fährt davon. Alle fühlen, daß man ihn wiederseben wird. O'Danne. in die Kissen zurückgelehnt und in der durchsonnten Frühlingsluft dahinfahrend, lächelt befriedigt. Ist ja eine interessante Anknupfung, denkt er, die auszunutzen sein wird. Ihm ist oft unverhohlene Bewunderung, ja Leidenschaft entgegengetragen worden; von einem so schonen, reinen Wesen in so bevorzugter Lebensstellung haben solche Huldigungen aber doch einen besonderen Reiz. Er laßt den Kutscher zu dem ersten Hamburger Antiquar fahren. Da iourde man doch zuversichtlich seltene Brakteaten für den alten Sammelnarren bekommen können. 6. Kapitel. Nach dem Besuch blieb Harriet still und träumerisch. Sie schwelgte in der Erinnerung. Jedes seiner Worte tönte wieder in ihrem Ohre, jede seiner Mienen wurde ihr wieder gegenwärtig. Als Abends die jungen Mädchen miteinander die Treppe- hinaufstiegen, sagte Harriet: Ich komme noch zu Dir," und trat mit in der Kousine Zimmer. Nun sei nicht so schrecklich ode. Franzl," bat sie, auf dem Bettrande sitzend. Du hast immer so kühl gethan, wenn ich Dich fragte, ob er nicht himmlisch sei.. Leb' 'mal .auf, Maus, laß uns zusammen von ihm schwärmen! Habe ich nicht recht? Sag', wie Du ihn findest. Er ist ja ein berühmter Mann und jedenfalls ausgezeichnet in feiner Kunst." Wie gepeinigt schrie Harriet auf und hielt sich die Ohren zu: O Du Gleichailtige nein. Du verstehst mich nicht; es hilft mir nichts! Wir kommen niemals überein. Du hast keinen Funken Begeisterung." Sie sprang auf und wollte davonlaufen. Aber Franziska erkannte rechtzeitig. wie unklug es sei, Harriets Vertrauen abzulehnen. Nein, sie wollte es nützen. Hier war ja der Weg vorgezeichnet, die kleine Thörin für sich zu gewinnen; sie umfaßte also die Forteilende, nannte sie eine liebe kleine Schwärmerin und versicherte, Harriet habe ganz recht, sich für den schönen, genialen Künstler zu begeistern, und im Grunde sei auch sie hochentzückt von O'Dannes Talent und Pcrionlichkeü; sie vermöge nur mcht. sich so ledhaft zu äußern, wie sie empfinde. Jetzt war Harnet versöhnt, sie schilderte in unbefangen hervorgesprudelten Worten alle Eindrücke, die sie von dem wundervollen Künstler empfangen. Sie konnte nicht aufhören, ihr Glück zu preisen, daß sie ihn nun persönlich kennen gelernt habe, und die Hoffnung auszusprechen, daß er recht oft wiederkommen werde. Papa muß ihn auch jedenfalls einmal zu einer Gesellschaft einladen. Alle ihre Bekannten würden sich ja furchtbar freuen, ihn in der Nähe zusehen. Franziska stimmte lebhaft zu. und so kamen sie endlich vortrefflich üb:rcin. Beim Abschiede umarmte Harriet die Base herzlicher als je zuvor und erklärte, sie wisse nicht, weshalb eigentlich , immer noch die Thür zwischen ihren beiden Zimmern geschlossen sei. Morgen solle umgeräumt und die Verbindungsthür geöffnet werden, ein Vorschlag, dem die Andere freudig beipflichtete. Als Franziska allein war, lächelte sie spöttisch über die rückhaltlosen Aeußerungen des -Entzückens, in denen die Kousine sich ergangen. Sie ist bis über' beide Ohren verliebt, ohne es zu wissen," sprach die Wohlerfahrene vor sich hin. Mochte Harriet sich zu. Thorheiten hinreißen lassen, ihr war's recht. Sie würde nicht warnen und keinen Finger heben, die Unvorsichtige zurückzuhalten, das hatte diese, die ihr immer in der Sonne gestanden, nicht um sie verdient. . In Harriets Zimmer wartete ihrer die alte Philippine, die ihr, wie in den Kinderjahren, jeden Abend beim Aus kleiden half. Kaum faß Harriet vor ihrer Toilette, wo die Zofe ihr reiches blondes Haar auskämmte, als sie unter dem aoldenen Schleier hervor fragte:
?ag' 'mal, Pinc, yazt Du ihn denn auch ansehen?" Die Zofe wußte, wen ihr Liebling meinte, denn das heutige Ereigniß war unter der Dienerschaft genugsam besprochcn worden, und so antwortete sie. verschämt: Ich hab' man 'mal so cn büschen um die Ecke aeglupt, aber cn schönes Mannsbild is er, das muß man ihm lassen." Nicht wahr, Pine? Herrlich! Welch' wunderbare duntle Augen, und wie er spricht! Ich wollte, Du hättest zugebört." Ja schnacken mag so einer wohl riesig nett können." O, Du sagst: so einer! Er ist ein sehr berühmter und gefeierter Herr. Weißt Du was, Pine, morgen spielt er in einem wunderschönen Stücke den Romeo, dazu will ich Dir und Minna ein Billet schenken, dann könnt Ihr auch 'mal in's Theater gehen." Wenn's die Frau Baronin man leibet." Ach was, Tante Laurette' muß, wenn ich's will." Erst als Harriet im Bette lag. tauchte aus den späteren überwältigenden Eindrücken die Erinnerung an ihres guten Arnold Bewerbung wieder auf. ' Also auch er! Sie hatte bis dahin nie daran gedacht. Ob das so zwischen Arno und ihrem Vater abgekartet war? Aber sie wollte nicht über sich verfügen lassen, sie wollte sich gegen solche Abmachungen wehren. Sie hatte doch das Recht, selbst zu wählen. Wie das ab-
scheulich war, daß man sie nicht in Ruhe ließ. Warum durchaus heirathen? Sie mochte ja Arnold gern, aber sie nahm es ihm übel, daß er auf ihre Hand spekulirte. Doch das wollte sie nicht leiden. Oder doch? Er war ja immer noch ihr lieber alter Arno. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief sie ein. Am anderen Tage kam em Briefchen von Arnold Rüdiger an Schönemann mit der Nachricht, daß sich etwas Wundfieber und starker Kopsschmerz in Folge der Erschütterung durch den Fall eingestellt habe, daß er sich aus Anordnung des Arztes ruhig halten solle und weder in s Geschäft gehen noch zur Villa hinauskommen könne. Schonemann beschloß sogleich, den Patienten, der ihm theuer war wie ein vohn, aufzusuchen. Harnet erichrak. als sie von Arnolds Unwohlsein hörte; bald jedoch meinte sie, es werde wohl nicht schlimm fein, und schlug sich rascher, als es ihrem eigentlichen Empfinden entsprach, jede Sorge aus dem Sinn. , Sie befand sich in einer einseitig gesteigerten Stimmung, lebte nur in ihrer neuen Schwärmerei und wurde sich selbst nicht bewußt, daß diese auf der Oberfläche ihres Gefühllebens haftende Begeisterung alles eigentliche Lieben und Wollen ihres ganzen Wesens ungesund überwucherte. Arnold Rüdiger lag in seinem reich und behaglich ausgestatteten WohnZimmer in einem bequemen Lehnstuhle. Sein Kopf war verbunden, die Vorhänge neben ihm geschlossen, und sein tencr kam aue yalve istimce rnie herein, um ihm kalte Umschläge zu machen. Der Kranke litt ebensowohl seelisch wie körperlich. An den Unfall und alle seine Nebenumstände dachte er mit dunklem Unbehagen. Aber Harriets Verhalten gegen ihn. als er ihr zum ersten Mal von Liebe gesprochen, beschäftigte ihn vor Allem auf das Peinlichste. Er rief sich jedes ihrer Worte, ihre Miene und Geberde m s Gedächtniß zurück. Wie bestürzt sie gewesen war, wie sie, bei aller Herzlichkeit für ihn, sich gegen die Möglichkeü einer Verlobung aufgelehnt hatte! War sie noch zu unreif, zu sehr fröhlichcs Kind, um an einen ernsten Lebensinhalt, an eine bindende Entscheidung für ihre Zukunft zu denken? Er mußte sich anstehen, daß sie ihm trotz ihrer siebzehn Jahre immer wie ein reizendes Kind erschienen sei und daß er sie als solches behandelt habe. Vorläufig wollte er dem Vater nichts von seinem Mißerfolg sagen. Allein was sollte nun geschehen? In nächster Zeit konnte er doch seine Bewerbung nicht wiederholen. Vielleicht war es am klügsten, das verzogene Persönchen einwenig links liegen zu lassen. Er hoffte von sich, daß er cs aushalten werde. Müde lcbnte er sich zurück und versank in ein halb träumendes Sinnen. So fand Schönemann den jungen Freund. Eine abscheuliche Geschichte Eure alberne Radelei!" polterte er. Was sagt denn der Doktor? Wie lange kann es mit. Dir dauern?" 'Arnold hoffte in wenigen Tagen hergestellt zu sein, und der Onkel begann, erfüllt von O'Dannes Liebenswürdigkeit, den Verlauf seines gestrigen Lesuchs zu schildern. Rüdiger sah bei dieser Unterhaltung abgespannt und verstimmt aus und blieb unmuthig zurück, als der alte Herr ihn verließ. Dann schalt er sich selbst, er wollte doch kein Narr sein und, sobald ein interessanter Mann in Harriets Nähe auftauchte, sich in Eifersucht verzehren. Solch' ein Künstler war ja oft der Gegenstand einer ganz belanglosen Mädchenschwärmerei. Warum sollte er Harriet dies unschuldige Vergnügen nicht gönnen? Er hatte ja selbst gesehen, wie die Dichtung, die O'Danne interpretirte. sie ergriffen; es war ja nicht der' Mann, es war seine Kunst, die sie bewegte.
Während Schönemann in der Stadt war, fuhr, der Schauspieler bei des Kaufherrn Villa vor. Frau v. Kurzenbach empfing den Besuch unter fc blühenden Bäumen des Gartens mit großer Artigkeit. - - Er bedauerte unendlich, seine bescheidene Gabe an Münzen nicht persönlich überreichen zu können. Die Dame rieth ihm wohlwollend, falls er sich noch einmal herbemühen möge, morgen Nachmittag wieder zu
kommen, dann werde cr Herrn Schonemann gewiß treffen. Er versicherte, daß er ihr für die huldvolle Erlaubniß sehr dankbar sei. Wünschte er doch nichts sehnlicher, als einen neuen Vorwand, unter dem er sich hier wieder einfinden könne. Dann erschien Harriet. sie trat so schüchtern und bescheiden herzu, wie es sonst nicht ihre Art war. Sehr bald bat Frau v. Kurzenbüch um Entschuldigung, wenn sie für einen Augenblick gehe, um eine häusliche Arbeit anzuordnen. Als sie den Garten verließ, zuckte ein Lächeln um ihre Lippen, und sie flüsterte vor sich hin: Mag das spröde Ding dem Vogelsteller, auf die Leimruthe gehen. Revanche für Hans Egon!" Nun saß O'Danne dem jungen Mädchen allein gegenüber und war ganz der Mann, seinen Vortheil wahrzunehmen. -Kämpfte Harriet auch immer noch mit Befangenheit, so dachte sie doch: Welch' ein Glück, daß Tante zu thun hat! Nun wird er sich nur mit mir unterbaltcn. Sie ahnen nicht, mein gnädiges Fräulein," begann er weichen Tones, wie glücklich ich bin, einmal auf meinem rastlosen Wanderzuge den bczaubernden Reiz einer so schönen deutschen Häuslichkeit genießen zu dürfen, wie sie sich mir in Ihrem Heim bietet. Ein Paradies mit dem Engel, der die Friedenspalme dem herzenseinsamen, müden Pilger reicht. Nimmt Mich hier auf. Verstoßen Sie mich nicht aus diesem Eden, dulden Sie, daß ich wiederkomme." Er sah ihr tief in die Augen, griff nach ihrer Hand und küßte sie innig. Da er etwas wie Scheu und Befremdung in ihren Mienen zu lesen glaubte, und sie kaum verständlich erwiderte, ihr Vater werde sich gewiß freuen, ihn oft hier zu sehen, beschloß er, nicht allzu kühn vorzugehen. Solch' tugendhafte Haustöchterchen waren ihm eigentlich fremd, sie forderten eine vorsichtige Bebandlung. Er begann ihr von seinem Leben, seiner Jugend zu erzählen. Seine Mutter fei eine Deutsche gewesen, daher liebe er besonders ihr Land und ihre Sprache, die sie ihm eingeprägt' habe. Doch sei er seiner Eltern früh beraub! und irre umher, bis jetzt vergebens die Liebe zu suchen, die er entbehre. Wie mitleidig und zärtlich ihre großen blauen Kinderaugen ihn anblickten! Er fuhr mit einem Seufzer fort: Was bedeuten mir Künstlerruhm und Lorbeeren! Zwar sind sie wie aus einem Füllhorn über mich ausgeschüttet, allein sie lassen mein Herz leer." Er schilderte seine rasenden Erfolge, die endlosen Hervorrufe allerorten, die Blumenwogen, die .Brillantenmengen, die Einladungen und Feste, die man ihm zu Ehren gegeben. Sie' lauschte fast andächtig der Musik seiner Worte, und alles, was ihm Gutes widerfahren, that ihr wohl. Unbewußt begann sie sich mit ihm eins zu fühlen. Sie empfand ein zauberisches Glück, sie erschien sich wie von Wolken durch ein Feenland getragen, alles, was er erzählte, war so neu, so reizvoll, so poesiedurchwoben. Citate aus seinen Rollenhie und da ein Aufflammen erhabener Leidenschaft beseelten seine Rede. Frau v. Kurzenbachs häusliche Geschäfte hatten sie lange in Anspruch genommen, endlich trat sie wieder zu den Beiden heran. O'Danne empfing die Gönnerin mit graziöser Liebenswürdigkeit, und dann empfahl er sich bald. Harriet blieb mit einem Gefühle zurück, als habe sie den Himmel offen gesehen und falle nun hart. auf die Erde herab. Ein süßes Geschöpfchen!" flüsterte er mehr als einmal im Davonfahren vor sich hin. Rein wie eine Schneeflocke, reizvoll wie eine eben geöffnete Rosenknospe. Ein begehrenswerthes Weib, nein, kaum Weib, ein Kind, in dem ich 'das Weib wachküssen möchte. Sie würde mir die Aufgabe nicht erschweren." Ein selbstbewußtes Lächeln glitt über seine schönen Züge. Er fuhr zur Probe und spielte am Abend seinen Romeo so hinreißend feurig, daß alle Herzen ihm zuflogen, und Harriet voll Stolz auf den Herrlichen, doch fast krank vor Liebe und Sehnsucht, heimkehrte. Hatte es ihr doch immer geschienen, als seien alle seine innigen Blicke, all" sein Liebeswerben mehr an sie gerichtet als an die schöne Julia. Am nächsten-Tage traf. O'Danne, als er zur bestimmten Zeit vorsuhr, den Kaufmann zu Hause und fand lebhaften Anklang mit den Brakteaten, die er überreichte. Eine Unterredung' über Alter und Stempel der Münzen schloß sich an, bei welcher der Künstler mit scheinbar großem Interesse Stand hielt. Endlich ging es zu den Damen, doch gelang es ihm heute nicht, mit Harriet allein zu sein. Aber der Eindruck, den sie ihm gemacht, vertiefte sich, und er begann zu überlegen.
-Ihrer großen Zurückhaltung, ihrer wohlbehüteten Lage halber würde es ihm kaum in der kurzen Zeit, die er noch hier zubringen konnte, gelingen, sie zu einem heimlichen Liebesverhältniß zu bewegen, in dem er sie sein nennen konnte. Und nach ihrem Besitz trachtete er. Daß sie ihn liebe, ihn anbete, bezweifelte er keinen Augenblick mehr. . Wie aber sie gewinnen, ihrer Zärtlichkeit froh werden? - Wie die Schranken überllimmen, die sie umheg--tcn und ihn fernhielten? Eine Heirath? Er hatte noch nie an diese Möglichkeit gedacht. Sich binden? Eine hausbacken 'bürgerliche Wirthschaft ekelte ihn an; wenn er auch hinreißend vom Glück eines eigenen Heims zu schwärmen verstand, wollte und kannte er doch nur ein üppiges Hotelleben. Aber verdiente er denn nicht genug, um solches auch mit seiner Frau fortzusetzen? Und war dies holde Geschöpf nicht obendrein reich? (Fortsetzung folgt.)
in Opfer des Meeres. Es ist ein kleines, armes Fischer' darf, dessen Bewohner größtc'ntheilc' lom Sardinenfanzc leben. Es liegt im Norden Portgals, unweit dessen gweitcr Hauptstadt Porto. Seine h'übschc Lage, besonders aber der frästige Wellenschlag versammelt dort während der Sommermonate viele Badegäste. nicht nur Einheimische sondern auch viele aus dem nahegelegenen Spanien. Seit fünfzig Iah ren wußte man dem Meere immer mihr Terrain abzilgewinnen der Ort wurde vergrößert, in der Mitte desselben erhob sich eine hübsche Mische und der Zulauf der Vadegäsi? vermehrte sich von Jahr zu Jahr. Es scheint aber, daß das Meer sein Ei gcnthum zurückverlangt! Schon vor mehreren Jahren, während der hohen Fluth des Sevtembcrmonatcs ver schlangen die Wellen ein Haus nach dem andern, und in weniger denn ei' iicrn Monate wäre fünf Gassen ver sck.wundcn, so daß die Nirche an den Strand zu stehen kam, gerade wie in Scheveningen dann trat Still stand ein, ein Stillstand von wenigen Jabren. Im Laufe der vergangenen Sep tember wiederholte sich das großartig traurige Schauspiel. Die Wellen kamen, brachen sich an den Häusern, miterminirteii sie, und bald hier, bdt dort verschwand ein Haus in der Tiefe des Meeres. Tl war cinHaus chen nett und sauber, der einzige Be sitz einer über siebzig Jahre alten Frau. Sie vcrmiethctc das Haus über Sommer an Badegäste, und von dem Ertrage lebte sie während des Jahres. Tas Meer verschonte auch ihr Eigenthum nicht. Die arme Alte! Sie konnte diesen Verlust nicht crtra gen und wurde geistergestört. Nach der jkatastrophc saß sie am Strand.', stierte mit weit geöffneten Augen in das Meer und gab Niemandem Ant wort, wenn man sie ansprach. Auch die Kirche war sehr bedroht, mit jedem Wellenschlag wurde ihr ein wenig vom Gnmd geraubt. Man entfernte aus der Kirche alles was Werth hatte, und um das Gotteshaus so lange als möglich zu erhalten, wurde ein Gerüst errichtet, daran eine Glocke befestigt, und so oft dieselbe ertönte, filmen Weiber des Ortes und brachten in Körben Sand, um einen kleinen Damm zu errichten, odcr besser ge. sagt, um dem Meere Nahrung zu liefern, damit es die Kirche noch ein wenig verschone. Doch auch dies war keine Hilfe für lange Zeit, denn vor einigen Wochen riß das Meer einen Theil ein und es ist keine Hoffnung mehr, die Kirche zu erhalten. Eine Frage der Zeit ist es, wie lange da5 übrige Torf verschont bleiben wird. Die Häuser des Dorfes fallen im Preis, ja haben eigentlich gar keinen Werth mehr. D u r ch B l i tz s ch l a g i m Automobil getödtet wurde, letzthin in Budapest der deutsche Ingenieur Adolf Vuschwitz. Er unternahm mit. seinem Kollegen, einem Ingenieur Robert Hilbert eine Automobilfahrt Während der Fahrt wurden ste von einem heftigen Gewitter überrascht; der Vlitz schlug in das Automobil, und das Benzinreservoir explodirte im nächsten Moment. Buschivitz wurde auf der Stelle gciödtet. Hilbert erlitt lebens gefährliche Verletzungen. Diamantenes Doktorj u b i ? ä u m. Dieser Tage btging der Berliner Geheime Medizinalrath und außerordentliche Professor der Kinderheilkunde, Dr. Eduard Henoch,.das diamantene Jubiläum seiner vor 60 Jahren an der Berliner Universität erwordenen Doktorwürde. Der ehrwürdige Jubilar entstammt einer .angesehenen Berliner Familie, und hat sein ganzes aröeits- und erfolgreiches Leben in seiner Vaterstadt zuaebracht. Widerspruch. Mutter (mit otci heiratsfähigen Töchtern ohne Verlobung aus dem Seebade zurück' kehrend) : Da wären wir wieder 'mal umsonst im Bade gewesen!" HausHerr: Für fünfhundert Tollars nennst Du umsonst?!" Ein bescheidener Patient. ..Wie lange warst Du krank?" Sechs Wochen hab'' ich im Bett liegen müssen." Das war wohl furchtbar langweilig?" ..Na 's ging: Der Doktor hat mir jeden Tag 'ne andere Medizin verschrieben!"
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