Indiana Tribüne, Volume 25, Number 301, Indianapolis, Marion County, 12 August 1902 — Page 7

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g rj "-'VItcman von . atil.. (Cv wi wv V!4wsr q 000C0$0$0000QOCHO (Fortsetzung.) 2. Kapitel. Der Herbst schritt dem Winter entgegen; die Bäume im Garten und in der Allee streckten kahle Aesie zum farblosen Himmel empor. Ein kalter Wind kräuselte das Wasser der Alster; die kleinen flinken Schraubendampfer verkehrten seltener, und das belebte Treiben des Wassersports, der buntbewimpelter' Boote und Segler hatte fast ganzufgehört. In der Villa Schönemann genoß man indeß auch jetzt die größte Behaglichkeit. Die Luftheizungsanlage erwärmte alle Räume, und je nach Bedarf verbreitete das elektrische Licht Tageshelle. Franziska hatte sich in ihrer leisen, klugen Weise fest einzunisten gewußt. Sie nahm den Platz der freundlich for genden Haustochter ein, beobachtete Jedermanns. Wünsche, kam und ging, bediente anmuthig und immer als Dame und übernahm stillschweigend das. wozu Harriet zu sorglos, kindisch spielend oder nie angewiesen worden war. Sobald Fränzchen aber fühlte, daß sie der Kousine im Wege stehe, trat sie unmerklich zurück und stellte Harriet. auf den ersten Platz. Mochten' die beiden Mädchen auch zu verschieden sein, um sich eng aneinander zu schließen, so kamen sie nun doch, dank Franziskas nachgiebiger Rücksichtnähme, gut zusammen aus. Ohne sich Rechenschaft zu geben, j'latterte Harriet wie ein junges lustiges Vögelchen durch den Tag. Sie wollte, was ihr für den Augenblick gefiel, nahm ohne Lust oder Abwehr, weil es einmal x so üblich und eingerichtet war, ihre Privatstunden besaß keine hervorragenden Talente, ergriff aber lebhaften Geistes cHs Gebotene. franziska theilte den trefflichen Unterricht der in's Haus kommenden Lehrer. Sie sagte sich, daß Wissen und Können brauchbares Rüstzeug sei, daß sie also den gebotenen Vortheil ausnutzen müsse. Auch schien es Harriet zu wünschen, daß sie theilnehme. So trieben sie fremde Sprachen, musizlrten und malten, dilettantenhaft sie! manches aus, aber es half, den regen jungen Geistern, welche sonst ganz brach lagen, die Stunden zu füllen. Sie wuß ten dem Leben keinen bestimmten und werthvollen Inhalt zu geben und tanbetten über die Leere hinweg. Auch . die Geselligkeit nahm einen breiten Raum in ihrem Leben ein. Es gab ein vielfaches Kommen und Gehen von Verwandten und Freunden, Familientage, klein: Diners, Tanzgesellschaften, Theater und Konzerte beschäftigien die Damen, und alles wurde, als etwas Neues, von Harriet freudig genossen. , Die geräumige Veranda, jetzt mit Glaswänden abschlössen ur.d in den Ecken mit grünen Gewächsen besetzt, diente als Wintergarten und gewährte, mit hübschen Vambusmöbeln, Blumentischen, Schlingpflanzen und elektrischen Lichtampeln ausgestattet, einen reizvollen Aufenthaltsort. Während eben Harriet im Salon ihre Singstunde nahm, saßen Frau v. Kurzenbach und Franziska, beide mit leichten Handarbeiten beschäftigt, in der Veranda und plauderten. .Es ist nicht zu verkennen, liebes Fränzchen," sprach Frau Laurette, vorsichtig um sich schauend, daß Sie einen günstigen Einfluß auf unsere kleine Wilde ausüben, aber unglaublich keck. und rücksichtslos bleibt sie doch. Ja, ja, dafür haben wir täglich Beweise." seufzte die Jüngere. Mich nennt sie, auch in Gesellschaften: graue Maus. Was kann ich dafür, daß ich blasser bin als sie?" Unglaublich!" Ich schweige, ich halte das für das Klügste. Aber" ein böser Blick schoß aus ihren dunklen Augen, und sie dach te: Ich werde meine Zeit finden, dir alle Demutrnaunaen km?mablen. W ' . V Die Hausdame begann wieder: Ein sehr unangenehmer Zug ihres Wesens ist mir auch ihre unalaubliche Kordialität mit den Domestiken. Sie ist so plebejisch ' maßlos. Ich - habe dann meine Noth mit der Dienerschaft, sie einigermaßen in Rispekt und' in den gehörigen Formen zu halten. Ach.ja, ganz recht," seufzte Franzchen zustimmend. Der Diener trat in die Veranda und überreichte Frau v. Kurzenbach auf silbernem Teller ein Brief. Die Dame hatte diese Form eingeführt. Bon meinem Sohn," rief sie leb- ' haft untz. öffnete den Umschlag. Wäh rend sie las, wechselte Franziska die Farbe und blickte mit Spannung in das Gesicht der Mutter. . Der Brief schien nur kurz, aber sein Inhalt erregte die Frau außerordentlich. Hans Egon kann zum Weihnachtsfeste acht Tage Urlaub bekommen." rief sie freudig. Er bittet mich, ihm eine Einladung von Schönemann zu dersckaffen." .'Man hätte Franziska in diesem Augenblick nicht farblos nennen können, ihr schmal5s Gesicht strahlte in Gluth und Freude. Er kommt meinetwegen meinetwegen! frohlockte es in ihr. Aber die alücklicke Mutter beachtete

die Lauschende nicht, hastig fubr' sie fort: Ich habe immer gewünscht, ihn hier zu sehen, aber stets'fand sich eine anders Verabredung oder Einladung für feine Urlaubszeit. Wir haben uns in den letzten Jahren nur flüchtig am dritten Orte getroffen. Jedenfalls wird es meine eigene Position bedeutend verbessern, , wenn ich einen eleganten Gardeoffizier als Sohn im Schönemann'schen Verkehrskreise einführen kann." Natürlich sehr kleidsam!" rief eine lachende Stimme dazwischen. Die beiden Damen blickten auf und sahen Harriet in der Thür stehen. -Rei-zend, Tante Laurette, Arm in Arm mit dem stolzen Vaterlandsvertheidiger! Papa hat gewiß nichts dagegen, daß er herkommt. Es ist ja auch recht nett, wenn zum Fest viel Besuch da ist." Nun, es ist ja natürlich, wenn eine Mutter mit Stolz auf ihren trefflichen Sohn blickt." ..Selbstverständlich! Ein Paradestück!" Soll ich Dich nicht für herzlos halten, liebe Harriet," fuhr Frau v. Kürzenbach gefühlvoll fort, so- mußt Du meine heiligsten Empfindungen in einem anderen Ton behandeln." Harriett wollte eben auf die Verbes-. serung von Tante Laurettens. Position zurückkommen, eine unvorsichtige Offenherzigkeit, die sie ohne den Willen der Dame, mit angehört hatte, als Besuch gemeldet wurde unddas Gespräch abbrach.

Am Abend gingen die beiden, Kousinen mit einander zu ihren Schlafzimmern hinauf. Die Verbindungsthür zwischen den Räumen der Mädchen war noch nicht geöffnet worden; so blieb Harriet, wenn sie. noch plaudern wollte, vor Franzlskas Thür stehen. . Heute sagte sie: Du kennst ja wohl den Leutnant Kurzenbach? Was ist denn eigentlich daran?" Franzr-ka. dte fühlte, wie ihr wieder das Blut in's Gesicht stieg, antwortete leichthin: O, er ist ganz angenehm." dabei öffnete sie ihre Thür' und wollte den forschenden Blicken der Anderen entschlüpfen. Aber Harriet folgte ihr arglos, knip ste das elektrische Licht an und setzte sich neben die Thür auf einen Koffer. Die Arme um die Kniee legend und sich hin und her wiegend, plauderte sie weiter: Na, wie sieht er denn aus? Ist er dick. dunn, groß, klein? Hat er solch fettes. rothes Gesicht wie seine anädigeMama? Tanzt er gut? Ist er lustig?" Du fragst ein bischen viel auf e:nmal." . Und Du bist schrecklich stumm und steif. Also nach der Reihe. Wie sieht er aus? Mehr stramm und männlich gleich Arnold oder solch ein Hering wie Leforet?" Er ist zierlich und elegant und heller als Herr Leforet" Alzo em blonder Hering. Ein Anhaltspunkt.. Nun erzähle mal, hast Du ihn oft gesehen?" Harriet war sehr aufgeräumt, fragte. v ohne Antwort abzuwarten, lachte und scherzte über alleI und quälte ihre Kousine, ohne es zu ahnen. Endlich, als sie einsah, daß sie Franzislas Wortkargheit nicht besiege, rief sie: Bist Du heute ein langweiliges Mäusle! Kriech in's Nest, wenn Du gar zu müde bist!" Sie sprang aus, gab der anderen einen schallenden Kuß auf die Wange und lies hinaus. Franziska setzte sich auf ihren Bettrand und versank in glückliches. Sinnen. Also er wollte kommen, welch Herrliche Aussicht für sie! Acht Tage mit ihm unter einem Dache, ein berauschen der Gedanke! Onkel Schönemann. wurde ihn sehen, ihn lieb gewinnen und ihr. Glück gründen. Sie hatte in der letzten Zeit in Berlin manchmal an des Geliebten Ernst, der Ausrichtigkeit und Stärke seiner Neigung gezweifelt. , Sie besaßen ja auch Beide kein Vermögen und standen eigentlich ganz aussichtslos da. Als sie sich zu einem letzten Lebewohl im Thiergarten getroffen, war er ihr, deren Herz sich rn Qualen zufam menzog, zerstreut und aleichailtia er schienen. Mein: Mutter ist eine gewandte Frau, sie wird Dir dort einen reichen Mattn verschaffen. Sei klua, halte Dich zu ihr." Das waren seine tropenoen Worte gewesen, sie klangen nicht nach dem Besiegen aller Hindernie, einer reue oyne sanken. Aber hatte sie nicht selbst oft ae dacht: Mit Hans Eqon komme ich nie zusammen, ich muß zugreifen, muß iede gute Partie, die sich mir bietet, an nehmen. Nun reiste er ihr nach, nun meinte er es doch ehrlich, o welch' alan zende. beseligende Wendung konnte ihr Geschick nehmen! Ihr zärtliches, auf keine Aussicht be gründetes Verhältniß war nach und nach, wie von selbst entstanden. In Folge des Aufenthalts seiner Mutter in Önkel Schönemanns' Hause hatte er bei ihrem Vater Besuch gemacht und war, da sie sebr gesellig lebten, mehr Xi6 eingeladen worden. War er doch auch ein Kamerad ihres Schwagers. Er hatte ihr von Anfang an Ausmerk samkeiten bewiesen, hatte ihr manchma beim Tanz 'Liebesworte zugeflüster und sie einmal,, da er sie allein aetrof fen, in die Arme geschlossen und geküßt. Von dieser glücklichen Stunde an duzten sie sich heimlich und sprachen von der Möglichkeit einer Vereinigung, die er aber doch immer als undenkbar beRkicknet Als sie nach dem plötzlichen

2,05c des Vaters im Hause ihrer. Schwester gelebt, hatte 5 ihn auch dort öfter gesehen und endlich, kurz vor ihrer Abreise, ihm die Zusammenkunft im Thiergarten bewilligt. Sie liebte ihn so heiß, sie zu lieben vermochte.. Allein sie beargwöhnte ihn mit eifersüchtiger Angst, daß sie für ihn nichts mehr als eine vorübergehende Spielerei bedeute. O wie selig fühlte sie sich jetzt, daß ihr Argwohn unbegründet gewesen war, da er ihr nun doch .mit seinem Besuch den Beweis seiner. Sehnsucht und treuen Liebe gab! Geschrieben hatten sie sich nie;, diese Möglichkeit war von seiner Seite, als kompromittirend für sie, abgelehnt worden. Sie hatte versucht, darin eine zarte Sorge für ihren Ruf zu sehen. So hörte sie nur dann und wann von seiner Mutter über des Geliebten Ergehen und that ihr Bestes, der Frau zu gefallen.

Franziska hatte sich noch me so gluckich gefühlt wie heute Abend. Sie entschlummerte unter den,, süßesten Träumen. Am nächsten Tage saß Frau v. Kurzenbach in ihrem kleinen Salon, der ich Harriets Zimmer gegenüber un ersten Stock befand, am Schreibtisch, um ihres Sohnes Brief sogleich zu beantworten. Schönemann war ihrem Wunsche bereitwillig entgegengekommen. So durfte sie dem Leutnant eine artige Einladung zum Weihnachtsfcste überMitteln. . Sie schrieb: - Mein theurer Hans Egon! Dein verständiger Entschluß, Dir unsere tleine Erbin anzusehen, erfreut mich sehr. Du wirst finden, daß ich Nicht zu viel gesagt habe. Unser Millionentochterchen ist em hübsches, frisches Mädchen und, wie Du weißt, des reichen Schönemanns einziges Kind. Naturllch ist sie sehr umworben, etwas verwöhnt und gewiß nicht leicht zu gewinnen. Du aber, mein Sohn, vermagst ja mit allen diesen jungen Kauflcu!en. die rner verkehren, sieghaft rn die Schranken zu treten und wirst mit Deiner Erscheinung jeden Rivalen aus dem Felde schlagen. Komm aber ja rn uniform, sie steht Dir vorzüglich und hebt Dich Zwischen dem monotonen Civil glänzend hervor. Dergleichen gefällt jungen Mädchen. Solltest Du Dich meinen Wünschen gegenüber doch etwas skeptisch verhalten und eine Verbindung mit dem bürgerlichen Namen Schönemann ungern eingehen, so bedenke, wie viel sieben-, I t ' . n v ja neunzaaige nronen minlicy geueuter Adelsfamilien heutzutage mit Reichthümern aus dem Erwerbsleben frisch vergoldet werden. - Man muß nur genügend umsichtig sein und einen vornehmen Namen, nach dem die kleinen Vürgermädchen doch alle angeln, nicht zu billig hingeben. Hier aber ist ein positiver, solider Reichthum, und es bietet sich' Dir die allerbequemste Gelegcnheit, unseren Backfisch zu gewinnen. In herzlicher Freude und aesvannter Erwartung Derne Mutter." Es war einiae Wochen sväter. der Winter trat in sein Reckt, und der Schnee wirbelte oft stundenlang in feinem Gestäube oder schweren Flocken zur izxbt herab. Solch ein Wetter aesiel Bernbard Schönemann. Er hatte nun den besten Grund vor sich selbst, nickt auf's Komptoir zu gehen und überhaupt das Haus nur in. den Seidenpolstern seines gejchlojzenen Koupes, wohlverpackt in einen prächtigen Pelz, zu verlassen, falls ihn. irgend ein Kunstgenuß oder eine zusagende Geselliakeit lockte. Befonders gern fuhr er mit den Damen in's Theater oder besuchte kleine feine Einers im Kreise einer großen Werwandtschaft. Arnold Rudiaer kam täalick in die Villa, berichtete dem Onkel vom Stande der Geschäfte, neckte fitf mit Harriet, fühlte sich heimisch und wohl im Hause und blieb oft. wenn keine andere Einladung vorlag, zum Mittageilen, oas um iccys Uhr eingenommen wuroe. Bernhard Schönemann fafc an seinem Schreibtische, hatte die Lupe zur Hand und untersuchte einige ihm zum verlaus angebotene seltene Münzen. Er war ein cifriaer Numismatiker. der viel kaufte und tauschte. Das Zimmer des reichen Mannes war mit gediegenem Luxus ausgestattet. üoUctt'&hl. Lede?iav?ten mit Goldpressunz,. Sammetvorhänge mit gestickten Borten, schwellende Polster auf geschnitzten Möbeln, weiche Teppiche und kostbare Felle, ein altdeutscher Kaminofen und erlesene Kunstwerke schmückten den großen Raum. Neben dem .Schreibtisch befand sich ein in die Wand eingelassener Schrank, dessen Metallthür von einer holzgeschnitzten Tür bedeckt war und in dem die werthvollen Sammlungen verwahrt wurden. Der Jnnencaum war der Länge nach getheilt und beide Hälften mit Fächern versehen. Ueber jedem derselben stand der Inhalt angeschricben. Links oben laa eine dunkle Ledcrmappe, und darüber las man:' Famiuenpapiere. In den Borten darunter: , Münzen Briefmarken," Mu-schein.- , Schönemann hatte sich em Leben voll eigenster Interessen und Studien geschaffen. Da er sich von ieber wenia um sein Kind gekümmert hatte, waren Vater und Tochter einander innerlich fremd geblieben. Er freute sich an dem

ausblühenden Zungen schöpfe, yr Frohsinn ergötzte ihn, von ihren Eharakteranlagen wußte er nichts, und daß sich in dem lachenden, spielenden Kinde auch einmal Eigenart, ernstes Wollen und Leidenschaft entwickeln könne, daran dachte er nie. Während Schönemann noch seine Münzen verglich und ordnete, wurde kurz an die Thür geklopft, durch die Arnold Rüdiger eintrat. Er kam jeden Tag um diese Zeit, so war sein Erscheinen nichts Außergewöhnliches, und nur mit flüchtigem Aufblick und Gruß unterbrach der Hausherr seine Beschästigung. Arnold rollte einen der Lehnstllhle zum Schreibtisch heran, setzte sich und begann über die Eingänge für das Geschüft und seine heutigen Verfügungen

zu sprechen; es war nur der Form halver, daß er dies manchmal im fragenden Ton that. Endlich, als Arnold gewahrte, daß der alte Herr eiwas mehr bei der Sache sei, begann er von Jean Leforet zu sprechen. Bei Nennung dieses Namens blickte Schönemann mit einem gereizten Ausdruck auf. Es thut mir leid, Onkel." sagte Arnold, die Achseln zuckend, ich kann Dir aber die Mittheilung nicht ersparen, daß dieser Mensch mit jedem Tag anmaßender wird. Seit er das kleine Kapital von seiner Tante geerbt hat, hören die Andeutungen, er wünsche und sei berechtigt, als Theilhaber in die Firma einzutreten, gar nicht mehr auf. Wir sind heute ziemlich hart aneinander gerathen." Mir scheinen Leforets Wünsche gar nicht unerfüllbar. Ich könnte mich nach und nach ganz zurückziehen. Was soll ich noch dazwischen? Und Du hättest einen fleißigen, gut eingeführten Theilhaber." Diesen werde ich nie dazu annehmen!" Du bist gereizt und folgst einer Verstimmung. Der Kaufmann soll leidenschaftslos sein und kühl abwägen." Ich muß mit Freuden arbeiten können." Papperlapapp, wenn Du nur verdienst." Wir werden das ohne den Schleicher thun. Mag er meinetwegen auf seinem jetzigen Platz bleiben, aber näher soll er mir nicht treten. Welch' unbegründete Abneigung gegen den geschickten Menschen!" Du weißt, ich halte seinen Eharakter für unzuverlässig. Er ist ein Katzbuckler; wir kommen nie zusa'mmen aus! Der Alte lächelte. Sollte wohl aar ein bischen Eisersucht auf den hübschen. gesandten Burschen im Spiele sein?" "Ich hoffe Nicht, daß ich Ursache dazu habe!" Eine dunkle Röthe schoß dem jungen Mann bis unter das krause Haar. Sachte, sachte! Schonemann hob beschwichtigend die Rechte. Was macht's denn auch, wenn das Kind mit ihm spielt und schäkert? Du weißt, ich habe Dir ihre Hand zugesagt.. Wenn Du willst, können wir die Geschichte jeden Tag zum Abschluß bringen." Bitte, nein! unterbrach der junge Mann hastig. Er kannte Harriet genau und wußte, daß sie nicht an Zwang gewöhnt war. Ihre unbefangene Herzlichkeit beglückte ihn, und er liebte sie zu sehr, um sie nicht im geeigneten Augenblicke selbst für sich gewinnen zu wollen. Jede EinMischung des Vaters erschien ihm wie eine Entweihung, wie die Störung eines schönen Werdens. Nachdem er diese Auffassung wiederholt ausgesprochen, hatte der Alte ihm zugesagt, in keiner Weise dareinreden zu wollen. Arnold wußte ja auch, daß es dem Oheim am liebsten sei, wenn man nichts von ihm forderte. Das Gespräch wandte sich wieder aus das Wesen und die Ansprüche des Prokuristen, und der gleichgiltige und müde Aeltere mußte sich der Entschiedenheit und Festigkeit des Jüngeren fügen, der mit aller Bestimmtheit darauf bestand. Leforet keinerlei weitere Rechte einzuräumen. , 3. Kapitel. Das Weihnachtsfest, das durch den Besuch des jungen Offiziers verherrlicht werden sollte, wurde von Frau v. Kurzenbach mit lauter und von Iranziska mit heimlicher Freude erwarte:. , Sorglos und arglos nahm Harriet die Aeußerungen und Stimmungen ihrer Hausgenossinnen entgegen. Sie faßte alle Vorbereitungen zum Fest als etwas sehr Wichtiges auf, fuhr gern in die Stadt zu den schön ausgeputzten Läden, kaufte nach Herzenslust und fertigte heimlich kleine Handarbeiten. So kam der 23. Dezember heran. Die Damen hatten ausgemacht, daß sie heute Nachmittag vor dem Diner den großen Weihnachtsbaum aufputzen wollten. Morgen Mittag sollte der Gast ai?s Berlin ankommen, dann waren alle Vorbereitungen getroffen, und man konnte das gest recht aus dem Vollen begehen. 3m Salon, ver lm Glanz ces elektrischen Lichts erstrahlte, stand inmitten des weiten, üppig ausgestatteten Raums auf dem bunten türkischen Teppich eine herrliche Fichte. Auf dem Tische zur Seite lagen, ausgeschüttet wie aus einem Füllhorn, Haufen feinen Zuckerwerks und bunten Schmucks. Franziska war beschäftigt, farbige Seidenbändchen an die Zierathen zu binden, und Harriet stand auf einem Hocker und befestigte die ihr 'zugereichKleiniakeiten am Baum.

Frau v.'Kurzenbach'leynte tm rolvgeblümten Seidensessel, beobachtete das Treiben der jungen Mädchen durch ihre Stiellorgnette und gad mit vieler Wichtigkeit auten Rath. Ich fürchte, liebe Franziska, Ihre letzten Bändchen sind zu lang, und dann könnten etwas mehr Glanzsachen auf diese Seite gehängt werden." Wird's hier nicht zu voll. Tante Laurette!" fragte Harriet sich wendend. Den Silberstern etwas höher, mein Kind." Harriet reckte sich und suchte den glitzernden Stern an einem anderen weiae zu befestigen. (Fortsetzung. folgt.)

Ausland Seltsamer Unglücksfall. Bei einem Wolkenbruch auf dem Zirbitzkogel, Steiermark, wollte jüngst eine Näherin die in die Häuser dringenden Fluthen durch Weihwasser hemmen, stürzte dabi in's tosende WatfeVufid ertrank. I m Alter von 105 Iahr e n starb in Paris das Fräulein de Lisle du Fief. Die Matrone, welche im April 1793 geboren war, war ehedem Hofdame der Herzogin von Verry. Die Verstorbene schrieb bis in die allerletzte Zeit ohne Augenglas. Sie hinterläßt Gedichte, welche sie als Hundertiährige verfaßte. Von Ratten angefress e n. In Stadtamhof bei Regensburg, Bayern, wurden letzthin Nachts zwei Kinder des Filzfabrikanten Knorr von Ratten angefressen und zwar das eine am Kopfe, das andere an der Ferse. Als die Eltern durch das Geschrei der Kinder geweckt wurden, sahen sie zu ihrem Schrecken die Thiere auf ihren Opfern sitzen. Sonderbare Bittgef u ch e werden oft an den deutschen Kaiser gerichtet. Ein Friseurlehrling aus Landsberg a. W., Provinz Brandenburg, hatte vor einiger Zeit in einem Schreiben an den Kaiser um ein Paar Stiefel gebeten. Dieser Tage erhielt er nun aus der Kreiskasse zehn Mark, die vom Obcrhofmarschallamt für den Bittsteller überwiesen worden waren. Blitzschlag beim Wett e r l ä u t e n. Der 74jährige Meßner der Filialkirche Dolgonijva, Gemeinde Großlak.in Krain, Franz Markcvic, wurde letzthin beim Wetterläuten von einem am Kirchthurme niedergegangenen Blitze zu Boden geworfen und starb nach einer halben Stunde, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Am Kirchthurme richtete der Blitz keinen wesentlichen Schaden an. Mit dem Kinderwagen durch Europa. Der Wiener Drechsle?' Anton Hanslian, der im September 1900 von Wien aus mit Weib und Kind, die er im Kinderwagen vor sich herschob, ohne Heller in der Tasche, eine Fußreise durch ganz Europa angetreten hatte, ist kürzlich wohlbehalten wieder in Wien eingetroffen. Er hat die Tour in Folge einer Wette unternommen und ohne Unfall ausgeführt. ' Attentat aus einen Staatsanwalt. Während einer Gerichtsverhandlung in Cafale Monserato in Piemont, Italien, zog plötzlich der als Zuhörer anwesende 70jährige Advokat Pagliano einen Revolver und gab zwei Schüsse auf den Staatsanmalt ab, der an der linken Schulter leicht verwundet wurde.. Nach der VerHaftung erklärte Pagliano kaltblütig, daß er seit geraumer Zeit mit dem Staatsanwalt ein Hühnchen zu rupfen habe. Es handelte sich um eine Straffache, in die vor zwei Jahren Pagliano verwickelt war. Wandelnde Annonce. Den Passanten der Wiener Ringstraße fiel jüngst ein junger Mann auf, der am Rücken und aus der Brust Tafeln trug, auf denen die bündigen Worte zu lesen waren: Ich bitte um eine dauernde Beschätigung." Auf Befragen erklärte der Jüngling, er sei in Wien fremd, mehrere Tage postenlos und hoffe, auf diesem allerdings ungewöhnlichen Wege eine' passende Beschästigung zu finden. Der Appell an die Neugierde der Mitmenschen erwies sich als gelungen, denn der Jüngling aus der Fremde erhielt thatsächlich bald eine Stelle. Die Macht des Gewiss e n s. Kürzlich erhielt die Inhaberin ,' eines Geschäftes in Huttwil. Kanton Bern, einen Brief mit dem Poststempel einer Nachbargemeinde, der fünf Francs in Briefmarken und ein merkwürdiges Schreiben enthielt Eine ältere Frau, der Schrift und dem Stil nach zu. schließen den besseren Kreisen angehörend, erzählte darin, wie sie als junges Schulmädchen einst, in den Iahren 184 bis 1850, in dem betreffenden Geschäfte, als es noch von den Eltern der jetzigen Inhaberin betrieben wurde, für acht Batzen Tabak hatte kaufen müssen; da viele Leute im Laden waren, wurde das Mädchen im Gedränge zur Thür hinausgestoßen, ohne den Betrag für den erhaltenen Tabk bezahlt zu haben; der Versuchung erliegend, habe es dann das Geld behalten. Oft im späteren Leben habe der Briefschreiberin diese Unredlichkeil Gedanken gemacht. Vor ihrem Sterben wolle sie nun noch ihre alte Schuld gut machen und sende das unterschlagene Kapital sammt Zins und Zinseszins für acht alte Batzen fünf Francs ein, mit der Bitte um Verzeibuna. k

Pädagogischer Scharfblick. Eine bemerkenswerthe Einrichtung hat der Direktor einer schlesischen Schule getroffen. In Anbetracht des t Umstandes, daß in den meisten Kreisen der Bevölkerung eine geradezu überraschende Unkenntniß und Unbeholfenheit im Lesen von Fahrpläncn und Kursbüchern herrscht, hat der Direktor sich an die Eisenbahndirektion in Breslau mit der Bitte gewendet, ihm eine Anzahl alter Fahrpläne für seine ' Knabenschule zu überlassen. Dieser Wunsch ist erfüllt worden. Künftighin werden aus dieser Schule auch' im Lesen von Fahrplänen und im Zusammenstellen von Zugsverbindungen Unterrichtete hervorgehen. . gefährlicher Desperado.. Ein Taglöhner, der jüngst in Mannheim, Baden, vor Gericht stand, versetzte während der Verhandlung einem wegen Diebstahls Mitangeklagten plötzlich einen so furchtbaren Faustschlag auf das Auge, daß das Blut herausschoß und das Auge herausquoll. Den einschreitenden Schutzleuten rief cr zu: Einerlei und wenn sie mir den. Kops heruntermachen." Schon in einer vorhergehenden Verhandlung hatte der Urbändige die Richter beschimpft und cr-

Hart, er hqre noch aus's Schaffst zu kommen. The Victore i . . : , - I, ' :';; ' ' : f , - ---"i ', V , - , : .-- - ' s,v..' .. ' - ? ? rf i - , ' . f - , . i ' ii r: . " i if i ;. ; . , . 5 i V .viJ.t' J i. ' i Qdt Noble und St. Clair Str. Ich erlaube mve meine Freunden und Lekannt? anzuzeigen, daß ich uuter dem Namen "The Victor' aa vbengenanntkN Platze eine w jkder Bezikizung erste Klaffe Wirthschaft eröffne! habe. 61 wird mein Bestreben sein, ein in jeder Beziehung respektables Hau? zu führen uud an meine Geschäft?, freunde, bei roulanter Bedienung, die besten Ouali taten an importirten und einheimischen Weinen, Liquören. Cigarren. Bier. etc. zu verabreiche. KI wird mir zur Ehr gereichen. S in mnnra leBigen Lokalt begrüben zu können. Achtungsvoll HENRY VICTOR. er beste Platz zunl Kaufen... .ifl bei der . tRa&be, Prafident. ' 533-015 Lincoln Str. Wir haben keinerlei Verpflichtungen Ande ren gegenüber. Besonders empfehlen wir unsere HartFohlen 1 Hol; Das größte Lager in der Stadt. . lt 1160; 9lctt 070 Laipiaip Bros. Brass Irts. Gießer und Dreyer. Grobe und kleine Gußarbeiten in Messing, Phosphor Bronze, Älimmmm, etc. 3, tt. atctrtTVIit unser peziaiu. 18S-142 Ost Georgia Str., Jntianapolie. j3i 9b R. 1X1. Big Four Bahn ...Excursionen... Sonntag, 17. August. 1.25 für die Rundfahrt Der Cpezialzug welcher in keiner Richtung für Passagiere anhält, verläßt Jndiar.ttpolis um 7 Uhr Morgens. Netourfahrt von Cincinnati um 7 Uhr Abends. Terre Haute 81.00 Greencastle 75c ufhrt. Verhältnibmäbige Raten für Zwischenstationen. Epezialzug verläßt den Jndiana. polis Union Bahnhof um Uhr Borgens. Retourfahrt von Terre Haute um 7 Uhr Abends. Chicago und der große Nordwefien di C iM xwm ) , r . v tm " - fefcrs'U1 -sau (b rllaöka-Sawali-VdilidPie Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. re- Bon der SRonon 47. Str. Station, Chicago, sind' nur d Minuten mittelst elelrrischer Sar nach den Union Viehdöfen rroncd k!ck Springs, in dem Orange Eounty Hochland. ffamttien-Hotel unter neuer esctNSleitnng. PIto, Proierx und Bowle Quellen. Beßk MineralwaiZcr rcr gelt. Zwei Züge tSglich via Sreencaitl. Tiikrt-Officen : Union Sta:i,n, Magachusett Nve. nd öS West Washington Strabe. Sk. P.Alge, . DlJnst ass. gent. Jndianaxoli, .nd. .H.WcToel. . S. H. f 1 11 ris. nndSen.Vgr. Bcrriebilelter Frank Reed. en. Paff. grnt. toiciac, Jll.

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