Indiana Tribüne, Volume 25, Number 295, Indianapolis, Marion County, 5 August 1902 — Page 7

Indianer Tribune, 5. August 1UUS.

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Sinkende Sonnen. t - z t ? Dttginstrornan von Georges Gknet. U -n: ihm:: ms iiiiiim: (Fortsetzung.) So, also Sie nicht ich muß es wohl glaube?., wenn Sie es sagen? aber Andere auch nicht? Wirklich?" Die Betonung dieses Wirklich" und der Ausdruck ihres Mundes war im höchsten Grade impertinent und herausfordernd. Mels bebte vor Wuth; seine Hände ballten sich; er griff schon nach der Birne, um das Zeichen zum Anhalteil zu geben. Doch die Dolchspitze des Argwohns. war bereits in sein Herz gedrungen. Nun wollte er der Sache auf den Grund gehen. Statt auszusteigen, wandte er sich cm die Gräfin und sagte mit eisiger Stimme: Das erfordert eine nähere Erklärung. Nach Ihrer Behauptung. Frau Gräfin, hätten andere Leute die Mittel, Mademoiselle Aufridi zu zwingen, die ich nicht besitze?" Ach, Sie ziehen auch gleich Schlußfolgerungen auZ einem obenhin gespro-. chenen Wort!" .Sie reden nicht in's Blaue. Gräfin, (sie sagen immer nur was lagen wollen Wenn Sie daher eine Anspielung machen, so hat dieselbe einen Grund. Wer sind denn jene anderen Personen? Ich habe ein Interesse daran, es zu erfahren, wäre es auch nur, um mich ihrer bei Therese zu bedienen." Nun, meinen Sie nicht, daß Mademoiselle Bazin ganz das Zeug dazu hat?" O, das ist eine Ausrede! Sie haben vorhin keineswegs Zelie gemeint." Und Ihr Freund Teneran?" Nein. nein. Gräfin, den meinten Sie auch nicht." Nun. dann Mayrault!" Dabei schlug Madame de Terrenoire plötzlich die gesenkten Lider auf und ihre unverhüllten Augen blickten Mels mit beißendem Spott an. Mayrault ist mein Schüler wie Therese," stotterte Mels. Welche grö-ßere-Autorität als ich sollte er über sie haben?" Das leise, kichernde Lachen der Gr'äfin reizte Mels' Nerven auf'ö Höchste. Gnädige Frau, was wollen Sie demit sagen?" Ich o nichts. Ich mag Mademoiselle Aufridi viel zu gern, um jede Andeutung zurückzuweisen, die nachtheilig für sie sein könnte. Und wenn ich mich überhaupt mit den Gerüchten beschäftige, die über sie und Monsieur Mayrault im Umlauf sind, geschähe es nur, um ihnen zu widersprechen." Was für Gerüchte?" Madame de Terrenoire lehnte sich in den Wagen zurück, sah dem Maler gerade in's Gesicht und sagte mit freundlicher Stimme: Darf ich reden? Sie kommen mir sehr aufgeregt vor. Ich möchte Ihnen so ungern weh thun. Man weiß ja nicht genau, welche Gefühle Sie für Mademoiselle Aufridi hegen." Seien sie welche es wollen, Sie sind es mir schuldig, die Andeutungen näher auszuführen." Nun, weil Sie es denn wissen wollen: man scheut sich nicht zu behaupten, daß Mayrault und Therese einander liebten. Deshalb findet man allgemein, daß nach den großen Diensten, die Sie den Beiden geleistet haben, die Beiden Sie eine sehr unwürdige Rolle spielen lassen!" Mels wurde ganz starr. Er war wie vom Blitz getroffen. Dann fragte er: Seit wie lange haben Sie das sagen hören?" Nun, seit einigen Wochen " Mels fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Er erinnerte sich, daß damals Therese mit Mayrault gemeinsam an dem Konkurrenzentwurf gearbeitet hatte. Unwillkürlich wiederholte er: Seit einigen Wochen " DieGräfin, welche sah, wie verstört er war, und zu spät erkannte.wie schwer der Schlag, den sie geführt, getroffen hatte, ergriff begütigend die Hand des Künstlers und suchte den Sinn ihrer Worte abzuschwächen: JSie wissen doch, wie viel geredet wird, nicht wahr?" Mels mochte nichts mehr hören. Er hatte das Furchtbare der Enthüllung überlebt: nun wollte er nicht den Ekel leererAusreden über sich ergehen lassen. Mit einem Schlage hatte er die Ueberzeugung gewonnen: Therese liebte Mayrault, das erklärte alles. Jetzt sah er, wie sie zu ihm selbst stand. Dann wendete er sich gegen die hübsche Weltdame, die in ihrem atlasgefütterten " Koupe einen Menschen ebenso unbarmherzig gemordet hatte, als wenn sie ihm ein Messer in die Brust gestoßen, -.und verneigte sich mit stolzer und vornehmer Haltung. Leben Sie wohl, gnädige Frau! Es thut manchmal gut, aufrichtige Freunde zu haben." Und mit einem schmerzlichen Aufblick und einem bitteren Lächeln erwiderte er die hinterlistigen Andeutungen der eleganten Dame, die ihm den Todesstoß gegeben hatte. Sie wußte ihm nichts daraus zu erwidern uno gav das Zei eben, weiterzufahren. Als Mels allein war, schritt er den Quai entlang; in die Akademie mochte er nicht,mehr gehen, sondern folgte dem Lauf des Flusses immer gerade aus.

Auf dem Quai Voltaire bielt er inne

und betrachtete die Illustrationen an der Thür eines Vuchladens, ohne zu wissen, was er that. Nur ein einziger Gedanke hämmerte in seinem Gehirn: Mayrault und Thereje lieben einander. Er zog leine Schlüsse daraus; die nackte Thatsache genügte: Therese und Maytarnt, lerne ceicen ml er! War der Verrath nicht ganz besonders schändlich? Er hatte sie ohne den Schatten eines Bedenkens mit einander verkehren lassen, in der Gewißheit, daß sie ihm unbedingt ergeben und zuverlässig seien. Dennoch hatten sie ihn getäuscht, hatten sich Wochen-, vielleicht monatelang vor ihm verstellt. Ihre Worte waren lügnerisch gewesen, ihre Blicke hatten geheuchelt. Noch an diesem Morgen, als er das Gespräch mit Therese gehabt, wie hatte sie eine Entscheidung hinausgeschoben, wie batte sie die Antwort verweigert, als er in sie drang! Ja, diese giftige und hartherzige Salondame hatte die Wahrheit gesagt, als er ihr mit blindem, thörichtem Vertrauen zuhörte: Therese und Mayrault liebten einander! Seitdem war alles für ihn vorbei! Erst jetzt vermochte Mels sich Rechenschaft über das Verderben zu geben, das jene Liebe über ihn brachte. Nun scheitert: alles in seinem Leben. Der erschütterte Bau, welchen er mit Thereses Beistand wieder Hatte stützen wollen. bracb rettungslos zusammen. Während er in diese: traurigen Stunde den Quai entlang ging und ihm infolge, der Nervenabspannung die Füße so schwer wurden, daß er sie schleppte, da fühlte er, daß er alt sei. Er konnte sich keiner Täuschung mehr hingeben: das Alter lastete auf ihm. Im Spiegel eines Schaufensters hatte er einen Augenblick sein Gesicht gesehen mit den Falten und seine grauen Haare; die ganze Verbrauchtheit seiner fünfzig Jahre war ihm in die Augen gesprungen. Er war alt! Aus dem schönen Mels war ein Greis geworden, der ein wenig zu elegant und jugendlich angezogen war und mit seiner bisherigen Beweglichkeit fast etwas lächerlich erscheinen konnte. Im Augenblick, da ihm das Bewußtsein des körperlichen Niedergangs klar wurde, drängte sich' auch die bittere Gewißheit des geistigen Rückgangs auf. Es war aus mit ihm als Mann, aus mit ihm als Künstler! So weit war es mit ihm gekommen. Bisher hatte er sich mit allen Kräften gegen solche Vorstellungen gestemmt, jetzt vermochte er nicht mehr daran zu zweifeln. Eine düstere Schwermuth überkam ihn. Er sah sich verachtet, herabgesetzt, verlassen. Da entrang sich ihm ein schmerzhafter Seufzer, und er sagte leise vor sich hin: Wozu noch leben?" Er war stehen geblieben und hatte

sich auf das Geländer der Ufermauer gestützt. Hier, vor dem Ministerium der Auswärtigen Anaeleaen.iciten. herrschte beinahe völlige Stille. Er sah den Steinträgern zu. die -ein Flußbcot ausluden. Die Thätigkeit der Man ner, die mit Schiebkarren eine schmale Planke passirten, um vom Ufer in das Fahrzeug zu gelangen, hielt seme Au gen gewaltsam gefesselt. Wie glücklich sind jene Menschen! dachte er. Sie arbeiten wie Lastthiere, ohne einen an deren Gedanken als die Achtsamkeit, nicht in das Wasser zu fallen, wenn sie die Planke überschreiten. Ohne je zu wechseln, beginnen sie mit dem Morgen thr Tagewerk. Die Beschranktheit ihres Gesichtskreises -gibt ihnen. Sicherheit und , Kraft. Weshalb bin ich nicht wie sie, ohne Ehrgeiz und ohne Traume? Dann schweiften seine Blicke über den Fluß hin nach dem grünen Garten der Tuilerien. über die reservirten Theile hinaus, und hafteten an dem stolzen Bau der Kolonnade des Louvre. Da durchzuckte es plötzlich sein Herz. Dort, in jenem Palaste, in den langen, feierlichen Gallerien. in denen andachtsvoller Ernst herrscht, dort sind die Wunderwerke der Kunst aller Völker der staunenden Bewunderung aufbewahrt. Von diesen Wänden glänzen die Gemälde der großen Meister seit Jahrhunderten herab; sie strahlen in unsterblicher Jugendschöne und bewahren für alle Zeiten das Gedächtniß der Kunstler, welche sie geschaffen haben. Der Traum aller Meister: Dauerndes. Bleibendes zu schaffen, ewig jung zu bleiben in der Schönheit, Anmuth, dem Reiz ihrer Werke, dieser Traum, der Mels umgaukelt hatte, sowie er sein: Mitstrebcnden verfolgte, in. jener herrlichen Sammlung fand er seine völlige Verwirklichung. Alle großen modernen Künstler, die er bewundert, von denen er viele noch im Beginn seiner eigenen Laufbahn kennen gelernt hatte, waren dort in den lichten Höhen des Ruhms vereint. Regnault, fein Freund, Bastien Lepage, sein Kämerad, Puvis de Chavannes, sein Nebenbuhler, warteten dort auf ihn.. Sollte er allein von den großen Namen der eigenen Generatio:?" bestimmt sein, herabzusteigcn, auszulöschen, zu verschwinden, ohne die höchste Weihe erlangt zu haben? Bei diesem Gedanken stieg ihm das Blut, zu Kopf und regte sich in ihm eine wahre Wuth. Er bäumte sich , auf gegen seine Schwäche, schalt sich feige, daß er nicht kämpfe, um sein Ansehen aufrecht zu erhalten, und daß er sich so kläglich selbst aufgebe, um eines so gemeinen Vertrauensbruchs willen. Ein Weib hatte ihm das Herz zerrissen! Weshalb benutzte er nicht das Leid um seine Begeisterung zu erneuern? Man kann mit Blut und Thränen malen. Aber niedersinkttt wie ein auf dem Schlachtfeld Besiegter, die Knechtschaft oder den Tod erwarten in Unthätigkett oder Klagen, war das des - Mannes

würdig, für" den er sich ausgegeben hatte, und des Ranges, den er beanspruchte? Er verließ den einsamen Platz und ging gefaßter dem Mittelpunkt der Stadt zu. Muthigere Entschlüsse rcgten sich in ihm und er lächelte verächllich. Ich werde ihnen beweisen, daß ich noch ich selbst bin; sie haben es zu eilig gehabt, mich für nichts zu achten. Die beste Rache, die ich an diesen Undankbaren nehmen kann, ist, ihilen zu zeigen, daß ich sie nicht brauche. Mo gen sie sich ihrer zwiefachen Heuchele! freuen. Man wird sie verurteilen, wenn man über mich richtet. Sie werd?n keinen Vortheil davon haben." Durch diese Ueberlegung fühlte sich sein Selbstgefühl, das so hart geprüft worden war. ein wenig gehoben. Beruhigter und, entschlossener kehrte er nach Hause zurück und hörte von seiner Wirthschaften, daß Teneran ihn im Atelier erwarte. Ist Therese zu Hause?" fragte er nach kurzem Zögern) Nein." verse die alte Prudentia mit etwas sorgenvoller Miene.' Sie ist noch nicht wieder da. Braucht der Herr das Fräulein?" ' Nein." versetzte Mels. ich wollte nur wissen, ob sie in meinem Atelier wäre, frnst hätte ich Monsieur Teneran gebeten, in den Garten zu kommen." Hm!" sagte die Alte. - Der kurze Ausruf drückte so viel Erstaunen über Mels, so viel Unzufriedenheit mit Therese und eine so bittere Enttäuschung aus, daß Mels der treuen Dienerin einen gerührten Blick zuwarf. Sie. die so still um ihn wirkte, hatte sicherlich ein gutes Theil von dem errathen, was er erhofft, und trauerte mit ihm über die Zerstörung dieser Träume. Im Atelier saß Teneran auf einem Sessel und betrachtete mit Verständnißdoller Aufmerksamkeit das Bildniß der Gräfin de Terrenoire.- Beim Eintreten des Freundes erhob er sich nicht, sondern re'.chte ihm nur die Hand und setzte die Kritik laut fort: Der Einfluß von Gustave Moreau und der englischen Meister ist unverkennbar. Das ist nicht mehr Deine Technik. Doch sie ist deshalb nicht minder gut. Die Anordnung der Ge-

ftalt ist gekünstelter, aber wie hübsch I c r n . . 5, r. uno sein i aues gemacyl! n zeon Jahren wird dies Bild blank wie ein Achat sein. Weißt Du, Alter, Deine Art gefällt mir doch ungemein. In Deiner Manier ist mehr Tradition, mehr Haltung, mehr Rasse. Das hindert mich nicht, zu sagen, daß dies Frauenzimmerchcn riesig viel Talent hat. Was bekommt sie denn für solch' ein Porträt ?" Ich glaube, sechstausend Francs." So, damit ist sie dann ja ganz unabhängig," bemerkte Teneran in gleichgiltlgem Ton. Eine Frau, die so gut ihren Unterhalt verdient, hat das Recht, über sich zu verfügen, wie sie sur gut halt. Weshalb sagst Du mir das?" fragte Mels scharf. Ich that es. weil es eine passende Einleitung zu dem Gespräch ist. das ich mit Dir zu führen beabsichtige, mein alter Freund." So! Du willst auch mit mir über Therese reden?" Wer ist mir denn damit zuvorgekommen? fragte Teneran besorgt. Das Original dieses Bildes!" ver setzte Mels mit bitterem Lachen. Dieser nichtsnutzige Papagei mit der gellenden Stimme! Da hat sie Dir wohl schon eingeheizt? Sie hat mir mit hinterlistigen Anspielungen berichtet, daß Mayrault und Therese mich betrögen und zwar schon seit lange! Wie infam!" Du ereiferst Dich darüber? Glaubst Du denn. da& es nicht wahr ist?" .Gewiß!" So saae mir Deine Gründe." Die sind sehr einleuchtend. May-' rault hat mich aufgesucht, um mich zu bitten, mit Dir zu reden, falls ich es angezeigt fände. Ich sollte ergründen, wie Du eine Besprechung über die zwischen ihm und Tberese gefaßten Pläne aufnehmen würdest. Ich meine, wenn die beiden jungen Leute sich Dir gegenüber etwas hätten zu Schulden 'kommen lassen, würden sie sich nicht darum kümmern, was Du davon dächtest, und Dich ganz einfach und rücksichtslos bei Seite schieben. Statt dessen habe ich gesehen, wi: peinlich dem jungen Manne der Gedanke ist. Dir Schmerz zu bereiten, so daß er schließlich bereit war, auf alle seine Hoffnungen zu, verzichten, wenn Dich der Schlag zu schwer treffen sollte" Mels fuhr wie in schmerzlicher Empörung auf, und seine Augenbrauen zogen sich finster zusammen. Dieser Akt ehrerbietiger Unterordnung schien ihn mehr zu demüthigen, als zu rühren. Aon Mayrault eine Wohlthat anzunehmen, dünkte ihn noch unerträglicher, als ihm zum Opfer zu fallen. Er beherrschte sich schnell und sagte mit seiner gewöhnlichen Gelassenheit: Gut! - Mayrault verlangt meine Einwilligung, um mir Therese zu nehmen. Doch, verlangt auch Therese meine Zustimmung zu ihrer Verlobung mit Mayrault?" Lieber Freund," sagte Teneran leichthin, die Jugend, bedarf so wenig ner Erlaubniß zum Lieben, wie die Vögel im Frühling zum Sittgen und die Blumen im Sommer zum Blühen. Es ist uns Menschen gelungen, die Natur auf mannigfache Weiseherabzuwür-

digen. zu ververben. ihr Gewalt anzu-

thun; doch das haben wir noch nicht er- - i l t.r- . -. - -.c - icugi, oag wir oie icoesgeoanicn in den Herzen der Jugend ganz zu ersticken vermöchten. Bedenke einmal die Tragweite Deiner Anklagen. Sieh von Deinem persönlichen Falle ab. Urtheile, als ob es sich um einen Anderen handelte,' zum Beispiel um Teinen alten Kumpan Teneran! Stelle Dir vor, dieser Fünfziger hätte sich in ein junge Madchen in semer Nachbarschaft verliebt, und er genethe außer sich, weil ein junger Mitbewohner seines Hauses sich ebenfalls in die Kleine verliebt hat und sie ihm streitig machen will. Was wurdest Du von emem solchen Narren denken? Was von ihm fagen? Ich höre Dich schon schelten: ,Da seh mir einer den alten Teneran! Solch' nichtsnutziger Leichtfuß! Er sollte daran denken, wie alt er ist! Und nach den Erfahrungen, die er mit seiner Frau gemacyt. hat er noch Liebesgeschichten im Kops und geberdet sich wie unsinnig, weil man ihm feinen Schatz streitig macht! Das ist wahrhaft lläglich! Man sollte seine greisenhaften Regungen nicht so zur Schau stellen. Die Kleine und der junge Mann verdienen, daß man ihnen hilft, denn er ist nichts weiter, als ein alter Satyr!' Das würdest Du von Teneran sagen, lieber Freund, und Du hättest recht. Hüte Dich, dcch man es nicht von Mels sagen kann; es wird Dir spater ueo sein!" Mels hatte abseits gesessen und sich seinen schmerzlichen Empfindungen überlassen. Die Anwesenheit des Freundes schien er ganz vergessen zu haben. Mit zitternden Fingern drehte er an seinem grauen Bart und er hielt die Lider gesenkt, um gleichsam seine Gedanken schärfer auf den Gegenstand zu richten, der ihn so tief bewegte. Seine innere Erschütterung war so sichtlich, daß Teneran sich jetzt Vorwürfe machte, den Freund zu wenig geschont zu haben. Er hatte kräftig zugeschlagen, um den Widerstand zu erschüttern. Statt der heftigen Gegenreden und Vetheucrungen, auf die er gefaßt gewesen war, stieß er auf eine würdige Haltung und auf Schweigen. Das erschreckte und rührte ihn sehr. Er zog den Tabaksbeutel aus der Tasche, drehte zwischen seinen gelblichen Fingern -eine kleine Cigarrette und sing an zu rauchen, während er ixn Atelier auf und ab schritt. Mels regte sich nicht. Stumm und schwermüthig, saß er in tiefem Sinnen da. Endlich stieß er einen schmerzlichen Seufzer aus, sah Teneran an, der vor ihm stehen geblieben war, und sagte mit völlig veränderter Stimme: Was Du mir vorhin gesagt hast, habe ich mir alles selbst vorgehalten. Doch es sind Betrachtungen, die man anstellt in der stillen Hoffnung, daß andere ihnen widersprechen werden, oder daß unvorhergesehene Ereignisse sie verhindern, und daß der gefürchtete Wechsel nicht fällig werden wird. Aber die unausbleibliche Stunde ist dennoch herangekommen. Teneran, ich kann mich keiner Täuschung mehr hingeben: der Verfall ist da! Ich muß ihn ertragen. Ach. wie hart das ist! Es wäre besser, niemals den Erfolg gekannt zu haben, cZls diesen Ruhmesglanz zu verlieren und in das Dunkel zurückzukchren! Der leibliche Tod ist schon etwas Furchtbares, vor dem die Muthigsten beben, wie dielmehr der moraliscke Tod, der dem letzten Abschluß vorausgeht, und bei dem wir gleichsam lebend und empfindend unserem Begräbniß beiwohnen. Teneran, mein Todeskämpf hat bereits begonnen; wann wird er endigen?" (Fortsetzung folgt.) Vor eil) ixvtxx g. A.: Morgen geht's in's Era men." B.: Bist Du vorbereitet? A.: Nicht nur ich bm's, auch mein Vater ist es." ' Fcr purnrnc liat 's lüdt. Vater (zu seinem Sohne, der glänzend durch's Examen gefallen ist): Kauf Dir zetzt wenigstens ein Lot . t e r i c I oog. Chemiker a ls Feuerw e h r m a n n. In Czernowitz, Bukowina, war kürzlich in einem Magazine, das große Mengen explodirbarer Stoffe enthielt, ein Brand ausgebrochen. und es herrschte eine große Pai.ik. Auf der Brandstätte war auch der Czernowitzer Stadtchemiker Professor Dr. Wonder erschienen. Mit einem Blicke die gefährliche Situation erfassend, ordnete der Professor die fchleunige Herbeischaffung von zehn Stahlcylindern flüssiger Kohlensäure an und ließ von diesem Stoffe etwa 50,000 Quarts Kohlensäuregas mittelst Schläuchen in die Flammen strömen, worauf in kürzeste? Zeit das Feuer erstickte und jede weitere Gefahr beseitigt war.' Fünfzig Stunden Pian'o f o r t e ! Den" bisher höchsten Rekord im Klavierspiel hat kürzlich ein Scheusal Namens Bancia, Maestro zu Venedig, geschlagen. Dieser Abschaum der Menschheit hatte die Stirn und die Hände." 50 Stunden hinter einander und ohne Pause Klavier zu spielen! Während dieses Aktes der Niedertracht trank er nur etwas Marsala und eine Tasse Bouillon. Nachher schrieb er noch sein eigenes Siegesbulletin nieder und begab sich nicht etwa zu Bett, sondern in die Klavierstunde. Der Maestro selbst dürfte nicht erst verrückt geworden sein, wohl aber seine Zuhörer und die Jury.

Willkommen dem Großen Friedrich. Der unlängst im hierländischen Army and Navy Journal" erschienene Artikel mit der Ueberschrift Welcome For The Great Frederic," welcher die Schenkung der Statue Friedrichs des Großen seitens des deutschen Kaifers begrüßt und wohlwollend beurtheilt, hat in Deutschland begreiflicher Weise sehr günstige Beachtung gefunden. - Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" und das Militär-Wochen-blatt." zwei Blätter, die sich stets reservirt halten, druckten den Artikel ganz ab und kommentiren ihn auffallend liebenswürdig. Wir lassen in Nachstehendem den Wortlaut des Vcmy and Navy Journal"-Artikels folgen: Es geziemt uns, das Geschenk einer Statue Friedrichs des Großen anzunehmen, nicht nur zum Beweise der Werthschätzung der Höflichkeit, welche seinen Nachkommen, den deutschen Kaiser, dazn bestimmt hat, es anzubieten, sondern als Ancriennung der großen Dienste, welche unserem Lande in allen seinen Kriegen von Soldaten deutscher Geburt und deutscher Ausbildung erwiesen worden sind. Kein Ausländer war populärer in unserem Lande vor dem Revolutionskriege, als Fririch, und sein Bildniß fand man in verschiedener Form mehr oder minder flagranfcr Entstellung auf den Schildern von King of Prussia--Wirthshäusern. welche an den Hauptlandstraßen' oder an den Kreuzwegen in den Städten und Ortschaften der Kolonien lagen. Als der Krieg kam, wurde das Wohlwollen für die kämpsenden Kolonien, welches Friedrich durch die entschiedene Weigerung zeigte. England die Rekrunrung für seine Armeen aus der Zahl seiner Unterthanen zu gestatten, oder den Soldaten, welche von den kleinen deutschen Fürsten geliefert wurden, das Passiren seines Gebietes zu gestatten, auf das Dankbarste an-

erkannt. Die deutschen Soldaten v. Kalb, v. Steuben, v. Woedtke und v. Weißenfels wurden im Dienste Amerikas herzlich willkommen geheißen, zum Theil, weil sie einen Soldatenkönig repräsentirtcn, in dessen Wohlwollen die Amerikaner volles Vertrauen setzten. In allen unseren Kriegen haben Männer von deutscher Geburt oder deutscher Abstammung einen beträcktlichen Theil unter unseren Offizieren, regulären und freiwilligen, gebildet und unsere Mannschaften Kaben fid& zu Tausenden aus Männern von derselben Geburt retrutirt. welcke für die Ver theidiauna unserer Flaaae einen Eifer und einen Geist patriotischer Hingabe entwicketten. welcher von Amerikanern keiner Klasse ubertroffen wurde. Die Teutschen leisteten werthvolle Diensie zum Schutz der ersten Ansiedlunaen aegen die Indianer und trugen ihren vollen Antheil zu der Bearünduna der amerikanischen Unabhängigkeit bei. Wie vollständig man sich auf sie verließ. ergibt sich aus dem Umstände, daß Washingtons Leibwache unter dem Kommando eines Deutschen, des Majors Berthol van Heer, stand, und daß die 14 Ossiziere und 53 Mann dieser Leibwache fast sämmtlich Deutsche waren. Abgesehen von den Deutschen, weicye jich in anderen Regimentern befanden, hatten wir während der ReVolution ein deutsches Bataillon von acht Kompagnien, ein Freikorps, ein Jnvaliden-Regiment, eine Schwadron leichter Dragoner und Armands Ka vallerie-Legion. sämmtlich Deutsche. Gleichermaßen lovale Dienste wur den von den Deutschen während des rieges vom Jahre 1812 und in Mexiko geleistet, und als es zum Bürgerkriege kam, war ihr Name Legion Man hat berechnet, daß, wenn die AnWerbungen im Verhältniß zu der Bevölkeruna gestanden hätten, die Deutschen zu unserer Armee 123,102 hätten stellen mlljien. während sie thatsächlich im tanzen 187.853 Mann lieferten Die Deutschen retteten ohne Zweifel Missouri für die Union, und in allen Staaten verrichteten ste Natwnalgardendienst zur Erhaltung der Reaieruna nuno liio.uuu Alann traten in die Reihen der Unions-Armee, allein aus den Staaten New Fork, Missouri. Ohio, Illinois, Pennsylvanien und Wisconsin ein. In unserer regulären Armee sind m . " " V veutjche deinen von jeher bekannt gewesen. Kautz, Custer (Küster), Heintzelman, Weitzel, v. Schradir, Ernst Clous, Walback. Nauman. Schriver Shiras, Haupt, die Mühlenbeigs Mordecai, Bentzoni, Ebstein, Jlges Reichmann und Wilhelm! sind Namen welche auf das Gerathewohl einer Liste entnommen sind, welche in's Unendliche verlängert werden könnte. Greble vom z. Artillerie-Regiment, der erste reguläre Offizier, welcher im Bürgerkrieg, bei Big Ethel am 10. Tiuni 1861 fiel war deutscher Abstammung, da sein Urgroßvater in Sachsen-Gotha geboren war und vier Söhne zu unserem Unabhängigkeitskriege stellte. Sein Name ist in unserer Armee-Ranaliste nvck heute durch Edwin St. John Greble von ver Artillerie vertreten. Sicherlich kann ein Denkmal des größten unter den deutschen Soldaten vor dem War College in Washington nicht am unrichtigen Platze sein. Möge es dort stehen als ein Wahrzeichen der vauernven Zuneigung und des dauern den Friedens zwischen den Ver. Maa ten und Deutschland, denn ein Strei zwischen diesen beiden Ländern würde emem Bruderkriege gleichkommen." Unter den Wählern in manchen Stakten Neuseelands sind mebr brauen als Manner.

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