Indiana Tribüne, Volume 25, Number 293, Indianapolis, Marion County, 2 August 1902 — Page 7
Jndlana Tribune, 2. Vuguft IVttS.
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i Sinkende Sonnen. i i Mgwälromsn von Georges tonet i : : : : ; -i : : : : i-m-m-i-i-i-i-m-i-i-(Fortsetzung.) Ein verwünschtes Geschäft, mein Junge versetzte Teneran und verzog die Lippen, dem man alle Aussicht hat, keinen der beiden Theile zu befriedigen. Aber solche Auftrag? kann man so wenig abweisen, wie die Bitte, Sekundant bei einem Duell zu sein. Nun, stellen wir die Sache klar.- Was derlangen Sie von mir?" Daß Sie mit Mels reden und feine wahren Gefühle zu erforschen suchen; daß Sie sozusagen in das Innerste seines Herzens hinabsteigen. Sie allein vermögen einen solchen Einblick zu thun. Vor jedem anderen würde er aus stolzem Selbstgefühl oder aus angenommenem Skeptizismus nicht die ganze Wahrheit sagen, und wir liefen Gefahr, den Mann zu kränken, den wir schonen möchten." Gut, ich übernehme es, Mels zu sraqen!" Tanke!" In derselben Stunde, als Mayrault versuchte, Mels' Gefühle für Therese zu erforschen, setzte dieser den am vorherigen Abend gefaßten Plan in's Werk und fragte Therese über ihre Empfindüngen für ihn. Die entgegengesetztesten Entschlüsse und einander widersprechendsten Wünsche führten die Beiheiligten auf demselben Kampfplatze zusammen, so wie aufmarschirte Heere einander suchen, um sich eine entscheidende Schlacht zu liefern. Es war zehn Uhr morgens und Therese arbeitete im Atelier an demBeiwerk auf dem Bilde von Madame de Terrenoire, als Mels mit lächelnder Miene eintrat. Therese stand auf, um ihn zu begrüßen; doch er machte ihr ein Zeichen mit der Hand, sich nicht vom Platze zu rühren, trat auf sie zu, küßte , sie auf die Stirn, wie er es an jedem Tage that, sah ihre Arbeit lange an und, gewohnt zu lehren, kritisirte er sie: Deine weißen Töne sind zu grell . Der Stoff des Kleides muß noch mehr zu dem Fleisch der Schulter abgestimmt werden Die Haltung des Kopfes ist Dir vorzüglich qelunqen Wenn Du vie Mumen an oer .amt noaz etwas auflichtetest, würde der helle Ton des Kopfes mehr gemildert werden Doch laß es nur es ist vielleicht auch so gut Tu hast Deine eigene Manier und sie findet Beifall Es ist ein hübsches Porträt Die schöne Gräfin hat keinen Grund, sich zu beklagen Sie ist auch ganz entzückt davon. Sie hat es gestern ganz offen gesagt." Ab, Sie haben sie gestern Abend gesehen?" Ich aß bei ihr. Es ist eine aristokratische Häuslichkeit, aber trostlos. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie freudlos diese Vergnügungen in den vornehmen Kreisen sind!" , 4 Das haben Sie doch sonst nicht gesagt." Ich habe es sogar nicht immer emPfunden. Ja, Kleine, wie viele meiner Kollegen, habe ich auch zeitweise den Hang gehabt, in der großen Welt zu verkehren. Die Huldigungen jener Kreise haben etwas merkwürdig Berückendes; es wird einem Künstler schwer, dem zu widerstehen Man muß sich jedoch davon-los machen und inne werden, wie betrügerisch dieser Reiz ist Sobald das Leben Schwierigkeiten bringt, sieht man, wie leer alle diese Freundschaften sind Solange man in diese Salons den Glanz .des Erfolgs, der Berühmtheit bringt, wird man so liebenswürdig, so bereitwillig aufge- , nommen. Ganz natürlich: denn man gibt mehr, als man empfängt. Es schmeichelt der Herrin d:s Hauses, einen berühmten Dichter, bekannten Romanschriftsteller oder erfolgreichen Musiker zu ihren Intimen zu zählen. Er verleiht einem Emvfangsabend Glanz und ist sozusagen ein Prunkmöbel und Zimmerschmuck. Die Rebenbuhlerinnen beneiden sie darum und suchen ihn ihr abspenstig zu machen: er ist der große Mann, den alle umwerben. Jedermann huldigt ihm, alles lächelt ihm zu. Ja, diese Huldigungen sind recht eigentlich ein Gradmesser für seine Berühmtheit. Sehr begreiflich, daß er sich diese Zuvorkommenheit, diese Betheuerungen gefallen läßt. Wie sollte er sie für vergänglich halten? Wie unvorsichtig, wenn er sich durch diese Anbctung einlullen läßt! Er sollte sich doch erinnern, daß, als er zum erstenmal in diese Salons trat, seitdem verschwundene Größen dort herrschten. Damals waren jene berühmten Künstler auf der Höhe ihres Ruhmes, und plötzlich wurden sie durch seine neu auf.gehende Scanne in den Schatten gedrängt. Hat er auf ihr Sinken oder ihren Sturz' geachtet? Vielleicht hat er sie bemitleidet. Vielleicht darüber gelächelt. Jedenfalls hat er sich nichts . . m' i 1 C . , C?.r. I gesagt: Aie nieoeriagc, cic icd cici.cn alten Triumphatoren bereite, werde ich eines Tages selbst erleiden durch einen jungen, glücklicheren, glänzenderen Künstler. Für alle gilt das gleiche Gesetz des Lebens. Man kann nicht gewesen sein und noch sein. Meine Sonne wird sinken wie die ihre, und ich werde wie sie darunter leiden. Nein! Er hat gedacht: Mein Schicksal wird eine Ausnähme bilden, ich allein werde nicht mein Ansehen mit dem Verluste der Jugend, sondern erst, mit dem des Le-
kens einbüßen. Und er hat sich getäuscht, Therese! Ein neues Gestirn ist am, Himmel erschienen, dessen Anziehungskraft die Bahn aller anderen beeinflußt. Selbst diejenigen Sterne, welche keinen jähenSturz gethan haben, sind in ihrem Lauf schwankend geworden, aufgehalten, am Emporsteigen aehindert. Und alle Augen wenden sich dem unbekannten Triumphator zu. Ihm gelten alle Schmeicheleien, LobesHebungen, Wünsche, und diejenigen, welche am Abend vorher beweihräuchert und umgaukelt wurden, werden jetzt feige vergessen oder kaltherzig verlassen. Die bis dahin so heiteren, liebenswürdigen, zuvorkommenden Weltdamen sind plötzlich gleichgiltig, spitz, herbe geworden. Ein eisiae? Hauch ist über die
Blüthen ihrer Huld gestreift und alle! ist jah erstorben. Nun mußte er begreifen, daß es aus ist, daß er gehen und anderen den Platz räumen muß. Die Stunde des Sinkens hat geschlagen. Mit seinen Triumphen ist es aus, und wie es im Liede heißt: ,Es ist vergebens, in den Hain zurückzukehren, denn eller Lorbeer ist geschnitten " Mels sprach mit immer größerer Leidenschaftlichkeit; die Rede, die er mit lächelnder Ironie begonnen hatte, endete im Tone schmerzlichster Bitterkeit. Es war nicht mehr der Philosoph, der über die besiegten Schwächen spöttelt und sich von ihnen geheilt erweist, sondern der Mann, der sich seiner Freuden beraubt sieht und sie entbehrt und beweint. Therese war tief betrübt über dieses Bekenntniß, welches ihr Mels' wahren Seelenzustand zeigte, und sie suchte ihm über diese Niedergeschlagenheit und Schwäche fortzuhelfen. Glauben Sie denn nicht, daß man leicht diese Huldigungen der großen Welt entbehren kann? Wie viele große Künstler leben zurückgezogen, in Einsamkeit und Stille. Sind dies nicht in der That die besten Bedingungen, unter denen ein talentvoller Mann leben und tiefe und echte Kunstwerke schaffen kann? Wie oft hat nicht Ihr Freund Teneran gegen Ihre Neigung geeifert, in diesen oberflächlichen Kreisen zu verkehren. Er ging sogar so weit, zu behauptev, daß diese fade Gesellschaft einen ungünsiigen Einfluß auf Ihr Schaffen ausübe, und daßJhre freie und großartige Auffassung sich nur mühsam gegen den Einfluß des Kleinkrams und der Ziererei Ihrer Umgebung behaupten vermöge." 57 das "weißlich" wöHl' versetzte Mels mit schlecht verhehlter Gereiztheit, er hat sich nicht gescheut, es mir selbst zu sagen und ganz unumwunden, wie das so seine Art ist. Er hat stets behauptet, ich habe nicht dasjenige entscheidende Werk geschaffen, welches einen Maler den großen Meistern beigesellt, und zwar, weil ich meine Zeit in den Salons vergeudet hätte Und wenn ich ganz aufrichtig fein soll, Therese: jetzt glaube ich, daß er recht gehabt hat. Ich habe mich zu dem Niveau der Dummköpfe und Koketten herabgelassen, unter denen ich zwanzig Jahre gelebt. Ich habe liebenswürdige Bilder, statt echter Kunstwerke geschaffen, dem Erfolg nachgetrachtet, statt das absolut Schöne zu suchen. An das Verkaufen habe ich gedacht und für die Kunsthändler gearbeitet, weil ich Geld brauchte, um mit der Gesellschaft, in der ich verkehrte, auf gleichem Fuße zu leben. Und Teneran hat recht: bisher habe ich das ! etscheidende Werk nicht geschaffen.. Aber es i noch Zeit. Ich rnn noch nicht verbraucht, wie die junge Schule mein! und die radikalen Kritiker schreiben. Ich werde ihnen zeigen, was ich kann. Sie werden es einräumen müssen, wenn sie die Probe vor Augen haben. Ein Bild liegt mir im Sinn, vor dem sie verstummen sollen. Ja, sie thun so, als ob sie mich gering schätzten, und sie möchten mich zum alten Eisen werfen. Sie werden große Augen machen, und es wird sich finden, wer veralteter ist, sie oder ich." Während er so redete, war er mit großen Schritten im Atelier auf und ab gegangen; seineAugen blitzten vorZorn, um den Mund spielte ein verächtliches Lächeln und seine Haltung war stolz und selbstbewußt. Allmälig beruhigte er sich jedoch und setzte sich auf einen Seijel neben Therese, die still weiter arbeitete. Nach einer Weile fing er mit ganz, milder Stimme und in etwas schwermüthigem Ton an: Ja, ich kann wieder ich selbst werden, wenn meine Umgebung mich genug liebt, um mir zu helfen ich fühle mich im Stande, das Leben wieder von vorn anzufangen. Allein dies Leben muß einen Zweck haben. Bisher bin ich auf dem unrechten Weg gewesen; das sehe ich, nun zwei Drittel davon zurückgelegt sind. Doch es ist noch Zeit, umzukehren. Ich bin noch zu retten." Bei diesen Worten hob Therese den Kopf und' blickte Mels mit so liebevoller Hingabe an, daß er eineik Augenblick nachdenklich schwieg, als erwäge er die Tragweite und den Ernst der Worte, die er sagen wollte. Therese," begann er endlich, Du kannst viel für mich an diesem WendePunkt meines Lebens thun. Es gibt nur ein Mittel, wie ich wieder Herr meiner , selbst 'werden kann. Das ist: Paris zu verlassen und die Gesellschaft denn sie würde sich meiner wieder be mächtigen, wenn ich bliebe, und das ' ! sC'.L.f waiz incxii unicrgung, va meine viiici keit auf's Höchste gereizt werden würde. Ich muß alle meine Lebensbedingungen ändern, um meine Fähigkeiten völlig zu erneuern. Ich denke daran, nach Jtalien zu gehen und mich an einem groj artiqen und poetischen Ort niederzulas-
sen Wenn 'ich dort still mit meinen Gedanken und an meiner Arbcit bin, werde ich wieder der Künstler werden, der ich gewesen bin. Doch kenne mich. Bleibe ich mir ganz selbst' überlassen, würde mir die Einsamkeit unerträglich dünken, und ich würde in meine
alten Gewohnheiten zurückverfallen. Und dann wäre es ein für allemal vorbei. Damit ich wieder auslebe, muß jemand über mich wachen und dies Opfer kann ich nur von einem weiblichen Weseu erwarten. Nur eine Frau könnte meine H:rzensangst beruhigen und meinen Muth neu beleben. Auch gibt es nur eine Einzige, die ein solches Werk der Güte und Hingabe zu vollbringen vermöchte, das weißt Du, Therese, denn Du bist es." Sie antwortete nicht sogleich; mit gesenktem Kopf fuhr sie fort zu malen; doch der Pinsel zitterte in ihrer Hand.' Dabei dachte sie: Daß ich im Stande bin, di:d Bildniß zu malen, verdanke ich Mels daß ich eine unabhängige und geachtete Stellung habe, schulde ich ihm, der mich aufgenommen hat. Alles was ich bin, alles was ich habe, kommt von ihm. Die Stunde, meine Verpflichtung abzutragen, ist gekommen; darf ich zögern? Ich würde Mitleid mit einem mir Gleichgiltigen haben; kann ich die Bilten meines Wohlthäters ungerührt hören? Sie steckte den Pinsel unter den Daumen in das Loch der Palette, wendete sich an Mels und blickte ihn ruhig an. Wann wollen wir reisen?" Er wurde roth vor Freude. Also Du willigst ein?" Haben Sie daran gezweifelt?" Nein. Ich hatte Vertrauen zu Dir. Ich kenne Dein Herz. Aber Paris verlassen. Deine Freunde, Deine Arbeiten " Meine Freunde sind die Ihren. Meine Arbeiten habe ich auf Ihre Empfehlung erhalten. Und wie sollte mich Paris fesseln? Sie wissen, ich gehe nur aus, wenn Sie oder Zelie Bazin mich einmal mitnehmen. Was sollte mir da schwer werden? Auch handelt es sich doch wohl nur um einige Monate?" . Wer weiß es, Therese?" Wenn Sie sich an die neue Lebensweise gewöhnt haben, wenn Sie Ihrer zcnz sicher sind, wird Ihnen ein längeres Zurückziehen überflüssig erscheinen und Sie werden in Ihr Haus heimkehren." Mels.fah sie an, wurde plötzlich ernst und seine Stimme zitterte etwas, als er sagte: Ja, Therese, wenn Du heimkommst mit dem Namen, den Du tragen sollst: dem meinigen." Sie erbleichte und ihre Lippen bebten, so daß sie nur stammelnd heraus-' brachte: Ihren Namen! Ich!"' Wer vermöchte ihn würdiger zu tragen? Es ist ein Plan, den ich längst gefaßt hatte und den ich doch zögerte. Dir mitzutheilen, weil der Altersunterschied zwischen uns so groß ist. Du bist erst fünfundzwanzig, Therese, und ich. wenn auch jung geblieben an Körper und (Seist, zähle doch schon fünfzig. Allein ich empfinde eine so tiefe Zärtlichkeit.für Dich, daß ich glaube, es wird mir gelingen, Dich meine Runzeln und grauen Haare vergessen zu machen. Wärest Du nicht so herzlich und freimüthig darauf eingegangen, als ich Dich aufforderte, mich zu begleiten, würde ich vielleicht geschwiegen und mich dadurch um mein höchstes Glück gebracht haben. Denn Du mußt wissen, Therese, daß ich an Dich nicht als ein liebes Kind, sondern als an eine heißgeliebte Frau denke " Bei diesen Worten war er nahe an sie herangetreten; seine Stimme hatte einen mmgen Klang angenommen; er beugte sich über sie, legte ihr den Arm um die Schultern, und wollte Thereses Gesicht zu seinen Lippen erheben. Aber sie neigte sich ein wenig und bot ihm nur die Stirn zum Kusse dar. Er hielt sie so. sah sie fragend an und schien sich über ihr Schweigen zu wundern. Nachdem sie sich durch eine sanfte Bewegung von ihm losgemacht hatte, sagte sie mit etwas gepreßter Stimme: Ihr Antrag überrascht mich und ich muß darüber nachdenken. Er ist sehr schmeichelhaft für mich; aber für Sie können daraus viele Unzuträglichkeiten entstehen." Du weisest mich doch nicht ab!" rief er voller Angst. Seine Aufregung erschreckte sie. Nein nein! Das nicht. Aber ich möchte nichts thun was Ihnen Nachtheil brächt." Du würdest meinem Leben 'für. alle Zeit den Frieden bringen. Und was könnte ich Höheres erhoffen? Therese. hast Du irgend einen Hintergedanken? Was verbirgst Du mir?" Einen Augenblick zögerte sie mit der Antwort, denn Mayraults .bleiches Antlitz stieg vor ihr auf. Sie erbebte, nun sie sich zwischen ihre Liebe und ihre Dankbarkeit gestellt sah. Sie hätte gern ihre Pflichten abgewogen; doch zum Nachdenken blieb ihr keine Zeit. Trotzdem mochte sie nicht alle Hoffnung aufgeben und sich unwiderruflich binden. Auf Mels' Frage, auf seine ängstliche Geberde antwortete sie lächelnd: Wer weiß, ob ich nicht auch Geheimnisse habe!" Willst sie nur nicht anvertrauen? Du solltest mir nichts verbergen." Ich werde Ihnen nichts verbergen. Beunruhigen Sie sich nicht. Ich will nur thun, was zu Ihrer Ruhe und Ihrem Glück beiträgt. Aber ich muß
mir durchaus alles Neue und Wichtige, was Sie mir gesagt haben, überlegen!" ' Ja. denke darüber nach. Ich vertraue Dir. Hole Dir auch Rath, wenn Du willst, bei Zelie oder bei Teneran." Sie neigte anmuthig den Kopf. Das werde ich thun. Auf Wiedersehen." , Und mit einem Lächeln auf den Lippen entfernte sie sich. Sie eilte auf ihr Zimmer. Dort brauchte sie sich nicht mehr zusammenzunehmen und ihr Ge-. sicht zeigte den tiefsten Schmerz. Die Stunde, welche Zelie ihr vorausgesagt hatte, in der, die Stellung für Therese im Hause von Mels schwierig werden würde, so daß sie nicht länger dort bleiben könne, war thatsächlich gekommen. Im Geist hörte sie die Worte der Freundin: Ich habe in meiner Wohnung ein Ziemer für Dich übrig. Dort kannst Du unabhängig sein; wir konnen miteinander leben und arbeiten." Sie hatte nie gemeint, daß sie genöthigt werden würde, ihre Freiheit wieoerzugewinnen. Ihre Existenz bei Mels, das Zusammenarbeiten mit ihm in dem großen Atelier, erschien ihr fo beglückend, daß sie wünschte, es könne immer so bleiben. Doch der Umschwung in den Gefühlen von Mels hing nicht von ihr selbst ab. Sie war nicht schuld daran, daß aus dem Lehrer ein LiebHaber geworden war. Sie war weder kokett noch leichtsinnig gewesen. Diese unerwartete Erklärung mußte sie daher überraschen. Als ihre Gedanken bei diesem Punkt angelangt wann, schüttelte sie den Kopf, setzte sich an das Fenster und
prüfte sich ernstlich. Wie konnte es sie überraschen, daß Mels sie liebte? War ihr nicht mehrmals dieser Gedanke gekommen? Hatte Zelie sie mcht gewarnt? Und weil Mels aus zarter ZurückHaltung gegen sie, die ihm so viel verdankte, so lange Zeit geschwiegen hatte, war das ein Grund, sich über seine wahren Gefühle zu täuschen? Ja, das war sicher, Mels liebte sie, und wenn er es nicht früher gestanden hatte, war es darum, weil sich sein Stolz auflehnte, von der Dankbarkeit anzunehmen, was ihn aus wahrer Zärtlichkeit beqlückt haben würde. Er, Mels, sollte die Rolle des Bartholo bei seiner Pflegebefohlenen spielen,'da Jeder wußte, daß er die glänzenden Gaben eines Almaviva besitzt? Um keinen Preis hätte er sich dazu verstanden. Er hatte ebenso aus Stolz wie zus Zartgefühl geschwiegen. Weshalb sprach er nun heute? Mit feinem Verständniß, dem ihre scharfblickende Zuneigung für Mels zu Hilfe kam, errieth Therese die innere Umwälzung, die sich im Gemüth von Mels vollzogen hatte. Zwar vermochte sie die brennenden Spuren nicht zu sehen, welche die Bosheit, dej Neid und die Ungerechtigkeit in der Seele des Künstlers zurückgelassen hatten. Doch schloß sie aus seiner Niedergeschlagenheit, daß er bis in's Tiefste getroffen sei, und es um ihn geschehen sein würde, wenn nicht eine linde Hand die frischen Wunden verbände, an denen er litt. Von dieser Sorge gepeinigt, deren Ernst ihr, je mehr sie darüber nachdachte, immer schwerer erschien, vermochte sie die Einsamkeit nicht einen Augenblick länger zu ertragen. Sie befolgte den Rath, welchen Mels selbst ihr gegeben hatte, und begab sich zu Mademoiselle Bazin. Zelie bewohnte in der Nue Montmartre eine Wohnung im vierten Stock, die schon von fern her durch den wilden Wein erkenntlich war, der ihren Balkon umrankte. Auf diesem luftigen und schattigen Belvedere vergnügten sich die vielen Hunde der Schriftstellerin, wenn diese zu Hause war. Kaum wird an der Klingel ihrer Wohnung gezogen, so ertönt Hundegebell. Der Pudel Anarcho schlägt Lärm. Im selben Augenblick stimmen fünf oder sechs andere Hunde ein, und jeder Besuch wird durch das Blaffen einer Meute begrüßt. Ist der Ankömmling ein Hausfreund, so verkündet ein zweites Anschlagen von Anarcho. der sich auf seinen Geruchssinn verlassen kann, diese Thatsache, und das Wuthgebell geht in ein Freudengeheul über. Sobald die Thür aufgeht, springt, leckt und quietscht die ganze Bande vergnügt und meldet so den Freundesbesuch, ehe das Dienstmädchen Zeit gehabt hat, den Namen zu nennen. Therese war ein Liebling der Hundegesellschaft; denn ihr Eintritt wurde durch ein wahres Bellkonzert gefeiert, während ' Anarcho die behandschuhte Hand des jungen Mädchens faßte und sie schwanzwedelnd und feierlich in das Arbeitskabinett von Zelie führte. Die Schriftstellerin saß an ihrem Schreibtisch und korrigirte mit großen, kräftigen Buchstaben den Abzug eines Artikels. Sie erhob sich lächelnd und ging der Freundin mit ausgestreckter Hand entgegen. Dem Pudel, der sich unter den Arbeitstisch legte, gab sie einen freundschaftlichen Klaps, geleitete Therese an ein Sopha und fragte: Was bringt Dich denn so früh l)er?" Eine ernste Sorge." Wegen Mels?" .Nicht wegen Mels," sagte Therese und netqte betrübt das bleiche Ant litz. Die Sache ist noch ernster mit Mels." So erzähle!" Die Schriftstellerin nahm eine Ei garrette, steckte sie an,- und langsam rauchend, hörte sie aufmerksam und ernst zu, während Therese ihr erzählte. Dann folgte noch eine Pause. Zelie hatte gegen ihre Gewohnheit nicht ein klnziges Wort gesagt, so lange . ihre
Freundin redete. Ihr Gesicht hätte sich verfinstert, und sie. die sonst so schnell bei der Hand war. ihre Gedanken zu äußern, schob den Augenblick, ihre Meinung abzugeben, hinaus. Endlich that sie durch eine kurze, Geberde kund, dak
sie mit sich einig sei, und wendete sieg an therese. Du konntest dieser Krisis nicht ausweichen. Sie war unausbleiblich. Ich hatte Dich schon vorsichtig darauf voroerettet. Aber damals bandelte es sick noch um Rosenwasser jetzt ist Vitriol oaraus geworden. Damals spielte Mayrault noch nicht mit und es handelte sich allein um Mels. 5ta iener Zeit warst Du noch ganz frei und konntest handeln wie Du mochtest jetzt siehst Du Dich in eine Menae von Zweisein verwickelt, denn unsere Gesellschaft t von Mlmroser Empfindsamkeit durchseucht, und Du weint nickt aus noch ein." Deshalb komme ich. mir Rath bei Dir bolen." (Fortsetzung folgt.) Eine eigenartige NordpolExpedi üoti wird von dem mit den arktischen VerHältnissen wohlvertrauten kanadischen Schiffskapitän Josef Bernier für den Frühsommer 1903 geplant. Sanier will sein Schiff, dem Fram" ähnlich. mit Stahlplatten bekleiden und cs 120 Fuß lang, 36 Fuß breit und 18 Fuß tief machen, aber in der Ausrüstung geht er weiter als irgend einer seiner Vorgänger. Das Schiff will er mit Elektrizität und Dampf heizen, um der Feuchtigkeit, einem der großten Feinde der Nordpolfahrer, wirrsam zu begegnen, und ferner es mit zwei elektrischen Kochofen ausrüsten. Ein großer Destillirapparat soll stets für reines Wasser sorgen und eine Telephonverbindung sämmtliche Theile des Schiffes miteinander verbinden. Eine weitgehende Neuerung wird sodann in der Anwendung der drahtlofen Telegraphie bestehen. Teleskopartig ineinandergefügte Stangen, die eine Gesammthohe'von 200 Fuß ha ben und am Hauptmast befestigt sind, sollen es ermöglichen, nötigenfalls im ersten Winter während eines Zeitraumes von drei Sommern und zwei Wintern gedenkt Bernier sein Schiff treiben zu lassen mit Dawson City in Alaska und später mit Hammerfest selbst bei einer Entfernung von 1,200 englischen Meilen sich zu verständigen. Jedenfalls aber soll der Marcom-Telegraph dazu dienen, mit den am Land befindlichen Mitgliedern der Expedition die Gesammtzahl soll 14 betragen in beständiger Verbindung zu stehen. Auf Grund der bisher angestellten Versuche darf Vernier wohl hoffen, nach dieser Richtung hm keinen Schwierig' keiten zu begegnen. Eine Hauptaufgäbe während der Zeit, wo das Schiff, von der Strömung getrieben wird, ist. überall Proviantstationen zu errichten, um für die Rückkehr auf alle Fälle wohl versorgt zu sein. Bernier glaubt, mit seinem Schiff bis auf etwa 150 Meilen zum Pol gelangen zu können. Die letzte Strecke über das große Eisfeld will er mit zwei besonders construirten Automobilen von je fünf Pferdekräften und 2.000 Pfund Tragfähigkeit zurücklegen. Diese Automobile werden so construirt, daß sie in allerkürzester Zeit in Boote verwandelt werden können. Der Tadel und der Widerspruch des Höflichen ist schweigen. Gewagtes Unternehmen. Reichliches Souper bei dem Erbonkel eines Kommilitonen. Allewetter." ruft dessen Tischnachbar, gleichfalls Studcnt. diesem zu. der vortrcfflicheSckt hat Deinen reichen Onket geradezu kreuzfidel gemacht! Was glaubst Du. wäre er jetzt vielleicht geneigt, mir 100 Mark zu pumpen?" Geneigt ist er allerdings schon etwas ,so viel ich sehe, aber anpumpen wird er sich kaum lassen." Neues Observatorium auf den Alpen. Die Königin Margherita - Schutzhütte, die in der Höhe von 14.960 Fuß auf der Gnifettispitze des Monte Rosa liegt, ist neuerdings durch Professor Angela Mosso in Turin im EinVerständniß und mit Unterstützung der Königin - Wittwe Margherita von Italien in ein wissenschaftliches Observatorium umgewandelt worden. Maßgebend hierfür war das Bestreben, für eine planmäßige und geordnete Untersuchung der physiologisehen Erscheinungen, die sich beim Menschen in großen Höhen äußern, eine geeignete Stätte zu gewannen. Das Gebäude bietet auch in seiner neuen Gestatt und Bestimmung Unterkunft für Bergsteiger und Räume und Apparate für die nöthigen Beobachtungen und Experimente an den Besuchern, die sich dazu hergeben. Zu früh triumphirt. Eine englische Zeitung erzählt folgendeAnekdo:e aus den Konzerten des berühmten Wiener Opern- und Konzertdirigenten Dr. Hans Richter. Ein Bläser renom mirte vor seinen Kollegen, daß Richter in dem Konzert vom Abend vorher nicht gemerkt habe, daß er einen Einsatz versäumt habe. Das war bei Beginn einer Probe, die in eineranderen Stadt stattfand. Als man an die betreffende Stelle kam, wo der Ton ausgefallen war, rief Richter dem Bläser mit ruhiger Ironie zu: Herr X., Sie sind uns von gestern Abend noch ein ,As' schuldrg geblieben, vielleicht sind Sie so freundlich, es. uns zu gewähren.- -
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