Indiana Tribüne, Volume 25, Number 292, Indianapolis, Marion County, 1 August 1902 — Page 7

Jndkana Tridane, 1. August 1902.

fri-H I I I'K-M"! 1 1 i-i-i'ii mini ;j Sinkende Sonnen, j

Liriginalroman von CZesrges Ghnet. ,,,,,,, , '.,f'..,f',n'.,sz.,',, rlvl iVi iV nvr - -- (Fortsetzung.) Der General trank mit Andacht einen Chateau Fquem, der sich seiner Anerkennung erfreute, und sagte, während er sein Glas auf den Tisch setzte: Sehen Sie, lieber Vatebled, Ihre Freunde von der Akademie sind alle Verräther. Sie haben sich als Kandidaten für den Sessel des armen Dingsda wie hieß er doch? angeboten. Kriegslieder hat er gedichtet glaube ich. Ihnen waren zwölf Stimmen zugesichert, und bei der Abstimmung haben Sie gerade fünf erhalten. Wer sind diejenigen, die Sie im Stich gelassen haben? Ja, das werden Sie nie erfahren. Das wird Sie indessen nicht abhalten, sich wieder zu bewerben. Und die Anderen werden es ebenso machen! Sagen Sie 'mal, was ist Ihnen denn an der Sache so begehrenswerth?" Sie haben gut reden, General," sagte der Bischof von Hermenopolis. Weshalb haben Sie Werth darauf gelegt, Korpskommandeur zu werden? Und weshalb sind Sie ganz unglücklich, es nicht mehr zu sein!" Ich unglücklich? Ich bin niemals unglücklich!" widersprach der General. Gewiß! Das ist nur eine Redensart. Aber es ist ganz natürlich, daß ein Mann alles zu erlangen trachtet, was das Geschick ihm an materiellen und moralischen Gütern zu gewähren dermag. Für Sie. General, war es der Oberbefehl. Für unseren lieben Dichter ist es die Befriedigung, einer schwer zugänglichen Genossenschaft anzugehören." Da es eine Akademie gibt, müßte ich ihr angehören," seufzte Vatebled. Vom Standpunkt des Berufs ist das eine Nothwendigkeit für mich. Meine Bücher haben niemals Absatz gefunden. Sie sind Gott sei Dank! nicht für das gewöhnliche Publikum geschrieben. Mein Drama, das im ,Neuen Theater' aufgeführt ist, hat die Zuschauer derblüfft, die vor der Tiefe meiner Auffajsung ganz rathlos dastanden. Die Negierung, die ich gleichzeitig verachte und bekämpfe, wird mir nie die Ehrenlegion geben. Was bleibt mir also, wenn ich keinen Zutritt unter die Kuppel erhalte?" Ihre Unabhängigkeit bleibt Ihnen, mein Bester." versetzte der junge 3M chin. Wenn Sie es für nützlich halten. in Reihe und Glied zu treten, weshalb überwerfen Sie sich dann mit der ganzen zeitgenössischen Poesie? Einmal spielen Sie die Rolle des Moses auf dem Sinai, und dann setzen Sie wieder alles daran, den Frack mit den grünen Palmen zu erlangen'! Das stimmt nicht zu einander. Im Grunde glaube ich. bedauern Sie es tief, daß Ihre Bücher keinen Massenabsatz haben, Ihr Stück nicht hundert Aufführungen erlebt hat und daß Sie nicht von den Svickbüraern bewundert werden. Wenn das zutrifft, räumen Sie es doch offen ein; dann waren S:e wenigstens aufrichtig und man konnte Sie oe dauern und würde Mitgefühl mit Ihnen haben. Das ist doch besser, als unverstand.ick zu sein. Es entstand ein peinliches Schweigen. Die junge Gräfin wollte das Mißbehagen beseitigen, das die derbe Offenheit des jungen Maichin unter ihren Gästen erregt hatte, und übernahm die Antwort: Gehen Sie doch mit den Schriftstel lern nicht wie mit Pferden um," sagte sie mit ihrer scharfen und htraussordernden Stimme. Sie verlangen von Vatebled Aufrichtigkeit in literarischen Dingen? Ueben Sie sie denn in den sportlichen? Sie wundern sich über den Dichter, der die Zustimmung derjenigen gering schätzt, die sich beharrlich weigern, ihn zu verstehen. Und ich habe Sie diejenigen Leute Cretms schimpfen hören, welche aus dem letzten Pferde markt in Deauville Ihre miserablen Füllen, die Sie hingeschickt hatten, nicht zu wahnsinnigen Preisen kaufen wollten." Meine Füllen wären miserabel geWesen! Aber ,Draht' und ,Pistole' waren mindestens dreißigtausend Francs werth." Da haben wir's! Was Ihnen werthvoll erscheint, gilt Anderen nichts. Was Du nicht-willst, daß man Dir :hu', das füg' auch keinem Ankern zu. Nehmen Sie sich Monsieur Mels zum Beispiel! Der ist ein Weiser!" Mels, der seit Beginn der Mahlzeit geschwiegen hatte, weil er ganz mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt war. zuckte zusammen, als er seinen Namen hörte. Er hob den schönen ausdruckevollen Kopf und sagte, indem er zu lächeln versuchte: Verdiene ich ein so hohes Lob?" Ja, Sie kennen das Leben. Und statt sich dem Vorwärtskommen Ihrer Schüler zu widersetzen, begünstigen Sie es. Es muß allerdings ein Jeder seine Zeit haben; aber ich finde diese Entsagung gut und groß. Es ist der Beweis eine? wirklichen Ueberlegenheit: das Genie, welches dem Talent vorwärts hilft, denn kurz und gut: Sie haben Mayrault gebildet!" Mels erbleichte. Es dunkelte ihm vor den Augen und er entgegnete mit gepreßter Stimm:: Seine Erfolge sind mir mehr werth als die meinen denn ick n,fo ft ;.

einen Sohn. Diejenigen, welche sich

bemühen, ihn mir zu entfremden, irren sich, wenn sie meinen, mich damit zu kranken. Ich freue mich über die Anerkennung, die ihm zu Theil wird." Selbst wenn es auf Ihre Kosten aescbiebt?" .Selbst dann. Man wird dafür morgen den Beweis empfangen. Ich habe heute an den Minister geschrieben und ihm mitgetheilt, daß ich meine BeWerbung um die Dekoration des Kolonialpalast:s zurückziehe." .Aber das heißt den Preis Ihrem Schüler zuwenden. Die Gegenpartei hat ihn ihm zuerkannt; Ihre Neider schreiben ihm die Arbeit zu und Sie überlassen ihm freiwillig den Preis?" .Wie Sie vorhin richtig sagten: Mayrault, das bin ich. An seinem Siege habe ich meinen Theil." .O Meister, Sie geen sich auf!" .Nein, gnädige Frau, ich gebe mir nur genau Rechenschaft von meiner Lage weiter nichts. Ein Jeder muß seine Zelt haben das sagten Sie auch. Und Sie hätten hinzusetzen können, wenn Sie nicht zu liebenswürdig wären, um einen alten Künstler zu kränken: man kann nicht gleichzeitig sem und gewesen sein. Ja, das ist hart zu fassen und hinzunehmen für diejenigen, die. im Besitz der Gunst sind, daß sie den Jüngeren weichen müssen, die nach ihnen kommen. Das ist der herbste Schmerz für den Schaffenden, sei er Musiker, Dichter, Bildhauer oder Maler, wenn er sich sagen muß: Die Triumphe, die ich davon getragen habe, werden sich Nicht erneuern, die Huldi gung: werden Anderen zu Theil werden, die entzückten Blicke wenden sich ab, und die heiße Neugier der Menge, die sich beim Vorbeigehen meinen Namen zuraunte, wird sich in kalte Gleichgiltigkeit wandeln. Ich war das Gestirn, das am Himmel herrschte, und ich werde allmälig an den Horizont hinabsinken. Das Licht, welches mich mit semen belebenden Strahlen erhellte, nimmt ab und läßt mich zweifelnd und schwach zurück. Nach der Freude des Sonnenaufgangs kommt die Wehmuth , der sinkenden Sonne. Ja, das ist das Härteste für den Künstler. Wenn er eingedenk seiner Bergangenheit sich verlassen fühlt, sich selbst überlebt hat, wenn er vor dem Papier, dem Thon oder der Leinwand sitzt, mit Hilfe deren er ehemals seme Gedanken verkörperte, und sich nun sagen muß: Wozu noch arbeiten? Es gibt kein grausameres Leid als dies Heruntersteigen. Diejenigen sind glücklich zu preisen, die auf dem Gipfel des Erfolgs, in voller Kraft hinweggenommen werden, ohne die Enttäuschung des Alters kennen gelernt zu haben. Oder man muß in einem Sohn wieder aufleben, und es ist köstlich, den eigenen Ruhm in einem jungen Sprößling neu erblühen zu sehen. Das geschieht mir in Mayrault. der das Kind meiner Mühen ist. Darum empfinde ich keine Eifersucht bei seinen Erfolgen, denn sie sind von mir vorbereitet worden, und so konnte ich Ihnen vorhin sagen, daß ichmich alles Guten freue, das ihm begegnet. wenn ich auch scheinbar darunter leiden würde." .Das ist wirklich eine treffliche Philosophie, und ich kenne leine rührendere, wenn sie aufrichtig ist." Gnädige Frau, weshalb sollte ich versuchen, Sie zu täuschen? Weshalb vor Ihnen eine Rolle spielen, da Sie mich so gut kennen?" O, ich glaube alles, was Sie sagen. Doch die Empfindungen, die Sie äußern, sind zu außergewöhnliche. Alle Künstler sind eifersüchtig auf ihre Nachfolger. So gibt es, wenige Ausnahmen abgerechnet, in jeder Künstlerlausbahn eine trübe Stunde, in welcher der Erfolg ausbleibt oder die schöpferische Kraft ihn verläßt und der Künstler wie die sinkende Sonne zum Horizont hinabsteigt. Man kann diese schmerzliche Stunde der Dämmerung vergleichen. Es ist ein treffendes Bild, und wie es eine Dämmerung für den Geist gibt, so kennt sie auch das Herz. Die hübsche Gräfin lächelte bei diesen Worten und ihre spöttischen Augen schienen die Gedanken hinter Mels' Stirne lesen zu wollen. Er zuckte zu sammen. Ja," versetzte er, dem Ruhm entsagen zu müjjen, ist schmerzlich aber der Liebe zu entsagen? Gibt es eine härtere Prüfung? Doch da sorgt die Natur gnadig vor. Wenn im Reiche der Ideen die menschlichen Wünsche schrankenlos sind, tm Reiche der That lschen ist es, anders. Das Alter über nimmt es, die Leidenschaften zu mäßigen. Das heißt aus der Noth eine Tu gend machen!" bemerkte der Bischof von Hermopolis mit feinem Lächeln. Oder: als der Teufel alt wurde. wurde er Einsiedler! Meinen Sie wirklich, daß die Patriarchen der Liebe entsagen?" warf der junge Maichin dazwischen. Ich habe einen Onkel von reichlich siebenundsechzig Jahren, der die reizende Amandine de Tresmes liebt, als wäre er dreißig! Auf Ehre!" rief?der General und wiegte sich in den Hüften, ich kann Sie versichern, daß ich General. Sie werden uns hier doch nicht etwa Ihre Liebensabenteuer zum Besten geben!" unterbrach ihn die Grä sin. . Bleiben wir bei den Siegen, lassen wir uns nicht auf die Eroberungen ein" . Mels hörte. nicht mehr nach dem faden Tischgespräch hin, das seinen Fortgang nahm. Denn plötzlich sah er deutlich Thereses bleiches, .von dem

Ichwarzen Haar umrahmtes Gesicht vor

sich und sem Herz begann unruhig zu schlagen. Weshalb hatte die listige und ironische Weltdame so deutlich auf die doppelte Niederlage angespielt, die den Künstler in seinem Ruhm und in seinem Herzen treffen konnte? Weshalb wies sie in der Stunde, da Mels das Piedestal des Ruhmes unter seinen Füßcn wanken fühlte, darauf hin, daß diejenige ihn verlassen könne, die ihn allein über sein Hinabsteigen zu trösten vermochte? Schon seit mehreren Tagen hatte Mels mit einer gewissen milden ResigNation daran gedacht, durch eine völlige Umgestaltung seines Lebens Ruhe und Frieden zu finden. Therese war die Hauptbedingung dieses neuen Lebensplanes gewesen. In seiner Niedergeschlagenheit, Entmuthigung und Müdigkeit hatte Mels sich gesagt: Ich will mit Therese verreisen. Ich will mir ein friedliches, grünes Fleckchen suchen, fern von den Aufregungen und Zänkereien. um dort allein für mich zu arbeiten und aus der Frische der Natur neue Kraft zu gewinnen. Dort werde ich die Eifersüchteleien, die Undankbarkeit und Treulosigkeit vergessen. mich unter einem sanften und- remen Himmel erholen an der Seite des Wesens, daö den ganzen Ren und die Freude meines Lebens ausmacht. Noch bin ich nicht zu alt dazu. Bis vor Kurzem bin ich geliebt worden. Warum sollte ich nicht in Therese das höchste Gluck des Herzens wiederfinden. Si: ist treu und gut und sie verdankt mir alles." Kaum durchzuckte ihn dieser Gedanke, als Mels erröthete. Er erschien ihm seiner selbst unwürdig. Wie vi s i c v ' l r omt amoarlell oer zeweggruno sur Therese sein? War es so weit mit ihm gekommen? Ware es dann mcht desser, sie gar nicht zu erlangen? Sem ganzer Stolz kehrte zurück. Er fühlte sich plötzlich voller Leidenschaft und wie verjüngt. Eine Hoffnung durchströmte ihn mit Warme: die, dem reizenden Mädchen zu gefallen und in ihr seinen letzten, glänzendsten Sieg zu feiern. Wie eine spöttische Antwort auf seine Hukunftsträume börte er in diesem Auaenblick die Gräfin saaen: Machen Sie, was Sie wollen; me Liebe ist nur etwas für die Jugend. Denken Sie an das Sprichwort: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das gilt vor. Eheleutm und erst recht von Liebei paaren. Ich weiß wohl, daß es solche alten Schwerenöther gibt, wie der liebenswürdige Onkel des jungen Maichm, welche fich einbilden, die Herzen der Mägdlein und Frauen im Sturm zu erobern. Doch das ist eine Tauschung, die ihnen für ihr schweres .Geld vorgezauöert wird." O, gnädige tf?u," sagte der Ge neral bitter, der Minister, der doch nicht weichherzig ist, hat mit Unsereinem noch mehr Erbarmen als Sie. Wfc er uns zur Reserve versetzt, verwehrt er uns mcht zu hoffen, daß wir noch einmal dienen könnten!" Man erhob sich von der Tafel. Die Flügelthüren des Salons wurden geöffnet, und in der behaglichen Wärme der eleganten Behausung fuhren die Gäste fort, achtlos zu plaudern, ohne zu ahnen, welche Beunruhigung ihre Worte m Mels Heiz heraus beschworen hatten. 5. Kapitel. Als sich die Thür von Tenerans Arbeitszimmer öffnete, hob dieser den Kopf, legte die Pfeife auf den Schreibtisch, schob die Papiere zurück, und ein Lächeln flog über sein Gesicht: Wie, Sie sind's, Mayrault? Willkommen, lieber Junge! Was führt Sie so früh her? Es ist ja ein heller Tag, an dem man malen kann!" ' Der junge Künstler drückte dem alten Schriftsteller die Hand, ohne etwas zu sagen. Er setzte sich auf den Diwan neben die noch nicht aufgeschnittenen Bücher, welche warteten, daß der Kritiker sie vornehmen werde, und blieb nachdenklich dort sitzen, als könne er sich nicht entschließen, den Zweck seines Besuchs anzugeben. Tenerans graue Augen, die scharf wie Dolche waren, ruhten prüfend auf Mayraults sorgenvollem Antlitz und erkannten mit Befriedigung in der hochgewölbten, edelgeformten Stirn, in dem seinen und stolzen Bau der Nase, der träumerischen Klarheit des Blicks die Anzeichen von kräftiger Phantasie, von kühner Neuerunaslust und moralischer Reinheit. Er liebte Mayraults Gesicht; es erinnerte ihn an das schöne Porträt von Rembrandt. Zum zweiten Ma.l, und durch Mayraults verlegenes Schweigen etwas besorgt gemacht, fragte er: Was ist denn geschehen?" Ach, verehrter Freund,- etwas sehr Einfaches, das jedoch groß5 Wandlungen in meinem Leben hervorbringen kann: ich habe eine leidenschaftliche Liebe." ' Nun, das ist kein Unglück," meinte Teneran. Die Liebe ist eine sehr zuträgliche Erregung sur das Gehirn, wenn man Nutzen daraus zu ziehen weiß. Raffael liebte die Fornarina und Vinci die Mona Lisa. Lieben Sie, bester Mayrault, lieben Sie leidenschastlich das liegt in Ihrem Alter oder vielmehr ist das leider allen Altersstufen gemeinsam. Nur versäumen Sie darüber Ihre Arbeit nicht dann geht alles gut. Aber weshalb schenken Sie gerade mir Ihr Vertrauen?" Ja, Sie sind der einzige Mensch auf der Welt, dem ich mich anvertrauen, den ich um Rath fragen und der mir beistehen kann."

Sie erschrecken mich. Bester! Bin

ich Professor in Liebessachen? Mir ist es selbst damit so schlecht geglückt, daß ich mir kein großes Heil verspreche, wenn ich mich in die Herzensgeschichten Anderer mische. Allerdings beurtheilen die Kritiker, welche häufig entgleiste Literaten sind, das, was die Anderen hervorbringen, und so mögen auch die in der Liebe Entgleisten die Gefühle der Anderen trefflich zu zergliedern verstehen." Er griff wieder nach der Pfeife, zündete sie von Neuem an und blies eine große Dampfwolke in die Luft, die ihn in einen blauen Dunstkreis hüllte. Um wen handelt es sich denn?" Um Therese." Donnerwetter!" Der alte Schriftsteller wurde plötzlich sehr ernst, schüttelte den Kopf und sah Mayrault an. Sie lieben Therese Das ist sehr einfach. Ja, mehr noch, das ist sehr natürlich. Aber liebt Therese Sie auch? Das ist die Hauptsache!" Therese liebt mich," versetzte Mayrault. Darauf schwiegen die beiden Männer. Sie dachten zu gleicher Zeit an dieselbe Sache und jeder machte sich Sorgen darüber. Welchen Einfluß wird diese Liebe auf das Leben von Mels und seinen Gemüthszustand haben? Der Schüler wie der Freund bemühten sich mit gleicher Besorgniß, die wahrscheinlichen Folgen einer an und für sich so alltäglichen Thatsache, der Liebe eines jungen Mannes für ein junges Mädchen, zu ermessen. Aber dieser junge Mann war Mayrault und das junge Mädchon war Therese. Alle begleitenden Umstände dieser Liebe waren außergewöhnlicher Art: die Trefflichkeit der beiden Liebenden, die Eigenthumlichkeit ihrer Stellung, vor allem ihre moralische und künstlerische Abhängigkeit von Mels, der für Mayrault ein edler, selbstloser Lehrer und für Therese ein gütiger und großmüthiger Wohlthäter gewesen war. Es war nicht zu leugnen, daß, wenn Mels nicht mit väterlicher Bereitwilligkeit seine Zustimmung zu der Verbindung der beiden jungen Leute gab, man nahezu einen Raub beging, ihm Therese zu nehmen. Mayrault wurde bange um das Herz, als erTeneran ansah.der über das "r I chmerzliche Problem nachsann: Wenn Zels Thereie liebt (wie ich es immer geglaubt habe) und man nimmt sie ihm, so ist es sein Tod. Doch er konnte sich mcht langer der Erwägung verschließen, daß der junge Maler gekommen sei, ihn um seinen Rath zu bitten. Vor allem wollte er iedoch genau die Bedingungen des Problems kennen,das er lösen sollte. Seit wie lange stnd Sie über Thereses Gefühle im Klaren?" fragteTeneran. Wann haben Sie ihr Ihre Liebe gestanden und wann hat sie Ihnen, die ihre erklärt?" Gestern Abend!" Und wo?" In meinem Atelier." Was wollte sie da?" Mit mir über die gegen Mels gesponnenen Intriguen reden und mich vervflickten. alle Anerbietunaen abzuweilen, vie ven mereen unsres cyrers entgegen sein könnten." Das haben Sie ihr versprochen?" Sie hätte es nicht zu fordern gebraucht. Ich war dazu natürlich von vornherein entschlossen." Das heißt, daß Sie ihm seinen Ruhm lassen, aber ihm Therese nehmen wollen." Mayrault wurde roth, als Teneran mit rauher Stimme die Sachlage so kurz und bündig zusammenfaßte. Um ihm Therese zu nehmen, müßte sie ihm doch gehört haben," versetzte der junge Mann, und das ist nicht der Fall." Hm! Man kann einem Menschen auf sehr verschiedene Art gehören. In Ihren Augen qtnt der materielle Besitz die unerläßliche Bedingung zu sein, daß eine Frau einem Manne gehört?" Vor allem gehört dazu, daß sie ihm ihr Herz schenkt. Wie viele Frauen lieben denjenigen nicht, von dem sie physisch abhängen." Kennen Sie nichts anderes als die Liebe, welche einem Manne ein Anrecht auf eine Frau gibt? Was halten Sie von der Dankbarkeit? Daß sie, wenn sie Zwang ausüben will, die abscheulichste Spekulation auf die Gefühle ist. Wie! Weil ein Mann das Glück gehabt hat, gut und hilfreich gegen ein schwaches Kind zu sein, soll seine Pflegebefohlene für alle Zeit in einer Art von" moralischer Abhängigkeit zu ihm bleiben? Wäre das- nicht der schändlichste Wucher mit der Großmuth? Shylock hätte es nicht schlimmer treiben können. Das arme Wesen, dem man geholfen und das man beschützt hat, schuldete dann nicht nur ein Pfund ihres Fleisches, sondern ihr ganzes Herz! Sagen Sie selbst, Teneran, wie ungeheuerlich und egoistisch eine solche Auffassung von der Dankbarkeit ist!" Und Sie, lieber Freund, bedenken Sie, wie entsetzlich und grausam das plötzliche und gänzliche Aufgeben eines liebevoll gehegten und vergötterten Kindes für denjenigen sein müßte, der ihr ein zärtlicher und selbstloser Wohlthäter gewesen ist! Und gerade in dem Augenbllck soll er es hingeben, m dem er dessen bedarf, daß es ihm die Fürsorge ünd Zuneigung vergilt. Darin vermag ich keine unberechtigte Forderung oder 6nt Härte zu sehen. Hier handelt es sich nicht um Kerker und Ketten. Hier haben wir nur einen Mann, der gut gehandelt hat. und ein Kind, das geliebt

worden ist. Wenn die Güte des Man-

nes ihm keine Rechte gibt, so legt sie dem Kinde doch Verpflichtungen auf. Es handelt sich nun darum, zu wissen, ob sie diese erfüllen oder einfach sagen wird: ,Mein Glück liegt anderswo! Leb wohl.'" Mayrault legte die Hand auf Tenerans Knie und sah dem alten Schriftsteller in die Augen. Gerade weil ich dies alles weiß und verstehe, um was für einen ernsten Fall es sich handelt, habe ich Sie aufgesucht. Nur allein von Ihnen möchte ich Rath annehmen. Das Leben hat Ihnen Enttäuschungen gebracht. Sie wissen, wie schwer man daran trägt, und was es bedeutet, Opfer zu bringen. Reden Sie unumwunden und sagen Sie mir, was ich thun soll. Sie sind Mels' bewährtester Freund und können in voller Offenheit mit ihm sprechen. Keiner vermag seine Gefühle besser zu beurtheilen und auch die unseren. Vor allem kommt es darauf an, redlich zu handeln und weder die Henker, aber auch nicht die Opfer zu sein. Wollen Sie uns aus dieser schwierigen Lage helfen? Seien Sie Schiedsrichter zwischen uns." (Fortsetzung folgt.) Zur Natservegcgttnng tn Dresden. Die kurze Begegnung Kaiser Wil Helms und Kaiser ranz Josephs bei der Beerdigung König Alberts in Dresden hatte zu Gerüchten über eine Verstimmung zwischen den Höfen von Wien und BerlinAnlaß gegeben. Di?sen Gerüchten wurde sofort von Berlin aus entgegengetreten. Nun schreibt die Wiener Montagsrevue" hochoffiziös zur Kaiscrbegegnung in Dresden ftoktfndes: Angesichts des Umstandes, daß in vielen Journalen noch immer von der angeblichen Entfrcmdung der Monarchen von OesterreichUngarn und Deutschland und von der Vermeidung leglichen personllchcnÄerkehrs zwischen beiden Souveränen bei ter Leichenfeier die Rede ist. konstatiren wir in Bezug auf die Anwesenheit der beiden Kaiser m der sächsischen auvtstadt olacnoes: Alle Fürstlich keiten wohnten im königlichen Schlosse. so daß naturgemäß über ihren Verkehr mit einander nur wenig in die Öffentlichkeit dringen konnte. Kaiser Franz Joseph, der Vormittags ankam, wurde aus dem Bahnhöfe von allen anwesenden Prinzen begrüßt, emvfina ibre Besuche und machte ihnen Gegenbesuche. Als Nachmittags das deutsche Kaiserpaar eintraf, wurde dieses gleichfalls von den fürstlichen Personen am Bahnhofe erwartet. Kaiser Franz Joseph begrüßte das deutschc Kaiserpaar ber semer Ankunft im Schlosse, küßte der Kaiserin die Hand, reichte ihr den Arm und begleitete sie zu ihren 'Äppartemenls. Gleich darauf erschien Kaiser Wilhelm zum Besuche beim Kaiser Franz Joseph und blieb, dort fast ernc halbe Stunde. Der Verkehr war überaus herzlich. Kaiser Wilhelm überbot sich förmlich in den Beweisen seiner Anhänglichkeit. Bei der Abreise, die übrigens nicht zu gleicher Zeit erfolgte, erschienen die Monarchen jeder für sich allein; sie waren eben Gäste des sächsischen Hofcs. Allerdings hatten die anderen nicht souveränen Fürstlichkeiten bei der Abfahrt der beiden Kaiser zu erscheinen. Wie Jondcrt Natal rettete und darüber verachtet wurde, darüber giebt aus Pietermaritzburg in Natal die am 31. Dezember v. I. eme Bevo!kerung von 18,500 Europäern, 4500 Jndiern und 7000 Eingeborenen hatte, das Büreau Reuter eine Nachricht aus dem ersten Theil des Burenkrieoes wieder, die ebenso interessant wie neu ist: Während des Krieges hatte die Stadt Zeiten großer Beängstigung zu überstehen. Dies war besonders der Fall, als General Joubert mit 4000 Mann und Geschützen nur noch einen Tagesmarsch entfernt war , und zwischen ihm und der Küste nur noch wenigc hundert Mann des Schützendereins und der Stadtwachc standen. Warum Joubert zurückniarschirte, cls Natal bis zur See seiner Gnade ausgeliefert war, ist noch immer em Ge heimniß. Ich gebe hier unter Vorbehalt einen der Gründe wieder, de?, so viel ich weiß, bisher noch nicht im Druck erschien. Dieser Grund wurde mir vor einem Transvaaler mitgetheilt, der mit seiner Frau, einer gebildeten Dame aus der Kapkolonie 4 Monate m den Burenschanzcn vor Ladysmith verlebt hat. Er sagt, Joubert habe erkannt, daß seine Armee undisziplinirt gewesen sei, und daß er nicht im Stande war, die Farmen und die Heimstatten, die er auf dem Wege durch Natal berührte, vor der Zcrstörungslust seiner Leute zu schützen. Er habe deshalb in der Ueberzeugung, daß es em Verbrechen gegen die Zivl lisation sein werde, eine solche Truppe in eine Stadt wie Pietermaritzburg einrücken zu lassen, den Entschluß ge faßt, denRückmarsch anzutreten. Wenn das zutrifft, so ehrt diese Geschichte den General Joubert . Jedenfalls entspricht sie den Ansichten, die man von seiner Humanität hat. Die Buren waren aber der Ansicht, daß Joubert Natal für sie verloren habe, und sie zischten und spuckten aus. als sein Leichenzug an ihnen vorbeikam. lnrgcirekrt. .Ich halte einzelne Pointen in die sem Lustspiel für ausgesuch gut! Und i ch halte sie fü gut a u s e s u ch t ! " .

Ercclltni und König. Bor Kurzem ging durch die Zei-

unaen die Nachricht, der Kaiser habe auf die Anrede Excellenz" erwidert: Excellenz war ich nie. ich bin vom Generalmajor sofortKönig g:word:n." Das erinnert an ein ähnliches Borommmß. das vor Jahren bn der Hofafel in Friedrichshafen vor sich ging und das der Schwäbische Merkur" etzt wieder erzählt. Em höherer Beamter, der sich kurz vorher mit Excellenz v. Mittnacht unterhalten hatte, redete, von Konig Karl angeprochen, diesen mehrfach mit Excelenz an: darauf sagte der König: Sie erweisen mir eine ganz besondere Ehre, daß Sie mich immer als Excellenz ansprechen; dasPrädikat Excellenz (leichte Verbeugung an den nebenstehend: Minister - Präsidenten v. Mittnacht) wird nur durch eigenes besonderes Verdienst erworben." Wenn die Masse futsch ist, wird gewöhnlich der Massc-Verwalter ernannt. lnbelrannt. .Saa' 'mal. was ist das für eine Dame, die dort geht?" Nun. die kennst Du dock, das ist a Deme Frau?" Woher soll ich die kennen? Morgens, wenn ich in's Bureau gehe, schläft sie noch. Nachmittags, wenn ich nach Hause komme, ist sie m ihrem Verein. Abends, wenn sie heimkommt, bin ich dann schon im Klub. Und wenn ich dann m der Nacht nach Hause komme, schläft sie schon!" Big Four Bahn ...Exeursionen... Sonntag, 3. August. 81.25 Rundfahrt. Der Svenalzua welcher nirgends für Pas sagiere anhält, verläßt Indianapolis um 7 Übt Morgens. Retourfabrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. Terre Haute 81.00 Greencastle 75c Rudfah,t. Und Raten im aleichen Verhältniß nach allen Zwischenstationen. Te? Spczialzug verläßt Indianapolis um 7. 00 Uhr Morgens. Retoursahrt von Terre Haute 7 Uhr Abends. ActonPark 40c Nundfahlt. Svezialzüae verlassen oen Indianapolis Umon Bahnhof UM 9 Uhr Vormittags, 1 30 Nachmittags und 6 Uhr2lbe7ds. Retour fahrt von Äcton Park um 12 15 Uhr Mittaas 6 Uhr Nachm. und 10 Uhr Abends. Furnaces, Eisen und Blcch-Arbcitea. Joseph Gardner, 3741 Kentucky Aven.. elevyon 322. Blecharbeiten aller Arten an neuen Häufern bettens ausgeführt. has. C. Schott, ...Plumbcr... und Handler in den leveland Faucet Co's. BierPumpen. l0 West Ma,yland Str. ' Telephon. Neu. 281. Pferde-Geschirre, Buggics, Koffer und Reisetaschen am besten und billigsten bei föckM Hü 136 Ost Washington Str. NiagaraFalls ...Excursion... Wartet für die alte ivverläfsige ÄöMZlNM ....Bahn.... Persönlich beaufsichtigte Niagara Falls Excursion in Verbindung mit der Mi & Mitlipn Srntlra Baln, Donnerstag. 7. August, 87.00 fürdie Rundsabrt 7.00 Fahrkarten sind giltig für die Rückfahrt mit der C. & B. Linie, Dampfboot, Bussalo nach Cleveland, wenn so gewünscht. ....Ebenso.... Sandiiky & Put-in-Bay Nebenausflüge nach Toronto. Thousanb Islands, etc. Für Tickets, Raten und Pamphlet, enthal tend allgemeine Auskunft, wende man sich an die Ticket'Agenten der oben genannten Bahn oder schreibe an H. I. kZin, General Passagier Agt., JndiznapoliZ. Jnd

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