Indiana Tribüne, Volume 25, Number 289, Indianapolis, Marion County, 29 July 1902 — Page 7

Jndiana Mdune, 29. Juli 1902.

"WM1 1 I T-I-I- I- I I I I I '!"!"! I I 1 1 1 l i

Sinkende Sonnen. Briginalromsn von ' Georges Ohnet. j; 4. i - - -,ral--T-TliunTnTn?M,u,-f fclml"iantrvmmrr m ml 'vvvt (Fortsetzung.) k-"F5er das steht mir fest: Du liebst Mels nicht!" Jch würde mein Leben für ihn lassen!" 215 Du hast ihm Dein H?rz doch nicht gegeben. Und daran würde ihm wohl am meisten gelegen sein." Damit war das Gespräch beendet, und Thereses Stellung blieb dieselbe wie bisher. Man gewöhnte sich allmälig daran, sie bei Mels zu sehen. Diejenigen, welche das Zusammenleben des hübschen jungen Mädchens mit dem Maler auf eine Leidenschaft zurückführten, hatten die Freiheit, ihre Anficht beizubehalten. Die gleichgiltigere Mehrzahl nahm Thereses Anwesenheit als Thatsache hin und erklärte sie durch die . Gleichartigkeit der künstlerischen Neigungen. Er ist der Lehrer, sie die Schülerin. Das mache alles verständlich. Beide hätten Talent und daher das Recht zu thun, was ihnen beliebe. Freilich rede man dies und das aber sicher wisse es Niemand. In dieser Reihe von Gemeinplätzen pflegten sich die Unterhaltungen über die Veioen zu bewegen. Mels hatte es nicht zu empfinden, daß er deshalb weniger gut in der Gesellschaft aufgenommen wurde. Aber er hatte den Galanterien entsagt und war ernster geworden. Allerdings näherte er sich den Fünfzigern. Das einzige Mal. daß es ihm merklich wurde, daß man seine Lebensführung beanstandete, war der Umstand, daß der Minister, als der berühmte Hebert die Leitung der Akademie in Rom niederlegte und er offiziell zum Nachfolger in Vorschlag ge bracht worden 'war, darauf erwidert hatte: Ja, ohne Zweifel wäre dies die beste Wahl gäbe es nicht Mademoifelle Ausritt." Diese Worte waren Mels hinterbracht worden und hatten ihn sehr verletzt. Um ihn zu trösten, wurde er zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt. Therese empfing keine Auszeichnung. Doch daran war ihr wenig gelegen. Sie lebte ruhig für sich hin, ohne sich um die Meinung der Leute zu kümmern, und schuf meisterhafte Werke. 3. Kapitel. In Mels' Atelier gewährte die Grasin de Terrenoire Theresen eine Sitzung. Sie hatte auf einem Lehnstuhl im Geschmack Ludwigs des Virzehnten Platz genommen. Eine zwei Stufen hohe Estrade, die mit einem türkisblauen Teppich belegt war, ließ die Gräfin größer erscheinen, als sie thatsächlich war. In dem Hcfkleide und in ihrer vornehmen Haltung glich sie einer der fchönen Frauen des siebzehnten Jahrhunderts. Therese. die ein kastanienfarbenes Tuchkostüm und darüber eine bis an das Knie reichende Malschürze trug, faß auf einem hohen Schemel und arbeitete eifrig und schweigend. Das Bild kam gut vorwärts. Zart und blond, - in höchster Ähnlichkeit, hatte sie die hübsche Raimunde dargestellt, mit de? schlanken Taille, den zierlichen, auf der Stuhllehne gekreuzten 'Händen, wie sie den kleinen Kopf mit hochmüthiger Miene etwas über die Schulter wendet. Die Gräfin saß vorzüzlich, wie eine Frau, die an die RePräsentation in der großen Welt gewohnt ist und ihre Haltung unter den Blicken ihrer Bewunderer wie ihrer Nebenbuhlerinnen zu bewahren weiß. Doch schließlich nach einer längeren Pause wurde sie ungeduldig. Mademoiselle Aufridi, Sie sind schon für gewöhnlich nicht gesprächig; aber heute sind Sie völlig verstummt." Allerdings, Frau Gräfin, es liegt mir etwas im Sinn. Doch seien Sie unbesorgt, meine Arbeit leidet nicht darunter." O, darüber bin ich ganz ruhig. Aber was beschäftigt Sie denn so sehr?" Das Preisgericht über den Wettbewerb für die Ausschmückung des Kolonialpalastes gibt heute seine Entscheidung bekannt, und wir hoffen hier alle. daßMels diesen wichtigen Auftrag erhält." Ach so! Ja, der Graf sprach heute davon beim Frühstück. Doch was kann Monsieur Mels so viel daran liegen, die Ausschmückung des Palastes zu erhalten? Sein Ruf ist doch fest begründet " Gewiß, doch er muß ihn aufrecht erhalten. Und dann sind die Gelegenheiten für Monumentalmalerei heutzutage so selten! Abgesehen von Fahnenweihen, Eröffnungen von Ausstellungen oder Krönung fremder Herrscher wird nichts bestellt. Was sollen die Künstler außer Porträts und Genrebildern malen? In den modernen Häusern ist dekorative Wandmalerei ganz ausgeschlossen; denn die Zimmer sind so klein, daß kein Raum zwischen den Thüren und Fenstern bleibt. Man müßte die Wände der Bahnhöfe bemalen; sonst bietet sich einem talentvollen Meister kein Raum dar. Daher ist jener Palast das Ziel des Strebens für alle Künstler geworden. Die Kunstakadnme ist in Aufregung gerathen, auch politische Einflüsse machen sich Lkltend:.der Regierun.a wird von dea

Zeitungen scharf cn.'fgepaßt, damit keine Günstlingswirthschaft vorkommt. Die Konkurrenz ist ernsthaft, öffentlich 1 W f 1 -

uno unier A.usnazi vor iq gegangen, und der gefaßte Beschluß wird dem Minister durch eine Jury von fachkundigen Männern unterbreitet werden. Sie sehen daraus, gnädige Frau, welch' ein großes Interesse die Bewerber haben, diesen Preis zu erlangen." Hat sick Monsieur Mayrault mcht beworben?" Bei dieser Frage hob Therese betroffen den Kopf und betrachtete die junge Frau aufmerksam. Diese schaute heiter und gleichmüthig drein. Therese tippte mit dem Pinsel auf die Palette. setzte ein Licht auf und sagte dann mit Entschiedenheit: Nein, Frau Gräfin, Daniel Mayrault hat sich nicht betheiligt. Er würde es für unstatthaft gehalten haben, seinem Meister in's Gehege zu kommen." Madame de Terrenoire ließ sich Zeit, dann sagte sie so obenhin wie vorher: Aber konnte er denn nicht zwei Entwürfe machen?" Darauf erwiderte Therese in trockenem, beinah feindseligem Ton: Ich -verstehe Sie nicht." Das ist aber doch leicht zu begreifen. Man sagt, daß Monsieur Mayrault an der Skizze von Mels gearbeitet habe; ja, gut unterrichtete Leute behaupten sogar, sie rühre ganz von ihm her." . Das ist eine Nichtswürdigkeit! Wir alle, wir Freunde von Mels, Teneran. Zelie Bazin und so viele Andere, haben Mels an seinem Entwurf arbeiten sehen." Aber hat nicht Monsieur Mayrault auch mit Hand angelegt?" fragte die Gräfin lächelnd. Und Sie auch? Nein, meine Liebe, lassen Sie mich offen mit Ihnen reden. Gestern war ich auf einem Diner mit Godfrin zusammen, dem Musiker, und wissen Sie, was er mir sagte? .Man braucht nur den Entwurf von Mels anzusehen, um überzeugt zu sein, daß er von Mayrault herrührt.' Außerdem ist das Fernbleiben von Mayrault ein Gingeständniß. Die Hand des jungen Meisters ist überall in der 'Skizze zu erkennen. Die Komposition zeigt eine Freiheit, welche Mels nie besessen hat. und das Ganze ist mit einer so glühenden Farbe gemalt, wie sie unser Freund nicht mehr besitzt. Aber noch weikr! Ich möchte schwören, daß die Blumen in der rechten Ecke von Therese Aufridi herrühren. Wenn man Mels den Preis gibt, ist es eine Ungerechtigkeit, denn es sind seine Schüler, die ihn verdient haben!" Und ihn Mels nicht zu geben, wäre eine nicht zu rechtfertigende Kränkung!" rief Therese roth vor Empörung. Außerdem, selbst wenn Mayrault und ich unter der Leitung von Mels an seinem Werk gearbeitet hätten, folgten wir darin nicht der Ueberlieferung der großen Meister? Haben die Schüler von Raffael nicht an den Loggien mitgearbeitet? Hat Theodor von Tulden nicht die Kartons von Rubens ausgeführt? Und weiß man heute nicht, daß die Maler eines Ateliers sich vereinigen, um die Zeichnungen der großen KomPositionen ihres Meisters auszuführen? Hindert dies, daß die erste Idee, die Ueberlegung aller Einzelheiten und die Komposition im Allgemeinen demienigen angehören, welcher für das fertige Werk die Verantwortung trägt? Hier ist Mißtrauen, niedrige Eifersucht und systematische Verkleinerungssucht im Spiel. Gewiß ist Mayrault ein aroßer Maler; wir haben keinen besseren gehabt seit Regnault und Bastien. Er besitzt die Kraft des Kolorits des Einen und die realistische Behandlung des Anderen. Aber Mels ist ein hervor ragender Künstler und er hat Mayrault gebildet das ist doch auch etwas!" Und er hat auch Therese Aufridi gebildet nicht zu vergessen!" setzte die junge Frau lächelnd hinzu. Regen Sie sich mcht auf. Beste; wir wissen, wie sehr Sie an Mels hängen. Es ist natürlich, daß Sie ihn vertheidigen!" Gnädige Frau, ich müßte sehr undankbar sein, wenn ich anders handelte!" rief Therese, die sich schnell wie. der gefaßt hatte. Aber ich sage nur, was die Gerechtiqkeit fordert." Nun, Therese, ich weiß nicht, was heute im Ministerium der schönen Künste vor sich gehen wird; aber wenn ich recht unterrichtet bin, muß man sich auf Überraschungen gefaßt machen." Welcher Art?" Das weiß ich nicht; nur seien Sie auf eine Ueberraschung vorbereitet." Therese verstummte wieder. . Sie arbeitete mit nachdenklicher Miene fort und dachte daran, wie viel Schwierigleiten und Sorgen jener Wettbewerb in ihrer Umgebung verursacht hatte. Anfangs war Mels entschlossen gewefen, sich nicht an dem Kampf zu betheiligen. Er meinte, ein Künstler wie er, der mit Belohnungen überhäuft sei und den Gipfel der Ehren und des Ruhms erreicht habe, solle den jungen Talenten das Feld überlassen und ihnen ohne Wettstreit die Freiheit gewähren, sich zu bethätigen. Dann hatten zwei seiner Kollegen von der Akademie erklärt, in die Schranken treten zu wollen, und die hauptsächlichsten Vertreter der realistischen Schule, die glänzendsten Rivalen von Mels, die ihm am hartnäckigsten die Gunst, des Publikums streitig zu machen suchten, waren auch entschlossen, um den Preis zu ringen: Seitdem konnte das Haupt der klassischen Schule nicht gleichgiltig an einem, siampf vorüberaehen.bei dem

es sich um Grundsätze handelte und eine ganze Kunstrichtung siegen oder unterliegen sollte. Mit voller Leidenschaft hatte Mels sich nun an die Arbeit gemacht. Er erschien sich selbst in d-m beginnenden Ringen als der Vorkämpfer des Ideals und meinte, daß er allen Ruhm der Meister seit dem erhabenen Vinci bis zu dem fehlerlosen Ingres zu vertheidigen habe. Er sei der Vertreter der aufeinander folgenden berühmten Anbeter der Form. In diesem Kampfe nicht zu siegen, bedeutete in seinen Augen . tim Niederlage für . die großen Schöpfer der Schönheit. So fing er an, über die Aufgabe nachzudenken und sich im Geist die Komposition zurechtzuleaen. In seiner Jugend hätte er schnell eine Leinwand genommen und im Feuer der Vegeisterung gleich die erstenAndeutungcn eines Planes hmgezeichnet. Damals strömten seiner reichen Phantasie die Gedanken zu, und seine geschickten Hände rerkörperten mühelos und wie mit Wonne vas, was er ersann. Die Verkörperung war bei ihm so leicht, frei und ungesucht, daß man .sie eine Improvisation nennen konnte. Wie von einer insiinktivcn Kraft angetrieben, flog der Pinsel über die Leinwand. Es war die glückliche Zeit, in der Mels mühelos und freudig schaffte. Doch so stand es heute nicht mehr. Jetzt machte er sich daran, einen ausgeklügelten Gegenstand gewissermaßen in seine sorgfältige Malweise zu übersetzen. Da er ein genau bestimmtes Programm zu verkörpern hatte, suchte Mels scharf begrenzte Motive, sann über Vertheilunz der Massen nach und mühte sich, den philosophischen Kern der Aufgabe herauszuschälen. Er sprach mit Mayrault und Therese viel darüber, um seine Phantasie dadurch anzuregen. Mels rauchte eine Cigarrettr nach der anderen und ging -sinnend und in Gedanken vertieft im Atelier aus und ab, während Therese und Mayrault frisch und fröhlich darauf losmalten und so viel und so Gutes hervorbrachten, daß ihr Meister ganz erstaunt darüber war. Seit drei Monaten überdachte Mels seinen Entwurf auf diese ÄZeise, ohne daß er irgend etwas erreicht hatte, was eine Totalwirkung versprach. Er machte eine Skizze nach der anderen, trug massenweise Material herbei, änderte die Modelle, versuchte es von den verschiedensten Seiten. Die Arbeit kam nicht vorwärts. Das verdroß ihn, und sein sonst so gelassenes Temperament litt darunter. Manchmal klagte er, daß sein kritischer Sinn die Schaffenskraft beeinträchtige. Ich quäle mich zu viel ab, so daß ich fürchte, es schlecht zu machen. Ich habe den Wagemuth verloren, und mein Wille ist wie gelähmt." Eines Abends, da er noch trüber als gewöhnlich war, behielt er Mayrault zu Tisch und in Gegenwart von Therese hatte er nachher im Atelier einen förmlichen Anfall von Verzweiflung. Kinder! Ich kann nicht mehr ausführen, was ich im Sinne habe. Meine

Phantasie lst noch so rege wie zemals. Wenn ich nur meinen Gedanken auf die Leinwand bannen könnte, würde ich ein Meisterwerk schatten. Aber ich fühle, daß ich dazu unfähig werde! Was für ein Schmerz! Es ist das Ende meiner Kunst!" Und nun begann er in begeisterten Worten und mit genialem Ungestüm Theresen und Mayrault die Komposition zu beschreiben, die ihm vorschwebte, die. ihm seit Monaten im Sinn lag, und die seine, durch den Zweifel unfähig gewordene Hand nicht auf die Leinwand zu bringen vermochte. Vor den beiden jungen Leuten ließ er diese Fata Morgana erscheinen, schilderte ihnen alle Einzelheiten und erklärte ihnen alle Beziehungen. Beide hörten mit Bewunderung und herzlichsiem Antheil dem Meister zu, der ihnen von seinem erhabensten Werk sprach, das er gleichwohl nicht mehr zu malen vermochte. Sie sahen mit den Augen des Geistes und begriffen seine Herrlichkeit. Dann blickten sie einander an, von demselben Gedanken plötzlich ergriffen und in stillschweigendem Einverständniß: Wir wollen es machen!" Ohne einen Augenblick zu zögern, waren sie bereit, dem Meister das zu vergelten. waZ er iynen gegeden yane. Wenn gehörte ihm nicht die Virtuosität in der Ausführung? Verdankten sie sie nicht ihm? Hatten sie nicht das Recht, .sie ihm zur Verfügung zu stellen? War es nicht eine Pflicht für sie, seinen Gedanken die Ausführung zu v:rl:ih:n? Gleich am nächsten Morgen fingen sie an. Der ganze Schwung der Jugend, alle glücklichen Einfälle und die liebenswürdige Anmuth, die den Neuling auszeichnen, kamen ihnen ungesucht zu Hilfe. Sie waren im Atelier allein. Mels hatte in der Kunstakademie und in der Ecole des Beaux-Arts zu thun. In der Stille des großen Raumes arbeiteten Freude und Frische. Zum ersten Male waren sie an der gleichen Aufgabe beschäftigt, und diese Gemeinschaft der Gedanken zwischen dem jungen Manne und dem hübschen Mädchen, die sich schon ein paar Jahre kannten, bewirkte eine Wandlung in ihren Empfindungen. Sie behandelten einander nicht mehr wie früher; unwillkürlich änderte sich auch ihre Ausdrucksweise. Der kameradschaftliche Ton nahm eine etwas andere Form an. . Was sie bis dahin Nie gethan: sie sahen einander an. Bisher hatten sie ruhig nebeneinander gelebt, von Gefühl war nicht die Rede geweftn, und sie hat-

ren gemeim, oiq- em geicywiperttcyes Verhältniß könne immer das ' gleiche bleiben. Nun entdeckten sie sich gewissermaßen ganz unerwartet und fanden großes Wohlgefallen aneinander. Allein es machte sie aus mancherlei Urfachen befangen, und sie behandelten einander deshalb mit mehr Förmlichkeil. Mayrault, her bis dahin seine Studiengenossin wie einen Jungen schlechtweg Aufridi" genannt hatte, redete sie plötzlich Mademoiselle Aufridi" an. Therse fagie weiter nur Mayrault." Allein der Verkehr mit ihm hatte einen ganz anderen Ton angenommen. Und ohne es zu merken, kleidete sie sich mit größerer Sorgfalt und wünschte, ihm zu gefallen. Jeden Abend verbargen sie ihreSkizzen, um sie Mels als Ueberraschung zu zeigen, sobald sein Plan verwirklicht wäre. So war eine Woche vergangen, seit Mayrault und Therese ohne Wissen ihres Meisters miteinander arbeiteten. Daniel beendete eben die herrliche Gruppe der Jünglinge, welche der Hoffnung ihre Weihegeschenke darbringen, und die den Mittelpunkt des Hauptbildes einnehmen sollte. Therese that die letzten Pinselstriche an einer Ecke des Gemäldes an den Blumenguirlanden, die von Kindern getragen wurden. Sie hielt inne und blieb stehen, um Mayrault beim Malen zuzuschauen. Das war das Feuer des Genius, das von seiner Stirn strahlte und aus seinen Augen leuchtete. Seine Hand, die wie vor Wonne bebte, fetzte die Töne wie liebkosend auf die Leinwand. Er modellirte den Kopf eines jungen Mädchens, und unter seinem gewandten Pinsel wurde allmälig die Physiognomie immer deutlicher. Aus dem Nebel der Untermalung löste sich, gleichsam als werde eine Maske abgenommen, das poetische Antlitz, mit einem lieblichen Lächeln und einem innigen Blick. Und plötzlich erbebend, erkannte sich Therese. Sie war cs, in der Mayrault die jugendliche und siegende Schönheit verkörpert hatte. Sie empfand jede Handbewegung, jeden Pinselstrich wie eine Liebkosung. Er war so darauf bedacht, sie immer vollkommener in ihrem Reiz und ihrer Anmuth darzustellen, er arbeitete daran mit so heißer, unverkennbarer Leidenschaft, daß Theresen plötzlich bange um das Herz wurde und sie einen schmerzlichen Seufzer ausstieß. In diesem Augenblick wendete Mayrault sich um und sah, daß sie erbleicht war und zitterte. Er warf die Palette hin, trat auf sie zu und fragte besorgt: Was ist Ihnen, Therese?" Sie antwortete nicht, sondern zeigte nur nach ihrem Bilde auf de: Leinwand. Er lächelte und neigte ein wenig den Kopf. Ja. Sie sind es. Ich weiß nicht, wie es gekommen ist; beabsichtigt hatte ich es nicht. Doch als' ich die Sanftmuth und den Reiz der Jugend ausdrücken wollte, trat mir Ihr Bild beständig vor Augen, und ich konnte mich dieser süßen Herrschaft nicht entziehen. Dir Verkörperung der blühenden und

strahlenden Schönheit, so w:e ich sie mir erträumt hatte, das waren Sie, und das konnte keine Andere sein. Ich wäre ganz unfähig gewesen, eine andere Gestalt zu malen, weil Sie mir vor Augen schwebten. Zürnen Sie mir? Und wollen Sie, daß ich es fortwische? Wenn Sie es befehlen, muß ich mich dazu entschließen " Er griff nach dem Spachtel; aber sie hinderte ihn und sprach mit veränderter Stimme: Es wäre schade!"Dann sprachen sie nicht mehr miteinander, fondern blieben schweigend im Atelier sitzen, in dem der sinkende Tag ein geheimnißvolles Dunkel verbreitete, er rauchend, sie in Gedanken verloren. Sie dachten heute nicht, wie an den vorhergehenden Tagen, daran, ihr Bild vor Mels zu verbergen. Alkmälig nahm die Dunkelheit in dem großen, hohen Raum zu. Sie rührten sich nicht, so hingenommen waren sie von, diesen neuen Empfindungen. Plötzlich ließ sich ein wohlbekannter Schritt im Neoenzimmer.hören, und bei dem trockenen Hüsteln von Mels fuhren sie erschrocken empor. Es blieb ihnen keine Zeit, ihr Versäumniß gut zu machen, denn schon trat Mels ein. Als er sie im Halbdunkel fand, sagte er heiter: Aber warum macht Ihr denn nicht Licht? Ihr sitzt ja im Finstern." Er drehte an dem elektrischen Schalter, und plötzlich zeigte sich ihm die Skizze seiner Schüler in hellster, strahlcnder Beleuchtung, die 'sie in ihrer ganzen Frische zur Wirkung brachte. Regungslos und starr, mit oefurchter Stirn stand er davor, als er wie durch einen Zauber seinen Traum verwirklicht sah, und betrachtete das Gemälde aufmerksam. So verharrte er einige Minuten, ohne zu sprechen; dann nickte er mit dem Kopfe und sagte langsam: Ja, das ist's! Das ist das Werk, da's ich ersonnen und Euch geschildert habe! Ihr habt mich richtig verpanden; aber die Farbenwirkungmuß noch anders werden, die Töne müssen besser zu einander stimmen. Dies Roth ist I zu schwer neben diesem zu grellen Blau, und die Bewegung des Knaben hier ist nicht einfach genug." Mit einem Schlage hatte er davon Besitz ergriffen. Noch ehe sich Therese und Mayrault von ihrer Ueberraschung erholt hatten, kritisirte er ihre Arbeit und legte ihren freien Erfindungen seine geschulten Erfahrungen unter. Das Werk gehörte ihm, ohne Zögern eignete er es sich an und mit sorglosem Egoismus verfüate er darüber, als ob es sein

Eigenthum sei. Er schloß seine Korrektur mit den Worten: Ihr habt die Ausführung dessen, was ich suchte, vorweg genommen. Es ist sehr gut geworden. Wir werden auf Eurer Vorarbeit weiter bauen und wollen morgen auf diese Arbeit zurückkommen." In ihrer liebevollen Hingabe und beglückt, den Meister wieder voller Selbstvertrauen und Zuversicht zu sehen, fügten sich die beiden jungen Leute ohne Widerrede. Daß Mels sich ihr gemeinsames Werk aneignete, kränkte ihre Eigenliebe nicht. Hatten sie es nicht bezweckt? Hatten sie nicht den alternden Künstler sich selbst zurückgeben wollen und zu diesem Zweck ihr Komplott geschmiedet und ausgeführt? Deshalb konnte es sie nicht befremden, daß ihr Plan so gut gelungen war. Ihre großmüthige und kindliche Absicht war geglückt. Sie hatten nur Grund, sich zu freuen. (Fortsetzung folgt.)

Verheerung einer künstlichen Qafe. Ein fürchterlicher Sandsturm hat kürzlich die mit großen Kosten angelegte Oase im Jndo-Thale in der Colorado-Wüste an der Strecke der Southern Pacific-Bahn vollständig verwüstet. Der materielle Verlust wird auf 1,000,000 berechnet. In jenem Theile der Wüste war durch künstliche Bewässerung mittelst artesischer Brunnen ein blühendes Gartenland von 900 Ackern Umsang hergestellt worden. Die dem Wüstensande abgerungene Kulturfläche war von außergewöhnlicher Fruchtbarkeit und mit Melonen bepflanzt. Nach vem Ertrage der letztjährigen Ernte, als nur 60 Acker unter Kultur waren, würde in diesem Jahre ein Erntegewinn von mehr als $100, 000 erzielt worden sein. Gegen 300 Waggonladungen Melonen, eine jede im Marktwerthe von $1200, waren zum Versandt fertig, als der Sandstürm hereinbrach. Volle drei Tage wüthete das Unwetter, ein glühend:? Wüstensand fegte über die Oase hinweg und brachte eine Hitze von 126 Grad im Schatten mit. Dann legte sich der Sandsturm, doch die blühende Oase war. verschwunden, unter Wüstensand begraben. Von der durch MenschenHand mühsam verrichteten Kulturarbeit war keine Spur mehr vorbanden. Kinder werden leicht kurzsichtig, wenn sie beim Lesen. Schreiben, Zeichnen oder dergleichen den Kopf zu sehr vorneigen; das muß ihnen ernstlich untersagt werden, ebenso wie das Arbeiten bei zu grellem Sonnenlicht oder in der Dämmerstunde. Niemals soll man Kinder an den Kopf schlagen, weil, abgesehen von größeren Schäden, schwere Augenkrankheiten, ja sogar Blindheit verursacht werden können. Bei werthvollen Kanar i e n soll man nach der zweiten Brüt abbrechen und um diejenigen noch eine dritte machen lassen, die man im nächsten Jahre aus irgend einem Grunde nicht wieder zur Zucht zu verwenden gedenkt. Ein frühes Abbrechen ist mit Rücksicht auf die besseren Hähne geboten, denn das Füttern wirkt nachtheilig auf die Stimme; ein Hahn, der drei Brüten auffüttern hilft, ist fast regclmäßig gesanglich verloren. er beste Platz zum Kaufen. .ist bei der. H. Raabe, Präsident. 553 G15 Lincoln Str. Wir haben keinerlei Verpflichtungen Ande ren gegenüber. Besonders empfehlen wir unsere Hartkohlen 1 Holz. Das größte Lager in der Stadt. vdontb : Wt 1150: Neu 070. Große Auswahl von Aug. Diener, No. 449 Ost Washington Str nettes Telephon 2525. Lanpentamp Bros. Brass Ms. Gießet und Dreher. toe und kleine Gußarbeiten in Messing, Phosphor Bronze, Aluminium, etc. Zs, . kkepaeatur-Nrdtite unsere epezialttät. 133-142 Ost Georgia Str., Indianapolis. ' 0ri vh 5 fit. 121. Deutsche Buchhandlung Carl Vipak. 34 Virginia ve., 84. (Pembroke rcade.) Huslönlied. O. W. Knight, 103 Virginia Avenue und Ost Maryland St. Neue Tel. 4525

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