Indiana Tribüne, Volume 25, Number 287, Indianapolis, Marion County, 26 July 1902 — Page 7
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Jndiana Tridune, 26. Juli I90S.
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Sinlundc Sonnrn. Z Driginalroman von Vssrges tonet. I V-..-m'T-T-'I'lTrt i I i ' Vi i ,..?....., ------ (Fortsetzung.) Am nächsten Morgen um zehn Uhr führte Mels' Diener die kleine Blumenveriäuferin in das Atelier seines Herrn. Sie war noch ebenso zerlumpt wie am vorigen Tage, aber reingewaschen. Ten Korb trug sie am Arm; doch war er leer. Nun. Kleine sagte der Maler, Tu hast Dich also eines Besseren besonnen?" Ja, Herr, und dann hat mir's auch Mutter Bavoyer, meine Prinzipalin, befohlen." So! Deine PrZnzipalin! Was thut sie?" Nichts. Herr! Sie lebt von dem, was ich Abends beimbrinae." Und wie kommst Du zur Mutter Bavoyer? BisiDu mit ihr verwandt?" Nein, Herr! Ich bin nur bei ihr und verkaufe für sie. Sie hat mich aufgenommen, als meine Eltern mich verlassen hatten " Wie alt warst Du damals?" Sie sagt, ich wäre zwei Jahre alt gewesen' Damals bettelte Mutter Ba fccijer und da brauchte sie mich. Ich mußte die Hand hinhalten und weinen " Weinen? Warum weinen?" Um das Mitleid der Vorübergehenden zu erregen." Du weintest ohne Grund?" Ach nein. Herr! Ich wußte, wenn ich nicht weinte, hätte mich Mutter Bavcyer gekniffen, bis es blutete da weinte ich aus Angst.- - Mels schlug empört die Hände ineinander. Die Hexe! Und warum hast Du Dich nicht beklagt? Es sind doch Polizisten auf den Straßen?" Ach, Herr! Vor denen habe ich noch mehr Furcht als vor Mutter Bavoyer. Ich weiß, wenn ich mich beschwert hatte, würde ich zu den verwahrlosten Kindern in dieAnstalt 'gebracht worden sein und ich wollte lieber meine Freiheit behalten Und Mutter Bavoyer war schließlich nicht gerade schlecht zu mir. Wenn ich viel verdient hatte, behandelte sie mich ganz gut. Und manchmal nahm sie mich Sonntags nach Saint-Ouen mit. Dann bettelten wir in den Resiaurants das war immer ein Fest für uns." Und Mutter Bavoyer hat Dich zur Sitzung zu mir geschickt?" Ja, Herr! Und sie bat mir gesagt, ich könnte mein Glück bei Ihnen machen." Mels blickte die Kleine lange an. als sie diese Worte gesagt. Er sah, wie sie lächelte, wie klar ihr Auge, wie rein ihre Stirn war. Er klingelte. Seine Haushälterin, die alte Prudentia, erschien. Sehen Sie sich dies zerlumpte kleine Mädchen an, Prudentia, und kaufen Sie ihr nach dem Frühstück in einem Kleidermagazin einen ordentlichen Anzug. Für die Sitzung sind diese Lumpen vortrefflich, aber für's tägliche Leden taugen sie nicht. Nun steige auf den Tritt, Kleine, nimm den Korb mit. So bleibe stehen. So ist's gut. Ganz natürlich. Jetzt bleibe in der Stellung! Wie heißt Du, Kind?" Therese. , ' Therese, Du kannst mir weiter erzählen, das Sprechen wird Dich munter erhalten." Während er mit Kohle die Umrisse der Gestalt auf der Leinwand skizzirte, erzählte ihm die Kleine treuherzig von ihrem Leben, das erst so kurz, aber doch so reich an Erfahrungen war. Sie heiße Therese Aufridi und sei die Tochter einer Italienerin, welche Aktmodell m den Ateliers der Place Pigalle gestanden habe, berichtete sie., Ihr Vater? Ja das wisse sie nicht! Mels erinnerte sich sehr wohl, die schöne Aufridi gesehen zu haben, die eine Zeitlang Puvis de Chavanncs für seine Fresken im Pantheon gestanden hatte. Dann war sie eines Tages verschwunden. Irgend einer ihrer Liebhaber hatte sie mitgenommen, aber nicht Lust gehabt, sich die Sorge für die Kleine aufzubürden, und seitdem war nichts wieder von ihr gehört worden'. Damals hatte Mutter Bavoyer die Verlassene zu sich in ihre Spelunke gekommen. Die einzlze Zuneigung, die Therese während ihrer Kindheit empfand, galt Zelie Vazin. die sich wie sie auf dem Platz Saint-Picrre herumtrieb, und an Feiertagen thaten sie sich an gerösteten Kartoffeln gütlich, die sie in dem Lädchen bei Madame Bonvin kauften und aus einer Papierdüte verzehrten. Bei diesen Festmahlen hielt Zelie ihre Genossin frei; denn Therese besaß nie einen Centimen, und sie würde es für unehrenhaft gehalten haben, Mutter Bavoyer über die Höhe ihrer Einnähme zu täuschen. Abgesehen davon würde ihr dies auch nicht gelungen sein. Die alte Frau hatte Luchsaugen, wel chen nichts in dem Gesichtsausdruck ihrn Kostgängerin entging. Die ganze traurige Vergangenheit des Kindes entrollte sich allmälig vor dem fchweieend und aufmerksam arbeitenden Ma ler. So hatte er drei Stunden gezeichnet. ohne sich einen Augenblick auszuruhen, als er die Kreide hinwarf und sagte: 3o ,st's genug sur heute!" , Als die Kleine vom Maltiscb berun
tergestiegen war, stieß sie einen Scyrei l der Ueberraschung aus. Denn auf dr Leinwand sah sie in fester, markiger, j meisterhafter Zeichnung sich mit dem Korb am Arm, den zerlumpten Kleidern und den zerrissenen Schuhen. Außsrdem hatte der Maler in einer Ecke der Leinwand den Kovf noch zweimal in verschiedener Haltung gezeichnet. Und in jeder dieser Studien, mit veränderter Stellung und anderem Ausdruck, war es die leibhaftige, nur durch das Talent des Künstlers verklärte Therese. Sie stand eine Weile in stummer Bewunderung davor. Ach. Herr Mels," sagte sie endlich und faltete die Hände wie zum Gebet. Nicht wahr, Sie schenken mir eins von meinen drei Gesichtern?" Gewiß, mein Kind, wenn das Bild fertig ist." Haben Sie lange daran zu thun?" Nun, mindestens mehrere Wochen." Um so besser!" Es langweilt Dich nicht?" Ach nein, Herr Mels, es ist so schön, was Sie da machen!" Nun gut, so komme morgen wieder! Statt nach meinen Studien werde ich nach der Natur arbeiten; dabei kommt mehr heraus." Er klingelte. Prudentia erschien. Haben Sie die Sachen für das Mädchen gekauft?" fragte er die Wirthschafterin. Jawohl, Herr Mels, sie sind in meiner Stube." Dann nehmen Sie die kleine Therese mit sich und stellen Sie sie mir nachher in ihrem neuen Anzug vor." Therese verließ das Atelier so gut gekleidet, wie sie es noch nie im Leben gewesen war; außerdem hatte sie einen sehr .schmackhaften Imbiß im Magen und ein goldenes Zehnfrankenstück in der Tasche. Mutter Bavoyer empfing sie hocherfreut und fragte sie genau nach allem. Als Therese am nächsten Morgen im Atelier erschien, war sie ebenso zerlumpt gekleidet wie am ersten Tage, und die Stiefel an ihren Füßen zeigten noch klaffende Risse und Löcher. Nun?" fragte Mels erstaunt. Wo ist denn das Kleid, das Du gestern bekommen hast?" Therese brach in Thränen aus und sah den Künstler verwirrt an. Ach, Herr Mels, Mutter Bavoyer
hat gesagt, das alte Zeug wäre gut genug für das, was ich hier zu thun hätte!" So! sagte der Maler lächelnd. Fangen wir an, und nun steige aus den Maltisch V Dann rief er die Wirthschaften und zeigte auf die Kleine: Sehen Sie! Wie man sie uns her schickt!" Ach Herrje! Ist das menschenm'ög Item meinte die Alte. Aber was werden der Herr nun thun?" Ihr andere Sachen kaufen. Besor gen , Sie sie wieder in' dem Magazin. Prudentia. Nur wenn das noch einmal vorkommt, dann gibt es etwas!" Der Tag verging wie der vorheraehende. Mels führte die Figur weiter aus: dann, nachdem Therese wieder ae kleidet und gespeist worden war, schickte er sie heim. Am nächsten Morgen blieb Therese fort. Mels wartete den ganzen Tag auf sie und wurde gereizt und nervös darüber. Als Prudentia sich Abends erkundigte, ob sie gekommen sei, sagte er ärgerlich: Sehen Sie, wir sind hinter's Licht geführt. Die Kleine ist eine Schwindlerin und ihre Prinzipalin eine Kanaille, mit der sie unter einer Decke steckt. Wir können noch froh sein, wenn sie uns während ihres kurzen AufentHalts nichts gestohlen hat." O nein, gnädiger Herr, es fehlt nichts." Das ist noch ein Glück! Uebrigens genügen mir die nach ihr gemachten Studien. Ich bin nur mit den zwei Anzügen hereingefallen! Doch ist es mir nicht leid! Das Gesichtchen war es werth." Am nächsten Morgen war er sehr erstaunt, als Therese wiederkam, diesmal jedoch m der Begleitung der Mutter Bavoyer. Bester Herr, was sagen Sie dazu, daß die kleine Herumtreiberin gestern nicht wieder zu Ihnen kommen wollte." fing das Bettelweib in schmeichlerischem Ton an, und heute wäre sie auch mcht gekommen ohne mich! Nach allem, was der Herr für sie gethan hat und auch gewiß noch für sie thun will Ja, das ist solch Landstreichervolk! Wenn man bedenkt, daß ich sie nun von Klein auf bei mir habe und sie füttere und für sie sorge, als wäre sie mein eigen Kind. Aber Dankbarkeit! Kein Gedanke! Und wenn sie kurz und klein geschlagen würde keine Spur davon!" Mels sah die Bavoyer groß an und zeigte auf Therese, die zerlumpter denn je vor ihm stand. Gute Frau, Sie haben wohl eine Lumpensammlung? Je mehr neue Sachen ich der Kleinen schenke, mit um so älteren kommt sie her." 'Ja, bester Herr, das ist nur von wegen ihrer Unordnung. Alles, was sie anrührt, macht sie schmutzig deshalb hebe ich ihr die neuen Sachen für die Feiertage auf." Hören Sie, Madame Bavoyer, denn so heißen Sie ja wohl, die Tage, an denen die Kleine zu mir kam, waren doch sozusagen Feiertage für sie. Warum oist Du gestern nicht gekommen, These? Das Mädchen senkte den Kopf, ohne zu antworten. Hast Du Dich lieber herumgetrieben und Bwmen verkauft?" .yereze )at) iqn vorwurfsvoll an. olles ledoü ,!umm. .
So antworte doch!" sagte die Ba-
voyer mit süßlichem Ton und trat an die Kleine heran. Sage dem lieben, freundlichen Herrn, dan Du nicht gestern sitzen, mochtest so rede doch'" Dabei redte sie sie am Arm, unv Therese wurde roth vor Schmerz bei dem Griff der Alten, schwieg aber beharrlich weiter. So, Madame Bavoyer. da Qsie it einmal hergebracht haben, können Sie sie hier lassen. Sie mag mir heut: nod) einmal sitzen; aber damit ist es dann genug. Nackdem Mels die Alte entlassen hatte, kam er zu der Kleinen zurück und sah sie prüfend an. ,Nun wir allein sind, willst Xu mix sagen, weshalb Du gestern nicht wiedergekommen bist? Nicht wahr? Bor mir fürchtest Du Dich doch nicht?" Tberese. die den Kops gesenkt hielt, als ob sie geopfert werden fcllte, verneinte es. .Nun. so sprich Dich doch aus. Bist Du wirklich so undankbar, wie Mutter Bavoyer behauptet? Weißt Du nicht zwischen Gut und Bose zu unterscheiden?" Das Kind sagte nichts, sondern sing an zu weinen. Als Mels weiter mit Fragen in sie drang, gestand sie endlich alles. Mels ging nachdenklich in seinem Atelier auf und ab und beobachtete unmerklich daö Kind, das immer noch weinte. Die Bewegung schien seine Nerven zu beruhigen; dann blieb er vor Theresen stehen. Mein Kind, das alte Weib, bei dem Du lebst, ist ein Scheusal. Ihre Absichten mit Dir sind ganz klar. Wenn sie diesmal keinen Erfolg gehabt hat, weil Du es mit einem anständiaen ivcanne zu kyun hattest, o tonntest Wu doch ein ander Mal in die Hände eines gewissenlosen Menschen fallen. Es fragt sich nun. ob Du ein ordentliches Mädchen werden oder Dich weiter auf der Straße herumtreiben willst. Du mußt mir sagen, was Du vorziehst. Je nachdem Deine Antwort ausfällt, werde ich handeln." Nun flehte das ftmd mit leidenschaftlichen Worten Mels an. sie nicht zu verlauen. Diesmal konnte er an der Aufrichtigkeit ihrer Worte nicht zweifeln. Sie bat ihn, ob sie nicht im Hause als Dienstmädchen bleiben könne, nur sollte er sie nicht heimkehren lassen. Ach, Herr, keine Arbeit soll mir zu schwer sein, wenn ich nur nicht zur Mutter Bavoyer zurück brauche. Ach. bitte, schicken Sie mich nicht zu ihr zurück! Ich fcttiß, sie hat. kein Recht auf mich das haben mir die Eltern von Zelie gesagt. Aber ich hatte so große Furcht vor der Polizei, daß ich nie gewagt habe, wegzulaufen Sie sind so gut, helfen Sie mir! Lassen Sie mich nicht wieder in ihre Hände fallen!" Dann fing sie wieder an, zu weinen und zu wehklaaen. Die alte Prudentia war ganz erschüttert davon, und in ihrer freimüthigenArt äußerte sie gegen Mels: Aber Herr, Sie mußten kem Herz m Leibe haben, wenn Sie sich der Kleinen nicht annehmen wollten. Ich mochte sie gern bei Mir behalten, wenn's Ihnen recht ist, und Sie brauchen sich nicht um sie zu kümmern" Nun gut. Prudentia! Dann gehen Sie zum Polizeikommissär und er suchen Sie ihn. zu mir zu kommen den man muß doch wissen, was man etwa dabei wagt iedensalls ist der Bavoyer alles zuzutrauen! Aber bis er kommt, wollen wir arbeiten!" Therese nahm wieder ihre. Stellung ein, uno vis oer PoiizeilommiNar eintraf, malte Mels eifrig an pinem Entwurf. Der Polizeibeamte war ein Biedermann, der für die Malerei schwärmte und in semem Revier von Monceau sich als den berufenen Gönner der Künstler suhlte. Wehe dem. der semen Schützlingen zu nahe trat! Er hatte einen Bäckerjungen arretiren lassen, der Monsieur Detaille ausgebackenes statt frisches Brod gebracht hatte. Er hielt streng darauf, daß die Hausbeschließe? der Ateliers zuvorkommend gegen die Miether waren. Mit strahlender Miene erschien er bei Mels, überglücklich, sich dem verehrten Meister" zur Verfügung stellen zu können. Als er erfuhr, um was es sich handle, gerieth er in große Empörung. In ihrer Eigenschaft als Straßenbettlerin hätte er Therese ohne Umstände eingesteckt, als Modell erfreute sie sich eines Schutzes. Er übernahm es. Nach?rschnngcn über die Bavoyer anzustelen und ermächtigte Mels. die kleine Therese vorläufig bei sich zu behalten. Die Erkundigungen waren schnell erledigt und entscheidend. Die Bavoyer war eine offenkundige Trinkerin, mit der die Justiz wegen Diebstahl schVn manch' Hühnchen gepflückt hatte. Ihr Ehemann, von Beruf Lumpensammler, war verschwunden. Sie hatte zwei Töchter: Eine diente als Kellnerin in einer Kneipe des Studentcnviertels. die Andere war in Begleitung einer Sängerin nach Amerika ausgewandert und hatte nichts mehr von sich hören lassen. Der Kommissär rieth Mels, einen Antrag bei der Staatsanwaltschaft einzureichen und sich bereit zu erklären, die Erziehung der jungen Therese Aufridi zu übernehmen. Er versprach, von Seiten der Behörde alle Schwierig!ten m beseitigen. So sah sich Therese plötzlich zum Range eines Mündels von Mels erhoben. Leichtfüßig und still ing sie im Hause umher, alles, was sie sah, erregte ihr Interesse: mit Leidenschaft las sie die Bücher, die ihr in die Hände ,lamcn. und besah die Mappen, wenen
Mels seit zwanzig Jahren kostbare Kupferstiche gesammelt hatte. Eines Morgens überraschte der Ma-
ler seine Pflegebefohlene im Atelier, während sie vor einer Leinwand saß und so eifrig zeichnete, daß sie sein Herankommen nicht gehört hatte. Er konnte unbemerkt an das Kind herantreten und zu seinem Erstaunen sehen. wie sie eine Zeichnung von Greuze kopirte. Als er ihr die Hand auf die Schultern legte, wendete sich Therese betroffen um und erröthete. Sie blieb vor ihm stehen, noch den Bleistift in der Hand haltend, und sah Mels angstvoll an. Er aber nahm ruhig, die Zeichnung, betrachtete sie genau und zeigte ihr dann am Original mit ein paar kurzen Erklärungen die Fehler ihrer Arbeit. Dann klopfte er der Kleinen aus die Wange und fragte: Hättest Du Lust, zeichnen zu lernen?" Ja. große Lust!Gut, ich werde Dir Stunden geben." Er bemerkte sehr bald, daß sie begabt war. Mit einer außerordentlichen Schärfe des Blicks erfaßte sie die Formen und Farben und gab sie in voller Wahrheit wieder. Ihr naiver und gewissermaßen barbarischer Jmpressionismus interessirte Mels. Er hatte das Kind vom ersten Tage an nach der Natur arbeiten lassen. Nichts von Lithographien, nichts von Gipsmodellen gab er ihr. Er nahm Blumen, ordnete sie in eine Base, stellte sie. auf den Tisch und sagte zu Therese: Gib das wieder, auf welche Weise Du, es willst. Nimm weiße und schwarze Kreide, oder Pastellfarben, oder den Bleistift, kurz, was Du willst, wenn Du nur Deinen Zweck erreichst." Und Therese hantirte unbefangen, bald mit Bleistift, Kohle oder Farben, und gab das Gesehene so merkwürdig wieder, daß der Maler völlig verblüfft war. Eines Tages fand er das Mädchen, während sie die alte Prudentia zeichnete. Sie sasz m der Wäschekammer, die nur durch ein Fenster erhellt wurde, hatte das Zeichenbrett aus ihren Knieen und zeichnete die Wirthschafterin, welche die Hemden des Herrn ausbesserte. Mels blieb einen Augenblick stjll vor Thereses Zeichnung stehen. Sie war von sprechender Aehnlichkeit trotz des Ungeschicks einer Ansängeritt. Doch zeigte diese kindliche Skizze so viel reines Gesühl und Wahrheit, daß der Meister förmlich davon ergriffen war und fagte: .Mach' nichts 'mehr daran. Du würdest , es nur verderben. Schreibe Deinen Namen und das Datum unter die Zeichnung, sie wird Dir später Bergnügen machen, wenn Du etwas kannst." Werde ich denn etwas können?" fragte Therese lächelnd. Ja gewiß, wenn Du arbeitest." Ach wie gern! Nichts macht mir mehr Vergnügen." Am nächsten Tage kam zufällig ein Kollege zu Mels in das Atelier; er war ein berühmter Porträtmaler, einer der Sterne der französischen Schsle. Er sah die Zeichnung auf dem Tisch liegen, betrachtete sie aufmerksam und fragte dann den Freund:. Was ist denn das für eine Studie einer alten Frau, die mit ,Therese' unterzeichnet ist?" Sie fällt Ihnen auch auf?" Sie ist höchst merkwürdig! Sie erinnert an einen Holbein." Nicht wahr! Und nun lassen Sie sich sagen, lieber Freund, daß sie von einem jungen Mädchen gemacht ist, welches ich aus Mitleid aufgenommen und bei mir behalten habe." Das ist erstaunlich! Kann ich sie sehen?" Therese wurde gerufen und erschien. , Hm! Das ist ja die Kleine von Ihrem Vilde ,Der Aufstand!' Ein reizendes 'Kind! Mademoiselle, wollen Sie mn Ihre Zeichnung geben? Ich werde dafür Ihr Porträt malen!" Nun sieh. Therese. Du wirst noch berühmt werden," bemerkte Mels mit etwas erzwungenem Lächeln, änderte den Gesprächsaeaenstand und schickte seine Schülerin fort. .Er wunderte sich, als er darüber nachdachte, welchen unangenehmen Eindruck ihm das an Therese gestellte schmeichelhafte Anerbieten gemacht hatte. Es erregte eine Art von Eifersucht m ihm. Er prüfte sich streng und merkte, daß Therese in fernen (Ledanken bereits einen größeren Platz einnahm, als er ihr hatte zugestehen wollen. Das rief eine vlökliche heftige innere Auflehnung bei ihm hervor. Er beabsichtigte unabhängig zu bleiben, leine Herrschast über sich zu dulden, mochte sie auch ntch so sanft sein. Er war Junggeselle geblieben, hatte keine festen Verbindungen angeknüpft. Bei diesem Zustande befand er sich zu wvhl, als daß er daran etwas hätte ändern oder fein Leben mit Sorgen für eine Familie belasten mögen. Der Gedanke fuhr ihm durch den Kopf, daß er eine Dummheit begangen habe, als er sich der Waise annahm. Dann gewann jedoch seine angeborene Großmuth wieder die Oberhand, Er beschloß, sich keiner der übernommenen Verpflichtungen zu entziehen, sie ,iedoch so wenig unbequem wie möglich zu gestalten. Das brachte ihn zu dern Entsckluk. Tberese tn eine Unterrichts anstalt zu geben, in der sie lernen konnte, was sie noch nicht wußte: nämlich alles. In der Nähe befand sich eine vortreffliche Lehranstalt für junge Mädchen. Zu ihrem großen Kummer mußte sich Therese frühmorgens dorthin. begeben und kehrte erst spät zum Essen zurück. Ausdlese Weise erlziel
Mels leine Freiheit wieder, und lern Mündel ' wurde eine gebildete junge Dame. Doch gab sie dabei das Zeichnen nicht auf. Sie benutzte die Abendstunden, um neben der alten Prudentia, in der Wäschekammer sitzend, sich , darin zu üben. ' Mels speiste jeden Abend entweder im Klub oder war eingeladen. Therese sah ihn deshalb meist nur Morgens einen Augenblick, ehe sie fortging, oder Sonntags.- Ihr Verhält-, niß zu einander war das denkbar korrekteste, wie das eines Onkels zu seiner Nichte, eines Vormundes zu seinem Mündel. Mels war damals fünfundvierzig Jahre alt und besaß noch die ganze Schönheit, die ihn in seiner Jugend ausgezeichnet hatte. Seine hohe, schlanke Gestalt war dank der LeibesÜbungen und Wasserbehandlung nicht zu stark geworden. Sein schönes Antlitz, eine italienische Ritterphysiognomie mit braunem Spitzbart, zeigte kaum eine Falte, und nur an den Schläfen färbte ich das Haar leicht arau. (Fortsetzung folgt.)
Das Leben nach dem Tode bei den Papuas. Ueber die Vorstellungen der Papuas auf Deutsch - Neuguinea von dem Zustande nach dem Tode hat Missionär Hanke in Vangu einige Auffchlüsse erhalten, über die er Folgendes mittheilt: Jedes Dorf hat sein besonoeres gandjarum gogumu (TodtenGeisierdorf), und zwar denkt man sich dieses unterhalb des Platzes, wo sich das diesseitig: Leben abspielt. Stirbt Jemand, so wartet die Seele, neben der Leiche stgeni), bis die Todtcngraber bewirthet und belohnt sind. Im Todtenvors angekommen, verbirgt sich die Seele zuerst unter Vananenstauden. bis sie von irgend Jemandem entdeckt wird. Ist sie entdeckt, so kommen die Ver-' wandten und holen sie zu sich in's Haus, wo sie bleibt.' bis sie sich einiaermaßen erholt hat und die Knochen wieder fest geworden sind. Beim nächsten Tanzsest wird der neue Bewohner bemalt- und geschmückt und dem Publikum vorgestellt. Daraus geht dann das Leben in gewohnter Weise weiter. Eine Vergeltung, die Jedem lohnt nach dem. wie er gehandelt hat bei Lebzeiten gibt es nicht. Jeder kommt in das gandjarum gogumu," mit Ausnahme derer, die im Kampfe gefallen srnd. Aber auch im Jenseits währt das Leben nicht ewig; noch einmal kommt der Tod und dann ist es ganz aus. Die gestorbenen Seelen streitbarer Leute werden dann zu Bäumen und Schlingpflanzen, die der Neichen zu großen Fischen und die Uebngen zu weinen Ameisen. Diejenigen, die einen gefährlichen Zauber rnne hatten bei Lebzeiten sind freilich auch dann noch zu fürchten, denn die Platze, wo sie sich in Baume u. f. w. verwandelt haben, kann man ohne Gefahr nicht betreten; man würde sich Wunden, Krankheiten oder auch irgend welche verderbliche Neiqunaen zuziehen. Fast alle sittlichen Defekte werden auf diese Ursachen zurückgeführt und auch damit entschuldigt. Ein trüber Qockzeitst a a. Aus den lekten Lebenstaaen des kürzlich verstorbenen Königs Albert von Sachsen ist einem Dresdener Blatte aus dem Schlosse Sibyllenort von emer hochgestellten Persönlichkeit folgender rühmender Zug mitgetheilt worden. Am 18. 5luni. als dem 49. Hochzeitstage der Majestäten, ließ sich der Komg eme Rose bringen. Nach dem er diese lanae sinnend betrachtet. bat er die Königin an sein Lager und überreichte im, schwach und sehr leidend, ohne ein Wort zu sprechen, die Blume mit tiesschmerzlichem Blick. Wohl hiell die Komain mit dem Aufae böte aller Kräfte der ergreifenden Huldigung einige Augenblicke Stand, dann aber brach sie in konvulsivisches Weinen aus. Was in den Seelen des Königspaares in diesem Momente vorging. laßt stch leichter begreifen, als mit Wor ten sagen. Große Auswahl von Aug. Diener, No. 449 Ost Washington Str. eUt5 Telephon 2525. losepk ttass, empsZehlt sich dem deutschen Publikum zur Reinigung von Abtritten, Sewerö Cisterneu n. s. v. cer DiSinfektion frei. . Ossice: 707 Maxvell Straße. Telephone: (alt) Main 1039. (Neu) 2578
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