Indiana Tribüne, Volume 25, Number 281, Indianapolis, Marion County, 19 July 1902 — Page 7

Jndiana Tribune, 10. Juli 15103.

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Tffcnn du mich ficGfl. fr Yxamm von Seerg Tjartniig (Crnrng Koexzel.)

(Fortsetzung.) " Sie lachte übermütbiq. Also Herr Professor Geisler Fräulein Alma und Luise v. Seiten born Fräulein Gebhardt." Die von Fräulein Lilli dem Gaste vorgestellten jungen Mädchen verneigten sich etwas tieser als gewöhnlich. Der Professor imponirte ihnen ersichtlich. Ick habe erfahren, daß wir dieses irnprovisirte Tanzfest Ihrem Hiersein verdanken, meine Damen," sagte Geisler, die frischen, jungen Gesichter betrachtend, welche sich verstohlen zulächelten. Und außerdem verdanke ich Ihnen persönlich die Bekanntschaft mit der so viel gerühmten Pensionsfreundschaft junger Damen. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, daß Sie sich trennten." .Anderthalb Jahre." : Nein, ein Jahr und sieben Monate." Wirklich?Ja," fiel Lilli lachend ein. Ich glaube aber, wir kämen jetzt nicht mehr rn die erste Klasse. Mein Französisch und Englisch ist fast futsch." Welches Pensionat hat den Vorzug gehabt?" Das Wellmann'sche in Zürich. Ach. es war reizend dort bis auf das viele Lernen." Ja, was haben wir studiren müssen. Entsetzlich! Und immer englisch oder französisch sprechen." ' Französisch ging noch, aber" Sie hatten doch gewiß einen würdigen Lehrer," sagte Geisler belustigt, der nur ganz von fern mit dem Nachsitzen drohte?" Lehrer?" riefen alle Vier zugleich. Nein. Eine junge Frau war's!" Jung?" warf Hilde Gebhardt achselzuckend ein. Jawohl, jung!" sagte Lilli unter energischer Zustimmung der Sckwesiern. ..Sie war höchstens Mitte Zwanzig. Und wenn sie ein bischen Farbe fcefair. sie war nämlich sonst sehr bleich dann sah sie aus' wie achtzehn." Ns ja, sie war ja ganz nett anzusehen," sagte Hilde Gebhardt etwas von oben herab. "Thu doch nicht so!" rief Lilli dagegen. Wir haben alle , für sie geschwärmt. Jawohl, die ganze Klasse Tu auch! Und als sie wegkam, haben wir qeweint. Jawohl, geweint Tu auch!" Fällt mit nicht im Traum ein." versetzte Hilde wegwerfend, um Frau Vrissot zu weinen. Da hätte man viel zu thun!" Geislers liebenswürdige Ironie war einem tiefen, jäh aufgeschreckten Ernst gewichen. Wie nannten 6i Jbre Lehrerin?" fragte er rasch. Vrissot-Marie Vrissot." Brünett? Mittelgroß? Schlank?" Jawohl! Kennen Sie sie?" riefen alle Vier lebhaft. Ich ich kannte einst ein Fräulein Vrissot." sagte er, und da stand vor seinen Geistesaugen der strahlende Saal des Holdenberger Schlosses, in dem er mit Marie Antonie so glückstrunken geplaudert. Alles, bis in's Kleinste, das längst vergessen, sah er wieder lebendig werden: an der Thürfüllung die beobachtende Gestalt des Grafen, die kömgliche Erscheinung Betty Trachbergs im schwarzen Sammetgewande, ihres Gatten geschmeidige Beweglichkeit auf dem spiegelnden Parkett und drüben an der entgegcnge setzten Wand die ihm derbaßte Baronin Lüttmig, deren Sinnen und Trachten darauf gerichtet war, ihn herabzusetzen. Alle diese Erinnerungen, :n den '$tu rarm einer Sekunde gesaßt, überkamen Geisler mit neuer Gewalt. Stand er hier vor der Lösung des Räthsels, das ihm der heutige Brief seines Onkels wieder nahegelegt? Oder wurde ihm eben Zetzt ein neues zu lösen aufgegeben? Fräulein war sie nicht," sagte Hilde hastig. Eine Wittwe!" Sie sagten zuvor: als sie wegkam. Warum verließ sie die Anstalt?" Ach. das weiß man eigentlich nicht." versicherte das Schwesternpaar eifrig. Es hieß, die Vorsteherin wäre mit dem Gesanglehrer heimlich verlobt gewesen, bis die schöne Frau Brissot kam" .So!" Tiefe, wühlende Sorge bemächtigte sich Geislers.' Was war aus Marie Antonie geworden? Es drängte ihn. dies Gespräch abzubrechen, aber die Unruhe seines Herzens ließ es nicht zu. J&t Dame, welche ich meine, ist keine Wittwe," sagte er mit anscheinender Gleichgiltigkeit. .Sie hatte das Unglück, sich von einem unwürdigen Manne trennen ZU müssen." Wenn die aute Wellmann das gewußt Hütte, wurde sie die Brissot nie in's Haus genommen haben," rief Hilde, die Hände zusammenschlagend. Ich kann mir nicht helfen, die Frau machte r.'in einmal einen etwas seit samen Eindruck." Und Sie wissen nicht, was aus ihr geworden ist?" Hier trat der Hausherr. Geheimrath Gündell, zu der Gruppe, seinem Gaste die Hand zu drücken. ?lÄ wuf'.te aar nicht. Herr Kollege, daß Sie schon anwesend seien. Natü lich im Netz der Jugend aesanaen. Ach. Herr Professor, heute tanzen Sie docb?" bat Lilli schmeichelnd. ...

JS c sind ja viel zu gütig, mir ein öffentliches Fiasko bereiten zu wollen. Darf ich bitten, Herr Geheimrath, mich den Herren dort vorzustellen? Auf Wiedersehen, meine Tamen!" . Seine Gedanken hafteten an dem soeben Vernommenen. Hatte er ein Recht, Nachforschungen anzustellen? Wenn eZ Marie Antonie ein Bedürfniß war. ihre sZerson verschwinden zu lassen, wie kam kr dazu, ihr diese Wohlthat zu mißgönnen? Er, von dessen Jugendliebe sie nichts ahnte und dem sie nie. nie auch nur das geringste Zeichen einer GegenNeigung gegeben? Die Hren gestatten Herr Professor Geisler!" Hier--Herr Major v. Kirchstein." Der Dragoneroffizier verneigte sich höflich. Sehr angenehm, sehr" Er sah einen Moment mit halbgefcklossenen Lidern nachsinnend zur Telkenkrcne empor. ' In diesem Augenblick fing der schmächtige Klavierspieler am Flügel an, in die Tasten zu schlagen. Kirchstein wurde dadurch an der Anknüpfung eines Gespräches verhindert. Verzeihen Sie, meine verehrten

Herrschaften." sagte er. ich bin enaagirt. Gnädigs Frau gestatten Fraulein Tochter wartet!" Ein charmanter Herr!" bemerkte die Gcheimräthin, dem Major Nachschauend, wie er über das Parkett hinschlitternd zu Lilli eilte. Man sieht, er hat sich lange be' Hose bewegt. Seme Bewegungen sind so ausgeglichen, dabei auch so angenehm zwanglos. Mit einem Wort" ' Steht Herr v. Kirchstein schon lange . hier in Garnison?" unterbrach Geisler diesen warmen Erguß mit mcht abzuweisender Ungeduld. Im ersten Moment wußte er's selbst nicht, daß dieser Ungeduld ein eifersüchtige Regung zu Grunde lag. Als er's spürte, verdroß es ihn War ihm wirklich der Wunsch schon so tief in's Hcrz gedrungen, diese liebliche Mädchenknospe sein eigen zu nennen? Der mütterliche Scharfsinn der Geheimräthin lien. sich keine solche Regung unterschlagen. Sie lächelte. Vielleicht war diese Begegnung ein Sporn für das reservirte Verhalten desProfessors. Seit vier Monaten. Die jungen Mädchen finden,- daß er begeisternd schön tanzt. Vor der Verlobung spielt ja doch Tanzen eine Hauptrolle." Und nach der Verlobung?" fragte Geisler. Nach der Verlobung? Da denkt man an Hochzeit," scherzte Frau Gün dell. Und nachher denkt man an andere Dinge. ' Und wenn man dann wieder zum Tanzen kommt, ist die Jugendlust ach. wie lange! davon." Sehr wahr!" versetzte Geisler ernst. Die Natur zwingt uns,die glücklichsten Empfindungen schließlich als Thorheiten zu verachten. Die erste kritische Betrachtung ist ein Engel mit dem flammenden Schwert, der uns aus dem Jugendparadiese verstößt." Leider ja. Ein Glück nur, daß die liebe Jugend es versteht, ihre Zeit recht hübsch auszunutzen," lächelte , die Geheimräthin, als Lilli strahlenden Blickes und nickend vorüberflog. Sie müssen die Dinge nicht so tiefsinnig auffassen. Herr Professor. Aber das kommt von der Gelebrsamkeit die macht aus den liebenswürdigsten Männern Grübler. Wenn mein Mann nicht immer unser fröhliches Kind um sich gehabt hätte. wäre er sicher Melancholiker geworden." Da ist er zu beneiden," sagte Geisler beistimmend. Nicht allen Menschen wird's so gut." Er konnte sich von der Frage nicht losreißen, was Marie Antonie veranlaßt haben könne, auch seines Onkels hilfsbereite Hand nie in Anspruch zu nehmen. Wenn sie von ihrer sittlichen Höhe herabgestürzt wäre im Kampf um's Dasein dieser Gedanke war ihm fürchterlich. Er fühlte, daß sein Blut schneller wallte. Sie haben reckt, anädiae Frau." sagte er rasch. Man soll die Blumen pflücken, wo sie uns entgegen blühen." Der hinzutretende Hausherr legte vertraulich den Arm um seine Schulter. Sagen Sie mal, Herr Kollege.lch höre. die TinePrempel ist nun auch beiJhncn gewezen? Die Person hat Ausdauer. Dreimal habe ich sie abgewiesen, dreimal :!t sie wieder gekommen sie hat nun schon die Runde bei sämmtlichen Operateuren gemacht. Unglückliches Geschöpf, das durchaus gehest sein will!" Es ist ihr eben mcht recht klar zu machen, daß es sich in gewissen Fällen nicht um Leben oder Tod. sondern direkt um den Tod handelt. Nun wär's ja wahrhaftig kein Unglück, wenn ein so elendes Wesen von seiner Qual erlöst würde, aber man kann sich doch nicht auf solche Geschichten einlassen." . Ich habe gefunden das heißt, ich muthmaße." versetzte Geisler. daß untcr gewissen günstigen Bedingungen, die sich möglicherweise wahrend der Opera tion herausstellen könnten, dieselbe zu machen sei. Lassen Sie sich durch Mitleid nicht verfuhren. Kollege. Ich habe iör gesagt, daß unter hun dert solchen Fällen neunundneunzig mißlingen müssen. Mehr konnte ich mcht thun." Kurzerhand abweisen!" Dagegen lehnte sich die schwache Möglichkeit auf, welche sich mir während der Untersuchung eröffnete," sagte Geisler langsam. Ich gebe zu. daß es ein Wagniß ist.s.oaar Tollkübnbeit.aber lnioi ne oaoer, c i es gui jur uc; kommt sie durch, noch beim."' Gündell beweckie mißbilligend die

yand. Sie müssen wissen, was Sie thun. Ich lasse mich aus meinen Grundsätzen weder durch Tn.5 Prempel. noch durch vage Möglichkeiten heraustreiden. Aber wollen wir nicht eine Eigarre rauchen, da Sie doch nicht tan-

zen?" Sehr gern." Sie gingen Beide in's, Zimmer des Hausherrn, wo außer ihnen Niemand anwesend war. setzten sich nieder und besprachen den vorliegenden interessanten Fall mit fachmännischer Gründlichkeit. De blonde Lilli stayd frlöfeti Nahmen der.Tßur. Ein lleines sjMi herum. Herr Professor ja? Es ist Damenpolka. Ein ganz kleines Mal, bitte. bitte!" Sie war allerliebst mit ihren heißen Wangen und nach Kinderart gegeneinander klopfenden Händen. Geisler stand lebhaft auf und trat zu ihr. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich glauben, Sie wollten mir das Herz schwer machen. Ich tanze ja doch längst nicht mehr. Das würde mich," fügte er leise und lächelnd hinzu, ihre widersprechend ausgestreckte Rechte ergreifend, das würde mich aber nie hindern. einem Anderen süße Ballfreuden zu gönnen." Sie schmollte. Wenn ich mich aber doch so darauf gefreut habe " Fräulein Lilli," sagte er halb ernst, halb scherzend, jetzt will ich Ihnen mal etwas ganz Barbarisches sagen: Es md unsere schönsten Freuden, die mcht in Erfüllung gehen." Also nicht?" Ihre Koketterie mischte ich so allerliebst mit Naivetät, daß Geisler sich davon gefangen nehmen ieß. Wie kann man nur ein so reizender keiner Quälgeist sein?" fuhr er fort. Ich babe morgen eine sehr schwierige Operation an einem armen Mädchen zu machen, das sich und ihre Mutter durch Handarbeit ernährt. Dazu muß ch mir den Kopf frei halten und werde ogar UM die Erlaubniß bitten, Mich zeitiger entfernen zu dürfen. Erlauben Sie mir aber, Sie in den Salon zurückzuführen." Damit alle sehen.daß ich einen Korb bekommen habe?" rief sie lachend und ies davon. Papa, komm! Wir Beide!" Geisler blickte ihren flatternden Schärpenbändern nach, als er die Getalt des Mawrs v. Klrchstem eme jähe Schwenkung machen und auf sich zuchrenen sab. Die Persönlichkeit dieses Mannes war ihm unsympathisch gewesen beim ersten Anblick. Nichtsdestoweniger erwartete er ihn höflich. Sagen Sie, mein verehrter Herr Professor ich muß mir zunächst mal die Stirn trocknen von den Triumphen dieser Damenpolka vielleicht bat der Geheimrath in seinem Zimmer eine menschliche Temperatur?" Und eine vortreffliche Havanna." Wunderbarer Gedanke! Nettes kleines Fischchen, sein Töchterchen zum Anbeißen niedlich! Lebt sich überhaupt vier seyr gut. xsxel freiere Umgangsformen besonders mit dem weiblichen Geschlecht. Habe nämlich das Glück gehabt, vielfach in kleinen Residenzen zu stehen. Ader, was ich saaen wollte. Herr Professor" Herr v. Kirchstein hatte sich m bequemster Stelluna in einen Sessel geworfen, ohne mit der fächelnden Bewegung seines Taschentuches innezuhalten. Sind das die Giftnudeln, von denen Sie sprachen? Famos!" Er that ein paar tiefe ?.üae aus der Cigarre. Was ich sagen wollte Ihr 2..e Geisler kommt mir so oelannl uux. Vielleicht kennen Sie meinen Onkel. Julttzraty geisler." Na naturlich! Am doch öfter am dritten Ort mit einem alten Herrn zuW m . . . " " ammen aewe en tlem. korpulent. was? Sagen Sie, war's Nicht Ihr On.s , i, ver in gqccafuiajen ezieyungen zu dem Grafen Trachberg stand, der die famose Partie machte?" Er befindet sich auaenbliölick nock in der gleichen Stellung," versetzteGeisler unangenehm berührt. Das war doch eigentlich das tollste, was man. erleben konnte!" lackt? Kirckstein mit mißachtender Bitterkeit. Der sogenannte Vikomte und die Geleaenheitsmacherin von Tante fangen richtig den vertrauensseligen Grafen für ihren Wildling ein. Und der läßt sich auch fangen, mir Nichts, dir nichts es ist zum schreien!" Wenn Sie glauben sollten, fierr Major," fiel Geisler mit festem Nachdruck ein, daß das damalige Fräulein v. Debellaire auch nur eine Ähnung von der bedauernswerthen Berirrung ihrer Voreltern hatie, so sind Sie in schwerer Täuschung befangen. Ich habe Gelegenheit gehabt, die junge Dame kennen zu lernen, bevor sie unglücklicherweise das Vaterhaus verließ; ich habe ferner Gelegenheit gehabt, dem alten Herrn v. Debellaire als Arzt näher zu treten, ich kann ' versichern, daß Beide von der Nichtigkeit ihrer Abstammung so seifen fest überzeugt waren, wie wir von unserer Mannesehre." So, so, Sie kannten" Herr v. Kirchstein dachte an die abendliche Szene im Boudoir der Baronin, -wo er seine glühende Leidenschaft für die kleine Bikomtesse in die Rechte des Bräutigams einzukleiden hoffte, und Marie Antonie vor dem ersten Druck seiner Hand schon wie ein aufgeschrecktes Wild davongestürzt war. Merkwürdig!" Er rauchte ein paar Zücze schweiaend. dann lächelte er geringschätzig 'im Gefühl befriedigter Schadenfreude. Diese unqualifizirbare Tante, dieser Qo.chmuthsnarr von Vater, der sich

dem Grafen zum Schwiegervater anlog, j diese ganze fragwürdige Sippe, die endlich aus der anständigen Gesellschaft herausgejagt ist " Geislers Lippen hatten sich während dieses Ergusses fest aufeinander ae-

vttvx Zum Skandal haben sie sich betraßen," fuhr der Major fort. Den Mann ist sie los, aber mit dem Gelde, das er hat zahlen müssen, wird sie schon auf ihre Rechnung zu kommen wissen." Herr v. Kirchstein Na, Ihr Onkel, dem sie ja, wie ich höre, immer stark um den Bart gegangen ist, und der ja auch, wie ich serner höre, das Menschenmögliche für sie herausgeschlagen haben soll " Wer ist der Lugner. der Ihnen diese nichtswürdigeFabel aufgebunden hat?" unterbrach ihn Geisler. seine lanast ausgegangene Eigarre aus den Tisch werfend. Nennen Sie mir seinen Namen, und, ich stehe gut dafür, daß er seine Verleumdung wird widerrufen müssen." Namen? Fällt mir gar mcht ein. verehrter Herr Professor," sagte Kirchstem, nachlassig ein Bern uber's andere schlagend. Wollen Sie, daß ich Ihnen ein paar hundert Namen aufzähle, die sich zu dieser .Luge bekennen? An der Sache ist weiter gar nichts tragisch zu nehmen. Meine Erfahrungen sagen mir " Ich kann die Erfahrungen, welche Ihnen ein vollständig falsches oder vielmehr schmählig versälschtesUrtheil aufdrängen, um derBenachtheiligten willen nur beklagen," fiel ihm Geisler, sich gewaltsam zur Ruhe zwingend, in's Wort. Die damalige Bikomtesse v. Debellaire hat allerdings einen Fehler begangen. daß sie ihre Liebe einem Manne schenkte, der diesem Geschenk ohne Verständniß gegenüberstand, mehr noch, ohne den guten Willen, sich darüber klar zu werden." Der Graf Maximilian Trachberg-" ' Ich war Gast m seinem Hause wie Sie, Herr Major," fiel Geisler schärfer ein. Jedenfalls bin ich besser über die Vorkommnisse dann unterrichtet, wie jeder Andere durch meinen Onkel. Als die Gräfin das Opfer brachte, sich von ihrem Mann zu trennen, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen " Kirchstein streß ein kurzes Lachen aus. Nee. nee. mein liebster Herr Professor, da hat die schlaue Dame denn doch Ihrem Onkel eine Nase gedreht. Die Trachbergs älterer Linie sind nämlich, abgesehen vom Majorat, schwach begütert, da war nicht mehr viel zu. holen. Mit einer glänzenden Abstands- und Entschädigungssumme ging die Sache viel glatter." . Herr Major, ich wiederhole Ihnen noch einmal auf mein Wort," sagte Geisler sich erhebend, da in diesem Moment der Hausherr zurückkehrte, die Gräfin Trachberg ist aus dem Hause ihres Mannes gegangen, ohne ihm auch nur die Möglichkeit zu lassen, ihre Zukunft sicher zu stellen. Es bleibt Ihrem Empfinden überlassen, ein solches Verfahren groß oder thöricht zu nennen." Er fühlte, daß sein Puls schneller schlug, als sich mit der Situation vertrug, in welcher er sich befand, deshalb schnitt er mit leichter Verbeugung das Gespräch ab und verließ das Zimmer. Vor ihm her wälzte sich das vielkopfige Ungeheuer Verleumdung, es grinste ihn an im Gefühl seiner Macht. Alle Schwertstreiche, alle Kugeln der Welt konnten ihm den Garaus nicht machen. Die Bosheit und Niedertracht der Men schen fütterte es ohne Ende. Ein Gefühl des Ekels erfaßte ihn an gesichts der lachenden Gesichter, von de nen keines sich scheuen würde, Marie Antoniens hochherziges Thun zu be spötteln und zu begeifern. Herr v.Kirch stein brauchte seine Fabel nur vorzutragen, so fand er Gläubige. Wer aber glaubte ihm? Dieses Bewußtsein vermochten weder Lillis Schmollen, noch ihrer Mutter Liebenswürdigkeit u versöhnen. Als der erste schickliche Moment bierzu aekommen war, verabschiedete Geisler sich von seinen Wirthen Tief aufathmend trat er aus der duftenden Schwule m'dle feuchtkalte Ne belnacht hinaus. Hie und da waren ganze Fensterreihen noch hell erleuchtet. Aus einer der selben erschallte lauter Gesang weithin durch die Stille. Tiefer in der. Stadt und immer welter hmein, wo die alters schwachen Häuser sich gegenseitig vor dem Zusammenbruch stützen, konnte sich die- Finsterniß ungehemmt ausspannen über Gakchengewirr und Giebelenge. Dort, wo eine Laterne trüb an der Straßenbiegung brannte den alten Prellstein spärlich beleuchtend, war zu ebener Erde einVorderzimmer zu dieser spaten Stunde noch erhellt. Der gelbliche Kattunvorhang lag fest gegen die Scheiben gedruckt. Ein leichter Schat ten fiel darauf, der Schatten eines jungen Weibes, dessen Hände in fliegender Eile ein Stück Häkelspitze zum Abschluß zu bringen trachteten. Leise Schauer de? Müdigkeit durchzuckten zuweilen ihre Lider, wenn der Schlaf sich herrisch darüber senken wollte und das ausgeschreckte Pflichtgesuhl ihn zurückwies. . Wenn die Flamme der Lampe an dem halbverkohlten Docht heller aufslackerte. über den Lichtkreis hinaus, den sie auf der Tiscbvlatte beschrieb, üreiite ihr gelblicher Scbem auch über das gesenkte Antlitz Marie Antoniens gleich mm f einer stummen Ausforoerung, rne arbeit nun ruhen zu lassen ., . ... . Die Thür zum Nebenzimmer ging kreisaend aus. -

mnt fragt, ov die spitzen fertig

sind?" Nein. Ich thue , was ich kann. Sie oll nur schlafen." Sie schläft nicht ein, Frau Brissot. Sie will Sie noch sprechen." So muß sie warten. Und wieder raffte der stählerne Haen Masche um Masche auf, zog er Schlinge um Schlinge. Eme leise Stimme nef aus dem Nevenraum. Marie Antonie ließ Garn und Nadel allen und eilte in daL allen häuslichen Verrichtungen dienende Hinterzimmer. Was wollen Sie denn, Tme? Es ist ja gar kein Gedanke, daß Sie die Spitze morgen früh noch im Geschäft abgeben können, bevor Sie in die Klinik gehen." Ich mochte aber doch etwas Geld ei mir haben." Das arme Wesen, das nur mühsam sich bewegen, nur unter Qualen Ruhe finden konnte, streckte Marie Antonie die abgemaaerte ftand entaeaen. (Fortsetzung folgt.) Drcischraubcn- und Zweischranbcn System. Das Schraubensystem der großen Kriegsschiffe ist bei allen Marinen von hervorragender Wichtigkeit. Die großen Seestaaten haben sich bis heute zu dieser Frage grundverschieden gestellt. Auf der ganzen Erde sind nur zwei Nationen, die das Dreischraubensystem bei allen großen Schiffsbauten, Linienschiffen und großen Kreuzern durchführen: das deutsche Reich und Frankreich. Entschiedene Gegner dieses Systems sind Großbritannien, Jtalien, Japan und Oesterreich-Ungarn, die nur Zweischraubenschiffe bauen. Eine schwankende Stellung nehmen Rußland und die Ver. Staaten ein. Deutschland ging allen Staaten voran und baute 1892 als erstes Drelschraubenschiff den geschützten Kreuzer Kaiserin Augusta." Seitdem erhalten alle großen. Kriegsschiffe drei Schrauben. Die 14 schwimmenden oder auf der Helling liegenden Hochseeschlachtschiffe, die neuenPanzerkrcuzerder FürstBis-marck"-, der Prinz Heinrich"-Klasse. die Freya"-Klasse fuhren drei Schrauben. Dem deutschen Beispiel folgte bald Frankreich. Es baute 1895 sein erstes Dreischrauben schiff, das Linienschiff erster Klasse Massena." und gab 1899 den Linienschiffen zweiter Klasse vom Henri I ."-Typ, den sogenannten euirässes d'escadnj, gleichfalls drei Schrauben. Dasselbe System herrscht bei den Panzerkreuzern der Jeanne d'Arc"-, der Montcalm"-, der Mar-seillaise"-, der Desaix"- und der Jules Ferry"- oder Ernest Renan"-Klasse. Eine große Unsicherheit bekundete Rußland in der Frage des Schraubensystems; es baute bald Drei-, bald Zweischraubenschifft. Mitte der 90er Jahre bauten die Russen GeschwaderPanzerschiffe und Panzerkreuzer mit drer Schrauben, netzen diefes System plöhllch fallen, griffen zum Zweischrauoensystem zurück und beauftragten dann ausländische Werften wieder mit dem Bau von Dreischraubenschiffen. Jetzt läßt Nußland zur Abwechslung nur Zweischraubenschiffe, Panzer und Kreuzer, bauen, so die Schiffe des Imperator Alexander III."- und des Bogatyr"-Typs. Die Ver. Staaten schwankten in den 90er Jahren. Geschützte Kreuzer erhielten drei Schraubs. Dann trat eine Gegenbewegung ein, und jetzt baut Amerika nur Zweischraubenschiffe. Für die feste, stets unbeirrte Stellungnahme des deutschen Reiches ist die Kanaldurchfahrt entscheidend gewesen. Die Dreischraubenschisse der Kaiser"-Klasse befahren den Kanal Mit einer Sicherheit, die jede ErWartung übertrifft. Bei der geringen Manövrirfähigkeit der Zweischraubenschiffe fehlt diese Sicherheit. Dank dem Dreischraubensystem sind die Unfälle der Schlachtschiffe im 'Kanal äußerst selten. Bei der wichtigen Rolle, die die Wasserstraße im Mobilmachungsfalle spielen wird, ist das Dreischraubensystem für die deutschen großen Kriegsschiffe eine zwingende Nothwendigkeit. drr stiUe Zeit. K o m m i s (zum Kollegen): Wohl herzlich wenig zu. thun jetzt?" Na, ich sage Dir, bei uns auf dem Komp toir hat schon jede Fliege ihren Vor und Zunamen!" Nr immer horrcltt! Gerichtspräsident: Also bitte. Herr Varon, Sie fuhren in Ihrem Wagen die Landstraße entlang. Als Sie sich dem Gebüsche näherten. stürzten die Wegelagerer hervor. Der Wagen wurde angehalten, umzingelt und die Ausfolgung sämmtlicher Werthaegenflande verlangt. Was tha ten Sie?" B a r o n : Ich ließ mir vor Allem die Mitglieder der Bande durch ihren Hauptmann vorstellen! Ancir eine Mitgift. Polizeirath (zu dem Verleger ' eines Witzblattes, der um du Hand seiner Tochter anhält): Ihr Antrag ist mir sehr ehrenvoll, doch kann ich Ihnen nicht verhehlen, daß meme Tochter ohne jedes Vermögen ist!" V e r l e g t x : O. das hat durchaus nichts zu sagen! . Ich würde Sie nur bitten, meine Blätter von Zeit zu Zeit konflsziren zu lassen für un sere Zukunft wäre dann glänzend gesorgt!-

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