Indiana Tribüne, Volume 25, Number 280, Indianapolis, Marion County, 18 July 1902 — Page 7

Jndiana Tribune, 18 Juli1l)S.

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Wenn du mich stcGJL Uoman vsn Georg Tzartmig (Cmmy Kocxpel.) (Fortsetzung.) ' Ihr von so vielen seelischen Erregungen erschütterier Körper begann zu zittern sie sank in den Sefsel zurück und schloß die Augen. Ueber Bettys Züge flog ein bittere? l-pottlächeln. So flügellahm hat Dich das bischen Glanzverlust gemacht? Da war's also doch nichts mit dem himmelstürmenden Entzücken, Bettlerin zu spielen um der Liebe willen? Dieser Szencnwcchsel kommt früh. Oder" ihre Stimme schwankte in Verachtung zugleich und Freude hat Dein Mann sich seines gerühmten Hochsinnes so jämmerlich begeben, daß er Dich für die Flatterhaftigkeit Eurer längst vermoderten Urahnen verantwortlich macht?" Sie fühlte gegen alle Absicht ein Schmerzgefühl für die also MißhanCelte in ihrem Herzen sich loslösen. Wenn er das konnte, wenn er das kann fuhr sie leiser fort, angesichts dessen, was Du an Selbstvorwürfen Dir bereits angethan hast, siehst Du dann ein, daß er nicht werth war, geschont zu werden?" Schweig! Schweig!" flüsterte Marie Antonie. Der Tod könnte mir nicht schrecklickier sein, als Du es bist. Und er ist entsetzlich entsetzlich!" Betty zuckte die Achseln. Wie man's nimmt. Ich werde schweigen und gehen, sobald ich fcxiß, was Ihr hier zu thun gedenkt. Ich will Eduard um jeden Preis vor einer Begegnung mit Maximilian schützen. Hörst Du? Um jeden Preis! Deshalb allein frage ich Dich." Marie Antonie, noch unfähig, diese Frage zu beantworten, aber zu stolz, ihr Leid zu offenbaren, trocknete hastig die Thränen fort, welche sich durch ihre Wimpern fchleichen wollten. Die ungeheure Leere, die jetzt überall vor ihr aufgähnte, die furchtbare Freudlosigseit, welche zuweilen ihren Herzschlag aussetzen ließ vor innerem Grauen, überdrangen ihr Empfinden so mächtig, daß sie wie in Erstickungsnoth aufsprang und das Fenster öffnete. Der kühle Anhauch des Windes vom See gab ihr die Fassung zurück. Sie schloß den Riegel, daß Niemand Ohrenzeuge dessen werde, was jetzt unaufhaltsam über ihre Lippen drang. Ich sehe es als eine glückliche Fügung an," sagte sie mit tiefbewegter Stimme, daß Du Dich noch einmal in meinen Weg stelltest. Glaube nicht, daß der Sieg über Dein eigenes Herz die schmachvolle Grausamkeit mildert, mit der Tu an mir gehandelt hast. Daß Maximilian Dich, die er eine Furie ncnnt, nicht lieben konnte, ist " O, über diese elende Rache!" unterbrach Betty sie mit farblosen Lippen. Die Waffe gab ich Dir so billig in die Hand, so spottwohlfeil. daß ich mich an Deiner Stelle schämen würde, sie ZU gebrauchen." Marie Antonie richtete sich böher auf. Ich nehme kein: Rache an Dir,, dem. wenn ich das Aeußerste thäte was könnte mir dadurch ersetzt werden? Triumphire über den Tod meines Kindes. es wird darum nicht friedloser ruhen. Deine Macht, die Du ausgebeutet hast, wie kein Schelm 'sie tückischer ausbeuten konnte, ist zu Ende. Du hast meinem Vater ein jähes Ende bereitet. Du hast Maximilian auf eine Folter gespannt, die fein Haar geblei hat. Du hast mich an Gottes Gerechtigkeit zweifeln gemacht, mein Herz hast Du mit Füßen getreten. Alle Freude bast Tu aus meinem Leben gerissen. Schmerz und Qual hast Du mir übrig gelassen, unabsehbar unabsehbar " Ihre Stimme, die bis dahin laut und lauter geworden war, brach matt ab. Bebend fuhr sie fort, das nicht mehr zurück zu haltende Bekenntniß zu vollenden. Aber damit ist Deine Macht erschöpft. Den moralischen Todtschlag. denDuMazimilianzufügenwolltestund den Du nicht ausführen konntest, ohne mich zur Mitschuldigen zu machen ungerührt, ob ich gleich in Verzweiflung Dein Erbarmen anflehte diesen Todtschlag wirst Du nicht ausführen. Du Wirst Maximilian keinen Schritt vor Dir weichen sehen, wie Du auch keinen Fuß auf sein Besitztum setzen wirst." Von der Größe ihres Opfers unbewußt getragen, erhob sich Marie Antoniens Gestalt mit hoheitsvoller Würde, während um Bettys Lippen ein spättisches Lächeln spielte. Leere Deklamationen," sagte sie verLchtlich. Wer will mich hindern, es zu thun. Du vielleicht? Weine Dir die Augen aus, jammere und schreie Dich heiser, das kannst Du, aber das Geschick zwingen, das kannst Du nicht. . Niemand kann es. Niemand." Doch, ich kann es. Ich gab ihn frei." Betty starrte sie einen Moment begrifflos an. Dann flüsterte sie, als wenn ihre Stimme versagte: Was thatest Du? Was?" Wir gehören nicht mehr zu einander. Er ist frei." Aus der Tiefe ihrer fleckenlosen Seele kam ihr Kraft, diese letzten Worte fest zu wiederholen: Er ist frei durch mich. Ich werde ihn nicht wiedersehen. Und das, , das ist Dein Werk!" Bettys hagere Hand streckte sich wie zur Abwehr gegen diese Lösung aus. .Du lügst. Du willst Komödie mit mir

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spielen." Ein grelles hysterisches Lachen folgte diesen Worten. Unheimlich zu dem' starrgebliebenen Ausdruck der Augen stimmte der Fröhlichkeitsausbruch ihrer. krampfhaft geöffneten Lippen. Marie Antonie wandte sich cngewidert ab. aber Betty, mit leidenschaftlicher Erbitterung ihr nacheilend, faßte sie am Arm. Du hast mir gesagt, Du liebtest ihn: Tu hast Dich auf diese unermeßliche Liebe berufsn. um mein Mitleid, meine Schonung herbeizuführen. Dir bangte fcr . aerinaiten Einbuße Deines Rechts. Ihn f:ste? noch an Dich zu schließen, eng?r und unauflöslicher, das war .ine Sorge, dazu sollte ich Dir verhelfen. Lügnerin! Deine Schwärmerei war Narrheit, , Deine Liebe Eigennutz! Ihr seid einander werth Du und er." Marie Antonie löste ihren Arm von der schmerzhaften Umklammerung dieser wie im Fieberfrost bebenden Finger. Weil ich ihn liebte, will ich sein Glück. Deine Liebe will ihn verderben, die meine ihn retten. Geh! Zwischen uns ist keinerlei Gemeinschaft." Vor Bettys Augen flimmerte die Luft, es war, als wanke der Erdboden unter ihren Füßen. Sie verlor die Stütze, ihren gehässigen Lebenszweck, und niemals, niunals konnte sie sie wiederfinden. Geisterbleich ließ sie die Hand von Marie Antoniens Arm sinken. Wohin war denn ihr verderblicher Pfeil geflogen? Wen hatte er getroffen? Hatte sie darum alles verloren, Gewissensruhe, Gesundheit und Schönheit. um dieses armselige Weib zu treffen? Dieses bemitleidenswerthe Geschöpf ohne Widerstandskrast, ohne Rachsucht? Ein Gluthstrom durchfloß ihre Adern vom Herzen zum Haupt. Tu Du willst mir sagen, was Aufopferung ist?" schrie sie. Mir willst Du Dich darstellen als ein Opfer? Das Opfer bin ich! Und die mich dazu gemacht hat. das bist Du! Du! Dafür hasse ich Dich mehr noch als mich selbst, die sich von Dir zum Rarren machen ließ. Feige wie Du ihn aufgabst, der sich von Dir aufgeben ließ wie ein ehrloser, gewinnsüchtiger Rechenmeister. Sieh zu, wenn der Großmuihsrausch verflogen ist, daß Dir nicht die Erkenntniß kommt. Du seiest seinen Wünschen zuvorgekommen. Und wenn Dir das klar geworden ist

dann denke daran, daß ich Dir sagte: Kehre um! Geh zurück zu dem Manne, der Dich nie geliebt hat, sei seine Strafe, da Du sein Glück nicht sein kannst, und niemals warst." Sie stürzte nach der Thür, öffnete sie rasch und eilte in den Gang hinaus. 22. K a p i t e l. Vom Straßburger Münster herab verhallte der letzte Schlag der fünften Nachmittagsstunde. Ueber den Vlatz am Kaiscrpalaste, wo die Bogenlampen aufflammten und mit geisterhafter Klarheit das Nebelmeer durchstrahlten, schritt Bruno Gelsler feiner Wohnung am Vroglieplatz zu. Er, kam von der Universität, wo er zur Nachmittagsstunde ein Kolleg zu lesen hatte als außerordentlicher Professor, in welcher Eigenschaft er seit Jahresfrist an die Kaiser Wilhelms- . i i i f r . . unioermal ocruien woroen war. Das Gedränge war aroß zu dieser Zeit. Unaufhörlich marfchirten Trup penabthenungen in thre Kasernen zu- ' . r i w ruc, von einer vienopslgen slranen sug-nd lärmend begleitet; zwischen den Wagen der elektrischen Straßenbahn kreuzten herrschaftliche Equipagen und Trofchten die Geleise. Hm und wieder, wenn der Schall vom Winde her übergetragen ward, erzitterten melan-" chollsche Lelerkastenmelodlen, als wollten sie die Schwermuth dieses Winter abends in Töne setzen. Bruno Geisler achtete nicht darauf. Seine Gedanken weilten noch bei dem Vortrage, welchen er soeben vor einer Anzahl aufmerksamer Hörer gehalten, mit hartnäckiger Selbstkritik, welche ein Gefühl der Zufriedenheit selten in ihm auskommen ließ. Plötzlich, von einer der Bänke des Broglieplatzes, über welchen 'er nun schneller hinschritt, vernahm er neben sich das Weinen eines Kindes. Seltsam, wie diese kläglichen Laute ihn seinem Gedankenkreis entrissen, und zwar mit einer Unabweisbarkeit, daß Geisler im Verdruß darüber die Brauen düster zusammenzog. Vor seinen Äugen stand das Bild eines fen nigen Herbsttages, da das Mädchen seiner Liebe einem, kleinen Burschen die Last seines Korbes tragen half. Ein Zug bitteren Wehes verschärfte den freimüthigen Ausdruck seiner Augen. Er stieg die Treppe rasch hinan und trat in sein gemüthliches Heim, wo die Wärme ihm behaglich entgegenströmte, und das Glühlicht der Deckenlampe ihm den Willkomm hell entgegenstrahlte. Geisler schritt zum Ofen, gegen des sen Kacheln er für Sekunden die Handflächen drückte. Die letzten Jabre hat, ten ihn in mehr als einer Hinsicht verändert. Seine jugendliche Schlankheit war mit den Dreißigern einer gesunden Körperfülle gewichen, welche seiner Erscheinung mehr Würde und Männlichkeit verlieh. Im Kampf mit dem Erfolg und im Kampf mit einer herben Enttäuschung war der frohgemuthe Ausdruck seincr'Züge sehr ernst geworden. Nur zuweilen blitzte noch der Schalk in seinen Augen auf, und unter dem blonden .Vollbart fanden die Liphn Ymi snnrnn uslfiidlnffifn wilder

Geisler blickte aus die Uhr. Um acht

Uhr hatte er der Einladung eines älteren Kollegen m der Ruprechtsauer Allee zu folgen, wo er sehr freundliche Aufnahme gefunden und nebenbei allen Grund hatte, zu vermuthen, daß er auch als Freiersmann der einzigen Tochter willkommen sein würde. Allen Versuchungen, sich ein häusliches Glück zu gründen, war er bisher aus dem Wege gegangen. Er wußte wohl warum, und dieses nutzlose Erinnern wurmte ihn tief. Eine förmliche Erleichterung spurte er darum in sich selber, als das blonde jugendliche Prosessorentöchterchen ihm das erste Wchigesallen wieder in's Herz gelacht halte. Der Diener brachte den Thee. Der Anblick der Zuckerdose erinnerte Bruno Geisler an ein verlorenes Viemevchen, welches er heute Abend der hübschen Lilli in süßester Form zu überreichen die beste Gelegenheit fand. .Gehen Sie doch einmal nach dem Klebcrplatz, in das Geschäft von Ollivier, und lassen Sie sich einen eleganten Karton oder eine Attrappe für eine junge Dame geben, aber gut gefüllt Sehr wohl. Herr Professor!" Geisler trank seine Tasse im Aufund Abschreiten leer. Dabei fiel ihm ein Brief auf seinem Schreibtisch in die Augen. Als er die Handschrift feines Onkels auf dem Kouvert erkannte, erbrach er dasselbe schnell. Nachdem er die einleitenden Zeilen überflogen, las er halblaut vor sich hin: Ich glaube sonach Mit gutem Gewissen in den Ruhestand treten zu können, obne Dir eine sonderliche Schädigung als Erbneffen zuzufügen. Es sind jüngere Kräfte vorhanden, die mich genügend ersetzen werden, insonderheit in Holbenberg, wo. wie ich immer deutlicher suhle, Graf Trachberg eine Hauptfigur aus einem düsteren Kapitel seines Lebens verschwinden sehen möchte. Die Verhältnisse im Schlosse haben sich in der That so verändert, daß sie mir. ein Scheiden von hier erleichtern. .Die Prmzeznn Egloffstem, welche als des Grafen zweite Gattin jetzt in Holdenberg Hof hält und mit einer Souveränität ohnegleichen auf unsereinen herabblickt, verbreitet eine solche Kälte in den einst von einem sonnigschönen, jungen Weibe erwärmten Räumen, daß ich mich in ihrer Nähe höchst unbehaglich fühle. Dem Grafen bin ich unbequem. Er will an seine erste Ehe nicht erinnert sein, vermuthlich, weil er die Scham, -ein solches Opfer, wie es Marie Äntonie brachte, erst herausgefordert und dann angenommen zu haben, nicht völlig abstreiten kann. Zweifellos hat er viel darunter gelitten. Sein Haar ist grau, er sieht alt und müde aus neben seiner anspruchsvollen Frau, welche, wie ich höre, ihm Hoffnung auf einen Stammhalter gibt. Aber er ist und bleibt eine eminente Ar-, beitskraft mit angeborener organisatorischer Begabung. Von der geschiedenen Gräfin Trachberg habe ich keine Spur ausfindig machen können, seit sie dem Bankhaus Karl Georg Fischer die Verwaltung ihres väterlichen Erbtheils entzogen hat. Es wurden ihr nach der Scheidung glänzende Mittel zur Verfügung gestellt, die sie durch meine Hand beziehen sollte, ohne in irgendwelche Berührung mit Trachberg zu gerathen. Als sie damals zu mir kam, schon auf dem Wege zur Bahn, und mir ihren Entschluß mittheilte, versprach sie miY3 in die Hand, in Verbindung mit mir zu bleiden und durch mich zu beziehen, was der Graf für ihren standesgemäßen Unterhalt aussetzen werde. Sie hat nicht Wort gehalten. Trachberg wurmt es innerlich schwer, daß sie von ihm Nichts angenommen hat, daß sie lieber entbehrt. Aber wie mag's der armen Frau ergehen? .Höre, lieber Neffe, zum Schluß noch ein tragikomisches Zusammentreffen, das sich vorgestern zwischen mir und der Baronin Lüttmig abspielte, wobei ich der leidende, sie der überaus aktive Theil war. sie suchte mir zu verheim lichen, daß der Hof und. damit auch die Hofgesellschaft sie gänzlich fallen gelassen schon aus Rücksicht auf die Prinzessin Egloffstein erklärte mir aber, um mich zu tauschen, daß das Be nehmen ihrer Tochter Betty danach angethan sei, ihr den Aufenthalt hier zu verleiden. Die Gräfin treibe ihre Verrücktheit so weit, Eduard Trachberos reizende Villa zum Verkauf zu stellen, da sie nur noch als Vagabundin leben könne und mit diesem wahren Nichts von einem Manne unstet durch die Welt zöge, me lutywelle bitterster Vorwürfe richtete sich darauf gegen den Schwiegersohn, weil er den Gelüsten feiner Gattin nicht rechtzeitig und energisch den Niegel vorgeschoben habe. Auf meine bescheidene Anfrage, warum sie selbst sich denn so kriegsbereit auf die Seite ihrer Tochter gestellt und damit alle Brücken hinter sich verbrannt habe, ging sie nicht ein, sondern fuhr fort, alle Welt anzuklagen, um mir endlich die Bitte vorzutragen, ihr ihr Haus thunlichst günstig verkaufen zu helfen, da sie die Stadt möglichst bald zu verlassen gedenke. Glück auf den Weg! Nach Ostekn beabsichtige ich einen längeren Aufenthalt in Straßburg zu nehmen. Dann erzähle ich Dir alles ausführlicher." . Geisler ließ das Blatt sinken. Die leichre Stimmung, in welche er sich soeben noch versetzt hatte, verließ ihn. Eine Wallung zorniger Ungeduld bemächtigte sich seiner, daß er Marie Antoniens Hand hätte in die seine reißen mögen und fragen: Weshalb diese

Opferung für einen Mann, der nicht werth war. Dich je in die Arme zu schließen geschweige Deiner Liebe werth? Es klopfte. Der Diener trat mit der verlangten Näscherei ein.

Fünfzehn Mark, Herr Professor!" Geisler nickte aleickailtia. in die sem Äuaenblick kümmerten ibn Kindereien, wie Vielliebchen und derlei scherze, blutwenig, und wenn sie zehn Mal einem lustigen blonden Kobold galten. Smokina oder Gehrock für heute Abend, Herr Professor?" Ach ia. richtig! Er mußte noch einmal in die rauhe Witterung hinaus, sich in eine langweilige Theegesellschaft stürzen. Smokina also! Und versuchen Sie die Geschichte da in meiner Mantel-' tasche unterzubringen. Vor allen Bmgen bestellen Sie aber eine Droschle hierher für acht Uhr." Es war eine lange Fahrt, welche Geisler durch das wallende Nebelmeer bis in die Ruprechtsauer Allee, die vornehmste Straße der Stadt, zu unternehmen hatte. Durch das offene Seitenfenster wehte ein schneidend kalte: Wind ihm quer über das Gesicht, er achtete dessen nicht. Die Frage, welche er in vergangenen Jahren sich unzählige Male vorgelegt und welche erst rn letzter Zeit in ihm zum Schweigen aebracht war, kehrte ihm mit erneuter Krast wieder: Wk mag s der armen Frau ergehen?" Und daneben stellte sich eine zweite, beklemmende Frage: Welchen Trost hat sie gefunden?" Er dachte groß von ihrer Charakterstärke wie von ihrem Seelenadel, aber größer als alles war die Versuchung ver Welt. Ihm, dem scharfblickenden Arzt und Vertrauten so vieler Leute hatte sie ihre unermeßliche Kraft und List kundgethan. Der Wagen hielt. Im Flur des Hauses schon tönte Geisler das' murmelnde Stimmgewirr einer zahlreich versammelten Gesellschaft entgegen, zuweilen unterbrochen von einem Heiterkeitsausbruch der Jugend. Und zwar war eine hellklingende Stimme, ein dünner, hoher Mädchensopran, der Führer in diesem Lachwettstreit. Lillis Stimme war unverkennbar. Sie erinnerte Geisler an das Vogelzwitschern mitten im sonnigen Walde, wo der Harzduft alle trüben Gedanken von sorgenvollen Stirnen weht, und ein frohes Vorgefühl sprossenden Glücks selbst in unlustigen Herzen regsam. macht. Als er die Thür öffnete, bewies ihm der bis in's kleinste Eckchcn ausgeräumte Salon der Hausherrin', daß von einem gemüthlichen Theeabend, den man ihn hatte-warten lassen, nicht die Rede war. Durch die lichtgekleidete Damenwelt schlängelien sich Uniformen neben soliden Gehrocken. Den MittelPunkt bildete Lilli. Bei Geislers Eintritt löste sie sich aus dem Kreise ihrer Verehrer und eilte dem Prosen or entgegen. Zu spät, viel zu spät! Der Thee ist schon kalt geworden." Er überreichte ihr das Vielliebchen mit einem schmeichelhaften Citat. Ihr rosiges Puppengesichtchen erglühte. Sie nahm die Gabe hastig m Empfang. Ich danke! O, ich danke!- . Wofür?" fragte er scherzend. Daß ich mir das Vergnügen machen durste. Sie zu überraschen? Nein," sagte sie etwas kokett, aber doch verlegen, daß Sie an mich, an das Vielliebchen gedacht haben." Hatten Sie's vergessen?" fragte tt etwas leiser. Ach vergessen!" Sie spielte mit ihrer blauen Achselschleife. Ich ver aesse doch sa etwas nicht." Sie sehen, Herr Professor," sagte die hinzutretende Hausfrau sehr Xic benswllrdig. daß unser Plauderabend sich etwas ausgedehnt hat." Sie wußte von ihrem Mann, daß Geisler eine glänzende Laufbahn vor sich habe, wenn er den mit so viel Glück eingeschlagenen Weg verfolgte. Ihre mutterlichen Hoffnungen fußten hier auf. Lilli hat nämlich unerwartet Besuch von einigen Pensionssreundmnen be kommen und glaubt, sie so am besten unterhalten zu können." Ja, denken Sie!" fiel Lilli ihrer Mutter lächelnd in die Nede. Wir sind sogar zusammen eingesegnet wor den. Alle vier! Ich war die Jüngste. Ist's nicht drollig?" Daß Sie eingesegnet wurden?" sagte er scherzend. Ach was!" schmollte sie. Also, daß Sie die Jüngste waren? Es kommt allerdings ziemlich oft vor, daß man alter ist als die Anderen. Die Geheimräthin lachte. Wie Sie die Kleine aufziehen! Und sie hat sich doch den ganzen Tag auf die Ueberraschung gefreut, wenn Sie den ausge räumten Salon sehen würden." Wirklich? Dann bitte ich sogleich um Verzeihung, Fräulein Lilli, und um die Gnade, mich den .alteren' drei Da men gütigst vorzustellen." Sie legte mit anmuthiger Wichtig keit ihre Finger in seinen Arm und zog ihn plaudernd vorwärts. Daß bie mir ja schrecklich liebenswürdig sind!" Bin ich denn das, abgesehen von der Schrecklichkeit. nicht immer? Ja, aber heute, heute sollen Sie's ganz besonders sein," sagte sie schelMisch. Meine Freundinnen sind nam lich schrecklich verwöhnte Prinzessinnen. Ueberall werden sie gefeiert. Die bei den Schwestern haben einen. General mm Vater, ibre Kounne einen Land

gerichtspräsidenten da können Sie

denken! Ab wie! Mit Leutnants in eine Reihe treten zu wollen, kommt mir fast wie Vermessenheit vor." Ach Sie!" 3H? blondes Köpfchen boa sich näher zu ihm. Wir haben Sie gestern bei der Putzmacherin vorbeigehen sehen. Und wijjen Sie, was Alma sagte?" . Nein. Aber ich brenne vor Venaju gen, es zu erfahren." ie saate: Der remste Sleafned! Der aus den Nibelungen, wissen Sie!" Sehr schmeichelhaft. Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich zu der Ehre diees Vergleichs komme." Sie zuckte die Achseln. Eaak. Ich will nur. daß Sie heute furchtbar liebenswürdig sind."' Ich werde mir die größte Muhe aeben. Aber zur Vorsorge sagen Sie den Damen doch später, ich machte es wie die u.7:tigen Kinder, die am unliebenspürdigsten sind, wenn Staat mit hnen gemacht werden soll. Wollen Lie?" (Fortsetzung folgt.) Die patriotische Hochzeitsreise. Ein Aachener Blatt berichtet Folgendes über ein .Abenteuer, das jüngst einem Aachener zustieß, der sich mit seiner jungen Frau auf der Hochzeitsreise befand. Das Paar war aus feiner Rheintour bis Frankfurt gekommen. als die junge Frau m einer Zeitung die Nachricht fand, der Kaiser werde am nächsten Tage in Wiesbaden emtreffen. Flugs bat sie ihren Mann, doch mit ihr nach Wiesbaden zu reisen, eine Bitte, die der gefällige Gatte um so lieber zu erfüllen versprach, als auch er den Kaiser noch nie gesehen hatte. Der nächste V!orgenzug führte das Paar von Frankfurt dem Ziel seiner Wünsche entgegen. Kaum jedoch sind beide aus dem Wiesbadener Bahnhof ausgestiegen, als unversehens ein schwarzgekleideter Herr dem jungen Ehemann auf die Schulter tippt und ihm zuflüstert: Bitte, kommen Sie einmal mit mir!" Nanu, was wollen Sie denn von mir?" fragt unfer Freund erstaunt. Das werden Sie schon erfahren!" lautete die Antwort. Es fällt mir aber gar nicht ein, mit Ihnen zu gehen; ich .bm hier, um mit meiner jungen Frau den Kaiser einmal zu sehen, und da wird es Zeit, daß wir uns schleunigst einentPlatz sichern. Wer sind Sie übrigen?" Ich bin Kriminalbeamter und ersuche Sie nochmals dringend, unverzüglich mit mir zu gehen; sonst muß ich Hilfe requiriren, und dann dürfte die Sache doch unangenehm für Sie werden!" erwiderte der Fremde unter Vorzeigung seiner Lgitimation. Als die junge Frau erfährt, daß es sich um die VerHaftung ihres Mannes handelte, bricht sie in Thränen aus und fleht mit dem ganzen Aufgebot ihrer weiblichen Beredtsamkeit den geheimen Diener der heiligen Hermandad an, von ihrem Mann abzulassen, der ein unbcscholtener 'Bürge? Aachens sei, da es sich offenbar um einen Irrthum handeln müsse. Aber selbst die eingehendste Darlegung aller Civilverhältnisse hilft unserem Paare nichts, und wohl oder übel mußten die Beiden mit zur Polizeiwache wandern, wo ihnen bedeutet wurde, so lange in einem kleinen Raume Platz zu nehmen, bis man sich bei der Aachener Polizeibehörde von der Richtigkeit ihrer Angaben überzeugt hätte. Ob nun der Draht von Wiesbaden nach Aachen qerade an diesem Tage über alle Maßen stark benutzt wurde, oder ob die Anfrage Nicht sofort nach Aachen erging genug, es vergingen secks volle Stunden, ehe die Wiesbadener Behörde die gewünschte Auskunft aus Aachen besaß und den ln Haft Befindlichen, denen diese Zeit wie eine Ewigkeit vorkam, und be: denen obendrein Hunger und Durst einen be denklichen Grad erreicht hatten, die schmerzlichst vermißte Freiheit ankündigen ließ. Auf Befragen gab der dienstthuende Kommissär dann dem Ehemanne an, seine Verhaftung fei erfolgt, weil man in ihm einen g ef äh r l i ch e n A n a r ch i st e n vor sich zu haben geglaubt hätte. Als Beweis für diese Möglichkeit zeigte er dem Ehemanne eine Photographie, die nach Aussagen des Ehepaares mit dem Ehemann aber nicht die geringste Aehnlichkeit hatte. Die neueste Wunderkur zeigt ein amerikanischer Chiropodist" in Berlin an, der dort annoncirt, er habe Hühneraugen schon von allen gekrönten Häuptern Europas entfernt." Es ist interessant, zu erfahren. daß alle gekrönten Häupter Europas mit Hühneraugen in die Welt blicken. Gewöhnliche Sterbliche tragen ihre Hühneraugen bekanntlich an den Füßen. Der kleinste Flügel der Neuzeit. Die Hofpianofortefabrik Schiedmaier & Söhne, Stuttgart, hat jüngst einen kleinen Flügel auf den Markt gebracht, der die Beachtung musikalischer Kreise verdient. In einfacher, gediegener Ausführung hat er nur eine Länge von fünf Fuß. Bei so kleinen Dimensionen dem Instrument ganz besondere Tonfülle zu verleihen, war das Hauptstreben der Firma. Dieser kleinste tyzl der Neuzeit," dessen Mechanik und Konstruktion gesetzlich geschützt sind, weist einen kraftvollen fonoren Ton im Baß, eine runde, weiche , Mittellage und einen zarten Diskant auf.

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