Indiana Tribüne, Volume 25, Number 279, Indianapolis, Marion County, 17 July 1902 — Page 7

Jndiana Tridune, 17, Juli VJ02.

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TUcim öu mich ficDft. Nomun von Georg ?irtwZg (Cmmz H Korxxel.) f (Fortsetzung.) " Das darf nicht geschehen!" rief der Justizrath heftig. Solche Gedankenblasen zerstieben schnell vor dem ersten Reueanflug. Von heute auf morgen einen solchen Entschluß zu fassen und durchzuführen, ist Frevel an beiden Betheiligten, ist Vergewaltigung der überlegenden Vernunft. Die Seiten sind glücklicher Weise vorüber, wo man den Zorn der Götter durch Menschenopfer zu versöhnen trachtete. Euer Erlaucht Liebe glaubt sich edelmüthig verpflichtet zu einem Schritt, welcher dem Grafen Trachberg mehr raubt, als alle Prä tensionen der Welt ihm nehmen lönnten einem Schritt, welcher ihn zudem in eine Beleuchtung stellen würde, die nein, nein, die Krone seines Besitzes dürfen Sie nicht in eine Wagschale legen mit dem. was ihrem Werthe nie gleich kommen kann. Das einzige, was er sich selbst erworben hat, darf dem nie weichen, was er als bloßes Erbe übernahm." Der Justizrath hatte mit eindringlicher Wärme gesprochen, ohne das jeweilige Zusammenzucken der Hand zu beachten, welche er fest in der seinen hielt. Das Halbdunkel des Gemaches ließ Marie Antoniens Züge noch deutlich genug erkennen, so daß Geisler die Thränen sah, welche bei seinen letzten Worten über ihre Wangen rollten. Wenn er so dächte" flüsterte sie. Der Justizrath trat einen Schritt zurück. Er fand im Moment kein Wort der Erwiderung. Das Zartgefühl Marie Antoniens trug ihn über dieses peinliche Schweigen hinweg. Jeder erfaßt das Leben von einem anderen Stützpunkt aus," fuhr sie leise, aber mit fester Stimme fort. Jeder bcwerthet es auf andere Weise. Wir thun all?, was wir glauben thun zu müssen ich auch. Aber ich wollte nickt von meinem Platze gehen, ohne Ihnen, der mir vom ersten Augenblick unsere? Bekanntschaft an Sympathie entgegentrug, Lebewohl zu sagen. Sie sollen mich nicht mißverstehen, darum gebe ich Ihnen Wahrheit." Ich werde Ihr Führer sein, Ihr Nathgeber, Ihr Freund," versetzte er. die Unbezwinglichkeit ihres Entschlusses einsehend und nur noch bemüht, ihr den einzuschlagenden Weg zu bahnen. Nun," sagte sie. die letzte Thräne von dl?p Wimpern trocknend, das werden Sie nicht. Ich muß ganz allein mit mir sein. Nichts darf hinüberklingen von dem, was war. Meine Sachen sind bereits auf der Bahn. Luise begleitet mich bis dorthin. Leben Sie wohl, mein Freund!" Er hielt sie mit kräftigem Händedruck fest. In welcher Weise, oder vielmehr welche Verpflichtungen ich meine, wie hoch ist das Kapital oder die Leibrente bemessen worden, womit Ihr Gemahl sich womit er also über Betty Trachbergs Anschlag triumphirt?" fragte Geisler mit verdammender Schärfe. Ich habe Maximilian nicht wiedergesehen seit dem Augenblick, da ich ihm meinen unwiderruflichen Entschluß mittheilte. Als ich nach unserem letzten Gespräch aus langer Ohnmacht erwachte, war e? eines schweren Unglücksfalles halber nach Neudorf gefahren. Ich besitze das Kapital meines Vaters, es ist mein Eigenthum " Das Kapital? Hm, für den ersten Moment mag es genügen, aber ich bitte Euer Erlaucht, mir Vollmacht zu geben, diese wichtige Angelegenheit in Ihrem Interesse regeln zu dürfen. Das wenigstens lassen Sie mich für Sie thun." Er war zum Schreibtisch geeilt, ent- ' zündete eine Kerze, legte einen Bogen Papier zurecht und nahm in seinem Sessel Platz. Euer Erlaucht verzeihen" Hastig schrieb er einige Zeilen nieder. Ich bitte. Ihren Namen jetzt darunter zu setz?' ' sagte er aufstehend und Marie Ar. die Feder hinreichend. Sie bescheinigen nur, daß ich der von Euer Erlaucht erwählte Geschäftsträge: und Bevollmächtigte bin. Sie haben es in der Folge also lediglich mit mir zu thun, nur mit mir." Marie Antonie sah ihn bestürzt an. Ich will kein Geld von Maximilian. Ich bringe kein bezahltes Opfer. Mein Vater würde" Ich bitte Euer Erlaucht dringend," siel Geisler mit tadelnder Ungeduld ein, meiner Lebenserfahrung Gehör zu schenken. Hier handelt es sich um die ernsteste, nackte Wirklichkeit, nicht um Nachklänge und ideale Voraussetzungen. Das Geld, welches Ihr Herr Vater hinterließ, ist kein Vermögen zu nennen,' nur , ein Nothpfennig. Als solcher" Ich hoffe, er wird so lange hinreichcn, als ich kann die Feder jetzt nicht qnsetzen, es ist, als sollte ich mich selbst tief, 'tief in's'Herz schneiden.. Leben Sie wohl, Herr Justizrath!" Sie schlug den Schleier wieder über ihr Ge- . slcht. Und wohin werden Sie jetzt zunächst gehen?" Ich weiß es nicht. Fragen Sie mich nicht." Sie dürfen sich meiner fürsorglichen Obhut nicht entziehen," fagte er gebieterisch. iör den Wea vertretend. Sie

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suchen einen unbekannten Weg mit verbundenen Augen. Versprechen Sie mir, daß, sobald die vernarbende Wunde JhreS Herzens es gestattet, oder sobald die Nothwendige, einer gesicherten Existenz Ihnen . t geworden ist, Sie sich mit Ihrem vertrauen an mich wenven wollen, an keinen sonst." Er hielt ihr die Hand entgegen. Ich verspreche es, wenn die Zeit gekommen sein wird," sagte Marie Antonie leise. Hoffen wir, daß sie bald kommt!" Er drückte ihre Finger an seine Lippen. Hoffen wir " murmelte sie. Dann ging sie aus dem Zimmer.

21. Kapitel. Ueber den sicher See verdünnte sich d:r Frühnebel zu. wolkigen Schleiern, die ein leiser Windhauch vom Wasserspiegel hob und in die frische Morgenluft zerstreute. Aus der jähen Klarheit erhoben sich unter dem Goldflammen der Sonne wie durch einen Zauberschlag die schneefunkelnden Gipfel der Gebirge in blendendem Weiß. Im Westen aber um den waldigen Rücken de5 Ekelberaes. den der Lauf ver ttl vom Bruoernoae nevitcn schadet, hing der flüchtende Nebel noch seine lichten Schleier, unter denen Feld und Wiesen. Obst- und Weingärten. LandHäuser und Villen, vom Seeufer an den Hängen des Albis emporstrebend, ihre wechselreiche Pracht hinbrciteten Natur und Kunst zu wundervoller Einheit verschmolzen. Ten Seequai entlang, wo das Hotel Vaur au Lac seinen palastartigen Bau aufgeführt hat, war zur achten Morgenstunde wie alltäglich eine Frauengestalt, die Mappe unter dem Arm, an der Dampferstation vorüber, die Limmatbrücke hinauf und den Weg zur Universität, gegangen. Ter Wind mochte noch so scharf, die Luft noch so rauh vom See herüber wehen, allnwrgendlich ward der deutschen Gräfin" vom Hotelportier ehrerbietiq die Pforte geöffnet, wenn sie als Hörerin sich in's 5Zolleg begab. Im schwarzen einfachen Tuchkleid, den schmucklosen Filzhut auf dem kurzgeschnittenen Haar, ging Betty Trachberg dieser neuesten Beschäftigung nach, welche, ihrem Gatten unfaßbar, ib? selbst nur ein quälendes Bedürfniß war, Vergangenes in Gegenwärtigem zu vergessen. Wenn sie unter den lauschenden und schreibenden Studenten im Hörsaal saß, und der Vortragende vom Kätheder herab über die Psychologie des Weibes sprach, dann zuckte wohl um ihre Lippen ein herbes Spottlächeln ob all' der schön durchdachten Klassifikationen fraulicher Seelenthätigkeit, und sie blickte im Saal umher, ob unter allen Anwesenden wohl einer thöricht genug sein könne, solcher Professorenweisheit Lehrgeld zu entrichten. Und wie sie es dachte, erstarrten ihre Augen in der Gedankenlast, die sich immer von Neuem über sie hinwälzte. Die Zeiten waren lange vorüber, wo Betty Trachberg sich ihrer Wonne in Maximilians Armen entsann, längst verhallt auch die letzte Klage über ihre hingeopferte Schönheit. Nur ein Ziel kannte sie noch. Es war nahezu erreicht. Bereits hatte sie in grausamer Freude den Vater an der leeren Wiege seines Erben trauern sehen, ihrem Rachegelüst und ihrem Hasse war die Vorsehung selbst zu Hilfe gekommen. Votty Trachberg athmete rascher. Die Stimme des Redners hatte sie aufgcschreckt. Er sprach außerordentlich eindrucksvoll von der Beobachtung aller krankhaften Veränderungen des Bewußtseins durch äußere und innere Urfachen, nur die eine, die allerverderblichste Ursache, erwähnte er nicht; wenn ein Weib ihre Liebe dem Manne zu Füßen wirft und er. ihrer Verzweiflung fpottend, sein Herz einer Anderen schenkt. Vettys Blicke schweiften scheu zu beiden Seiten, ob Jemand durch ihre Wangenblässe hindurch den schwarzen Flecken in ihrer Seele gewahre. Aber Niemand achtete ihrer. Die kleine saloppe Russin mit dem verwilderten Haar fand zweifellos das Leben deshalb nicht unschöner, weil es Sumpfblumen trug. Und das hagere Mädchen zu ihrer Linken mit den sorgenvollen Zügen, das Bild freudloser Jugend, wußte nichts von Liebeslusi und Liebesleid. Betty hörte Fußscharren um sich her. Das Kolleg war zu Ende. Sie schlug ihr Heft rasch zusammen, dem großen Strom zuvorzukommen, und eilte die Treppe hinunter in's Freie. Die jammervolle Heuchlerrolle, welche sie ihrem gedankenlosen Manne gegenüber spielte und spielen mußte, bis das Ziel ihres Vernichtungkampfes erreicht war, flößte ihr Ekel vor sich selbst ein. Mancher Vorübergehende heftete den Blick .neugierig auf die vornehme Hltung und den bedeutungsvollen Eharakterkopf der Gräfin. Sie achtete nicht auf die Außenwelt. Der Portier riß die Thür weit auf. Die deutsche Gräfin streute ja Gold mit vollen Händen um sich. Die Kammerfrau hatte kaum Hut und Handschuhe an sich genommen, als Eduard Trachberg bereüs im Rahmen des Vorhanges erschien. Die frische Lebendigkeit seines Wesens hatte starke Einbuße erlitten durch die Seelenpein der letzten Monate, Mißbehagen und Reue hatten in seinem hübschen, unbedeutenden Gesicht ihre

alternden Runen gezogen. Bei ihttmcrvt.

Anblick aber ging ein. frohes Aufleuchten über seine Züge. Endlich bist Du da!" Er umfaßte sie und iüßte sie auf Stirn und Wange. Du hast heute Nacht wunderlich im Schlaf gesprochen," sagte sie, sich frei machend. Seit wann träumst Du so lebhaft?" - Ich " er stockte wie ein Knabe, der seines Verweises sicher ist war in Holdenberg." - Sie lachte herb auf. Also bei Dir. Denn Holdenberg ist jetzt Dein Besitz." Er strich sich über die blonden Haare. Betty," sagte er leise im Tone der Entschuldig'lng, Maximilian sah mich kommen plötzlich riß er das Fenster auf und rief, daß es weithin durch die Umgegend schallte: Dieb! Seht den Dieb!" Jetzt lachteie laut. So! Und Du? Was thatest Du? Hoffentlich zeigtest Du ihm den Querbalken auf seinem Wappenschild?" Ich? Ich glaube, ich lief davon. Mir war's, als verfolgte man mich" Bravo!" fa;tc sie spöttisch. So gut Hai er Dich erzogen, daß Du selbst im Schlaf nicht aus der Botmäßigkeit berauskommst." Sie ging einige Mal schweigend durch's Zimmer, dann blieb sie vor ihm stehen. Wirst Du Dich nie auf die gleiche Stufe stellen lernen mit ihm? Wirst Duswig fortfahren. Dich wie ein falscher Prätendent verborgen zu halten, während der thatsächliche Usurpator den Samen der Verleumdung überall ausstreut gegen Dich?" Nein, nein," sagte er hastig. Aber die Schicksalsschläge " Wer hat ihm und der geborenen Brissct das natürliche Mitgefühl entziehen wollen? Aber hier handelt es sich nicht um Gefühle, sondern um Thatsachen. Träte er freiwillig sein verwirktes Recht an Dich ab, das wäre Seelcngröße eine Bethätigung dessen, was Du ihm grundlos andichtest: Seelenadel!" Ganz recht," sagte er und fühlte gleichwohl die ihm aufgezwungene Rolle dieses Familiendramas wie einen Mühlstein auf sich lasten. Ich hätte allerdings vermuthet, daß er" ' Es klopfte. Der Kammerdiener brachte die Morgenpost herein. Erleichtert wandte sich Eduard Trachberg dem Tische zu. Briefe?." fragte Vctty gleichgiltig. Ihr Gatte nickte, indem er ein ziemlich umfangreiches Schreiben erbrach. Von Mama! Darf ich vorlesen?" Sie zuckte die Achseln, aber ihrem Grundsatz gemäß, in kleinen Dingen seinem Willen gefügig zu sein, setzte sie sich in lauschender Stellung an's Fenster. So lies, bitte!" Er stellte sich an ihre Seite, die Eingangsworte stumm überfliegend, bevor er laut fortfuhr: gebe ich mir nicht mehr die Mühe, Bettys Schweigen zu tadeln. Von ihrer Rücksicht auf meine mütterlichen Gefühle für Euch darf ich mir nichts versprechen, aber Anspruch auf Dankbarkeit mache ich denn doch insoweit, als ich die Märtyrerin bin zu Eurem Nutzen. Die Oberhofmeisterin hat ihren ersten Theeabend ohne mich gegeben. Das sagt viel das sagt alles. Die abscheuliche Kranzgeschichte macht noch immer die Runde. Wenn Jemand, so gönne ich den beiden hochmüthigen Menschen in Holdenberg eine kräftige Lektion. Dort wird übrigens schon gepackt, höre ich. Den heimtückischen Justizrath, der so schön zu liebedienern weiß, laß nur gleich bei Deiner Ankunft gehörig abfallen, lieber Edi. Er geht jetzt darauf aus. Euch möglichst viel Schwierigkeiten in. Betreff der kostbaren Einrichtung zu machen. Euer Anwalt soll, wie ich höre, stark auf der Hut vor dem alten Fuchs sein. Einen leichten Stand werdet Ihr hier vorerst nicht haben, aber kommt nur sobald als möglich. Wir Drei zusammen wenden den einstigen Halbgott schon vergessen machen. Und wenn Betty sich nur etwas pflegt und besser in Toilette hält, wird sie wieder eine

sehr gute Figur machen trotz der weichlichen Schönheit des Kammerdicnersprößlings." Die bleiche Frau im Fenstersessel zuckte zusammen. Noch nicht fertig?" Gleich! Es ist doch ganz interessant, über die jeweiligen Zustände daheim orientirt zu sein," sagte Eduard Trachberg nahezu demüthig. Die Unsicherheit" Unsicherheit?" fragte sie. sich mit Würde aufrichtend. Auf wessen Seite vermuthest Du sie? Auf der Deinen doch nicht? Wir werden fortfahren zu thun, was uns beliebt. Zu fragen haben wir Keinen. So steht's und nicht anders." Er streifte ihr bleiches Antlitz mit bewunderndem Blick. Endlich fragte er zaudernd: Willst Du wirklich zurück? Ich meine nach Holdenberg?" Ihre blauen Augen strahlten einen magischen Blick auf ihn. Ob wir zurück wollen zu unserer Pflicht? Ich meine, dise Frage beantwortet sich von selbst. Wenn Du nicht den Muth hast, thatsächlich von Deinem Besitzthum Besitz zu nehmen, so wäre die Mühe, die ich nur für Dein Recht gab, besser unterblieben. Wir werden zu beweisen haben, daß die Glanzzeit Eures Hauses nicht im Erlöschen, sondern in der Zunahme ist. Wir werden durch das Distelgestrüpp des Neides und des Uebelwollens schreiten, um es zu zertreten. Wir werden sogenannte Sympathien und Antipathien verachten. Wir weiden die Stellunq einnehmen. die wir uns geben, nicht die man uns

Aber wenn man höchsten Ortes eingenommen gegen uns bleibt, wie Mamas Brief es befürchten läßt? Wenn die Gegenströmung stärker wird statt schwächer in Folge einer ungnädigen Beurtheilung der Verhältnisse seitens des Großherzogs? Wenn" Wenn!" sagte sie achselzuckend und mit verächtlichem Lächeln. Wenn! Was bewiese dies anderes, als daß selbst die Gerechtigkeit sich verschiedene Anschauungen gefallen lassen muß. Bist Du benöthigt, huldreich behandelt zu -werden? Die Hofschranzen laß zittern vor einem Augenbraucnzucken des Fürsten; Du stehst auf dem Boden des Gesetzes, auf dem Boden des Rechts. Du bedarfst keiner Gnade." Er nahm ihre Hand und küßte sie. Wäre ich doch wie Du" Sie zuckte , leicht zusammen. Du leidest, öfter an närrischen Wünschen." Er mchie. Aver Mama icyeint wirklich' schlecht behandelt zu werden um unseretwillen." Ihre Schuld!" sagte sie kurz. Weshalb mischte sie sich in diesen Fall, ohne zu bedenken, daß sie, sie ganz allein, die Urheberin dieser Tragödie ist. Wahrhaftig" Bettys Nasenflügel zitterten leifi wäre t an jenem ersten 'I?!orgen meiner vorahnenden Warnung zugänglich gewesen in ihrer maßlosen Eitelkeit, ja, 1,'ire ihr auch nur einmal im Laufe der folgenden Wochen ein Verständniß aufgegangen für die Folgen, die ihr 5hun für ihren Schützling, für uns alle haben werde, wir ständen heute nicht -so nicht so " Verständnißlos für ihren Seelenzustand legte er scherzend den Arm um ihre Schulter. Ein bischen Mitleid hast Du doch mit ihr." Nein," sagte sie schroff. Weder mit ihr, noch fönst mit Jemand. Mitleid ist die gangbare Maske für moralische Schwachen. Sie mag kleidsam sein, ich ich habe immer einen Widerwillen gegen Maskeraden gehabt. Was steht sonst noch inMamas Brief?" Die Bitte, Tag und Stunde unserer Ankunft vorher genau anzugeben. Und hier noch eine Nachschrift:' ,Es verlautet mit Bestimmtheit, daß -Maximi-lians Privatvermögen für einen so großartigen Herrn mehr als gering sei. Da werden ihm die hohen Flötentöne also allmälig wohl ausgehen. Ihr müßt das ja wissen.' " Eduard Trachberg konnte sich einer aufsteigenden Schamröthe nicht erwehrcn. Die Pfeiler und Tragbalken, auf welche sein Vorgehen sich stützte, schwankten Wieder wie papierene Säulen, jeden Augenblick drohten sie einzustürzen. Der Glaube an sein reines Gewissen fehlte. Seine Ueberzeugung war Furcht, fein Rechtsbedürfniß Zwang. Ich sehe. Du willst ihm etwas anbieten," sagte Betty ruhig. Thu's nicht, ich rathe Dir gut." Es bleibt eine elende Geschichte," murmelte er, zerriß Frau v. Lüttmigs Brief in kleine Fetzen und verließ das Zimmer. Sie sah ihm starren Blickes nach. Was wußte der Strohmann ihres Handelns, die Marionette ihres Willens, jetzt schon von Elend! Diese Erkenntniß behielt sie ihm noch vor, wenn er den Besitz von Holdenberg angetreten haben würde. Wie er dann dastehen würde vor seinem hinterlistig errafften Recht, das er nicht wieder loswerden konnte, dastehen mit seiner blindgläubigen Liebe vor ihr, die ihn gleich einer ausgepreßten Frucht von sich warf und fortging weit, weit, dahin, wo kein Mensch mehr die Schauer seines Gewissens fühlt. , Es war ihr unmöglich, ihn jetzt lächelnd zurückkommen zu sehen. Sie ließ sich hastig umkleiden und verließ den Gasthof. ' Am Gestade des im Lufihauch plätschernden Sees schritt sie gedankenverfolgt dahin. Nicht eine Sekunde lang vermochte sie ihre Phantasie anderen Bildern zuzuwenden als diesem: Marie Antonie an Maximilians Seite Schloß Holdenberg verlassend., Sie mußte unaufhörlich darüber nachgrübeln, ob Maximilians Liebe zu seiner Frau nunmehr tiefere Wurzeln schlagen werde. Ob er dahin gelangen könne, wohin sie in jener verzweiflungsvollen Abendstunde ihn führen wollte, zu rufen: Was ist mir die Welt, gehörst Du mir!" Wozu dann das ganze ungeheure Opfer ihres Lebens, wenn es ihm nur

dazu verhalf, diese Spanne Zeit zu segnen? Ein kaltes Grauen packte sie. Wenn das ihr letzter Gedanke sein sollte, wenn sie als Stümperin sich erwies, statt als Meisterin, und sich beschämt hinausschlich aus dem Leben, statt erhobenen Hauptes hinauszuschreiten, mit festem Griff die Pforte hinter sich schließend. Sie machte mechanisch Halt. Stundenweit war sie einsam fortgeschritten. Der rothglühende Sonnenball, der auch ihr blasses Antlitz mit Farbe überstrahlte, stand längst nicht mehr in Mittagshöhe. Tieser neigte er sich den Bergkuppen zu, über welche ein scharfer Abendwind heranwehte. Betty Trachberg wandte sich zur Rückkehr. Aber den Gedankenfurien, die sie verfolgten, entrann sie nicht; noch die Stufen der Gasthofstreppe stieg sie wie geistesabwesend empor. Sie merkte es nicht, daß sie statt in den ersten, in den zweiten Stock gerieth. Ganz in Gedanken öffnete sie die Thür, die sie für jene ihres Zimmers hielt, und trat hastig ein. Aufgeschreckt erhob sich eine schwarz, gekleidete Frauengestalt vom Sopha. Ihre und Bettvs Blicke sanken inein-

ander. .Dann schritt Betty, ungläubig, durch 'die Zimmerverwechslung verwirrt, starren Blickes vorwärts, jeden Augenblick erwartend, daß sich der Anblick als eine Wahnvorstellung enthülle. Endlich stieß sie rauh hervor: Marie Antonie Du hier?" Die Angeredete stand da wie gelähmt ein Marmorbild von so wunderbarerer Schönheit, daß selbst Betty Trachberg sich ergriffen fühlte. Was thust Du hier-?" stieß sie abermalsrauh hervor. Wußtet Ihr, daß wir von hier aus heimkehren wollten? Seid Ihr mit Absicht hierhergegangen? Sprich! Ich will wissen, weshalb Ihr hier, gerade hier seid? Konntet Ihr nicht warten, bis wir dieses Hotel verlassen hatten?" Marie Antonie versuchte es, die Hand zu heben und nach der Thür zu weisen, aber ihre Glieder waren durch diese unerhörte Begegnung förmlich schreckgelähmt. Geh!" brachte sie endlich mühsam hervor. (Fortsetzung folgt.)

A!lZ?rankfurt.r lne.'oetcn veröffentlicht die Frankfurter Zeiturg." Wir entnehmen der Sammlung folgende: Ein Original, Her: N., der stets optimistisch an der Börse spckulirte. Es war in der Zeit, wo er wieder einmal in die Höhe gekommen war, nachdem er sich schon ungefähr fünf Mal Millionen erworben und sie immer wieder ebenso schnell verloren hatte. So war er allmählich vorsichtigcr geworden, und n'hm sich auch einen Kompagnon, der aber ebenso gern spckulirte. wie er selbst. Kaufte dann der Kompagnon a la Hausse, so spckulirte N. auf Baisse, spekulirte der andere a la Baisse, so kaufte er auf Hausse. Als man ihn einmal fragte, weshalb er stets so merkwürdig handele. antwortete er: No. so geht doch wenigstens nir verlorn!" Eben dieser Herr N. machte viele Reisen, und von ihnen werden die schönsten Anekdoten erzählt, besonders darüber, wie Herr N. oft zu den gelungensten Mißverständnissen kam, da er die fremden Sprachen nicht besondcrs beherrschte. (Ich hab' nct franzecsisch studirt," pflegte er zu sagen, wenn man ihn wegen seiner eigenthümlichen Aussprache interpellirte.) Als er zum ersten Male in Paris war, wollte er auch einmal in einem Cafe den Chartreuse-Llqueur. von dem man ihm viel erzählt hatte, versuchen, und begab sich zu diesem Behufe schon Morgens in aller Frühe dorthin. Als er bestellt hatte, fragte ihn der Kellner: Jaune ou vert?" Schon," sagte da ganz aufgebracht Herr N., des geht Sie nix an, und da hawwc Sie Imwerhaupt nix zu sage, und sich da enci zu mische, und wer? Nadierlich ich!" Ein ander Mal hatte er in einem Restaurant für 60 Centimes verzehrt. Als er zahlen wollte, gab er dem Kellner einen Franc und sagte Qnorante wieder!" Schleunigst brachte der Kellner. der den Herrn schon als etwas exzentrisch kennen gelernt hatte, das Bestellte: Voici les quarantc huitres. . ." Gewöhnlich sprach Herr N.. wie schon angedeutet, nicht das reinste Hochdeutsch, und wenn er z. B. aus dem Theater kam, rief er seinem Kutscher nur zu: Johann, haam!" Das genügte schon. Eines Abends fuhr er nun nicht allein nach Hause, und, um sich seiner Gesellschaft gegenüber in allen Stücken von der feinsten Seite zu zeigen, rief er: - Johann, nach Hause!" Doch Johann, auch echter Frankfurter, verstand das außergcwöhnliche Hochdeutsch seines Herrn falsch und fuhr ihn sammt seiner Begleitung nach Hausen (bei Frankfurt). Schließlich klarte sich dann der Irrthum auf und Herr N. wurde doch noch glücklich haam" gebracht. In den vierziger Jahren gastirte eine englische Truppe im Frankfurter Schauspielhaus und in irgend einem Stück hatte der zärtliche. Liebhaber zu seiner Angebeteten zu sagen: Fou are tbe flower of the flowers." Im selben Augenblick ertönte vomOlymp eine Stimme: Vattcr, der is aber noch flauer wie wir." Es war nämlich gcrade eine sehr matte Börse gewesen. Ein wegen seines originellen Witzes bekannter Makler glaubte, daß man iyni an der Hat eines bekannten Bankhauses ohne, hinreichenden Grund einen Tag Zinsen gekürzt habe, und beschwerte sich darüber beim Chef der Firma mit den Worten: Ihnen, Herr Baron, braucht es doch auf die paar Kreuzer nicht anzukommen." Dieser meinte jedoch kühl: Wer den Heller nicht ehrt, ist desThalers nicht werth." worauf der MaUer schlagfertig erwiderte: Meine Heller brauchen Sie nicht zu ehren, Herr Baron!" Ein anderer Finanzmann erhielt an der Börse die telegraphische Nachrief , daß seine Schwiegermutter plötzlich 'gstorben sei. Er eilte sofort nachHause, um seine Gattin so schonendals möglich auf den Trauerfall vorzubereiten, und fand diese nichtsahnend am Klavier sitzen. Da rief er empört aus: Wie kann 'e Mensch Klavier spiele, wenn em sei. Mutter ebbe gcstorbe is!" Ein tüclltiger Junge. Ä.: Ihr Sohn heirathet ja eine Frau, die fünfzigtausend Mark mitkriegt!" M u t t e r : Jawohl! Hab' ich's nicht immer gesagt, aus dem Jungen wird noch was?".

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