Indiana Tribüne, Volume 25, Number 278, Indianapolis, Marion County, 16 July 1902 — Page 7
Jndiana Tridnne, 16. Juli IVOS.
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UJcnn im mich RcOsf-
tan von Georg Hartwig (Cmmn Korpxel.) (Fortsttzunz.) " Marie Antome nickte, ste yorte kaum diese gedämpft gesprochenen Worte, so brauste es ihr ihr vor den Ohren. 3 meinem und der Großherzogin höchstem Mißfallen fuhr der hohe Herr lauter fort, horte ich, daß auch die Baronin Lüttmig Ihnen und Ihrem Gemahl gegenüber jene derwandtschaftliche Theilnahme außer Acht läßt, welche einem Frauenherzen doppelt wohl ansteht." Marie Antowe nickte wieder. Was war ihr gleichgültiger in diesem Augenblick, als die Theilnahme oder Nichttheilnahme einer gemüth- und charakterloien Eaoistin! Sie sehen, meine tyeuerite (Vrastn," sagte der Fürst, das geneigte Antlitz der jungen Frau besorgt betrachtend, Sie seben, daß von unsere? Seite alles geschah, Ihrem und Trachbergs Kummer gerecht zu werden. Was nun könnte ich mehr thun nach Ihrem Wunsche?" MarieAntonie richtete mit zitternden Wimpern die Augen auf sein gütiges Gesicht. Ich bitte Eure Königliche Hoheil," begann sie mit stockender Stimme, welche nach und nach an Festigkeit gefcaim, innigst bitte ich Eure Königliche Hoheit, zu glauben, daß ich dieser Stunde unter den heißesten Seelenkämpfen entgegengegangen bin. Aber die Ueberzeugung ist in mir fest geworden, daß Gott selbst mir die Weisung gab, zu handeln, wie ich handeln will. Er nahm unser Kind zu sich " Meine liebe Gräfin, Sie regen sich zu seh? auf," unterbrach sie der Fürst. Als ich Maximilians Frau ward," fuhr si: mit liefbewegter Stimme fort, ihre Hände fester ineinanderfaltend, hatte ich nur den einen Wunsch, ihn glücklich zu machen. Sein Glück war mein Glück und sollte es bleiben. Diesem Wunsche, Königliche Hoheit, bin ich treu geblieben. Die Stürme, welche seit Jahresfrist über mein Herz hinbrausten, haben nur dazu gedient, ihn zu befestigen." Sie drückte die gefalteten Hände gegen ihre Stirn im Uebermaß des Schmerzes, dem sie zu erliegen fürchtete. Ich weiß,Maximilian würde das Stück Brod, welches ihn vom Hungertod retten könnte, wortlos an mich abgeben." Nun also, meine theuerste Gräfin! Aber diese Sache steht anders. Hier bin ich es, die ihm die Möglichkeit entzieht, ein befriedigendes, thätiges, allgemein nützliches Dasein zu führen. Meine Anschauungen von irdischem Glück vermögen sein Leben nicht auszufüllen. Bis in die Wurzel verletzt, muß der stärksieBaum vorzeitig welken. Und das Aufgeben seiner Geburtsvorrechte, der Austritt aus einem festgefügten Wirkungskreise, das Hinabsteigen in ein selbst pekuniär beschränktes Dasein " sie brach ab und preßte die Lippen aufeinander. Sie sehen zu schwarz, liebste Grusin" So glaubte ich selbst. Königliche Hoheit, aber eZ war ein Irrthum. Jetzt weiß ich es Maximilian darf seinen Platz nicht verlassen, der Bosheit und Rachsucht darf er nicht weichen, es sei denn, daß man ihn langsam sich zu Grunde richten lassen will." Wo aber ein Mittel finden, ein mögliches, anwendbares Mittel, dem bestehenden Recht die Spitze abzubrechen?" rief der Sroßherzog lebhaft. Ich habe es gefunden." flüsterteMaric Antome ihre dunklen Augen fest auf ihn heftend. In mir habe ich es gefunden. Ich selbst bin das Mittel" Sie, meine theuerste Gräfin? Ja, gerade um Ihretwillen muß Trachberg ja" er brach ab. Wenn ich meinen Rechten als Maximilians Gattin entsage, so ist er gerettet." Der Großherzog sprang vor Ueberraschung von seinem Sessel auf. Demzufolge that Marie Antonie ein Gleiches. Er nahm aber ihre Hand und drückte sie wieder auf ihren Platz nieder. Sie überraschten mich zu sehr, Gräfin. Dieser Gedanke übermannt mich. Lassen Sie mich die Großherzogin herbeirufen. Sie ist ein besserer Anwalt in dieser Sache als ich." Er verlaß eilig das Zimmer. -Leben ohne ihn, ausgesöscht ach, wie bald! aus seinem Herzen, wenn vielleicht auch nicht so schnell aus seinem Gedächtniß! Alles in Trümmer gefalIen, waS ihrem Kinderglauben für die Ewigkeit gefestet schien. Allein fortan, ganz allein, ohne Gatten, ohne Kind, ohne Vater! Die Tapetenthür that sich auf. Vor dem Großherzog her eilte die Großherzogin auf Marie Antonie zu, ihr kaum Zeit gönnend, sich zu erheben, und küßte sie innig auf die Stirn und Wange. . Ich hörte, ich hörte bereits! Armes, tbeures Kind! Weiß Trachberg um Ihr Vorhaben?" Nein, Königliche Hoheit. Ich wollte Seiner Königlichen Hoheit zuvor darlegen, daß dieser Gedanke, diese einzige Möglichkeit, seine Rechte -zu wahren, nur aus mir entsprungen ist. Mazimilian würde eher alles schweigend ertra'gen, als mir diesen Gedanken auch nur nahe legen. Ich allein durfte ihn fassen. Ich bitte Eure Königliche Hoheiten, daß cstm ibn nie nie ein Vorwurf "
" Die Stimme versagte ihr. Sie schluchzte auf, ohne Thränen zu finden. Und wenn Sie Ihrem Gatten theurer wären als das, was man ihm nehmen will?" fragte die Fürstin seh? weich.' Es zog ihr ein Ahnen durch die Seele, daß auch ihr Gemahl, in einem Zwiespalt zwischen Weib und Strcne. die Krone unersetzlicher gefunden haben würde als das Weib. In Verständnißvollem Mitgefühl schloß sie Marie An tonie in die Arme. Vielleicht haben Sie das Richtige getroffen. Wer vermag es zu sagen? Das Opfer ist so groß, so heldenmütig groß" Ich bringe es ihm lieber, als täglich Z?uge seines nagenden Grams und vorzeitigen Verfalls zu sein." sagte Marie Antonie. die Hand der Fürstin dankbar an ihre Lippen drückend. Sie fühlte sowohl heraus, daß der Eroßh:r50g nach der ersten Ueberrasch:mg cm Fall bereits in Erwägung zog. Und noch etwas kühlte sie heraus. nämlich, daß ihres Vaters damaliger Empfang bei Hofe, die Auszeichnung. mit welcher seinem Namen und Stamm caurn oegeanet waro, tn ven yoyen Herrschaften das unangenehme Gefühl erwecken mußte, gleichfalls getäuscht zu sein. Im Grunde mußte ihrer Sympathie das Haus Trachberg unendlich viel näher stehen als sie, die Abkömmlingin eines Kammerdieners. Uebereilen Sie nichts. Gräfin!" Je schneller die Thatsache bekannt gegeben wird, desto besser wird es sein," sagte Marie Antonie, von Neuem fast erstickt von ihrem Herzklopfen., Ein längeres Zögern würde mich um den Verstand bringen Ich bitte Eure Königliche Hoheit, mich zu unterstützen bei Trennung unserer Ehe Maximilian Ihre volle Gnade zu bewahren und mir zu gestatten,meinenMädchennamen wieder anzunehmen, damit nichts von dem kurzen Traum zu mir hinüberklingt." Sie drückte i?zre Hände gegen das Antlitz, faßte sich aber und stand frei aufgerichtet da. Das sind die Bitten, welche ich EurerKöniglichen Hoheit vortragen wollte, bevor ich mit Maximilian spreche." Eine solcheFrau soll er verlieren " sagte die Großherzogin bedauernd. Die Zeit wird kommen, wo Maximilian es mir Tank weiß, das rechte Mittel ergriffen zu haben. Ein tiefer, schmerzlicher Schnitt ist besser als ein fortgesetztes unheilbares Siechthum. Wenn ich mich jetzt auch zu verlieren drohe in meinem Schmerz, ich werde mich wiederfinden." So unabänderlich ist Ihr Entschluß?" Ich würde eher freiwillig aus dem Leben gehen, als ihn aufgeben. Ich habe nur diese beiden Mittel " Gott verhüte es, Sie in Verzweiflung zu treiben!", rief die Grohherzogm, auch ihrerseits die praktische Seite dieser Lösung erwägend. Nur thun Sie nichts, was Sie dereinst mit Reue erfüllen könnte." Ich kann nicht glauben, daß man Unrecht thut, wenn man sich freiwillig opfert, damit einem Anderen geholfen werde," versetzte Marie Antonie mit unbewußter Hoheit und fester Stimme. Theuerste Gräfin," rief, die hohe Frau. Marie Antonie an ihre Vrust drückend, Sie verwirren meine Empfindungen. Ich sollte tadeln und doch fühle ich mich überwältigt. Möge Gott Ihre Stütze sein! Möge er Ihre HochHerzigkeit belohnen! Wodurch? Ich weiß es nicht, aber ich will es für Sie erbitten." Damit küßte sie Marie Antoniens Wangen mit mütterlicher Innigkeit. Da Ihr Entschluß unerschütterlich ist," nahm der Großherzog jetzt wieder das Wort, so will ich ihn in Erwägung ziehen. Jedenfalls halten Sie sich meiner wärmsten Antheilnahme dersichert und meiner bewundernden Hochachtung. Jeder Ihrer Wünsche ist selbstverständlich erfüllt. Wir werden es zudem für unsere Pflicht halten, Trachberg über den großen Verlust zu trösten, soweit es in unserer Macht liegt." Er nahm Marie AntonienS Hand und führte sie an die , Lippen. Gott mit Ihnen, Gräfin!" Draußen in der frischen Luft ward ihr zu Muth, als habe sie soeben einen schweren Traum durchträumt zwischen den gedämvften Farbentönen jenes fürstlichen Zimmers. Da fiel ihr Blick auf den harrenden Wagen, und mit doppelter Gewalt kehrte die Beklemmung zurück. Welch einer Stunde ging sie entge-, gen! Sie saß weltvergessen und starr hinausblickend, als wollte sie die Schleier der Zukunft mit ihren leiblichen Augen durchgingen. Als der Wagen hielt und der Diener den Schlag öffnete, fuhr sie erschreckt auf. Schon daheim!" In der Halle des Schlosses kam es über sie wie eine Vision. Mitten durch das farbige Sonnengefunke!, welches den Raum erfüllte, sah sie die Gestalt der Prinzessin Egloffstein schreiten, das blonde Haar mit denselben Brillantster nen geschmückt, die sie selbst getragen hatte. War's ihre Nachfolgerin, die sie gesehen? " Marie Antonie sank in einen Sessel nieder, indeß die Kammerfrau mit stärkenden Essenzen um sie bemüht war und sie der Last des Mantels und Hutes entledigte. Soll ich Seine Erlaucht rufen?" Nein!" Sie überwand auch diese letzte Schwäche, stand - auf und winkte der Kammerfrau, sich zurückzuziehen.
Als sie allein war, preßte, sie die Hände noch einmal fest gegen die zitternden Lippen, ging dann langsam nach derThür zumArbeitszimmer ihres Gatten, öffnete sie und trat ein. Trachberg saß am Schreibtisch mit einer Durchsicht der Bücher beschäftigt, welche ihm der Rentmeister soeben zur Unterschrift vorgelegt Er bemerkte Marie Antoniens Eintritt nicht. Erst als ihr Kleidersaum leise über den Tep pich rauschte, blickte er überrascht auf. Du bist's!" Die Frage lag darin verborgen: Was willst Du? Eine Besprechung," sagte sie nähertretend. Er erhob sich. Der Ton ihrer sanften Stimme übte eine eigenthümlich zwingende Gewalt aus. Komm hierber! Du wirst hier am bequemsten sitzen." Er hatte einen Sessel neben seinen Arbeitssiuhl gerollt. Ich suche nicht Bequemlichkeit," flüsterte sie, sein Auge vermeidend, nichts suche ich als eine Möglichkeit. Dir das Schlimmste zu ersparen." eetnr 'Sttrn rurcrne nq. u tyuil es, wenn Du es mir nicht durch Klagen erschwerst." Sie achtete dieses Einwandes nicht. Beide Hände auf die Sessellehne gestützt stand sie, nach den ersten Worten suchend, während Röthe und Blässe ihr reizendes Gesicht abwechselnd überflogen. Denke stets daran, daß Du eine Debellaire. bist!" Der 5)chn dieser Mahnung erweckte ihren Muth aus aller ein-.' schläfernden Unschlüssigkeit. Maximilian." sagte sie, ihre dunklen Augen mit verschleiertem Schmerz zu ihm erhebend, ich glaube Dir nie Gelegenheit gegeben zu haben, an meiner Liebe zu zweifeln. Mit meinem Willen gab ich Dir auch nie Grund, gering von de? Kraft dieser Liebe zu denken. Daß sie Dir in mancher Art nicht genügte, in mancher Dich belästigte " Wenn Dir meine wiederholte Bitte, dieses Thema unberührt zu lassen " fiel Trachberg gereizt ein. Habe Geduld!" sagte sie mit ernster Würde. Ich kann Dir und mir diese Erinnerungen nicht ersparen, aber ich will sie abkürzen um Deinetwillen." Der Ton, in welchem diese Worte gesprochen waren, überraschte ihn auf's Neue. Er sah sie forschend an. Ich weiß nicht, was Du auf diese Weise einleiten willst, bitte Dich aber, auf oft besprochene Dinge ohne Noth nicht zurückzukommen. Es führt wirklich zu nichts." Doch, es führt "zu etwas. Es ist mein heißester Wunsch, daß diese Stunde Dich zurückführe zum Vollgenuß Deiner Rechte, zum Vollbesitz des Dir überkommenen Erbes. Das Majorat wird Dir Niemand mehr streitig machen." Er hatie den Arm auf den Tisch gestützt und sie unverwandt angeblickt.das Räthselhafte in ihrem Wesen und ihren Worten zu errathen. Was heißt das?" fragte er nicht ohne Bitterkeit. Sollen wir eineFälschung begehen? Oder einen Mörder dingen? Sonst wüßte ich nicht" Allmälig fand sie in sich die Kraft, den Blick frei zu erheben. Daß ich von Dir nicht mißverstanden werden kann, dafür bürgt mein ganzes Leben an Deiner Seite. Ich könnte allerdings in dieser schmerzlichsten Stunde so manche bittere Enttäuschung, so manche demüthigende Zurückweisung " sie brach ab. Verzeih! Du konntest nicht anders, ich weiß es. Dein Herz ist nicht wie das meine, denn wäre es ihm auch nur um ein Weniges ähnlicher, wir ständen uns nicht so o, nicht so jetzt gegenüber!" An ihren eigenen Worten wuchs ihre Haltung empor, als sie nun fortfuhr: Aber weil Dein Herz nicht fühlt wie das meine, kann ich das Opfer, das Du mir bringen müßtest, nicht annehmen " Marie Antonie!" Nicht annehmen um Deinetwillen, wie um meinetwillen nicht. So ganz verzichten auf das Bewußtsein inneren Werthes könnte ich nicht zeitlebens, so ganz ohne seine Förderung und Bethätigung durch Dich und neben Dir. müßte ich geistig zu Grunde gehen. Du willst nicht, daß Liebe zu Dir mein Herz und L:ben ausfüllt" Ich bitte Dich-" Und was ich Dir bin, ist so wenig, so wenig!" Sie schlug, überwältigt von der Wahrheit dieser Worte, ihre Hände aufschluchzend vor das Gesicht. Er. war aufgestanden, fühlend, daß diese Stunde mehr bedeute als die ihn ermüdenden Klagen eines Kindes. Deshalb," fuhr sie, sich fassend, ruhiger fort, hab: ich kein Recht, gemaltsam in Dein Leben einzugreifen. Dir Opfer aufzulegen, die Du nicht freudig bringen kannst. Wäre das Kind 'noch unter uns " Jetzt blitzte ihm eine Ahnung durch die Seele. Laß das Gespräch zu Ende sein! Du setzest Deiner Phantasterei damit die Krone auf, ohne die geringste Rücksicht auf mein Ehrgefühl." An diesem scharfen Vorwurf fand sie ihre Seelenkraft wieder. Ich gehe von Dir," sagte sie leise, aber mit dem Ausdruck unerschütterlicher Festigkeit. Dann bist Du frei und hast von Bettys Rachsucht nichts mehr zu fürchten. Dann triumphirst Du über sie!" - Bist Du wirklich bei gesunden Sinnen?" fragte er, dicht zu ihr tretend.und ihr in die wunderbar leuchtenden Augen sehend. Oder willst Du mich nur erschrecken? Was willst Du? Sprich!" Dir die einzige Möglichkeit geben, zu bleiben, was Du bist. Wir haben Dich getäuscht, Papa und ich, zwar unwissentlich, doch ist's an uns) die Tau-
icrnrng gut zu machen. Papa, das weiß ich, würde mir die Armen öffnen und sagen: Komm zu mir zurück! Er ist todt, aber ich lebe noch. Du wirst bleiben, was Du bist und warst." Und Du 'glaubst, daß zu diesem unerhörten Schritt nur Deine Opferwilligkeit, Dein Opferfanatismus erforderlich sei?" Nein," sagte sie. das glaube ich nicht. Ich habe vorgearbeitet, damit auf Dich auch nicht der Schatten eines VorWurfs, einer irrthllmlichen Meinung fällt. Ich komme vom Großherzog." Marie Antonie. Du wagst zu viel!" Der Weg ist gebahnt." flüsterte sie. ihr Herzklopfen kaum noch meisternd. Du brauchst ihn nur zu gehen. Es ist alles in guter Ordnung, wenn wir unS jetzt Lebewohl sagen für immer." Er lachte rauh. Diese gute Ordnung wird ein Wort von mir umstoßen. Den Weg, den ich gehen werde, gehen wir zusammen. Du verlänt üoldenbera nicht ohne mich. Diese Zumuthung. mich Dir zu Dank verpflichten zu wollen, übersteigt den erlaubten Grad weib licher Thorheit. Ich werde den Großherzog über dieses Märtyrergelüst aufklären. Der Größenwahn Deines Vaters scheint sich auf Dich vererbt zu haben." Sie war zusammengezuckt wie unter einem Peitschenhieb. So durchsichtig blaß wurden ihre Züge, daß Trachberg. seine Heftigkeit bereuend, fortfuhr: Laß doch die Vernunft sprechen!" Sie sah ihm starr in die Augen. Wenn Du mir diese Möglichkeit raubst, gibt es noch eine andere eine letzte. Thu nun, was Du willst!" Er erschrak vor dem Ausdruck dieses Blickes. Siehst Du nicht ein, daß es ein Wahnsinn ist?" fragte er eindringlich. Ein Opfer ist's. Ich nehme es nicht zurück, nun es gebracht ist. Vergiß uns nicht den Kleinen und mich. Und bleibe und denke und glaube " Die Sinne schwanden ihr. 20. Kapitel. In der Dämmerstunde desselben Tages, als Justizraih Geisler eben beabsichtigte, sich zu seiner Whistpartie in den Klub zu begeben.fuhr ein geschlos sener Wagen in scharfem Trabe vor seine Hausthür. Marie Antonie entstieg ihm, gefolgt von ihrer Kammerfrau, welche mit sichtlicher Bestürzung ihre Herrin dem bereits verdunkelten Eingang entgegenschreiten sah. Darf ich nicht vorgehen. Euer Erlaucht, um anzuordnen, daß " Marie Antoniens schwarzer Kreppschleier, der bis zum Saum ihres Gewandeö niederfloß, verschwand bereits in dem tiefen Flurschatten, der sie aufnahm. Langsam und mühevoll, aber stetig schritt sie die ihr unbekannten Stufen empor, nur zuweilen innehaltend, um sich gegen das Geländer zu lehnen, wenn wieoer das Gefühl über sie kam. als presse eine heiße Hand sich um'.ihr Herz, das Leben darin zu ersticken. Beim Klang der Glocke, die sie mechanisch zog, schreckte sie zusammen noch mehr, als im selben Augenblick die Thür von innen geöffnet ward, und Geisler ihr aus derselben entgegentrat. Er traute seinen Augen kaum, als er die Besucherin erkannte. Ist's möglich? Einen Moment nur. Euer Erlaucht!" Er wandte sich zurück und rief seiner Wirthschaften den Befehl zu, in seinem Zimmer wie im Flur das Gas zu entzünden. Marie Antonie ergriff seine Hand. Lassen Sie es finster bleiben, ich bitte." Nach Allem, was er gestern an ihr beobachtet, erschien ihm ihr Besuch vollkommen räthselhaft. So gestatten Euer Erlaucht wenigstens" er reichte ihr den Arm' und führte sie in sein Empfangszimmer. Dabei fühlte er ihren Körper zuweilen leicht erzittern. Sie wollen mir Ihr Vertrauen schenken?" fragte er mit zartester Schonung. als Minuten vergingen, ohne daß ein Laut über Marie Antoniens geschlossene Lippen zu dringen vermochte. Sie wissen, wem Sie es schenken und daß ich fähig bin, es' zu rechtfertigen." Sie nickte und drückte seine Hand. Ohne Aufhören drückte sie seine Rechte krampfhaft, als sei dieser Druck der Dolmetscher ihres wortlosen Grames. Und fast ohne die Lippen zu bewegen, sagte sie leise: Ich gehe" Er fuhr nicht auf. Die Wahrheit lag ihm so fern. Wohin?" fragte er ruhig und dachte an Betty und Eduard Trachberg. Verfügen Sie über meine Zeit und mich." Sie schüttelte den Kopf. Wohin ich gehe, dahin kann mich Niemand begleiten," murmelte sie, ihre Stimme nicht beherrschend.- Ich hofse, Gott wird mit mir sein das ist alles, was ich wünsche." Er betrachtete sie besorgt, in der Befürchtung, die rasch sich folgenden Todesfälle in ihrer Familie, sowie der bevorstehende Schicksalswechsel hätten ihte Nerven überreizt. Euer Erlaucht," sagte er mit eindringlichem Ernst, es ist eine alte Wahrheit, daß Frauen stärker sind im Ertragen von Schicksals schlügen als Männer. Ihrem Gemahl gegenüber werden Sie dieser überlegenen Kraft im Laufe der Zeit bedürftig werden." Nein," sagte sie fester, das werde ich nicht. Der Tag wird nie kommen, wo er meine) Trostes bedürfte." - Doch, doch. Durch Nacht zum Licht. Es gibt keinen besseren Balsam als die Zeit."
.Ich hoffe nicht auf sie." flüsterte Marie Antonie, ihre dunklen Augen frei zu ihm erhebend, ich fürchte sie nur. Meine Ehe mit Maximilian wird geschieden ich gebe ihn frei. Diefes Opfer oder der Tod es gibt kein anderes Mittel." . (Fortsetzung folgt.) , Lllbert. ttö.nrg von achsen
Wie wenige der Zweige, die getragen Zuerst am Baum des Reiches ihre Frucht, Sind übrig aus ben großen Früh lingstagen! Der Gärtner Tod hat sie herabze schlagen. Morsch, grau verwittert. Doch soufzcnd hat der ganzc: Vamn gezittert. Wenn ihrer cin:r niederfiel mit Wucht. So bist auch Tu, dcr letzten Zweige einer. Gefallen endlich wie vor Dir soviel'. Soviel' die größer und noch mchr. die kleiner Als 2u gewesen besser aber Keiner. Und Keiner so getreu und uncrschüt' tcrt! Der Vanrn erzittert . . . 22 war ein edler Zweig, dcr nieder fiel! (Münchner Jugend.") KriegSerinncrungen Xe Wet'S. Ein Sonderbcricht des Buren Reutcr aus Bloemfontein giebt einige intercssante Mittheilungen De Wct's wieder. Toeder De Wet noch Steifn wurden während des Krieges auch nur einmal verwundet. Dc.Wct verbrachte nur zehn Tage des Feldzugcs in Gesellscbaft mit seiner Frau und sab sie in den letzten zwei Jahren überhaupt nicht. In vielen Theilen der Oranje-fluß-Eolonie litten die Buren zuletzt stark unter dem Mangel an LebensMitteln. v Sie lebten hauptsächlich von Fleisch und Maismehl. Brod. Salz und Zucker besaßen, sie nicht, dagegen hatten sie viel Honig und machten sich Kaffee aus Kaffernkorn und Maismehl. Im Transvaal wurde Kaffee" aus den Wurzeln eines Waldbaumes hergestellt. Die Buren behaupten, dah dieser Kaffee ein ausgezeichneter Ersatz für Java-Kaffee sei. Die letzten Treiben im Nordosten der Oranje-Eolonie raubten den Buren änimtliche Nahrungsmittel. De Wet schlief niemals in Farmgebäuden, da er bcfürch:ete. gefangen zu werden. In einem seiner letzten Armeebefehle verhängte er .eine Strafe von 10 Pfund SK- .ing oder 25 Peitschenhieben über jk-den Buren, dcr in einem Hause schlc end gefunden würde. Die Kommandos schliefen niemals zwei Nächte hintereinander an demselben Platze. Auf diese Weise erschwerten sie den englischen Truppen so sehr erfolgreiche nächtliche Ueberfälle. Dcr Nachrichtendienst war ganz vorzüglich, wie man wohl bemerkt hat. Die Kundschafter, oder wie die Buren sie nennen, die Spione, waren so gut aufgestellt, daß. sobald eine englische Eolonne oder ein Wagenzug sich in Bewegung setzte, sämmtliche Kommandos in einem Umkreise von 70 Meilen dies an demselben Tage erfuhren. Dadurch hatten sie Zeit, abzuziehen oder sich auf einen Angriff vorzubereiten. Die Nachricht über die Marschrichtung englischer Eolonncn wurde von Kommando zu Kommando weitergegeben, sodaß alle Kommandos sehr schnell über die Bewegungen der Engländer unterrichtet waren. Der Sjambok wurde von den Kommandanten bäufig gebraucht, um zaghafte Buren in die Kampflinie zu bringen. Sein Gebrauch hatte einen viel größeren moralischen Erfolg als jede andere Strafe. Gesiambokt" zu werden, war sehr unbeliebt. De Wet erzählte einige Fälle, bei denen er selbst von de? Peitsche Gebrauch machen mußte. Die längste Wunde, die durch ein Gewährgefchoß verursacnr worden ist, war wohl die, die ein Bur von Brcdcfort davontrug. Der Mann lag flach zwischen den Schienen der Eisenbahnlinie zwischen zwei Blockhäusern. Er erhielt einen Schuß von dem hinter ihm gelegenen Blockbaus. Das Geschoß schlug in den Fuß ein und ging dann durch da 3 ganze Bein durch und blieb in der Hüfte stecken. Dcr Mann er heißt Groblcr blieb mehrere Tage obnc ärztliche Hülse auf dem Felde liegen. Er wurde dann in die cnalischen Li.ihn gebracht. Den Gebrauch seines Beines hat er verloren. Aus dem Tagebuche eines Aktivn'ärs. Niemand bedarf so sehr dcr Beaufsichtigung wie der Aufsichtsratb." Das Nothwendigste. Mann: Wo ist denn mein Sonntagsrock?" Frau: Den hab' ich verkauft!" Mann: Was? Verkauft? Frau Natürlich! Oder hätt' ich vielleicht unser Lemrl in? braunen Kleide mit dem Umbana athm lassen sollen?" Im Zeichen des Klassikers. Jugendfreund (zu Besuch bei seinem kürzlich verheirateten Freunde): Sie haben sich bisher in ungenirtester. ziemlich geräuschvoller Weise amüsirt." Plötzlich verstummt der Herr des Hauses. Denn es tritt cben ftine hübsche, aber etwas resolute Frau crn. Dr Jugenfreund bemerkt dies scfort und flüstert ihm ironisch zu: Ja. ja, Schiller behält recht: die ftrau h:rrsche. indem sie sich zeigtV.
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