Indiana Tribüne, Volume 25, Number 277, Indianapolis, Marion County, 15 July 1902 — Page 7
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Jndlanl! Tridune, 15. Juli 1902.
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Wenn öu mich ficöjl. Tioman van Georg Hsrtmig (CErnrng TtOfFpJt") 'SSSSZZZ (Fortsetzung.) Jch will nicht mit Dir rechten," versetzte er, ich will nicht hier mit Dir rechten, es wäre ein schlechter Platz. Aber so völlig trostlos, das wollte ich Dir in's Gedächtniß rufen, ist ein Verlust nicht, den die Zukunft ersetzen lernn. An einen zweiten Sohn würden die Hoffnungen nicht mehr geknüpft sein, welche unserem Erstgeborenen verloren gingen." Du würdest nie aufhören, sie zu beklagen, nie!" Sie hatte die Hände gefaltet und gegen die Kniee gedrückt. Ich bitte Gott, daß er mir keine tot'i tere Mutterfreude schentt." Deine ?!erven sind überreizt. Wir werden Beide freier aufathmen, wenn wir Holdenberg verlassen haben.- Er betrachtete besorgt ihr bleiches Antlitz, dieses in seiner stillen Trauer so schöne Antlitz, welches dem strahlenden Mädchenantlitz früherer Zeit fast nur noch glich in der Reinheit seiner Züge, und er fuhr bewegt fort: Marie Antonie. armes Kind, warum weinst Du nicht? Du fandest doch sonst so leicht Thränen!" Ich habe keine Thränen mehr," flüsterte sie mit zuckenden Lippen. Sie brennen mir in der Brust und im Kov?. Auch diese Wohlthat ist mir genommen, to'it alles alles Sie schlug die Hände vor ihr Antlitz, den regungslosen kleinen Körper nicht länger anzuschauen, und wandte sich zum Gehen. Ein kleiner Zwischenfall ereignete sich bei Gelegenheit der Beisetzung des verstorbenen kleinen Erbgrafen in der Familiengruft zu Holdenberg. Frau v. Lüttmig, welche nicht aufgehört hatte, in der Gesellschaft Stimmung für die unanfechtbaren Rechte ihres Schwiegersohnes zu machen, hatte des Anstands halber einen Trauerkranz nach Holdenberg gesandt. Der HausHofmeister, welchem es oblag, die eingehenden Blumenspenden in Empfang zu nehmen, die Namen der Geber zu 1 notiren und Trachberg abendlich diese 'Liste vorzulegen, hatte, sobald der Graf von dieser Aufmerksamkeit erfuhr. nichts Eiligeres zu thun, als Kranz und Kiste an die sehr erschreckte und gereizte Dame zurückzusenden, was der Residenz den schönsten Unterhaltungsstoff für ein halbes Dutzend Tage lieferte. Wie hoch das regierende Paar die schwer betroffene Familie eines altangesessenen und verdienstvollen Standes. Herrn schätzte, bewies seine Theilnahme. Der Großherzog hatte zu der Beischungsfeier seinen Flüoeladjutanten, die Großherzogin ihre Oberhofmeisterin entsandt. Beide legten wundervolle Blumenspenden Namens der fürstlichen Herrschaften an dem kleinen Metallsarg nieder. Und dann ward wieder Ruhe in Holdenberg, furchtbar lastende Stille die brütende Schwüle vor dem Sturm. 19. Kapitel. Als Marie Antonie sich eines Bormittags zu einem Ausgange nach dem Mausoleum, ihrem täglichen Ziel, rüstete, erhielt sie die Nachricht, daß Jusiizrath Geister im Schlosse eingetroffen sei und mit Seiner Erlaucht sogleich im Salon erscheinen werde. Bei dieser Aussicht erbebten ihre Kniee so heftig, daß sie sich in einen Sessel niedergleiten lassen mußte, um nicht ihrem Angstgefühl zu erliegen. ,- Die lebhaft bewegte Miene des u stizraths, als er das Augenglas fallen ließ, die junge Frau zu begrüßen, trug einen so deutlichen Abglanz ehrlichster Mittrauer, daß Marie Antonie ihm wie einem treuen Freunde beide Hände entgegenstreckle. Ich konnte nicht früher dem Drängen meines Herzens folgen," sagte er mit wärmster Innerlichkeit, um perfonlich auszusprechen, was sich ja doch nicht umgehen läßt." Sie nickte. Inzwischen waren Sie für uns thätig, ich weiß wohl." Sie richtete den Blick auf ihren Gatten. Jst's entschieden?" Der Ton. mit welchem sie diese leise Frage that, war so durchsetzt von heifern Schmerz, daß Geisler nicht den Muth fand, eine bejahende Antwort zu geben. Maximilian Trachberg hatte sich dem Sitz seiner Frau genähert, blieb aber stumm. Wo sind Betty.und ihr Mann?" fragte sie, um das qualvolle Schweigen zu brechen. Sie 'führen einander in der Welt spazieren," sagte Trachberg mit scharfem Hohn. Erst er sie dann sie ihn. Und wo sie hinkommen, genießen die Leute das beneidenswerthe Glück, eine Furie unter sich zu haben." Der Justizrath unterbrach diesen Ausbruch unversöhnlichsten Hasses, indem er zu Marie Antonie gewandt sagte: Die Gräfin hat, wie Euer Erjaucht bekannt ist " Bitte, lassen Sie die Erlaucht bei Seite!" fiel Trachberg scharf ein. Ehre, dem Ehre gebührt, hat die Frau Gräfin befohlen. 'Mein unVergleichlicher Vetter wird sich auf Befehl überall hineinstehlen, wo es etwas zu holen gibt. Sie werden spater Geleaenheit haben, diese Ehemannspuppe cm Schürzenband der Gräfin tanzen
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Marie Antonie griff wie hilfesuchend nach Geislers Hand. Sie wollten mir sagen. Herr Justizrath-?" Di: unausgesprochene Angst, welche in ihren dunklen Augen aufflammte. schnitt diesem Ül'S Herz. Ich wollte sagen, daß die Gräfin Trachberg, nachdem sie damals mit ihrem Manne abgereist war, , in Würzburg Aufenthalt nahm und ihre Angelegenheit dort mit einer Ausdauer, Umsicht und Findigkeit betrieb, die dem gewiegtesten Anwalt Ehre gemacht haben würde." Ich weiß, sie ist unerbittlich." murmelte Marie Antonie. und die Stunde kam ihr zurück, wo sie mit ihrer Verzweiflung sich an die Gnade dieser Frau gewandt. Unerbittlich!" Ich habe Seiner Erlaucht schon genauer dargelegt." fuhr Geisler fort, unter welchen Umständen und mit welchen Mitteln der Scharfsinn der Gräfin die richtige Spur gefunden und bis in's Grab des Betreffenden hinein verfolgt hat. Ich darf mich also darauf beschränken. Euer Erlaucht mitzutheilen, daß es jetzt außer Frage steht, daß die Vikomtesse v. Debellaire nach dem in Lothringen erfolgten Tode des Vikomte Louis Amadee dessen Kammerdiener Jean Brissot Rang und Namen ihres verstorbenen Gemahls beilegte." Mari? Antonie war vorbereitet geWesen auf das. was sie hörte. Aber als die unanfechtbare Thatsache plötzlich vor ihr aufgerichtet wurde wie ein Sturmsignal, dunkelte es ihr vor den Augen. 3:9 vüHie,- sagte racyverg, ocm diese Auseinandersetzung bis in's Mark schmerzlich war, mit dieser Schwäche wären wir endgiltig fertig!" Marie Antonie trocknete ihre Stirn. Und also?" Und also verlassen wir in der nächsien Woche Holdenberg," kam Trachberg einer zögernden Antwort Geislers zuvor. Wir räumen unseren Platz, bevor man uns darum ersucht. In dieser elenden Komödie wollen wir wenigstens die anständiaen Rollen spielen. Zweifellos bist Du meiner Ansicht?" Sie nickte, starr vor sich hinsehend in den falben Sonnenglanz zu ihren Füßen. Der Graf gewann seine ruhige Haltung wieder. Lieber Justizrath, es werden sich da Schwierigkeiten ergeben, in diesem ganz unvorhergesehenen Fall.
mit dem Mobiliar und dem-Siberge-räth und was sonst zu einer standesgemaßen Haushaltung gehört. 3m werde das Recht Euer Erlaucht energisch zu vertreten wissen." Sehr gut! Mane Antonie, moch test Du nicht lieber ruhen? Du siehst sehr angegriffen aus, Kind." Sie nickte wieder. Ruhe! Ach a, Ruhe! Das war's, wonach ihre Seele verlangte. Dann war sie allein, in tiefer Stille. Sie lag mit zurückgelehntem Haupt in ihrem Sessel. Ihr war, als säße lie in einem Boot mitten auf brausendem Meer, hilflos und ohne Steuer, denn das Steuer, welches sie bisher in d:r Hand gehalten hatte, war zerschellt im Sturm. Ihr qanzes Denken und ??ühlen war ein Schrei nach Rettung aus dieser Noth. O, wie dem Schicksal zuvorkommen! Wie ihm entrinnen! Wie gut machen, was sie nicht verschuldet! Sie rcmg mit sich und Gott, der sie verlassen, nachdem er sie hineingeführt in einen wonnigen Irrthum, dessen kurze Dauer sie mit unabsehbarem Herzeleid bezahlte. Im ganzen Bereich menschlichen Ermessens keine Möglichkeit, keine einzige, Maximilian dieses Zwanges zu entkleiden? Elender Menschengeist! Stark, wenn's zu schaden gilt, schwach, wenn er heilen soll! " Plötzlich, als habe sie einen Stoß mitten in's Herz erhalten, fuhr sie aus ihrer ruhenden Stellung empor und sprang auf. Nein! Nein!" Sie hatte es laut gerufen, daß es im Zimmer widerklang. Der Nachhall erschreckte sie. Wie verstört fiel ihr Blick auf den Pfeilerspiegel, aus dessen glänzender Fläche die Bilder der verstorbenen Grafen Trachberg zu ihr hinüber zu starren schienen. Langsam und furchtsam wie ein Kind wandte sie ihr Haupt nach der Wand. Da hingen sie in breiten Prunkrahmen, die des Hauses Ruhm und Ehre begründet, die unendliche Reichthümer und Schätze gehäuft für ihn, der nun schuldlos und wider Willen aus dem angestammten Erbe gehen mußte um ihretwillen. Und es war Marie Antonie, als richteten sich die stolzen Gestalten zürnend von der Leinwand empor, als gewännen ihre gemalten Gesichter Leben, als höben sie die Hände drohend gegen die Unheilstifterin ihres Hauses. Marie Antonie wollte eben aus dem Zimmer stürzen, als Trachberg die Thür öffnete. Wie befindest Du Dich?" Besser," sagte sie tief aufathmend. Die Röthe der Erregung auf ihren Wangen täuschte ihn. Er wollte si zerstreuen.. In diesem Falle möchte ich Dich ausfordern, mit mir nach Neudorf zu fahren. Um zwei Uhr wird die Fabrik in Betrieb gesetzt. Die Vermaltung wollte von jeder Festlichkeit absehen des Trauerfalls wegen und auch sonst, aber ich wünschte, daß den Leuten nicht alles entzogen würde. Es findet eine kleine Feier im Dorfe statt. Der Schlitten wartet." .
Ich komme," sagte sie, hastig nach der Glocke schreitend. Du erlösest mich von einem furchtbaren Gedanken." Die Verhältnisse sind dazu angcthan," sagte er ruhig. Er hob sie in den Muschelschlitten, denselben, in welchem er sie damals in's Forsthaus gefahren hatte. Wieder fuhren sie Seite an Seite durch die schneeschimmernde Ebene, an weißbereiften Bäumen vorüber, wieder schlug ihr Herz zum Zerspringen, aber nicht mehr vor Freude, sondern in tiefer und doch nur erst halbbewußter Angst. 5!n Neudorf, wo auf einem Anger die Gebäude oer Zuckerfabrik errichtet worden waren, hatte sich auf dem freien Platz vor dem Hauptportal wie auf der Landstraße eine dicht gedrängte Menge eingesunken, Leute von dem ganzen Güterkomplex des Majorats. Zu beiden Seiten der Straße waren Flaggenmasten errichtet mit Fahnen und Fähnchen in den deutschen und Landesfarben. Uü Eingang des Dorfes prangte eine Ehrenpforte aus Tannenreisig mit der weithin leuchtenden In fchrift Willkommen!" Feiertagsstlmmung lag über dem Ganzen, Spannung und Erregung auf allen Gesichtern. Als der Schlitten durch die EhrenPforte fuhr, begannen von der Höhe des Kirchthurmes, welcher gleichfalls auf Kosten des Grafen erbaut war, die Glocken ein helles Geläut. Rein und stimmungsvoll zog es durch die Winterluft. Marie Antonie faltete die Hände. Wenn sie diesen Tönen ihre Seele hätte übergeben können, daß sie sie hinaustrügen und immer hoher bis zu ihres Kindes ewiger Heimath! Der Schlitten hielt. Zwei Landgendarmen bemühten sich vergebens, die vorwärtsfluthende Menge zurückzuhalten. Alt und Jung wollten die schöne blasse Gräfin, die so viel Trübsinn erlitten, in nächster Nähe sehen und hören, was des Verwalters Töchterchen im weißen Kleide mit dem Kranz im blonden Haar aufzusagen haben würde. Der Graf hatte mit leichter Handbewegung erreicht, was den Hütern der öffentlichen Ordnung nicht möglich geWesen war. Macht Platz. Leute! Bildet Spalier, sobald das Kind gesprochen hat!" , Er mußte seine hohe Gestalt beugen, das schüchterne Stimmchen zu vernehmen, und den Blumenstrauß aus den kleinen, krampfhaft geschlossenen Händen fast loszuwinden.
Unter gewohnlichen Verhaltnissen hätte Trachberg eine Feier wie diefe als lästig und werthlos empfunden, heute. angesichts des ihm drohenden Verlustes, packte diese festliche Veranstaltung ihn bis in's Mark. Marie Antonie sah. als er sich wandte, ihr die Blumen zu übergeben, daß seine Lippen farblos geworden waren. So viele Augen in diesem Moment auf ihr ruhten, so - viele Vorwürfe glaubte sie darin zu lesen. Trachberg führte sie, die den Blick kaum noch erhob, den Weg hinauf zum Fabrikeingang, indeß aus dem Riesenschlot die erste Rauchsäule kerzengerade in die windstille Luft aufstieg. Der -Direktor hatte gesprochen, Trachberg kurz erwidert, das Hoch auf das gräfliche Paar, von mehreren hundert Kehlen kräftig ausgebracht, war verhallt, als ein alter Dorsinsasse aus der Reih: trat und sich näherte. Der gnädige Herr Graf," sagte er, sein Käppchen abnehmend, wollen's nicht übel nehmen. Wir haben gehört. daß. der gnadige Herr Graf uns v,er lassen, und da wollte ich wir alle woll ten bitten, daß der gnädige Herr (Araf nicht fortgehen möge, wenn's möglich ist. Wir möchten unseren gnädigen Herrn behalten, mochten er drehte verlegen seine Kappe zwischen den Händen, verwirrte sich vollends und schwieg. Bei diesem unbeabsichtigten Vor wurf, ihr öffentlich-in's Gesicht geschleudert um der angestammten Treue willen, war s Mane Antonie, als ver löre sie den Voden unter den Füßen. Ihre Hand, noch auf Trachbergs Arm ruhend, Zitterte wie lm Fieber. Er wies den Alten ruhig ab. Mein Freund, das sind Sachen, die Ihr. nicht versteht." Aber Marie Antoniens hochentwickeltes Zartgefühl ließ sich von dem ruhigen Klang der Stimme nicht tauschcn, sie hörte die innere Befriedigung heraus. Ihr Herzsazlag betäubte sie fast. Mechanisch machte sie den.Rundgang durch alle Raume mit. Was kümmerte es sie. was hier geschaffen ward, angesichts dessen, was für sie unterging? Als sie neben Maximilian wieder im Schlitten saß, wie damals Rosen in den Händen, und die Glocken aus der Höhe ihr Geläut von Neuem anstimmten. war's lhr, als seien es Begräbnißglocken, die ihrem todten Gluck nach schallten. Schweigend legten sie die Wegstrecke zurück. Eine Anzahl Beamter und Herren der Bauleitung waren zur Ta sel geladen. Ich habe Ruhe nöthia." sagte sie. als sie durch die Halle schritten. Deine Gaste.-" Ich empfange sie allein selbstver ständlich."Einige Stunden später, als die Kammerfrau durch ein beängstigendes Geräusch, wie wenn Jemand im Er sticken nach Luft ächzt, erschreckt in's Zimmer der Gräfin trat, fand sie Ma rie Antonie. an ihrem Schreibtisch sitzen, die Snrn aus das vor ihr liegenoe Papier gedruckt. Euer Erlaucht " ' Die Gräfin richtete sich auf. Sie war bleich, als sei jeder Blutstrovfen
aus ihrem Gesicht gewichen. Um die Augen lagen tiefe , blaue Schatten. Tiemann soll" saate sie. brach aber
ab, weil ihre Zähne leicht gegeneinander scolugen. Die Kammerfrau verschwand, den Leibjäger der Gräsin zu rufen. Als sie allein war. ergriff Marie Antonie das Papier, welches sie soeben beschrieben, :m heftigsten Seelenkämpfe, als wolle sie's von sich fchleudern in die flackernde Glutb des Kaminfeuers. Aber wie gelähmt hielt sie inne. Ihre Augen starrten aus die feinen Schriftzüge, welche sich vor ihrem verschleierten Blick verwirrten. Ich bitte Euer Excellenz, mir für morgen Vormittag gütigst eine Audienz bei Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzojl erwirken zu wollen. Mark Anton, e , Gräfin v. Trachberg." Als sie die nahenden Schritte des Dieners hörte, schloß sie hastig das Billet. An Seine Excellenz den Herrn Hofmarschall Freiherrn v. Bräuner." So schnell hatte sie die Brücke hinter sich abgebrochen, daß der Brief ihr aus der Hand auf den Teppich sank. Ihre Kraft war völlig erschöpft. Warten Sie auf eme Antwort. fügte sie tonlos hinzu, und übergeben Sie mir dieselbe hier allein." S;e hielt den Blick auf die Kammuhr gerichtet Inge, nachdem der Bote verschwunden war. Stunden mußten vergehen, bevor er zurückkehrte. Urch ihr war. als kröche die Zeit flügellahm durch das lautlose Schweigen ringsum. Drüben über den' Edeltannen hing die Sonne noch wie ein rother Riesentropfen am klaren Horizont. Die dunklen Stämme schimmerten wie hingemalt auf den dunklen Hintergrund. Nun aber reckten nur noch die obersten Zweige ihre Spitzen in das Gbühgold hinauf, ,ede Nadel hob sich mit scharfem Umriß von dem leuchtenden Goldton ab. Und jetzt erlosch die Helle auch in den Kronen. Es ward Nacht. Marie Antonie fuhr aus ihrem grübelnden Harren mit einem Angstruf auf. Es hatte an ihre Thür geklopft. Der Leibjäger war zurück. Ein Brief von Sein Excellenz." Da sah sie erst, daß es finster um sie war. Licht!" Im Nu erstrahlte das Gemach in blendender Helle. Marie Antonie streckte die Hand nach dem Silberteller aus. .Es ist gut!". Sie hielt das wappengeschmückte Kouvert fest umspannt, ohne zu wagen, es zu öffnen. Endlich glaubte sie es zwischen den Fingern brennen zu fühlen da riß sie es voneinander. Ich habe die Ehre, Euer Erlaucht mitzutheilen, daß die erbetene Audienz von Seiner Königlichen Hoheit auf morgen Mittag zwölf Uhr angesetzt ist. Ich werde den Vorzug haben. Euer Erlaucht im Schlosse zu empfangen., Freiherr v. Bräuner." Sie drückte den Brief wie geistesabwesend gegen ihr Herz, dessen Schlag zu verlöschen schien. m Pünktlich hielt der geschlossene Wagen mit dem Trachberg'schen Wappen vor dem überbauten Portal des großherzoglichen Palastes. Marie Antonie entstieg ihm tiefverschleiert. Im Bestibül trat ihr der Hofmarschall entgegen, ein eifriger Bewunderer und Verehrer ihrer Anmuth und Schönheit. Er winkte einem Lakaien, der Gräsin den Mantel abzunehmen. Da schlug sie auch den Trauerschleier vom Antlitz zurück, daß er über Haupt und Schultern niederglitt bis zum Saum des Gewandes, ihre ganze Gestalt umrahmend und einhüllend. Euer Erlaucht gestatten " Er reichte ihr den Arm, sie zu den fürstlichen Privatgemächern im Hochparterre des Schlotes zu geleiten. Dabei sprach er leise, theilnehmende Worte zu ihr, um nur in das reizende Frauenantlitz schauen zu können, welches ihn in seiner Blässe doppelt und unwiderstehlich anzog. Marie Antonie achtete auf nichts, was um sie vorging. Der letzte Kampf, den sie in dieser verflossenen Nacht mit sich durchgerungen, lähmte ihr Empfindungsvermögen bis auf den einen Wunfch, daß die Welt zusammenbräche. An der Thür des Vorzimmers trat ihr der dienstthuende Flügeladjutant entgegen: Seine Königliche Hoheit erwartet Euer Erlaucht!" Plötzlich zuckte sie zusammen. Die Thür des Audienzgemachs that sich von innen auf. die Gestalt des Großherzogs erschien auf der Schwelle. Dies ryar eine auszeichnende Höflichkeit, welche dem Unglück und der bevorzugten Stellung Trachbergs mehr galt als der jungen Frau selbst. Sie hatte dem Hofmarschall ihren Arm entzogen und sich tief verneigt. Mit Mühe zwang sie ihre bebenden Kniee, sich wieder aufzurichten. Kommen Sie, meine theuerste Gräsin." Kein Entrinnen mehr! Die Thür hatte sich hinter ihr gefchlossen. In dem leicht verdunkelten Gemach stand .sie dem fragend anschauenden Landesherrn dicht gegenüber. Sie kommen, theuerste Gräfin, meine Hilfe anzurufen," sagte er, ihre Hand erfassend und herzlich drückend. Ja," sagte sie leise, und den Beistand Eurer Königlichen Hoheit Alles, alles, was in meinen Kräften steht," erwiderte er. sie an der Hand zu einem Sessel geleitend. Nehmen (Zit SMnb tlvwrft siirnftn irnW Weif
ten Sie mir Ihr Herz aus.' Wie geht es meinem lieben Trachberg in dieser schlimmen Zeit?", Er leidet sehr." - Wer fühlte es ihm nicht nach!" Es war außerordentlich schwierig auch für das bestgeschulte Taktgefühl, Maximilian Trachberg Theilnahme zu bezeugen, ohne seine Gattin zu verletzen. Der hohe Herr ließ daher das Thema fallen. Sagen Sie mir, worin und womit ich Ihnen Kienen kann in einer Angelegenheit, welche allen, die Ihrem Hause zugethan sind, die Hände bindet. Der herzlose Ehrgeiz der Gräfin Vetty Trachberg, selbst meiner ausgesprochenen Willensmeinung gegenüber taub, läßt sich zu keinem Vergleich herbei. Der Versuch ist gemacht worden. Die Wirkung war eine beschleunigte Abreise." (Fortsetzung folgt.) DaS ältette Schiff. Eine der interessantesten archäologischen Entdeckungen, die in letzter Zeit in Egypten gemacht worden sind, waren fünf alte Schiffe, die in DahshuT in einer unterirdischen Krypta begraben waren und sich in der trockenen Luft 4j Jahrtausend gehalten hatten. Eins dieser Schiffe ist besonders merkwürbig; es ist wahrscheinlich eines er ältesten Beispiele der Schiffsbaukunst, das auf unsere Zeit gekommen ist. Es bezeichnet den Beginn der Geschichte der Seefahrt. Die Kunst des Seefahrens
steckte zu der Zeit, als dieses Schiff gebaut wurde, noch in ihren Anfängen, aber sie war doch bei den Egyptern viel , . r -e In v wener vorge'llzriilen, ais ver mancven primitiven Rassen, die man in der Gegenwart noch beobachtet. Das Schiff ist aus Eedernholz gebaut, das sorgfältig Mit einem Breitbeil bearbeitet ist. Die Zeichen davon sind stellenweise noch deutlich sichtbar. Es ist dagegen kem Anzeichen vorhanden, daß auch eine Säge gebraucht wurde. Die Balken sind, miteinander verzapft, und wo sie zusammengehalten werden mußten, sind in die entgegenstehenden Stücke Oeffnungen gebohrt, durch die Riemen, wahrscheinlich aus Leder, gezogen wurden, und die Planken wurden dann zusammengebunden. Die Fugen und Verbindungsstellen wurden mit Erdpech ausgefüllt, um das Fahrzeug Wasserdicht zu machen. Die Seiten waren über der Wasserlinie iß bemalt und oben und unten durch koppelte schwarze Linien abgesetzt. Das Boot ist 30 Fuß lang, 8 Fuß breit und etwa 5 Fuß tief. Es war theilweise mit einem Deck versehen, und die Bordwände des Decks und die stützenden Querbalken sind noch vorhanden. Dabei fand sich ein kurzer Mast, der anzeigt, daß ein Segel gebraucht wurde, dessen Form man allerdings nur errathen kann. Bei dem Schiff fand man auch die Ueberbleibsel von Rudern, die beweisen, daß diese Art der Fortbewegung angewandt wurde. Die Linien sind anmuthig und darauf berechnet, Schnelligkeit zu entwickeln;' Bug und Heck steigen in hübschen Kurven auf und laufen spitz zu. Die Schanzdecken mittschiffs sind niedriger als Bug und Heck und weichen in dieser Hinsicht nicht von den Linien der Schiffe ab, die in allen Jahrhunderten seit der Zeit der Erbauung dieses Schisses gebaut worden sind. Ein Kiel ist nicht vorhanden. Ueber das Alter dieses ehrwürdigen Denkmals des Alterthums sei erwähnt, daß es mindestens auf das Jahr 2500 v. Chr. zurückdatirt. Die Abnahme des' Rauchens in Frankreich. Dem Pariser Gaulois" zufolge trägt die französische Tabakregie sich mit dem Plane, in Mexiko große Tabakplantagen anzukaufen, um dem neuen amerikonischen Tabaktrust Havana Tobacco Co." die Spitze bieten zu können; der Trusthat sich der besten Lagen in Kuba bemächtigt; wenn also die Regie nicht dessen Bedingungen, denen sich schon die meisten Cigarren- und Cigarrettenfabrikanten in Kuba und den Ber. Staaten gebeugt haben, annehmen will, so muß sie auf die Echten" verzichten und sonstwo Ersatz suchen. Auf alle Fälle scheint man sich auf eine Preissteigerung von Havana-Cigarren in Frankreich gefaßt zu machen. Im Uebrigen sind die Raucher von Echten" dort nicht allzu häufig; der Franzose raucht ebenso theuer wie schlecht, begnügt sich mit dem billigsten Kraut. Unter den besseren Ständen, zumal bei der heranwachsenden Jugend, nimmt das Rauchen sogar merklich ab, es ist Nicht mehr Mode und wird überhaupt nur mäßig betrieben; auch bei den Damen werden die Cigarrettenraucherinnen seltener. Bei den jungen Franzosen erklärt sich der Gaulois" diese Erscheinung aus der veränderten Stellung der Väter zu der Rauchfrage: früher verboten sie es; das Verbotene aber reizte, es wurde um fo stärker geraucht; heute gestatten sie es; die Folge ist, daß nach dem ersten Rauchkater den meisten die Lust nach diesem erlaubten, aber widrigen Ver gnügen vergeht. Wie es nun in Wirklichkeit mit der Abnahme des Rauchens sich verhält, wird sich mit Sicherheit erst aus den nächsten Regie-Einnahmen feststellen lassen. W i l l k o m m e n e H e d e rr a s ch u n g. Bei der Ablöhnung der Arbeiter der Edgar Thompson Steel Works in Braddock, Pa., wurde kürzlich allen Arbeitern, die nicht nach einer Lohnskala arbeiten, eine Lohnerhöhung von zehn Prozent gewährt. Die Erhöhung kam völlig un rwartet. Auch in den anderen Werken der Company ist eine gleiche Lohnerhöhung eingeführt worden.
Big $ouv Bahn ...Excursionen... Sonntag, 20. Juli. ..Cincinnati...
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