Indiana Tribüne, Volume 25, Number 274, Indianapolis, Marion County, 11 July 1902 — Page 7

Jndiana Tridune, 11. Juli

chchchKS5SZHTZK 9 Wenn du mich GcOL 1 Uomn von Georg IZartmig (Crnrnn S Koexvel.) (Fortsetzung.) 'Ich wollte. Du wärest nie hierher gekommen," saate sie leise und bewegt. Hm Deinetwillen wollte ich's. Das ist alles, was ich sagen kann Marie Antonie richtete sich auf. Ein Hoffnungsstrahl war ihr in's Herz gefunken. Du bist es ja allein, Vetty, die mich mein Kommen' bereuen lassen konnte. Nicht wahr, das willst Du nicht? Ich habe Dir ja auch nichts gethan, daß Du mich so herabsetzen, so unermeßlich demüthigen müßtest. O, Bettn, setze Dich in meine Lage! Warum greifst Du mich in meiner Geburt an? Was kann ich thun, Dich gütig gegen mich zu stimmen? Womit Dich versöhnen, daß Du mir diese Schuld und Schmach nicht aufbürdest?Betty hatte aus diese Worte kaum gehört, obwohl ihre Blicke, nicht von Marie Antoniens Zügen wichen. Ihre Gedanken spannen den Faden zwischen Vergangenheit und Gegenwart fort und legten das rein menschliche Gefühl in ihrer Seele bloß. . - .Ich wollte, Marie Antonie." sagte sie, ich könnte ohne Dich an's Ziel gelanaen. Es geht aber nicht. Laß ab mitBitten!" .Setze Dich in meine Lage," wiederholte Marie Antonie mit heißerem Flehen. Gute, liebe Betty, denke an das, was Du in mir zerstörst. Suche einen anderen Grund, so zu handeln, wie Du glaubst thun zu müssen, und ich will glückselig Holdenberg verlassen. Nur das erspare mir, Max um meinet-willen-Sie brach ab. Die gestrige Abendszene stand ihr so deutlich vor Augen, daß sie mit einem Angstschrei Vettys Hand in der ihren preßte. .Wenn der Augenblick käme, wo er fort müßte mit mir aus feinem Besitz; wenn er das Kind ansähe, und ich auf jedes Wort, auf jeden Blick lauernd immer argwöhnen und den Stolz verlernen müßte, den ich mir schuldig bin; wenn meine Nähe ihm das nicht ersetzen könnte, was er um meinetwillen verlor, und er nur zu 'edel wäre, zu ritterlich, mich diese Wahrheit fühlen zu lassen" sie hatte sich über Vettys Hand geneigt und küßte sie mit fiebernden Lippen heftig. .Hab Mitleid mit mir! Zerstöre mein Leben nicht! Sage,, daß Du verzichtest. Für mich ist's eine Gnade, wenn Du es thust ich weiß nicht, was sonst werden soll!" In Bettys Augen war der trockene Glanz des Hasses erloschen. Die Jammerfülle der dauernden Täuschung, die sich Leben nennt, öffnete sich ihrem Blick fo weit, daß ihr eigenes Leid einen Augenblick davor zurücktrat. Marie Antonie sagte sie leise, .ich wollte, ich könnte Dir helfen." .Du kannst es," flüsterte Marie Antonie mit zitternden Lippen. .Ein Wort von Dir und es wird nichts gefchehen. Ich kam zu Dir wie eine Gerichtete. Betty, wenn Du mir jetzt sagst, hör auf zu weinen " .Wenn ich's sage " murmelte Betty vor sich hinstarrend, und ihr krankhafter Rachedurst schien erschöpft angesichts dieses sprechenden , Leidens. JScnn ich's'fage " .Denke nicht allein an mich," fuhr die junge Frau, von ihrem Hoffen hingerissen, fort, .denke auch an ihn, der diesem Schlag wehrlos gegenübersteht, denk an Maximilian und an das, was Du ihn verlieren läßt." Sie erfaßte auch die andere Hand -der Gräfin und drückte beide festumschlossen an ihr Herz. .Wie soll er den Schlag überstehen, der seinem Wirken und Schaffen vorzeitig ein Ende fetzt, ihn mitten hereusreißt aus allen seinen Plänen, aus Allem, was ihm lieb und theuer war? O, Betty. davor rette mich, daß er jemals bereuen könnte, mich zu seinem Weibe gemacht zu haben!" Die Worte versagten ihr. Sie stürzte an Bettys Brust. .So schwer kann's Dir nicht werden," flüsterte sie mit bebender Stimme, den umschleierten Blick zu ihr erhoben, .so viel Ueberwindung kann's Dich nicht kosten. Du hast ihn ja geliebt liebst ihn vielleicht noch! Wie wär's auch anders möglich Betty!" , Durch das erschütterte Gemüth der zusammenzuckenden Frau glitt es wie ein eisiger Strahls Der nächste Athemzug, den sie that, ging ihr wie ein Messerschnitt durch Herz. Dann war's, als ob sie ersticken müsse, ihre Stirn bedeckte sich mit Angstperlen, während aus dem Körper alles Blut vom Herzen in die Schläfen zu dringen schien, pochend, als wollte es die Adern zersprengen. Sie stieß Marie Antoniens Hände zurück. Was sie im Flehen der Gattin Maximilians vergeben hatte, kehrte ihrem Gedächtniß jetzt wie eine Sturzwelle zurück, alles weiche Gefühl überfluthend und begrabend. .Hat er Dir das gesagt?" zischte sie. .Hat er Dir das erzählt als Erklärung für mein Handeln, und auch die Vermuthung laut werden lassen, die elende' lügenhafte Vermuthung, die Triebfeder meines Handelns sei ein Rest von Liebe zu ihm?" . , .O, Betty,- wie ganz hast Du mich mißverstanden!" rief Marie Antonie, , den herben AuZdruckswechsel m Bettys Blies und Worten mit Schreck.en wahr-nehmend.

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.Nicht ich," sagte Betty Trachberg. Du selbst hast Dich mißverstanden, als

Du glaubtest, aus Deinen Klagen Kavital schlagen zu können imb nebenbei mit Deiner Mltwllienschaft. die Dn Dein Mann großmüthig gestattete, vor nur zu prahlen. Prahle, aber Hute Dich!" Sie war'iül Beariff. Marie Antonie in's Gesicht zu- schleudern: Ohne mich, deren Anspruch an sein Herz er tilgen wollte, hätte er Dich gar nicht zur Frau genommen. Es war ein Nothbehelf!" Aber sie wies diese lleinliche Nache zurück. .So wahr ich lebe," sagte Marie Antonie, .ich wollte Dich nicht kränken! Ich hatte ia wahnsinnig sein müssen. Dir wehe zu thun, wo ich Dir unser aller Glück abringen wollte." .Dein Mann," versetzte Betty, hat diesen Wahnsinn besessen. Dem Halbgott, den Du anbetest, hättest Du diese gute Lehre geben sollen gestern. Sag ihm nein, sag ihm nichts! Geh! .Du kannst mich nicht so elend weqschicken!" rief Morie Antonie, umsonst die Hände nach ihr ausstreckend. - Du darfst so grausam nicht sein! Du weißt ja nicht, wie Dir vergolten werden loird." .Mit der Vergeltung bin ich fertig. Gib Dir ke-ne Mühc. um mich. Sieh zu, daß Du mit Dir selbst fertig wirst. Und wirst Du es Nicht, dann halte D:cn an die Kupplerin Liebe, die Dir diesen schlimmen Ctreicy gespielt hat, mcht an mich." Marie Antonie schlug die Hände zusammen. Nun war der kurze Sonnenstrahl ihres Glückes für immer verschwunden in den giftigen Nebeln des Zweifels und der Angst. Wenn sie wieder die Augen zu Maximilian aufschlug, wußte sie, daß nichts in der Welt dem nahenden Verhängniß in den Arm fallen konnte. Ein Aechzen glitt über ihre Lippen. .Gott, mein Gott!" .Gott laß aus dem Spiel," sagte Betty hart. Er hat, glaub's mir, so wenig Mitleid mit uns, wie wir untereinander. Wenn er es hatte, die Klagen der Menschen würden den Himmel schon längst gestürmt haben. Geh, ich muß allein sein!" .Meine Verzweiflung bleibt bei Dir. Du wirst sie spüren, wenn Du auch keinen Glauben an Fügung und Strafe hast. Diese Stunde kann Dir keinen Segen bringen, nie nie!" Sie wandte sich ab und stürzte aus dem Zimmer. Am Ausgang zum Salon blieb sie, nach Fassung ringend, einen Moment stehen. Wie sie den blauen Sammetvorhang zur Seite schob, sah sie Frau v. Lüttmig bequem im Lehnsessel vor dem flackernden Kaminfeuer sitzen, die Füße gegen den warmen Rost gestemmt. Sie erschien Marie Antonie in diescm Augenblick wie vom Himmel gesandt. Hinstürzen, ihren Arm umklammern, war das Werk eines Pulsschlages. .Tante Tina! Tante Tina! Weißt Du. was Betty mir und Ma? anthun will? Weißt Du's?" Frau v. Lüttmig hatte die übliche zärtliche Umarmung augenblicklich nicht bereit. .Betty ist meine Tochter, also hat sie auch. Vertrauen genug gehabt, mir alles zu sagen. Ich begreife, nicht, wie Du daran zweifeln kannst!" .Aber sie ist unzugänglich!" rief Malie Antonie außer sich. .Stahl kann nicht härter fein als sie. Ich sage Dir. sie lächelt auf meine Noth herab. Sprich Du zu ihr. Tante Tina! Wenn Xu ihr sagst, daß sie abscheulich handelt, grausam und" .Erlaube 'mal, Kindchen, erlaube 'mal! fiel die Baronin mit beleidigter Miene ein. Du sprichst von meiner Tochter!" Du hast mir 'hundert Mal gesagt und es mit Küssen beschworen, ich sei Deine zweite Tochter," rief die junge Frau hastig. Ich sei sogar die itcxt Tochter, hast Du gesagt. Jetzt halte Wort. Ich klammere mich an Dich. Laß mich mit Eduard sprechen. Rufe ihn her. Ich -will ihm sagen, wie unerhört es ist, was er Max anthun will." Die Baronin, welche ihren gefügigen Schwiegersohn lieber in Holdenberg sehen wollte als den stets etwas kurz angebundenen Neffen, setzte eine Miene auf. die mit Allem, was Marie Antonie sonst von ihr gewöhnt war, stark in Widerspruch stand. .Du scheinst Dich so tief fchon in die Anschauungen Deines Mannes hineingelebt zu haben. Kindchen was ja an sich natürlich und lobcnswerth ist daß Dir das klare Urtheil in dieser Sache verloren gegan gen ist .Es .ist ja begreiflich, daß Ihr über diese Entdeckung außer Euch seid aber, liebes Kind, wenn Deines Mannes Vorfahren sich mit ihren Frauen derart auf's hohe Pferd fetzten, müßt Ihr eben die Folgen tragen, wenn Ihr nun diesmal herunterfallt. Uner hört wäre es, wollten Edi und Betty ihre Rechte Euch zu Liebe aufgeben. Euch gefällt das Majorat und der Titel Erlaucht doch auch recht gut. Willst Du mir 'mal sagen, warum' sie meinen Kindern nicht auch gefallen sollten?" Marie Antonie starrte die beleidigte Dame in sprachloser Ueberraschung an. War das die liebevolle, stets besorgte, sich nie genug thuende mütterliche Freundin? Was war an die Stelle der Freundschaft getreten in dieser Stunde der Noth? Eine bittere Erfahrung kroch Marie Antonie' wie ein giftiges Reptil über das Herz. .Das sagst Du? Mir sagst Du das?" stieß sie mit bebender Stimme hervor. .Du, die für alle Zeit mir Treue und Liebe versprach? Die mich als Braut" Mein Kind." fuhr die Baronin ent-

schieden geärgert dazwischen, .vergitz. bitte, eines nicht! Eure Verlobung habt Ihr durchaus hinter meinem Rücken betrieben, mich nicht im Mindesten um Rath gefragt. Ich war Euch gerade wichtig genug.' Amen zu sagen.- Sonst würde ichDu erinnerst Dich dessen wohl Dir Herrn v. Kirchstein nochmals zur Ehe anempfohlen haben. Und mit Recht! Ihm wäre es nie eingefallen, sich mit Deinen Ahnen lächerlich zu machen, wie Trachberg es nun thun muß. Kirchstein hat selbst keine aufzuweisen, und Du brauchtest daher als seine ??rau aucö keine." Wenn Max das hörte!" rief Marie Antonie m tiefstem Schmerz, und heiße Scham, dieses Haus gegen seinen Willen aufgesucht zu haben, brannte ihr auf der Stirn. .Wenn Max das hörte!" .Liebes Kind." sagte die Baronin, sehr geneigt, sich für die abweisende Behandlund seitens des Majoratsherrn auf. frischer That zu rächen, .Du thust wirklich, als ob Dein Gatte in unserem Hause den - schwarzen Mann spielte. Wir fürchten uns nicht, haben uns nie gefürchtet. Also, bitte, verwechsle nicht Rücksichtnahme auf seine großen Schwächen mit lächerlicher Angst!" Ein Gefühl, nicht nur der Abneigung,. sondern auch des Ekels ergriff die junge Frau. .Du!" sagte sie und ihre dunklen Augen strahlten in unbewußter Hoheit ein verdammendes Urtheil über die sich zurücklehnende Baronin. Du, die jedem Wort meines Mannes mit meinungsloser Zustimmung entgegenkam, die Du jeder verwandtschaftlichen Annäherung meines Gatten Dich rühmtest. Du, die das Glück unserer Zusammengehörigkeit pries, die unserem Sohne das Uebermaß ihrer Liebe auf Schritt und Tritt nachtrug, die sich freiwillig meine zweite Mutter nannte Du sagst mir das?" Die Baronin Lüttmig erhob sich mit steifer Würde, sie war offenbar durch den Vorwurf Marie Antoniens tief beleidigt. Man ist daran, gewöhnt, statt" Dank Undank zu ernten," sagte sie förmlich. .Undank! Von mir?" Mit diesem hoheitsvollen und doch schmerzlichen Lächeln auf den Lippen war Marie Antonie wunderbar schön. Ja, ich könnte mich hinreißen lassen durch Dein Verhalten, undankbar zu fein in dieser Stunde. Ich könnte Dir vorwerfen, daß Du es' warst, die ungerufen sich in mein Leben drängte und die Gestaltung meines Schicksals gegen Papas Willen selbstständig in Deine Hand nahm. Veschuldigen könnte ich Dich, daß Du damit den Keim legtest zu allem Kummer, der jetzt über unser Haus durch mich hereinbricht. Das könnte ich." Sie schwieg. Ihre strahlenden Augen verdunkelten , sich üuf's Neue durch Thränen. .Ich thue es nicht. Aber." sie richtete ihr Haupt höher auf. für die bittere Enttäuschung dieser Stunde mache ich Dich verantwortlich. Liebe hast D.'i mir nur geheuchelt, eine falsche Freundin bist Du mir gewesen. Mit dieser Stunde habe ich alles, was Du aus welchen Gründen es auch geschehen sein mag an mir gethan hast, reichlich abgetragen. Wir haben nun nichts mehr miteinander gemein, ob wir uns wiedersehen mögen oder nicht." Sie wandte sich ab und schritt rasch

aus dem Zimmer, bevor die Baronin sich von ihrer ebenso unvorhergesehene als gründlichen Niederlage zu erholen im Stande war. Drunten wartete der Wagen. Marie Antonie stieg hastig ein. Fort rollten die Räder, wieder m das graue Nebelmeer der Ebene hinein, welches der Wind zu einem feinen, kalten Sprühregen verdichtete. Wieder starrte Marie Antonie auf die vorüberhuschenden Bäume, in das trostlose Wettergrau. Wie alt, wie alt kam sie sich vor! Wie niedergedrückt auch! Als habe sie einst Flügel besessen lind durch rauhe Hände eingebüßt. Als sie Maximilian' gegenüberstand, beugte sie sich schweigend über seine Hand und küßte sie. Es war die stille Abbitte, welche sie ihm für ihr Zuwiderhandeln gegen fein besseres Wissen leistete. Nun flössen die Tage dahin, unverändert wie'bisher. -Nur daß aus ihrem Hintergrunde heraus das drohende Gefpenst sich immer näher zwischen die schweigsamen Gatten schlich. Mochte Marie Antoniens übervolles Herz mittheilender Aussprache noch so bedürftig 'sein, mochte ihre furchtgequälte Liebe noch so heiß danach verlangen, den Gegenstand ihres beiderseitigen Grames zu erörtern, die Zurückhaltung des Grafen vereitelte jeden Versuch im Voraus. .Ich liebe es nicht, nutzlose Reden über eine Angelegenheit zu machen, die lediglich durch Thatsachen, entschieden wird," sagte er. . Aber sie ahnte doch mit zartfühlendem Instinkt, daß Maximilian, als er den Landesherrn in die obwaltende Streitigkeit eingeweiht, alle Möglichkeiten erwog, seinen Rückzug mit bester Ausnutzüng - aller verfügbaren Mittel vorzubereiten. . . ' Wie unsäglich hart, diese langsame Loslösung, diese selbstvollzogene Enteignung ihm ankam, wieviel schlaflose Nächte-und überarbeitete Tage sie ihm schufen, sah Marie Antonie nur allzu deutlich. Sein blondes Haupthaar erqraute. Wie eine Centnerlast fiel ihr der Anblick auf's Herz. -. . Wie steht's jetzt?" fragte sie einmal überwältigt und erfaßte feine Hand. .Mir ist's, als ginge mir der Athem aus in diesem Warten. Mich ängstigten so schwere Träume." Träume?" sagte er achselzuckend.

Die Zeit, sich um Träume zu kummern, ist gerade gut gewählt. Du thust

besser, festen Fuß in der Wirklichkeit zu fallen." Kommt der Justnrath denn gar nicht mehr heraus?" fragte sie leise weiter. Ich hbe fo großes Zutrauen zu ihm. Wenn einer Rath fchaffen könnte" Armes Kind!" sagte er, ihre Wange streichelnd, und ließ sie allein. Das Bild des Kleinen kam vom Photographen. Als Marie Antonie es ansah, ging ihr wieder ein Schauer durch die Seele vor der überirdischen Zartheit ihres Sohnes. Und sie stürzte in das Zimmer, aus welchem ihr nie ein fröhllches Jauchzen entgegenscholl, und wieder saß Miß Dunby an dem kostbaren Bettchen und strickte . spinnwebfeine Sockcken. Baby schläft!" Ach. er schlief fast immer! Marie Antonie dachte es mit fiebernder Ungeduld. Warum war gerade ihr Sohn so müde? Warum ließ er sich geduldig tragen und versuchte nicht lieber die eigene Kraft zu erproben? Und warum legte sich, wenn er schlief, statt der gefunden Schlummerröthe eine durchsichtlge Blasse wie ern Schleier über fern Antlitz? .Baby fchläft nach dem schwerenWem immer." sagte die Wärterin. Dann geben Sie ihm kemen Wem, fiel Marie Antonie dringend ein. .Der Arzt, Mylady " Jawohl, der Arzt! DesKleinen blutarmer Körper sollte eine Stärkung erfahren. Dazu wurden immer neue, immer kostbarere Mittel angeschafft. Der kleine Schlafer athmete nur Tannenduft und Ozonluft in seinem Reich. Mit den feinsten hautkräftigenden Spezereien mischte man das Wasser, darin er gebadet ward, nur daß der erzielte Erfolg in keinem Verhältniß zu der aufgewandten Mühe stand. Marie Antonie hielt die kleine kühle Hand auf der blauen Seidendecke lange in der ihren, bevor sie sich niederbeugte, die Lippen ihres Sohnes zu küssen. Ihr Mutterherz fühlte wohl Befriedgung, aber Freude und Erquickung fand es nicht. Trost noch weniger. Bedrückter, als sie gekommen, zog sie sich lautlos zurück. , Als sich die erste leichte Flockendecke über die Thürmen des Holdenberger Schlosses spannte, hielt der Wagen des Justizraths vor dem Portal. Der -Graf empfing ihn mit scharf musterndem Blick. Dann wandte er sich zur Seite und drückte auf die Klingel. .Ihre Erlaucht möge die Güte haben, sich einen Augenblick hierher zu bemühen!" Ich bin untröstlich" sagte Geisler. .Warten Sie noch einen Moment." fiel Trachberg ein. .Ich möchte die Entscheidung, die doch nun einmal unabwendbar ist, in Gegenwart meiner Frau empfangen. Sie ist eingeweiht." Das lebensfrohe, so gern schelmisch lächelnde Antlitz des alten Herrn war sehr ernst. Er sah vor sich nieder , und schaukelte sein Augengla. langsam hin und her. . ' Durch die Halle rauschte Marie Antoniens leichter Schritt. Der Leibjäger des Grafen öffnete die Thür. Sie trat ein. Herr Justizrath-!" Er trat ihr hastig entaeacn. nahm die Hände, -welche sie ihm wie erlöst aus unerträglicher Spannung lebhaft entgegenstreckte, und drückte sie. Wenn ich auf mein Leben zurücksehe," sagte er bewegt, .auf ein Leben, reicher an fchweren als an frohen Stunden, so finde ich, daß ich jetzt vor einer meiner schwersien Aufgaben stehe, weil es eine von mir hochverehrte, mir allezeit gütig gesinnt gewesene Dame ist, welcher ich Kummer zufügen muß." Lassen. Sie das, ich bitte darum!" fiel Trachberg ein, aber auch seine Stimme klang erschüttert. Wir wer" den von diesem Ercigniß schon so hinreichend außer Athem gesetzt, daß wir thunlichst Worte sparen wollen. Haben Sie die Güte, uns das Resultat ich meine, das Resultat ". Er fuhr nicht fort, sondern wandte sich zum Fenster, gegen dessen Brüstung er sich mit gekreuzten Armen lehnte, den Blick finster zu Boden gerichtet. Marie Antonie dagegen trat näher zu ihrem ergebenen Freunde mit vor Spannung leicht geöffneten Lippen und fest ineinander gedrückten Händen. Nun denn," sagte Geisler mit gedämpfte: Stimme, .die Oeffnung des Grabes in dem lothringischen Dorfe vollzog sich im Rahmen gesetzlicher Vorschriften fast im Stillen. Außer dem aufsichtführenden Richter und dem Kreisphysikus waren nur derOrtspfarrer und einige Arbeiter zugegen. Die frühe Morgenstunde hielt die Dorfbewohner noch im Hause fest. Das Fundanient des Denkmals war gut gelegt worden und schwierig herauszuheben. Es war die einzige Arbeit, welche aufhielt. Man reinigte die Buchstaben der Inschrift sorgfältig und las alsdann ganz deutlich: ,Louis Amadee Debellaire.'" .Doch könnte vielleicht " stieß Marie Antonie fieberhaft erregt hervor. .Nein, Euer Erlaucht, die Sache entschied sich schnell. Die Knochenreste, die gesunden wurden, lagen im Erdreich verstreut neben Fetzen von silbernen Tressen und verrosteten Metallknöpfen. Ein Theil des Schädels mit einer halbfettigen zahnlückigen Kinnlade kam gleichfalls zum Vorschein-der Schädel eines alten Mannes." " .Also doch!" murmelte der Graf '

Netn, nein! Das ist kein Beweis!" rief Marie Antonie, außer sich gebracht durch den Gedanken an ihren nichts ahnenden Vater. Der Schädel kann nicht sagen: ich gehörte dem Herrn v. Debellaire an. Wer will denn beweisen, daß man nicht einen anderen in dieses Grab gelegt hat?" Marie Antonie" sagte, Trachberg mahnend. Nein, ich muß endlich über diese entsetzliche Sache sprechen," rief sie, ihre Hand auf den Arm des Justizraths legend. Ich muß für diese furchtbare Last Worte .finden. Ich bin's ja, auf welche sich alles zurückwälzt. Was Sie auch anführen werden, mich trifft es zuerst. Und ich leide doppelt darunter. denn ich leide mit für meinen Mann, für meinen Sohn, für" .Marie Antonie!" Eine nie gekannte Erregung in der Gegenwart des Justizraths ließ sie diese 'tfflahmms'zn vSizrhnrjtrj. (Fortsetzung folgt.)

Ebbe nd Fluth der Grundwasse?. Ein Bcrg-Jngenieur fchrnbt der Frankfurter Zeitung": Daß die Meere Ebbe und Fluth haben, ist eine allgemein bekannte Erscheinung; wenig oder gar nicht bekannt dürfte aber fein, daß auch die Grundwasser, die man ja überall bei einer gewissen Tiefe antrifft, auch dies Verhalten zeigen. Ich war seiner Zeit. Mitte der 70er Jahre, auf einer der bedeutendsten hessischen Tiefbaugruben genöthigt, Tag und Nacht ununterbrochen die Pumpen in Betrieb zu haltenund mußte demgemäß, um bei den starken Wasserhaltungskosten noch eine entsprechende Rentabilität zu erzielen, auch Tag und Nacht durcharbetten lassen. Nun fand ich zu meinem Erstaunen, daß vei stets gleicher Hubzahl der Pumpen Abends zwischen 8 und 9 Uhr der Wassersiand in der Sumpfstrecke immer um einige Fuß höher war, als morgens um dieselbe Zeit; es mußte also zu diesen Tageszeiten ein allgemeines Steigen beziehungsweise Fallen der Grundwasser eintreten. Besiätigt wurde mir diese Wahrnehmung noch durch einen anderen Umstand, auf den ich durch den Aberglauben der Bergleute aufmerksam geworden. war. Damals hatte ich circa einen Kilometer östlich von dem Hauptbetriebe einen Schurfschacht niedergebracht, von dem aus auch schon kurze Strecken im Lager aufgefahren waren. Dieser Schacht hatte die Grundwasser noch nicht erreicht. Eines Abends weigerten sich die Arbeiter, dort einzufahren, weil, wie sie sagten, es in dem Schacht spuke" und das immer zwischen 8 und 9 Uhr Abends. Auf mein Befragen erfuhr ich, daß um diese Zeit sich dort immer ein Heulen und Pfeifen erhebe, das ähnlich laute, wie wenn der Wind durch enge Oeffnungen blase, etwa auch wie verstimmte Orgelpfeifen. Ich ließ nun zu der angegebenen Zeit die Leute dort ausfahren und blieb mit dem Steiger allein im Schacht. Wirklich begann nach kurzer Zeit das beschriebene Heulen und Pfeifen, so daß wir uns ganz verdutzt ansahen und nicht wußten, was wir dadon halten sollten, bis mir einfiel, daß diese unheimliche Musik durch die aufgehenden Grundwasser verursacht werden mußte, die die darüber befindliche Luft der Kalkhöhlungen mit aller Gewalt durch die Klüfte drängte und ihr so einen Ausweg verschafften. Diese Beobachtungen habe ich auf dem Oberrosbacher Bergwerk bei Friedbera.gemacht. Als ich später bei Friedrichsdorf für einen dortigen Fabrikanten mehrere Schächte abteufen ließ, um ihm die nöthigen Betriebswasser zu fchaffen, habe ich auch dort ein ähnliches Verhalten der Grundwasser beobachtet. Dem österreichischen Landesgeologen, Herrn Professor Dr. Steiner in Prag, der sich nachmals in Homburg v. d. H. behufs Neufassung der dortigen Quellen aufhielt, machte ich Mittheilung von dem Phänomen.' worauf er mir mittheilte, daß ihm meine Beobachtungen hochinteressant seien, er könne sich dadurch das Verhalten der dortigen Elisabethenquelle erklären, die zu verschiedenen Tageszeiten einen veränderlichen Wasserstand zeige. . Verkehrshinderniß im New Yorker Haf e.n. Die offiziellen hydrographischen Karten für den Hafen von New Jork, die man bisher für unfehlbar hielt, haben sich als nicht besonders zuverlässig erwiesen, denn in der Nähe des Pier i im North River ist em Felsblock entdeckt worden, von dem man keine Ahnung gehabt hat, und der auch nicht entdeckt worden wäre, hätte der Dampfer .Kensington" vor Kurzem nicht das Malheur gehabt, an der bezeichneten Stelle auszulaufen. Auf der hydrographischen Karte ist für jene Stelle eine Tiefe von 50 Fuß verzeichnet, da aber die .Kensington" b:i einem Tiefgang von 26 Fuß auflief, kam Hafen-JngenieurMansfield zu der Ansicht, daß sich an jener Stelle vielleicht ein Wrack oder ein ähnliches temporäres Verkehrshinderniß befinde. Er schloß mit einer Firma infolge .dessen einen Kontrakt zur Entfernung' des Hindernisses ab. . Die Taucher der letzteren fanden nun'statt des temporären Verkehrshindernisses' ein recht permanentes in Form einer soliden, etwa 24 Fuß über dem Hafenbette hervorragenden Felsformation, die natürlich schon bestanden haben muß, als der Hafen von New Fork angelegt wurde. Offenbar ist bei den Vermessungen diese Stelle übersehen worden. Dem Kongreß ist nun empfohlen, worden, die etwa $50,000 betragenden Kosten für die Entfernung des Felsblocks zu bewillioen. . ' '

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