Indiana Tribüne, Volume 25, Number 273, Indianapolis, Marion County, 10 July 1902 — Page 7
Jndiana Trivune, 10. Juli 1US.
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Tffcnn du mich GcOfL I tToTnan im Citttra fiartrnfa k?m7 ! 2 - " - " z ' j v Kocx?el.) (Fortsetzung.) AIS 'jjfajtnnlian ycule eintrat, konnte sie nicht anders, als seine Hand nehmen und fest an ihr Herz drücken. Tu darfst mich nicht wieder so dergessen!" Er schüttelte den Kcpf. G&iast der Kleine?" Willst Du ihn sehen?Cafj nur, Kind! Ich gehe spater villleicht hinüber." Er sete sich in den Schaukelsiuhl. Im TccZenspiege! des Kamins sah er die Bilder skiner Eltern. Das schmalgeschnittene aristokratische Antlitz seincs Vaters machte den inneren Grimm fast überfließen. Er warf die kaum entzündete Eigarrette in's Feuer. Marie Antoniens Augen folgten staunend diesem Vorgang. Sie wagte es nicht, ihm das Etui noch einmal hinzureichen. Aber sie glaubte sein Interesse erwecken zu sollen, deshalb sagte sie: Ich habe Dir etwas von Eduard zu bestellen." Von wem?" rief er auffahrend. Sie schrak leicht zusammen. Von Eduard ich traf ihn in der Parksiraße. Er war so sonderbar, sehr sonder bar " Ihr spracht Euch?" fragte Trachberg, das liebreizende Antlitz seiner Gattin fizirend. Dich sprach er an?" Ich begreise wirklich nicht" sagte Mariz Antonie mit unsicherer Stimme, wir sind doch sonst nicht aneinander vorübergegangen!" Es ist wahr, Du mußtest über meine Frage erstaunen. Also erzähle!" Ich wollte nur sagen," fuhr sie rafcher fort, daß mir Eduards Aussehen Sorge macht, er will aber nicht krank sein. Das, was er sagte wie er's sagte Du glaubst es nicht, aber eigentlich hat er mich mit dürren Worten vor Letty gewarnt. Ich wollte nämlich Tante Tina besuchen, so lange Baby schlief." So also Tante Tina!" murmelte er mißächtlich. Ich war nicht dort," fiel sie rasch ein. Eduard sagte, Betty sei bei der Mama er sprach nur von Betty. Und dann" sie lächelte, indem sie ihre Rechte erhob ich glaube, er hat mir rothö Flecke in die Hand gedrückt. Ich sollte nicht alles. Schlechte von ihm glauben. Von Deinem Haß sprach er auch; er thäte aber nur, was er müßte. Ich habe gar nicht alles verstehen können. so jagten sich seine Worte. Richtig. das kam gleich zu Anfang? Du würdest wohl begreifen, weshalb er Dich heute Morgen nicht habe sprechen können." Die weiche Stimme der Erzählenden, welche abnungslos in der Wunde wühlte, die ihn marterte um so quälender wühlte, als es ihr Verderben . war, von dem sie scherzend sprach, machte die Zornesäder auf Trachbergs Stirn hoch anschwellen. . Der Elende! Der erbärmliche Wicht!" Sie fuhr zusaminen. Max " Der Name dieses Mannes soll in meinem Hause nicht mehr genannt werden," rief er mit blassen Lippen. Ich verbiete es Dir und Jedem. Er ist nicht werth, daß Du es thust. Und was dieses ränkesüchtige, beutegierige Weib anbelangt, vor der er Dich mit einem letzten Rest von Scham warnte. dieie Furie des Hasses und der Elfer sucht, so mache Dich endlich damit ver traut, in ihr Deine bitterste Feindin zu sehen. Eduard, der Dich so liebte und ehrte " flüsterte sie scheu. Willst Du nicht auch sagen, daß er Dich liebte und ehrte?" fragte er. olzne die Scharfe des Tons zu milüern. Willst Di7 nicht sagen, daß er unseren Sohn lieb:e? Diesem Feigling sollst Du nicht länger das Wort reden. Ich wollte Dir noch eine kurze Zeit der Täuschung gönnen, aber Bettys Drahtpuppe könnte Dir wieder in den Weg treten. Davor will ich Dich schützen und mich." Das Angstgefühl, welches heute schon zwei Mal ihr H'erz bedrückt, senkte sich von Neuem und mit doppeltem Gewicht auf Marie Antonie. Mich schützen?" stammelte sie verwirrt. Mem I30tt Dieser Mann, den Du bemitleidest, ist im Begriff" Wie er's aussprechen wollte, gewahrte er ihr angstgeröthetes Antlitz. Ich muß Dir wehthun," sagte er und nabm ihre Hand, aber ich fürchte, es gibt nur noch Aufschub, kein Abwenden." Ich bitte Dich, Max," er fühlte, wie ihre Finger in den seinen zitterten, was kann man mir anthun wollen? Eduard und sein Weib, welches iyn dazu angestiftet, haben Ursache gefunden, an der Echtheit Deiner Abstammung zu zweifeln," fuhr er mit bitterem Nachdruck fort. Meiner Abstammung" fragte sie, sich höher aufrichtend. Ich bin eine Debellaire." Das besireiten sie eben." Ich versiehe Dich nicht!" rief sie, seine Hand pressend. Ich unser Name wie kann man wagen, zu sagen, ich sei keine Debellaire! Rufe doch . Papa, daß er diefe Beleidigung unseres Namens rächt." . Ihr Auge flammte in hellem Zorn, jedes Wort war ein Vorwurf für Maximilian.
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Er achtete nicht darauf. Diese Em-
pfindlichkeit erschien ihm angesichts der Sachlage viel mehr kindisch, als berecdtigt. Der Gedanke gar, sich den Vikomte zur Unterstützung kommen zu lassen, machte ihn lächeln. Wie scbmerulcp dieses Lackeln u: auch berührte, ihr Ahnungsvermogen fühlte, daß Kummer und Sorge seine Erzeuger waren. Max!" rief sie, wie kann ich denn keine Debellaire sein? Geh dech. Du treibst Deinen Scherz mit mir!" So erwartungsvoll sah f:e ihm in 5 Gesicht, daß er in diesem Moment regstcs Mitgefühl für sie empfand. , Die Machenschaften meines ehrenwerthen Vetters und seines Weibes oehen dahin. Deinen Großvater zum Abkömmling eines anderen Mannes zu machen als des Emigranten Louis Amadee Debellaire. Still! Unterbrich mich nicht! Das steht bereits ziemlich fest, daß auf dem Kirchhof in Würzbürg ein Mann begraben wurde,' der in der Blüthe seiner Jahre starb, kein gebrechlicher Greis. Sein Bild sahst Du heute Morgen. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und Deinem Vater ist Dir ebenso wie mir sofort in's Auge gesprungen. Mehr noch. Du selbst trägst seine Züge unverkennbar." 'Unverkennbar " flüsterte sie ihm begrifflos nach, um etwas zu sagen. Ja, ganz recht!" rief sie plötzlich auffahrend. Das Bild, das Du in der Hand hieltest wer soll's gewesen sein?" Dein Urgroßvater, der Kammer diener des auf der Flucht in Lothringen.! verstorbenen und in einem lothringifchen Dorfe begrabenen echten Debellairc." Erst starrte sie ihn an, als ob er etwas Sinnloses vor sich hingesprochen habe. Aber wie sie die Falte zwischen seinen Brauen sich vertiefen fah, ging ein Schrei über ihre Lippen. Ihr hab! ja genug von dem treuen Knecht erzählt," fagte Trachberg mit verweisender Handbewegung. Ohne den Kammerdiener kam diese Fluchtgeschichte niemals zu Stande. Hättet Ihr wenigstens davon geschwiegen." Der Kammerdiener " stammelte sie athemlos vor Schreck. Plötzlich sprang sie auf. Papa! O GottPapa!" Er wird sich gleich uns darein finden müssen," fagte Trachberg achselzuckend. Es berührte ihn unangenehm, daß sie in dieser Sache zuerst an die lächerliche Eitelkeit ihres Vaters dachte. Nein, das wird er nicht!" murmelte Marie Antonie, als lähme ihr der Schreck noch die Zunge.' Uns bleibt die Fülle, aber was bleibt ihm? O laß, laß! Ich muß es mir vom Herzen sprechen, was ich ganz allein weiß. Ihr kennt ihn ja nicht, Ihr wißt ja nicht, was dieser Schlag für ihn bedeutet. Ihr könnt ihm ebenso gut Gift reichen als diese Nachricht sie muß ihn tödten." Sie hatte die Hände gegen die Augen gedrückt, als verberge sie diesen damit ein abschreckendes Bild. Mit etwas Einsicht wird er sür seine Person darüber hinwegkommen," versetzte Trachberg unbewegt. Er könnte aus dem Falle sogar lehrreiche und erheiternde Betrachtungen ziehen." Das sagst Du?" rief sie mit ungläubigem Schmerz. So kalt läßt es Dich, wenn ihm die Stütze fortgeschlagen wird, die ihn in Entbehrung und Entsagung allein aufrecht erhalten hat? Denke darüber, wie Du willst, für ihn ist sein Familienname ein Evangelium. Er glaubt daran, er schwört darauf, er lebt darin. Und Ihr wollt es ihm nehmen?" Sie warf sich auf seinen Schooß und schlang beide Arme um seinen Hals. Das thust Du nicht, Max! Verschweig es ihm. Mich wirst Tu ja nicht geringer darum achten. Laß der Vosheit ihren Lauf. Wen kümmert's, wefsen Sohn mein Vater ist? Er ist mein Vater. Laß ihn den guten Glauben mit in's Grab nehmen, daß e? ein Debellaire ist. Nicht wahr. Du wirst Deine Macht anwenden, düj kein Wort davon zu ihm verlautet?" Ihrer Unkenntniß gegenüber fühlte er sich auf's Peinlichste berührt in seinem Zartgefühl. Ich bitte Dich." sagte er, laß jetzt die übermäßige Sorge um ein Steckenpferd Deines Vaters. Ich kann ihn nicht schonen, die Verhältnisse lassen es nicht zu. Glaubst Du denn, thörichtes Kind, Betty führe nur einen Lufthieb gegen mich? Meinst Tu, es wäre ihr nur um ein Harmloses Stückchen Stammbaum mehr oder weniger? Da wäre sie allerdings werth, daß man ihr den Kopf noch kahler scheerte und sie dann laufen ließe, weihre Thorheiten anzustellen." Die Empfindungsschärfe und gehässige Verachtung, welche aus diesen Worten sprachen, machten Marie Antonie hoch aufhorchen ' In diesem Augenblick, wo er ihr ore niederschmetternde Sachlage bekannt geben mußte und damit eine Demüthigung sondergleichen verbinden, beherrschte ihn wiederum das Mitgefühl ausschließlich. IS will Dir offen den Grund ihres Hasses mittheilen, damit Tu besser- begreifen lernst." sagte er weich, ihre Stirn küssend. Betty Lüttmig hat mich geliebt Betty Trachberg fuhr darin -fort. Und es' kam ein? Stunde, wo sie beinahe glauben konnte, mich ' empfänglich gemacht zu haben. Dieser -Irrthum ist alles bei ihr: Krankheit. Unrast, Haß. Rachedurst." Marie Antonie hatte sich aufgerich tet und mit zitternden Lippen jedem Wort gelauscht. Dich!" sagte, sie. und wieder laa in Blick und Ton eine Welt voll Liebe. Ich begreife sie ist nun entschädigt.
Trachbergs milde Regung verflog wie ein Hauch. Ich rieth Dir schon einmal, sie nicht zu entschuldigen," sagte er hart. Ich thue es nun zum zweiten Mal. Mich zir verletzen, wo es am unerträglichsten ist, greift sie Dich an. Deine Geburt oder Deine Ahnen. Wenn Du bis jetzt davon nichts wußtest, vergib mir's. daß ich Dich in dieser Stunde klar sehen lasse. Ich kann's Dir nicht ersparen, mir nicht dafür sorgt unser Familiendämon." Er hielt einen Augenblick inne. während sie erwartungsvoll an seinen Lippen hing. 'Dann schloß er mit finsterem Nachdruck: Sie reißen mir das Majorat aus den Händen Deinethalben!" - Meinethalben ?" fragte sie. die dunklen Augen träumerisch aufschlagend. Ihr wurde müde zu Sinn. Der Heu'tige Tag war so reich gewesen an schmerzlichen Erregungen. Möchte es doch erst Nacht werden, und der silberne Ampelschein über ihr stilles Lager glciten. Es gibt." fuhr er rascher fort, diese widerwärtige Erklärung so schnell als möglich hinter sich zu bringen, es gibt ein ähnliches Steckenpferd wie das Deines Vaters in unserer Familie nur hat einer meiner Vorfahren dieses Steckenpferd zu Pergament gebracht. Die Frau des jeweiligen FamilienoberHauptes, des Majoratsherrn', muß sich mit mindestens fünf Ahnen brüsten können, sonst " Sonst?" rief sie, wie erstickt von ihrem aufbäumenden Herzschlag, obwohl nur erst dunkel die Bedeutung dieser Worte fassend. Sonst erlischt sein Anspruch auf das Majorat!" Er sprang auf und zog sie mit empor. Jetzt siehst Du den Stich dieser Schlange," fuhr er fort,
seines Ingrimms Nicht langer Herr. Sie hat gut gezielt. Rache und Eifersucht haben gleichzeitig ihre Rechnung gefunden. Jetzt vertheidige sie noch, entschuldige sie, die Deinem Sohn den schönsten Besitz im Lande entreißt. Ich sag's Dir, damit Du Eduards Liebe! zu mir erkennst. Die Nebenlinie un seres Hauses ist stark begütert, Eduard ist em reicher Mann. Meine Einkünfte bringt allein das Majorat. Verliere ich es, so besitzen wir nur wenig, denn mein Privatvermogen ist gering. Sie war wie zerschmettert. Fas sungslos blickte sie um sich, als sähe sie den unheimlichen Schatten, der heut schon auf ihren Weg gefallen, näher an sich herankriechen. Thatsachen!" sagte Trachberg, ihre Hand fluchtig druckend. Dann war sie allein. 16. Kapitel. Marie Antonie saß eine ganze Weile wie erstarrt. Dann richtete sie sich langsam auf und blickte so verstört und scheu um sich, als gehöre sie nicht hierher, als sei sie widerrechtlich eingedrungen n diese Stätte der Pracht und des Reichthums. Daß doch alles ein Traum gewesen wäre! Ihre Seele schrie es zum Him mel empor. Sie wußte aber, daß es Wahrheit war, und daß Maximilian um ihretwillen verlassen und aufgeben sollte, woran er mit allen Fasern sei nes Lebens hing. So tief war ihr Schmerz, so ganz war sie in Angst versunken, daß sie das Kind, dem sie das Leben nur gegeben, um es seiner Rechte beraubt zu sehen, jetzt nicht hätte um sich haben können. Sie würde bei seinem Anblick gezittert haben in dem Gedanken, daß ihm vielleicht auch die Liebe des Vaters geraubt werden könne. Dagegen wappnete sich jede Fiber in ihr zum Widerstand. Ein Impuls, dlltzjtraylg-Zlch ihre Herzensnoth erleuchtend, ließ sie zur Thür stürzen, da sie den Kleinen auf ihrem Arm zu Maximilian trüge. Hier sind wir! Dein! Glücklich, wenn Du uns lieb hast! Laß Dir genügen an unserer großen Liebe!" Aber der schon erhobene Arm sank muthlos nieder. Die Liebe allein füllte das Lebensbedurfmß dieses Mannes nicht aus sie wußte es. Ich kann das Unglück nicht hereinbrechen lassen! Nicht über ihn nicht über uns!" Sie hatte die cefalteten Hände gegen die Stirn gepreßt, als müsse ihr von dort her em rettender Gedanke kommen. Sie grübelte weiter die ganze schleichende Nacht. Nur wenn Seele und Leib müde wurden im vergeblichen Ringen, umfaßten sie flüchtige Träume der Vergangenheit, Thränen auf ihren Wangen erweckten it wieder. Beim Morgengrauen war ihr Ent schluß gefaßt. Zum ersten Mal han delte sie gegen den Willen ihres Gatten, zum ersten Mal nahm sie zur Heimlich keit ihre Zuflucht. Aber ob sie auch zagte, die bittere Demüthigung auf sich zu nehmen. Bettys Gnade anzuflehen die Liebe zu ihrem Sohne, die Liebe zu Maximilian waren großer als alle Scheu. Sie bestellte den Wagen. Durch die feuchten Scheiben sah sie mechanisch Baum an Vaum an sich vorübergleiten. Trostlos lag die Außenwelten Dunst und Nebel verloren. Wohin war aller Sonnenglanz entschwunden, der ihr noch gestern in's Herz gelacht? Als sie das Haus betrat, aus wel chem der Giftpfeil gegen ihr Glück ge schnellt worden war, wich ihr.dc.3 Blut aus den Wangen. Sie griff nach dem Geländer, ihre schamvolle Bewegung dem Auge des Dieners zu entziehen. Melden Sie mich nicht an" sagte sie,, und hatte das Gefühl, daß alles in ihr diesem Ganze widerstrebte, selbst lbre Füße wollten nicht vorwärts
chreiten über die Purpurdecken der
Treppe. Ich suche die Gräfin , selbst auf." Jetzt konnte sie nicht mehr zurück. Die Thür zu jenem lichtblauen Salon, den sie neben Frau v. Lüttmig einst in freudiger Erwartung betreten, stand geöffnet. Der Diener wartete nur ihren Eintritt ab, sie gerauschlos hinter ihr zu schließen. Alles still. Marie Antonie muthete es fröstelnd an wie die todte Pracht unbewohnter Räume. Ihr leichter Schritt über den weißen Tevpichgrund erzeugte keinen Laut. Mit bebender Hand schlug sie den Vorhang zurück. Ebenfalls alles leer. Aber ihr angstgeschärftes Ohr vernahm im Nebengemach Geräusch, gleichmäßig sich folgende Tritte, als schritte jemand in Gedanken oder Unruhe rastlos auf und nieder. Betty wandte ihr den Rücken beim Eintritt. Erst als sie auf ibrem Rückgang sich der Schwelle näherte, faßt: sie die Gestalt daneben in's Auge. Was willst Du hier?" fragte sie, ohne Staunen darüber zu verrathen. den Gegenstand ihrer Gedanken plötzlich vor sich stehen zu sehen. Ihre Stimme klang herbe und matt zugleich. Müde waren ihre Züge, müde ihre Haltung. Der stachelnde. Anreiz hatte ihr gefehlt, daher erschien ihre Kraft wie gebrochen. Marie Antoniens holdselige Schönheit aber rüttelte sie wieder auf. Was willst Du hier?" wiederholte sie finster, auf ihrem Platz mitten im Zimmer stehen bleibend. Hat Dir Dein Mann nicht gesagt, daß Du von mir nichts zu erwarten hast, als Gerechtigkeit?" Gerechtigkeit Betty!" Diese machte eine abweisende Handbewegung. Was seid Ihr denn für Menschen," sagte sie mit düsterem Lächeln, daß Ihr dem Stolz, den Euch Niemand nehmen kann, so wenig Werth beilegt! Ich würde keinem Menschen em gutes Wort geben, mein bischen Dasein so oder so zu gestalten." Marie Antonie rang mit ihrer Vefangenheit. Mein Dasein, ja! Aber das meines " Ich habe nachgerade einsehen gelernt." unterbrach sie Betty herb, daß ein Jeder genug mit seinem eigenen Schicksal zu thun hat. Ich würde Dir auch anratben, nur nach dem Deinen zu sehen. Wenn man denkt, daß diese Posse, die man Leben nennt, uns so viel Kopfzerbrechen macht und Schererei! Ueber wen soll man mehr lachen, über die Mühle, die den Müller immerfort herumdreht, oder über den Müller, der sich umsonst abmüht, sie aufzuhalten? Laß Deine Absicht fallen, Marie Antonie nimm hin, was kommt!" Ich kann nicht!" Du kannst nicht?" rief Betty mit unbeschreiblich schmerzendem Hohn. Das wäre allerdings ein Grund! Ach nein, so billig thut's unsere Lehrmeisterin Noth nicht! Da muß man schon etwas mehr einzahlen als: ich kann nicht. Unter Umständen fordert sie uns ab, was wir besitzen, für eine einzige Erkenntniß: Jugend, Schönheit, Reichthum alles. Kehre um, Marie Antonie! Ich rathe Dir gut." Die Hände der jungen Frau streckten sich ihr entgegen. Du weißt ja nicht, was ich in dieser Nacht durchgekämpft habe!" Wirklich? Eine ganze Nacht? Das ist allerdings fürchterlich! Weißt Du. daß Du drollig bist, meine liebe Kleine? Noch einmal: fahre nach Hause und sage Deinem Mann " Er weiß nicht, daß ich hier bin. Ich kam zu Dir. um Dein Mitleid anzurufen. Für mich will ich nichts. Den äußeren Glanz, den mir das Schicksal gegeben hat. will ich gern aufgeben 7 Du solltest ihn ruhig haben." Laß das," versetzte Betty. gegen ihren Willen das Auge niederschlagend vor der glaubwürdigen Innigkeit dieser Worte. Ich thue, was mir recht dünkt. Thu's auch. Damit ist der Fall erledigt." Ich finde kein Mittel für meine Gewissensangst als diesen Gang zu Dir. Du hast Deinen Vater früh verloren, der meine lebt. Wenn Du mich zwingst, ihm die Nachricht zu bringen O, Betty, Betty! Denke an fein krankes Herz! Ich bitte Dich, Betty!" Wer hat kein krankes Herz? Ist das Deine etwa jetzt gesund? Warum glaubst Tu, daß das Herz Deines Vaters mehr geschont werden müsse als das anderer Menschen? Ich sage Dir, das Herz hält eine Welt von Schmerzen aus. ohne zu brechen." Ueber Marie Antoniens blasse Wangen flog eine holde Nöthe. Mein Kind" flüsterte sie. die gefalteten Hände gegen die Brust drückend. Du hast kein Kind. Sei darum nicht hart. Du kannst jetzt so viel Gutes thun an meinem Sohn, wie ich es nie vermöchte. Wir Beide wollen Dir's danken mit unserer ganzen Liebe. Laß ihm sein Erbe. Mache nicht, daß ein Tag kommen könnte, wo er mir" sie konnte nicht vollenden, Thränen wollten ihre Stimme ersticken, mir, seiner Mutter, vorwirft. Dir das Recht gegeben zu haben, ihn zu berauben." Wenn er Dir das vorwürfe," fiel Betty milder ein, wäre es nur doppelte Gerechtigkeit, was ihm nun widerfährt." Nimm ihm die Möglichkeit," fuhr Marie Antonie fort, ihre dunklen Augen flehend auf das farblose Antlitz der Gräfin heftend. Ich konnte mich von dieser Angst nie mehr befreien. Laß mir das reine Glück, das Gott mir in diesem Kinde schenkte. Ich will's da-
hin erziehen, dft es Dein Opfer begreifen lernt. Wenn's Dir ein Lohn sein kann, so soll es Dich mehr lieben lernen als mich. Aber nimm ihm die Möglichkeit, mir dereinst Vorwürfe zu machen ich ertrüg's nicht!" Sie, legte die Hände vor ihr Gesicht, die Thränen zu verbergen, welche jetzt unaufhaltsam durch ihre Wimpern rannen. Betty Trachberg stand unbeweglich, den Blick fest, aber ohne Frohlocken auf Marie Antonie gerichtet. Ihre Gedanken weilten bei dem Tage, wo dieses schmerzbewegte junge Weib sorglosen Sinnes wie ein lachender Frühlingst'ag zuerst ihr gegenüberstand. Zwei kurze Jahre lagen, dazwischen. Was hatten diese zwei Jahre aus Marie Antonie gemacht! Was aus ihr selbst! (Fortsetzung folgt.)
' Gassenjunge alö' StaatSkntscher.' ' Den - Assisen in Ennis, Irland, wohnte dieser Tage der Lord Oberrichte? O'Brien an. Vor dem Gerichtsgebäude fuhr die Staatskutsche des Ober-Sheriffs auf, um den Lord Oberrichter nach Hause zu bringen. Es war alles in dem üblichen großen Stil. Lakaien und Kutscher in glänzender Livree, eine Abtheilung Dragoner und zwei berittene Polizisten als Vorreiter. Der Staatstrompeter fehlte auch nicht. Zufälliger Weise wurde der Kutscher während der Verhandlung als Zeuge gerufen. Er legte seinen goldverbrämten Hut unter den Kutschersitz und rief einen der halbwüchsigen Straßenjungen, dessen Anzug einmal neu gewesen sein mochte, jetzt aber ein würdiges Objekt für Lumpensammler war, herbei, um während seiner Abwesenheit die Pferde zu halten. Die Verhandlung kam bald zu Ende. Lord O'Brien trat aus dem Gerichtsgebäude, ehe sein Kutscher dies noch verlassen hatte. Der Diener riß den Wagenschlag auf, Mylord stieg ein, und der Gassenjunge hatte nichts Eiligeres zu thun, als aus den Bock zu klettern, den Hut des Kutschers aufzusetzen und darauf loszufahren, daß die Funken stoben. Der Staatstrompeter blies aus Leibeskröften, die Dragoner sprengten mit gezogenem Säbel einher, die Vorreiter mußten sich auch beeilen, da ihnen die Kutschenpferde immer auf den Fersen waren. Keiner, den Lord Oberrichter eingeschlossen, verstand, was den Kut scher veranlasse, so wahnsinnig scharf zu fahren. Warum die Leute lachten und mit Fingern auf die Kutsche zeigten, wußte auch Niemand. . Die Sache klärte sich aber auf, als Lord O'Brien aus dem Wagen stieg und m das armsende Gesicht des Bcngels sah, der ihn helmgeoraazt hatte und jetzt noch die Unverschämtheit besaß, um "a few Coppers" (ein paar Kupfermünzen) als Trmkgelo zu bitten. Er kam schneller vom Bock herunter, als er hinausgekommen war. Blutrache in Griechenland. Die im Peloponnes noch immer herrschende Gewohnheit der Blutrache hat vor Kurzem auf der Stadionstraße, der Hauptstraße von Athen ein Opfer gefordert, indem der Abgeordnete Georgios Petropulakis von seinem Landsmann Dimitrios Stephanakos Hinterrucks am hellen Tage nie dergestochen wurde. Ein Mitglied der Sippe Petropulakis , em. Neffe des Verwundeten, hatte den Vater des D. Stephanakos getödtet, weil dieser seinen Schwager beleidigt hatte. Daher entstand zwischen den beiden Familien Blutseindschaft, und die Stephanakos drohten den Petropulakis, sie würden das Blut des Ermordeten zurucknehmen, das heißt den Mord durch Er mordung des vornehmsten der Petro pulakis rächen. Einer der Stephankos ist aber Richter, und er vermittelte zwischen beiden Familien, damit eine Versöhnung zu Stande käme, was auch gelang. Die Versöhnung besieht nicht selten in einer Heirath zwischen zwei Mitgliedern der beiden feindlichen Sippen oder in der Zahlung, von Reugeld oder Abtretung von Grundstücken. Dimitrios Stephanakos lebte aber nicht in seiner Heimath, sondern war schon vor Jahren nach Alexandria ausgewandert, wo er auch den Tod seines Baters erfuhr. Er horte merkwürdiger Weise von dem Zustandekommen der Versöhnung nichts und beschloß sofort, fcä Blut zurückzunehmen, da er sonst nach dem Gebrauche seiner Heimath in den Augen seiner Landsleute als ein Ehrloser dastehen würde. Er verließ Alexandria und kam nach Athen, wo er längere Zeit dem Petropulakis auflauerte, ehe er Gelegenheit fand, sein Borhaben auszuführen. Gertcht in der Troll e y c a r. Der Supreme Eourt-Rich-ter Mahlon Pitney in Trenton, N. I., horte mngst die Argumente der An wälte in einer städtischen Klage. Um vier Uhr wurde der Richter unruhig, weil er seinen Zug, der um 4 Uhr 19 Minuten ging, nicht verpassen wollte, und so machte er den Anwälten der beiden Parteien den Vorschlag, ihre Argu mente in der Trolleycar zu Ende zu führen, welche ihn nach dem Bahnhofe brachte. Dies geschah, und der Richter erreichte rechtzeirg fernen Zug. Ein Muster der ilünntttciitteit Frau: Sie glauben gar mcht. wie pünktlich mein Mann ist! Seit Jabren geht er um elf Uhr zu seinem Frühschoppen und sagt,, er wollte um zwölf Uhr toieder zu Hause sein. Und stets, ohne Ausnahme, ist er Punkt ein Uhr da!"
Magistratsdeamter Karl
Schmidt, Besitzer der Villen Äpenrose" und Bavaria" in Obermais, hat emen Urlaub genommen und ist verschwundn. Er hat üixr 200.000 Kronen Schulden contrahirt, von dcr Sparkasse in Schlanker mit einem ge fälschten Wechsel 10.000 Kronen behoden und zahlreiche Mcraner Geschäftsleute durch Wechsel und Bürgschaft: arg geschädigt. Die steckbriefliche Verfolgung ist eingeleitet. Ein calabrlscher Wolf einer südfranzösischen Menagerie war am grauen Staar erblindet, und der Besitzer bat Dr. Rollet, einen Augenarzt in Lyon, das Thier zu operiren. Der Wolf wurde niedergeworfen und gefesselt; dann spritzte ihm Rollet, umgeben von zahlreichen Studirenden, eine Quantität Morphium ein und betäubte ihn, indem er ihm die Ehloroformhaube aufsetzte. Nach dem Ablösen der Krystalllinse' des Auecs ver band ihm der Arzt nicht, wie sonst ublich, die Augen, um ihn zunächst vor dem Tageslicht zu schützen, sondern schloß die Augenlider dadurch, daß er sie ihm zunächst mit Metallfäden zunähte und erst später öffnete. Ein blutiges Ehedrama spielte sich auf dem Friedhofe inMannheim ab. Der Buchhalter Philipp Betz lebte feit drei Wochen von seiner Frau getrennt, hatte aber in den letzten. Tagen wieder 'Annäherungsversuche gemacht. Neulich Abends unternahm er mit der Frau und einem Freunde einen Spaziergang nach dem Friedhof. In der Nähe des Kriegerdenkmals blieb er einigeSchritte zurück, feuerte dann von hinten zwei Schüsse auf seine Frau ab, die e lebensgefährlich verletzten. Der Thäter wurde verhaftet und am fclgenden Tage wurde auch sein jüngerer Bruder in Untersuchungshaft genommen; er soll um die That .ines Bruders gewußt haben und ihm dabei behilflich gewesen sein. In Wittenberg haben sich Kastellan Waldenberq und die Frau des Eisenbahnassistönien Dunker, welche schon seit längerer Zelt ein Liebesverhältniß unterhielten, gemeinsam in der Wohnung der Letzteren erhängt. Waldenberg stand im 50. Lebensjahre und hinterläßt seiner Wittwe acht Kinder. Frau 'Dunker war 31 Jahre alt. Einige Tage vor Ausführung des Doppelselbstmordes hatte das Liebespaar versucht, von der Mutter der Frau Dunker eine größere Geldsumme zu erlangen, um mit Hilfe des Geldes ein Geschäft zu errichten; das Ansuchen war jedoch von der alten Frau entschieden abgelehnt worden. lks. Victor, r " 9 'n . ,.-- ... - 7 . ' V r v - J 5-- ,;- ' ; .r M S ' -, - ' - - fT '..V-a-i i r.: . - . -."'. ?:5j,Vti;M 7; ' '' ii.M-U ... t1 ; - .!". ' . ' v ' V , ; ' : Ttiti Ecke Noble und St. Clair Str. Ich erlaube mir meinen freunden und Bekanntkn anzuzelgen. daß ich uuter dem Namen "The Victor" aa vbengenanntem Platze eine in jeder Beziehung erste Klaffe Wirthschaft eröffnet habe. ES wird mein Bestreben sein, ein in jeder Beziebung respektableZ HauS zu führe und an meine EeschöstZ srennde. bei roulanter Bedienung, die besten Ouali taten an importirten und einheimischen Leinen, Liqudren, Cigarren. Bier, etc. zu verabreichen. EI wird mir zur Ehre gereichen. C in me:em letzigen Lokale begrüßen zu können. Achtungsvoll HENRV VICTOR. Zn vermiethen : Zimmer im ülajestic :: Gebende zu reduzirten Preisen.? Das feinste Office-Gebaude in der Statt LoUständig feuersicber. Schnelle Fahrstühie und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei Grego?y & Appel, Agenten, r die AndlanavliS Gas Co. Mtnni Willharm. Präs. Mary Vahoney. Eekr Arbeit ersten Nanges in der MM GO-OPERÄTITE :: IiUNDRI Na. 232233 Virginia Ave. Jvh I. Hit,, öksch5stZübrer. Telephone: KU und Neu 1269. eueö Telephon 2834. Indianapolis. Dr. L. A:. Greiner, empfiebllsich für die Verpflegung kranker Thiere. tST Kranke Pferde werden entgegengenommen und erhalten bessere Abmartuvg ali in ibrer eigenen Ltallung. 18 blS 24 Süd Oft Strafe. Telephons Wohnung 17S3. Furuaces, Eisen und Blech-Arveitea. Joseph Gardner, 2741 Kentucko Avene. Telephon 322. Neue heiße Luft Furnacek, sowie Repara, tnren besorgt.
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