Indiana Tribüne, Volume 25, Number 272, Indianapolis, Marion County, 9 July 1902 — Page 7
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o Tttcim du mich liebst, f . I t Voman vsn Veorz gartet 9 (Cmmy Xwcppel.) 1 3$3Sxm$ (Fortsetzung.) Das Blut flimmerte ihm dunkel vor den Augen. Er konnte diese Wallung nicht mehr zurückhalten. Sie sind eine Elenoe! Der Dämon meines Leben? sind Sie! Wenn Sie erwarlet ba5en,mick hier zu Ihren Füßen zu sehen, wie Sie zu meinen Füßen lagen wenn Sie diesen schmählichen Ausgleich etwa erzwingen wollten" Sie war aufgesprungen mit einem Aufschrei, als habe sie ein Peitschenbieb getroffen. Todtenbleich, die Lider geschlössen, die ineinander gepreßten Hände aegen die Lippen gedrückt, stand sie da. etwa zurückzwingen durch Furcht," fuhr er fort, was ich freiwillig Ihnen nicht bieten wollte, weil ich's nicht könnte; wenn Sie mit Darangabe aller Selbstachtung mich zwingen wollten, da wieder anzuknüpfen, wo der kurze Faden einstmals riß dann haben Sie sich getäuscht. Einst liebte ich Sie nur nicht jetzt verachte ich Sie!" Sie konnte nicht sprechen. Sie hatte eine Todeswunde erhalten. Wie sie die Augen öffnete und shn mit halb gebrochenem Blick stumm anschaute, da wußte er es. Aber die Zeit der Schonung war vorüber. Nun waren sie Todfeinde, die einander bekämpften, ohne Gnade, bis zur Vernichtung. Wären Sie ein Mann, wie Sie ein Weib sind," sprach er mit scharfem Flüverlaut weiter, wären Sie's! Könnten Sie Ihre Null von einem Gatten an 5zhre Stelle 'schieben und sich an die seine, dann hätten Sie von dieser Hand eine Züchtigung zu erwarten. Die männliche Puppe Eduard zu bestrafen, verschmähe ich." Er wandte sich ab. Da klang ein: Stimme hinter ihm her, hohl und tonlos. Sein Name war's, der hinter ihm drein scholl. Maximilian " Er wandte sich zurück. Sie stand noch immer auf der nämlichen Stelle, todtenbleich, die Hände schlaff herabhän- ' gend. Maximilian," sagte sie langsam, mit diese? Stunde habe ich die einzige Thorheit meines Lebens gebüßt. Wir sind nun quitt. Kämpfen wir um den elenden Rest!" Man sollte glauben, Sie litten an einer fixen Idee," sagte er ohne die geringsteRegung von Mitgefühl.hart und herrisch. Wenn ich über Sie zu entscheiden hätte, wären Sie bereits in einer Heilanstalt für Geisteskranke. Das ist, was ich gegen Sie beantragen werde!" . . Da fuhr sie auf, wie aus ihrer' Betäubung berausgepeitscht. Versuchen Sie es. Wir werden sehen, wer Sieger bleibt!" Er zuckte verächtlich die Schultern und verließ das Zimmer. 15. Kapitel. Maximilian Trachberg ließ seinen Wagen vorausfahren, während er den nächsten Weg zum Hause des Justizraths einschlug. Die zweifelnde Frage des Letzteren fand ihre Beantwortung in der Handbewegung. mit welcher der Graf statt aller Begrüßungsworte in's Zimmer trat. .Ich werde'beantragey, daß die Grasin Betty Trachberg unter ärztliche Beobachtung gestellt wird, da ich Grund habe, zu glauben, daß sie an Wahnvorstellungen leidet." Nicht möglich!" Wenn ich es Ihnen sage! Glauben Sie, daß ich ein schlechterer Beobachter bin als die eigene Mutter? Frau v. Lüttmig hat mir kürzlich über die Ber-' drehtheit ihrer Tochter bis zum Ueberdruß vorgejammert." Dies zugegeben welchen Einfluß auf die Entscheidung in d?r vorliegenden. Sache wollen Euer Erlaucht dadurch herbeiführen? Ich selbst bin gezwungen, die Anschauungen der Gegenpartei durch meine Ermittelungen zu unterstützen. Die Hoffnung, welche ich für eine gütliche Beilequng hegte" Ist ausaeschlossen!" fiel Trachberg finster ein. Ueber diesen Punkt können wir zur Tagesordnung übergehen." Was den Antrag Euer Erlaucht anbelangt, so können wir gegebenenfalls später darauf zurückkommen, um die Entscheidung in die Länge zu ziehen. Vorläufig möchte ich daran festhalten, daß Graf Eduard in dem Maße rücksichtloser auftreten dürfte, als die Person der Gräjin angegriffen wird, mag er augenblicklich noch so mißvergnügt über ihre Hartnäckigkeit sein, eine Thatsache, die bei allen schwachen Chemännern Zutrifft." Wenn ein störrisches Pferd dieKandare zwischen die Zähne genommen hat," sagte der Graf mit äußerster Bitterkeit, gibt es nur ein Mittel: man wirft ihm den Lasso um und zwingt es auf die Kniee nieder. Lassen. Sie uns einen Antrag einbringen auf Festste!- . lung der geistigen Unfreiheit der Gräfin, ihrer Unzurechnungsfähigkeit. Mit Zduard werde ich fertig." Und wenn die Gräfin bereits zu ihrer Mutter' gesprochen hat? Die Gräsin erwägt sehr umsichtigsie hat sicher für alle Fälle vorgesorgt. : Ich glaube nicht, daß wir Glück mit dieser Maßregel hätten So Kaben wir eben kein Glück, aber
ich-" Er sprach das Verlangen nicht völlig aus, dieser Frau das ärgste zuzufügen, was in seiner Macht stand. Euer Erlaucht sollten zunächst den Vikomte v. Debellaire, als den zumeist Beteiligten in Kenntniß setzen, damit von ihm aus die nöthigen Schritte zur Oeffnung der Gräber geschehen." Ich werde ohne 'ihn das Erfcrderliche bei den zuständigen Behörden veranlassen im Namen meiner Frau. Die Lamentationen des Vikomte wollen wir uns vorläufig noch ersparen." Ich bin unfähig," sagte Geisler in Erinnerung an die reizvolle Herzensgüte der jungen, Frau in Holdenberg. den Kummer auszudrücken, welchen ich im Interesse einer Dame empfinde, die die allgemeine Verehrung genießt, zu denken, daß in ihre Jugendfreude dieser- vergiftende Zweifel hineinwuchert. Ich glaube. Euer Erlaucht unterschätzcn die Ehrsucht der Gräfin Betty, welche keiner anderen Dame den Vorrang in der Familie zuerkennen mag. Mit einem Nachegelüst würde man immerhin noch Paktiren können, mit dem Ehrgeiz nicht." . Trachberg lachte scharf auf. Liebster Justizrath, Sie sind ein vortrefflicher Jurist, aber ein schlechter Menschenkenner. Nehmen Sie von mir die Velehrung an, daß die tiefsten Beweggründe einer Frau stets in der Eitelkeit wurzeln. Wäre es möglick, daß die Oeffnung des Grabin Lothringen einen privaten Charakter trüge?" Ich werde darüber sofort UnterHandlungen, anknüpfen. Bis dahin würde ich Euer Erlaucht rathen, nichts verlauten zu lassen." Gut. Und wenn die Sache fo weit ist, kommen Sie heraus? Auf Wiedersehen also!" Er reichte ihm die Hand und stieg die Treppe hinunter. ' Der Wagen trug ihn eilends fort, an schloß Holdenberg vorüber nach dem Nachöargut, wo der Bau der Zuckerfabrik seiner Fertigstellung und Jnbetriebnahme entgegensah. Von Weitem schon ragte ihm der hohe Schlot entgegen, ein Denkmal seiner Thätigkeit und Schaffenslust. Das Dorf, durch welches er fuhr, hatte er in einer Weise ausgebaut, welche als Muster dienen konnte. Was sein Vater vorsichtig begonnen, hätte er in raschem Vorwärtsschreitenausgeführt. Die sau beren Arbeiterhäuser, von Gärten umgeben, waren sein Werk. Die Badeanstal,,' das Krankenhaus, ein Heim für Altersschwache, hatte er geschaffen.-Das alles hatte er gethan, weil er der Herr
war und nicht nur so heißen wollte. Und im Bewußtsein unveräußerlicher Stechte barg er in sich noch viele, der voraussichtlichen Dauer seines Lebens entsprechende Plane. Er wollte seinem Sohne fleißig vorarbeiten, mit thätiger Hand ihm die wahren Vortheile seiner Geburt zur Anschauung bringen. Er sollte nicht nur einer der oberen Zehntausend sein im H'nblick auf Vermögen und Geburt, sondern auch geistig hervotragen unter den voreingenommenen und flachköpfigen Alelzuvielcn. Und nun zerschellten diese festgeankerten Hoffnungen an einer jäh auftauchcnden Klippe. Die Bedeutung seines Dase:.".s erlosch im Anspruch eines Mann:s, dem' Leben und Genießen eines war. Maximilian ballte die Faust. Ein Gutsangehöriger ging vorüber und grüßte ehrerbietig. Trachberg nickte, ohne hinüberzusehen. Er war kein gütiger Herr, aber ein guter. Und was er an Interesse für den Einzelnen nicht besaß, besaß er um so mehr für den Fortschritt der Gesammtheit. Er blickte finster vor sich' nieder. Seine Gedanken thaten einen verweislichen Seitensprung. Weshalb war er gerade zur Ehe mit Marie Antonie gcschritten, der Tochter dieses Vaters.dessen Talmiadel nun so jämmerlich zu Tage kam? Mitgefühl für den alten Mann, dessen Lebenssonne in diesem tragischen Irrthum erlosch, hatte er nicht. E? dachte an seinen Sohn, den Enkel dieses alten Mannes, und eine Zornesslamme lohte ihm uver Die Stirn. Zur selben Stunde, da des Grasen Wagen am Ort der Bestimmung hielt, bereitete Mari: Antonie sich und den Kleinen zu einer Fahrt nach der Stadt vor. Des Vikomtes Geburtstag stand bevor. Dazu sollte ihn eine Photographie des Enkels überraschen, ein Kabinettbild mit der Unterschrift: Ludwig v. Trachberg-Debellaire. Kein schöneres Geschenk, das küßte Marie Antonie. konnte ihrem Vater gemacht werden, als dieses Bild seines Enkels, der sich selbst Debellaiu nannte. Schon im Voraus genoß die junge Mutter den glücklichen Augenblick, wo das Auge fc: Großvaters freudestrahlend auf der Photographie ruhte. Und sie nahm das Kind und küßte es. Im erwärmten Wagen ging die Fahrt von dannen. Dir Kleine fror leicht; er sei blutarm, sagte der Hausarzt, deshalb ward er durch Schleier und Sei-' dendecken vor jedem Luftzug geschützt. Die Wärterin, die Amme.dcr Diener und Marie Antonie selbst beeilten sich, den Knaben die Treppe hinauf - in's wohldurchheizte Atelier zu bringen, wo der Photograph mit sämmtlichen GeHilfen den erlauchten Sohn des Majoratsherrn erwartete. Im Spitzenhemdchen saß er aus einem weißen Bärenfell in künstlerischer Beleuchtung. Welch engelschönes Kind!" flüsterte der Photograph der Wärterin zu.
Der 5U'eine saß still, als wisse er. was man von ihm. erwarte, die großen Augen auf die spielenden Hände der Amme gerichtet. In diesen tiefblaucn Augen lag sein: Ungeduld, zuweilen ein wundersamer Glanz frühreifen Ausdrus. immer aber eine Ruhe, die weder Eigenwillen noch unartiges Schreien kannte. Welch ein außerordentliches Kind!? flüsterte der die fertige Aufnahme aus dem Apparat nehmende Photograph abermals der Wärterin zu. -Ich habe nie etwas Aehnliches von Schönheit und Artigkeit gesehen." Dafür ist es eben ein kleiner Graf Trachberg," erwiderte die Bonne leise. Und nicht gewöhnlicher Leute Kind." Marie Antonie hob ihn vom Teppich empor, und drückte ihn an sich. Wie wird sich der Großpapa über Tick freuen, Liebling!" Baby ist doch kalt geworden," sagte die Wärterin, das Aermchen sorgsam befühlend. Wir wollen gleich in's Palais fahren und ihn in's Bett legen, damit er sich schnell wieder erwärmt." Gewiß, sofort!" fagte Marie Antcni?. den Anordnungen der Pflegerin ihres Sohnes gegenüber stets meinungslos. Daß er sich um Gotteswillen hier nur nicht erkältet hat. Frau Dunby!" Frau Dunby, die Pflegerin des jungen jÄrasen Trachberg, gab dem Diene: einen Wink, die seltene Decke an den Ofen zu halten, während sie mit.de: Amme den Kleinen thunlichst rasch zum Aufbruch fertig machte. Baby ist fertig!" Dies war das Zeichen für alle.dei Amme mit dem Kinde Platz zu machen, das ' durch seinen Gesichtsschleier hindurch fortfuhr, Menschen und Gegen stände um sich her lautlos zu betrachten, als sei ihm nicht viel Zeit gegeben, sich
aus dieser wunderlichen Erde umzusehen. Nachdem derKleine zur Ruhe gebracht war, verließ Marie Antonie das Palais. ihrer Tante Tina einen kurzen Besuch abzustatten. Froh der Freude, welche sie ihrem Vater soeben vorbereitet, schritt sie über den Schloßplatz dem Villenviertel zu zur Wohnung der Baronin. Plötzlich, fast auf der nämlichen Stelle, wo damals die Gestalt Bruno Geislers vor ihr aufgetaucht war, sah Marie Antonie Eduard Trachberg um bi; Straßenecke biegen. Er war äugenscheinlich bei Frau v. Lüttmig gewesen und wollte nach seimr Wohnung zurückkehren. Anmuthig beschleunigte die junge Frau ihre Schritte, ihn einzuholen. Als sie es nicht ganz vermochte, rief sie' lachend seinen Namen. Eduard, warte doch einen. Augenblick! Ich komme ja ganz außer Athem." - Er schrak merkbar zusammen, eL schien sogar, als wolle er sich weder umwenden. noch stillstehen, sondern eiliger als zuvor seinen Weg fortsetzen. Eduard!" rief Marie Antonie noch einmal. Ich bin's ja! So höre doch!" Er wandte sich hastig um und ging ihr entgegen. Ich bitte Dich." fagte sie. betroffen sein verstörtes Gesicht musternd, was ist Dir ?" Nichts !" entg?gnete er und vermied. ihr in die fragenden Augen zu sehen. Doch. Du bist krank! Und wir wissen nichts davon! Ihr macht Euch gegenseitig elend, Betty und Du. Ich bin mit dem Kleinen bei dem Photographen gewesen. Max ist in seiner Zuckerfabrik. wie jetzt fast immer. Ich will, während Baby schläft, Tante Tina guten Tag sagen." Sie hatte ihm die Hand gereicht. Zuerst zögerte er, dieselbe zu ergreifen. Danach nahm er sie rasch und hielt sie mit zitterndem Druck fest. . Geh' nicht hin. es ist besser! Bettv ist dort!' Sie sah ihn verstandnißlosund zweifelnd an. Er drückte ihre Rechte stärker.' Wirf nicht zu viele Steine auf mich, Marie Antonie. Du wirst auch noch lernen, dak man nicht immer kann, wie man will. Du magst mir zum Vorwurf rnc chen, was Du willst, Böswilligkeit gegen Dich und Max nicht. Wenn Euch Jemand Gutes wünscht, bin ich's " Jch begreife nicht " Und sage das Max. was ich soeben sagte. Er wird daraus sehen, daß ich ihn heute nicht selbst sprechen konnte." Heute? Diesen Morgen?" ES ist ja im Grunde nur Gerechtigkeit sage ihm das," fuhr Eduard Trachberg in abgerissenen Worten immer schneller fort, die quälende Last auf seinem Gewissen zu erleichtern. Aber auch Gerechtigkeit hat zweiSchneiden. Für beide Theile kann sie zur Qual werden. Sage ihm das! Und denke nicht in Hüß an mich!" ' Die letzten Worte, bei denen er eilig davonschritt, waren so undeutlich gesprochen, wie ihr Sinn dunkel für Marie Antonie blieb. Sie sah ihm erstaunt nach, sie konnte sich dieses seltsame Benehmen des sonst so liebenswürdigen Eduard durchaus nichterklären. Am wunderlichsten dünkte ihr die Warnung vor Betty, für welche sie ein warmes Mitgefühl empfand, längst keine Scheu-mehr. Aber sie wandte doch den Schritt rückwärts und ging in's Palais zurück. Auf dem Wege dorthin begegnete ihr ein junges Weib, das einen lachenden Buben auf dem Arm trug. Zwischen seinen rothen Pausbacken verschwand der kleine Mund fast, und die dicken Hände, welche der Mutter Wangen liebkosten, zeigten in ihren tieftn Grübchen die Fülle der Gesundheit. N
Marie Antonie warf einen langen Blick auf dies jauchzende Prachterem-
plar eines einjährigen Erdenbürgers schneller und schneller ward ihr Gang. bis sie vor dem Lager ihres eigenen Kindes stand. Die rothseidenen Vorhanse warfen einen matten Schein über den kleinen Schlafer m der vergoldeten Bettstatt. aber die durchsichtige Weiße seines Gesichtchens Konnten sie dem Mutterauge nicht entziehen. Mane Antomens Augen füllten sich mit Thränen. Ein sehnsüchtiges Neidgefühl gegen dasschlichte Weib, das ihr Gluck so stolz im Arm trug, zog über den klaren Spiegel ihrer Seele wie eine flüchtige Wolke Sie schämte sich dessen. Wahrend der Rückfahrt nach Schloß Holdenberg nahm sie den Kleinen auf den Schooß und sah ihm ues m die ernsten Augen. Lache doch, Liebchen! Lache doch! Zum Gabelfrühstück pflegte der Graf pünktlich heimzukehren. Marie Antonie beeilte sich, ihre staubig gewordene Toilette zu wechseln. Sie erwartete m ihrem Zimmer die. Meldung des Dieners, daß das Mahl angerichtet sei. Niemand kam. Als sie läutete, erfuhr sie. daß die Ruckkehr des Grafen noch nicht erfolgt fei. Die Zeit ward ihr lang, alles angstigte sie heute, ohne daß sie wußte weshalb. In der zetzt glasumgebenen, zu einem Wintergarten umgewandelten Veranda ging t langsam auf und weder. Ein Bluthensruhllng von Duft und Farbe lachte um sie her, der nichts zu schaffen hatte mit dem welken Laub an den Aesten draußen, noch mit den dürren Blumenstengeln auf den Beeten: Einst hatte ein winziges Blümchen zu? Winterszeit, eine armselige Primel, genugt. ihr Herz auf den Gipfel der Freude zu erheben, heute prunkte Blatt und Blüthe um. die Wette neben ihr, sie achtete nicht darauf. Als sie dessen gedachte, ward ihr noch bedrückter zu Muth. Befehlen Euer Erlaucht, daß servirt werde?" Sie schüttelte den Kopf. Ich warte." Aber nicht mehr hier in der lachenden, duftigen Einsamkeit, wo es ihr plötzlich unerträglich schwül dünkte. Sie öffnete die (lasthur, welche zum Garten führte und stieg die Treppe hinunter. . Der Himmel deutete auf Sturm. Schon wandelte sich die Tageshelle in düsteres Grau. Die junge Frau empfand das kühle Wehen des Windes wie eine Wohlthat. Das Tuch um ihre Schultern sank immer mehr zurück. , Einst war sie im Dämmern solches Spätherbsttages durch die Straßen gegangen, Thee zu kaufen. Wie ihr das plötzlich lebhaft wieder einfiel! Da war auch die Geschichte passirt mit dem Groschen. Und der, dem sie ihn damals reichte war jetzt ein berühmter Mann und hatte sie über alle Maßen geliebt. Räderrollen längs der Parkmauer schreckte sie aus ihren Gedanken auf. Der Graf kehrte heim. - - , Sie eilte in's Schloß und als sie ihn in's ,!mtner treten sah, flog sie ihm wie erlöst entgegen. Du hast so lange auf Dich warten lassen!" Warten?" fragte er, sie erstaunt anschauend. Nun ja! Das Gabelfrühstück-' sagte sie verwundert. Ach so! Ja, in der That, das vergaß ich. Es ist auch gleichgkltig. Wir hatten zu thun. Sobald ich mich umgezogen habe, kann gegessen werden. Es thut mir leid ich habe den Direktor mitgebracht zu Tisch, er wird gleich hier sein." Die Anwesenheit eines Dritten untersagte es Marie Antonie, ihre Botschaft von Eduard auszurichten. Sie erzählte nur, daß sie mit dem Kleinen in der Stadt gewesen sei. Du warst ja schon vor mir hineingefahren," un terbrach sie sich lebhaft. Er sah überrascht auf. Ganz recht, ich hatte dort, zu thun." Dann fragte er ablenkend den Direktor: Wie geht's Ihrem Bruder in seiner, neuen Stel!ung!" Euer Erlaucht,, er behauptet, zu schade für dieselbe zu sein." Zu fchade?" sagte Trachberg schroffer, als es sich mit dieser scherzenden Antwort vertrug. Für Jemand, der sich zu schade dünkt für eine Stellung, die er inne hat, ist die Stellung, die er sich wünscht, gleichfalls zu schade. Sie können das Ihrem Bruder in meinem Namen sagen." Der Direktor verbeugte sich. Der Graf war ersichtlich überansirenat und nervös. Marie Antonie blickt? ihn besorgt an. Zu fragen wagte sie nicht. Du solltest Dir mehr Ruhe gonnen,"' sagte sie mit Innigkeit. Das wird schon kommen. Sei ohne Sorge." 1 Gewiß nicht eher, als bis die Fabrik fertig ist!" scherzte sie und sah ihn mit einem Lächeln an, welches Zärtlichkeit und Liebe zugleich ausdrückte. Was wird. aber dann an . der Reihe sein? "Auf welchen neuen Plan muß ich wieder'cifersüchtig werden?" Auf keinen." ' Ihr feines .Ahnungsvermögen hatte diesen gleichmüthig klingenden Worten etwas Bedrohliches entnommen. Die heitere Frage: Versprichst Du's mir?" erstarb ihr auf den Lippen. Sie hob die Tafel auf. X . Nach der Hauptmahlzeit pflegte Marimilian eine Stunde im Zimmer
seiner Frau zuzubringen, um dann bis zum Thee sich wieder in sein Arbeitszimmer zurückzuziehen. Diese Stunde war zu Beginn ihrer Ehe die glücklichste für Marie Antonie gewesen. Im Schaukelstuhl neben dem Gatten am traulichen Kaminfeuer sitzen, plaudern und zuhören, so flössen die Minuten wonnig dahin. Auch jetzt noch, obwohl manches in ihrem Eheleben sich verändert, bildete diese Stunde für Marie Antonie den Höhepunkt des Tages. (Fortsetzung folgt.)
UeberTaubhett und S ch w e r h ö r i g k e i t hat ein französischer Arzt eine Statistik aufgestellt. Dabei fand er, daß Männer Ohrenleiden häufiger ausgesetzt sind, als Frauen, und daß von je sieben Personen in mittleren Jahren immer zwei auf dem einen Ohre nicht so fein kören als auf dem andern. D i e F'a brikation von Dörrobst. Die Ganenfrüchte und Obstprodukte werden zur besseren Haltbarleit präservirt und hiermit einem Verfahren unterworfen, das in feiner einfachsten Weise mittelst der Obsthürde in jedem Haushalte geübt wird, sich aber im Laufe der Zeit zu einem besonderen Gewerbe, der Präservefabrikation, herausgebildet hat. Die ersten Anfänge dieser Beschäftigung finden sich bereits in den Farmwirthschaften, wo man fchon von jeher Bohnen, Aepfel, Erbsen, Beeren u. s. w. an der Sonne und dem Ofen trocknete. Unsere Dörr-Gemüse," wie man verdeutscht die Präservefrüchte bezeichnet, begegnen einer steigenden Aufnahme und finden auch in großen Mengen auf europäischen Märkten Absatz. Die Güte der Präserven hängt ganz von deren Herstellung ab, so daß diese in Nachfolgendem eingehend geschildert werden möge: Zunächst hat eine Vorbereitung des zum Trocknen bestimmten Gemüses in der Weise vor sich zu gehen, daß dieses in die für letzteren Zweck am geeignetsten ' erscheinenden Formen gebracht wird. Es geschieht dieses durch Reiben und Schneiden der Gemüse in Scheiben, Würfel. Riemen. Streifen. Fäden u. f. w. Für den Großbetrieb ist natürlich '.ine besondere Schneidemaschine benöthigt. Ist das Gemüse mittelst der Schneidemaschine geschnitten, so wird es nunmehr ebenfalls wieder mittelst Maschine gewaschen, um es von allen anhaftenden Unreinlichkeiten zu befreien. Nun beginnt die erste Prozedur des eigentlichen Präservirens durch das Dämpfen der zerschnittenen und gewaschenen Früchte, wozu ebenfalls besondere Dämpf-Apparate in Anwendung kommen. Die Zeit des Dämpfens hängt von den einzelnen Gemüsearten ab, und schwankt zwischen fünf und zehn Minuten. Das Kämpfen hat die wichtige Aufgabe, die im Gemüse vorhandenen Eiweißstoffe zum Gerinnen zu bringen und dadurch den Geschmack des Gemüses frisch zu erhalten und ihm den. bekannten Heuähnlichen Geruch zu nehmen. Weiterhin werden die Gemüse hierdurch auch beim Kochen möglichst in zusammenhängenden Stücken erhalten und platzen nicht, wie es vielfach geschieht, auseinander. Dem Dämpfen der Früchte folgt das Trocknen derselben, das ebenfalls mittelst mechanischer Hilfsmittel vorgenommen wird. Um diese Präservirung der Früchte möglichst auf mechnischem Wege durchzuführen, ist für die zur Trocknung derselben benutzten sogenannten Hürden eine sich in die Anlage gut einfügende Form zu wählen, und zu diesem Zwecke die vertikale oder .horizontale Konstruktion derselben zu benutzen, je nachdem die Anlage in mittlerem oder großem Maßstabe gedacht ist. Rücksicht ist hierbei auch auf die Feuerungsanlage zu nehmen, die entweder direkt oder als Dampfheizung eingerichtet werden kann, je nachdem sich der Betrieb durch bereits vorhandene Einrichtungen verschließen läßt. Der Hürdentransport geschieht bei mittleren Betrieben automatisch durch eine Anzahl Rollwagen, auf welchen die Hürden den geheizten Kanälen zugeführt werden. Diese letzteren müssen ihrerseits wieder gut ventilirt werden, um den Produkten ihren Wassergehalt zu entziehen und sie für die Dauer haltbar zu machen. Die Hitze selbst darf 194 Grad Fahrenheit nicht übersteigen, und hat die Dörrezeit der Produkte eine bis vier Stunden,' je nach der Gemüseart, zu betragen. Die Trockenapparatc sind in den meisten Fällen so eingerichtet, daß sie sowohl zum Reguliren des Feuers wie auch der heißen Luftströme benutzt werden können. Die oben beschriebene Einrichtung kennzeichnet in großen Zügen die Herstellung der Präservefrüchte. .Bemerkt sei noch, daß nach Beendigung der Ernte zuerst das Gemüse und nachher die Obstfrüchte in Arbeit zu nehmen sind. Wachsmotten-Vertil-g u n g. Wo sich die Wachsmotten in großer Menge vorfinden, empfiehlt sich die Anwendung folgenden Vertilgungsmittels: Man nehme ein altes, offenes Faß, etwa ein Petroleumfaß, bestreicht dasselbe von innen mit einem Klebstoff (Theer, , Fliegenleim) und stellt es Abends beim Bienenstande so auf, daß die offene Seite der Front des Standes zugekehrt ist. Mit Eintritt der Dunkelheit wird auf den Boden des Fasses em brennendes Lämpchen gestellt. . Eine Unzahl von Motten und anderen Nachtschmetterlingen finden ihren Tod in der Flamme oder bleiben an den Wänden deS Fasses kleben. . ,
Dackels Bahnfahrt. Meine Herren!" hub di Pächter Krausmeyer an ich habe Jt nen von meinem Waldl fchon aller Hand zum besten gegeben; der 'Streichs den ich Ihnen hute erzählen will, ge hört nicht zu seinen schlechtesten, als hören Sie: Fahre ich neulich von Dru scnheim per Lahn nachHause, nachdem ich natürlich vorher für mcinenWaldl. der mich immer begleitet, einen Sitz" im Hundecoupe genommen hatte. So weit wäre jaalles gut gegangen; wie ich eben aussteige und das Hundecoupe öffnen lasse, springt der Racker 'raus, heult gottcsjämmerlich und sucht mich auf alle mögliche Art aufmerksam zu machen, daß ich ihm folge, ich thue dies und wir langen glücklich im Vureau des Stationsvorstehers. Dort verstärkt mein Waldl seinHeulen in einer Weise, daß alles die Oh ren spitzt, und ich Unannehmlichkeiten befürchte; da.ich aber weiß, daß er sich ohne zwingende Ursache niemals auffällig bemerkbar macht, denke ich nach, was in aller Welt er haben könne. Plötzlich geht mir eine ganze Sei fensiederei auf: ich verlange vom Stationsvorstand das Beschwerdebuch! Kaum hatte ich dieses aufgeschlagen, stößt mein Waldl ein Freudengeheul aus und legt seine Vorderpfote auf das leere Papier unter der letzten Beschwerde; da merkte ich denn auch gleich, was vorgefallen war, der Schaffner hatte dem armen Kerl offenbar beim Zuschlagen der Coupethüre die Vorderpfote eingeklemmt. Die höhnischen Blicke, die mein Waldl den Bahnleuten nachdem ich 'eine Beschwerde eingetrogen hatte zuwarf, hätten Sie sehen sollen,, meine Herren!"
TcrNachtigallcrich. Es saß im Busch ein V'ögelein Vom Stamm der Nachtigallen, Und zwar ein Männchen! Ein Papier Hielt es in' seinen Krallen. Drin hatt' ein Dichter honigsüß Frau Nachtigall" besungen. Wie sie mit ihrem Liebeslied Das Herze ihm bezwungen. rnn;?lt' er die Stirn. VorWutS Schwoll ihm die Nachti galle: Das les' ich nun zum x-tenmal! Zum Kuckuck! Jetzt ist's alle! In einem fort: Frau Nachtigall, Ihr" Flöten, Ihre" Lieder!" Vor Zorn ward Nachtigallerich Ganz krebsroth im Gefieder : Der Teufel hol' die Dichter schon Mit ihrem Schmerzgewimmer Und ihrer Nachti galant'rie Gen unsre Frauenzimmer! Das Weibchen kgt die Eier bloß Und füttert ihre Jungen Doch nie und nimmer hat Madam Ein Liebeslied gesungen! ' Ein unerhörter Blödsinn ist's. Midist es schon zuwider ! Wir Männer nur, wir singen sie, Die süßen. Liebeslieder! Ich hab' es satt! Potzelement! 1111 i. A m. A iiiiKi muv liuj mu cuaj uuiucui; Rief's wüthend, und erhängte sich sam naajiicn atacqn ga;gcn. nitPÄ 3Ttafcntt ci,Ii mr wwk ' v V iir. Xj. a. urciiier, empfiebttlsich für die Verpflegung kranker Thiere. t57"" Kranke Pferde werden entgegengenommen und erhalten bessere Abwartung als in ibrer eigenen stallung. 18 bis 24 Süd Ost Straße. . Telephon 905. Wohnung 1798. T"fc TT 1 M Jacob Voller, 501 w. Washington Str. Ver Sufer des berühmten - uiv.ins Wkislsy Das beste Mittel gegen ... Malaria und Erkältung. ... ..Saloon und Restaurant.. Offen Tag und Nacht. Pferde-Geschirre, Buggies, Koffer und Reisetaschen am besten und billigsten bei TP. flBM s, 136 Ost Washington Str. stMltffrfll SHltrftflrtltMltttrt i - " " " r Earl Vtngpavk. S4 Virginia v L4. lPembke reede.z I" , 1 , , . j FurnaceS, Eisen- und BleS-ArkeiteL-Joseph Gardner. 37-ü Kentuckz Aren:. Telephon 322. Milchkannen, Oelbehälter und Aschenbehälte? auf Bestellung gemacht.
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