Indiana Tribüne, Volume 25, Number 271, Indianapolis, Marion County, 8 July 1902 — Page 7

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Jndiana Tribune, 8 Juli 1902.

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w Wenn du mich liebst, f . 1 A. Itontan von rg TjÄrtoig (Cmmy Kocxxcl.) A (Fortsetzung.) 14. Kapitel. Es war noch früh am Morgen, al? der Wagen des Justizraths Geis!er auf der Ramve vor dem großen Portal des Schlosses Holdenberq hielt und der alt? Herr hzstig in die Vorhalle eintrat. Ich bitte, mich Seiner Erlaucht unverzüglick zu melden!" Seine Erlaucht sind noch im Anlleidezimmer," versetzte der Diener ganz bestürzt. Tann bitte ich, ihm meine Ankunft dorthin mitzutbnlen." Der Diener öffnete rechts die Thür zum Arbeit- und Empfangszimmer des Grafen. Bitte, Herr Justizrath! Ich werde dem Kammerdiener' sofort 'Meldung riachen." . Einige Minuten später trat Trachberg ein. Was Sie auch herführen mag," sagte er liebenswürdig, Geisler bi Hand drückend, ich danke Ihnen, daß Sie sich so zeitig dem Vctt und mich den Händen des dienenden Geistes entrissen haben." Euer Erlaucht verzeihen" Sie haben gefrühstückt? Meine Frau wird sogleich fertig sein." Geisler verneigte sich. Ich wünschte, Euer Erlaucht," sagte er mit ungewohnter Hast, a, ich wäre bereit, jedes persönliche Opfer dafür zu bringen, könnte ich mich diese? Mittheilung cntziehen." Nun, nun, lieber Justizrath, das klingt ja ganz schrecklich. Wir wollen 'mal erst- hören, was los ist. Also, bitte!" Er wies auf einen Sessel ihm gegenüber, während er selbst Platz nahm. (3c 'rein ungewohnter- Weise der Anfang ,...;:r Nede Schwierigkeiten bereilete.nahm seineBrille ab und rieb die Gläser so lange, bis ihm die Worte auf die Zunge kamen. Es sind jetzt etwa acht Tage her, Euer Erlaucht, daß Graf Eduard Trachberg mich zu einer Unterredung in sein? Wohnung beschick, woselbst ich ihn und die Frau Gräfin antraf. Der Graf, welcher sich in außerordentlicher Erregung befand, theilte mir als Euer Erlaucht juristischen Berather vorläufig privatim mit, daß ihm lebhafte Zweifel an der Echtheit wr Person des in Wllrzburq beerdigten Vikomte v. Tebellaire aufgedrängt hätten." Graf Maximilian zuckte die Achseln. Wirklich? Romantischer Fraueneinfall! Eine Andeutung ist der Gräfin, wie ich mich jetzt erinnere, schon einmal hier entschlüpft." Er sprach gar nicht von Eduard, er wußte, er hatte es nur mit Betty zu thun. Es war da von einem Kirchhof in Lothringen die Rede, ich erinnere mich nur nicht genau " Ganz recht! Graf Eduard behauvtet, daß auf diesem Kirchhof in Lothringen und auf dem Friedhof in Würzburg nicht ein und dieselbe Persen, nämlich der Emigrant Wikomte Louis Amadee.de Debellaire, beerdigt sein könne." Aber, liebster Justizralh versetzte Trnchberg unmuthig, sagen Sie doch der Gräfin, dajj auf irgendwelchen Kirchhöfen vielleicht noch ein Dutzend Vikomtes und Vikomtessen de Debellaire liegen dürften. Ich glaubte bis jetzt, der Einzige, welcher an solchen Kindereien Eroötzung findet, sei mein Schwiegervater." Ganz recht! Jndessen-gestatten Euer Erlaucht, daß ich schrittweise in meinem Bericht fortfahre. Der Graf sagte mir, daß er meine Mitwissenschaft aus zwiefachen Gründen gewünscht habe. Es fei ihm erinnerlich, daß ich der .Debellaires in Würzburg als einer meinen dortigen Verwandten bekannt gewesenen Familie Erwähnung gethan" Haben Sie das?" Es ist möglich, ich weiß es in der That nicht mehr genau. Es handelt sich darum, ob es die Leiche des verstorbenen Schatzmeisters ist, welche in Lothringer Erde ruht oder nicht. Im erste'ien Falle wäre allerdings eine spätere zweite Ehe seiner Gemahlin bestimmt anzunehmen. Ich habe vorläufiq und kn ganz diskreter Weise Rachforschungen unter meinen noch lebenden Berwandten angestellt, und dadurch ist diese eine Thatsache von mir ermittelt worden, daß der Gatte der Bikomtesse v. Debellaire. als sie in Würzburg lebien, kein alier, sondern ein - jung?r Mann war. Ich habe sogar ein kleines Pasiellbildchen im Nachlasse einer Großtante aufgestöbert ein an sich werthloses Ding welches den Kopf des Herrn v. Debellaire, dem Datum nach kurz vor dem Tode desselben, wie'deraibt. Ich habe es bei mir. 'Die 5Zablen sind etwas undeutlich. Der Name der Malerin sieht auf der Rück seite: ,Ter theueren Freundin Biktoire Lmse von Maadalene Geisier eine gewesene Kousine meiner Großmutter, in deren Hause die Familie Debellaire wohnte." Er hatte ein Miniaturbild hervorgezogen und es dem Grafen gc reicht. Eine zweite Ehe so?" sagte Trach Lerg, das Bild in Elpfang nehmend. In der That, Aehnlichkeit mit meinem Schwiegervater ist da. Man könnte sagen, sogar rntt meiner Frau. .JH bin wahrhaft peinigt von die-

tm Ausspruch, Euer Erlaucht." rief Geisler. einige Mal rasch über sein graues Haar streichend. Euer Er laucht setzen sich dadurch mit den An-schc-.uungen des Grafen Eduard und sei.ur Gemahlin stark in's Einvernehmen." Wieso?" fragte Trachberg in etwa hochfahrendem Tone. Graf Eduard will den Beweis führen, daß die Großmutter des Vikomte. eben jene Viktoire Luise, nach dem Tode ihres Gemahls eine zweite Ehe " er stockte. Vitte, dech fortzufahren!" Mit dem Kammerdiener des verstorbenen Vikomte eingegangen sei."

Graf Marimlllan sprana auf. seine Hand ballte sich. Schwer ließ er sie auf den Tisch fallen, Was heißt das? Wer wagt so etwas ?u behaupten? De? Großvater meines Schwiegervaters, der Urqronvater metner Frau em Kammerdiener? Sind Sie toll, lieber Justizrath?" Ich bin selbst noch ganz verwirrt und in meiner Anhänglichkeit an die Familie Euer Erlaucht auf's Tiefste betrübt," versetzte Geisler zaudernd. Indessen mir scheint, wir haben es mit einem hartnäckigen Gegner zu thun." Gegners" nes der Gras Mit scharfem Auflachen. Sagen Sie Gegnerin! Ich möchte beschworen, daß von uns Dreien meinem Vetter Eduard am schwülsten zu Muthe ist." Ich gewann allerdings auch den Eindruck, als wenn die Frau Gräfin aber gleichviel. Euer Erlaucht 'sind jetzt vorbereitet und können den ersten Schritt thun." Den ersten Schritt zu einem öffentlichen Familieuskandal?" rief Maximilian mit nicht länger niederzuhaltender Entrüstung. Dazu soll ich die Initiative ergreifen? Es ist empörend." Em Haßgesuhl ohne Gleichen beklemmte ihn gegen sich selbst, daß er der Verführung seiner Sinne jener Frau gegenüber erlegen, und gegen sie, welche ihn erliegen machte. Höhnend hielt sie ihm ihren Strohmann entgegen, hinter welchem sie kämpfte. O. dieser erbärmliche Strohmann! Dieser Weibersklave! Wie derachtete er solche Schwäche aus dem Grunde seiner Seele! Als er sich dem Justizrath wieder zuwandte, das Bild noch fest mit der Hand umschließend, sah er ganz bleich aus. Herr Justizrath, ich will Ihnen, dem bisherigen erprobten und bewährien Vertrauensmann unseres Hauses, meine Anschauung über diese Sache mittheilen. Die Gräfin lebt seit Langem in dem Wahn, einen Feind an mir zu besitzen." Man sprach schon lange davon. Euer Erlaucht." Diese 5!irchhofsgeschichte ist ein Racheakt. Nicht mit meinem Vetter, der mir stets ergeben war, sondern mit seiner Frau haben wir's zu thun. Darin liegt die Gefahr. Denn wie ich die Gräfin kenne, hat sie sich bereits derart in diesen Plan, mich zu demüthigen, verrannt, daß selbst ein öffentlicher Skandal ihr nichts Abschreckendes mehr bietet. Die Gräfin ist eine Frau, die nichts halb thut. Gerade deshalb.' weil de Frau Gräsin die Karten aufdeckt, fürchte ich" Sie sollen nichts fürchten!" rief Trachberg mit rauher Stimme. Ich sürckte auch nichts. Ich will nichts fürchten." 'Er, ging zum Fenster, durch dessen hohe Scheiren der Glanz desj Morgens fiel, und blickte starr hinaus. Endlich wandte er sich um. Sprechen Sie zu Ende, Herr Justizrath." Ich habe nicht, nöthig. Euer Erlaucht auf die Folgen einer etwaigen Personcnstondsverwcchslung aufmerksam zu machen. Sie treten zu meinem tiefsten Leidwesen an eine Dame heran, die der allgemeinen Verehrung " Ich sinne eben nach," fiel Trachberg finster in, ob ich nach erfolgter Aufkläruna der Frau Gräfin nicht den Prozeß wegen Verleumdung machen lassen werde. Denn das wird sie Niemand einreden wollen, daß der zweite Mann der Vikomtesse. weil er jung war. nothwendig ein Kammerdiener sein mußte." ' Wenn Euer Erlaucht die Umstände zusammenfassen," sagte Geisler gedämpft, sc " , So, meinen Sie. hatte die Vikomteffe dem jungen , Kammerdiener mit Vergnügen den Platz des alten Vikomte eir'geräumt? Sei es! Ob der Kammer, diener dc? Großvater meines Schwiegervaters ist, darauf kommt's an, daZ soll bewiesen werden. Und weil es nicht zu beweisen ist, richtet sich der skandalöse Klatsch von selbst." Nicht so ganz,"-sagte Geisler in demselben schonenden Tone. Leider nicht. Das Familiengisetz Euer Erlaucht hat für die Gemahlin des Majoratsherrn " Sehen'Sie," unterbrach ihn Trachkerg, sehen Sie, welch' eine Fülle von Segen diesem pergamentenen Zopf, ge- j nannt Hausgesetz, entströmt! Mit welcher Fürsorge er sich um die Füße des Enkels schlingt, daß er beim ersten selbstständigen Entschluß doch ja auf die Nase fällt!" ' Er brach schnell ab, denn die Thür ging aus, und Marie Antoniens onmuthige Gestalt erschien auf der Schwelle. Ich erwarte die Herren schon lange," sagte sie, rasch auf Geisler Zuschreitend und ihm die Hand reichend. Wie ist's? Könnte nicht eine Pause in der Berathung zu Gunsten des Frühstücks gemacht werden?" Sie war von Geisler fort und 'zu Trachberg getreten, der ihre liebreizen-

den Züge mit dem Bilde in seiner Hand verglich. Was hast Du da?" fragte sie. auf das win-ige Vortrat schauend. Ein Bild?" Es gehört dem Herrn Justizrath." versetzte de" Graf ausweichend und reichte es diesem hin. Darf iÄ's nicht auefr einmal sehen, Herr Jusiizrath?" Ganv gewiß. Euer Erlaucht bitte!" Sie heftete ihre dunklen Augen auf die verölakten s;; - .Wissen Sie. Herr Justizraih," sagte sie dann laÄelnd und mit lebhaftem Ausdruck. Ihr Bild siebt meinem Papa ähnlich." Wir wollen also hinüber gehen, wie Du wünschest," siel Trachberg ein. Am Thcetisch, dem Man Antonie in anmuthigste: Weise vorsaß, herrschte Schweigen. Graf Maximilian, mit seinen Gedanken beschäftigt, cchtete wenig an die fragenden Blicke seiner Gattin, welche Geisler auf seine Perscn zu lenken suchte. ' Euer Erlaucht," sagte er in ienem galant scherzenden Ton. welcher ihm schönen Frauen gegenübe? stets eigen war. hatten früher die Gnade, sich zuweilen eines leidlich gelehrten Jüngers des Aeskulap zu erinnern, der sich mein Neffe nennt." ..Jawohl." erwiderte sie. und die Reinheit ihres Herzens ließ sie in dem Gedanken tief erröthen. daß ein anderer Mann als ihr Gatte sie heißer als dieser und inniger geliebt. Jawohl. Wie geht's ihm?" Ueber Verdienst gut. Das heiß!" Das heißt, es geht ihm so gut, wie cr's verdient, nicht wahr?" sagte Marie Antonie lächelnd. Ich würde mir nie erlauben, anderer Meinung zu sein al Euer Erlaucht," erwiderte er scherzend. Also, es geht ihm gut. Er hat sich seine eigene Klinik eingerichtet in bescheidenen Grenzen, hat aber viel Glück mit einzelnen schwierigen Fällen gehabt und nebenbei einem von ihm ausgeklügelten Heilverfahren in Gott weiß welchem menschenunwürdigen Leidenszustand durch Vorträge und erfolgreiche Kuren Anerkennung verschafft. Kurz, er sieht auf dem Sprunge, eine sogenannte Leuchte der Wissenschaft zu werden." Was Sie sagen!" rief Marie Antonie lebhaft. Da wird er also bald ein berühmter Mann sein. Das freut Inich! Aufrichtig freut es mich!" Sie wünschte aus der Fülle ihres rcichcn Herzens heraus ihm alles mögliche Glück als Ersatz für die getäuschten Hoffnungen, welche er an ihre Person geknüpft hatte. Ich will ihm diese gnädige Antheilnahme lieber verschweigen," sche?z!e Geisler, obwohl ihm den leuchtenden Augen Marie Antoniens gegenüber nichts weniger als scherzhaft zu Muthe war. Junge Menschen müssen ein bischen geduckt werden, damit sie sich nicht überheben. Von mir zum Beispiel hört er nie ein gutes Wort." O, wer das glaubt!" rief sie lachend. Du möchtest, wir ständen auf. Mar?"

Ich bitte allerdings"Zl ic erhob sich sogleich. Auf Wie dersehen, Herr Justizrath!" Er beugte sich bewegt über die Hand, welche die seine zwanglos und ahnungslos drückte. Ich werde zu meinem Vetter sahren," sagte Trachberg, als Beide in sein Zimmer zurückgekehrt .waren. Vielleicht hat er noch cin zweites Gewissen neben dem, das seine Frau in Besch-ag genommen hat." Und wenn nicht?" Wenn er nicht." fiel der Graf mit ; verbissenem Zorn ein. wenn er nicht mehr so viel Selbstständigkeit besitzt, einen an den Haaren herbeigezogenen Prozeß lieber vermieden zu sehen, so erwarte ich den Beweis."' Ich bitte nochmals Euer Erlaucht. sich vergegenwärtigen zu wollen, daß unter Umständen ein Prozeß aar nicht nöthig ist." sagte Geisler mtt Nachdruck. Der Gegner hat nur zu beweisen. daß der im Jahre 1792 in Lothringen verstorbene und beerdigte Emigrant der Vikomte Louis Amadee de Debel-, laire war wie es wahrscheinlich ist. Ist di:s tttx der Fall, so erlischt von diesem Zeitpunkt an. für die später geborcnen Kinder seiner Gattin, der Vikomtesse Viktoire Luise, das Recht, den Namen Debellaire zu führen. Es sind Kinder einer vorlaufia in Dunlel gel nuten Person, vcs zweiten remann?, mag derselbe nun Kammerdiener geWesen sein oder nicht. Die rechtlichen Folgen" Gnuaj" fiel Trachberg ein. Tüfteln Sie daran herum, wie Sie wollen, es ist und bleibt ein elendes Intriguenspiel." Jedenfalls verräth cs in seiner Anläge eine traurige Meisterschaft" sagte der Justizrath, indem er sich zurückzog. Der Wagen des Grafen jagte die Landstraße hinunter. Maximilian Trachberg erwog den Schimpf, welcher ihm bereitet werden sollte um des Hasses willen, den er selbst geringschätzig entzündet hatte. Seine Zähne preßten sich unwillkürlich fester aufeinander. Ein Blitz aus heiterem Himmel hatte ihn getroffen, und die Hand, welche diesen Strahl geschleudert hatte, war eine Frauenhand, die letzte, welcher er Bedeutung für sein, Leben beigelegt. Sein Wunsch,' den Grafen Eduard zu sprechen, ging augenblicklich, in Erfüllung. - Aber als er in das Zimmer, seines Vetters trat, fand er , es leer. Im Moment seines Eintretens sah er deutlich, daß sich die Thür des Ankleiduimmers hinter Eduard schloß."

Er war entflohen, unfähig, ihm Stand zu halten. Statt seiner trat aus dem angrenzenden Salon die fast nonncnhaft schlicht gekleidete Gestalt der Gräfin. Bei ihrem Anblick, der eine Fluthwelle von bitteren, mit Abneigung gepaarten Empfindungen durch seine Seele gsß, fühlte Maximilian Trachberg seine Lippen bleich werden. Ich hoffte, mich persönlich mit Eduard aussprechen 2X können," sagte er und suchte seinem-Zorn Züge? anzulegen. Er ist zu erregt, um Bitten entgegen zu nehmen." Bitten?" Ueber ihr Antlitz huschte cin Zucken. Wie lange war's denn her. da hätte sie für ein Beisammensein mit diesem Manne das Glück der aonzen Erde hingeopfert! Die fressend: Flamme war todt. Nur die Munden, dieunbeilbaren Munden, welche sie gebrannt, schmerzten fort. . Ich stehe an seiner Statt," fuhr sie fort, von ihm. dazu ermächtigt. Ich meine, wir Beide werden nicht darauf besteben, die begonnene Brüderschaft fortzusetzen." Er betrachtete sie finster. Ich derlange Eduard zu sprechen." Später! Die Gesundheit meines Mannes hat höheren Werth für mich als Ihr Mißfallen." Gewiß!" erwiderte er mit beißendem Hohn. Sie ist Ihnen sogar augenblicklich von hohem Werth, just so werthvoll wie das Majorat." Sie zuckte die Achseln. Dem fragt Niemand nach!" ' Aber Sie eifern und trachten danach, mir dasselbe zu entreißen." sagte er, die Würde seiner Haltung, welche er einen Augenblick verloren, wieder sindend. Es gibt überall Familienzwiste." er trat dicht vor sie hin. Gibt'e? auch überall Frauen, die ihre charakterschwachen Männer zu einem Skandal aufreizen?" ' Ich sehe keinen." erwiderte sie gelassen. Nur einen Irrthum sehe ich, welcher der Aufklärung bedarf. Spätes Einsehen ist immer besser als gar kcines. Sobald Ihr Rechtsgefühl so weit geklärt sein wird, den Kammerdiener freiwillig in Ihre nächste Familienzugehörigkeit aufzunehmen, ist.' die Sache erledigt, das heißt, für uns entschieden." Ich bin nicht gekommen, yöhnische Wort: mit Ihnen zu wechseln," sagte er, den beißenden Spott mit leichter Handbewegung gleichsam von sich weisend. Das brüderliche Gewissen wollte ich wecken. Sie stellen sich dazwisichen. Wissen Sie auch genau, was Sie thun? Wenn ich den Buben, der sich dazu hergab, in mein Familienleben, in mein ererbtes Recht so räuberisch einzugreifen, vor meine Pistole forderte " Das wäre allerdings die einfachste Art, sich der Person eines unbequemen Nebenbuhlers zu entledigen. Immerhin. die Welt wird dann um so genauer wissen, auf wessen Seite das Recht war." Sie blickte fest auf ihn, als sie fortfuhr: Ich hatte damals zu Ihrem Unglück versäumt, mir Ihr Dolchmesser in's Herz zu stoßen dann wären Sie befreit gewesen." Ich bitte Sie," versetzte er, von dieser Erinnerung auf das Peinlichste be-

rührt, was in der Welt soll ich denn thun, Sie ein Traumgespinnst vergessen zu machen?" Traumgespinnst?" fragte sie langsam, als stocke jede Silbe auf ihrer Zunge. Eine lohende Blutröthe schlug über ihr Antlitz. Sie lachte. Sehen Sie, was dieses Traumgespinnst aus mir gemacht hat! Jugend,, Schönheit, Glück und Frieden hat es mir gekostet. Nichts ist geblieben als ein krankes, grübelndes Hirn. Ich besitze nichts mehr als" Als den Haß und das Bedürfniß, mir zu schaden!" Ja!" sagte sie tiefaufathmend. So ist's! Dieser Haß erhält mich am Leben. Fragen Sie die Änderen, weshalb man mich nicht sterben ließ. Ich hätte wahrhaftig nichts dagegen gehabt." Sie warf sich erschöpft in einen Sessel. Sie sehen," fuhr sie mit ruhigeJronie fort, ich bin ehrlich. Von Hinterlist haben Sie nichts zu fürchten, von meiner Aufrichtigkeit Alles." Elaubm Sie wirklich," rief Trachrerg, den Zug dämonischer Größe, welcher aus Bettys Worten sprach, widerwillig empfindend. glauben Sie wirklich. daß der Landesherr Ihnen Dank wissen wird für ein so unerhört gehässiges Vorgehen?" Wir verzichten auf ' jeden Dank. Wahrheit pflegt stets ohneÄnerkennung zu bleiben. UeberdieS würden wir meiner Gesundheit halber genöthigt sein, uns viel im Ausland aufzuhalten." Noch hielt er seine Empörung zurück, wenn auch mit Aufwand aller Selbstbeherrschung. Haben Sie auch bedacht," fragte er. daß Sie mit diesem schmachvollen Racheakt weit über das Ziel hinaustreffen? Mich wollen Sie schädigen, auch Marie Antonie, aber Sie treffen ein unschuldiges Kind mit und einen alten, gebrechlichen Mann. Wie wollen Sie das vor Ihrem Gewissen rechtfertigen?" Eduard könnte gegebenenfalls dieselbe Frag: an Sie richten." sagte sie, und der Gedanke, daß Marie Antonie ein Kind dieses Mannes auf ihrem Arm wiegte, vereiste ihre Stimme. Wir wollen diesen Punkt zur Angel unserer Unerbittlichkeit wählen. Sprechen Sie also nicht von Gewissenlosigkeit, sonkern sagen Sie lieber: fürsorgcnde cy wissenhaftiakcit."

. Und wenn ich." rief er rascher athmend, durch diesen lächelnden Hohn ai'f's Aeußerste gereizt, wenn ich, was mich bis jetzt abschreckte, bei Seite setze, wenn ich keine Unritterlichkeit, keine Ehrlosigkeit mehr darin sehe, Ihrem Mann die Augen zu öffnen über die wahren Beweggründe Ihrer Handlungsweise? Wenn ich ihn hineinblicken lasse in die Lüge und Verstellung, in die ganze große, aller Sittlichkeit spottende Täuschung seiner Ehe?" Thun Sie es! Sie werden ihn nicht unvorbereitet finden. Es ist gut, daß Sie mich daran erinnern." (Fortsetzung folgt.)

Eine Million Banknotkn Blankcttc. Vor etwa einem Monat kam zn ei nern Berliner Vilchdruckcreibcsitzcr und Lithographen cin sehr sein gekleideter Mann, seiner äußeren Erscheinung! nach in Ausländer, und bestellte nach einem vorgelegten Muster einer grö ßeren aulölldischen Vanknote vonz diesem Papier für eine Million in Bo gen. Er gab an, daß die Noten für eine Lotterie dienen sollten. Daher müßten sie ohne Wasserzeichen, Na mensunterschrift und Nrnninern hcr , gestellt werden. Dem Steindrucke? fiel cö.auf, daß der Besteller m't diesen Arbeiten ailßerordentlich gut. Bescheid wußte. Er nahm daher die ungcwöhn. lichc Bestellung zwar an, machte aber zugleich die Eriminalpolizci darauf aufmerksam, zumal da der Mann sonst auf die genaueste Nachahmung des Musters aroßcn Werth legte. Man xkil) dem Trucker die Noten auzufcr tigen und zu einer vereinbarten Zeit bereit zu halten. Unterdessen beobach teten Beamte den Auftraggeber, der in einem besseren Hotel wohnte, auf Schritt und Tritt und sahen, daß er ans großem uße lebte und viel reiste, bald nach Leipzig, bald uach Trcsdcn und ab und zu auch nach. München fuhr. Als die Papiere fertig waren, hielt sich der Mann iu Treödcn auf, von wo er einige Zeit vorher seine Frau" uach Berlin mitgebracht hatte, um sie in einem anderen Hotel unlcrzubrin gen. Der Trucker schrieb ihm nun, er möge kommen und sich die Sachen ab holen.' Tcr Besteller kam vor der an gegebenen Zeit, gab noch Lisitenkeir ten in Auftrag und ordnete an, das; ihm noch am selben Abend Noten und 5?arten durch einen Beauftragten, den er senden und der den )!amen Ut Visitenkarten sagen werde, zugestellt tvcrden sollten. Zum Abholen kam dann seine Frau". Tiese brauchte nicht erst nach dem Hotel zu geyen., Ihr Mann" erwartete sie auf der Straße, um ihr die Million abzuneh mcn. Für die Eriminalpolizei lag die Sache so: die Fälschung war ohu Wasserzeichen, öame und Numnler nicht vollendet. Tic Noten konnten immerhin einem Privatzweck dienen u. waren dann in den: Zustande, in dem sie sich befanden, weiter nichts als ,.Vlüthen", die herzustellen noch keine strafbare Handlung war. Nach dem ganzen Gebühren des Mannes aber sagte sie sich, daß die Vollendung der Fälschung jedenfalls geplant sei, eine Annahme, die sich im weiteren Ver lauf der Ermittelungen als richtig erwies. Es galt daher, daö Pärchen nicht aus den Augen zu lassen. Taö kostete allerdings noch ein gutes Stück Arbeit uiid Zeit. Nach längerem ge meinsamen Wege trennten sich Mann und Frau und gingen Beide in ihr Hotel. Von dort' fuhr schließlich der Mann mit seinem Gepäcke nach dem Llnl, alter und die Frau nach dem Schlcsischen Vabnhofe. Hier nahm sie an der Aufb.'wahnmgsstelle zwei Kof ser in Empfang und fubr nun auch nach dem Anhalter Bahnhöfe. Als sie cgcn 7 llbr Abends ankam, hatte ibr Mann schon Alles besorgt und winkte ihr an einem Eoupee zweiter Ülasse eine? Fernzuges. Tas Pärchen dcrcinigtc sich wieder, ilm geminsan' die Reise anzutreten. Die Vahnbeamten forderten die Fahrgäste, die och auf dem Bahnsteige herumstanden, auf, einzusteigen. Auch die Frau.scbick.'e sich an, dieser Aufforderung zu folgen, als zum all. gmicinen Erstaunen die Kriminalbo amtcn ihre Hand auf die Reisenden legten und sie trotz lebhafter Verwah. rung mit ihrem ganzen Gepäck nach dem Polizeipräsidium brachten. Hier fand man dann in den beiden Kasten die Stempel, mit denen Wasserzeichen, Namen und Nummern anf den Bans noten nachgetragen werden sollten, ebenso dies: Scheine, auf denen der Trucker die Bogen 51t je sechs Stück in vorzüglich gelungener Arbeit her gestellt hatte. Ter Auftraggeber hatte sich auch Iicse Stein? ausdrücklich aus bändigen, die Stempel aber auf seinen Reisen in verschiedenen anderen Stäo ten anfertigen lassen. Was für Leute die Verhafteten sind, steht noch nicht fest. Ter etwa 30 Jahre alte Mann spricht eine Menge Sprachen. Bald will cr ein Südfranzosc, bald ein Spanier, dann wieder ein Italiener sein, mitunter spricht er gut deutsch, um sich später gar nicht auf diese Sprackic zu besinnen. Auch die Per sönlichkeit der jungen Tame ist noch zweifelhaft. Man hat cs jedenfalls mit internationalen Fälschern zu thun. EZT Tish-i-rningo.

The Victor,

t ! 1 . ' Ar J . . ' jry ...-""T . j ' rr.-. .,-?.. liu 1 i ' . , '" ' i , Ecke Noble und St, Clair Ttr. Ich erlaube mir meinen Freunden und Vekanrtk knzuzngen. daß ich uuter dem Namen "The Victor" an obengenannttm Platze eine iu jeder Lczielzung erste Klaffe Wirthschaft eröffnet habe. ' (ES wird mein Bestrebe sein, ein in jeder Beziehung respektables Hau? zu führen und an meie Gkschast freunde, bei coulanter Bedienung, die besten Quaii täten an importirtkn und einheimischen Seinen, Liqaören. Cigarren. Bier, etc. zu verabreichen. S wird mir zur Ehre gereichen. u in meinem jetzigen Lokale begrübe zu können. Achtungsvoll HENRV VICTOR. Pferde-Geschirre, Buggies, Kosscr und Reisetaschen am besten und billigstm bei 1 l 136 Ost Washington Str. Min nie Willharm. Praf. Mary VlalzoneZ. Sckr Arbeit ersten Nangeö IN der UNION :: CO-OPERATIVE :: LAÜNDRK No. 232233 Virginia Ave. Z,h F. fett,. ' Televbvne: GeschaftSsührer. Alt und Neu ikS. Neues Telerhen 2834. JndianapoiiS. Dr, L. A. Greiner, emrfiehlt'sich für die Verpflegung kranker Thiere. kranke Vkrde werden enZaegeneuon:me und erhalren bessere Sdwartung al m ibrer eigenen ?tallung. 18 biS 24 Süd Ost Strake. lelephen 905. Wohnung 17b3. Zu vermiethell : Zimmer im Majestic :: Gebarnde zu reduzirten Preisen.; DaS feinste Officc-Gcbäude in der Stadt LoUständig feuersicher. Schnelle Fahrstühle und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei 6reF0r.v & Appel Agenten, r d Andlanavolis GaS Co. , losepk Haas, empfiehlt sich dem deutschen Publikum zur Reinigung von Abtritten, Scwers Cifterncn u. s. to. tS- DiSinfektto frei. . Ossice:' 707 Maxwell Straße. Telephone: (alt) Main 1039. (Neu) 2578 5MM,MV Ttt 43 Stunden werden VonarrliSa und Rukflutz au rf urm Organen durik ?iitaI3PZi 'aekobm ohne Undquemiidklk. Prei lHTTi t st r srnnn fmtf ii l,V', tl Hltlll A IHiMU Wfr. P. C. ?or 2081. ?!, ork. Niagara Falls ...Excursiott... Samstag, 2. August, dia Detroit und durch Canada. s7.-Nundfahrt-K7.0 Speualzug mit durchlaufenden Waggons und SchlafwaggonZ verläßt Indianapolis um 5 Uhr Nachmittaas. Für Einzelheiten spreche man bei den H. & D. Ticket Agenten vor oder schreibe an ZI. P. Lllgto, D. P. A.. Indianapolis. Deutsche Buchhandlung. CTurl Vtnapa?, 54 Virginia ve 4. (Pembnle rcade.1 L -LiU HusschmZed. W. W. Knight, 108 Virginia Avenue und Ost Maryland St. NeueS el.

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