Indiana Tribüne, Volume 25, Number 270, Indianapolis, Marion County, 7 July 1902 — Page 7
Jndlana Tridune, 7. Juli lvlZS.
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Tffcim du mich ßcöfl ttansii ton Georg Lsrtroiz (Emmy 4 RocppeL) IIVV (Fortsetzung.) Wenn Du mich jetzt heimfahren ließest, Eduard, mir schwirrt der Kopf sagte sie, und ihr farbloses Antlitz bezeugte, daß sie mit ihrer Kraft zu Ende war. Ich schicke Dir den Wagen wieder heraus." Selbstverständlich begleite ich Dich," rief Eduard ausspringend. Ich hoffte, Ihr würdet länger bei uns bleiben," sagte Marie Antonie bedauernd, indem sie mitleidig Bettys Hand nahm. Sie fühlte, daß etwas zwischen ihnen zerstört war, daß eine Kluft sich aufgethan, welche ihr bestes Wollen nicht überbrücken konnte. Sie fühlte auch, daß Bettys Zuneigung, auf welche sie einst fo hohen Werth gelegt, ihr nur , wenig Freude mehr gewähren könnte. Als der Wagen die Rampe hinunterfuhr, sagte Maximilian mit herbem Sarkasmus: Hoffentlich haben wir in längerer Zeit nicht mehr das Wergnügen, Tante Tinas Tochter in Holdenberg zu sehen. Sie fängt nachgerade 'an, für's Irrenhaus reif zu werden." Ich bitte Dich. Max. fage so etwas Schreckliches nicht!" rief Marie Antonie, und ein kaltes Grauen rieselte ihr durch die Glieder. Ich fürchte, sie wird Eduard noch mit närrisch machen," fiel er verächtlich ein. Läßt .er sich nicht von dieser Frau um den Finger wickeln? Es ist schade um ihn. Er hätte etwas Besse.res verdient, als unter den Pantoffel eines Weibes zu gerathen, die in blinder Leidenschaft sich selbst vernichtet." Vetty und -Leidenschaft?" fragte Marie Antonie staunend. Für was? Für wen?" Er antwortete nicht. Flüchtig cjü ßend verließ er das Zimmer. 13. Kapitel. Vetty Trachberg hatte ihren Mantel fest um sich gezogen und das Haupt in die Wagenecke zurückgelegt. So ging sie Fragen und Antworten aus dem Wege. In dieser Ruhe hatten ihre Züge einen Anhauch klassischer Reinheit. Sie waren wie aus Marmor geschnitten. Eduard begnügte sich, sie anzusehen und ihre Hand von Zeit zu Zeit zu drücken. So floß die Stunde Weges schweigend hin. Der Zwischenraum minderte sich im Fluge. Nur daß statt des Spätsonnenscheins jetzt die rauhe Herbstnacht ihre frostigen Nebel durch die Finsterniß spannte. Als die Gräfin im erwärmtem Vestibül den Mantel abwarf, fragte sie hastig: Sind Briefe angekommen?"' Zu Befehl, gnädigste Gräfin!" Sie nickte Eduard zu und eilte die Treppe hinauf, schlug die Portiere hastig zurück und ging in ihr Boudoir. Ein Häufchen Briefe und Zeitungen, sorgfältig geschichtet, lag auf dem Schreibtisch. Sie warf sie hastig durcheinander, ohne mehr als Adresse und Poststempel zu lesen. Plötzlich zuckte sie zusammen, als habe ein elektrischer Strom sie berührt. Ihre Finger krampften sich zusammen, daß der Brief, welchen sie in der Hand hielt, uneröffnet zur Erde glitt. Die Gräfin drückte auf den Knopf neben ihrem Schreibtisch. Ein Glas Portwein!" Als sie die dunkle Flüssigkeit zu sich nahm, kehrte die Farbe in ihre Wangen zurück. Ich will nicht gestört sein von Niemand!" Jetzt ging sie rasch zum Tisch zurück, warf sich in den Sessel, raffte das Schreiten vom Boden auf, öffnete es und las seinen Inhalt. Zwei Mal. drei Mal las sie ihn, und jedes Mal glühten die rothen Flecke auf ihren Wangen fiebriger, jedes Mal öffnete sie die Lippen weiter, den gepreßten Athem auszustoßen. Gehen wir weiter!" 'stieß sie zwischen den Zähnen hervor. Nur Narren und Kinder haben Furcht vor der Entscheidung." Ueoer den ieppichbelegten Gang, den ihre dunkle Schleppe rauschend streifte, eilte sie in ihres Gatten Zimmer. Eduard Trachberg faß behaglich am euer, las und raucht, nicht ahnend, daß dies die letzte Eigarrette gewesen, welche er je 'sorglos entzündete. Bei Bettys Eintritt legte er freudig über, rascht das Zeitungsblait bei Seije und bot ihr den Schaukelstuhl ihm gegenüber an. Das ist doch nun wieder ein famoser Einfall von Dir. Ich fürchtete schon, für diesen Abend Einsiedler bleiben zu müssen. Du hast 'da einen Brief! Was Besonderes?" Sie hielt das Schreiben fest und einen Moment die Augen darüber gesenkt. Dann sah sie ihn voll an. Etwas sehr Besonderes! Es ist die Antwort des Bürqermeisters von Würzdurg auf das schreiben, welches ich in Deinem Namen an ihn richtete." . Der Graf ließ vor Staunen die Cigarrette aus den Fingern gleiten. .Wie war das, Vetty?" Sehr einfach." s aa sie, ihre Macht über diesen Mann langsam in's Treffen führend. Ich schrieb an den betreffenden Herrn, vertraulich und in Deinem Namen, und bat ihn um Aus-
Um Auskunft?- unterbrach Trachberg.sie mit hastigem Kopfschütteln. Was Tausend über wen? Ich weiß ja kein Wort!" In Betreff der in Würzburg verstorbencn Familie Debellaire," sagte sie ruhia. Nun hört aber alles auf!" rief Eduard Trachberg halb staunend, halb verdrießlich. Betty, Du wirst Dich doch nicht in solche aten Geschichien einlassen? Die Sache kann Dir doch herzlich gleichgiltig sein." Weder mir, noch Dir," sagte sie mit überlegener Ruhe. Es sei denn, daß Du den Muth nicht hast, für eine Ueberzeugung einzutreten." Aber ick habe ja gar keine Ueberzeugung." rief er lachend und ärgerlich zugleich. Du tüftelst mir da etwas an. Laß doch die Spielerei! Was hast Du denn davon? Es handelt sich doch nur um Neugier." Sie faßte seine Hand und sagte langsam: Du irrst, es handelt sich umDein Recht auf das Majorat." Er sprang auf. Wie er in ihre Augen sah, versagte ihm das Lachen. Er versuchte einen Scherz. Auch der mißlang. Endlich sagte er kleinlaut: Ich bitte Dich, Betty, mach' nicht solche Geschichten am späten Abend! Du sollst Deine Kopfnerven schonen.. Was fabulirst Du da? Laß uns lieber Halma spielen!" Er suchte aus dem Bereich ihrer Augen zu kommen und wollte sich abwenden, um das Halmatischchen herbeizutragen, als sie seine Hand abermals ergriff und festhielt. Du brauchst nicht vor Deinem Recht zu fliehen. Du sollst es im Gegentheil fest an Dich nehmen. Und was meine Gedanken anbelangt, sind sie nie freier von Einbildungen gewesen" als eben jetzt. Setz Dich wieder hin. Du wirst gleich hören warum." Meinethalben! Aber wenn ich eine Ahnung habe, was Du eigentlich willst" er wandte ihr sein hübsches Gesicht mit einem Anflug von Spannung zu. welche jetzt die Oberhand über den Mißmuth erhielt. Also? Was soll ich hören?" Den Inhalt dieses Briefes zunächst. Er beantwortet meine Anfrage, ob auf einem der Würzburger Kirchhöfe ein Bikomte v. Debellaire bestattet sei und in welchem Jahre. Du könntest ja doch," fügte sie spöttisch hinzu, beabsichtigen, Amadeus Debellaire eine Weihnachtsfreude mit der Auffindung eines unvermutheten Ahnherrn zu bc-
reuen. Er lachte. Na, und weiter?" j Darauf erhielt ich diesen Bescheid: Verstorben sind allhier und begraben im Jahre 1803 der Bikomte Louis Amadee de Debellaire im Jahre 1823 seine Ehefrau Viktoire Luise nachdem j ihnen im Tode ein Töchterchen Marie Antoinette im Jahre 1796 vora.lgegangen war. Geboren wurde im Jahre 1806 diesem Paar ein Sohn und getauft auf die Namen Louis Amadeus " Sie ließ das Blatt sinken. Na also!" rief Trachberg, dessen Spannung durch diese bekannten Thatsachen nicht auf. ihre Rechnung kam. Das wußten wir ja!" Ja," fagte sie mit düsterem Aufleuchten ihrer Augen, das wußten wir. Aber jetzt wissen wir mehr. Zum Beispiel dies: daß ein Mensch und wäre es selbst ein Likomte v. Debellaire, nicht zwei Mal sterben und begraben werden kann. Und daß die Vermuthung greifbar nahe liegt, daß " Daß?" fragte Trachberg hoch aufhorchend. Daß der Todte auf dem lothringischen Friedhof der wahre Louis Amadee de Debellaire ist, und der Würzburger Todte nur sein Schattenmann." Was Schattenmann!" warf Eduard ungeduldig ein. Du hörst doch, er liegt feierlich und thatsächlich beerdigt bei seiner Familie." Wer liegt dort?" fragte sie scharf. Wer liegt dort beerdigt? Ich will's Dir sagen!" Sie beugte sich zu ihm und sagte mit scharfem Flüstern: In Würzburg liegt der Kammerdiener des Vikomte v. Debellaire!" Eduard starrte sie einen Moirent verblüfft an. Dann brach er in ein schallendes Gelächter aus. Ausgezeichnet! So etwas spürst auch nur Du aus. Betty! Wer verfällt sonst darauf? Wenn ich mir den Vi-, komte vorstelle verzeih, aber ich muß mich erst auslachen! Wie kommst Du auf eine so abenteuerliche Vermu-, thung?" . Davon später," versetzte sie ruhig. Ich will zuvor Deine Meinung einholen, welche' Schritte zunächst in dieser Sache zu thun sind, richtiger gesagt, welche Schritte Du zu thun gedenkst?" Ich?" fragte er verwundert. Gar keine. Mich interessirt diese vermoderte Liebesgeschichte blutwenig, selbst wenn sie wahr wäre." Sie muß Dich interessiren. sobald Du ihre Bedeutung erfassest." versetzte sie. ihn immer mehr in den Bann ihrer Ueberlegenheit zwingend. Du wirst nicht gut umhin können, für Deine Rechte einzutreten. Denn das kannst Du- Dir wohl allein sagen, daß eine Enthullunz wie Diese nicht blos Lachmuskeln reizen darf. Ulttr werven gemeinsam die Wahrheit zu Tage fördern. . Und," fügte sie hinzu im bitteren Frohgefühl endlich errungener Macht, und ist sie am Tage, dann wird Dir hoffentlich der Muth nicht fehlen. Dein Recht an Dich zu nehmen." Sie war aufgesprungen und vor ihn getreten, damit keiner seiner Gedanken ucu.ldr errwinde.
Du kennst Eure Familiensatzungen.. Die Enkelin eines Kammerdieners, und wäre er ein Apollo an Schönheit gewesen. kann nie die Gattin des Chefs Eures sumse sein." . Jetzt entfärbte er sich. Was sagst Tu da? Unbegreiflich, wie man an so etwas denken kann!" Denke nicht, handle!" sagte sie kurz, und es war ihr, als raffe sich mit jede: Sekunde ihre zertretene Würde höher auf von dem wahnsinnigen Kniefall jener Stunde. Handeln? Ich?" rief er mit unwilliger Hast. In welcher Eigenschaft? Aus welchem Grunde? Nicht den Finger rühre ich. Wie kannst Du mir das nur zumuthcn?" ' Ich muthe Dir nicht mehr zu als Deine Pflicht." erwiderte sie mit unbeugsamer Festigkeit. Aber auch nicht weniger. Wir müssen Beide nach der-
selben Gerechtigkeit trachten. Nicht Marimüian, sondern Du bist der Besitzer des Majorats Holdenberg ist Dein!" Die Wucht dieser Vorstellung stürbe sich wie eine Felslast auf ihn. Er vetlor für Sekunden die Sprache. Seine geringe geistige Begabung rang gleichsam verschüttet unter dem Gewicht, das Betty über ihn gewälzt. Es ist das Ungewohnte, was Dich erschreckt," fuhr sie ruhig fort. Denn solltest Du Dich wirklich feindlich siellen wollen gegen die gesunde Vernunft, so würdest Du Dich feindlich gegen mich stellen. Geh! Halte Umschau, wo Du willst! Frage, wen Tu willst! Und wenn Du besseren Rath hörst als den meinen, so nimm ihn an." Da er noch immer nichts erwiderte, fuhr sie überzeugend fort: Bist Du der Gründer Eures Hausgesetzes? Deine Schuld ist es nicht, daß es da ist. Aber wenn es einmal da ist, wenn Ihr Trachbergs verpflichtet seid. Euch seinen Satzungen zu unterwerfen, dann schleicht nicht scheu bei Seite, wenn diese Pflicht ruft." Er sprang, noch wie betäubt, auf und faßte ihre Hand. Maximilian Maximilian ist's, von dem Du sprichst, dem ich sein Erbe rauben soll!" Er ließ ihre Hand fahren und schritt rasch, wie gehetzt von seinen Gedanken, durch daö Zimmer. Dann blieb er vor ihr stehen und sprach mit vor Erregung unsicherer Stimme: In seines Vaters Hause fand ich eine Heimath. Maximilians Mutter ward meine Mutter. Es wurde kein Unterschied gemacht zwischen ihm und mir. Er war mein alterer Bruder. Und nie. nie ist zwischen ihn und mich etn Schatten getreten. Ich fühle es jetzt erst, wie lieb er mir ist. Ich schätze ihn, ich verehre ihn. Er ist der Klügere, der Fleißigere, auch der Größere von uns. Wenn ein Unglück uns jetzt träfe, ein VermögensVerlust meinst Du, es bedürfe einer Bitte an ihn? Er gäbe mit vollen Hän den, mehr, als ich brauche. Und ich ich sollte, unserer Vergangenheit zum Hohn, wie ein Wegelagerer über ihn herfallen? Wo er mir heute noch die Hand vertrauensvoll gedrückt hat, wo ich fein Gast gewesen bin. und Du Du Brüderschaft mit ihm gemacht hast? Nein! Nie!", Er trocknete sich die Stirn. Aber ein Gefühl innerer Erleichterung fand er nicht nach dieser Kundgebung. Die unsichtbare Macht, die auf ihm ruhte und aus Bettys Augen unaufhörlich auf ihn einströmte, spann seine Kraft lähmend ein. Wenn er der Ueberlegene ist," sagte sie mit ernster Ruhe, so hätte er überlegt handeln und nicht wie ein Gimpel dem Fräulein Debellaire w's. Garn laufen sollen." Marie Antonie" fiel er hastig ein. Marie Antonie," unterbrach sie ihn, das leidenschaftliche Aufbäumen ihres Herzens meisterhaft bezwingend, ist ein Nebenfaktor in diesem Exempel. Wir haben es lediglich mit Maximilian zu thun. Sie ist seine Frau und wird es bleiben. Haben wir etwa die Absicht. uns in seine Ehe mit ihr zu mischen?" Nein!" rief er verwirrt. Aberindem wir uns hinter den betreffenden Paragraphen des Hausgesetzes stecken, greifen wir die Frau auf's Härteste mit an, stellen sie bloß" Ich meine, er liebt sie?" warf Vetty mit zuckenden Lippen ein. ' Und wenn er denn so groß denkt, so edel, so wird er sie auch nach dieser Enthüllung nicht fallen lassen." Doch, er wird es," rief Eduard. Du kennst Maximilian nicht, hast Dir nie Mühe gegeben, ihn kennen zu lernen. sonst würdest Du wissen, daß er mit Allem, was durch Geburt und Vererbung ihm zugefallen, eins ist. Er schätzt seinen Besitz hoch. Er hat die Welt und die Verhältnisse nur von dieser Stellung aus. gesehen, sie ist ihm Bedürfniß. Alle seine Kräfte 'hat er ihr gewidmet, er lebt in ihr. Mag das Beiwerk auch oft seinen Spott herausgefordert haben, das Bewußtsein seiner Selbstherrlichkeit sitzt -ihm in Fleisch und Blut. Er wird alles Andere i ' -opfern als diese." Du bist nicht dafür verantwortlich." sagte Betty kalt, was er thut oder läßt." Wer ihn verwunden will, wer es mit ihm verderben will, muß ihn hier angreifen," fuhr Eduard mit überstürzender Hast fort. Ich möchte wissen, mit welchem Blick er mich ansehen würde,' streckte ich die Hand nach seinem Besitz aus. Ich bliebe ihm verhaßt bis an's Lebensende. Er würde mich derachten, und alle Besseren mit ihm!" Die Klugen sicher nicht," warf sie, von seinen Worten da verletzt, wo es
ryr am weyesten that, kaltj pottend ein. Was hat der Majoratsherr Eduard Trachberg von dem kleinen Grafen Maximilian zu befürchten? Dem kleinen Edelmann, dem die Liebeslust das Majorat gekostet hat?" Sie richtete sich mit lohender Leidenschaft auf. Jetzt ist an Dir die' Reihe, gnädig zu sein. Und will er nicht Gnade annehmen, so lache ihn aus sammt seiner kostbaren Gemahlin, die dem seligen Kammerdiener ein so reizendes Gesichtchen derdankt." Während sie diese Hohn- und schmerzgetränkten Wort rief, war ihr, als risse Jemand eine Saite nach der anderen in ihrem Herzen entzwei. In den grausamen Jubel befriedigter Rache tropfte ein unermeßlich tiefes Weh. En trat dicht vor sie hin, Vorwurf und Liebe zugleich im Blick, und drückte ihre Hände. Sie bat einen Sohn er ist Maximilians Erbe. Wir haben kein Kind." Du kannst noch einen Sohn haben," fiel sie herbe ein. Sein Recht ist es, das Du mit Deiner thörichten Furcht aufgeben willst. Sorge für ihn, nicht für Maximilians Sohn. Das ist Deine Pflicht, der gegenüber alle'sentimentalen Erwägungen schweigen müssen." Er schlug sich vor die Stirn. Betty. Vetty! Wenn ich geahnt hätte laß mich den Augenblick nicht verfluchen, wo ich Dich an jenes Grab rief!" Fluche ibm, wenn Du Dir Entschlossenheit damit schaffen kannst. Ein Fluch ist nur eine Gemüthserleichterung. Schwerbedrückte fluchen, Glückliche lachen das eine ist so gut wie das andere." Er stand einen Augenblick schweigend im schwersten inneren Kampfe. Dann leuchtete ein rettender Strahl in seinem Auge auf Bettn, Du bist zu schnell, zu stürmisch. Du übersiehst, daß kein Beweis vorhanden ist, sondern nur eine Ver-
muthung. Das Kirchenbuch in jenem lothringischen Dorfe ist vernichtet, von Alter und Persönlichkeit sagen die Angaben, die Du erhieltest, nichts. Woraus willst Tu fußen ohne den Schein gieriger Gehässigkeit? Wir würden uns vor aller Wett bloßstellen . ohne jeden praktischen Erfolg. Darum eis den Gedanken auf, ich bitte Dich." Sie hatte ihn ruhig aussprechen lassen. Jeklt sagte sie: Der Beweis wird sich finden. Gräber kann man öffnen." Die Gräber öffnen?" Er trat zurück, entsetzt und angewidert von einem solchen Vorschlage. Sie lächelte. Du thust, als sei eine solch? Nothwendigkeit eine Erfindung von gestern, als müsse man nicht häufig auf diese Weise die Wahrheit zu Tage bringen." Die Wahrheit in Verbrecherfachen!" rief er außer sich. Jawohl! Das thut man! Einen Schurken und Mordgesellen zu entlarven, greift man zu diesem Mittel, aber nicht, einen Mann wie Max aus Recht 'und Besitz herauszudrängen Und wenn," fuhr er mit unsicherer Stimme fort, wenn das Unerhörte geschehen ist, wenn wirklich ein junger Mann in Würzburg vermodert liegt" So ist es eben nicht Louis Amadee de Debellaire, was zu beweisen war," fiel sie mit überzeugender Ruhe ein. Marie Antoniens Vater liefert den nächsten Beweis mit seinem Stammbäum. Ob Kammerdiener oder nicht, ein Anderer ist an des Verstorbenen Stelle getreten, ist Vater geworden, hat sich den Namen Debellaire fälschlich zugelegt. Das Uebrige wird Sache der Gerichte sein, vorausgesetzt, daß Max, der kluge, großdenkende Max, es nicht vorzieht, stillschweigend seinen Platz zu räumen." Das thut er nicht!" rief Eduard Trachberg, in machtlosem Zorn sich vor dieser bleichen Frau windend. Das thut er nicht! Eher kämpft er bis auf's Aeußerste!" So thut er. was Du auch thun wirst, nichts mehr und nichts weniger. Nur mit dem Unterschied, daß seine Kampfart frei von Sentimentalität sein wird, die Deine nicht. Wir wollen abwarten," fügte sie mit beißendem Hohn hinzu, um sdie empfindlichste Stelle in Eduards Hzen zu treffen, wo seine brüderliche Liebe bleiben wird, erhebst Du Dich einmal aus Deiner Unterthanigkeit und Anbetung." Ich gebe meinen Namen nicht dazu her!" rief er zähneknirschend. Nie. nie gebe ich ihn zu einem solchen Familienskandal her! Ich will nicht, daß man mit dem Finger auf mich weist, ich will nichts thun, was mich vor mir selbst entehrt. Wie es bisher gewesen ist, soll's bleiben. War's Täuschung, mag's Täuschung getoesen sein. Ich habe kein Interesse, Richter zu werden in einer Sache, die mich in ein falsches Licht rückt." Wärest Du ein armer Mann, ein abhängiger Vetter, dann könnte Dir ein Motiv des Neides untergeschoben werden. Du bist es nicht. Du bist ein reicher Mann. Mehr Geld hast Du nicht nöthig. Das wissen alle, an deren Urtheil Dir etwas gelegen sein kann. Was fragst Du nach den Uebrigen!" Ihm war's, als dränge ihm Jemand eine Waffe auf. Selbstmord zu üben. VerZweifluna. die Verzweiflung an feiner Wtllenilrasl, packte irrn. St scyoo Betty von sich. Nein! Nein! Geh, ich bitte Dich!" Du willst nicht?" fragte sie, und über ihr düsteres Antlitz glitt ein fluchiiger Zug der Trauer. Dann haben wir Beide auch nichts mehr miteinander gemein. Ich kann dem Manne, der sei-, nes Rechtes Meister nicht ist, auch kein Recht einräumen über mich." Er taumelte förmlick bei diesen Wor-
ten. Betty-Du! Fort von mir?" Er stürzte auf sie zu und packte krampfhaft ihre Hände. Ich weiß. Du hältst Wort, aber Betty, Du schenktest dem elendesten Bettler vor den Kirchenstufen Dein Tuch, Du thatest Gutes, wo ich voll Ekel mich abwandte sei jetzt barmherzig gegen mich! Laß diesen Gedanken fallen! Wärest Tu von Max tödtlich beleidigt worden, Du könntest grausamer Dich nicht rächen wollen, rächen durch mich!" Seine ersten Worte hatten den harten Glanz ihres Auges erweicht, die letzten Worte entlockten ihr ein böses Lächeln. Fasse Dich!" sagte sie mit unbeirrbarer Strenge. Sei ein Mann, so will ich Deine Frau sein. Dem Knaben aber, der vor seines Vetters Ruthe davonläuft, kann ich nicht mehr angebören." Sie machte sich von ihm frei und wollte zurücktreten. Aber n ließ sie nicht. Halb besinnungslos riß er sie an sich, und wi: ein Aufschrei kam es aus seinem Munde: Bleib! bleib bei mir! Es srll aescbeben. was Du mUHi" (Fortsetzung folgt.)
Originelle Bekämpfung dcS Ge heimmittclschttinbels. Die deutsche Apotheker-Zeitung" veröffentlichte kürzlich von dem Apotheker Stoll in Herborn, Hessen-Naf-sau, eine Zuschrift, welche unter Anderem wie folgt lautet: Es möchte wohl einem oder dem andern meiner Kollegen von Interesse sein, zu erfahren, wie ein Landapotheker die Konkurrenz von GeHeimmittelfabrikanten bekämpft oder doch die Inserate derselben in der im Orte erscheinenden Tageszeitung unmöglich macht. Ich selbst inserire grundsätzlich nicht, lasse aber Inserate der Fabrikanten von Spezialitäten wie Dalma," Delieirattenkuchen," Lilienmilchseife," Kräuterwein" u. s. w., worin meine Apotheke als Verkaufsstelle genannt wird, zu. Den Verleger des hiesigen Tageblatts veranlaßte ich, falls er Annoncen von Geheimmitteln oder solchen Artikeln, die offenbar zu theuer oder auch werthlos sind, aufnehme, daß meine Inserate direkt darunter Aufnahme fanden. Das geschah, und ich hatte die Genugthuung, ein langathmiges Inserat Parais Klosterliniment und Klostertrank," durch meine Annonce P.'s Klosterliniment und Klostertrank sind in allen Apotheken zehn Pfennigweise zu haben," bald wieder zurückgezogen zu sehen. Es erschienen die Inserate Homeriana"; mein Inserat lautete: Homeriana, Vogelknöterich, ist zehn Pfennigweise in allen Apotheken zu haben; die Pflanze wächst am Schießplatz und an allen Straßen und Feldwegen." Nach einigen Wochen war die Sache erledigt. Nun kam das Voltakreuz." Mein Inserat lautete: Voltakreuz, Werth zehn Pfennig (laut Urtheil des Polizeipräsidenten zu Berlin). Preis drei Mark. Der Fabrikant hat seinen Wohnsitz von Berlin, wo ihm der Boden zu heiß geworden fein mag, nach München verlegt." Nun hatte ich einige Jahre Ruhe. Da erschien das Eukalyptusöl." was nach meinem Inserat zehn Pfennigweise in allen Apotheken erhältlich," auch bald wieder verschwand. Ten Schluß machte der Russische Vogelknoterich," den ich allerdings 27 Mal als iu allen Apotheken zehn Pfennigweise erbältlich" bezeichnen mußte mit dem Zusatz, die Pflanze wächst am Schießplatz und an allen Straßen und Feldwegen." Die Kosten sind ja nicht unbedeutend,' doch wurde auch für manche Mark abgesetzt, und der indirekte Vortheil in Folge Besprechung der betreffenden Artikel im Geschäfte und außerhalb der Apotheke ist nicht in Geldwerth umzusetzen. Durch das Inserat Voltakreuz" sah sich d?e Staaatsanwaltschaft zum Vorgehen gcgen den Fabrikanten veranlaßt, und ich wurde als Sachverständiger geladen. Leider mußte eine Freisprechung erfolgen, weile Anklage wegen Vertriebs nicht freigeaebener Arzneimittel" erhoben war. ich dem Voltakreuz" aber den Charakter als Arzneimittel nicht verleihen konnte, sondern es als Instrument" bezeichnete. K e i nl sTä d t i s ch e n Steuern haben heuer die glücklichen Bewohner von Peterborough in England zu bezahlen. Es ist dies das erste derartige Vorkommniß in dem genannten Lande. ' Ein lebender Walfisch, 65 Fuß lang, wurde in Juan les Pins, in der Nähe von AntibeZ, Frankreich, an die Küste getrieben. Es war dies der erste derartige Fall an jenem Theil der Mittelmeerküi'te. Zum Ausbrüten der Eier muß eine zuverlässige Henne gewählt werden, denn nicht jedes Huhn eignet sich zum Brüten und Führen der Kücken. 'Man nehme ältere Hennen dazu, welche ausdauernder sind, junge Hennen verlassen oft das Nest, da be: diesen der Legetrieb' noch zu sehr wirkt und dadurch die Brutwärme, und in Folge dessen die Brutlust verloren geht. Tapfere Frau. In der Wohnung eines gewissen F. W. Brooks zu Chippewa Falls, Wis., brachen kürzlich zwi Diebe ein. Brooks war zur Zeit abwesend und als die Einbrecher gerade zu einem Fenster hineinsteigen wollten, welches sie eingeschlagen hatten, trat ihnen Frau Brooks kurz entschlossen mit einem Revolver entgegen. Die Frau gab auf die Kerle mehrere Schüsse 'ab. ohne jedoch zu treffen, aber die Einbrecher zogen eZ trotzdem vor. zu entfliehen.
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