Indiana Tribüne, Volume 25, Number 268, Indianapolis, Marion County, 3 July 1902 — Page 7
Jndiana Tridnne, 3 Juli IVOS.
7
H5TH HchSSSZ
Wenn Du rnidj RcGfl. ttoman ton Georg Tjartrotg (Cmmy Korxpel.) s (Fortsetzung.) Tante Zma," sagte Marie Antonie, in plötzlicher Eingebung der Freifrau beide Hände entgegenstreckend, nicht wahr. Du wirst nicht aufhören, mir das zu sein, was Du nur warst vom ersten Augenblick an?" Nie!" rief die Baronin mit EmPhase. Eine Mutter könnte Dich nicht so lieb haben wie ich. jedenfalls nicht lieber. Ich wünschte. Du wärest mein Kind! Was soll man mit einer Tochter wie Vetty anfangen?" ' ...Sie trösten," versetzte Marie Antrnie träumerisch und dachte an die Trostlosigkeit der vergangenen Nacht. 12. Kapitel. Frühling und Sommer waren vergangen, die Schwalben flogen sehnend dem Süden zu. An den Abhängen der Berge klomm der Herbstnebel in die Höhe, und wo die See ihre Wellen schlug, verdichtete er sich zu unurchdringlichen Massen. Ein ödes Grau vereinte Himmel, Land und Meer, verschlang die Küste und scheuchte die letzten Badegäste vom unwirthlichen Strande hinweg. Nur Eine hatte Sturm und Regen Tag für Tag die Stirn geboten: Betty Trachberg, und hätte es fortthun mögen in alle Ewigkeit. An der baskischen Küste, wo die Brandung am wildesten tobte, am Fuße des Leuchtthurms von Biarritz, den der Wogenschwall mit Donnerschall umwüthete, stand sie stundenlang einsam, in sich gekehrt. So, gerade so wildwüthend gegen sich selbst und ihr Geschick hatte es auch in ihrem Herzen getobt. Auch heute noch war kein Lichtstrahl darein gefallen. Nur der Sturm war todt: die Liebe zu Maximilian. An ihre Stelle war der Haß getreten. Wie einst von der Liebesgluth, so lebte sie jetzt vom Haß. Was fragte sie nach Jugend und Schönheit? Sie begehrte nur einS: Rache. Mit Neugier und Staunen ward die Erscheinung der menschenscheuen deutschen Gräfin auch vom internationalen Publikum dieses Badeortes betrachtet. Die herrliche Gliederfülle war ihr nicht zurückgekommen. Ueberschlank, erschien sie noch höher an Wuchs. Aber das häßliche Gelb der Haut war verschwunden, Marmorblässe lag über den edelgeformten Zügen, eine Blässe, die kein Lächeln belebte, keine Blutwallung färbte. Das lichte, rothblonde, kurze Haar, gekräuselt, gab diesem herden Antlitz etwas Männliches. Mochte es ein rein selbstsüchtiges Gefühl sein, das ihr Verhalten dem Gatten gegenüber bestimmte, aber sie schätzte ihn. ja. sie. hing ihm an als dem einzigen Menschen, der ihr Liebe gab und Treue hielt. Und Eduard Trachberg fühlte sich von dieser sanften Duldung seiner Liebe zwiefach in Bande geschlagen. Sie beherrschte ihn vollkommen, mit einem Blick, mit einem Wort. Es war in der ersten Zeit ihrer Genesung gewesen, als sie ihrem Rachedurst auch diesen treuen Genossen hatte opfern wollen. Das Geständniß ihrer Liebe zu Maximilian und jener Morgenstunde schwebte ihr mehr als einmal auf den Lippen, um dadurch Eduard aufzustacheln, ihren Mitschuldigen auf Tod und Leben herauszufordern. Aber Eduard Trachberg war kein Schütze. Sie überlieferte ihn der sicheren Hand Maximilians. Vor diese? Blutschuld schreckte sie zurück. In diesen finsteren Gedankenkreis gebannt stand sie auch heute. Eine Hand berührte sie leise. Sie schrie auf. Was willst Du?" fragte -sie hastig ihren Gatten, wie auf einer schweren Schuld ertappt. Dich sehen. Und dazu mußte ich durch dieses Nebelmeer bis hierher vordringen," erwiderte er sanft. Es ist ein Brief von Mama da. Willst Du ihn jetzt lesen? Eigentlich ist es nur ein Loblied auf den Seraph." Sie dachte an die Stunde, wo ihr die Geburt des Seraphs" mitgetheilt ward, an das betäubende Aufpochen ihres zermarterten Herzens, und das Gefühl der Abneigung gegen ihre Mutter kam beftiger denn je zuvor über sie. Nein! Ich will nichts wissen. Wir haben einander nichts zu sagen, wir verstehen uns nicht, haben es nie gethan und werden es auch in Zukunft nie." Er umfaßte sie lächelnd. Wir wollen also nicht heim, uns für den Winter hier als Sturmvögel einnisten?" Nein!" sagte sie hastig. Wir wollen fort weit fort. Ich muß den Ort finden, wo wir den Irrthum erkennen lernen, den wir Leben nennen. Dort ist Ruhe. Da lachen wir über den tollen Einfall, uns um einer Chimäre willen schwere Träume zu machen." Gut!" versetzte er erfreut. Da wären wir also dieses Nebelheim los. Aber wohin? Italien.' und Spanien kennen wir. Südfrankreich? Oder wie wärees einmal mit einem Ausenthalt in Äraßburg? Wir erwarten dort den Frühling, lernen das Reichsland kennen!" Sie nickte, ohne nachzudenken. Was fragte sie danach, wohin ihr krankhaftes Drängen sie trieb! . . Ueber Paris fuhren sie in Eilzügen
bis Nancy. Da versagten Bettys Nerven plötzlich wieder, so daß der Graf.
um das Ziel der Reise überhaupt zu erreichen, sich entschließen mußte, die Fortsetzung zu Wagen zu machen. Es war em sonniger Hcrbstmorqen. als sie aus der alten lothringischen Hauptstadt herausrollten. Die Sonne stach gegen Mittag, beinahe wie zur Hochsommerzeit. Langgedehnte Cirruswölkchen verkündeten Sturm. Im Westen stiegen dunkle Wolkenmassen auf. Der offene Wagen rollte hurtig fort. das festgesetzte Nachtquartier zu.erreichen. Ruckweise strich der Wind über die leeren Felder und wirbelte den Staub auf der Landstraße auf. Eduard Trachberg sah sich besorgt um. s vraut i:cy etwas zusammen, wir werden naß werden. Unsere Leute sind mit der Babn vorausaefabren. schlimmstenfalls müssen wir im ersten bestcn Dorf einkehren." Was wäre Schlimmes dabei? sagte Betty ruhig. Mir ist wohl inmitten der freien Natur, kein Wetter kann mir zu arg werden." Er druckte ihre Hand. Gut, werden wir also naß. Nässer als naß kann man ja nicht sein." Em lauter Tonner unterbrach seine Worte. Der Kutscher hieb auf die Pferde ein. Bis zum nächsten Dorf haben wir noch zwanzig Minuten," rief er dem Grafen zu, indem er sich für alle Fälle eine Pferdedecke auf den Knieen zurechtlegte. Wenn wir nicht gleich das Verdeck hochschlagen, nachher geht's nicht mehr, die Pferde stehen nicht im Gewitter." Er kletterte vom Bock herab und schloß den Wagen. Große Tropfen sielen bereits klatschend herab. Dann ging's welter, aber bald hielt der Wagen von Neuem. Was gibi's denn?" rief der Graf, feinen Kopf aus dem Fenster steckend. ' Tas Handpferd hat ein Eisen verlorcn," antwortete der Kutscher mürrisch und fluchte leise vor sich hin, bevor er wieder aufstieg. Wir können doch deswegen mcht auf der offenen Landstraße liegen bleiben," rief Trachberg entrüstet. Nein! Aber wir können nur langsam fahren.' Das Pferd lahmt schon." Ist denn im nächsten Dorf wenigstens eine Schmiede?" Das schon! Aber erst müssen wir dort sein." Die Fahrt ging weiter. Das Tempo der rollenden Räder verlangsamte sich, dagegen wuchs die Fluth des niederstürzenden Regens. Links und rechts der Strafe entblätterte Ulmen, von falben Blitzen grell beleuchtet, aber nirgends die Spur eines Dorfes. Tort!" sagte Betty und wies durch das Tropfcngerinnsel an der Scheibe in gerader Richtung. Tort ist der Kirchthurm." Wie sie es sagte, brach mit rauschender Gewalt ein Hagelschauer nieder, daß im Umsehen der Boden weithin mit kleinen Eiskörnern bedeckt war. Allerliebst, wahrhaftig!" sagte Eduard Trachberg mit Galgenhumor. Da hätten wir Sommer, Herbst und Winter auf einmal." Der Eingang des Dorfes war erreicht. An elenden Hütten vorüber lenkte der Kutscher de.r Wirthschaft zu, wo den Reisenden ein mehrstündiger Aufenthalt in sicherer Aussicht stand. Es war ein häßliches, tabakdurchräuchertes Zimmer, in welches der wenig höfliche Wirth seine vornehmen Gäste führte,' die sich zum ersten Mal in solcher Umgebung sahen und nicht recht wußten, was sie mit sich anfangen sollten. Ein paar Holzkncchte und ein mit Hasenpelzen bepackter Hausirer waren die Gesellschaft, welche mit ihnen den Schutz der Gaststube theilte. Der Graf bestellte Kaffee. Ein schwarzes Cichoriengetränk wurde gebracht, welches nach' Mischung mit Milch sich in schokoladefarbencs Grau verwandelte. Scheußlich!" sagte Trachberg, Bettys Ruhe bewundernd. Säßen wir doch im Schnellzug!" Sie schüttelte das Haupt. .Wenn's weiter nichts ist! Sobald der Regen nachläßt, gehen wir in's Freie." .Lange dauerte es nicht, da hörte der Regen auf, und es begann wieder heller zu werden. Gehen wir um Gottes willen!" sagte der Graf, dem das Stillleben in dem fliegensummendcn Raum ganz uyerträglich dünkte. Der Boden trocknet p vor unseren Augen. Wir riskiren kaum noch nasse Füße." Betty legte ihren Mantel um die Schultern und verließ mit ihm das Zimmer. Wahrhastig," bemerkte Trachberg, ihre Hand drückend, einen besseren Reisekameraden als Dich kann man sich nicht wünschen. Ich möchte wissen, was kommen müßte, bevor Du die Eeduld verlierst!" Sie traten durch die Vorderthür auf die Landstraße, deren helle Linie sich in weiter Ferne verlor. Einzelne Gehöfte, von hohen Mauern eingeschlossen, lagen rechts und links. Sie schritten langsam vorwärts, aufmerksam um sich schauend, bis sie das Dorf mit seinen rothen Ziegeldächern hinter sich hatten.- . Am Horizont Wald, ringsumher Acker und Rebgärten. Das kleine Dorf lag wie verloren auf der weiten Hoch ebene. Rechts am Wege zog sich eine verwitterte Mauer hin, von Fliedergebüsch überragt.. Zuweilen auch hob ein dunkler Lebensbaum sein spitzes 5)auvt über die kable Umkriediauna
'Der Kirchhof," sagte der Graf. Wollen wir ihn ansehen? Es ist wenigstens etwas anderes als dieses landschaftliche Einerlei." Sie nickte. o schritten sie der Eingangsthür zu. Die rostigen Angeln kreischten, als Traüberg sie mit raschem Druck öffnete. Ten Mittelsteig entlang reihte sich Grab an Grab, nicht, hügelig geformt, fast platt, zu Häupten ein Holzkreuz oder ein Steinblock, selten ein' Gedenksiein. Zierathe von Metall und Perlenkränze hingen in bunter Fülle nebenund übereinander an den .Kreuzesarmen. Hie und da ein entblätterler Rosenbusch. Ein trauriger Ort!" sagte der Graf voranschreitend und aus Langeweile die Namen auf den Kreuzen und Steinen lesend. Sehr traurig. Das Vergcssensein ist das Traurigsie," erwiderte Betty leise. Den?n da unten wird's wohl ziemlich gleichgiltig sein," scherzte er. Gehen wir 'mal auf den höher gelegcnen Theil mit den Taxusöäumcn. Dort ist es am trockensten." Da lagen auch Schläfer, aber man erkannte ihre Ruhestätte kaum noch. Und die, welche dort schliefen, kannte auch kein Lebender mehr. Vetty hatte ihre Augen nachdenklich über diese Versunkenen und Äergesscnen gleiten lassen, als ein Ausruf ihres Gatten sie aus ihrem Grübeln aufschreckte. Komm 'mal her, Betty! Das ist doch sonderbar" Was ist' nicht sonderbar hier für uns Lebende?" fragte sie sich selbst leise. Aber sie ging ihm fcoch nach über die Gräber hinweg, zwischen Gestrüpp und Sträuchern, zu einem Platze, wo sich aus wehenden Gräsern ein granitner Denkstein erhob, dessen einst vergoldete Inschrift trotz ihres Alters noch leserlich erschien. Lies!" sagte der Graf und buchstabirte laut, bis er die Worte gesunden und übersetzen konnte: Hier ruht in Gott Louis Amadee Vikomte de Tebellaire gestorben den 4. November 1792." Wer soll dassein?" fragte Vetty. bei dem Namen Tebellaire auffahrend. Tas möchte ich gerade wissen." versetzte der Graf. De bel laire kein Zweifel! Und hier aber das ist kaum zu enträthseln. Versuch Du's einmal!" Die junge Frau war dicht an den Grabstein getreten. Ihre blauen Augen forschten mit hartem Ausdruck in den verwitterten Buchstaben. Endlich sagte sie kurz: Es heißt: Er floh vor den Menschen zu Gott." Was für ein Debellaire kann das sein?" fragte Eduard Trachberg. Der berühmte Schatzmeister und Urgroßvater Marie Antoniens liegt ja doch in Würzburg begraben. Wir haben diese Fluchtgeschichte sammt ihren Folgen ja genügend vorgesetzt bekommen." Was weiß ich!" erwiderte Betty verächtlich, indem sie dem vergessenen Grabe den Rücken wandte. Der alte Debellaire ist ein Narr, wie ich noch keinen sah. Und seine Tochter ist nicht viel besser." Die Kleine ist nur dressirt," warf der Graf entschuldigend ein. Aber dies hier finde ich merkwürdig." Allerdings!" sagte Betty mit bit-
terem Hohn. Selbst eine so außerordentliche Persönlichkeit wie der gewesene Schatzmeister muß sich schließlich an einem Ruhebett genügen lassen. Unmöglich können 'sich Würzburg und dieses lothringische Dörfchen hier in die Ehre theilen, seinen Leib zu beherbergen." Der Graf ging nochmals um das Denkmal. Anfang .November! Die Zeit stimmt. Nach den Erzählungen Marie Antoniens war es im Spätherbst, als die Familie Debellaire aus Frankreich flüchtete. Weim Du nichts dagegen hast, gehen wir doch einmal in's Pfarrhaus, vielleicht erfahren wir dort noch etwas Näheres. Wir würden ja dem alten Debellaire einen Hochgenuß sondergleichen bereiten, wenn wir ihm etwas Neues von seinem Ahnherrn mittheilen könnten. Jnzwischen wird der Schmied mit dem Beschlagen wohl fertig werden." Sie gingen die Dorfstraße wieder zurück bis zur Kirche, neben welcher das Pfarrhaus zwischen alten Nußbäumen fast versteckt lag. Der geistliche Herr war zu Hause und empfing seine Gäste mit freundlichcm Bedauern ihres Mißgeschicks, welches ihm bereits bekannt geworden War, Sein Alter, welches er leicht, genug trug, hinderte ihn nicht, ein aufmerksamer Zuhörer zu sein, als Eduard Trachberg den Zweck ihres Besuches mit raschen Worten darlegte, zugleich ihr Eindringen mit einer glaubhaften Familienncugier entschuldigend. Ja so. das alte Grab drüben!" sagte der Pfarrer lächelnd. Danach hat allerdings noch Niemand gefragt." Wir waren bisher des Glaubens." fuhr Trachberg liebenswürdig fort, daß der alte Herr, der hier begraben liegt, in Würzburg bestattet sei. Diesen offenbaren Widerspruch möchten wir gern aufgeklärt schen. Vielleicht gibt das Kirchenbuch Aufschluß." Kirchenbücher werden leider nicht über hundert Jahre aufgehoben," sagte der Pfarrer höflich bedauernd. Sonst wäre es eine Kleinigkeit, nachzuschlagen." Das ist sehr schade." . ; Ja! Aber vielleicht könnte " er ging nach der Thür und rief einem Mädcben in der Kücbe etwas zu. .Wir
haben nämlich im Dorf eine brave, alte Frau sie ist bis vor etlichen Jahren meine Wirthschafterin gewesen die, wie ich mich jetzt erinnere, einmal vom Tode dieses Herrn v. Tebellaire gesprochen hat. Wenn die Herrschaften sich so lange gedulden wollen unser' Schmied." fügte er lächelnd hurzu, ist kein Schncllarbciter." Die Gräfin hatte sich auf das harte Lederscpha gesetzt, welches der Geistliche ihr als Ehrenplatz anbot. Die Sache, um die es sich handelte, war ihr durchaus gleichgiltig. Nur die Nachgiebigkeit. welche sie in kleinen Dingen ihrem Gatten gegenüber beobachtete, um ihn ihre Unnachgiebigkeit'in wichtigen minder fühlen zu lassen, bestimmte sie. einige Worte in die UnterHaltung einließen zu lassen. Endlich wurde ein leises Pochen an de? Thür hörbar. Der Pfarrer unierdrach höflich das Gespräch und öffnete. Frau Marmillon, nur herein!" Ein uraltes, gebrechliches Mütterchen schlich in's Zimmer: ,,Bon jcur! bonjour!" verlegen nach allen Seiten flüsternd. Sagen Sie 'mal. Frau Marmillon," redete sie der Pfarrer ermuthigend an, Sie sprachen doch 'mal von dem alten, . vornehmen Herrn, der 'aus Frankreich vor der Guillotine geflüchtet war und hier starb. Ihre Mutter oder wer sonst wußte davon." Die Alte hüstelte einige Mal. den Blick starr auf die junge Frau in der Sophaecke gerichtet. Hochwürdcn, meine Mutter " sagte sie endlich. Na, nehmen Sie Platz, Sie sind müde. Da ist ein Stuhl gleich neben Ihnen. So! Nun sagen Sie Unfalles, was Sie von diesem hier verstorbenen Herrn wissen oder gehört haben. Denken Sie nur erst darüber nach, wir warten." Die Alte setzte sich und dachte nach. Tas war damals, als die Mutter noch ein ganz junges Mädchen war. Hochwürden. Tas Jahr weiß ich nicht." Es war im Jahre 1792." Es wird schon so sein, wie's der Herr Pfarre? sagt." Nein, ich sage gar nichts!" rief der alte Herr scherzend. Sie sollen es sagen. Frau Marmillon. Also. Ihre Mutter war damals noch sehr jung" Sie hat aber dem Großonkel die Wirthschaft schon geführt, als die Großtante damals bei der Ernte starb. Und hat ihre Freundin, Yit Luise Pichot, auf dem Pfarrhof als Magd qe-
habt. Und da ist Nachmittags ein. Neljewagen durch s Dorf gefahren " Erzählte Ihre Mutter!" warf der Pfarrer ein. Ja! Sie sagte, es sei ein herrlicher Wagen gewesen, aber so voll Schmutz und Staub, daß man die Farbe kaum gesehen hat. Und vor dem Pfarrhaus hat er angehalten. Die Luise Pichot ist gleich herumgekommen und hat gesagt, es sei eine schöne Dame drin und ein kranker, alter Herr und ein kleines Mädchen und ein schöner junger Mann, der- den alten Herrn herausgetragen habe. Und sie seien alle geflüchtet, weil man sie auf's Schafott hätte bringen wollen. Und der alte Herr hätte die Angst und die Reise nicht ausgehalten und sei unterwegs todtkrank geworden. Und sie seien beim Pfarrer nur eingekehrt, daß er dein alten Herrn die heilige letzte Wegzehrung reiche." Ter Graf und seine Gattin sahen sich verwundert an. Bis jetzt stimmt es auf den Kopf," sagte Trachberg kopfschüttelnd. Anscheinend ja!" erwiderte Betty achselzuckend. Madame Marmillon," wandte sich Trachberg in 'französischer Sprache ariig an die betagte Erzählerin, deren kurzer Athem den Schluß der Sätze ziemlich undeutlich werden ließ, Madame Marmillon weiß vielleicht noch mehr von dieser Begebenheit zu bericht ten?" Denken Sie nur ruhig nach wir warten," sagte der Pfarrer abermals. Spät Abends, wie's Wetter am tollsten war, ist Luise Pichot wiedergekommen, ganz außer sich. Der alte Herr sei todt. Und die Mutter solle doch kommen, sich die Leiche ansehen. Sie .solle schon mor?n begraben werden. Die fremde Dame zittere vor Angst, daß sie bei Zeiten noch über.die Grenze komme." Ist die Mutter gegangen?" Ja, Hochwllrden! Und gut bekannt im Pfarrhaus ist sie gewesen. Und ist gleich in's Zimmer 'gegangen, wo die Leiche lag. Und die schöne, fremde Dame hat daneben gestanden, und der jungeMann auch. Und weil einBauernsöhn gerade hat beerdigt werden sollen, hat die Dame seinen Sarg gekauft und das fertige Grab auch. Und sie hat immerfort geweint und die Hände gerungen über die schreckliche Revolution" Und ist der Todte also wirklich am nächsten Tag beerdigt worden?" fragte der Pfarrer. Und zwar dort, wo das Denkmal steht?" Ganz am frühen Morgen. Blos der Herr Pfarrer und der Sakristan und der junge Mann sind dabei' gewesen. Die Dame hat dem Pfarrer Geld gegeben für das Begräbniß und die Grabstelle und ein Denkmal. Sie hat den aU ten Herrn noch wollen in der Erde sehen, bevor sie weiter fuhr. Und das kleine Mädchen hat immerfort geschlafen, so matt war's. Luise Pichot hat's eine Weile auf dem Schooß gehalten aber Milch mocht's nicht nehmen. Und dann sind sie wieder in den Wagen gestiegen und fortgefahren. Der Herr Pfarrer hat ihnen seinen Segen gegeben, daß sie glücklich aus dem Lande kämen. Und. be?. schöne iunae Mann bat das Kind
auf dem Arm in den Wägen getragen und die Dame hat er auch führen niüssen." Wer war der junge Mann?" fragte der Pfarrer. Oder vielmehr, wer foll er gewesen fein?" Sie sagten, er sei derKammerdiener des alten Herrn gewesen. Aber Luise Pichot und alle sollen gesagt haben, es wäre ein verkleideter vornehmer Herr gewesen, der nicht geköpft sein wollte." Seinen Kopf behält man allerdinas
lieber für sich selbst," scherzte der Graf, em 'Zehnfrankenstuck rn die Sand der alten Frau drückend. Darin sind wir alle emig. Stimmt der Schluß der Erzählung mit dem, was Sie bereits wußten?" fragte der Pfarrer läckelnd. Nrau Marmillon wird jetzt in die Küche gehen und sich ein Glas Wein ausbitten nicht wabr ?" (Fortsetzung folgt.) (5,n .,schmerzlte:xer journalisttstver Zwischenfall. As Lima, der Hauptstadt Peru's, wird unter diesem euphemistischen Titel eine Mord - Affaire berichtet, die in der sozialen Chronik Süd - Amerikas ihres Gleichen suchen dürste. Das dort erscheinende Blatt La Jdea Libre" hätte vor einigen Tagen einen Artikel gebracht, in welchem die Sohne des Direktors der Konkurrenz - Zeitung El Comerdo" bös mitgenommen wurden. Herr Luis Miro Quesada, der Vater der schwer beleidigten jungen Leute, sandte daraufhin demHerrn Luis Tassara, dem Herausgeber der Freien Idee", seine Kartellträger. um diesen entweder zu einem Widerruf oder zu einer Reparirung mit den Waffen" zu zwingen. Einer der Kartellträger war der 21 Jahre alte Luis Pazos Varela, der früher in BuenosAyres Attach der peruanische. Gesandtschaft war, und erst vor wenigen Wochen sich nach Lima zurückbegeben hatte. Er wie der andere Zeuge machten sich also nach der Redactionsstube der Jdea Libre" auf den Weg, und dort angekommen und vorgelassen geriethcn sie bald, kaum daß sie ihren Austrag erwähnt hatten, mit Herrn Tassara in einen heftigen Wortwechsel, der schließlich damit endete, daß Tassara von dem Rcdactions - Revolver" Gebrauch machte, und kurz hinteremder mehrere Schüsse abfeuerte. Es folgte eine Balgerei, Körper an Körper, um den -wüthenden ZcitungsDirektor vor Allem einmal zu cntwaffnen, und nachdem dies erreicht und er der Polizei überliefert war. konnte man das angerichtete Unheil übersehen. Der junge Luis Varela lag todt am Voden, der andere Zeuge war schwer verletzt worden, und außerdem hatte noch ein anderer junger Mann einige bedenkliche Schußwunden davongctragen; also ein Todter und' zwei Verwundete. Es wird hinzugefügt, daß dies nicht der erste peinliche Vorfall" im Zusammenhange mit derselben Polemik gewesen, indem Luis Miro Queseda' schon am Abend vorher einen Redacteur der Jdea Libre" mit einem Knüppel mißhandelt hatte. Die ganze Geschichte erinnert übngens an die nicht minder blutig verlaufene Zurückweisung, die der damalige Prinz Peter Napoleon im Jahre 1870 den Zeugen Rccheforts hatte zu Theil werden lassen. Letzterer hatte dem Prinzen snne Kartellträger geschickt, unter denen sich auch der Journalist Viktor Noir befand, und dieser wurde von dem Prinzen, sobald dieser den Zweck des Besuches vernommen hatte, einfach niedergeschossen. Ein Tuqcndpre':s in Brüssel. Ein ttn vergangenen Jahre in Vrüssel verstorbener Rentner Namens Bastin hatte der Stadt eine Summe von 170.000 Franks in dreiprozentigen Staatsrententiten mit der Bestimmung vermacht, daß die gesummten Zinsen alljährlich abwechselnd demjenigen jungen Mädchen und demjenigen jungen Manne ausgezahlt werden sollen, welehe sich durch besondere Hingebung an ihre bedürftigen Eltern und Geschwisier ausgezeichnet und daneben auch sonst nach allen Richtungen hin ein musterhaftes Leben geführt haben. Die erstmalige Auszahlung der fälligen 5100 Franks -Rente erfolgt im Juli, und zwar diesmal an ein junges Mädchen, worauf im nächsten Jahre ein junger Mann an die Reihe kommt. Die Bewerber dürfen nicht älter als 25 Jahre sein und müssen persönlich als Arbeiter ihr Brot verdienen. Auf die Bekanntmachung des Bürgermeisiers hin. daß Bewerber sich bei ihm schriftlich anzumelden haben, sind die Anmeldungen von fünf Arbeiterinnen erfolgt, über welche nun eine Commission die erforderlichen Auskünfte einzieht. Die Aushändigung der Rente an die Siegerin in diesem Wettkampfe wird in feierlicher Sitzung im Brüsseler Rathhause durch die Prinzessin Albert erfolgen. Die Commission der Ordnungspreise für Arbeiterhausfrauen hat für den nächsten Wettbewerb innerhalb " der Stadt Brüssel (innere Stadt) nicht weNiger als 331 Anmeldungen von Arbeiterfraucn erhalten, ein Zeichen, wie die Einrichtung dieser Ordnungspreise immer weitere Kreise der ArbeiterWelt intercssirt und anspornt. Im Gcrichtssaal. Angeklagter, Sie haben den Mann mit Ihrem Bierglas geschlagen?" t Geschlagen? Keenk Idee! Blos ecnen Salamander bab' ick auf ibm iertc&"nl"
Jacob Roller, 501 N). Washington Str. 35er aufcr des berühmten Quinine "Whisky Das beste Mittel gegen . .. Malaria und Erkältung. ... ..Saloon und Restauranl.. Offen Tag und Nacht.
Ottmar Keüer. 217 Ost Washington Str. : Feine : Veine, (iquöre und Cigarren. trtra,Lunch servirt auf Order zu jeder ZeU. Hauptquartier der Bäcker. Badenlnl Vetzger und anderer Vereine Telephon 3327. Vttnnie Willharm, PrLj. Martz Mahoney, esr Arbeit ersten Nknges IN der öfflON :: CO-OPERATIVE :: UMM No. 232233 Virginia Ave. Zahn I. tMU. Telephone: GelHaftSfülzrer. lt und Neu 1269. Tapeten gereinigt durch das neue ...Germicide Verfahren... esley . TliUtt, 1291 Süd Caft 5lr. ai Germicide Verfahren entfernt den Staub ad auch vollkommen, bringt das frische Aussehen trie der und zerstört Microben. Kein Schmutz fällt us die Möbel oder auf den ffukboden , Pre,se iriebim. Für Loranschläge schreibe man erne Postkarte jenry schwarz ...Feine Weine... LIquöre, Cigarren und Tabak. No. 2602 West Michigan Str. Feiner Lunch von Morg ns 9 bis 12 Uhr, und von 4 bis 6 Wii Nachmittag'. Pferde-Geschirre, Buggies, Koffer und Reisetaschen am besten und billigsten bei Muk MM. 136 Ost Washington Str. alooxu 202 Nord Noble Str. Rene Televion 3001. Zn vermietyett : Zimmer im Majestic :: Gebarnde zu reduzierten Preisen. Das feinste Office-Gebäude in- der Stadt Loltständig feuersicher. Schnelle Fahrstühle und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei Gi'egoiy & Appel, Agenten, r die Anlanavoli? GaS Co. Große Auswahl von Aug. Diener, No. 449 Ost Washington Str. Neues Telephon 2525. Neues Telephon Indianapolis.. Dr. L. A. Greiner, empfiehlllsich für die Verpflegung kranker Thiere. tW kranke Pferde werden entgkgenyenommk'.! und erhalten bessere Abwartung alt in ihrer eigene Stalling. 18 biö 24 Süd Oft Straße. Telephon 805. Wrhnung 179S. Hufschmied. W. W. Kniqht, 108 Virqinia Avenue und' Ost Marvland St. Neues ?el. 25
Wirt
Sloeff er
5
1 L 2 ( : 3 I I 1 & s U WWWWk J O S ? ' i ' i k ? ' -;:-vj :
