Indiana Tribüne, Volume 25, Number 266, Indianapolis, Marion County, 1 July 1902 — Page 7
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Wenn im micsj Rcöfl. . F Uünwn von 5fcrg Kirtwig (Crnmg a ! ÜuotfprL) (Fortsetzung.) Mochte Marie AntonZe Schloß Holdenberg durchwandern, seine weiten, schattigen- Parkanlagen, das BlumenParadies seiner Gärten, überall geleitete sie das Vollgefühl dessen, was sie mit ihrer Liebe in Besitz genommen. Eines nur vermißte sie, ohne es mit Namen nennen zu können; aber je tiefer ihr Gefühlsleben sich auswuchs. desto deutlicher fühlte sie die Lücke: Maximilians Theilnahme an dem, was der WerdeProzeß in ihr zeitigte, an ihrem Gefühlsleben überhaupt. An einem lauen Herbstabend war's, der sein zerfließendes Himmelsroth über die Veranda warf, auf welcher Trachberg lesend saß, als Marie Antonie dem Drängen ihres Herzens nicht länger widerstand. Neben seinen Schaukelstuhl tretend, legte sie ihren weichen Arm um seinen Hals, ihre Hand über die aufgeschlagene Seite des Buches. .Du!" Eine Welt voll Liebe lag in diesem kleinen Wort. Er sah auf. Nun?" Der Inhalt des Buches interessirte ihn sehr, die Frage klang o'aher zerstreut. Du sollst Dich ein bischen mit mir unterhalten sagte sie, schon wieder eingeschüchtert. So einsam sühle ich mich " Er lachte und warf das Buch auf den Tisch. Einsam! Ein Dutzend Menschen ist soeben fortgefahren. Morgen also laden wir zwei Dutzend ein!" Sie sah in ihrer zarten Blässe unbeschreiblich reizend aus. Das steife Empfangskleid hatte sie abgelegt, ein lose fallendes Hausgewand von rosa Seidenstoff hemmte keine ihrer anmuthigen Bewegungen mehr. Ach. Menschen!" flüsterte sie, sich an seine Seite lehnend. Die großartige Tante Tina nicht zu vergessen." Sie lachte. Aber gut ist sie mir doch." ' Uno wie! Also, was befiehlst Du?" Nichts," sagte sie, ihre Scheu bekämpfend. Ich bitte nur" Willst Du nicht Platz nehmen?" Er schob mit raschem Griff einen kleinen Sessel näher herbei. Ich habe so ewig lange gesessen. Laß mich so stehen neben Dir. Mußt Du das Buch für Dich lesen? Sonst hörte ich gern zu." .Er sah sie einen Moment erstaunt tu, dann umzuckte Heiterkeit seine Lippen. Es handelt von Forstwirthschaft, nicht von Modeangelegenheiien. Davon verstehen liebenswürdige junge Damen nichts." Aber ich könnte doch verstehen lernen guten Willen habe ich," sagte sie, von der Kühnheit ihrer Behauptung selbst überrascht. Ich" Nun, was denn?" scherzte er, die reizende Form ihrer Hand flüchtig betrachtend. Was will dieses kleine anspruchsvolle Ich? , Einen schönen Schmuck?" Dich Dich will ich. nichts weiter!" entquoll es unhaltbar heiß ihrem Herzen. Du hast mich ja! Wie willst Du mich denn noch mehr haben?" fragte er mehr belustigt, als ungeduldig. Kopf, Hand, Herz" Ja, das hab' ich!" fuhr sie rascher und durch die sinkende Dämmerung kühner gemacht fort. Früher dachte ich auch, das sei übergenug.' Aber jetzt jetzt ich möchte noch mehr. Ganz, ganz eins mit Dir sein das möchte ich!" Sind wir nicht eins geworden?' Ich dächteJa," neuste, sich dicht neben ihn setzend und seine Hand auf ihrem Schooß liebkosend, das sind wir! Aber bitte, nimm mir das Gefühl der Unzulänglichkeit! Du glaubst nicht,' wie es mich peinigt gerade in Deiner Gegenwart, die mir ja doch die liebste auf der ganzen Erde . ist." Ich sehe. Du willst ein Kompliment hören" Das will ich nicht." rief sie lebhaft. In diesem Moment würde es mir wie Hohn klingen. Bin ich denn so thöricht," flüsterte sie mit Thränen in den Augen, daß Du nie ernsthaft mit mir sprechen kannst?" Etwas zu nachgiebig gegen Dich selbst." sagte er mit verstecktem Tadel. ..Junge Timen lieben aber, glaube ich, die Rcmantik. Nur sollten sie einen armen prosaischen Ehemann nicht nöthigen, den Romanhelden zu spielen. Ich bin ein vielbeschäftigter Guts Herr" Ist es romanhaft, wenn ich mich von ganzem Herzen bestrebe, in Deine Interessen hineinzuwachsen?" fragteMarie Antonie mit unsicherer Stimme ihren Gatten. Mir ist's zuweilen, als stände ich vor einem Hause und könnte nicht hineinfinden." Hier ist das Buch 'über rationelle Forstwirthschaft." sagte Trachberg ruhig und reichte ihr den Band. Mache den Anfang." Sie nahm es an sich, ließ es aber sinken. ' ' Ich meine. Du habest zu Deinem Wohle nicht nothig, meine besonderen Angelegenheiten zu den Deinen zu ma-
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Vtn luyt- itiuiiuimun . wn. UND was das Haus anbelangt, in welches Du nicht hineinfinden kannst Schloß Holdenberg ist Dir geöffnet bis in die kleinste Nische hinein." Daß er ihr mit dieser höflichen Ab-
lehnung Schmerz bereitete, kam ihm gar nicht in den Sinn. Er hätte ja doch nicht geheirathet. um ein Liebesleben zu beginnen mit einem Kinde, dessen Schönheit wohl den Antrieb zu einer Werbung geben, aber tiefere Wirkung nicht ausüben konnte. Jettys Ansprüche abschütteln und dem väterlichen Wunsche nachkommen, hieß doch nicht, sich auf gleiche Stufe mit diesem schönen 5ttnde stellen. Marie Antonie hatte sich erhoben. Ich fühle es oder vielmehr Du lässest es mich fühlen," sagte sie mit zitternder Stimme, daß ich den Geist nicht besitze, den Du an Betty. wie ich höre, so sehr geschätzt hast." Betty laß ganz aus dem Vergleich." unterbrach er sie unwillig. Sie ist eine Närrin. Und ich wünschte um alles nicht, daß Du ihr gleichest. Mehr noch, sie ist eine gefährliche Frau." fügte er geringschätzig hinzu, deren Vorzug darin besteht, ihren Mann bis zur Geschmacklosigkeit beherrschen zu können." Sie war betroffen von dieser herben Kritik. ,die ihr völlig unerwartet kam, daß sie vorwurfsvoll den Kopf schüttelte. Wenn das Betty gehört hätte!" Er st?ich ungeduldig seinen Bart. Glaubst Du. sie weiß nicht, wie ich über sie denke? Kind, Du!" Ich wußte nicht" sagte sie verwirrt und schritt die Stufen hinunter, welche in den duftenden Garten führiin. So also hatte er sie täuschen können! Ihr war so beklommen zu Muth, daß sie wie im Traum einherschritt. Hatte sie eine Binde vor den Augen verloren, daß ihr nun erst die Wahrheit kund ward? Wenn eine Frau wie Bdfcj Trachberg sich derart mißachtet wußte. , war's ihr dann zu verdenken, daß si- j von jeher Abneigung gegen Maximilia empfand? Von dieser Stunde an suchte Marie Antonie in ihres Gatten Worten ju lesen.' Den naiven Kinderglauben an das Gesagte streifte sie fortan langsam ab. Dabei gewann aber ihre Sehnsucht nach seelischer Vereinigung nichts, im Gegentheil, je hingebender sie ihm anhing, desw deutlicher fühlte sie die' Schranke, welche sie von jedem Einblick in das Geistesleben ihres Gatten fernhielt. Die Baronin, welche, ihrer Tochtcv Noth nie bemerkt hatte, schenkte auch jetzt der zunehmenden Unruhe der jungen' Frau keine Beachtung. - Sie war froh, in Holdenberg nach Herzenswünsch die Vorkehrungen zu dem großen Ereigniß treffen zu können, welches dem alten Stamm einen neuen Sproß zufügen sollte. In diesem Sinne lachte sie die SchwermuthsanWandlungen der jungen Frau siegreich fort und lenkte ihre Gedanken aus das noch unverstandene Glück der Zu kunft. . Als der erste Schnee feine Flocken lautlos durch die rauhe Luft sandte und das Schloß in weiße Schleier hüllte, umarmte Marie Antonie mit unermeßlicher Wonne ihren neugeborenen Sohn. Ein zartes und schwächliches Kind war's, das sie ihrem erfreuten Gatten fchenkte.der mit einem Gefühl hoher Befriedigung das Vorhandensein eines Erben und Stammhalters begrüßte. An sich machte ihm das kleine, unruhige Geschöpfchen wenig Spaß. Alles, was dran und drum hing, ihm die kümmerliche Lebenskraft zu erhalten, scheuchte ihn viel mehr davon, als daß es ihn hätte anziehen können. Da Marie Antonie aber die Wiege nicht von ihrer Seite ließ, überglücklich schon im Anschauen des Kleinen, empfand sie die Abwesenheit ihres Gatten, fchwer und bemühte sich, ihn durch verdoppelte Liebenswürdigkeit an ihr Zimmer zu fefsein. .Sieh ihn nur an, den süßen Schatz." flüsterte sie, den kleinen Schläfer in die Höhe hebend. Das ist mein unser Sohn! Da nimm ihn! Jetzt weint er nicht. Aber Du mußt ihn auch sehr lieb haben, so wie ich, und zioch mehr, lieber als mich, als die ganze, ganze Welt." - Sie plauderte so süß. so voll Innigkeit, indeß die heilige Mutterthräne in ihren dunklen Augen leuaztete. Ich habe Euch Beide gleich lieb. Närrchen," sagte Trachberg, die Nothwendigkei? einer solchen Forderung nicht einsehend. Wenn der Knabe erst größer war, würde er einen liebevollen und gewissenhaften Vater in ihm besitzen. Diese Aussicht wog jedenfalls schwerer, als eine überschwenglich eingeforderte Zärtlichkeit. , ..Aber Du findest ihn doch auch bildschön?" fuhr sie dringend fort, ihn für ihren Liebling zu begeistern. Tante Tina nennt ihn einen Seraph. Du auch?" Ich bedaure." scherzte er, ihr lockiges Haar streichelnd, bis jetzt die Bekanntschaft der Seraphe noch nicht gemacht zu haben, sonst würde ich in der Lage sein, einen Vergleich zu ziehen. Von Tante Tina bin ich überzeugt, t?aß sie ihre Neugier in alles steckt, auch in die Personalakten der Seraphe." Die junge Mutter lachte, indem sie ihren Sohn küßte. f Willst , Du ihm denn noch keinen Kuß geben?" fragte sie schüchtern und mit sichtlicher Betrübniß. Dem Grafen war das rothgelbe Gesichtchen zwischen den Spitzen. Rüschen und Schleifen so wenig anziehend zum n . . . ' r . . r f : w , i wimrn nno rr isncijiCHO DClstCwUC
Das Vorrecht lasse ich vorläufig noch Dir!" , Am Tauftage' sah Marie Antonie ihren Vater wieder. Herr v. Debellaire, auf feinen Enkel um fo stolzer, als derselbe ja auch feinen Namen fortführen sollte der Graf hatte zuletzt achse!zuckend zugesagt, die Einwilügung des Landesherrn hierzu einzuholen genoß in vollen Zügen das Glück seiner Tochter, indem er sich nicht minder in ihrer Mutterfreude sonnte. Er fand Marie Antonie gewachsen und körperlich schöner entwickelt. Insonderheit erschien ihm der Ausdruck ihres Gesichts verändert. Wenn er auch einen feinen Leidenszug, der ihre Züge veredelte, auf ihr noch schwankendes B finden schob und den ernsten Blick der Augen, auf ihre neue Würde, fo mußte er sich doch gestehen, daß das verflossene Jahr ein außergewöhnlich einflußreiches für das Innenleben seiner Tochter aeworden roar. Das tadellose Verhalten des Grafen seiner Gattin gegenüber entsprach den Erwartungen des Vikomte vollkommen. Nicht minder auch erfreute ihn die ruhige Haltung, mit welcher Marie Antonie rie ihr gewidmete liebenswürdige Hochachtung in Empfang nahmT'" Wohl hatte sie sehnsüchtig des Momentes geharrt, da eine Frage it)re's Vaters diese 'korrekte Haltung wie eine Maske bei Seite warf und ihr rastlos forderndes, in Zweifel verfallendes Herz enthüllte. Aber er that diese erlösende Frage nicht. Und so schwieg sie aus Liebe zu ihm. Auch war sie zu stolz geworden, freiwillig die Schranke zwischen sich und Maximilian einzugesteben, welche niederzureißen ihr die Macht fehlte. Aon kindlichem Ehrgeiz angestachelt, glaubte sie durch eine Ansammlung von mancherlei Kenntnissen ihrem Gatten
vollwerthiger zu erscheinen, und so saß sie manche Stunde lesend und lernend in ihrem Gemach oder schrieb alle Empfindungen und Gedankendes Herzens in emem Tagebuch nieder. Dadurch rückte sie jedoch der nüchternen Anschauungsweise des Grafen nicht näher, sondern nur noch serner. Seit die Errichtung emer-m großartigem Maßstab aufgeführten Zuckerfabrik auf einem seiner Nebengüter beschlössen war. legte Trachberg wenig Werth darauf, außer zu den Mahlzeiten, sich in Holdenberg aufzuhalten. Marie Antonie empfand diese ewigen Trennungen auf's Schmerzlichste. Erklare mir doch, bitte, diese Blatter bier," faate sie eines Tages ungeduldig, als sie ihren Gatten abermals in das Studium ihm vorgelegter Zeichnungen vertieft fand. Laß mich wenigstens wissen, was Dich so ganz in Anspruch nimmt und von mir abzieht." Ist man schon wieder so neugierig?" fragte er in scherzendem Ton. Das Blut schoß ihr in die Wangen. Daß ich nicht neugierig bin, weißt Du." sagte sie leise, aber mit tiefer Ueberzeugung. Aber Du weißt nicht, wie weh Du mir mit solchem Verdacht thust." Eine schöne Evatochter sollte wirklich gar nicht neugierig sein?. Das wäre!" fuhr er in demselben Neckton fort. Es handelt sich nicht" darum, ob ich's bin oder nicht." fiel sie ihm mit Herzklopfen in's Wort, aber der angehäufte Brandstoff in ihrer Brust hatte seinen Zündfunken empfangen, es bandelt sim darum, ob Du ein Recht hast, mich immer und überall wie ein Kind bei Seite zu schieben, statt mir so viel Interesse und Verständniß " sie brach ab. Die kühle Atmosphäre, in welcher ihre Jugendliebe jedes Auslodern verlernen sollte, übte wieder ihre Macht. Vergib!" Er lächelte ruhig. Daß- Du eine kleine explodirende Dame bist mit einem reizenden Trotzkopf? Gern! Also, was wollen wir diesmal durchsetzen?" Sie schwieg einen Moment. Ich will wissen," sagte sie dann, die dunklen-Augen voll zu ihm aufschlagend, weshalb Du nicht aufhörst, mir den Muth zu nehmen, an mich selbst zu glauben." Phrasen, Kind!" erwiderte er lächelnd. Muth läßt sich nichts unterschlagen. Außerdem erinnere ich mich nicht, einmal gegen diesen Muth in's Feld gezogen zu sein." Aber ich sage Dir," flüsieite Marie Antonie mit zitternder Stimme, ihre Hand auf seinen Arm druckend, daß ich auf dem Punkte stehe, an mir zu verzweifeln. Ich weiß, daß ich einen Antheil habe an dem, was Dir lieb oder leid ist, gleichwie mein Thun und Treiben " sie stockte, da sie ihn die Hand nach der Tischglocke ausstrecken sah, und rief erschreckt: , Was willst Du?" Den Maschinisten kommen lassen." sagte er gelassen, damit er Dir ein Privatissimum über diese DampfkesselZeichnung liest." Die junge Frau trat einen Schritt zurück. Ich hatte nicht die Absicht. Anderen als Dir mein Interesse zu beweisen. Max," flüsterte sie, abermals der warmen Regung ihres Herzens folgend, willst Du mich wirklich nicht besser verstehen? Du kannst diese Art doch nicht fortführen wollen, bis ich alt und grau geworden bin.--Mir ist's ja gewiß selbst unendlich schwer, es auszusprechen, aber wenn ich bisweilen darüber nachdenke, wird mir sterbensweh. daß das so weiter gehen soll." Sie deckte die Hände über die Augen, damit er die Thränen nicht sah. welche zwischen ihren Wimpern hervorquollen. Ich weiß in der That nicht, was ich auf solchen Aorwurf .erwidern soll."
verletzte Trachberg, sich tiefer w den Sessel zurücklehnend und beide Arme über der Brust kreuzend.'- Es sei denn, daß ich meine Unlust eingestehe, Frauentöpfe und -Hände mit meinen Angelegenheiten beschäftigt zu fehen. Vorausschicken will ich indeß der Vorsieht halber, daß mir häusliche und sonstige Szenen von Grund aus zuwider sind." Er dachte an die letzte Szene der Leidenschaft mit Betty, und sein Verdruß wuchs, während er fortfuhr: In meine Eigenart Dich zu versenken, würde ich zweckmäßiger finden als sentimentale Grübeleien, Thränen und Klagen. Wenn ich Deinen Erwartungen nicht entspreche, glaube ich ungalanter Weise, daß Deine große Jugend daran mehr Schuld trägt, als mein reifes Alter. Wie dem auch sei, ich habe Dich zu keiner Frau gemacht, die ihre Mitregentschaft, das heißt,- ihre Herrschsucht zum Wohle der Familie geltend zu machen braucht. Zu sorgen und zu sparen givt es mcyts. Jcq mache Dich für nichts verantwortlich, als daß Du unser Haus standesgemäß repräsentirst. Und das thust Du, und dafür bin ich Dir dankbar. Im Uebrigen lasse ich Dir freie Hand. Bitte aber, diese Freiheit für mich nicht in Druck zu verwandeln." vkWeMM,..'"Sie' warf' sich auf seinen Schooß und umschloß seinen Hals. Es mag mein Fehler sein," flüsterte sie erregt, eine häßliche, selbstsüchtige Unzufriedenheit. Aber, ich hab's mir anders gedachtganz anhers." Was anders? Die Ehe? Unser
Verhältniß zu einander? Ich weiß nicht mehr, wovon Du sprichst." Ich dachte, ich könnte," fuhr sie rascher fort, meine Seele immer vor Dich hinbreitcn wie ein Blatt, das Du gern liesest, am liebsten liesest und daß Du dann auch Deine Seele ebenso vor mich hinbreiten würdest, damit auch ich " Da sind wir also wieder bei der neugierigen Evatochter angelangt," unterbrach er sie. Nein, das sind wir nicht," rief sie aufspringend und mit flammenden Wangen.. Wir sind da angelangt, wo meine Enttäuschung beginnt. Ich habe Dir einen Sohn und Erben geboren, ich gab Dir meine Liebe und mein Leben" Ich habe mich auch in einer Sache verrechnet." unterbrach er sie rubia lächelnd, nämlich, als ich in der kleinen Vikointesse v. Debellaire keine streitbare Heroine vermuthete, sondern eine liebenswürdige kleine Frau, die da weiß, daß man seine Mittheilsamkeit niemals aufdrängen darf, ohne beschwerlich zu fallen." Im Scherz war's gesagt, im Ernst gemeint. Marie Antonie war's, lls habe sie einen Schlag erhalten. Und ich habe von meinem Vater gelernt," sagte sie mit erhobenem Haupt, daß man sein Herz sprechen lassen kann, ohne seiner Würde etwas zu vergeben." - J Damit verließ sie das Zimmer. 11. Kapitel. Draußen knospeten die Blätter in brauner Hülle. Veilchenduftig wehte der wärmende Wind über den sprossenden Rasen. Ein gewaltiges Frühlingssehnen ging über die wintermüde Erde. Marie Antonie durchschritt hastig die große Halle, welche sie einst so entzückt betreten hatte. Das Sonnenlicht funkelte durch die bunten Scheiben und warf ein wundervolles Farbenspiel in den herrlichen Raum. Sie sah es nicht, sondern eilte hinaus in's Freie. Tief in Gedanken folgte sie mechanisch den verschlungenen Parkwegen, immer tiefer in die Waldesstille hinein. Sie hatte ihr Herz endlich einmal frei sprechen lassen, aber die Erwiderung, welche darauf, erfolgte, verstand sie nicht. Sie hatte keinen anderen Begriff von der Liebe als ihr eigenes Em-pfinden.-Mit ihm maß sie auch Maximilians Neigung, indem sie derselben alle Innigkeit und Selbstlosigkeit ihrer Liebe zu Grunde legte. Unerschüttert in diesem Glauben mußte sie des vollen Verständnisses für die soeben erlittene Kränkung ermangeln. da sie in gleichem Falle überbereit gewesen wäre, eingestandene Herzensnoth durch zärtlichen Zuspruch zu entkrasten. Tiefe Trauer ging durch ihr Gemüth. Wenn sie sich jetzt wieder gegenübertraten, ohne daß der Schatten zwischen ihnen gelichtet war, oder wenn gar das tägliche Leben darüber hinfloß, gleichmäßig, gleichgiltig wenn sie gezwungen war, mit vollem Herzen neben Maximilian zu stehen, schweigend, sich selbst unbegreiflich! Wie alt kam sie sich vor. wenn sie der sprudelnden Freude ihrer Mädchenzeit gedachte, jener Zeit, wo Bruno Geisler sie mit dem ihm als Almosen dargereichten Groschen neckte, und sie so herzlich lachen mußtet So gar lange war daZ doch nicht her. Weshalb kam es 'hr denn wie eine Ewigkeit vor? Wenn ihr Vater' sie jetzt hatte sehen können, wie sie mit angsterfülltem Herzen ihren Gedanken nachhing, ohne Würde und Haltung! Sie dachte an seine Worte: Vergiß nie, daß Du eine . Debellaire bist, so wirst Du immer auf der Höhe der Situation bleiben." Was nutzte es denn, wenn sie daran dachte, und Maximilian es vergaß? . Sie eilte in's Schloß zurück, zum erslenmal eine Begegnung mit ihrem
satten scheuend, an 1 einer ThUr vorüber und zum Kinderzimmer. Im Nebengemach schwätzte die Wärterin mit der Amme um die Wette. Marie Antonie ließ unbemerkt den Vorhang fallen und schlich zur Wiege. Davor niederknieend legte sie ihre Wange auf den Wiegenrand und schaute unverwandt in das blasse Gesichtchen des so hoch bevorzugten kleinen Erdenbürgers, der selbst im Schlummer nichts vom Wohlgefühl seines Traumlebens verrieth. Aber sie, die nie Säuglinge gesehen, war überzeugt, daß dieses Antlitz das schönste auf der ganzen Erde fei und ihr Eigenthum. Und wie sie die gedankenschweren Augen auf das blonde Köpfchen richtete, kamen ihr süße Erinnerungen mit solcher Gewalt, daß sie wie erstickt von ihnen das geballte Händchen des Kleinen an ihre Lippen preßte und mit heißen Thränen überfluthete. Am Abend sollte sie mit ihrem Gatten einem Hofkonzert beiwohnen. Es waren hohe Gäste angelangt, denen eine glänzende Unterhaltung geboten werden mußte. . (Fortsetzung folgt.)
Ter Nachlaß eines weiblichen Scn dcrlings. In Wien starb dieser Tage eine Nittmcistcrs-Wittwe. Frau Jda Rohrweck v. Rohrhain, Xic viele Jahre hindurch von der Welt zurückgezogen gelebt hat. Der Zustand ihres Nachlasses offenbart aus's Grellste ihre seltsame Eigenart. Sie hat ein Vermögen von einer Viertelmillion Kronen in Werthpapieren hinterlassen. Schon zu ihren Lebzeiten wußte man wohl, daß sie wohlhabend sein müsse, doch kenn:, man sich hinsichtlich der Höhe ihres B?sitzes lediglich in Vermuthungen erge hen. Sie hatte sich eben in das tiefste Geheimniß gehüllt, den Eontact mW Menschen vcllkommen aufgegeben, dies wie zur Illustration nebenher erwähnt sei. so sehr, daß sie selbst. mit dem Bu reau des Hotels, in welchem sie wohnic cs war das Hotel Continental in der Praterstraße auch in den dringcndsten Angelegenheiten nur schnftlich verkehrte. Nicht einmal die Hotelbediensteten, die ihre Zimmer in Qrdnung zu bringen hatten, bekamen du alte Frau zu Gesicht, denn sobald Jemand vom Gesinde kam, um bei ihr aufzuräumen die Dame bewohnte zwei Zimmer so öffnete sie wohl. zog sich jedoch, während das Stubenmädchen eintrat, in das anstoßende zweite Gemach zurück, das sie sofort hinter sich absperrte; dort blieb sie die ganze Zeit mißtrauisch durch 'da Schlüsselloch guckend, so lange, bis das Mädchen mit der Arbeit fertig war; dann aber ging die Dame rasch in das aufgeräumte Zimmer, das Stubenmädchen mußte aus diesem in das nun leer gewordene und ihrer ordnenden Hände bedürftige zweite Gemach eilen. und schließlich auch diesmal, sc lange sie hier weilte, durch das Schlüssclloch scharf beobachtet sich so schleunig und lautlos wie sie gekommen war. wieder entfernen. Wie das Neue Wiener Tagcbl" weite? erzählt, nahm Frau v. Rohrweck ihre Mahlzeiten in ihrem Zimmer ein. und betrat nie du von Gästen belebten RestauraticnsRäume. In solcher Weise hat sie volll 14 Jahre gelebt. War man schon in Erwägung der erzählten. Thatsachen aus dem Leben der Dame auf komplizirte Recherchen nach ihrem Vermögen und ihren eventuellen Erben vorbereitet. so übertrafen die Ergebnisse bei Inventur doch alle in dieser Hinsicht gehegten Erwartungen. Man fand nämlich das gesammte Vermögen der Verstorbenen an allen möglichen und unmöglichen Orten ihrer Wohnzimmer geborgen, und bei dicscr so'ganz ungewöhnlichen Form der Aufbewahrunc von Vermögenswerthen war. cs um sc überraschender, daß diese die'denkbar besten, sichersten Effekten waren, wic sie kein Bankier kundiger hätte aul wäh len können. Man fand Werthpapierc in allen Schrcibtischfächcrn und Kasten. inmitten von Büchern. Schachteln und Schächtelchcn eingepreßt, von wo sic erst sorglich hervorgeholt werden mußien, um wieder geordnet zu werden. Diese Stellen waren ihrcDcpotsplätze; zu Banken hatte sie, so las man auch in verschiedenen ihrer Briefe., kein Vertrauen. Die vorgefundenen Werthpapierc sind sämmtlich bei Gericht hinterlegt worden, ebenso das Vaargeld. das 1000 Kronen betrug. Nunmehr handelt es sich aber um die Ausforschung der Erben, da ein rechtsa'U igeTestament nicht vorhanden ilt. Woh', wurden Testaments - Entwürfe alle, wie nicht gezweifelt werden kann, von der Hand der Freiin von Rohrweck geschrieben gefunden, doch fehlt auch diesen Schriftstücken ihre Namensfcrtigung; also mußten sie insgesammt für ungültig erklärt werden. Am meisten mögen diese Außerachtlassung jcnc Personen bedauern, die in solchen Testamententwürfen zu Universalerben eingesetzt wurden. Es haben sich bereits mehrere Erbanwärter sowohl aus Ungarn. wo Frau von Rohrweck geboren wurde, als aus Oesterreich gemeldet, unter den letzteren eine Gräfin aus eincm bekannten Geschlecht. Das Nachlaßverfahren dürfte jedoch im Hinblick auf die nothwendige Prüfung der angemeldeten Erbansprüche noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Kasernenhofblüthe. Feldwebel: Kerls,- strcnc,' Euch an! Ob Jhl wollt oder nicht ganz egal! Ihr seid nicht Wolldatcn sondern Soldaten!" '
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Ecke Noble und St. Clair Str. Ich erlaube m,r meinen Freunden und Vekannten anzuzeigen, daß ich uuter dem Namen "11. Victor" aa obengenaulltkm Platze eine in jeder Beziehung erste lasse Wirthschaft eröffnet hab. ES wird mein Bestreben sein, ein in jeder keziehunz respektable? Hau? zu führen und an meine Geschästs freunde, bei coulanter Bedienung, die besten Quali täten an imxortirtea und einheimischen Weinen. Liquören. Cigarren, Bier, etc. zu verabreichen. Si wird mir zur Ehre gereichen. Sie in meinem zetzigen Lvkale begrkfzea zu können. Lchtungevoll HENRV VICTOR. Große uöwah: von V Aug. Diener, No. 449 Ost Washington Str. Neues Telephon 2222. Karstadt's Dampf-Färberei und Echt-Wiischcrci. (Nachfolger on John rill u. Co.) Etablirt 1871. Xclct)nf: Vaff.Sre.,?tt L57S. Neu 2522. College Ave.. It. Brown 34. Illinois Etr , Llt, Brown 2144. Herren- und TaJien-Kleider gerei nigt, umgeändert und ausgebügelt. Mm. Sfoeffler aloon.202 Nord Noble Str. NeueS Telephon 2001. Joseph Haas, empfiehlt sich dem deutschen Publikum zur Reinigung von Abtritten, Sewerö Cisternen u. s. v. XST Disinsektion frei. Office: 707 Maruell Straße. . Telexhone: (alt) Main 1039. (Neu) 257 Zu Vermietyen : Zimmer im Majestic :: Gebaßiide zu reduzieren Preisen. Das feinste Office-Gebäude in der Stadt LcUständig feuersicher. SSnelle Fahrstühle und alle modernem Lequ't7....keiten. Nachzufragen bei Gregor & Appel, Agenten, r die JndranavoliS GaS Co. eueS Telephon 2834. Indianapolis. Dr. L. A. Greiner, empsichltlsich für die Verpflegung kanler Thiere. IST" Kranke Pferde werden entgegengenommen und erhalten bessere Lbwattung als in ihrer eigenen Ltallung. IS biS 24 üd Oft Straße. Telephon 905. Wohnung 179?. Hnfschr:ied. . W. W. Knight, 103 VirgiwL Avenue und r . t. - w 1! narmanoH 6cffuft,ä . . lhn ab. Keiner icl erreicht zu haben.
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