Indiana Tribüne, Volume 25, Number 265, Indianapolis, Marion County, 30 June 1902 — Page 7

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Wenn du mich sicö(t. S voman von Georg Kärwig (Crntnn

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(Fortsetzung.) um kannst Dir nicht denken fuhr er fort, wie schön die kleine Braut aussah, und mit- welcher Würde der Vikointe seine Königreiche unter uns vertheilt:. Maximilian wollte uns natürlich glauben machen-, daß er über fo etwas wie Verliebtsein längst erhaben sei, aber diesmal kam er mit seiner olympischen Ruhe stark in die Brüche. Er war so verliebt, sage ich Dir, in seine Elfe, daß unsere Glückwünsche ihm wahrscheinlich lächerlich erschienen sind. Die Deinen fügte er fchmeichelnd hinzu, hätten vielleicht noch Werth für ihn gehabt." Sie hatte mit brennenden Augen starr vor sich medergeschaut. Ein schmerzender Krampf, der ihr das Herz zusammenpreßte, hob für Sekunden das Bewußtsein wieder in ihr auf. Danach aber war's, als risse eine dämvnische Gewalt sie vom Krankenlager empor. War er ein zärtlicher Bräutigam?" murmelteste leise. ' " Er ließ es stark vermuthen." Und sie?" Ihre Finger zuckten, ohne daß ste es merkte. Ach!" Er lachte. Hast Du 'mal einen Thautropfen gesehen, welchen die Sonne bescheint? Wo ihn der Strahl auch treffen mag, er erglänzt darunter. So auch Marie Antonie. Max wurde auch nicht schlecht beneidet." Und meine Mutter?" flüsterte ste mit erlahmender Fassungskraft. Obenauf wie nie! Sie hat ja allen Grund, stolz zu sein, denn sie allein ist die Ursache, daß diese Beiden nun ein Paar geworden sind, und Holdenberg endlich eine Herrin erhalten hat. Aber Du wirst nun müde sein. Morgen erzähle ich Dir mehr. Der Vikomte reist schon in der Frühe ab. Er läßt sich Dir auf das Angelegentlichste empfehlen, überhaupt alle lassen Dich grüßen." Maximilian auch? fragte ste. mit unheimlich leuchtenden Augen. Nein, das kannst Tu heute unmoglich von ihm verlangen!" scherzte der Graf, stch erhebend. Der hatte andere Dinge im Kopf. Ich glaube nicht, daß ihm heute ein zweiter Gedanke als an seine erlauckte Kleine aekommen ist. Ulso gute Nacht, Beitychen! Gute Besserung. liebes Herz!" Er drückte leise den Thürgriff nieder und verschwand. Sie sah ihm. nicht nach. Das Beisammensein war schon vergessen. Eine Thatsache allein wirkte in ihr fort wie ätzendes Gift, das sie nicht ausscheiden konnte, und unter dessen Wirkung fortzuleiden ste martervoll gezwungen war. Maximilian war Marie Antoniens Gatte und entzückt von ihr! Und ste. und sie. die wie.eine Betteldirne ihm zu Füßen gelegen, daß er ste aufhöbe und mit einem Almosen der Zärtlichkeit beglücke! Sie, die wie eine Irrsinnige an ihn stch geklammert, die ihm schenken wollte, was er ungerührt von stch wies! Sie, die um seinetwillen alles von stch geworfen, Stolz, Ehre, Schönheit ste lag hier auf dem Folterbett der Schmerzen! Der Vollmond war lange niedergegangen. Vetty Trachberg suchte keinen Schlummer. Sie fühlte, daß ste leben wollte, aber ste fühlte auch, daß es nicht die beseligende Freudigkeit am wicdererstarkten Dasein war, welche ste empfand, di: das Herz mit Dank, die Seele mit glücklichem Hoffen füllt, sondern Rachedurst gegen den Mann, der ste verschmäht, Haß gegen das Weib, das er liebte. Während ihre Gedanken mit glühendem Schmerz die schweigenden Räume des Holdenberger Schlosses durchschweiften, rüttelte ste sich gewaltsam aus dumpfer Lethargie, aus schlaffer Todessehnsucht empor. Nein, ste wollte nicht aus der Welt flüchten, ste wollte den Antheilschein eines Gewinnes, den ste ttoch in Händen hielt, nicht mehr sahren lassen: das Leben. Bedeutete dieses Fortleben nicht bereits einen Triumph für sie? Wie oft mochte Maximilian Trachberg ihren Tod erhofft und ihre Genesung verwünscht haben! In dieser Gewißheit lachte sie fast auf. Wenn das eine Krisis zu nennen war, fo hatte die junge Frau sie glücklich überstanden. Der nächste Morgen fand ste zur Freude und Ueberraschung ihrer gan,zen Umgebung erfrischt und antheilnehmend. " Die Baronin, welche nach so Wechselvollen und hingehetzten Tagen nichts Besseres zu thun wußte, die ungewohnte Einsamkeit zu bannen, als am Lager ihrer Tochter die ganze Verlobungsund Hochzeitsgeschichte Marie Antoniens bis in's Kleinste zu beschreiben, fand in ihr die geduldigste und aufmerkfamsie Zuhörerin. Dabei war es ganz ausgeschlossen, daß ihrer Ober-flächlichkeit-der stechende Glanz im Auge der jungen Frau aufgefallen wäre, noch deren herbes Lächeln, sobald der Wortreichthum der Baronin das Glück des jungen Ehemannes mit den glühendsten Farben malte. Aber auch dieses Stadium ging vorüber. Für die Außenwelt gab's nichts Sonderliches mehr zu bemerken, als Betty Trachberg in ihrem Lehnsessel neben dem stetig flackernden Kaminfeuer wieder Besuche empfing. Sie

zeigte stch ganz überzeugt von der allgemeinen Muthmaßung einer Jahre hindurch stch in ihr vorbereitet habenden Krankheit. Vcer konnte es ja gar nicht in ihre Bestrebungen hineinpassen, diese blöde Welt zu täuschen, wie sie es bisher gethan. . Nur in einem Punkte hatte Wandel in ihr Platz gegriffen:. ihre Stimmung für Eduard war weicher geworden. Als ste zum ersten Mal schwankend sich vom Sessel erhoben hatte und zum Spiegel geschlichen war, furchtzitternd

unö doch unwiderstehlich vorwärts gedrängt,' als sie einen Blick, scheu und gierig zugleich, in das Glas gethan hatte, da dachte sie höher als bisher von Eduards Liebe. Dieses hagere, blutleere Weib, dessen Stirn dünnes, kurzgeschnittenes Haar deckte, hätte Eduard Trachberg fliehen müssen, wenn seine Liebe nur ihrer Schönheit gegolten hätte. Mit kluger Berechnung suchte sie durch ihre geistige Ueberlegenheit die Fessel zwischen stch und ihm noch enger zu ziehen. Sie bedürfte eines fügsamen Begleiters auf der Reise, durch welche ste Maximilians und Marie Antoniens Rückkehr ausweichen wollte. Ihre? Mutter Gesellschaft hätte ste auf keinen Fall für diesen Zweck begehrt, denn ste fühlte stch noch immer bis zum Aeußersien erschöpft, wenn solch eine marternde Plauderstunde überstanden war. Du bist und bleibst wirklich undankbar," sagte Frau v. Lüttmig verdrießlich, als die Aerzte den Wunsch ihrer Tochter, denZeitpunkt derAbreise thunlichst zu beschleunigen, endlich bewilligten. Jetzt, wo ich noch ein paar Wochen ganz allein bleiben-muß. willst Du auch fort. Als ob nicht Zeit genug wäre, wenn die Holdenberger zurück stnd. Tu bist doch jetzt so weit hergestellt, wenn auch noch matt, daß es Dir auf vierzehn Tage früher oder später nicht ankommen kann. Besser als hier von uns kannst Du nirgends gepflegt werden. Warte noch vierzehn Tage!" Nein!" Die junge Frau hatte ihre Hände über dem Knie gefaltet und den Kopf gegen die Sessellehne gedrückt. Nein! Immer nein! Ob ich wohl jemals ein Ja von Dir hören werde? Mit Marie Antonie verkehrte stch's wirklich besser. Ich sage Dir, sie hat noch unter dem Brautkranz, in Max' und des Bikomtes Gegenwart, die Stunde gesegnet, wo ich in ihr Haus trat. Ich möchte wohl wissen, wenn Du je meine Bemühungen segnetest." Ich bin noch nicht gesund," fiel Bettn leise ein. Tihzt Gedanken waren weir weg von Diesen mutterttcyen tfla gen. Tas ist das erste, was ich wieder höre!" rief die Baronin ärgerlich. Gestern sagtest Du zu Excellenz v. Boden gerade das Gegentheil, als ste kam, stch im Namen der Großherzogin nach Teinem Befinden zu erkundigen. Was ist nun wahr?" ' Was ich D i r sage," murmelte sie mit gefurchter Stirn. Mein Gehirn hat zu viel gelitten: Der Druck hier muß fort. Wenn ich so sitze und plötzlich aufschrecke" Was schreckst Du denn um Himmels willen auf? Im Hause schleicht ja schon alles auf Filzsohlen umher. Deine unhörbare Dienerschaft ist eher zum Lachen. als zum Erschrecken. Sieh mal. Edi würde doch auch gewiß das junge Paar gern empfangen helfen!" Eduard geht lieber mit mir.ich weiß es!" Nun also, gut!" sagte Frau v. Lüttmig restgnirt. Reist heute noch meinetwegen! Wie lange wollt Ihr fortbleiben?" Ich weiß es nicht," murmelte die junge Frau, ihr kurzes Haar von den Schläfen streichend. Hier ist nichts zu versäumen." Und wohin soll die Reise gehen? Wenn anders Du so. viel Interesse an mir nimmst, mich dies wissen zu lassen, damit man nicht durch seine Unwissenhcit vor den Leuten lächerlich wird." Betty sah forschend in den leuchtenden Frühlingstag, der seine Lichtwellen gerade so verschwenderisch durch die Scheiben sandte wie damals, als ste Maximilian ihre Liebe verrieth. Wenn ihr Jemand damals die Zukunft entschleiert hätte! Ein stechender Schmerz huschte wieder durch ihre Schlägen. War eine Wunde geheilt, die nicht die leiseste Berührung, ertrug? Bitteres Höhnen durc.zzuckte ihr leidendes Gestcht Oder soll Euer Aufenthalt etwa Geheimniß für mich bleiben?" fuhr Frau v. Lüttmia aereizt fort. Einen Plan werdet Ihr vermuthlich doch ge macht haben?" So weit fort wie möglich und so einsam als möglich," sprach die Gräsin vor stch hin. Auf die Höhen, am liebsten in eine Hütten der Niemand sonst zu nahen wagt." Dann laßt nur zuerst Jungfer und Kammerdiener zuHause," spotteteFrau v.Lüttmig, denn diese Leute haben bes seren Geschmack. Meinetwegen thut, was Ihr wollt! Wenn Du wieder Blut genug in den Adern hast, wollen wir über diesen 'Punkt, weiter sprechen.. Uebrigens vorhin habe ich wieder einen Brief von Marie Antonie erhalten. Ich brachte ihn mit, Dich zu zerstreuen. Sie haben ihre Reilepläne ge ändert, kommen noch nicht sobald zurück, wollen nach London. Doch ich lese ihn am besten vor, die kleine Erlaucht schreibt so natürlich,, daß man sie im Geist plaudern hört." Die junge Frau hatte abwehrend die Hand erhoben. Aber was kümmerte den sorglosen Eifer der Baronin diese kaum merkbare Bewegung? Sie- hatte den Brief schon aus der Tasche gezogen, entfaltet und begann die Einleitunasworte

zu lesen. Dann fuhr ste langsamer fort: Heute stnd wir acht Wochen in Paris. Morgen reisen wir über Calais und Dover nach London, wo wir ungefähr die gleiche Zeit zubringen werdcn. Max sorgt dafür, daß ich gar nicht recht zum Bewußtsein all des Schönen komme, das seine Liebe mir bietet. Ich bin so vollgepfropft von Eindrücken, daß ich mir bisweilen schon die'Stille Holdenbergs wünsche, sie in Ordnung zu bringen. Und jetzt geht's gar über's Meer! Aber Max ist ja bei mir, und er ist für mich das Größte und Bedeutunasvolllte in der Melt." Was sagst Du dazu?" unterbrach sich-die Baronin mit triumphirendem Lächeln. Tls ist eine Liebe! Aber Du scheinst einschlafen zu wollen." Bctty Trachberg hatte den. Kopf wieder gegen das Polster gedrückt. Mit zuckenden Wimpern gab sie sich den Anschein völligen Gleichmuths. Lies nur weiter!" . Die Baronin fuhr fort: Glaube ja nicht, liebste Tante Tina, daß ich mich so ohne Weiteres dem Glück meines Herzens überlasse. Ich fühle zu wohl, daß Max mir in allem unendlich überlegen ist. und wenn es auch süß bleibt, ihm blindlings zu folgen und durch seine Augen in eine mir noch fremde Welt zu schauen, so gebe ich mir doch alle Mühe, aus den Kinderschuhen herauszukommen, in denen ich noch so tief stecke. Ich wollte' ich hätte Bettys Berstand. Grüße sie tausendmal von mir. Auch Max sendet Euch allen seinen

Gruiz!" 'Höre auf, Mutter!" unterbrach die junge Frau mit rauher Stimme die eifrige Vorleserin. Ich fange an zu frieren." Sie fror in der That bis in's innerste Mark. Marie Antoniens harmlose Worte hatten ste wie Peitschenhiebe getroffen. O, wie aus diesem Fieberfrost des Schmerzes die Gluth des Hasses sturmgleich auflohtet Wir wollen fchon morgen fort," stieß ste hastig hervor. Sage allen Dcmen in meinem Namen Lebewohl. Wenn ich wiederkomme wenn " Sie versank in Schweigen. Am nächsten Mittag reisten ste ab. 10. Kapitel. Ein schwülerJunitag ging zurRüste. Die Sonne hatte über Mittag die Luft förmlich, zum Glühen gebracht in der brütenden Windstille, und gegen Abend eist, ls das zweiüniae 5!ouve der Baronin seine 'ayr: naa) vem Bahnhos antrat, fenkte sich erfrischende Kühle auf die Stadt herab. Frau v. Lüttmig, einen Rosenstrauß in der Hand haltenö, verfolgte auf dem Bahnhof ungeduldig das Schaffen und Treiben der Beamten zum Empfang des nahenden Eilzuges, welcher das gräfliche Paar von der Hochzeitsreise zurückführte. Sie hatte es stch nicht nehmen lassen, in den Vormittagsstunden das Palais des Grafen zu durchwandern, woselbst Maximilian und seine Gemahlin bis nach Erledigung nothwendiger Besuche Wohnung zu nehmen gedachten, und hatte auch dort nicht vergessen, stch auf Marie Antoniens Schreibtisch mit einer sinnigen Ueberraschung in angenehm: Erinnerung zu bringen. Niemals war sie zufriedener mit sich selbst gewesen als in diesem Augenblick, wo ein ohrenbetäubendes Gerassel die Einfahrt des Zuges in die gedeckte Halle verkündete. Aus einem Abtheil . erster Klasse sprang Graf Trachberg rasch zur Erde, um mit ritterlicher Darreichung beider Hände seine ihm nachfolgende Gattin beim Aussteigen zu unterstützen. Meine Lieben!" rief die Baronin, den Gruß eines vorübereilenden jungen Mannes absichtlich übersehend. Wie ich mich nach Euch gesehnt habe!" Marie Antonie, eine feine Blässeauf ihrem schönen Gestcht, hatte mit strahlendem Blick Kuß und Umarmung der Baronin erwidert während der Graf stch damit begnügte, den Handschuh der ihm höchst unsympathischen Dame mit einer flüchtigen Huldigung zu bedenken. Ich soll Euch viele, viele Grüße von Edi und Betty bestellen." sagte Frau v. Lüttmig, eifrig neben dem Paare einherschreitend. Sie stnd- jetzt in Locarno, wo ste ein wahres Klausnerleben führen. Betty soll, wie ich höre, formlich menschenscheu sein. Sie übertreibt ebcn alles. Von Schreiben oder scnst heilsamer Beschäftigung keine Rede! Den ganzen Tag über bringt sie's fertig, vom Balkon aus den See oder die Berge anzustarren. Edis Geduld ist geradezu bewundernswerth." Der Äraf, welcher eine Erinnerung, die ihm nahezu aus dem Gedächtniß entschwunden war. sehr ungern im ersten Moment der Rückkehr aufgefrischt sah, wandte sich zurück, seinem Diener einige Befehle zu ertheilen. Diesen Augenblick benutzte die neugierige Baronin, den Arm der jungen Frau zärtlich zu drücken. Also, Du bist glücklich, kleiner Liebling?" ' Unaussprechlich!" flüsterte Marie Antonie. Ich bin aber Du darfst nicht zu sehr lachen! eigentlich zu glücklich. Und das will mir manchmal bange machen." . Närrchen! Deine schönste Zeit fängt NUN für Dich erst an als Herrin von Hcldenbercj. Dir braucht vor Niemand und vor nichts zwangen." Der Graf, den Moment des Abschiedes thunlichst verkürzend, hob seine Ge mahlin in den Wagen, berührte fluchtig die freundschaftlich dargereichte. Rechte der. Baronin und gab das Zeichen zur

Äbfahrt. indem er felbst seinen Platz neben Marie Antonie einnahm. Die junge Frau, in Rückerinnerung an ihren früheren Einzug versunken und also wieder mitten hineingestellt in das hoffende, selige Gewirr ihrer Kinderträume, faltete die Hände lächelnd um den Rosenstrauß. Wie eng begrenzt war damals ihr Wissen und Denken gewesen! Wie wundervoll hatte es stch seitdem erweitert! Sie kam stch um Jahre gereift vor.

? Nun gar mit ihrem Eintritt in die Raume, welche sie damals als jubelnde Braut verlassen, stürmten neue Gedanken auf ste ein, regten sich die füßesten Erinnerungen. Am nächsten Vormittag galt ihr erster Ausgang der Baronin. Ueber Nacht hatte es gewittert. Die Luft war erfrischt und klar. Ein lindenduftender Wind tummelte sich in den Villenstraßen, durch welche die junge Frau leichten Ganoes hinwanderte. sie vatte es nicht bemerkt, daß um die nächste Straßenbiegung ein Mann geschritten kam, der bei ihrem Anblick einenMoment unschlüssig auf der Stelle verharrte, bevor er weiter ging. Als ste stch ihm näherte, schlug ste die Augen auf. Ah. Herr Doktor!" sagte sie lebhaft überrascht und blieb stehen. Er verneigte sich tief. Erlaucht erinnern sich meiner?" Sie erröthete, ohne zu wissen weshalb. Sie kommen aus unserer Hei math? Wie geht's.meinem Vater? Sie haben ihn sicher gesehen, vielleicht auch gesprochen?" Er verneinte förmlich. Gesehen nur. Ich fand ihn wohlauf." Wirklich? Ganz wohl? Wie glücklich mich das macht! Sie müssen nämlich wijjen," fuhr sie in ihrer herzgewinnenden Natürlichkeit fort, daß ich dem Vater darin nicht ganz glaube. Er würde es gewiß vermeiden, mich zu betrüben. Wie froh bin ich, wie froh!" Sie reichte ihm dankbar die Hand, welche er respektvoll kaum berührte, seiner närrischen Hoffnungen, wie seines lächerlichen Schmerzes nur zu sehr eingedenk. Ich kann ja nicht darum bitten," fuhr sie mit liebreizender Befangenheit fort, daß Sie zu Herrn v. Debellaire gehen, ihn von mir zu grüßen, aber wenn Sie ihn zufällig wieder treffen, dann nicht wahr? dann thun Sie es. Ich bedaure sehr." versetzte er hurücktretend, seine qualvolle Unruhe hinter angenommener Eile verbera.end. ich belauere sehr, ven Wunsch Euer Erlaucht nicht erfüllen zu können. Ich kehre nicht mehr nach der Heimath zurück. Me.in kurzer Aufenthalt hier gilt einem Abschiedsbesuch bei meinem Onkel." ' Fort also? Auf lange und weit?" fragte sie, ihn inieressirt betrachtend. ;3ch gehc nach Berlin." Ich weiß nicht, ob ich irre, aber Sie sind ganz anders geworden, viel stiller und ernster, als damals. Ihr Onkel hatte schon aus der Schule geplaudert und mir versichert, daß Sie von Natur aus sehr ernst,' sehr pflichtgetreu und schrecklich gelehrt wären." Es ist nicht nur die Liebe, die übertreibt," sagte er mit leichtem Achselzucken, sondern auch das Wohlwollen." Ich wünsche Ihnen jedenfalls, ob ernst oder heiter, viel Glück zu Ihrem Aufenthaltswechsel. Es ist nur gut. daß wir Ihren Onkel hier behalten, so kann ich mich zum wenigsten manchmal nach Ihnen erkundigen." Sie beschämen mich," sagte er, noch einen raschen Blick über ihre Gestalt gleiten lassend. Ich möchte wissen, wodurch!" lachte ste unbefangen. Und nun leben Sie wohl! Recht glückliche Reise, Her? Doktor!" Er trat zurück, ste an stch vorüberschreiten zu lassen. Dann setzte er gepreßten Herzens seinen Weg fort. Welch ein Narr war er, sich durch dieses zufällige Zusammentreffen aus feiner hart erkämpften Ruhe bringen zu lassen! Bruno Geisler hatte Stunden durchlebt, in denen er versucht gewesen war, dem Stande, dem er angehörte, dem Namen, den er trug, allem, was ihm bis dahin lieb und theuer gewesen war, zu fluchen, weil sie ihm die Möglichkeit versagten, der Werbung des Grafen Trachberg hindernd in den Weg zu treten. Jedes gütige Wort, das Marie Antonie ihm geschenkt, jedes Lächeln, daran seine kühne Sehnsucht Nahrung gefunden, verwünschte er nun als Leidbringer. Sein gereiztes Selbstgefühl wollte ste verantwortlich machen für die demüthigende Enttäuschung, unter welcher er litt. Aus diesem unfruchtbarenZwiespalt. welche? feine Schaffenskraft erheblich zu schwächen begann, retiete ihn zu guter Stunde der Ruf seines Lehrers, welcher ihn als seinen ersten Assistenten ; nach Berlin berief. Der spielende Wind trug noch deutlich Marie . Antoniens Schritte an sein Ohr. Selbst das. Rauschen ihres Kleides glaubte er noch bei gespannter Aufmerksamkeit zu unterscheiden. Der Empfindungen, welche ihr Anblick von Neuem wachgerufen, völlig unbewußt, feierte Marie Antonie auch im Hause der Baronin ein glückliches Wiedersehen mit liebgewordenen Räumen. An der Schwelle des Salons, darin Maximilian damals um ste geworben hatte, stand sie sinnend still, die braunen Augen zu Boden geschlagen. Ihr ward plötzlich zu Muth, als denke sie etwas Erstorbenem nach, und konnte es nicht verhindern, daß stch ein Tropfen von ihren Wimpern löste. r( firtfi 7,ut manchmal frt k

Vt , Ein KnalänLer über den dtutschcn Kaiierhof. In Home Chat" erzählt Misz Mary Spencer Warren, neben Äielem. was über die kaiserlichen Palais in Berlin und Potsdam u Deutschland jedem Kind bekannt, für England.aber neu ist. daß unter dem Dach dieser kaiserlichen Heimstätten die strengste Etiquette und das einfachste häusliche Familienleben zusammen wohnen". Die Kaiserin", heißt es weiter, ist die praktischste und sorgsamste Hausfrau, die man 'stch denken kann. Zeitig aufstehen ist die allgemeine -Regel für den ganzen kaiserlichen Haushalt, und es ist nichts Seltcncs, den Kaiser schon um 5 UhrMor gms an seinem Arbeitstische zu sinden. Trotz der frühen Stunde, zu der der Kaiser frühstückt, findet sich ' die Kaiserin doch regelmäßig am Frühstückstische ein und bereitet eigenhänoig den Kaffee für ihren kaiserlichen Gatten. Das Frühstück gleich den anderen Mahlzeiten ist bürgerlich einfach. Die Kinder nehmen das Frühstück nicht gemeinsam mit den Ellern ein Prinzessin Luise manchmal aiisgenommcn. 2k kommen aber 31111 Sch.uß, um den Eltern guten Morgcn" zu wünschen. Die Söhne in ihren Uniformen begrüßen den 5kaiser zuerst streng nach militärischer Borschrift; ist aber damit der Etiquette Genüge gethan, so folgt als RaÄspiel die herzlichste Begrüßung und kindliche Umarmung. Es ist bekannt, daß Kaiser Wilhelm der liebevollste Vater ist. woran di: strenge militärische ErZiehung ver Kinocr nichts aioert. Die ganze deutsche Familie ist in der That ein Muster von Familienleben, un) vom Kaiser ist es bekannt, daß er. seinen eigenen Worten nach, sich nirgends so glücklich fühlt, als im Kreise von Frau und Kindern". Unter den vielen hervorragenden Charaktere-'gen-schaften der so ausgesprochenen Jndividualität des Kaisers ragt besonders seine Lieb? für seine Gattin hervor. E könnte nicht liebevoller und hingebender sein. Den Deutschen gilt ihre Kaiserin als eine Musterfrau, da sie in ausgeprägter Weise alle häuslichen Tugenden besiht. die zu den Tradi. tionen des Volres gehören . . . Die schönste Stunde des Tages schlägt aber der kaiserlichen Familie, wenn des Tages schwere Arbeit Staatsgcschäfte. Empfänge, öffentliche Funktionen und für die Söhne der Unterricht iind das Exerzieren vorüber sind und Eltern und Kinder eine oder zwei Stunden sich selbst angehören. Man hört dann oft von den kaiferlichen Familienzimmern her. daß es dort lustig zugeht. Die Kinder treiben sich herum und der Kaiser thut mit" oder aber läßt sich von seinem Töchtcrchen kommandiren, von der es- im kaiserlichen Haushalte heißt, daß sie mit Vapa machen kann, was sie will". Musik spielt auch in .der kaiserlichen Familie ein? große Rolle, und oft, wenn die jüngeren Kinder zur Ruke gegangen sind, setzt sich die Kaiserin an das Klavier und der Kronvrinz ergreift seine Geige, um dem RatttT vorzuspielen, was er zu hören beliebt". Der Philanthrop Andre! Carnegie soll seiner Zeit der Ver. Staaten-Regierung das Anerbieten gemacht haben, $20,000,000 für den Philippinen-Archipel zu bezah len, falls man ihm die Erlaubniß gebe, den Filipinos ihre schließliche Unabhangigkeit zu garanhren. D i e Stadt. Lodz in Rus-sisch-Polen, die vielfach das russische Manchester" genannt wird. Hat in den letzten 15 Jahren an Einwohnerzahl rapide zugenommen. Vor dieser Zeit zählte man im Ganzen 25.000 Einwohner, und heute beziffert stch die Bevölkerung auf 315,000 Seelen. Düsseldorf', wo zur Zeit eine Kunst- und Industrie - Ausstellung stattfindet, zahlte am Anfang des 19. Jahrhunderts 20,000. am Ende desselben Jahrhunderts 200.000 Einwohner; 1880 betrug die Einwohnerzahl 95,000, am Schlüsse des jetzigen Ausstellungsjahres wird man mit 220,000 zu rechnen haben. Bon dem be tu h m t e n Likör Chartreuse gib: es drei verschiedene Sorten. Der grüne ist der stärkste, der gelbe mittelstark und der weiße der geringste an Starke wie an Qualität. Eine Flasche Grüner" kostet selbst ' bei den . Mönchen der Grande Chartreuse in Frankreich, also aus erster Hand, acht Francs. Die Insel Martinique hatte nach der Zählung vom 1. Januar 1902 eine Bevölkerung von 203.781 Seelen. 16,089 .mehr als bei 'der Zählung von 1894. Die Bevölkerung Saint-Pierres selbst betrug 26.011 Einwohner und hatte um 729 zugenommen. Zort de France hatte 22,164 Einwohner, 6103 mehr als 1894.

Gedanken," fagte ste entschuldigendzu Tante Tina. Sie kommen mir, ich weiß gar nicht wie. Aber sobald ich an Max denke, stnd' sie fort wie der Wind.? Das ist ganz natürlich, kleine Frau," tröstete die Baronin, Marie Antoniens Wange liebkosend, daß Dir jetzt selisame Ideen aufsteigen. Daran mußt Du Dich nicht stoßen. Solche Grillen nimmt man mit in den Kauf. Ganz umsonst kann man doch nicht' allem Glück die Krone aufsetzen." (Fortsetzung folgt.)

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