Indiana Tribüne, Volume 25, Number 264, Indianapolis, Marion County, 28 June 1902 — Page 7
Indianer Tridune, S8 Juni
HZK
XX$$$&
TUcnn Du mich liebst. sp ttoraan von Georg Tiärtwig , (Cmmn TiotppcL) x $ ,4ZZSZZ5 (Fortsetzung.) In den Tagen der bängsten Erwarjungen kmrde der Hochzeitstag des Majoratsherrn auf's Ungewisse hin verschoben, sehr zum Leidwesen des Vikomte, welcher seinen Aufenthalt in der Residenz nur bis zu diesem Tage ausgedehnt wissen wollte. Er brachte schon hiermit seiner Vaterliebe ein bedeutendes Opfer. Einerseits wollte er sich die kurze Verlobungszeit hindurch nicht mehr von seiner Tochter trennen, andererseits aber auch Marie Antonie der Nähe des Geliebten nicht entziehen. Es war ein Sieg seines Herzens über die Kargheit seiner Mittel. Er nahm von seinem kleinen Kapital die nöthige Summe auf. In Hinsicht auf die giern zende Zukunft seines Kindes, welches seiner Ersparnisse ferner nicht mehr bedurfte, konnte er dies schon thun. Vergeblich aber drang- Marie Antonie mit Bitten und Thränen in ihn, seinen Aufenthalt fortan in ihre Nähe zu verlegen, glücklich in dem Gedanken, das Alter des Aikomte sorgenfrei oestalten zu können; vergeblich bot ihm Trachberg in zartester Form seine verwandtschaftliche Unterstützung an, allerdings nicht sowohl um des Vikomte, als um seiner selbst willen. Debellaires Stolz und Selbstgefühl lehnte alle Almosen" mit ruhiger Würde ab, fest entschlossen, durch keinen Menschen, wessen Namens und Standes er auch sei, zu irgend welchem Dank verpflichtet zu ' werden. Mit Befriedigung empfing er endlich die Nachricht, daß nach langem Ringen doch die Jugend der Gräfin den Bemühungen der Aerzte zu Hilfe zu kommen versprach, somit also auch kein weiterer Grund vorhanden war, die Vermählung über den testamentarisch gewünschten Termin zu verschieben. Obwohl die Baronin unter allen Umständen die Leitung der Hochzeitsfeier, wobei ihr die bedeutsame Rolle der Brautmutter zufiel, nicht aus den Händen gegeben haben würde, fügte sie sich diesmal dem Vorschlage Mazimilian Trachbergs, das, Festmahl, welches der Landesfürst durch seine Gegenwart auszeichnen wollte, im Palais des Grafen stattfinden zu lassen, wodurch ihr alle Ehren vorbehalten blieben und lur die Sorae abaenommen wurde. ' In diese Zeit fiel auch die Rangerhöhung des Mazoratsherrn. Marie Antonie hatte die sichere Anwartschaft, eine erlauchte Dame zu werden, , worüber sie eine kindliche Freude emPfand, ohne eigentlich zu wissen, weshalb. Sie freute sich stets, von einem Tage zum anderen. Daneben weilte sie immer dankbarer und zärtlicher an ihres Vaters Seite den sie durchaus nicht von sich scheiden sehen wollte. Wenn wir unsere Hochzeitsreise gemacht haben, Papa," raunte sie ihm zu, und in Holdenberg unseren festen Wohnsitz genommen haben, dann kommst Du zu Besuch. Das mußt Du mir versprechen. Und wenn Du da bist, dann bin ich wieder ganz Deine Tochter. Ich bringe Dir auch das Schönste mit von der'Reise. Dir und Tante Tina auch. Denn denke nur, , wenn Tante Tina damals nicht zu uns " hereingeschneit wäre, wie hätte ich Maximilian je kennen gelernt?" Ehen werden im Himmel geschlossen," warf der Vikomte trocken ein. Indessen magst Du ihr immer erkenntlich bleiben." Wären die Beweggründe Frau v. Lüttmigs weniger selbstsüchtig gewesen, hätte Marie Antonie allerdings vollauf Ursache gehabt, diunermüdliche Dame mit Dankbarkeit zu Lberschütten. Vom Krankenbett ihrer Tochter fort stürzte sie sich in die Modemagazine. Doktor, Schneider, Wärterin und Modistin, alles wirbelte in ihrem Kopf durcheinander, um so mehr, als ihr der bewährte Rath ihrer Tochter diesmal nicht zur Verfügung stand. Mit Hilfe eines halben Dutzend Sachverständiger war endlich die schwierige Wahl der Hochzeits- und Reisetoilette der zukünftigen Erlaucht getroffen. Marie Antonie hatte weiter nichts dabei zu thun gehabt, als ihr schönes Auge über eine unerschöpfliche Fülle von buntem Sammet, Seide und Wollenstoffen schweifen zu lassen. Ihr gefiel alles. Es erstaunte sie auf das Liebenswürdigste, daß man von ihrer Person plötzlich so viel Aufhebens machte, aber es gefiel ihr. Sie sonnte sich burin. Alles, was sie jetzt erfuhr, waren die Ausstrahlungen der großen Sonne an ihrem Lebenshimmel, Maximilians Liebe. Eines Tages, kurz vor ihrer Vervtf i c r. : r-r c..ri:. ' muqtung, uu jic uu vsulvil vzu rath an, welcher Herrn v. Debellaire den ausgefertigten Ehevertrag vorzulegen gekommen war. Hurtig eilte Marie Antonie zu ihm und reichte ihm die Hand. Sagen Sie, was macht Ihr Neffe? Ich habe so lange nichts von ihm gehört. Weshalb kommt er nicht einmal wieder auf Besuch zu Ihnen? Er war so lustig." Sie dachte an den eingewickelten Groschen und lachte hell auf. ' Was er für Einfüge hat! Wenn er Ihnen das erzählen wollte!" Es wird meinem Neffen sehr schmeichelhaft sein," sagte der alte Herr, derbindlia die Finger, der Vikomtesse
an seine Lippen ziehend, daß die gnadigsie Komtesse sich seiner erinnert. Indessen so ganz unbedingt darf ich das Lob, welches seiner heiteren Lebensauffassunz soeben ertheilt ward, nicht annehmen." Wieso?" fraqte sie neugierig. Mein Neffe ist ursprünglich ein sehr ernst angelegter Mensch und noch nicht reif, das heißt erfahren genug, um mit philosophischem Lächeln die großen Mängel und Mühen eines Lebens zu beleuchten. Er kämpft hart, aber er hat angefangen zu siegen. Nur die heitere Huld einer so liebenswürdigen Dame kann es gewesen sein, die ihn über sein eigenes Naturell erhob." Wahrhaftig? .Das hätte ich aber wirklich nicht von ihm geglaubt," sagte Marie Anionie lebhaft. Jetzt gerade," fuhr de? alte Herr scherzend fort, scheint er sich der heiteren Muse ganz abgewendet zu haben. In seinem letzten Briefe klang etwas wie Trauertöne durch. , Vielleicht ist ihm in seinen Bestrebungen um das Wohl der leidenden Menschheit ein wissenschaftlicher Riegel vorgeschoben worden, vielleicht hat der reizende kleine Gott der Jugend ihm eine schmerzende Pfeilwunde beigebracht, für welche die ersten Autoritäten seines Faches noch nicht die richtigen Heilmittel gefunden haben?" Sie glauben, er habe sich verliebt?" fragte Marie Antonie mit allerliebster Sachverständigkeit. ' Ich habe in diesem Fache leider kein Urtheil," scherzte Geisler mit galanter Verneigung gegen die strahlende Braut. Wenn Sie ihn sehen ach so. Sie sehen ihn ja jetzt nicht," unterbrach Marie -Antonie sich lachend also, wenn Sie an ihn schreiben, grüßen Sie ihn von mir. Und halt! sagen Sie ihm, er solle nicht zu ernst und zu fleißig sein, das Leben sei ja so schön, so wunderschön, viel zu schön, um nicht stets vergnügt zu sein." Ich werde es wörtlich crsrichten, Und mein Neffe müßte ein Barbar sein, wollte er eine solche Mahnung aus solchem Munde nicht beherzigen. Bei söl-cher-Verstocktheit müßte ich ihm die Freundschaft kündigen." O, Sie!" Marie Antonie reichte ihm zum Abschied rasch die Hand. Sie haben Ihren wie heißt er mit Vornamen doch? Bruno? Ihren Bruno ja viel zu lieb. Nicht, wahr? Da ist Papa!" Und damit eilte sie lachend aus der Thür. Dann kam ein Abend, ein stiller Abend im Boudoir der Baronin, an dessen verhangenen Scheiben der Fe-
bruarwind rüttelte und das lodernde Feuer im Kamin mit unsichtbarer Gewalt vom Rost aufiagte. Niemand war anwesend als die Beiden, die morgen eins werden sollten in Liebe und Leid. Die Baronin weilte bei ihrer Tochter, und der Vikomte saß hinter dem geschlossenen Vorhang im Salon, anscheinend lesend, rn Wahrheit mit seinen trauernden Gedanken kämpfend. Wo der rothe Lichtschein aus der Höhe über ein trauliches Ecksopha fiel. saß Marie Antonie neben ihrem Brautigam. Er hatte den Arm um sie gelegt, und sie die Hände um seinen Hals geschlungen. Die Bedingungslosigkeit ihrer Hinaabe erfüllte ihn mit Befriedigung. Einzig darin sah er die Bürgschast einer sturmlosen Zukunft. Aber kn Marie Antoniens Seite hinweg zogen ihn häßliche Erinnerungen an Vettys Leidensstatte. Das wußte er, daß morgen, wenn sie zur Stunde noch ein Verständniß dafür besaß, ihr Herz abermals Dolchstiche et litt. . Und während er die . süßen Athemzüge keuscher Liebe an seiner Wange wehen fühlte, erfaßte ihn plötzlich ein finsteres Gelüst, das Grab geschaufelt zu sehen für die, welche ihn zum Mitschuldigen ihrer Leidenschaft gemacht hatte. Er drückte seinen Mund fester auf Marie Antoniens Lippen. Wo fand er Mittel und Wege, das Geschehene von sich abzuthun? Deshalb wünschte er Betty aus den Reihen der Lebenden gestrichen. Dann war's vorbei mit allem erzwungenen Beisammensein, dem sie Beide nicht entgehen konnten. Fürchtete er auch nichts von ihrer angedrohten Rache, von ihrer Leidenschaft fürchtete er desto mehr. Der Tod allein war mächtiger als diese. Darum sollte er mit seinem verlöschenden Hauch über sie hinwegstreichcn, versenken, was- nicht schlafen wollte. v Maximilian empfand eine grollende Ungeduld gegen die Saumseligkeit des Schicksals. An. was dachtest Du eben jetzt?" fragte Marie Antonie. seine gefaltete Stirn liebkosend. An unser Glück?" Er nickte. Das warme Leben, das in diesem Augenblick an ihm ruhte, aufgehend in ihm und seiner Liebe, verschärfte fein Mißbehagen, statt es zu lindern. Er sprang auf und zog Marie Antonie mit sich empor. Morgen" flüsterte er ihr zu morgen gehörst Du mir ganz. Ich wünschte, wir hätten erst alles hinter uns und wären dieser lästigen Neugicr, dieser ganzen zudringlichen Nichtigkeit entflohen." Er wollte zärtlich sprechen, aber seine Stimme klang mehr herrisch als einschmeichelnd unter dem Einfluß seiner düsteren Gedanken. Du sollst mir von' Deinem Glück noch einen Theil schenken, ich habe an dem meinen nicht genug." Nimm's!" flüsterte sie lächelnd. Ja, Dich nehme ichDich," fuhr er erregt fort, ihr Haupt in beide Hände
fassend, also auch Deine Seele. Wir verschmelzen uns Du und ich!" Er zog sie an sich. Du und ich " hauchte sie entzückt. Das war alles, was sie herausgehört und mitempfunden hatte. Am anderen Morgen, als Frau v. Lüttmig noch einen gesunden Schlaf genoß. schritten der Vikomte und seine Tochter Arm in Arm im Salon umher, dessen Mitte jetzt eine mächtige Tafel voll der kostbarsten Hochzeitsgeschenke einnahm. Sie achteten nicht darauf. Es-war in letzter Zeit so viel Pracht und Glanz über Marie Antonie zusammcngeflosscn, daß sie ihre kindliche Freude daran cereits eingebüßt hatte. Weitn Du je eines Rathes bedarfst außer dem Rathe Deines Mannes," sagte d:r Vikomte, so wende Dich an mich an Niemand sonst. Unduch an mich nur im dringendsten Falle. Ich weiß, daß ich mich darin auf Dich verlassen kann. Fahre fort, mir eine gute Tochter zu sein, indem Du Deiner Herkunft mit keinem Wort und keiner Handlung etwas vergibst. Du bringst Deinem Manne nichts zu als Deinen Familiennamen, ein kostbares, seltenes und rein erhaltenes Kleinod. Stütze Dich auf dieses Bewußtsein, so wirst Du immer auf der Höhe der Situation bleiben." Ich werde es nie vergessen. Papa," flüsterte Marie Antonie Schon deshalb nicht, weil ich es meinen Vorsahren täglich danken muß, Maximilians Frau werden zu können." Sehr richtig! Wenn Du Dir stets die Thatsache vor Augen hältst, daß in Deinen Adern ein Blut rollt, welches' daS Blut mancher Fürstenhäuser an Alter und. Reinheit übertrifft, so wirst Du nie das Gefühl des Empfangens, sondern stets das angenehme Bewußtsein des Gebens empfinden. Und nun
lebe wohl. mem Klnd. Wahre Dem Glück. Vergiß nicht mich und Deine Kindheit!" Sie sank ihm weinend in die Arme. Der Vikomte bezwäng die Thränen, welche er aus seinem heftig erregten Herzen aufsteigen fühlte, mit einem dankbaren Gefühl der Erleichterung. Was hatte es jetzt noch für Noth mit seinem Scheiden aus dieser Welt, da er sie wohlgeborgen im Arm der Liebe zurückließ! . Wenn Du aber je krank sein solltest. Papa." raunte ihm Marie Antonie in mg zu, blos unwohl, dann rufst Du mich, nicht wahr? Und ich bin bei Dir wie der Wind. Das versprich mir noch." Er lächelte matt. Du weißt, daß Deine erste Pflicht Deinem Manne an geyort. und daß kein Grund vorliegt, um mich besorgt zu sein." Daß ihm ein erstickendes Angstgefühl in diesem Augenblick fast den Athem bcnahm, sagte er nicht, um keinen Schatten auf die Klarheit ihres Glückes zu werfen. .War's nicht ein Ttaum, ein süßer, seliger Traum, der nunmehr begann. seine täuschenden Schleier um Marie Antoniens Stirn zu winden? Erlebte sie das alles in Wirklichkeit, was mit ihr und um sie her vorging? Mit einem Gefühl, als seien ihr Flügel gewachsen, die sie hoch über die Erde emportrugen in eine neue Welt voll fremder Wunder, streckte die junge Erlaucht ihre Arme dem Geliebten entgegen, als er kam, sie zur Trauung zu führen. Sie war in ihrem Brautschmuck so wunderbar schön, daß die Baronin. welche sich gar nicht genug thun konnte vor Zärtlichkeit und Rührung, mit wirklicher Betrübung ihrer Tochter Aeußeres diesem Bilde der Jugend--Pracht veralich. Liebes Gott, Vetter," flüsterte sie hinter ihrem Taschentuch dem Vikomte zu, was ist aus Betty geworden! Ein Gespenst. Wenn sie mal die Augen aufschlägt, ist es viel. Es ist gerade, als wäre die Welt für sie todt, und wir alle mit. Keine Silbe des Dankes für irgend Jemand, es ist entsetzlich, um sie zu sein. Glauben Sie es mir! Aber wofür ist man Mutter? Ich werde nie aufhören, auch an Ihrer Tochter Mutterstelle zu vertreten, Vetter." Er reichte ihr die Hand. Kann ich mich darauf verlassen.-Kousine?" fragte er tief bewegt. Auch wenn ich " Marie Antonie wird mir als Frau noch mehr an's Herz gewachsen fein, als jetzt." Auch wenn wenn ich nicht mehr sein werde?" fuhr Herr v. Debellaire leiser fort, einen langen Blick auf das strahlende Antlitz seiner Tochter heftend Dann erst recht, Vetter! Wissen Sie, daß solche Frage ganz außerhalb meines Fassungsvermögens liegt?" Das junge Paar trat näher. Verbindlich und kühl wie immer sagte Trachberg der Baronin einige Dankesworte, wofür diese Marie Antonie überschwenglich in die Arme schloß. Segen mit Dir, Liebling! Mögest Du mir. Deiner treuesten Freundin, immer Dein Herz zuwenden, wie Du stets in mir die zuverlässigste Freundin finden wirst. Lieber Gott, daß Betty heute nicht im Stande ist. Euch wenigstens einen Glückwunsch zu senden." Meine liebe, gute Tante Tina," ohne Rücksicht auf ihr bräutlich geschmllcktes Haupt lehnte die junge Er laucht ihr , Gesicht einen Moment gegen die Wange der Baronin, ich segne den Augenblick, da Du in unser Zimmer tratest. Laß mich Dir dies eine noch schnell sagen, dann weißt Du alles!" Das nenne ich ein goldenes Herz!" schluchzte Frau v. Lüttmig in ihrer erhofften Eiaenschaft als einflukreickste
Persönlichkeit in Holdenberg, während der Vikomte, seiner Tochter den Arm reichend, Marie Antonie zur Thür hinausführte. Draußen stand der Galawagen, welchen der Graf bestimmt hatte, die Braut nebst ihrem Vater zur Kirche zu führen, während er selbst mit der Baronin in einer zweiten Equipage Platz nahm. Von jetzt an verschmolzen Bilder, Zeit und Orte zu traumhafter, aber himmlischer Verworrenheit im Haupt des jungen Weibes, dessen Kinderglück an der Kirchenschwelle für immer zurückblieb, indeß sie vorwärts eilte, einer verhüllten Zukunft entgegen. Die Trauung selbst verlief mit dem Glänze und der Feierlichkeit,welche dem hohen Range und dem Reichthum des Grafen entsprachen. Marie Antonie sprach und handelte wie eine Nachtwandlerin. Einen Moment glaubte sie zu vollem Bewußtsein ihrer selbst zu erwachen, als das Geräusch rollender Räder, welche sie wie im Fluge davonführten, an ihr Ohr schlug. Draußen war's Nacht, verlöscht der blendende Lichtglanz, verstummt das rauschende Stimmengeschwirr um sie her. Von all der Pracht, von Duft und Scherz, von allen genossenen Triumpheu war nichts geblieben als tiefes' Schweigen. Ueber aller jauchzenden Freude ihres Herzens lag die Einsamkeit. Sie tastete um sich. Der weiße Atlas knisterte nicht mehr an ihrem Körper. Tante Tina hätte ja den Myrthenkranz fortgenommen und den Reisehut dafür auf ihr Haar gedrückt. Und wo war die silbergesiickte Schleppe geblieben? Fort! Und sie selbst? War sie wirklich auf dem Wege nach Holdenberg? Mit ihm? Mit ihm, dem Gemahl und Geliebten? Da schrie sie leise auf vor Glück. Was ist Dir?" fragte er,' ihren heißen Mund mit seinen Lippen suchend. Wieder kam der wonnige Traumzustand über ihre lachende Seele. Sie dachte nichts mehr. 9. Kapitel. Zu derselben Stunde, wo der Trinkspruch auf das Brautpaar von dem
fürstlichen Gaste an der Hochzeitstafc! ausgebracht wurde, lag Betty Trachberg unter ihrem lichtblauen Baldachin wie eine Gestorbene auf dem Schmerzenslager. Die Ständerlampe zu' Häupten des Bettes war verlöscht. Nur die Ampel warf aus der Zimmerhohe em mildes Dämmerlicht herav. Die Brust der. Kranken bob ein Seufzer. Sie öffnete sie Lider und starrte in's Leere. So that sie nur, wenn sie allein war, sonst hielt sie die Augen geschlossen. Sie wollte die Menschen nicht sehen, die blinden Sinnes sich an ihr abmühten, selbstsüchtige, vorwitzige Menschen, die mit frevelhaftem Eiser den großen Tröster und Befreier, den Tod, von ihrer Seite gedrängt. O. diesen allmächtigen Helfer, wie rief sie ihn noch jetzt an, wo seine Schatten sich weiter und weiter von ihrem Haupt entfernten! Die eingesunkenen Augen der Kranken gewannen ein finsteres Feuer und einen dämonischen Glanz. Wie Kohlen glühten sie unter den weißen Lidern hervor. v Wochen, vielleicht Monate, sie wußte es nicht, lagen zwischen jener niederschmetternden Stunde und der Gegenwart. Sie fragte nie danach. In ihrem armen Kopfe, der so grausam gelitten, konnten noch jetzt klare Gedanken nicht lange haften. Dann war's, als berge sich das Geschehene hinter Wolken und zöge gleich einem unlösbaren Räthsel vorüber in weite, graue Fernen. Die Wärterin war an ihre Seite geschlichen und wieder hinter dem Vorhang verschwunden. Der Arzt kam und ging.- Der Zeiger rückte vor. Sie regte sich nicht. Am Himmel stand der Vollmond, vor dessen Glanz Marie Antonie ihr bebendes Antlitz an Maximilians Brust barg. Durch den Vorhang quoll er auch über Bettys Kissen und enthüllte den traurigen Verfall ihrer Schönheit. Draußen gingen leichte Schritte über den Korridor. Sie erkannte sie plötzlich wieder. Aber das quälende Frösteln in ihren Adern ward dadurch nicht vermindert. Leise öffnete sich die Thür. Eduard trat ein. Ssine Sehnsuch: war zu groß geworden inmitten der Festfreuden, denen er nicht hatte aus dem Wege gehen können. Er hatte sich nicht einmal Zeit genommen, seinen Anzug zu wechseln. Im Frack, die Gardenie im Knopfloch, eilte er an Bettys Lager. . Sie hielt die Wimpern geschlossen. Da küßte er ihre Stirn voll Zärtlichkeit. Meine arme, liebe Betty, Du denkst doch nicht, daß ich Dich vergessen habe?" Sie wollte sie von sich abschütteln diese liebkosende Hand, welche die Wunde nur tiefer grub, an der sie litt. Aber die Kraft fehlte ihr. Zugleich regte sich ein weicheres Gefühl in ihr das Mitleid mit so viel treuer Liebe. Ihre Lippen zitterten. Er sah es, und ermuthigt hurch diese erste 'Spur von Theilnahme, setzte er sich aus den Bettrand nieder, beugte sich über sie und küßte ihre Lippen. Sie öffnete unwillkürlich vor Schreck die Augen. Mit einem Verständniß, das sie selbst erschreckte, blickte sie auf die weiße Krawatte um ihres Gatten Hals, auf die Blume in seinem Knopfloch. Wo kommst Du her?" fragte sie mit gebrochener Stimme.
12t vacyte an weiter nichts als 'an das Glück,. sie endlich wieder sprechen zu hören, und richtete sich lächelnd empor. Von Maximilians Hochzeit. Sie sind jetzt schon längst in Holdenberg. Uebermorgen reisen sie nach Paris. Willst Du etwas hören von dieser
Haupt- und Staatsaktion?" Er war so fröhlich, so voll Qoffnuna durch diesen ersten Beweis ihres wiederkehrenden Interesses! (Fortsetzung folgt.) ffischfeindliche Pflanzen. In Irland ist man vor einigen Iahren ' einer eigenthümlichen Art des Fischfangs auf die Spur gekommen, deren sich das dortige Landvolk bedient und wohl so lange weiterhin bedienen wird, bis die Behörden ein Verbot dagegen erlassen. Ein Naturforscher der Universität St. Andrews hat die Sache genauer untersucht und über die merkwürdigen Ergebnisse seiner Forschung kürzlich an die Londoner Royal Society berichtet. In Irland wächst eine Art der weitverbreiteten Pflanzengattung Euphorbia, die die Eigenschaft besitzt, Fische zu tödten. Wenn die Pflanze in kleine Stücke zerschnitten und, mit Steinen beschwert, auf den Grund eines Flusses gelegt wird, so gibt sie ihren Saft an das Wasser ab. Die so entstandene Lösung vertheilt sich mit der Strömung längs des Grundes und tödtet die Fische, die sie erreicht. Die Wirkung muß eine sehr starke sein, denn zuweilen verschaffen sich auf diefem Wege die Landleute mit einem einzigen Male 80 bis 100 Lachse, und in einem Sommer soll sich die Zahl der in einem kleinen irischen Bezirk auf diese Weise vergifteten und gefangenen Fische auf 500 bis 1000 belaufen haben. Nach den von Dr. Kyle angestellten Versuchen sind diese Angaben sicher nicht übertrieben, vielmehr tödtet der Saft der Euphorbia die Fische ebenso schnell wie Sublimat. Beobachtungen über die Gefährlichkeit dieser Pflanze für die Fische liegen übrigens auch aus anderen Ländern vor, man hat aber bisher nicht gewußt, worin die giftige Kraft der Euphorbia besteht. Kyle hat nun nachgewiesen, daß ein Auszug der Pflanze einen bedeutenden Gehalt an Gerbsäure besitzt und auch in der That ähnliche Wirkungen hervorbringt wie diese. Außerdem dürften aber noch andere, bisher unbekannte Giftstoffe in der Euphorbia stecken. Es muß jedenfalls darauf geachtet werden, dieses Gewächs vom $anbe der Gewässer fernzuhalten, um einer gelegentlichen Vergiftung von Fischen vorzubeugen. Die Giftwirkung, die so stark ist, daß eine Lösung von 20 Prozent des Extrakts einen großen Fisch schon in fünf Minuten tödtet, beruht darauf, daß sich die 5Nemen des Fisches entzünden, wodurch eine Erstickung herbeigeführt wird. e r v o t e n e r H u t s ch m u ck. Die Mitglieder der Audubon-Gesell. schaft von Illinois haben Schritte gethan, um den Verkauf von Vögeln und Gefieder zum Schmuck von Damenhüten zu unterdrücken, und haben unte Hinweisung auf das bestehende Gesetz allen Putzmacherinnen und Händlern in Putzwaaren in Chicago eine ernstliche Verwarnung zugehen lassen. Das Gesetz verbietet das Tödten odei Fangen aller Vögel, mit Ausnahme von jagdbaren Vögeln, Sperlingen, Krähen, Dohlen und Hül,nerhaoichten. gcfccrthlidtc WtmütlziglLeit. Wie. bei den schlechten Zeiten trinkst Du Champagner?" Ja. soll vielleicht de: arme Wirth drunter leiden, wenn ich kein Geld habe?" , Soslzaft. Frau: Der arme Molli scheint krank zu sein; er frißt nicht und läßt den Kopf hängen!" M a n n : Nrnr, vielleicht will er a u ch mit in's Bad!" Naiv. Frau A. (mit Frau V. im Zcologischen Garten): Sehen Sie 'mal, was für herrliche Federn der Strauß da hat?" F r a u B.: Ob die wohl e ch t sind'?" Nol'rl. Kellner, zahlen! Ich habe drei Flaschen Wein!" Entschuldigen, Sie haben blos eine Flasche!" Das geht Sie nichts an! Ich bin gewöhnt, drei Flaschen zu zahlen!" Sittlicizo (Cntrültmtrt. & J'fN &t.3 ÖW5 'Ä ci 11 fc Dichter: Müssen vorbeigehen, ich habe selbst nichts!" B eitler: Ja, warum arbeiten Sie denn nicht?" Frurirfelzlerteufel. (Aus einem Lokalbericht.) Bei dem gestrigen Treibjagen hatte sich der Herr Oberförster leider eine starke Erkältung zugezogen und log in Folge dessen einige Tage im Bett.
"Ywf
lZ
JKZ '
0mm9Qm Seder weiß es. i jE i Das beste und populärste Heilmittel In diesem Lande, besonders bekannt an ter den Deutschen, für die sichere und schnelle Heilung von ' Erkältungen, Hüften, Asthma, Vronchitiö, Influenza und ähnliche Leiden ist unbedingt der berühmte ....
A?.AMLbK tfj raini HambnrgcrBrustthce moo The Ernhardt . 16191021 Süd Cast Str. Sample Noom, Sommcrgartcn und Kegelbahnen. Feiner Lunch den ganzen Tag. Vollständig nene Sinrichtuna. neue Kka,lbalinea und kübler schattiger Sommrrgalten. Schone Klub junnre iur .'eriammiungszweae undllnterhaltungen fW Die Garfield Park Ear hält direkt lor der Thür an. John VmKakdt, Sr., 1 4. .,., Lyas 2. ?mar,. jgenthümer. Wirthschats-Uebernahme. Meinen freunden und Bekannten zur Nachricht dafj ich die bisher von Frank Ctratmann in 210 und 21t Oft Waball, Ztt. geführte Wirthschaft käuflich übernommen lzade unz Jedermann zum Besuch freundlichst einlade. Fred. Naseman. Zu verittiethen : Zimmer im Majestic :: Gebaeude zu rcduzirtcn Preisen. DaS feinste Office-Gebäude in der Stadt LoUständig feuerstcher. Schnelle Fahrstühle und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei Llroor & Appel, Agenten, r die Andianaroli? p Minnie Willharm. ?r5). Mary Vahoney. Crlr Arbeit ersten NangeS m der' MM :: C0-0PERATIYE :: LAÜNDRI No. 232-233 Virginia Ave. John Ktte. Telephone: SeschäftSführer. XU und Neu l65. Große Auswahl von Aug. Diener, No. 449 Ost Washington Str. cue Telephon 252. Chas. . Schott, ...Plmnvcr... und Händler in den Cleveland Faucet Co's. Bier-Pnmpen. 10 West Naryland Str. " Telephon. Neu. 2231. NeueL Telephon 2834. Indianapolis. Dr. L. A. 'Greiner, empfleblisich für die Verpflegung kranler Thiere. tW Kranke Plerde werden entaegkngenommkn und erhallen bessere Abwartung als m ihrer eigenen Stallung. 18 bis 24 Süd Ost Straße. Telephon 903. . Wohnung 1798. Philip Zapf, Wirthschaft und ) Restaurant. 42 Virginia Avcnue. OmnA tnnliii Virttt 11 -OT. RrtrnttA2 VHIIU tuyuuf Vfcll ii.uv .'kmiU() ) b:S 2 Nachmittags. Auster Stcw 15 c. Nohe Austern .10c, Furnaces, Eisen- und Blcch-Arbcitell. Joseph Gardner. 3741 Kcnwcky Aren?. Telephon 322. Blecharbeitcn aller Arten an neuen Häusern bestens ausgeführt. Hnsschlnkd. W. W. Knight, 108 Virginia Avenue und Ost Maryland Ct. NeueS Tel. 4525
""A I ' - 2! F
