Indiana Tribüne, Volume 25, Number 262, Indianapolis, Marion County, 26 June 1902 — Page 7

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I TU cnn du mich RcGJI. tloxan von Georg TjJrtictg (Crnrnn. Tiocfptl.) 'zsze (Fortsetzung.) Die kleine Vikomtesse aber stürzte der Baronin um den Hals und rief: Sense nur, Tante Tina, denke!" Ich sehe!" rief Frau v. Lüttmig, die Annehmlichkeiten dieser Verbindung im Fluge ermessend, während sie Marie Antonie mit Küssen überhäufte. Aber, theures Kind! Mich, so zu täuschen, mich. Deine mütterliche Freundin! Diese Rührung lieber Graf Neffelieber Vetter" Trachberg begnügte sich, ihre Rechte leicht an seine Lippen zu heben. Anders Herr v. Debellaire, welcher ihr nunmehr den Bankierssohn groß müthig verzieh. Ihnen, liebe Kousme. danken wir allein diese frohe Stunde sagte er. Den Umständen Rechnung zu ira gen fügte Trachberg hinzu, Marie Antoniens Arm in den seinen legend, bitten wir, Ihre Güte noch weiter ausdehnen zu wollen und vorläufig Schweigen zu bewahren, bis Seine Königliche Hoheit" Selbstverständlich! Selbstverständlich! Aber Betty und ihrem Mann darf ich es doch gewiß mittheilen?" Gewiß! Bedürfte das wirklich der Frage?" Was wird Betty sagen! Was wird Betty sagen!" jubelte Marie Antonie fast ausgelassen. Daß wir einen Namen tragen werden! Wie ich mich freue, sie jetzt wiederzusehen!" Der Graf sagte nichts. Er empfand ein unbehagliches Vorgefühl. Dem Gabelfrühstück, welchem die Baronin jnxi außerordentlicher Liebenswürdigkeit vrästdirte, gewann sie allein nicht den mindesten Geschmack ab. Sie ' saß wie auf Kohlen, brennend vor Verlangen, ihrer Tochter die verblüffende Neuigkeitzuzutragen. KaumdaßTrachberg sich empfohlen hatte, als sie sich gleichfalls von Vater und Tochter verabschiedet?, um zum Hause ihrer Tochter zu eilen. Betty war zu Hause, noch nicht lange von einer Ausfahrt zurückgekehrt. Gottlob! Ohne die Gegenwart des Dieners zu beachten, stürzte Frau v. Lüttmig diesein voran und wie eine Bombe in den blauen Salon der Gräfin, wo dieselbe im Sessel vor dem Kaminfeuer die einzuleitende Scheidung von ihrem Gatten sich im Geiste klar legtet V:tty!" rief die Varomn, in naturgemäßer Athemnoth zunächst stillstehend. Betin, denke" Was ist?" fragte Betty, erschreckt aufspringend. Was Du nicht ahnst, woran kein Mensch gedacht hat. Ich auch mcht. Immer die alte Geschichte, daß etwas passtrt, woran man nicht im geringsten denkt. Ich sage Dir, mir sitzt die Ueberraschung noch in allen Gliedern, sehe ich V!arie Antonie, das arme Personchen, die für's Altjungfernstift schon reif war was meinst Du? Verlobt!" Verlobt?" wiederholte die junge Frau, ihre Stirn in düstere Falten ziehend. Wer? Marie Antonie?" Wer denn sonst? Natürlich! Aber mit wem? Rathe nicht erst. Mit Max!" Die Gräfin, bei dem letzten Wort nach ihrer Brust greifend, brach in ein schrilles Lachen aus, welches ihrer Mut ter Freude mißtönig durchgellte. Na, was ist denn? Was lachst Du schon wieder? Denkst Du etwa, es sei Scherz? Ich komme hierher g'ejagt " Willst Du Dank?", preßte die junge Frau mühsam zwischen den erbleichten Lippen hervor. Für diese Nachricht willst Du Dank?" Die Baronin, an einen Eifersuchtsausbruch gegen die zukünftige Erlaucht und Majoratsherrin glaubend, ließ sich erschöpft und verdrießlich in einen Sessel fallen. Ich will gar nichts Du solltest es nur wissen!" Das also ist das Ende vom Liede!" murmelte die Gräfin, ihre kalten Finger gegen die heiße Schläfe drückend. Meine Ahnung meine Ahnung!" Ein ungeheurer Schmerz, wie ein Messerschnitt durch zuckendes Fleisch, ging ihr durch's Herz. In Worte ließ sichdieses Leid nicht fassen, in Thränen nicht lindern. Nur zu rächen war's. Aber dazu gebrach's ihr .jetzt an Kraft. Sie hatte ein Ohnmachtsgefühl, mit einem erstickten Schrei sank sie in den Sessel. .Ich weiß nicht- Betty, wie Du Dich bei allem anstellst," sagte die Baronin ärgerlich. Immer gleich ein Hallo und eine Szene. Man möchte am liebsten kein Wort mehr zu Dir relen." Dieses Geschöpf sein Weib," murmelte die junge Frau, empfindungslos gegen alles, was sie umgab, und preßte beide Hände qegen den Mund, die verrätherischen Laute zu ersticken. Sie dieses Narren Tochter l O Du weise. Du liebreiche Mutter!" , Ihr Hohnlachen wandelte sich in bitteren Zorn, während sie auf die ungeduldiae Baronin zuschritt. Du bist die Ursache, Du allein. Gewarnt wolltest Du mcht werden. Ver ständniß für Andere hast Du niazt. sonst"- ihre Lippen begannen m Schmerz zu zucken, sonst hättest Du dieses Mädchen, wie ich Dich inbrünstig bat, aus dem Hause gescyasst.Du bist verdreht. Betty! Wahrhas

tia Du biit oam verdrebt! Wenn Du

Dich 'selbst m Max verliebt hättest, toller könntest Du Dich nicht anstellen'

Betty war leichenblaß geworden bei diesen Worten und biß die Zähne aufeinander. , Was willst Du eigentlich?" fuhr Frau v. Lüttmig fort. Nachdem Du Dich jahrelang um nichts gekümmert hast, während Du mit Fug und Recht die Herrin in Holdenberg hattest spielen können, fängst Du plötzlich an, einer Anderen den Platz zu neiden. Daß Max eines schönen Tages heirathen mußte, wußtest Du ta wohl. Höheren Ortes wurde es längst gewünscht. Nun also! Da sei doch froh, daß er statt der Fürstin Luise, deren Hochmuth zuweilen unerträglich wird und Dich wahrscheinlich am ersten verletzt haben würde, dies harmlose kleine Mädchen nach Holdenberq bringt, das uns zederzelt emen reichen Tribut an Dankbarkeit und Ergebenheit zollen wird. Angenehmeres, konnte uns ja gar nicht passiren. Wir werden unsere volle Rechnung dabei finden. " Du auch aerade Du. Wenn Du nur wolltest, könntest Du auf Max einen eminenten Emfluß ausüben, denn wenn er jetzt auch in das niedliche Ding verliebt ist, geistig wird sie ihm nie genügen." ! Die Brust der lunqen Frau, von tausend Nadelstichen bei dieser praktischen Auseinandersetzung durchbohrt. war wie zusammengeschnürt. Zorn, Schmerz. Liebe. Haß alles hatte sie dort hineingedrängt zu einer Jährenden Masse, die ihr das Herz unter der schillernden Seide sprengen wollte. Tu hast recht," sagte sie mit unheimlicher Ruhe. Es mag besser so sein. Ganz gut so. Ganz gut!" .Na. siehst Du, Bettychen!" meinte Frau v. Lüttmig erfreut und ohne das geringste Verständniß für die ungeheure Kluft, welche zwischen diesen mechanischen Worten und der ringenden Wahrheit lag, nun bist Du wieder vernünftig. Erst muß man Deine armen Nerven austoben lassen, nachher bist Du die Allerbeste. Grüße Deinen Mann." '.Er ist ini Klub, und ich bin todtmüde." ' N Man sieht's Dir an. Du solltest nie Champagner trinken. Er geht Dir in's Gehirn. Leg -Dich nieder. Ich will jetzt nach Hause gehen und versuchen, etwas mehr aus Marie Antonie herauszubringen. Sie ist aus Rand und Band vor lauter Glückseligkeit." Sie küßte ihre Tochter auf die Stirn. nickte ihr an der Thür noch einmal freundlich zu und verschwand. , Lautlos blieb's im Gemach nach ihrem Fortganq. Nur das Pendel der Kaminuhr schwang sich eintönig tickend hin und her. Die junge. Frau hatte das fiebernde Antlitz in beide Hände gedrückt. So stand sie lange lange. Zuweilen, wenn draußen der Wind in kläglichen Lauten aufächzte, ging ein Beden durch ihren Leib. ,Sie glaubte ihre eigene Stimme erkannt zu haben. oie verratherisch der Welt das elende Geheimniß ihrer Liebe preisgab. . Als das Schlagwerk der Uhr durch das brütende Schweigen schrillte, kam Leben m die zunge Frau zurück. Sie ho!) die Lider. Aber magnetisch angezogen von ihrer unseligsten und seligsten Erinnerung, mußte sie auf jene Stelle des Zimmers starren, wo sie Maximilian ihre heischende Liebe verrathen, wo er dieses Sehnen mit seine? Leidenschaft durchdrang auf jene Stelle, wo sie mit ihrem Stolze und ihrer Selbstachtung so klaglich Schiffbruch erlitten, daß nicht Macht noch Zeit, nicht Reue noch Scham den Verlust ausgleichen konnten. Wie von ihrem finsteren Schicksal aehetzt, stürzte sie zur Glocke. Der Wagen soll vorfahren. Sofort!" Sie spürte nicht, daß die Kammerfrau ihre leichtbekleideten Glieder warm umhüllte, noch daß ihre Seidenschleppe so sch?oer über den Plüschtcppich hinwegglitt, als wollte dieselbe sie von dieser Fahrt zurückhalten. Palais Trachberg!" Er war dort zu finden, sie wußte es. Die Thür schlug zu, die Pferde zogen an. ' Graf Maximilian war, einer bindenden Einladung halber, früher von Marie Antoniens Seite gegangen, als sonst wohl geschehen wäre. Doch war's ihm lieb, als er sich wieder allein befand. Ein Gefühl der Unzufriedenheit hatte ihn erfaßt angesichts des Frohlockens seiner Verlobten. Er war sich zu deutlich bewußt, daß von einer selbstlosen Liebe seinerseits nicht die Rede sein konnte, aber es hatte heute doch Momente gegeben, wo ihm ein Antheil an Marie Antoniens strahlender Glückseligkeit' wllnschenswerth erschienen war. . In der Einsamkeit belächelte er das romantische Gelüst, während seine Feder flüchtig über das Papier glitt, den Justizrath zu einem Frühbesuche anderen Tages aufzufordern. Hinter seinem Rücken ward das Knistern eines Frauengewandes laut. Hastig wandte er den Kopf zur Seite.' Das Zimmer war taghell beleuchtet, und tayhell beleuchtet stand darin die so sonderbar lächelnde Frau, deren Antlitz weißer war als die Perlenschnur an ihrem Halse. Betty!" Er war aufgesprungen. Mit er zwungener Ruhe ging er ihr entgegen. Wenn ich geahnt hatte Sie schnitt ihm das Wort durch eine schroffe Handbewegung ab. . Außerordentliche Dinge, verlangen außerordentliche Maßregeln," sagte sie mit so rauher Stimme, , daß Trachberq peinlich davon berührt war. Sie riß den Mantelhaken auf, sonst wäre fie er

'stickt, und schleuderte Mantel und

Schleiertuch zur Seite. Ich komme, Ihnen Glück zu wünschen " Sagte ich's nicht?" fiel er mit schonender Ruhe ein. Sie haben nicht das geringste Mitleid mit mir. Sie wollen mir eine schöne Erinnerung nicht gönnen. Mit aller Kraft arbeiten Sie dahin, sie in uns zu zerstören." Sie heftete schweigend, des Sprechens unfähig, ihre Auge auf ihn. Er trat vollends zu ihr. Leise und einschmeichelnd sprach er: Wenn eine Rose am Strauch blüht und der Wind weht darüber, so muß sie ihm von ihrem Dufte schenken, ob. sie will oder nicht. Und wenn er weiter zieht was hat sie eingebüßt von ihrer Pracht? Und wenn er nicht bei ihr verweilen kann, was hat er verschuldet?" Sie fühlte das Rieseln der wieder erwachenden Leidenschaft durch ihre Adern rinnen.. Man hat mir soeben eine Botschaft gebracht " Und Sie haben mcht daran gedacht. daß ich that, was ich thun mußte?" ..Mutzte?" stiev sie gepreßt hervor. Auch Ihretwegen " suhr er mit leiser Härte des Tones fort, welche jede andere als diese krankhaft gereizte Frau von weiteren Auseinandersetzungen abgehalten haben wurde. Wenn Sie es nur einsehen wollten." Wenn ich's will" flüsterte sie zu sich selbst. .Wenn ich kann." Wir müssen es Beide können. Mir bleibt keine andere Wahl, im Sinne meines Vaters und des Familiengesetzeszu handeln. Ich kann seinen Wunsch nicht umstoßen, mich vor dem vollendeten achtunddreißigsten Lebensjähr vermählt zu haben." Sie lugen!" rief die zunge Frau leidenschaftlich. Dann ihre Hände incinanderpressend, suhr sie kaum verständlich fort. Sie lüaen! Bis jetzt hat dieser Wunsch in Ihrem Leben nichts gegolten. Warum jetzt auf einmal? Warum? Warum?" Weil ich' eine Gefahr damit beseitigen will." Ist's möglich?" fuhr sie fort ohne den Einwurf zu beachten. Ist's wahr? Diese lachende Puppe wollen Sie zu Ihrem Weibe machen?" Aus ver scymerzenoen Titte iyrer Brust stiegen allmälig wärmere und wärmere Tone, liine . Stufenleiter widerstandslos entfesselter Leidenschaft. Um ihretwillen wollen Sie mich der schmachvollsten Demüthigung preisgeben? Um dieses Kindes willen, das nicht weiß, was es gibt nicht ahnt, was es empfängt? Eine solche Thörin wollen Sie an sich fesseln tntt Stunde und mir zum-öobn: wollen sie neben pcy i)txt ren Durch vaö lange räthselvolle Leben, das der Abgründe so viel und der Wegweiser so wenige hat? Und weshalb gerade sie? Hat das bischen Anbetung das kümmerlich fla-. aernde Flammchen Ihrer Gegenneigung so heftig entzündet? Solch' ein Wunder wäre an Ihren bisherigen Anschauungen geschehen? Nein! Nein! Lieben können Sie diese Puppe nicht oder ich mußte mir den Kopf zerschmettern vor Scham und Sie verachten. Was wollen Sie an ihr lieben, wenn das bischen Anreiz verflogen ist und die leere Wahrheit traurig zu Tage tritt?" Seien Sie schonend gegen mich warf er finster und befehlend ein. Haben Sie ihr etwa gesagt, daß Sie sie liebten?" rief die junge Frau mit bitterem Höhne. Und nicht auch 'zugleich, daß es ein anderes, höher organisirtes Weib gibt, dem' Leben und Sterben, alles in und außer der Welt gleich ist, wenn " Er unterbrach sie heftig. Wenn Sie an mich nicht denken wollen, so denlen Sie an sich selbst. Ihrem Dränge zur Selbstqual könnte diese Stunde unerträglich werden." Mir kann nichts mehr unerträglich werden!" flüsterte sie, seine Hand, welche nach der ihrigen griff, umspannend. Wenn mir der Gedanke aufsteigt, daß alles, was Sie jetzt thun und sagen,' nur einen Zweck verfolgt, den, mich bei Seite zu drängen " Und wenn's in gutem Sinne so wcrre?" fragte er, ihre Finger an seine Lippen drückend. Wenn mir kein anderes Mittel gegeben wäre, einen Knoten zu durchhauen, der nicht zu lösen ist?" Sie richtete ihre Augen voll flammender Zärtlichkeit auf ihn. Ich habe sie überwunden, die feige Scheu, das erbärmliche Mitleid, das sich von Herzblut nährt. Du nicht Eduard ist der Dieb. Mich Wahnbcthörte hat er bestöhlen. Ich nehme mein Eigenthum zurück und schenke es Dir. dem es von jeher zugehörte.. Alles, alles werfe ich hinter mich und behalte nichts als die Seligkeit jener Stunde, wo ich Dir endlich war, was Du mir immer, immer warst." Sie hatte seine Hand emporgehoben und an ihr fieberndes Hz gepreßt. Ihre wundervolle Schönheit, von taumelnder Leidenschaft, dämonisch durchglüht, zwang Trachberg einen Blick der Bewunderung ab. ' Er küßte beschwörend ihre kalten Finger, welche nicht aufhörten, die seinen zu umklammern. Betty Betty! Wozu lassen Sie sich von Ihrer Phantasie verleiten!" Nein," hauchte sie mit versagender Stimme, feint Phantasie, es ist Wahrheit. Wirklichkeit Du kannst die Liebe zu Dir mir nicht aus dem Herzen reißen. Abschütteln kannst Du sie nicht um eines papiernen Wunsches halber, noch um den Besitz eines plappernden Kindes. Denke," fuhr sie mitglühend anwachsender Leidenschaft jfort, Du seiest von Deiner Höhe herabgestürzt in Armuth und Noth! Verachtet seiest Du

und verstotzen. Und wenn itcn aue

verließen, ich bliebe bei Dir! Mit die-, scn Händen schaffte ich für Dich, mit meinem Leben schützte ich Dich vor Gefahr! Ein kurzes Glück mit Dir" Sie hatte, von ihren eigenen Worten berauscht, ohne Thränen laut aufgeschluchzt. Jetzt stürzte sie ihm an die. Brust. Er fühlte die klägliche Rolle, die sie ihm erbarmungslos aufdrang, mit Unwillen. Aber machtlos stand er der elementaren Größe dieser Empfindung gegenüber; sie erfüllte ihn mit Unbehagen. statt mit Wonne. Am wenigsten hielt sie einen Vergleich mit Marie Antoniens anspruchloser Hingabe aus. Und wenn," sagte er, ein Gefühl, zehn Mal stärker als das Ihrige, mich zu Ihnen zöge angesichts dessen, was zerstört werden müßte, angesichts der Zuneigung, die ich Eduard schulde" Du hast kein Herz!" fiel sie ihm bebend in's Wort. Du hast kein Herz! Wie sprächst Du sonst von ihm! Du willst mich nicht begreifen, Du ringst Dich los. Sei offen!" Sie war farblos geworden im Gesicht, ihre Lippen weiß. Unaussprechliche Angst sprach aus ihren Zügen. Du hast recht," fuhr sie leise fort. Das Beste Ist in mir getödtet. Nach dieser Stunde kannst Du mich vollends verachten. Mit Deinem lachenden Weibe zusammen verhöhne mich! Aber hüte Dich! Wenn Du kein Mitleid fühlst für mich J sie preßte ihre Hände gegen die Brust es ist ein Etwas in mir" Wenn Sie es wollten," unterbrach er sie mit weicher Stimme, obwohl fest entschlossen, diese Fessel jetzt endgiltig abzustreifen, und völlig gleichgiltig gegen Drohungen einer exaltirten Frau .Betty, wenn Sie es wollten, Sie sollten bis zum Tode keinen treueren Freund haben als mich, den nur Ihre erregte Phantasie begehrenswerth erscheinen läßt." Sie schüttelte den Kopf. Die sinsieren Mächte, denen sie sich verfallen fühlte, gössen ihr fressendes Gift durch die Adern. .Du weißt nicht, was in mir ist." flüsterte sie mit athemloser Angst, .wohin Du mich drängst. O, vor diesem Absturz halte mich zurück. Du kannst es! Brich Dein Verlöbniß ich will nichts mehr. Aber mach nicht, daß ich aufjauchze, wenn Du leidest! So tief laß mich mcht stnken, daß ich mir von Deinem Weibe diese Stunde hundertfach bezahlen lasse. Rette in mir, was noch zu retten ist!" Sie war zu fernen ffußen nieberfic funken, und preßte ihre fiebernde Stirn gegen seine Kniee. E: ward von dieser Bewegung so überrascht, daß er erschreckt zurücktrat. Gleich darauf beugte er sich hastig nieder, sie emporzuheben. Ich habe Nichts von beidem verdient,", sagte er vorwurfsvoll, ..nicht Haß nnch Liebe. Aber wenn ich geahnt hätte, daß jener Augenblick des Selbstvergessens sich so maßlos an mir rächen würde " Sie sprang auf. Ein böses Lachen kam über ihre Lippen. An Dir? Du Egoist? An Dir? Vielleicht nicht auch an mir?" Sie lachte immer heller und preßte beide Hände auf das wild schlagende Herz. Habei gewann ihre Stimme immer größere Schärfe. Statt dieses närrischen Dinges hier. das mich zu Tode hetzen möchte, tragen' Sie einen Feuerstein in der Brust. Wer's versteht, kann ihm ein Fünkchen ablocken. Ich habe das Kunststück auch zu Stande gebracht jetzt versucht es Fräulein v. Debellaire. Ich wünsche ihr viel Glück hierzu, genau dasselbe Glück, welches ich erfuhr." Sie mußte, um den Schmerz zu bemeistern, welcher ihr fast das Gehirn zerriß, einen Moment die Augen schlie-, ßen. Dann raffte sie sich langsam und mit Würde auf. Wjr sind nun fertig. Mein Geschäft hier ist zu Ende." Wollen Sie mich wirklich mit diesem Abschied strafen?" fragte Graf Maximilian. Sie blieb stehen. Ein seltsames Gefühl der Vereisung legte sich über die wühlende Gluth ihres Innern, als ob eine Steinplatte auf noch zuckendes Leben fänke. Der Athem wollte ihr davon ausgehen. Als Feinde scheiden wir?" fragte er noch einmal, das Gefühl der Erlelchterung, welches ihr Fortgehen ihm bereitete, durchaus verbergend hinter einem Ton warmer Theilnahme. Wollen Sie mich nicht versuchen lassen, durch dauernde Ergebenheit den Stachel aus der Wunde zu nehmen?" Ziehen Sie die Glocke!" versetzte sie, der Worte nicht achtend. .3ch begleite Sie," sagte Trachberg. Sie winkte dem Diener, ihr Mantel und Tuch umzulegen. Bleiben Sie!" Er hütete sich, an dieser Selbstbeherrschung zu rütteln. Bis zur Thür r .1, v r - . :t lazrm er neoen 191, oann jcp er ir nach, bis das Spitzengekräusel ihrer Schleppe 'verschwunden war. Aufathmend . kehrte er an seinen Schreibtisch zurück. (Fortsetzung folgt.) Vorgebeugt. Gatte: Ach, liebe Frau, gieb mir meinen Sonntagsanzug heraus!" Gattin: Aber wozu denn, lie5er Mann, es ist doch heut erst Sonnabend?" Gatte: .Ja, aber ich bin bei einem Bekannten zum Abendessen eingeladen, und ehe ich nach Hause komme, wird .es wohl Sonntag werden!

Der dentsche Trinktenfel." Angesichts der Rede, welche unlängst der preußische Landtagsabgeordnete Graf Douglas gegen den Alkoholismus in Deutschland hielt, sei daran erinnert, daß Erörterungen hierüber in der alten Heimath schon sehr alten Datums sind. Seitdem in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts der Weinschwelg" und die Wiener Meerfahrt" rom Wein gesungen und die realistische Darstellung wüster Gelage versucht hatten, war allmälig eine weitverbreitete satirische Trinkliteratur emporekommen, an der stch noch die Epigonen der höfischen Dichtung betheiligten, die Sebastian Brant und Thomas Murner in ihre Kreise zog, dann einen gewaltigen Aufschwung nahm und in Fischarts groteske? Trunkenlitanei" im Gargantua ihren Höhepunkt erreichte. Eine der witzigsten Schriften der ganzen Trinkliteratur war des Freiherrn v. Schwarzenberg Büchlein wider die Zutrinker." Die Schrift erschien im Jahre 1512 und wurde ein Lieblingsbuch des Kaisers Maximilian. Luther meinte: Es muß aber ein jeglich Land seinen eigenen Teufel haben. Unser deutscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein und 'muß Sauff hci-

ßen." Und als die protestantischen Prediger des mittleren und nördlichen Deutschlands, durch Luthers Teufelslehre angeregt, sich im Kampfe gegen das Böse dämonische Personifikationen der Laster und Thorheiten ihrer Zeit schufen und die so entstandenen Svezialteufel zu den Titelhelden ihrer satirisch-didaktischen Büchlein machten, marschirte an der Spitze dieser infernalischen Gesellschaft der Saufftcufel." den der Pfarrer Mattheus Friederich zu Schönberg in Schlesien im Jahre 1551 herausgab. Also hat Teutschland," schreibt er, vor andern Ländern sonderlich ye vnd ye den Sauffteuffel gehabt, der vns teutschen tag vnd nacht zum Saunen treybet vnd vns keine ruhe leßt, wir seind denn voll vnd toll. Wenn die Deutschen das Saufen ließen, so sollten sie es mit Verstand! und Witz: vielen andern Nationen zuvor thun. liine ergötzliche Schilderung gibt Friedericü von der Zerstörung, welche die Trunksucht an unserer Gesundheit anrichtet, und besonders heftig wendet er sich, wie alle ferne Zeltge nossen, gegen das Laster des Zutrinkens," des halb und gantz sauffens." Friedrich war sicher ein strenger Gegner der Trunksucht, aber er schilderte, wie die meisten seiner Mitkämpfer, den Rausch und seine Folgen nicht ohne ein gewisses Behagen. Er erzählt selbst mit köstlicher Naivetät, er halte sich zu einem Angriff auf den Saufteufel besonders geeignet, als der ich vorzeiten jm auch gedienet und unter seinem Fehnlin (als ich hofse, zu seinem großen schaden) gelegen bin." Er schneidet so seiner im späteren Alter geschriebenen Predigt von der Verwerflichkeit-des Trinkens selbst einen Theil ihrer Wirkung ab. Die erwähnte Schwarzenberg'sche Schrift .Büchlein 'wider die Zutrinker" fügte Friederich seinem .Sauffteufel" bei, der sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf dem Püchermarkt hielt, immer neue Auflagen, zahlreiche Nachahmungen erlebte und noch im Jahre 1654 in's Schwedische übersetzt wurde. Von keinem Geringeren endlich als Bismarck stammt der Ausdruck .Trinkteufel, dieser Diabolus gcrrnanicus." GegenseitigeBeschLtzung von S ch w a l b e n. In Tirol herrschte unlängst wochenlang andauernd kaltes regnerisches Wetter, wobei man eine interessante Erscheinung aus der Vogelwelt zu beobachten Gelegenheit fand. In einem etwa 80 Quadratfuß großen geschlossenen Raume in Schwaz, der sich mit einer Thür nach dem Hofe öffnet, durch eine andere aber minder Küche eines Gärtners in Verbindung sieht und von dorther etwas Wärme empfängt, versammelten sich, um .sick vor der Kälte jvt schützen, jeden Abend 300 bis 400 Schwalben, die auf dort, eigens anaebrachten Stangen dichtgedrängt, sogar aus einander sitzend, übernachteten. Gegen acht Uhr Abends, wenn die letzten schwalben angekommen waren. wurde die Hofthür geschlossen und in der Frühe zwischen fünf und sechs Uhr ward sie wieder geöffnet, worauf die Schwalben, um Nahrung zu suchen, hauptsächlich über den Jnn abflogen. Der erwähnte Raum wurde sonst nur von drei hart nistenden Paaren besucht. Äcan beobachtete aber nun, wie sie zn dere Schwalben mitbrachten, diese, nachdem sie den warmen Ort verlassen hatten, bald mit neuen Gasten zurück kehrten, so daß der Gärtner immer wie der neue Staicaen als Sitz- und Schlafplätze anbringen mußte. Ein-Riesenbankett in Abessynien. Zur Feier des 6. Jahrestages der Schlacht von Adua, in welcher die Abessyrner den Italienern eine so schwere Niederlage bereiteten, wurde unlängst in Abessynien ein großartiges Bankett veranstaltet. Nach einer Pilgerfahrt zur alten Hauptstadt Antotto begab sich der Kaiser Menelik auf einen ungeheueren eingefriedeten Platz, der zur Aufnahme von zahllosen Gästen hergerichtet und mit reichen Prunk stücken von Dschemar behängen worden war. Auf dem kaiserlichen Zelt im Hintergrunde war die grün-roth-gelbe Natlonalfahne gehißt.. Mehr als 100.000 Krieaer mit den versckiedenen äthiopischen Ras (Fürsten) nahmen an v rni.r t. it ozm nicken-Heuznaoie igcu.

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