Indiana Tribüne, Volume 25, Number 260, Indianapolis, Marion County, 24 June 1902 — Page 7

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kfeAjA I Wenn du mich liebst. 5 Vomsn von Georg 1yrtmig ((5mmy T Koeppet) x

(Fortsetzung.) Sprechen Sie uns frei, so ist nichts geschehen," versetzte er lächelnd. Einer fchönen Seifenblase darf man nachsehen. Angreifen darf man sie nicht; sie vergeht von selbst. Es weht manchmal ein Wohlgeruch unerwartet durch die Luft. Man athmet ihn, aber zerlegen kann man ihn nicht, festhalten auch nicht. Der Spießbürgergeist nimmt gern alles zu Protokoll, der freie Geist schwingt sich " Er konnte nicht vollenden. Sie preßte ihre Hand auf seinen Arm. Ich weih nicht, ob's Ihr Ernst ist. ob's Scherz ist. Das aber weiß ich, Sie können mein Herz nicht für ein Spielwerk halten, das hin und her geschaukelt werden darf. Es hat die Riesenkraft besessen, Sie zu täuschen Sie und Eduard! Was bleibt ihm, nun es diese Kraft verlor?" Sie lachte bitter und unsäalich traurig. Doch nicht etwa die Freude an einer Seifenblase?" Eduard kommt!" sagte er rasch. Mit scharfem Flüstern fügte er hinzu: Ich stehle kein Glück. Und Sie sind nicht die Frau, es mich stehlen zu lassen." Sie athmete auf. Nicht stehlen! O wie recht hatte er. Frei erkämpfen vor aller Welt, das war das richtige! Wir sprechen noch darüber," flüsterte sie lächelnd. Vergeben Sie mir den Irrthum. Er schnitt in mein eigenes Herz. Ich bleibe noch. Eduard!" 6. Kapitel. Marie Antonie stand am Fenster und blickte hinaus in das Schneegestöber, während im angrenzenden Salon Frau v. Lüttmig die letzte Hand an ihren Weihnachtsaufbau legte, denn es war Heiligabend. Nicht froh und in Ungeduld wie sonst schlug hute Marie Antoniens Herz. Mehr als ein Wehmuthstropfen verdarb ihr die Kinderfreude. Paket und Brief waren pünktlich an den Vikomte gesandt, aber die Vorstellung, wie jetzt der einsame Mann beim Lampenlicht die Schnüre löste, füllte der kleinen VikomtesseAugen mit Thränen. Warum hatte sie auch nicht alles bier im Stich gelassen und war zu ihrem herzlieben Papa geeilt? Wie hieß der Magnet, der stärker wirkie als ihre Kindesliebe? Die hellen Tropfen, welche über ihre Wangen rollten, galten sie nur dem Vaterhause, oder mischte sich ein anderes wundersames Gefühl darein, beängstigend zwar, aber doch so schön, daß Marie Antonir es nicht hätte missen mögen um alles in der Welt? Wieder sah sie in das Schneetreiben hinaus. Jetzt mit heimlicher Freude. Des Gcafen letzte Worte in Holdenberg waren ja gewesen, als er ihre Vorliebe für Schlittenfahrten vernahm: Sorgen Sie nur für den Schnee, so sorge ich sur das Uebnge," hatte er gesagt. Und nun schneite es. Mit ihm und neben ihm dahinzufahren, nein, dahinzusausen über die glitzernde Decke welch ein Entzücken mußte das sein! Ob noch schöner als das Zwiegespräch mit ihm in der stillen, einsamen Bildergallerie des Schlosses? Sie dachte so lange darüber nach, bis es völlig dunkel geworden war. Todtenstille lag nun über den Straßen. Wagenrasseln und Räderrollen erstickte längst im Schnee. Plötzlich kam ihr wieder ein anderer Gedanke. S'.e erinnerte sich lebhaft jenes schrecklichen Momentes, da ie Baronin plötzlich aus dem Zimmer verschwunden war, worin sie sich, Marie Antonie, mit dem Rittmeister v. Kirchstein befand. O, wie sie gezittert hatte vor Aerger m seiner Nähe'. Wie sie sich gefürchtet hatte vor seinem Lächeln! Wie c endlich bei seinem ersten Versuch, sich ) zu nähern und ihr eine Liebeserklärung zu machen, davongelaufen war. quer durch den Salon, wo Frau v. Lüttmig und Bettn Trachberg den Erfolg ihrer Kuppeltünste abwart-' Und dann hatte sie sich esch.nt, o. nie geschämt, ihrem strengen Papa diese häßliche Geschichte zu beichten Die Flurglocke läutete. Irgend ein Besuch mußte anqemeldet worden sein; Marie Antonie hörte die Baronin ne benan ihr stilles Wirken mit einem Ueberraschungsruf unterbrechen. In der That, Frau v. Lüttmig hatte allen Grund, überrascht zu fein, denn der Besucher war der Vikomte v. Debetlaire. Sehr willkommen, lieber Vetter!" rief die Baronin, ihr Unbehagen geschickt verbergend. Wie kann ein Wunfch so stark in die Ferne wirken! Sie gerade wünschte ;cr) mir zu Hilfe. Morgen schon sollte ein Brief an Sie abgehen." Weno dies ein Ueberfall ist." derschte der Vikomte mit vieler Wärme. so verzeihen Sie ihn einem besorgten Vater. Es war mir unmöglich, heute meiner Tochter fern zu sein. Marie Antoniens letzte rieft sind nickt mehr die bedingungslos glücklichen Ergüsse der ersten Wochen. Weshalb? Sie werden mir Aufschluß darüber geben können, Koijsine." Ei," lächelte die Baronin, einmal muß doch auch das Kind aufhören. Zu-

dem wurde von solcher Wandlung hier j

nichts berr.erkt. Nehmen Sie Platz, Vetter! Es handelte sich nämlich in letzter Zeit um Marie Antoniens Zufunft, welche mir wie einer Mutter am Herzen liegt." Der Vikomte verneigte sick. Er iuteressirte sich mehr für das. was fenic Tochter betraf, als für die Gefühle Tante Tinas. Haben Sie die Güte. Kousrne, mich Über etwaige Absichten aufzuklären. Ich werde nicht anstehen, meine Stellung zu dem Gesagten gewienhaft einzunehmen." Die Baronin, infolge ihres mißlungenen Attentates nur noch mehr gcärgert von der Förmlichkeit ihres Gegenüber, begann nun in volltönenden Worten die Vorzüge des Rittmeisters v. ftuchstein auseinanderzusetzen. Sie werden mir zugeben. Vetter." schloß sie ihren glänzenden Vortrag, daß ein Mädchen in Marie Antoniens pekuniärer Lage nicht daraus Ansvruch macycn : kann, neben allen sonstigen guten Gaden auch noch eine Vievesyeiraty zu machen. Es genügt, daß der Betreffende sie liebt. Selbst Prinzessinnen heirathen ohne diese Gewißheit." Sehr wahr. Kousine." sagte der Vikomte, dem schmeichelhaften Vergleich feiner Tochter mit einer Prinzessin diesmal keine Beachtung schenkend. Indessen dieser Herr v. Kirchstein a.ehört dem kleinen Adel an, der eigentlich qar kein Adel ist." Adel ist Adel." widersprach die Ba ronin. ..Außerdem wiederhole ich Jhnen. was ich bereits Marie Antonien an's Herz legte. Ein Rittmeister der Kavallerie ist so gut wie Baron, auch wenn er nur v. Kirchstein heißt. Ja, man erlebt es alle Tage, daß selbst ein bürgerlicher Offizier dieser Waffengattung von der besten Ges-llschaft für gleichberechtigt gehalten wird." Der Vikomte, ohne dieses außerordentliche Zugeständniß zu beachten, fragte ruhig: Der Vater des Herrn v. Kirchstein?" Wurde geadelt," sagte Frau v.Lüttmig etwas verlegen. Mein Gott, Better, Sie thun wirklich, als ob Marie Antonie eine Million hinter sich hätte!" Und die Mutter?" fuhr der Vikomte ungerührt in seinem Examen fort. Darf ich fragen- aus welchem Hause die Mutter des Herrn Rittmeisters stammt?" Die Baronin hüstelte. Dann sagte sie gezwungen lächelnd: Die Mutter sie ist todt war eine geborene Mayer, einziges Kind des reichen Bankiers Mayer." Der Vikomte blickte sie einen Momeni starr an, sie anscheinend auf ihre Zurechnungsfähigkeit prüfend. Dann strich er sich einige Mal über die schwellende Zornesader. Hierauf sagte er beleidigend höflich und zwar in französischer Sprache, die ihm bei tiefen seelischen Erschütterungen über die Lippen zu kommen pflegte: Unendlichen Dank für bre aüiiaen Bemühungen. Madame. Aber meine, wenn auch gering? Hinterlanenschast ermöglicht es dem Fräulein v. Debellaire, in ein Adelsstift einzutreten, woselbst sie niemals aufhören wird, sich unter ihresgleichen zu befinden." Vetter, Sie sind altmodisch! Heutzutage nach dem Ursprung solchen Vermogens unter lolch glänzendem Xtdmantel zu fragen!" rief die Baronin innerlich erbost, äußerlich mitleidig lächelnd. Wir waren, so viel ich weiß, damals übereinaekommen " Madame," fiel der Vikomte in stolzer Haltung ein, Madame, meinr Tochrer ist siebzehn Jahre! Die letzten beiden Debellaire, mein Vater und ich, sind erst in vorgerücktem Lebensalter zur Ehe geschritten. Lieber auf ein früheres Glück in derselben verzichten, als gegen Familientraditionen verstoßen! Madame, selbst wenn es sich in diesem Falle um keinen Stammhalter handelt. und ich Zugeständnisse machen wollte Schwiegertochter der Demoitrne Mayer zu werven, wurde ich mner Tochter nicht zumuthen." Gut, thun Sie, was Sie wollen!" sagte die Baronin, all die schönen Anzüalichkeiten. welche ihr der Vikomte gewissermaßen mit tiefer Verbeugung überreichte, lächelnd einsteckend. Sie sind verantwortlich!" Das bin ich, Madame. Ich bin der letzte Debellaire. das beißt, der letzte eines Geschlechtes, welches unter Hnnlich von Navarra schon zu Felde zog. Muthen Sie mir nicht zu, mit einer solchen Untreue' in's Grab zu steigen." Im Geheimen imponirte diese Anschauungsweise Frau v. Lüttmig. obzwar sie darüber spöttelte. Sie leben, glauben Sie mir, in einer anderen Welt, lieber Vetter!" Mag sein!" erwiderte der Vikomte. nunmehr sich der deutschen Sprache wieder bedienend, aber aus dieser Welt will ich mein einziges Kind nicht verstoßen. Erlauben Sie mir. Ihnen die Hand zu küssen zum Dank für die meiner Tochter erwiesene Güte. Ich werde Marie Antonie mit mir zurücknehmen." Wie?" rief die Baronin erschüttert, denn die ganze Reihe der lebenden Bilder. Liebhabertheater und Kostümfeste. bei denen sie als Tante des Sternes" im Mittelpuntt aller Aufmerksamkeite'.l stand, zog mit Blitzesschnelle an ihrem Geistesauge vorüber. Ta3 werden Sie mir nicht anthun, Vetter! Marie Antonie hat bindende Zusagen gegeben. Sie kann nicht fort." Der Rittmeister v. Kirchstem Mag sich versetzen lassen, wenn cr Lust hat. Hat er keine Lust, mag er hier bleiben. Ein Korb ist weiter kein Unglück."

Mein Vatergefühl ist beunruhigt. Wir ziehen uns zurück." Dann wären Sie also nur gekommen. Marie Antonien und mir das Weihnachtsfest zu verderben!" rief die Baronin erbittert, faßte sich aber sogleich und sagte liebenswürdig: Kein Gedanke. Letter! Das Zimmer meines verstorbenen Mannes wird im Augenblick für Sie hergerichtet sein." Vielen Tank. Kousine. ich nahm schon Wohnung im Gasthof. Auf-drei bis vier Tl2ge kann ich meinen Aufenthalt hier immerhin ausdehnen." Gott sei Tank!" seufzte Tante Tina im Stillen. Zeit gewonnen, alles gewonne: 'Und nun. Vetter." fuhr sie fast liebevoll fort, werde ich Sie unsercr Marie Antonie mit aufbauen auf den Weihnachtstisch. Keine Widerrede! Denken Sie, welch' ein Spaß!" Es läutete abermals. Meine Tochter Betty kommt mit

ihrem Mann!" rief die Baromn, siu) hgstjg unterbrechend. Urnen Mo; mtXit, Vetter!" Sie war schon im Vorzimmer, wo sie die Gräfin mit beiden Händen umfaßte, ohne ein Auge zu haben für deren tiefe Blässe, noch ein Interesse an dem jähen Zusammenzucken derselben. Der alte Debellaire ist mir plötzlich hereingeschneit, er will Marie Antonie fortnehmen. Rede ihm zu, daß er mir diese Blamage nicht macht!" Betty Trachberg sagte nichts. Ihr klang die Botschaft wie. eine Verheißung in den Ohren. Sie konnte ja die Furcht der Eifersucht nicht abschütreln. Diese Nächte! Hin und her g:schleudert zwischen Lust und Leid. Angst und Zuversicht wie ein Wrack im Meer; von süßen Träumen eingewiegt, vom Zweisei aufgeschreckt. Mehr als zehn Mal entschlossen, dem nichtsahnenden Gatten die Wabrkeit au enthüllen, und immer wieder zurückgeschreckt durch die Todesgefahr, in welche dieses Geständniß ihn und den Geliebten stürzte. Als sie des ViZvmtes ansichtig ward, überkain heißes Dankgefühl ihr gepeinigtes Herz. Aber so tief war sie schon von ihrer sittlichen Höhe herabgeglitten. daß kein reines Empfinden mehr in ihr wach werden konnte. Die Hand Herrn v. Debellaires ergreifend, sagte sie, als die Baronin m den Salon zurückgekehrt war. das Anzünden des Christbaumes zu besorgen, mit scharfem Nachdruck und ohne Mitleid mit dem Schmerz, welchen sie ihm verursachte: Sie thun gut daran. Marie Antonie möglichst bald mit sich zu nehmen. Ihr Ruf ist in Gefahr, Schaden zu erleiden. Mama nimmt die Sache mit dem Rittmeister viel zu leicht." Bebend vor Entrüstung und Selbstvorwürfen machte der Vikomte eine Wendung nach der geschlossenen Solon thür, als diese sich öffnete, und der Baronin winkende Hand sich zeigte: Schnell, Vetter, an Ihren Platz! Ich höre Marie Antonie im Gange. Er trat ein. ohne zu sehen, welch' eine Lichtfülle, welch' überreicher Luxus ihn rings umgab. Nur auf jene Stelle fiel sein Auge, welche Frau v. Lüttmig ihm als Marie Antoniens Platz bezeichnete, und wo ein mächtiger Korb auö WJatsfJhanii? sprM rntl (Srrt f TfimtfT v'tiutiiV inii .y v t v n . v t, X füllt mit dem herrlichsten weißen Flieder, zu sehen war. Neben dieser fürstlichen Gabe des Grafen Maximilian stand Herr v. Debellaire klopfenden Herzens, als beim dritten Glockenschall Thür und Vorhang sich öffneten. Die Kinder voran!" rief Eduard Trachberg und schob Marie Antonie vor Betty hin. Geblendet hielt die kleine Vikomtesse einen Momuit die Wimpern gesenkt, dann, aufschauend, stieß sie einen Jutelschrei aus und stürzte, alles um sich her vergessend, in des Vikomte weitgeöffnete Arme. Pzpa! Liebster, bester Vapa!" Ach lomme. Dich zu holen' flüsterte Debellane, einen Kuß auf ihr dunkles Haar drückend. Da schlug es wie ein Blitz in ihren Freudenrausch. Maximilian Trachberg nicht wiedersehen sollen die Thränen stürzten ihr aus den Augen. Keine Rührung!" drohte die Baronin lächelnd. Sehen wir lieber nach, Kindchen, was das Billet enthält, welches Max im Flieder" Sie kam nicht weiter. Marie Antonie hatte den kleinen Umschlag schon geöffnet und las mit glücklichem Lächeln. Der Graf will mich im Schlitten fahren morgen um zwei Uhr!" rief sie, ließ daö Blatt fallen und warf sich von Neuem dem Vikomte an die Brust. Graf Maximilian Trachberg ist das Familienoberhaupt, lieber Vetter!" erläuterte Frau v. Lüttmig. Ich sehe darin eine Auszeichnung für Marie Antonie. die mich und ich glaube, auch Dich. Betty überrascht." Der Vikomte, nach dieser Ankündigung einen würdigen alten Herrn in Gedanken vor sich sehend, hatte nichts an dieser Auszeichnung seiner Tochter auszusetzen, um so weniger, als die Baronin jetzt das Billet an sich nahm und zu Ende las. ..Max bringt noch einen zweiten Schlitten mit der wäre also jetzt für uns Beide. Vetter. Betty und . Edi, Ihr nehmt Euer eigenes Gefährt. Im Forsthause ist Kaffee und Kuchen bestellt. Natürlich fordere ich Max später auf. bei uns den Thee zu nehmen. Mein lieber Vetter, Sie werden die Reise sicher nicht bereuen, sobald Sie die Bekanntschaft dieses Mannes, dieses demnächst erlauchten Mannes, gemacht haben."

xxt L:cy:er oranmen. un o-" dufteten. Ein heimliches Knistern und Raunen glitt durch's Geäst. Marie Antonie, ihre Wangengluth im weißen Flieder kühlend, lauschte ihm. das Herz voll unermessener Wonne. O. Flüge! der langen, langen Winternacht! Sonnenglanz dem kommenden Tage! Und dann ein Stillstehen der Zeit in alle, alle Ewigkeit!

Pünktlich um zwei Uhr Nachmittags tönte Helles Schlittengeläut die Straße heraus. Ueber die glatte Schneebahn, zwischen dem Rauhreifschmuck der Bäume, unterm Licht des sonnenhellen WinterHimmels, hatte Graf Maximilian in seinem Muschelschlitten den Weg von Holdenberg zur Stadt im Fluge zurückgelegt. Er lenkte das schöngeschmückte Js2bellengespann mit eigener Hand, während der Leibjäger hinter ihm ein dichtverhütttes Packet sorgsamst im Arm hielt. Seinem Gefährt folgte ein zweites, vom Kutscher gelenkt. Vor der Wohnung Tante Tinas angelangt, warf Trachberg dem Diener die Zügel zu, stieg aus und schritt die Treppe hinan. Von oben herab eilte ihm schon die Baronin mit Herrn v. Debellaire und Marie Antonie, letztere tief erröthend, entgegen. Debellaire hatte alle Mühe, den Ausdruck unangenehmster Ueberraschung hinter einem höflichen Gruß zu verbergen. Hätte er sich in seinem eigenen Hause befunden, ja, wäre er nur der schweigsamen Zustimmung seiner merklich erregten Tochter sicher gewesen. er würde einem so intimen Beisammensein derselben mit diesem fjfa milienoberhaupte kurzerhand seine Einwilligung versagt haben. Lieber Graf," sagte jetzt die Baronin, wie freue ich mich, Sie mit Marie Antoniens Vater, dem Vikomte v. Debellaire, bekannt machen zu können." Trachberg, welcher die hagere, vornehme Erscheinung des Vikomte fluchtig gemustert hatte, reichte diesem auf's Verbindlichste die Hand. Als Herr v. Debellaire seine Fingerspitzen in die Rechte des Grafen, legte, packte ihn ein Gefühl, als presse sich ihm das Herz zusammen unter einem dumpfheißen Druck. Es war nicht sein altes Herzleiden, das ihn oft genug quälte, keine Schwindelanwandlung. sondern eine jähe Anreizung, sein Kind der Nähe dieses Mannes zu entziehen, der. wie sein Vaterauge erkannte, Marie Antoniens Ruhe schon gefährlich geworden war. Eben wendete sich Graf Maximilian an diese. Ich darf also das Vorrecht in Anspruch nehmen, Komtesse?" Sie nickte und stieg wie beflügelt neben ihm die Stufen hinab. Der Leibjäger hatte die Hülle des Packeis jetzt gelöst und den Inhalt seinem Gebieter überreicht. Es war ein reizender Muff aus weißem Pelz, ganz überflochten von frischen rothen Rosen. Ich bitte, Komtesse, steigen Sie ein." Sie gehorchte völlig verwirrt. Ich bin so" So reizend" flüsterte er scherzend, das weiße Eisbärenfell des Schlittens fest um sie breitend. ..Nein traurig." Er setzte sich neben sie und nahm die Zügel. Schon flogen sie davon durch die feiernden Straßen, umtönt vom Schcllengeläut, umweht von Rosenduft. Traurig? Weshalb?" fragte cr in französischer Sprache, die Unterhaltung dem Ohre des Leibjägers entziehend. Ich muß fort" und das Herz ward ihr zum Brechen schwer. Tante Tina mit dem Rittmeister ist schuld daran r Vava war so böse! Dann muß man ihn wieder gut machen." Er ließ einen lächelnden Blick über ihr Gesicht gleiten. Das Bewußtsein, dieses betrübt? Kinderantli mit einem Liebeswort zu strahlender Glückseligkeit zwingen zu können, gewann erhöhten Reiz für ihn. O, das ist nicht leicht bei Papa," sagte Marie Antonie leise. Dabei stiegen ihr die Thränen so heiß zum Auge, daß sie nicht rasch genug den Rosenmuff erheben konnte, sich scheinbar an seinem Dufte zu erfreuen. ...oldenbera wollen Sie also nicht wiedersehen?" fragte Trachberg. diese verheimlichten Thränen übersehend. Das ist sehr grausam, sehr unsreundschaftlich von Ihnen. Ich glaubte, es habe Ihnen gefallen!" Helles Schlirtengeläut übertönte fast diese letzten Worte. Pardon!" rief Eduards freundliche Stimme. Wir sind aus der Reihe gebrochen, um guten Tag zu sagen." Damit lenkte er sein Gespann dicht an das des Grafen, und beide Schlitten sausten eine Minute nebeneinander hin. Bettys Antlitz unter dem schwarzen Schleier strahlte, von kaum noch verborgcnem Schmerz durchgeistigt, die Tiefe der Leidenschaft wider, welche sie unwürdig aufstachelte, sich an die Nähe dieses Mannes zu ketten, der ihren Gruß schon wie das Aufklirren einer drückenden Kette empfand. Graf Maximilian, allzeit Meister über seine Haltung, wandte verbindlich das Haupt zur Seite. Aber seine heitere Stimmung verflog rettungslos. So nahe war ihm das schöne Frauenantlitz, so nahe ihm das Zittern ihrer weißen Lider und rothen Lippen, daß er jene Stunde zurückkommen sah, da er diese Lider und Lippen hatte küssen wollen. Der Stachel dieser Erinnerung wirkte entscheidend. Ueber drei Menschen warf er das Schicksalsloos.

Also wir bleiben wieder zurück!" rief Eduard Trachberg nach einigen rasch gewechselten Worten. Auf Wieversehen V Auf Wiedersehen!" Der Graf feuerte die Pferde an, daß ihre Hufe kaum noch den glatten Boden berührten. Schweigend saß er neben Marie Antonie, indessen rechts und links gleich Schattenbildern Felder und Raine vorüberhuschten, gabeliges Baumgezweig und aufgeschichtete Steinhaufen, die wie verschneite Gräber am Chausseerande aufragten. In der Ferne stieg der dunkle Wald wie eine Mauer langsam empor. Wir sind auf meinem Gebiet," sagte der Graf, als sie zwischen der grünen Wandung einer Tannenschonung hinsausten. Ich fürchte, ein schlechter Unterhalter gewesen zu sein." Statt aller Antwort schlug Mari? Antonie ihre leuchtenden Augen zu ihm auf. Er lächelte. Ihre Seele lag aufgeschlagen wie ein Buch vor ihm. (Fortsetzung folgt.)

-rctmlrdicimtsiic Mahnung. Sekundant (zum Duellanten): Aber nun zittern Sie doch nicht so sehr, Herr Vceyer; Ihr Gegner kann Sie doch sonst unmöglich treffen." 3 n r a n u. vj erunglückter Luft schiffe?. Der Acronaut Ben Bowen machte neulich Abets in Manhattan Beach, einer Sommerfrische bei Denver, Col., einen Aufstieg und fiel mit seinem Ballon in die Mitte des dcrtigen See. Er ertrank, ehe ihm Hilf: geleistet werden tonnte. Der Verunglückte war erst 18 Jahre alt und Icr.i von Brooklyn, N. ). Jugendlicher Vatermörder. Der liährige Stetsn Oyler von Louisville, Ky., hat letzthin vier Mal auf seinen Vater gefchciscn und den Letzteren tödtlich verwunde:. Der Knabe behauptet, daß sein Vater betrunken und im Begriff gewesen sei. seine Mutter zu schlagen, cl er die Schüsse abfeierte. Nachdem sein Va ter zusammtt'.gebrochen war, lief ber Knabe aus dem Haus und lieferte fttf der Polizei aus. Hinrichtung von ater und Sohn. In Talledga, Ala., sind kürzlich Morgens im dortigm Countygefängniß die Farbigen Charner und George Woods, Vater und Sohn, durch den Strang Hingerichtet worden. Die Beiden hatten am letzten Weihnachtstag bei Wildersburg. Ala einen Weißen ermordet. Wunderbares Entkommen. Der Knabe Clifford Powell von Marinette, Wis., spielte neulick,, auf einem flachen Felsen stehend, b: den dorinzen Wasserfallen, als er plötzlich ausrutschte und in's Wasser fiel. Die starke S"ömung riß ihn über die 30 Fuß hohen Fälle. Er wurde mehrere Mal im Strudel üerumaetraaen und jedes Mal kam er der Mitte näher cqlieNch gelang es tym, an einem überhängenden Felsen zu finden. Er fand die Kraft, sich emporzuziehen und rettete sich, wenn auch arg zerschunden, doch ohne ernste Verletzungen. Virginias neue. Ver f a s s u n g. Der Verfafsunskcnven: des Staates Virginia in Richmond nahm dieser Tage die neue Verfassung mit 90 gegen 10 Stimmen an, indem alle Demokraten dafür, und alle Rc puvttkaner vagegcn inmmken. atic neue Konstitution ändert den ganzen Wahlapparat und führt ein modifizirtes australisches Wahlsystem em. wel ches Grundbesitz- und persönliche Steuerzahlung und für eine gewisse Zeit ein gewisses Bildungsmatz zur Voraussetzung des Stimmrechtes macht, wodurch ein großer Theil der Neger und ein kleiner von weißen Jlliteraten seines Stimmrechtes verlustig gehen wird. Ausbruch von Gefangenen. In Council Bluffs, Ja., überwältigten letzthin Abends sieben gefährliche Kerle, die dort in Untersuchungshaft waren, den Gefängnißschließe? Martin, sperrten ihn nebst seiner Frau in eine Zelle ein und ergriffen dann die Flucht. Als Martin den Gefangenen das Abendessen brachte, griffen sie ihn an. Frau Martin hörte das Ringen der Männer und eilte mit einem Revolver herbei, den sie ihrem Manne geben wollte. Die Gefangcnen kamen ihr aber zuvor, entrissen ihr die Waffe und trieben nun damit die Beiden in eine Zelle, die sie dann verschlossen. Mit Hilfe der Schlüssel, die sie fanden, gelangten sie glücklich in's Freie. La. un en des Blitzes. Der Farmer Kester aus Montgomery County, Va., wurde unlängst während eines Gewitters auf seiner Kutsche, auf der er eine Frau Ackers und ihr Kind unter seinen Schutz genommen hatte, von einem Blitzstrahl getroffen, der in einen Regenschirm einschlug, den Frau Ackers über den Farmer hielt. Der Strahl passirte von dem Schirm über den Rücken Kcsters, diesen stark verbrennend, und fuhr durch einen Stiefel des Farmers in die Kutsche. Die Pferde wurden vom Blitze erschlagen und alle drei Insassen aus der Klitsche herausgeschleudert. Frau Ackers und ihr Kind wurden nur wenig verletzt. Kester lag längere Zeit wie leblos da, erholte sich jedoch bald wieder. ohne weiteren Schaden davonzu-traaen.

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