Indiana Tribüne, Volume 25, Number 259, Indianapolis, Marion County, 23 June 1902 — Page 7

Jndiana Tridune, 513 Juni IvttS.

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Wenn du mich liebst. Nomsn von Georg Ksrtmig (Cfmrni) Xioeppfl.) (Fortsetzung.) Alles und außerordentlich viel!" flüsterte die Baronin bewegt lächelnd. Ein ganzer Roman." Maximilian Trachbcrg, dem dieses allgemein gewordene Thema anfangs sehr willkommen gewesen war, fand es jetzt doch so abgeschmackt, daß er die erste entstehende Pause benutzte, der Baronin einen auffordernden Blick zu. zusenden. Sie erhob sich alsobald, und mit ihr die ganze Tafelrunde. Zu gleicher Zeit erscholl aus dem Nebensaal eine lockende Tanzweise. Ich muß mich der Gunst der Damen durch ein nachfolgendes Tänzchen versichert halten." scherzte Maximilian, Betty den Arm reichend. Sie konnte es nicht verhindern, daß ihre Hand sich fest und fester auf den Arm des geliebten Mannes stützte. Neden ihm herschreitend, umtönt von dem melodischen Rauschen ihrer Schleppe, flüsterte sie ihm zu: Ich habe Ihnen abzuketten Nichts!" sagte er rasch. Gewiß Nichts!" Sie sah mit heißer Innigkeit zu ihm auf. Ich bin ein so scheues, furchtfames Geschöpf geworden. Mißtrauisch. selbstquälerisch. Ein Kranker, der lange gelitten hat, fürchtet immer noch, daß der Schmerz zurückkehren könnte, und ist doch frei geworden und kann glücklich sein, denn er ist gesund gesund!" Nun wußte er, daß eine Aussprache unvermeidlich war. Er zwang sich ein Lächeln ab. Sollte es nicht auch eingebildete Kranke geben?" Einen Moment durchzuckte sie schreckHaftes Kältegefühl, aber in dem erlösenden Wahn, Trachberg habe sein heutiges Verhalten mit dieser Frage entschuldigen wollen, erwiderte sie bewegt: Ich weiß ia, der gewissenhafte Arzt verdient Vertrauen, auch dann, wenn den Patienten die Behandlungsweise im Innersten widerstrebt." Sie brach ab, da sich ein kleiner Kreis, die Mokkatassen in der Hand, um Beide zu sammeln begann. Er zwang sich, zu scherzen. Die Damen thun im Allgemeinen den Aerzten viel zu viel Ehre an. glauben oft blindlings und belohnen viel zu reich das, was sie sich mit einigem Nachdenken ebenso gut, vielleicht sogar besser selbst hätten sagen können." Der weiche Zug um die Lippen der jungen Frau verschwand. Im Fall Sie Arzt wären, hätten also Ihre Kranken wenig Grund, Vertrauen in Sie zu setzen?" In meinen guten Willen stets " Das Auge der Gräfin blitzte auf. Wie aber nennt man einen Arzt, der Heilung verspricht, ohne Wort zu haltcn?" Irren ist menschlich." fugte er rasch. Und ein Gramm Vergebung wiegt ebenso schwer als ein Kilogramm Schuld. Glauben Sie das nicht?" Sie hatte unsägliche Mühe, das Klirren des Goldlöffels gegen die Tassenwand zu unterdrücken. Ihre Hand zitterte, die Heiterkeit der Umstehenden, welche den Gegensatz zwischen Inhalt und Sprechweise sehr belustigend fanden, that ihr bis in's Herz hinein weh. Vergebung ist ein häßlich Ding," sagte sie, ihr rothblondes Haupt höher aufrichtend. .Ich möchte es nicht geschenkt haben, geschweige denn anstreden," Aber vielleicht verschenken?" fragte n lächelnd. .Auf dem Wege der Gnade." Was ich nicht habe, kann ich auch nicht geben." Sie fühlte sich todtmüde. Und doch wußte sie, daß in der ganzen Welt keine Ruhe für sie zu finden war außer in der Nähe dieses Mannes, dessen Hauch ihre Stirn gclüßt. Hingerissen von dieser Erinnerung, zuckten ihre Wimpern schneller. Lassen wir das! Die Jugend wartet auf den Tanz. Eröffnen wir ihn!" Sie hatte, um Vergessen zu finden, oft getanzt, daß ihr die Brust zu springen drohte, heute wollte sie diese gequälte Brust an sein Herz lehnen, den wonnigen Glücksrraum über sie Beide zurückzuführen. Der Graf beugte sich tief über ihre Hand, dieselbe zu küssen. Ich bin untröstlich, trotz des mir zugedachten Vorzuges ein müßiger Zuschauer bleiben zu müssen. Ein Unfall diesen Morgen hat mich fußinvalide gemacht. Eduard ist schon davon unterrichtet, er wird mich vertreten. Ich weiß, daß ich mich ebenso wohl auf ihn verlassen kann, als er sich auf mich." Eine Bluiwelle strömte erlösend über ihr fröstelndes Herz. Jetzt hatte er ihrer Meinung nach den letzten Grund seiner Zurückhaltung offenbart. Er sollte sie dessen würdig finden. .Gut denn!" sagte sie heiter. Schonen Sie Ihren Fuß. Wir werden auf Mittel und Wege sinnen, ihn möglichst bald zu heilen." Sie reichte dem Diener ihre Tasse hin, nahm den Arm des ihr zunächst stehenden Herrn und eröffnete mit ihm. viel zu spät für die harrende Jugend. ein an Ueberraschungen reiches Tanzfest. Kaum battc Bruno Geisler d"

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schwarze Sammetschleppe der Gräfin dahinschwebcn sehen, als er wie ein Pfeil herbeiflog, sich der kleinen Vikomtesse für diesen ersten Walzer zu versichern. So ersichtlich malte sich die Freude, endlich ungestört von üjiein lieben Vava svrcckien zu können, ir ihrcm Augenpaar. daß dem jungen Manne die angenehme Temperatur des Saales plötzlich zur Glühhitze gesteigert schien. Ihre Hand ergreifen, ihre Taille umschlingen und forttanzen bis in die (rcke unter der Musikloge, war das Werk eines Momentes. Dort konnte Niemand den Lauscher machen. Marie Antonie fand diese Taktik sehr entsprechend. Sie zitterte vor Äerlangen, recht viel von dem Unfall und der Heilung ihres Vaters zu vernchmen. Nicht wahr, ich bin recht schlecht und lieblos," sagte sie, die Wimpern sensend. Lebe hier so glücklich und froh, und der arme Papa leidet allein." Der Väler Schicksal," sagte Bruno Geisler. sie entzückt betrachtend. Eine Tochter ist doch nur ein geborgter Schatz." Wenn Sie wieder daheim sind, wollen Sie dann noch einmal zu Papa geben und ihn von mir grüßen? Viel vieltausendmal! Wollen Sie?" Das versteht sich doch von selbst." versetzte er, obwohl ihn die Gesellschaft des Vikomtes keineswegs anmuthcte, da ihm seitens desselben keine Aufmunterung zu näherer Bekanntschaft zu Theil geworden war. Soll ich sonst noch etwas bestellen?" Sagen Sie Papa, daß ich trotz Allem zu ihm zurückkehren möchte. Wollen Sie ihm das so saaen, wie icts eben that?" Wort für WoU Aber wenn Ihr Herr Papa Sie nun beim Wort nimmt? Wenn er nun kommt und Si? fortholt aus der Triumphfülle, die Sie hier umgibt, aus den Gepflogenheiten der oberen Zehntausend? Wird Ihnen das Herz nicht doch schwer werden;" Sie sah in ihren Schooß. Die Szene in der Bildergallerie stand plötzlich vor ihren Geistesaugen. Sehen Sie wohl!" sagte er traurig. Man muß nur ehrlich gegen sich sein, da findet sich die Wahrheit schon." Sie blickte schnell auf. Aber das sollen Sie ihm sagen, daß ich kein frohes Weihnacktsfest haben kann ohne ihn." Das werde ich thun. Sind Sie auch nicht böse, daß wir hier fortplaudern, statt zu tanzen?" O nein! Ich" sie stotterte allerliebst ich wollte Sie vorhin schon um Verzeihung bitten, als Tante Tina dazwischen sprach " Um Verzeihung? Und weshalb?" Ach. Sie wissen schon! Den dummen Groschen" flüsterte sie beschämt. Dummen Groschen?" wiederholte er mit scherzender Entrüstung, aber zugleich mit so weicher Innigkeit, daß die kleine Vikomtesse erstaunt aufschaute. Sie wissen doch, weis ein Feengroschen ist? Ein Glücksgroschen, ein Talisman. So etwas bekommt man doch nicht alle Tage geschenkt." Nein! Gott sei Tank!" lachte sie belustigt auf. Aber wenn man ihn bekommt," fuhr er gedämpft fort, dann hebt man ihn auf und trägt ihn bei sich wie ein Amulet. Wollen Sie ihn sehen, diesen Feengroschen?" Er zog sein Portefeuille heraus und blätterte darin umher, leiser fortsprechend. Seit ich ihn besitze, fühle ich mich wie ein Sonntagskind, gegen alles Unglück gefei'. Ich mache lauter glückliche Kuren, alle meine Patienten werden gesund, die schönsten Rezepte fallen mir im Traum ein. Zur?, ich bin auf dem Wege, ein großer Mann zu werden." Er hatte ein zusammengewickelte? Stückchen Seidenpapier hervorgezogen, faltete es auseinander und hielt Marie Äntoniens erstaunten Blicken die beroufcie orauschwarze Münze entgegen. Das ist mein Groschen! Wirklich?" llnd sie lachte aus vollem Herzen. Wie lang- wollen Sie das häßliche Geldstück och aufheben'?" , E? schwieg. Seine Zunge sollte nicht andeuten, was angesichts der Umgebung, darin Marie Antonie jetzt heimisch war, ebenso lächerlich als anmaßeild geklungen hiben würde. Nun? Wie lange denn?" neckte ihn feie Vikomtesse. Er wickelte den Groschen sorgfältig toiede ein und verbarg ihn. Tann prang er auf, Also bis an's Ende!" agte er. für einen Moment willenschwach werdend durch den Glanz ihrer dunklen Augen. Jetzt aber müssen wir tanzen!" Und sie walzten davon. . Wenn ich je. etwas Unleidliches, um nicht zu sagen Unausstehliches gesehen

habe," flüsterte die Baronin ihrer Tochter zu. so ist es dieser junge Mensch mit seiner Dreistigkeit. Ein Glück, daß Kirchstein nicht hier ist. Winke 'mal Deinen Mann her, Betty! Er soll die kleine Närrin zn mir bringen." Frau v. Lüttmigs Wunsch erfüllte sich nicht, Betty Trachberg stand regungslos, den Blick auf die gegenüberliegende Thür geheftet, in deren Rahmen Graf Maximilian mit aekreuzten Armen lehnte, in welcher Stcllung er aufmerksam Marie Antonicns Mienenspie! bei Geislers Unterhaltung beobachtete. Sie sah er nicht. Da quoll's ihr zum Lippenrand wie ein Aufschluchzen oder wi? ein Zornesschrei. Die giftige Natter in ihrem Herzen regte sich von Neuem, ringelnd, züngelnd, den g.ftigcn Geifer der Eifersucht über den

besseren Gehalt dieses sich selbst zer- I störenden Herzens schleudernd. Betty Trachberq fühlte das fort-,

schreitende Zersiörungswerk mit fiebernder Angst. Sie sträubte sich dagegen. Aber von dem Fluch unseliger Leidenschaft nach dem einzigen Manne vielleicht, der ihren Besitz nicht anstrebte, konnte sie sich nicht losringen. Sie spürte, daß der Boden, den sie betrat, zur schiefen Fläche ward, ihr Verstricktsein in das Zwittergewcbe des Hasses und der Furcht fühlte sie. Sie sah den Wall von Unrecht, Lüge und Tücle um sich emporwachsen, den niederzureißen ihr keine Kraft mehr innewohnte, die Entweihung ihres einst so boch gehaltenen Ichs, die Verstümmclung desselben. Alles das sah Betty Trachberg in flüchtigen Sekunden, wie ein Fieberkranker Schreckbilder auf sich zuschwcben und wieder davonflattern sieht. Und sie raffte sich doch nicht enzsior, den wüsten Bann zu durchbrechen. Betty!" sagte die Baronin ungeduldig. Hörst Du oder hörst Du nicht? Sonst gehe ich allein. Was siehst Du denn da Besonderes?" Ein bitteres Lächeln grub sich um die Mundwinkel der Gräfin. Was ich sehe, wenn Du's wissen willst, ist. daß Deine Pläne mit Kirchstein zu Waffer werden." Was sagst Du?" rief Frau v. Lüttmig. an ihrer empfindlichsten stelle gepackt. Um dieses Heilkünstlers willen sollten meine Pläne mit Kirchstein zu nichte werden? Du träumst wohl. Betty!" Möglich, daß ich's that." sagte die junge Frau mit Anstrengung. Ihr war, als fühle sie ihr Herz im ganzen Körper schlagen. Sieh jetzt zu, daß Kirchstein sich erklärt. Je eher, desto besser. Bis dahin halte Marie Antonie gut in Verwahrsam. Führe die Verlobung herbei. Heute lieber als morgen. Und keine Rücksicht durchaus keine Rücksicht auf lächerliche Sentimentalitäten!" Jetzt bin ich aber sprachlos," sagte die Baronin mit weitgeöffneten Augen. Eben noch bast Du mich bei Himmel und Hölle beschworen" Thu' was ich Dir rathe! Wenn sie aber den jungen Arzt lieber will, mag sie ihn nehmen. Was liegt daran?" Bist Tu bei Sinnen?" Nein, nicht völlig momentan!" murmelte Betty, sich abwendend. In diesem Moment richtete sich Trachberg aus seiner bequemen Stellung aus. Justizrath Geisler war zu ihm getreten. Verzeihung!" sagte Graf Maximilian. Sie sehen, wie vergeßlich man wird. Jetzt bin ich ganz zu Ihrer Verfügung." Er schritt neben Geisler, seinem und seines verstorbenen Vaters Rechtsbeistand und Familienfreunde die Freitreppe zur großen Halle hinunter und in sein Arbeitszimmer. Um einen Rauchtisch reihten sich bequeme Sessel. Haben Sie die Güte, sich zu bedienen; Cigarre oder Cigarrette? Ich halte es, wie Sie wissen, mit letzterer. Er nahm d-em Justizrath gegenüber Platz, lehnte das Haupt zurück und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Der Raum, vielleicht etwas zu orien-talisch-sybaritisch ausgestattet für ein Herrenzimmer, bewahrte dennoch, tan seiner geschmackvollen Zusammenfiellung. den Eindruck wohnlichster Pracht. Zumal jetzt, nach dem Festtrubel droben. wirkten sein mildes Deckenlicht und seine gesättigten Farbentöne zu der herrschenden Stille erquickend und har monisch. Graf Maximilian hielt die Augen halb geschlossen während der geschäftlichen Eröffnungen, toelche Geisler ihm machte. Anscheinend thcilnahmslos. folgte er gleichwohl jedem Worte mit regster Aufmerksamkeit. Kein Gedonkenflug streifte das junge Weib, welches er mitleidlos der herbsten Enttäuschung überließ. Mit Allem einverstanden, lieber Justizrath! Vollkommen!" Geisler verneigte sich leicht. Wenn Sie mir nun noch gestatten wollen, Herr Graf, mich für die gütige Aufnähme meines Neffen zu bedanken" Bitte sehr!" Trachberg entzündete eine zweite Cigarrette, während er zu sprechen fortfuhr. Sagen Sie 'mal. Ihr Neffe Mediziner ist er ja wohl? scheint ein gewandter, intelligenter Mann zu sein. Hat er die Absicht, sich hier niederzulassen?" Nein, er hat andere Pläne, sehr hohe natürlich!" lächelte Geisler. Er befindet sich auf dem Wege der Erfindung irgend eines weltbeglückenden Heilmittels. Indessen zolle ich gerade diesem Neffen besondere Achtung." So. Weshalb?" Weil er sich, meine Unterstützung abgerechnet, von Jugend auf cneraiscr durch's Leben geschlagen hat. Srüh vaterlos geworden, hat er von der tleinen Pension seiner Mutter niemals einen Pfennig angenommen. Er war fleißig über alle Maßen, gab Unterricht, entbehrte" Wirklich!" sagte der Graf unaufmerksam. Sein Interesse an der ringenden Menschheit wie seine WerthSchätzung der Ringenden waren gleich gering. Wo Härten diese der erlesenen Minderheit nicht keuchend im Wege gesunden? Ja," fuhr der Justizrath wärmer fort, er ist des Lobes werth. Nach einem vortrefflichen Examen wurde er Assistenzarzt und hat nebenher schon eine hübsche kleine Praxis."

Also Zukunftsträume hegt er!" fagte Trachbcrg leicht ironisch. Freilich, auf ihren bunten Träumen klettert die Menschheit aus ihres Daseins Tiefe. Ich möchte in der That wissen, was das für Dinge sind, Träume, die dem Hungernden Speisenduft, dem Dachstubenpoeten Schloß und Lorbeerkröne, dem jungen Arzte Lehrstuhl und Weltruhm vorzugaukeln vermögen. Ich gestehe darin bereitwillig meine völlige Unkenntniß ein." Sollte nicht doch schon einmal ein kleines ideales Träumchen von " Der Justizrath streifte die Asche seiner Cigarre leicht ab. Herr Graf errathen vielleicht schon, auf welchen Gegenstand ich lossteuere." Nein, wirklich nicht," versetzte Trachberg. Ihr verstorbener Herr Vater sprach in seinem Testament den sehr bestimmt ausqedrückten Wunfch aus " Ach so! Sie meinen, es sei Zeit, für die Erhaltung der Hauptlinie zu sorgen," lachte Trachberg. Sie sprechen kurz und bündig von meiner Verheiratung." Ich glaube allerdings," sagte Geisernst, ohne aufdringlich mit meiner Meinung sein zu wollen, daß der Wunsch Ihres Herrn Vaters sehr berechtigt ist." Liebster, bester Justizrath!" rief der Graf halb belustigt, halb ungeduldig. Sind Sie gekommen, mir die Pistole auf die Brust zu setzen? Haben Sie etwa schon Vrautschau für mick gehalten?" Ziemlich. Ihr achtunddreißigster Geburtstag steht vor der Thür, Herr Graf." Und die ganze Geschichte mit allem Brimborium, das daran und darum hängt, soll bis Mitte Februar fix und fcrtiq sein?" Der Justizrath nickte. Ich weiß aus guter Quelle, daß königliche Hoheit den gleichen Wunsch hegt und auszusprecher beabsichtigt." So! Nun, dann wäre über diesen Punkt alles gesagt, was darüber zu sagen ist." Plötzlich, den etwas verschärften Ton in liebenswürdige Glätte wandelnd, fragte Maximilian Trachberg mit leichter Neugier: Sagen Sie mal, Herr Justizrath, die Familie Debellaire ist Ihnen weiter nicht bekannt durch Ihren Neffen?" Durch meinen Neffen gar nicht. Aber der Name kam mir in Erinnerung durch die Erzählungen der jungen Dame. Ich wußte bestimmt, daß ich von den Debellaires schon hatte sprechen hören, aber wann und wo ?" Jetzt wissen Sie's?" Ja. Als junger Mensch, besser gesagt als Junge, hörte ich ihn von einer bejahrten Stieftante meiner Mutter, einer altangcsesscnen Würzburgerin, in deren Häuschen die geflüchteten Dcbellaires wohnten und großes Ansehen genossen. Sie hat auch von dem Großvater der jungen Dame gesprochen, der, wenn ich mich recht erinnere, später eine österreichische Gräfin Thun geheirathet hat." Und die Mutter der Komtesse? Tas wissen Sie nicht?" Nein. Ich bringe es aber leicht in Erfahrung, wenn Kein Wenn! Kein Wenn! Durchaus gar nichts!" scherzte der Graf, sich erhebend. Thun Sie, was Sie nicht lassen können. Und jetzt muß ich Sie wieder zur Gesellschaft zurückführen, der ich Sie schön viel zu lange entzog." Sie lachten Beide und verließen das Zimmer. Auf dem kühZen Mosaikbodcu der Gallerie promenirten jetzt plaudernde Paare zu den lustigen Tanzweisen der aus weitgcöffneten Thüren schallenden Musik. Auf den letzten hellpolirten Treppenstufen trennte sich der Graf von seinem Begleiter. Er sah seiütn Vetter Eduard auf sich zukommen. Thut mir herzlich leid. Max. aber Bettys Nerven spuken schon wieder bedenklich. Wir müssen fort," sagte Gras Eduard. Ach. kein Gedanke!" Sprich also selbst mit ihr. Sie sitzt drüben allein unter der Palme. Ich werde gleich wieder bei Euch sein, vorläufig habe ich ein Engagement " Verstimmt über die Hartnäckigkeit einer Neigung, die nicht aufhören könnte, ihn an einen Moment der Schwäche zu gemahnen, schritt Trachberg in der bezeichnetem Richtung nach einem rothen Eckdiwan, über welchen das Laubdach einer mächtigen Fächerpalme sich dreitete. Betty!" Sie fchaute auf. Tiefe Schatten lagen unter ihren Augen. Endlich!" sagte sie hastig, und ein Leuchten glitt über ihre Züge. Darf ich mich neben Sie setzen? Sie haben einen ausgezeichneten Platz gewählt." fuhr er mit Betonung fort. Man übersieht die ganze Szene, und die ganze Szene sieht hierher." Sie nickte. Das Traumglück der verflossenen Nacht überdrang sie wieder mit heißem Entzücken. O! Mit ihm fliehen! Weit fort aus allen Ketten aus aller Lüge! Frei fein und ehrlich sein in seiner Liebe Betty." sagte er ernst, ihr fieberndes Gedankenspiel unterbrechend. Ich möchte eine Frage an Sie richten, die Sie mir abzwingen." Er nahm ihr den Fächer aus der Hand und beivegie ihn spielend. Sie wollen, daß ich mich vor Ihnen schuldig bekenne. sie wollen mir keine Demüthigung ersparen. Meine Selbstvorwürfe sehen Sie für nichts an. Ohne Gnade verweisen Sie mich an die Mahnung meines Gewissens. Was soll ich

thun, mir Jc verzeihendes Vergessen zu erwerben?" Von der Wendung, welches er dem se'iasten Vorkommnisse ihres verfehlten Lebens gab, fast bis zur Sprachlosigkeit erschreckt, fuhr sie leidenschaftlich auf. Sie glauben?" Geben Sie besser acht auf sich. Wir sind nicht allein," sagte er tadelnd. Und hätten es nie nie sein sollen!" flüsterte sie schwer athmend. (Fortsetzung folgt.) Gcillcsgcgcnmart auf vrr Bühne. Der Komiker und spätere Kölner Theaterdirekior C. Th. L'Arronge, 8a ter des bekannten Berliner Bühncndichters Adolf L'Arronge, war als junger Schauspieler bei der königstädtischcn Bühne in Berlin engagirt. Er ha::c im Anfang seiner Laufbahn das tragische Fach gewählt und hielt an ihm fest, obgleich seine Leistungen darin weniger als mittelmäßig waren. Da traf es sich, daß eine traurige Tragödie sonderbarer Art zur Aufführung gelangte, nämlich ein Stück, welches den wunderlichen Titel führte: Schicksals Tücke oder der goldene Löwe nen Stein." totein war nämlich der Name des Autors. Weder die Schauspieler noch das Publikum waren mit dem Machwerk einverstanden, beide Theile protestirten. A!an war noch kaum zum zweiten Akte gekommen, da rief ein großer Theil des Publikums: Aufhören, aufhören!" Natürlich schrieen Andere dagegen an: Fortfahren! fortfahren!" la dieses sich widersprechende Geschrei erklang, befanden sich nur zwei Darsteller auf der Bühne: L'Arronge und sein Partner. Ersterer wußte Rath, er trat an die Nampen, verbeugte sich und sagte: Um den widersprechenden Wünschen des Publikums Genüge zu leisten, werde ich aufhören und mein Kollege wird fortfahren." Sofort entstand die größte Heiterkeit, das Publikum lachte so herzlich, daß der Regisseur einschritt und L'Arronge den Rath ertheilte: Hängen Sie die Tragödi: an den Nagel, Sie sind ein geborener Komiker." Als solcher hat L'Arrons denn auch fortan seine Karriere ge-macbt.

Bom jungen König von Tvanicn erzählt Modern Society" einige hüb' sche Anekdoten. An einem schönen Sommerabend nicht in Aranjuez. sondern in San Sebastian spielte Alfonso. damals sechs Jahre alt. az die Hofdame, d. h. di: Kindefrau. berbeikam und erklärte: Sire. es ist Zeit, zu Bett zu geben." Seine Majestät nahm die Ankündigung sehr ungnädig aus, bohrte alsbald bcibc Fäuste in die Augen und begann zu heulen. Da sehen Sie! Sehm Sie doch unseren König", rief die Regentin der Marquise von Vueno zu, mit der sie gerade vorbeikam, hörtcn Sie i? einen König schreien?" Augenblicklich verstummte der kleine Alfonso, nahm die Fäuste von den Uugcn und zcigtc ein vom Weinen und Jet geröthetes Gesicht. Inzwischen hatte auch die Marquise von Bucno Zeit gesunden, ein emphatisches: 9tfcmcu schreien Könige" zu erwidern. Aber sie befehlen doch? Nicht wahr. Könige befehlen?" frug der Knabe haftn miß dringend. Muja " wollte die Mama eben zögernd entgegnen, aUihr der kleine Monarch in's Wort fiel und ausrief: Also gut. dann befehd ich, daß ich iveiterspielc!" Aon frühester Jugend an wußte der fto nig, was man seiner Person schuldn sei. Eines Tages stieg er mit seiner Mutter die Treppen eines Klosters hinab, als eine Novize, frühere Clärendame der Königin, aus der Staodlc kam und eiliast niederkniete vor il'jreköniglichen Herrin, um ihr die Hand zu küssen. Allein plötzlich schob sich eine andere kleine Hand dazwischen und eine Knabenstimme sagte fest und in beleidigendem Ton: Bitte, Schwester Coneevtion, ich bin da?" Als ihm während einer Krankheit in jüngeren Jahren jede feste Nahrung unterlagt war und der kleine König, entgegen den ärztlichen Vorschriften, stürmisch nach einem gekochten Ei verlangte, da sagte die Mutter, um ihn zu beruhigen: Warte noch ein paar Tage, mein Liebling, die Hühner legen jetzt keine Eier." Dann sollen sie sofort ananaen!" war die gebieterische Antwort des kleinen Monarchen. U e b e r l i st e t e r T r u st. Der Eistrust in New Orleans, La., hatte einen Konkurrenten in Thibodaur. einem benachbarten Orte, welcher Eis in New Orleans zu $4 verkaufte, während der Trust $6 berechnete. De: Trust beschloß nun, die Anlage in Thibodaux zu ruiniren und verkaufte in Thibodaur selbst das Eis zu $2 die Tonne. Diese Gelgenheit machte sich indessen der Geschäftsführer der Eisfabrik in Thibodaux zu Nutze, indem er im Geheimen alles von dem Trust zu $2 offerirte Eis ankaufte und dasselbe dann in Neu) Orleans zu $4, also 2 unter dem Trusrpreis. offerirte. B'leidigt. Musketier: Bei Deinem Schatz scheint es wenig Futter zu geben, Du siehst seh? blaß aus." Füsilier: Wie kannst Du nur sc geringschätzig von mir denken!" xrltstriitt. Meine Gnädige, wenn Sie mühten. wie ich Sie in mein Herz geschlossen!" Das lassen Sie lieber bleiben mir ist im Gedränge nie wohl!-

Karstadt's Tampf-Färberei und Echt-Wiischcrei. iNachsilger von John rill u. Co.) Stablirt 1871.

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