Indiana Tribüne, Volume 25, Number 258, Indianapolis, Marion County, 21 June 1902 — Page 7
Jndiana Tridune, I Juni 1902,
Wenn du mich liebst.
Nomsn von Georg Krtig (Cmmy Pokppel.) xZV-ZZx (Fortsetzung.)
Wer ist sicher? Und wovor?" fragte er im Weiterschreiten. Doch nicht vor sich selber? Doch hier! Unsere allergnädigste Wirthin!" So fest hatte Betty darauf gerechnet. ganz abgesehen von naher Verwandtschaft. daß V!arimilian gleich ihr das zwingende Bedürfniß empfinden muffe, unauffällig in ihrer Nähe zu weilen, daß sie vor Ueberraschung kein Wort des Staunens hervorzubringen v vermochte. Indessen fand sie sich ohne Argwohn mit dieser Enttäuschung ab. Vielleicht war es sogar besser so; es war eine gebotene Vorsicht von seiner Seite. Freundlich begrüßte sie daher ihre Muttec. Wie schön Du heute bist, Betty!" flüsterte Marie Antonie mit neidloser Bewunderung. Mir ist, als sähe ich Dich heute zum ersten Mal." Närrchen, Du siehst mit zu freundlichen Augen!" Sie lachte und hielt ihren Fächer abwehrend vor das reizende Gesichl der Vitomtesse. Die Baronin, einen ungestörten Moment benutzend, versicherte sich des hs ihrer Tochter, sie von dem neuesten Stand der Dinge in Kenntniß zu setzen. Betty, Kirchstein sitzt fest. Ist der Mensch verliebt! -Ich erwarte demnächst seinen Antrag. Meinst Du nicht, daß ich den Vikomte wie von ungefähr herkommen lassen soll? Mit der Kleinen vernünftig zu sprechen ist ja rein unmöglich. Also muß der Alte heran." Möge sie glücklich werden!" sagte die junge Frau mit aufrichtiger Wärme. Es war, als schössen unter dem Licht der Liebe, davon sie sich umflössen wähnte, alle guten Keime ihres Herzens in Halm und Blülhe. Recht von ganzer Seele glücklich!" Frau v. Lüttmig schüttelte verwundert den Kopf. Werde nur nicht über schwenglich, Betty! Zuzutrauen ist Dir alles. Vorläufig kommt's darauf an, ein hübsches Lärvchen ohne Geld anständig unterzubringen. Und da der Kirchstein völlig in sie verschossen ist" Vergiß nicht, ihr Herz zu fragen!" warnte Betty, ohne ein flüchtiges Farbenspiel ihrer Wangen unterdrücken zu können. Vergiß es ja nicht, Mama! Ein .Ja' ist schnell gesprochen, aber wenn später ein dauerndes .Nein' durch's Leben klingt, wenn man findet, daß die Rechnung nirgends stimmt, weil die Aufgabe von vornherein falsch gestellt worden war, so " Die Baronin hatte im Verlauf dieser
hastig geflüsterten Worte ihre runden Augen so weit geöffnet, daß sie zuletzt starr dreinschauten. Bettychen, Du warst ja wohl auch schon frühe? zuweilen Gemüthsmensch. aber" In diesem Moment traten zwei Herren in den Saal, davon der ältere als langjähriger Rechtsbeistand des Gram den meisten Anwesenden wohlbesannt, der jüngere dagegen durchaus fremd war. Vom Hausherrn zu den Damen geführt, hatte der junge Mann Mühe, einen Ruf angenehmster Ueberraschung zu unterdrücken, als er Marie Antonie sah. Doktor Ecisler, des Herrn Justizraths Neffe" Die kleine Vikomtesse, mit der Vefeftigung ihres Gürtelstraußes beschäftigt. ließ die widerspenstigen Knospen ohne Weiteres zur Erde fallen. Wirklich? Ist's wahr?" Was ist wahr?" fragte die Baronin mißbilligend, während Bruno Geister sich schleunigst bückte, die rosa Blüthen vom Parkett aufzuheben. Was ist denn wahr, Herzchen?" Frau v. Lüttmigs Stimme bezeugte ohne Worte, daß sie auf bürgerliche Namen kein Gewicht legte, auf bürgerlichen Umgang noch viel weniger. Aber Marie Antonie empfand viel zu viel Kindesliebe und Kindessehnsucht, um nicht mit süßester DringlichZeit den jungen Mann zu fragen: Haden Sie meinen Papa vielleicht gesehen?" Gesehen und gesprochen, gnädigste Komtesse, und zwar auf der Straße, wo er sich plötzlich von einem leichten Unwohlsein befallen fühlte. Als Vorübera?5.end?r batte ick den Vorzua. ihm meinen Arm uno m seiner imoynung auch meinen ärztlichen Beistand anbieten zu können." Schon lange hielt sie ihm mit erschrecktem und dankbarem Blick die Hand entgegen, welche er trotz aller Inbrunst seiner Seele nur flüchtig zu berühren sich zwang. Etwas Schlimmes war's nicht? Ich danke Ihnen! Recht herzlich danke ich Ihnen für Ihre Theilnahme!" Die Baronin hüstelte. Betty hatte sich mit der übrigen Gesellschaft entfernt. Nur Maximilian Trachberg war noch anwefend und überschaute das Paar mit interessirteN Blicken. Die Baronin hüstelte abermals und nachdrücklicher. Liebe Marie Antonie. möchtest Du Dick noch länger der Zugluft dieses Saales aussetzen und krank werden?" Sowohl der junge Mann, als du Vikomtesse schauten überrascht nach allen Seiten, woher diese wunderbare Zugluft eindringen könne. Plötzlich lachte das iunae Mädcken
hell aus. Was mag denn aus dem Jungen damals geworden sein mit dem Henkelkorb?" Ich brachte ihn glücklich sammt seiner Fracht in den sicheren Hafen der Häuslichkeit," scherzte Geisler. die heu teren Augen der Fragestellerin mit Entzücken betrachtend. Was war das für ein Junge?" fragte der Graf, nähertret-n. Mit Humor, Marie Antonie immer wieder zum Lachen anreizend, schilderte Geisler das kleine Abenteuer, ohne auf den immer steifer werdenden Nacken der Baronin zu achten. O Tante Tina!" rief Marie Antonie. sich die Augen trocknend. Wenn Du den kleinen Knirps gesehen hättest "
Ich danke." fiel Frau v. Lüttmig mit einem besorgten Blick auf die ernste Miene des Grafen ein. indem sie majestätisch den Fächer bewegte, womit sie dem junge Arzt den Unterschied zwischen damals und jetzt handgreiflich klar machte, ich denke, wir lassen jetzt alle Körbe und Straßenjungen bei Seite und erfreuen uns der Gesellschaft und Umgebung, in welcher wir uns befinden. Lieber Graf, eine bescheidene Fürbitte? Marie Antonie brennt vor Erwartung. Ihre Gemäldesammlung zu sehen." ?jun hatte zwar die kleine Vikomtesse zur Stunde noch keine Ahnung, daß -eine Vildergauerie im Schlosse befand, am wenigsten drängte es ihr siebzehnjähriges Gemüth, jetzt gerade bemalte Leinwand anzusehen, wo sie so hübsch j mit Geisler von ihrem Vater und der i Heimathstcidt hatte plaudern können, aber Maximilian Trachberg hatte ihr. anscheinend um dem Wunsche der Damen zu willfabren. schon den Arm gereicht, eine Aufforderung, der sie nie hätte widerstreben können noch mögen. Wollen Sie inzwischen Frau v. Lüttmig geleiten, Herr Doktor?" Wenn dies eine Bosheit gegen die ihm wenig sympathische Dame, in Liebenswürdigkeit eingehüllt, bedeutete, so konnte ihre Pointe nicht besser treffen. Ein bürgerlicher Kavalier war für die Baronin etwas so Unerfreuliches, noch dazu, wenn dieser Kavalier sich mit so kühler Höflichkeit zur Verfügung stellte, daß sie, mit den Handschuhspitzen kaum seinen Frackärmel berührend, ein Geschwindmarschtempo neben ihrem Ritter anschlug, worauf sich derselbe noch kaum an der Saalschwelle mit kurzer Verbeugung diesem Vergnügen entzog. Inzwischen hatte Graf Trachberg die Vikomtesse in entgegengesetzter Richtung nach einem Raum geführt, darin seine Vorfahren mit vielem Geld und mäßigem Kunstverständniß eine beträchtliche Anzahl Bilder. Stiche und Skulpturen zusammengebracht. Durch diesen hohen Raum mit schönem Oberlicht schritt Marie Antonie fe'crlich dahin. Wenn Papa das sehen könnte! Er. der so viel auf Ahnen und Familie gibt." sagte sie. Weshalb nicht?" murmelte Trachberg zerstreut. Das Durchschauen der Gefühle des jungen Arztes für Marie Antonie hatte ihn nur einen Blick gekostet. Diese Erkenntniß war von einer lebhaften Regung mitleidigen Spottes begleitet gewesen. Wenn Amadeus Debellaire den Rittmeistcr v. Kirchstein schon für unebenbürtig hielt in Bezug auf ein nahes verwandtschaftliches Verhältniß, was blieb dann für den simplen Doktor Geisler übrig? Etwas anderes aber war's mit Marie Antoniens Verständniß oder NichtVerständniß für diese Neigung. Sagen Sie doch, Komtesse," fragte er. ihren Gesichtsausdruck scharf beobachtend, können Sie sich einen Grund denken, weshalb Ihr Herr Vater Ihnen gegenüber nichts von seiner Belanntschaft mit Doktor Geisler erwähn' hat?" Sie muß ihn lang? nicht so interessirt haben wie mich." sagte sie unbcfangen. Papa macht nie viel aus seinem Befinden." Sie findcn ihn also so weit angenehm?" Herrn Geisler? O. jedenfalls viel angenehmer als den Rittmeister mit der langen" Sie brach halb verlegen, halb scherzend ab und fügte hinzu: Bitte, nur nichts Tonte Tina sagen über den Rittmeister! Sie ist so eingenommen von ihm." Im Eifer hatte sie ihre Hand auf Trachbergs Arm gelegt. Er ergriff sie und hielt sie fest trotz ihres Erröthens. Wenn ich nun aber doch aus der Schule plaudere? Dann wären Sie mir natürlich schrecklich böse." Sie kam ihm vor, wie ein reizendes Spielzeug, das er in Händen hielt, ohne Neigung zu verspüren, es anderen Hänsen auszuliefern. Wenn ich aber schweige was dann?" Er beugte sich tiefer zu ihrem lockigen Haupt, das rasche Zucken'ihre: W'mpern zu beobachten. Sagen Sie mir doch: was dann?" Mit seinen achtunddreißig Lebensjähren kam er sich in diesem Moment sehr abgeschmackt vor wie ein Junge, der auf einen Bonbon lauert. Trotzdem wiederholte er die Frage. Er dachte an Vettys verschleierten Gluthblick, an all' die schönen Frauenäugen, die verheißend auf feinem Lebensweg geleuchtet, gewährend zu ihm aufgeschaut hatten; an ihre längst abgestumpfte Anziehungskraft dachte er, an ihre hohle Herrlichkeit und enträthselten Geheimnisse an all' das, was längst außerhalb seiner Selbsttäuschungsfähiqkeit lag. und er füblte fich
angeödet von der kühlen Weisheit sei- j ncs Herzens. Aber Amadeus Tebellaires Tochter
erregte sein beobachtendes Interesse. Nicht um ihrer Schönheit willen allein, sondern um des Anreizes halber, den ihre träumende Seele auf ihn ausübte, auf ihn. der seiner selbst so voll bewußt war. Von ihrem Geist dachte er klein, von ihrer Gefühlsreinheit und Wärme glaubte er vieles erwarten zu können. Darum, wenn er sich auch besvöttelte. verfing er sich doch immer wieder in dem Netze ihrer kindlichfrohen Unbefangenbcit. Wenn ich schweige was dann?" wiederholte er zum dritten Mal. Ein Dienst ist doch des anderen werth. Oder nickt? Aber davon wollen Sie nichts wissen?" Sie crröthete über und über. ..Eduard " Ja, Eduard bin ich freilich nicht." unterbrach er ihr Lispeln mit leichter Ironie. Aber deshalb könnte doch ein bischen Güte für mich abfallen." Jetzt nickte sie unwillkürlich, denn ihr Herz schlug voller und lauter. Er nannte sich kindisch ob dieses Geschwätzes, ober abbrechen konnte er's nicht. Vielmehr fuhr er mit leiserem Fragen fort: Nicht wahr? Ein klein wenig?" Sie nickte wieder. Aus ihren dunklen Augen leuchtete das Glück. Gewißgewiß!" Also, nicht wahr? ein klein ganz klein wenig bischen viel V Ob er auch zu ihr wie zu einem Kinde sprach, feuchteten sich doch Mari? Antoniens Wimpern. Er nahm ihre Hand. Dabei geschab ihm etwas Merkwürdiges, etwas, dagegen seine Herrenmoral sammt allen ihren Unverantwortlichkeitslehren sich sonst mit Verachtung gewendet haben würde: Zwei Zeilen eines Liedes kamcn ihm in's Gedächtniß, das er bis dahin zum tonenden Unsinn geworfen: Toch wen Tu sprichst: Ich liebe Dich. Eo mich ich weineil bltlerlich. Sie sollen fröhlich sein!" sagte er schroff. Lachen Sie mich aus und vergessen Sie das thörichte Zeug, das wir gesprochen haben." Der Haushofmeister erschien auf der Schwelle. Es ist servirt, Herr Graf." Maximilian Trachberg führte die Vikomtesse zu den plaudernden Gruppen zurück. 5. Kapitel. Bettv Trachberg. deren leidenschaftliche Freude längst in schmerzende Ungeduld sich verwandelt hatte nach ihm. den ihre Blicke vergeblich suchten, trat endlich hastig neben ihre Mutter. Wo ist Mar?" Wenn er nicht noch in der Bildergallerie ist, wohin ich ihn schickte " 'Du schicktest ihn? Und er ging?" fragte die junge Frau mit bitterem Spotte. Mit Marie Antonie, dieser kleinen, unvorsichtigen Gans, damit sie sich nicht noch mehr tompromittire." versetzte die Baronin, noch im Innersten empört. Erzählt uns der wie heißt er doch? da eine Geschichte von Henkelkörben und Straßenjungen" Mit Marie Antonie?" flüsterte die Gräfin vor sich hin. ..Mit D!arie Antonie?" ÜJtaj verstand meinen Wink," fuhr Frau v. Lüttmig sehr wichtig fort, als ob sie nicht davon überzeugt gewesen wäre, daß zehn Winke ihrerseits bei gegensätzlicher Meinung des Grafen erfolglos gewesen wären. Wir wollten dem wie heißt er doch? zeigen, daß-" Die junge Frau hatte ihren schworzen Fächer immer dichter vor ihrem Antlitz bewegt, als wollte sie das häßliche Gespenst des Argwohns von sich abwehren. Sobald die Geschichte mit Kirchstein klappt, muß der Alte her," fuhr die Baronin fort. l " Betty nickte. Sie glaubte sich seit Kurzem so hoch erhaben über den Eifersuchtsdämon, daß sie vor ihrem Wunsche erschrak. Marie Antonie anderweitig gesegelt zu sehen. ..Da kommen sie!" Die junge Frau wußte es selbst nicht, welch' eine Welt von Hoffen, Qual und Leidenschaft in dem Blick lag, mit welchem sie Trachberg auf sich zukommen ließ. Er fühlte die tiefe Bedeutung dieses Blickes mit zerstreuter Gleichgiltigkeit und ohne die geringste Beschleunigung seiner Herzthätigkeit. Lieber Graf!" rief die Baronin, ohne eine andere Absicht als die, ihrem Wirthe -etwas Angenehmes zu sagen, lieber Graf, nach Marie Antoniens Wangenröthe zu urtheilen, hat sie neben der Auszeichnung Ihrer Gesellschaft eine erfreuliche Bereicherung ihres Wissens erfahren." Die Gräfin heftete einen Moment ihre Augen scharf auf das flammende Gesichtchen der Vikomtesse, dann sagte sie mit lächelnder Ironie: Hätte ich geahnt, daß Sie ein so vortrefflicher Lehrmeister sind " Sie brauchen keinen," fiel er mit glattester Höflichkeit ein. Wir sitzen alle zu Ihren Füßen und lauschen." Sicher!" bestätigte Marie Antonie glückerfüllt. Darf ich bitten?" Trachberg reichte Betty den Arm. Er fühlte, daß er nicht weiter gehen durfte. Die Thürflügel zum Speisesaal waren jetzt weit geöfsnet. In vornehmster, Pracht zeigte die Tafelausstattung unter dem Glanz der Kristallkronen einen Theil der Edelmetallschätze des Hauses zwischen einem Rosenflor, weleher selbst den Verwöhntesten unter den Gästen Worte des Entzückens entlockte.
Der Graf führte seine L)ame bis zur Mitte dieser Prunktafel. Ihm gegenüber nahm die Baronin und Repräsen-
tantin den Ehrenplatz der Hausfrau j ein. ynchi allzuwert von ihr entfernt in gleicher Reihe saß zwischen Vollblut und Bourgeoisie die kleine Vikomtesse, ohne die geringste Ahnung, welches Glücksgefühl Bruno Geisler beim Erschauen dieser Nachbarschaft empfand. Er war, da für ihn keine Dame da war, zur Entschädigung neben eine solche eingeschoben worden, zum Mißvergnügen der Baronin, welcher dadurch jede Macht genommen war, die zukünftige Frau v. Kirchstein vor thörichten HeimathSerinnerungen zu bewahren. In Folge dessen warf sie ihrer Tochter hilfesuchende Blicke zu. Aber wo waren Bettys Gedanken! Von dem Moment an. da ihre Hand im Arm des Grafen ruhte, war der sengende Sturm, welcher wieder über ihre Seele hinzubrausen begonnen, wie ausgelöscht. Der folternde Eifersuchtsdänion versank, es wurde wieder licht und warm in ihrem Herzen. Jetzt dankte sie es Maximilian, daß er eine Liebe wie die, welche zwischen ihnen waltete, der lauernden Menge hinter unanfechtbarer Haltung verbarg. Sie belächelte ihr wunderliches Hoffen, ihn wie ein Kind mit Feuersgefahr spielen zu sehen. Ja, sie erschrak vor ihrem eigenen Wunsche, seine Neigung öffentlich aus dem Rahmen strengster Zurückhaltung hervorzuzwingen. Alle, die je Zeuge der schroffen Unzugänglichkeit der jungen Frau geworden waren, fühlten sich von der strahlenden Heiterkeit, welche sie jetzt um sich verbreitete, bezaubert. Nur Bcaximrlian Trachberg erfüllte sie mit innerstem Unmuth. Denn er allein wußte um das Feuer, welches diese glänzende Laune schürte, er allein wußte, daß alles nur Selbsttäuschung war, mit der sie früher oder später Abrechnung würde halten müssen. Sie. Nicht er. Denn noch glaubte Trachberg. daß eine Fessel, die er mit hatte schmieden helfen und die ihn immer empfindlicher zu drücken begann, mit kühler Galanterie zu sprengen sei. Wi wachsendem Interesse verfolgte er die Augensprache des jungen Arztes, welcher, ähnlich wie Betty, seinem inneren Jauchzen durch eine Kette scherzhafter Einfälle Abfluß schuf. Das unbefangene Lachen der kleinen Vikomtesse reizte endlich die Ungeduld der Baronin so stark, daß sie, wenn auch durchaus korrekt, die Schranke der Zurückhaltung durchbrach. Erstaunlich wichtig thuend mit der Bedeutung des ehemaligen königlichen Schatzmeisters v. Debellaire und seiner gunstgekrönten Gemahlen, sowie mit der untadeligen Stammbaumreinheit der einstigen bretonischen Großgrundbesitzer, schlug Frau v. Lüttmig jetzt zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie machte der anmaßenden Unterbaltung des jungen Arztes ein Ende, indem sie zu gleicher Zeit sich und alle Anwesenden mit der Abstammungsherrlichkeit ihrer Nichte erlabte. Liebe Marie Antonie," sagte sie mit einer gewissen Hochachtung, indem sie ihren Oberkörper leicht vorneigte, derzeih! Aber wir sprachen soeben von Euren außerordentlichen Familienschicksalen. Ich wurde gefragt, ob Dein Papa noch persönliche Andenken an die unglückliche Königsfamilie besitzt. Dies wäre sehr interessant und rührend." Nein. Tante Tina!" erwiderte die kleine Vikomtesse lebhast. Papa sagt auch immer, es müßten solche Andenken. zum Beispiel das Pathengeschenk der Königin an die Großmutter, in Menge vorhanden gewesen sein. Aber mit dem Tode der Urgroßeltern ist alles verschwunden. Auf der Flucht sollen überdies Koffer verloren gegangen sein." Welchen Weg von Paris aus haben Ihre Vorfahren genommen?" fragte ein besternter und bebänderter Herr respektvoll. Ueber Nancy und Straßburg. Excellenz. Es ist so gewesen, sagt Papa, daß nach der erzwungenen Rückkehr des Königs, der Vikomte an demselben Abend sein Palais von aller Diener schaft entblößt gefunden habe, mit Ausnahme eines Kammerdieners, welchc? meinen Urgroßeltern verrieth, daß ihre Verhaftung noch in nämlicher Nacht bevorstände, was ja mit der Hinrichtung gleichbedeutend war." Entsetzlich!" flüsterte Marie Antoniens Tischherr. ..Welch' ein Glück, daß die Herrschaften den Weg zrr Flucht noch offen fanden." O, sie sind zwei Mal angehalten worden. Papas Großvater war mehr todt als lebendig. Dazu fieberte sein Töchterchen" Die Pathe der Königin Marie Antoinette," fiel Frau vLüttmig rasch ein. Es ist denn auch an den Folgen der Entbehrungen auf der Flucht verstorden. Papas Vater wurde erst acht Jahre später geboren, nicht lange vor dem Tode des Vikomte. Aber meine Urgroßmutter hat bis Mitte der zwanziger Jahre gelebt." Wie traurig!" sagte die besternte Excellenz sehr stimmungsvoll, ältern und Kind so fern der Heimatb, in fremder Erde!" Frau v. Lüttmig nickte seufzend, ob wohl sie keine Ahnung hatte von den besprochener! Gräbern Aber sie stand wieder im Brennpunkt der Äufmertsamkeit. Es mnß damals eZnefurchtvare Zeit für jeden anständigen Menschen gewesen sein unter diesem Revolutionsgesindel," saqe Eduard Trachberg. Aber I wesbalb. Kousinchen. ist Deine Urgroß-
muttcr nicht wieder nach Frankreich zurückgcgangen und an den Hof des achtzehnten Ludwig, als der Napoleonschwindcl ein Ende hatte? Eine bessere Gelegenheit zur Entschädigung für alle Leiden konnte sich ja gar nicht sinden!" Marie Antonie zuckte die Schulter. Ich weiß es nicht!" Sie wußte nur. daß ihr Vater über diese Frage jedes Mal in Zorn gerathcn war. Frau v. Lüttmig seufzte abermals. Die Anhänglichkeit an zwei Graber an solche Gräber" Natürlich! Natürlich!" Allgemeines Beifallsnicken. ..Papa hat die drei Gräber wieder schön in Stand setzen lassen," suhr 301 a rie Antonie lebhaft fort. Unsere Ahnen ruhen alle drei unter einem einzigen großen Steine. Auch die Inschrift ist ganz einfach. Louis Amdee, Vikomte de Debellaire Viktoire Marie, Vikomtesse de Debellaire Marie Antoinette de Debellaire. DaZ ist alles!" (Fortsetzung folgt.) Schreibmaschinen werden seit Kurzem auch in der Kanzlei des Privatsekretärs König Edwards VII. verwendet. Bisher wurden königliche Briefe nur mittelst Handschrift hergestellt. Die städtische Straßenbahn von Hüll in England erzielte im letzten Jahre einen Gewinn von 40,000 ($200,000), wovon 10,000 für Steuer-Erleichterungen Verwendung fanden.
Jude als Fcldmarschail. ?ine in den Kulturstaaten bisher einzig dasteqcnde Rangerliöhung. Eine Beförderung, wie sie bislang noch in keinem anderen Kulturstaate vorgekommen war, ist unlängst im Königreiche Italien erfolgt. Ein Jude. General Ottolenghi, avancirte zum Range eines Generalfeldmarschalls. Ottolenghi, der erst vor einiger Zeit zum kommandirenden General eines der zwölf Armeekorps des italienischen Heeres, mit dem Sitze in Genua, ernannt worden war, wurde mit dieser Rangerhöhung Chef des italienischen Heeres im Kriege und erstieg die höchste Sprosse auf der Stufenleiter der dortigen militärischen Hierarchie. Bald darauf ernannte ihn der König Viktor Emanuel III., dessen militärischer Erzieher Ottolenghi gewesen war. zum Kriegsminister, an Stelle des von dem Veneral Qttolenghi. Posten zurückgetretenen Generals Ponza di San Martina. Man kennt in der neueren Geschichte blos zwei Fälle, in denen gebürtige Juden Kabinettsposten innehatten. Es waren dies Lord Beaconsfield in England und Baron Sonino in Italien. Beide hatten sich jedoch taufen lassen, während Ottolenghi auch nach seinem Glauben noch Jsraelit ist. Big Four Bahn Ercurfions Sonntag 22. Juni. Cincinnati $1.25 Rundfahrt. Spezial Schnellzug nirgends anhaltend nach beiden Richtungen, verläßt Jndianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. Danville, Jlls. und zurück. $1.00 oder weniger für die Rundfahrt. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7.2o Uhr Morgens. Rückfahrt von Danville um 7 Uhr Abends. Terre Haute 81. Greencaftle 75c. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Terre Haute um 7 Uhr Abends. MIME 142 Nord Pennsylvania Gtrahe, Hauptquartier für Brillen und Operngläser. 1S 0CI mauH II Brillen erben nach den besten Methoden den Angtn ,ngepat. Künstliche Augen erde schmerzlos eingesetzt.
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