Indiana Tribüne, Volume 25, Number 257, Indianapolis, Marion County, 20 June 1902 — Page 7

Jndiana Tribune, SO Juni

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Wenn öu mich sicö(l Vo.nsn von Georg Parrmig (Cnzmy Koeppel.) 4$$sxSSxSSs : (Fortsetzung.) Wahrlich, Sie machten das Wort zur Wahrheit, daß zwischen Haß und Liebe nur ein Schritt ist." 2ie fuhr leidenschaftlich auf. Ich will nichts hören!" Ich aber will die Wahrheit entschleiern. Sie haben die Situation derartig zwischen uns zugespitzt, daß ich sie abstumvfen muß durch die Thatfachen selbst." Er griff nach ihrer Hand, welche ihm zu entziehen ihr augenblicklich die Willenstraft mangelte, und zog sie an seine Lippen. Dann sagte er leise: Sie haben mich einst geliebt, Betty!" Tie junge Frau entriß ihm ihre Rechte und deckte sie über die brennenden Augen, wie sie es heute Nacht gethan hae' als der Ampelschein des Schlafgemaches durch den Thürspalt hereinfiel. Ich wußte auch, daß Sie Gegenliebe erwarteten. Still! Ich bitte Sie!" unterbrach er sich erregter. Dies ist die Wahrheit. An dieser leiden Sie. An ihr richtet Ihr Stolz Sie zu Grunde. Wir sind ja allein," fubr er mit einschmeichelnder Ueberredung fort, wir haben uns so lange Komödie vorgefpielt warum ausnahmsweise nicht auch einmal ehrlich sein?" Seien wir's!" sagte sie, hastig zurücktretend. Aber was glauben Sie, daß werden wird, wenn wir's gewesen sind?" Frieden!" Es gibt keinen Frieden zwischen uns," rief sie mit unsicherem Tone, denn das Herzenselend jenes ersten Tages an Eduard Trachbergs Seite stieg mit überwältigender Klarheit vor ihr auf. Er betrachtete sie einen Moment schweigend. Ich muh Ihnen ein Geständniß machen." Wenn ich es hören will." Sie wollen es. Mein Wort darauf," sagte er fest entschlonen. Lasten Sie uns nicht wie Kinder um eine Thatfache herumschleichen, fondern wie einsichtsvolle Menschen darauf zugehen. In einem habe ich Sie mit Vorbedacht getäuscht. Ich wollte das Beste. Leider habe ich meinen Zweck zu gut erreicht." Mich warfen Sie in Eduards Arme!" rief sie bitter lachend. Sie thaten es selbst," fiel er lebhaft ein, durchaus gegen alle und jede Voraussetzung. Diesen Gewaltstreich haben Sie ganz allein gegen sich verübt. Mir blieb nichts übrig, als Sie zu beklagen und Eduard und einen Dritten." Dieser Dritte wäre?" fragte sie rauh vu ciui, uui vcic uiuu uncu unn'öthiaen Rettungsakt in eine Art Mitverschuldung hineinzogen " Seine Stimme, gedämpft wie sie klang, stockte flüchtig. Ich konnte Sie nicht lieben. Betty! Nennen Sie's einen Mangel an Gefühlslosigkeit oder Kälte wie Sie wollen. Aber ich wäre nicht im Stande gewesen, Ihnen das zurückzugeben, was Sie mir schenken wollten." Er hätte, um ganz ehrlich zu sein, hinzufügen müssen, daß ein Fräulein v. Lüttmig ihm zu einer Verstandesehe nicht hochgeboren genug erschien, und daß das rasch aufgeschossene, hagere Mädchen ibm durchaus nicht begehrenswerth gedünkt hatte. Angesichts der nunmehr wundervoll erblühten Frau vergaß er diese Thatsache. Sie hatte eidtz Hände gegen ihr Antlitz gedrückt, unfähig, dem Zauber seiner Nähe zu entfliehen. Leiser und erregter fuhr er fort: Ich fürchtete nicht nur, ich wußte es, daß Ihre Leidenschaft einen Moment finden würde, der mir Qual, Ihnen Enttäuschung brinaen mußte. Sie cvv; rf n n Wa v c v:r. waren so jung. Und die Jugend spinnt sich so gern in romantische EinBildungen ein. So dachte ich von Jbnen auch und hielt es für meine Pflicht, eine wunderliche Blüthe schwärmerischer Empfindung mit einem scharfen Schnitte wurzellos zu machen." Er fchwieg, die sich immer hastiger erneuernden Athemzüge ihrer schmerzbedrängten Brust bemerkend. Betty." sagte er dann im Bewußtsein, mehr und mehr an innerem Gleichgewicht einzubüßen, daß ich mich in der Stärke und Tiefe Ihrer Neigung getäuscht habe, das hat mir die Kraft Ihres Hasses bewiesen. Darin war ich im Unrecht." Ich kann nichts mehr hören! Ich will nichts mehr davon hören!" rief die junge Frau, ihre Arme abwehrend ausstreckend. Er ergriff ihre Rechte. Doch noch dieses eine. Bei meiner Ehre. Betty. nicht Liebe, nur Ihre Eitelkeit war tu, die, ich verletzen wollte, als ich auf jerem Feste Sie zum Ohrenzeugen meiner Versicherungen machte, daß ich niemals Interesse ftir ein blondes Weib empfinden könne. Eine Stunde später waren Sie Eduards Braut m .Lassen Sie das ruhen mich kümmert's nicht mehr!" rief sie, mit letzter Kraft ihm ihre Hand entreißend. Das leise Erschauern ihrer herrlichen Glieder trieb sein Herz zu schnelleren Schlägen an. .Endlich will ich mein Anwalt sein," fuhr tt hastig .fort. .Betty, ich hatte zu os. fchon die Probe auf das Exempel machen sehen und

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selbst gemacht, daß die Eitelkeit des Leibes stärker ist als alle anderen triebe. Zu ihr nahm ich meine Zuslucht. Um ein anderes Gefühl zu schonen, verletzte ich sie. Denn das

ßoußie ich damals nicht, daß Sie edler ! im 4. . . L waren, als Dte anoeren; cieie erienni mß gab mir Ihr Haß' zu spät. Vcrgeben Sie mir diesen Irrthum, so haben Sie mir alles vergeben." Sie war blendend schön in der wortlosen Erregung, welche einen Thränenflor über ihre brennenden Augen legte. Und diese Lüge daß ich nie ein blondes Weib lieben könne vergeben Sie mir." flüsterte er. Diese erbarmliche diese brutale Lüge vergeben Sie mir." Sie versuchte seinem Blick zu begegnen aber die Sehnsucht langer Jahre zwang heiße Tropfen unter ihren Lidern hervor. Wie auf Flügeln herbeigetragen, umwehte plötzlich Frühlingsluft und Frühlingssonne ihre zuckenden Schläfen. Ein Glück und Freuen strömteihr zu Herzen, daß sie meinte, fortgerissen zu werden. Sie mußte die Augen schließen vor solcher Allgewalt. Und wie sie's that, schwankte sie. Trachderg nahm sie stützend in seinen Arm. Ihm war, als vollzöge sich ein Entzauberungswünder vor seinen Augen, sogepackt und hingerissen fühlte er sich von dieser schutzheischenden Hilflosigkeit. Er kämpfte mit dem, was auf feiner Zunge schwebte, den sicheren Vodei? fühlte er schwinden; aber sich über ihr bleiches Antlitz beugend, flüsterte er doch: Wäre die Betty jener Tage die Betty dieser Stunde gewesen " Sie schlug die Augen zu ihm auf. voll leucbtcten sie ihm das Geständniß ihrer unerstorbenen Leidenschaft entgegen. Arme, arme Betty die ich war " Der Schritt des heimkehrenden Grafen Eduard ward im Korridor hörbar. Er ging in fein Zimmer. Hinter ihm schloß sich die Thür vernehmlich. Trachberg empfand dieses gedämpfte Geräusch mit überreizter Gehörschärfe wie einen Schrillton, der sein Nervensystem durchzuckte. Ermannen Sie sich, Betty! Ich muß Sie verlassen. In Holdenberg auf Wiedersehen!" Er wollte sie in einen Sessel niedergleiten lassen, aber mit hinreißendem Liebeslächeln richtete sie sich willensstark m seinem Arm empor. Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!" rimilian Trachberg verließ das Gemach, dessen Temperatur und Blumenschwüle plötzlich wieder bleiern auf ihm lasteten. Beim ersten Athemzuge in der fonnigen Winterluft wich der Fieberzustand, der ihn, den Leidenschaftslosen, zu einer größeren Gefühlsgluth hingerissen hatte. Und so schnell trat dieser Wechsel ein vom Rausch zur Ernüchterung, vom Irrthum zur Erkenntniß, daß Trachberg sofort seine volle Ueberlegung zurückgewann. Aufzuklären war er gekommen Täuschung und Verwirrung hatte er geschaffen. Und zwar eine Täuschung, die ihm wie eine Fußkette nachklirrte: eine Verwirrung, in welcher sich ein gutes Theil seiner selbstverherrlichenden Unantasibarkeit verstrickte. Niemals würde er sich versucht gefühlt haben, das Vertrauen seines Vctters in irgend welcher Sache zu hintergehen, am wenigsten, dessen Eheglück zu stören. Auch nicht, wenn er Betty geliebt haben würde. Aber er liebte sie gar nicht einmal, jetzt weniger denn je um der gefährlichen Komödie willen, welche sie mit ihm und ihrem Hasse gespielt hatte, und weil sie Künstlerin genug in diesem Spiel geblieben war, ihn und die ganze Welt damit zu täuschen. Sogar die Achtung, welche er ihrer allezeit tadellosen Haltung an der Seite eines ungeliebten Gatten entgegengebracht, drohte in diesem Momente zu erlöschen. Inwieweit der Verdruß über sich selbst und eine peinliche Selbstbeschämung sich mit seinen edleren Motiven verflocht, ließ der Groll Trachbergs zur Zeit unerörtert. Er empfand auch kein Mitleid mit den irrthümlichen Empfindüngen der jungen Frau, kein Verständniß für die Schwere ihrer Niederlage. Am wenigsten Furcht vor ihrem Vergeltungstrieb. Der Grf gab seinem Kutscher ein Zeichen vorauszufahren, während er, von dieser Gedankenlaft erschüttert, fortfuhr, die kalte Wieterluft in tiefen Athemzügen einzusaugen. Plötzlich fühlte er sich in seinem Vorwärtsschreiten gehemmt. Ich habe mir bereits die Ehre gege ben, Herr Graf" Trachberg schaute auf. Ah, Herr Justizrath!" rief Graf Trachberg. Bedauere, daß Sie den Weg in meine Wohnung umsonst gemacht haben. Ich bin etwas zerstreut gewesen " Was nur geistreichen Menschen zustößt. Ich harte einige Fragen" Sie würden mich außerordentlich verpflichten, rotnn Sie mir Sonntag die Freude Ihres Befuches machten, und bei dieser Gelegenheit!-" .Sehr gütig, Herr Graf, es hätte wohl Zeit bis dahin, aber ich bedauere unendlich, gerade am Sonntag wird es mir unmöglich sein. Ich erwarte einen Neffen zum Besuch." So bringen Sie ihn mit. bester Herr Justizrath. Ohne Zwang. Dank für Ihren Besuch. Ich mutz zum Frühstück beim Prinzen Heinrich. Also Sonntag!-

Er reichte ihm die Hand, lüftete swcy- j tig den Hut, winkte seinen Kutscher

heran und bestieg den Wagen, welcher rasch davonrollte. Viel zu langsam für Marie Antoniens Ungeduld kam der ersehnte Sonntag herbei. Etwas führte er noch mit sich, das der kleinen Vikomtesie zuletzt Fußkribbcln vor Erregung verursach::: den bedeutungsvollen Besuch des RittMeisters v. Kirchstein, welchen Frau v. Lüttmig so viel als möglich in die Länge zu ziehen wußte, zur größten Freude des lttmeisters, der offenbar für Marie Antonie eine lebhafte Ncigung gefaßt hatte und alles that, um sie für sich einzunehmen. An dem Ernst seiner Absichten war nach den Erklärungen. die er der Baronin gegeben hatte, nicht zu zweifeln, und diese freute sich, wieder einmal eine Heirath stiften zu können. Endlich ging der Rittmeister, zu refeer Erleichterung Marie Antoniens. denn der Wagen, der sie nach Holdenberg bri'rgen sollte, wartete schon unten. Sirahlend saß sie neben der Baronin und überschaute die weite Schneefläche, hinter welcher doch endlich einmal das Schloß auftauchen mußte. Du wirst sehen," sagte die Baronin mit außerordentlicher Wichtigkeit, daß Holdenberg ein Wohnsitz für eine Fürstentochter ist. Ich habe auch munteln hören, der Großherzog beabsichtige. Max als dem reichsten und vornehmsten Magnaten seines Landes den Tiul .Erlaucht' zu verleihen. Was sagst Du nun? Glaubst Du. daß eine Fürstin sich noch besinnen wird, was?" 0 nein! Wie könnte sie!" Na. da ist das Schloß." Die kleine Vikomtene schaute vorwärts. dorthin, wo das Land hügelig und waldig zu werden begann. Von jener Anhöhe herab, we.che die niedergehende Sonne mit ungebrochenem Licht umhüllte, daß es schien, als flamme das mächtige Gebäude in Goldgluthen auf, sah Schloß Holdenberg in das ebene Gelände herab. !" flüsterte Marie Antonie und dachte an die Fürstin, welche hier ihren Einzug halten würde. Sieh Dir's genau an!" rief Frau v. Lüttmig mit samilienstolzer Wichtigkeit. Lauter rothglasirte Ziegelsteine. Und jeden 'otein bezahlte der alte Graf mit fünfundsiebzig Pfennigen. Ein schönes Geld! Und die Pserdeställe! Kleine Bürgersleute würden darin wie in einem Palast wohnen. Ach, die Gewächshäuser! Betty könnte sich, wenn sie wollte, jeden Tag in Blumen baden. svzwar die sinkende ?onne nocv Streiflichter genug durch die bunten Glasfenster der Halle warf, erstrahlte dieser Prachtraum bereits im Vollglänz elektrischer Beleuchtung. Ein Treppengang von solch' architektonischer Schönheit, wie ihn Marie Antonie selbst im großherzoglichen Schlosse nicht gesehen, führte, der Eintrittsthür gegenüber, zu den oberen Gemächern empor. Die Stufen herab eilte Graf Max, seine ersten Gäste in Empfang zu nehmen. Die Damen haben meine besonderen Wünsche errathen," sagte er mit äußerster Verbindlichkeit, indem sie mir einige Minuten des Alleinseins mit Ihnen ermöglichten. Die Neugier der Komtesse zu befriedigen liegt mir ebenso am Herzen als die Bitte an Sie. Frau Baronin, mir heute die fehlende Hausfrau zu ersetzen." O. lieber Graf" Ich darf also hoffen?" Durchaus vergeßlich und gleichgiltig gegen die von ihrer Tochter als selbstverständlich ausgesprochene Erwartung. nach so langer Entfremdung einmal wieder die ihr gebührende Stellung in Holdenberg einnehmen zu können. sagte Frau v. Lüttmig auf die Aufforderung des Grafen mit Wonne zu. Darauf hatte Maximilian Trachberg gerechnet, ebenso wie auf ihre unantastbare Würde als Mutter, als n zwischen sich und Betty diese erste Scheidewand schuf, zugleich für sie die erste Enttäuschung, welche sie genöthigt war. schweigend über sich ergehen zu lassen. Beiden Damen den Arm reichend, führte er sie zu den oberen, der Gefelligkeit dienenden Räumen empor. Amadeus Dcbellaircs Tochter schritt andächtig verzagt neben dem Grafen über eine blumengeschmückte Gallerte, welche rings um die Halle angelegt war. Dabei tan ihr dieser wunderliche Einfall: Wenn jetzt alle Pracht und Herrlichkeit plötzlich ma sie her verschwände, ob sie an Trachbergs Arm eine Leere um sich spüren würde? Wir haben zur Noth noch zehn Minuten Zeit. Komtesse." scherzte der Graf, feine Uhr ziehend. Wenn wir ein rasches Tempo, eine Art Geschwindmarsch anschlagen, könnte ich vor Tische noch Ihre Neugier befriedigen und bestrafen. Wollen Sie?" Ob sie will!" rief die Baronin, grüßend in den Empfangssaal rauschend. Also bitte links!" Er führte sie schnell durch eine Reihe Prunkgemächer, belustigt von dem sindlichen Entzücken, das aus ihren Worten wie aus ihren Mienen sprach. Also daö alles finden Sie so schön! Zu schön vermuthlich für einen Einsiedler." Sie werden ja bald kein Einsiedler mehr sein, Herr Graf." Es flog ihr sehr unbedacht über die Lippen, und sie errölhete vor seinem mißbilligenden Blick. Nicht?" fragte er spöttisch. ,Haben Sie oder hat man vielleicht schon sür mich gewählt?"

Tante Tina " fUtftMk ne toorncy verlegen. Er lachte. Ja so! Tante Tina!" Ihre Befangenheit that ihm leid, und er nahm den gewohnten Neckton wieder auf. Wie meinen Sie denn, daß meine Zukünftige aussehen müßte?" Ach, ich weiß ja gez nichts davon!" sagte sie halb ärgerlich, halb scheu. Aber ich weiß." fuhr er leiser fort, wie der zukünftige Gemahl der Vikomtesse Debellaire aussehen wird." Sie fuhr wie elektrisirt auf und schaute ihn groß an. Ja? Wie denn?" Wie denn?" Und ein wärmeres Gefühl für dieses holdselige Kind, dem Spielen und Leben noch gleichbedeutende Dinge waren, erfaßte ihn. Nun! So ungefähr wie der Herr v. Kirchstein" Kirchstein? Der Rittmeister?" rief sie lebhaft. ), bewahre!" Ihre Stimme sank zu einem vertraulichen Flüstern herab, als ste fortfuhr: Nie! Papa würde gar nicht erlauben, daß ich eine einfache Frau v. Kirchstein würde. Papa ist nämlich sehr stolz auf feinen Namen und auf unsere Familie. Seine Großmutter war die intimste Freunbin der Königin Marie Antoinette, und sein Großvater erster Hausbeamter und Schatzmeister des Königs. Seine Tante ist noch von der Königin im Jahre 1792 über die Taufe gehalten worden. Ich glaube nicht, daß Papa Herrn v. Kirchstein nein, ich glaub's nicht. Tante Tina denkt sich das so." Ihre Voreltern sind Emigranten gewesen?" Ja. Der Vikamte war damals schon kränklich und alt und floh im Jahre 1793 mit seiner schönen jungen Frau, nur von einem Kammerdiener begleitet, in einer entsetzlichen Sturmnacht über die Grenze. Wie viele andere flüchtige Familien wollten sie sich zuerst in Altbreisach niederlassen und auf das Ende der Revolution warten, aber es war nur gut, daß ste's nicht gethan haben, denn gerade dieser Flüchtlinge halber ließ der abscheuliche Robespierre die Stadt bis auf den letzten Hauspfeiler niederkartätschen." Sie sagte das alles so rasch und ausdrucksvoll her, wie Amadeus Debellaire es ihr durch unzählige Wiederholunzen beigebracht hatte.

Der Gras, bemuht, em Lächeln zu unterdrücken, welches nicht aufhören wollte seine Lippen zu umzucken, nickte mit scheinbarer Theilnahme. Die Erzählung fand er urdrollig, die Erzählerin aber so allerliebst in dem Gemisch von Selbstbewußtsein und harmloser Naivetät, daß er mit wirklichem Bedauern diese Unterhaltung abbrach. Es ist leider hohe Zeit, daß ich mich meiner Hausherrnpflicht erinnere. Aber das müssen Sie mir versprechen" er hielt ihr die Hand entgegen daß Sie bei nächster Gelegenheit fortfahren, mir von Ihren Familiengeschichten zu erzählen." Sehr gern, Papa kennt auch nichts Schöneres, als davon zu sprecyen! sagte sie strahlend, ihre Finger in die einigen legend. Ich weiß noch so viele hübsche Einzelheiten aus dem Leben am Hofe der Königin Marie Antoinette und aus dem Leben unserer Ahnen." Nun. das müssen Sie mir alles verrathen." sagte er scherzend, dabei aber mit vollkommener Eigenmächtigkeit den Arm des jungen Mädchens in den seinen legend, wozu ihn im Grunde nichts als die Harmlosigkeit der Plaudernden berechtigte. Zeitig genug kehrten Beide in den Saal zurück, um Betty Trachberg neben ihrem Gatten eintreten zu sehen. Seit der letzten bedeutungsvollen Unterredung mit Graf Maximilian hatte Frohlocken und Jubeln in Betiys Herzen kein Ende gefunden. Alles, was sich an Bitterkeit darin aufgehäuft hatte, war von fieberndem Hoffen hinweggeschwemmt. Die natürliche Empfindung ihrer Seele, so lange nur in bizarren Launen zum Durchbruch kommend, lag jetzt wie Frühsonnenschein über ihrem ganzen Sein. Maximilian liebte sie. Wo blieb da ihre bisherige Abneigung gegen ein Wesen wie Marie Antonie, die we.it außerhalb dieser strahlenden Glückszone ihr anspruchsloses Dasein hinlebte? Ihre frühere Härte bereuend, hatte Betty Trachberg edelmllthig die kleine Vikomtesse umarmt und ihr das schwesterliche Du angeboten. Dann hatte sie ihren Schmuckkasten herbeischaffen lassen und nicht geruht, bis Kette und Armband, Ring und Brosche und sonst noch allerhand Schmuck die Hände des jubelnden Madchens füllten. Auch hatte sie der darob hocherfreuten Baronin eine beträchtliche Summe Geldes angeboten: Mache sie schön! Hörst Du? Recht schön. Sie hat ja sonst nichts!" Nichts! Und sie selbst hatte alles Maximilians Liebe! Getragen von lohender Erwartungsfreude, in ihrer äußeren Erscheinung gerade heute von berückender Schönheit. ließ sie ihre Blicke. Trachberg allein verständlich, erinnerungsselig über seine Züge gleiten; fest entschlafsen, alle Bande zu sprengen, um ihm fortan anzugehören. Aber gerade das, woran diese läckelnden Blicke ibn gemahnten, stcigerte die ablehnenden Selbstvorwürfe des Grafen in diefem Moment des Wiedersehens bis zur Unerträglichst. Willkommen in Holdenberg!" sagte er, die Hand der jungen Frau leicht an die Lippen drückend. Wenn Du wüßtest, Eduard, welche Ueberredungskünfte ich habe anwenden müssen, um Betty eine Zustimmung abzulocken." Sie muß in den letzten Tagen einen

Gesundbrunnen entdeckt haben," en segnete Graf Eduard frohgelaunt, der ihr ganzes Nervensystem verwandelt hat." Ich will nichts mehr hören von Ner-

ven und Nervosität!" rief die junge j Frau mit einem Anflug mädchenhafter Verlegenheit, der ihrem Antlitz viel zu ureigen war, als daß er es hätte noch verschönern können. Laß sie schlafen diese Quälgeister der Vergangenheit!" Vortrefflich!" scherzte Trachberg, ihr seinen Arm reichend. Nur ist das Meer der Vergangenheit tückisch und unzuverlässig wie alle Meere. Man ist nie sicher, daß es einen Raub nicht wieder herausgibt, selbst wenn er noch so tief versenkt wäre." Nein," sagte sie mit tiefer Ueberzeugung, davor bin ich sicher." Ihren herrlichen Nacken und Hals, die aus dem Ausschnitt des schwarzen Sammetkleides in alabasterweißem Glänze sich erhoben, überlief bei diesen Worten ein feines Errötben. (Fortsetzung folgt.) rsa9 yjloeiauer FtnvelyanS. Die größte Wohthätigkeitsanstalt Europas" so wird das Findelhaus in Moskau in dem offiziellen Bericht ge nannt ist eine Stiftung der Kaiserin Katharina II. Sie gab auf Anregung oes Staatsmannes Johann Betzkoi am 1. September 1763 den Befehl zu seiner Entstehung. Und bereits am 1. Äpril 1764 wurde es eröffnet. Das weiße Gebäude unterhalb des Kreml nimmt mit feinen Nebenflügeln kin gewaltiges Areal ein. Es umfaßt riesige Räume, große Säle, mächnge Vorhallen, luftige, endlose Korridore, dem Licht ist überall Zugang gewährt, und die äußerste, ja großartigste Reinlichkeit gesteht der Anstalt nicht nur der flüchtige Besucher zu, fondern sie ist bekannt in der medizinischen Welt. Ein Ausweis über die Herkunft der ubergebenen Kinder wurde ursprünglich nicht verlangt, die Pfleglinge, MünDel" genannt, blieben im Hause und wurden für irgend eine Kunstrichtung erzogen, oder für ein künstlerisches Handwerk, denn das neue Ruhland besaß keine Künstler. Im ersten Jahre wurden 523 Kinder ausgenommen; jetzt ist die Durchschnittszahl 25,000 jährlich. Natürlich hatte die völlige Zlnonymität die Folge, daß viele Eltern nnfach ihre Kinder in's Findelhaus abschoben. Später wurde Gesetz, daß die Zinlieferung nur mit einem Zertifikat ioft die uneheliche Geburt oder Elternlostqkeit, das der Priester ausstellt, stattfindet. In den 19 großen Sälen der Anstalt halten sich die Ammen und Pflegerinnen Tags über mit den Säuglingen zuf. Sie sind alle in Nationaltracht, mit dem Kakifchnik über dem bunten Seidennetz, und einem farbigen Abtheilungszeichen. Die Mütter, die ihre Binder einliefern, sind verpflichtet, sie selbst zu ernähren, wenn es ihre Gesundheit erlaubt. Sie werden dafür verpflegt, gekleidet und erhalten noch :ine Summe von 7 Rubeln; ebenso Die gemietheten Ammen. (Ein Rubel ist etwa 76 Cents.) Die Hülle der Säuglinge bilde: ein dreieckiges Wollluch, das die Aermchen mit bedeckt und hemdchcn und Windeln sind darunter, leine engendcn Binden. Daß die Mutzur Pflegerin wird, ist eine große humane That. Da es unmöglich ist, trotz der Größe der Anstalt, alle Pfleglinge zu beha!en, schickt man sie nach der Impfung zu Ziehmüttern auf's Land. Diese werden von Aerzten und Inspektoren überwacht. Bei 1500 von solchen Kin)ern kommi es jährlich durchschnittlich zur Adoption durch die Pflegeeltern. Die Kosten für Schulbesuch trägt das Findelhaus; besonders begabten ..Mündeln" hilft es zur Ausbildung, jnd manche wissenschaftliche Autorität soll aus dem weißen Hause in Moskau hervorgegangen fein. Die weiblichen Mündel verheirathcn sich meistens auf dem Lande, sie werden mit 50 Rubeln ausgestattet; oder sie kommen in's Mutterhaus als Hilfskräfte. In die Städte, als Arbeiterinnen, dürfen sie nicht. Mit einundzwanzig Jahren sind sie alle Bürger und Bürgerinnen der Ortschaften, in denen sie in Pflege waren und werden mit 30 und 35 Rubeln dotirt. Haben Eltern aus Dürftigkeit ihre Kinder dem Findelhaufe anvertraut, so können sie sie zurückverlangen, wenn ste in besserer Lage sind. Die Unterhaltung des Moskauer Findelhauses beträgt jährlich 1,500,3Q0 Rubel. Neben der kaiserlichen Dotation ist stets die Wohlthätigkeit rege, die Mittel zu vergrößern. In der amerikanischen Seidenindustric war im Jahre 1900 ein Kapital von $81,082,201 angelegt, lit Zahl der Fabriien war 483, der Werth der erzeugten Produkte $107,256,258, der des verarbeiteten Materials $62.406,665. Sörksto Zeit. Feuerwebrmann (aus dem brennenden Wirthshaus ein Faß herausrollend): 's war die höchste Zeit, daß wir gekommen sind, Ochsenwirth 's Bier fängt fchon an, warm zu werden!" Der w e r t h v o l l st e Perl mutter st ein, der bis jetzt im Mississippi gefunden wurde, ist im Besitze eines gewissen Ben McCormick von Lynnville, Wis. Der Stern wiegt 61 Gramm und repräsentirt einen Werth von $2500.

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142 Nord Pennsylvania Etrahe, Hauptquartier für Brillen und Operngläser. h: Sl Ul IPWXSH.WWIAi lST1 0CBL 0fc n WDts II BriUrn erden nach den besten Metyoden den ugln ngepaßt. künstliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. PlnlipZapf, 141 UiLIAIi U vuuu,im G und SttftauxanU 42 Virginia Avenue. Lunch täglich von UM Vormittags bis 2 Nachmittags. Auster Stelv 15c. Rohe Austern lOe. Karstadt's Dampf-Färberei und Echt-Wiischerei. Nachfolger von John Vrill u. Co ) Etablirt t7t. Ielehens : Masi. Ave.. ?lt 2578. Neu ö ollege Dr, lt. Rrown 34. JUluois Str.. lt. Rrovn 214. W Herren- und Da-.l'.en:kleidek. gereik nigt, umgeändert und ausgebügelt. Deutsche Buchhandlung. ffarl Pingpank 4 Virginia Ave.. 34. t Pemdrske Arkade. I Big our Bahn Vrrurfions Sontag 22. Juni. Cincinnati $1.25 Rundfahrt. Spezial Schnellzug nirgends anhaltcnd nach beiden Dichtungen, verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Cincinnati 7 Uhr Abends. Tanville, Jlls. und zurück. $1.00 oder weniger für die Rundfahrt. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7.25 Uhr Morqens. Rückfahrt von Tanville um 7 Uhr bcnds. Tcrre Haute 81. Greencaftle 75c. ve;ialzug verläßt Indianapolis um 7 Uhr Morgens. Rückfahrt von Terre Haute um 7 Uhr Abends. Neduzirung der A'rmee. Zluf Befehl des Präsidenten hat der Kricgssekretär Root dieser Tage eine Äeneralordre erlassen, durch welche die Stärke unserer stehenden Armee und )as Verhältniß ihrer Zusammensetzung in Gemäßheit der Generalordre vom Mai 1901 zur Ausführung des Ar-m.ee-Reorganisations-Gesetzes verän)ert wird. Nach der Generalordre vom Mai vorigen Jahres sollte die Ge,'ammtstärkc der Armee sich auf 77,287 Mann belaufen. Die jüngste Ordre fetzt diese Zahl auf 66,497 oder um l.0.790 herab. Bei der Kavallerie sind durch diese Odre die einzelnem Regimenter um je 120 Manir reduzirt worden, so daß die jetzige Stärke der Ka-oallerie-Regil.ienter dadurch von 15,340 auf 14,040 gebracht wird. Bei der Artillerie wird die Küsten-Artillerie auf ihrer früheren Stärke (126 Kompagnien zu je 109 Mann) von 13,734 Mann belassen, doch werden bei der Feld-Artillerie die bestehenden 30 Batterien von je 160 Mann auf 28 Batterien (25 leichte und 3 Gebirgsbatterien) zu je 120 Mann reduzirt. Dafür hat man 2 Belaqerunqs-Batterien zu je 160 Mann vorgesehen, womit also das Artillerie-Korps jetzt aus 17,742 Mann statt wie bisher aus 18,862 Mann bestehen wird. Für Gewehrschäfte verbraucht man in Deutschland jährlich sechs Mal mehr Nußbaumholz, als für die deutsche Möbelindustrie. Der Dampfer-Trusi. welcher von I. Pierpont Morgan oroanisiri wurde, ist mit einer Summe don $170,000,000 kapitalisirt worden. D i e D i a m a n t e n w a a g t n sind so empfindlich, daß schon ein Staubkorn oder ein Lidhärchen ein Ausschlagen der Zunge hervorbringt.

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