Indiana Tribüne, Volume 25, Number 256, Indianapolis, Marion County, 19 June 1902 — Page 4

Jns,ana Tribüne. 19. Juni 190

Jndiana Tribüne.

HerauSqegeben von der uteberg E. Indianapolis, Ind. Harry C. Thudium - - - - Präsident. GescÄäftslocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. Entered at tne Post Office of Indianapolis as second dass matter. Schweizer Volksfeste. Ein recht festfreudiges Volk sind die Schweizer Eidgenossen. Wohl nir gends häufen sich will man von den Kirchenfesten der katholischen Länder absehen die Anlässe zu festlichem Leben und Treiben in gleichem Matz wie in dem kleinen, aber dichtbevölkerten und wohlhabenden Land, dessen einzelne Kantone jeder für sich die Ruhmestage aus der Väter Zeit jährlich oder in Lustren begehen, nicht zu gedenken der zahllosen kantonalen und eidgenössischen Feste der Turn-, Schützen- und Sängelvereine, die stets einen politischen Beigeschmack haben und eine Kategorie von Festen für sich bilden. Treibt die Festlust der Schweizer auch manche eigene Blüthen, so möchte man sie als lebendigen Ausdruck kraftvollen, selbstbewußten Vürgcrsinns doch nicht missen, um so weniger, da diese Feste den häufig in kantonalen und interkantonalen Eifersüchteleien zerfallenen Landestheilen den eidgenössischen Gedanken von Neuem wecken und das Gefühl der Einheit wiederherstellen. Die scharf getrennte Eigenart der einzelnen Kantone, die dem Landesfremden vom ersten Augenblick an auffällt, giebt auch den Festen, die jeder Kanton für sich selbst feiert, ihr Sondergepräge und verleiht ihnen dadurch culturhistorischen Reiz. Sechseläuten das Frühlingsfest der Zürcher, zu dem programmgemäß die Sonne scheinen muß zeigt in dem glänzend kostümirten Aufzug der Zünfte, die nicht mehr socialpolitische Gruppen, sondern einzig noch gesellschaftliche Vereinigungen darstellen, den Reichthum und den Stolz der Bürger in blendendem Licht. Eine Grundidee, die in freier Weise ausgestaltet wird, bestimmt den Charakter des ganzen Zuges, der eine große Zahl geschmückter Festwagen, begleitet von Reitergrupden und Fußgängern, zeigt. Und des Abends flammt am Ufer des Sees der mächtige Scheiterhaufen zum Himmel, der den Böqg", das Symbol des Winters, zu Asche verzehrt. Mit Jubel verfolgt das zuschauende Volk im weiten Ring den malerischen Vorqana, der für den echten Zürcher noch tiefere svmbolische Bedeutung hat. Jagt der Wind die Flammen zur Seite, so daß sich die mächtigen Rauchwolken nach der Tiefe ziehen, über dem See lagern und die Wergpuppe erst spät oder nicht völlig dem Feuer zum Opfer fällt, so wird dies als übles Vorzeichen für den Sommer und dessen Ernte gedeutet. Anderen Charakter trägt das Iah-re-fest der Glarner, die NäfelserFahrt, eine feierliche Prozession der Bevölkerung zur Erinnerung an die Schlacht bei Näfels, in der das kleine Bergvolk das Ritterheer der Habsburger schlug und sich damit vor Unterjochung rettete. Der paritätische Charakter der Bevölkerung von Glarus wird auch bei dieser Feier, bei der die Geistlichkeit eine wesentliche Rolle spielt, streng gewahrt. In der Näfelser Kirche' hält erst der katholische Geistliche die Festpredigt, der nach altgeheiligtem Brauch die Verlesung der Namen jener Tapferen folgt, die beim Kampf für die Freiheit der Heimath fielen. Dann besteigt der evangelische Pfarrer die Kanzel und verliest, nachdem er seine Rede gehalten, die Namen der Gefallenen nochmals. Die eigentliche Festrede jedoch hält der Landammann des Kantons im Freien auf dem Schlachtfeld. Basel und Luzern haben ihre Sonderfeste zur Fastnachtszeit ; die Basler Fastnacht ist namentlich berühmt ihrer Maskenbälle wegen, bei denen sich der sonst sehr reservirte Basler gehen läßt, daß es eine Art hat. Originell ist fcrner die Groppenfastnacht" in Ermatingen, das Volksfest des Bodensees, das seinen Namen von einem Fisch des schwäbischen Meeres, der Groppe", trägt und ebenfalls als Frühlingsfest gefeiert wird. Die Feste der welschen Kantone sind weniger derb, mehr von sinnigem Reiz, so das berühmte Winzerfest zu Vevey in der weinfrohen Waadt und das Narzissenfest m Montreux am Genfersee. Feste, in denen französischer Geschmack und Anmuth voll zur Geltung kommen. Genfs Jahresfeier, die Escalade", gilt dem Gedächtniß des Tages, an dem die Bürger der Rhonestadt im Jahre 1602 den nächtlichen Angriff der Savover glücklich abschlugen und damit ihre Unabhängigkeit dauernd vor den Eroberungsgelüsten der landgierigen Nachbarn sicherten. Das Fest giebt den Bürgern Anlaß zur Entfaltung ausgelassener Fröhlichkeit und kennzeichnet auf diese Weise am besten den leichtlebigen Volkscharakter der Welschschtveizer gegenüber dem der Deutschschweizer. 700,000. Sagen Sie mir. wie sonnte der junge, fesche Doctor nur diese häßliche Wittwe heirathen? Die ist ja eine böse Sieben!" Ja. aber es sind fünf Nullen d'ran!"

Indische Fakire.

Die Fakire, ursprünglich eine religiöse Sekte von Asektikern. die in Indien vor dem englischen Regiment noch viel mehr Anhänger hatte als jetzt, sind sozusagen Heilige", in der Art. wie die arabischen Derwische, und leben von Almosen, die ihnen namentlich auf dem Lande häufig und willig gespendet werden. Aber auch solche Leute, die sich N'cht durch Betteln, sondern durch Zauberkunststücke, Wahrsagen, Schlangcnbeschwören u. s. w. ihr Brot verdienen. nennt man gewöhnlich Fakire. Auf unseren Bildern ist daS Vradourstück. der sogenannte Korbtrick, dargestellt. Auf Abbildung 1 sieht man, Wie Prinz Jshmael so nennt sich der Hindukünstler, bei uns zu Land würde er sich wahrscheinlich Pro fessor nennen seine Schwester bezaubert, was natürlich nur als eine Introduktion zu betrachten ist. Nachdem der Fakir der Dame mit einem Band die Hände vor das Gesicht gebunden hat, schließt er sie in ein starkes Knotennetz ein (Abb. 2). So stellt sie der Fakir auf den Rand eines Korbes (Abb. 3) und läßt sie in dieser Lage mit dem Korbdeckel auf ihr liegend m U i Mb. 4). Dann verschwindet auf ein:n Schuß oder auf ein anderes Signal hin die Gestalt, manchmal noch mit einem Tuch bedeckt, im Korb. Ist dies geschehen, so stellt der Zauberer den Korb aufrecht mit der Oeffnung nach dem Publikum, damit es sich überzeugen kann, daß nichts im Korb enthalten ist. Ja. um alle Zweifel zu benehmen, sticht er mit einem spitzen Degen, Wie auf Abb. 5 dargestellt ist, nach allen Richtungen in den Korb hinein. Muß man nicht denken, daß im nächsten Augenblick Blut fließen wird? Nun läßt der Fakir das Schwert ruhen und wendet sich gewöhnlich mit tu ner kleinen Ansprache an die Zuschauer, klagt, daß seine Schwester, sein Sohn, oder wen er gerade zu dem Trick benutzt hat, verschwunden ist u. s. w.. dann spricht er Beschwörungen, klopft wohl auch mit seinem Stab auf den Korb oder klatscht in die Hände, und plötzlich steht die verschwundene G-stalt aller Banden ledig im Korb, wie auf Abb. 6 zu sehen ist. Cin genauer Beobachter wird sich wohl eine Vorstellung machen können, wie die Sache vor sich geht. Wenn man auf den bauchigen Rand des Korbes aufmerksam macht, dann wird gewiß manchem ein Schlüssel zu dem Räthsel gegeben sein. Bei uns zu Lande ifi man gewöhnt, Zaubervorstellungen ans einer Bühne zu sehen, wo dim Professor" Versenkungen, Schnüre, Coulissen und zahlreiche unsichtbare Hände zur Verfügung stehen: nicht so in Indien. Der Fakir eröffnet seine Vorstellung auf der Straße, in einem Garten, irgendwo. ohne irgend welche Vorbereitungen. Die paar Sachen, die er braucht.

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traat er mit seinen Anqehöriaen in

Körben an Stangen über der Schulter. I Bombay treiben sich kleinere und größere derartige Künstlergesellschaften zu Dutzenden auf den Straßen herum; der Klang einer kleinen Trommel lockt Neugierige, namentlich Fremde, an die Fenster; der Fakir thut durch Gebärden kund, daß er eine Vorstellung geben möchte, lüftet wohl auch den Deckel eines der Körbe, aus dem sich die Köpfe von ein paar Brillenschlangen erheben, und sucht so die Schaulust zu erregen. Das Honorar", das man den Fakiren verabfolgt, ist gewöhnlich nicht sehr hoch, und wenn ein Fremder eine ganze mWm ckMWuM Rupie (etwa 33 Cents) spendirr, so kann er sicher sein, von den Künstlern für einen Vata Sahib" (großen Herrn) gehalten und als solcher angeredet zu werden. So wie alle Inder, sind auch die Fakire gute Geschäftsleute und haben Unternehmungsgeist. In allen Ländern, die der weite Indische Ocean bespült, und noch weiter fort findet man indische Kaufleute, und überall, wo ständiqe Colonien von Indern sich gebildet haben, da kommen auch Fakire hin. Sie reisen natürlich bescheiden als Deckpassagiere, und wenn die See es irgend erlaubt, fangen sie sofort an, ihn Passage abzuarbeiten. Sobald alle ?citreisenden zur Ruhe gekommen sind. boxt man den bekannten Ton der kleimn Trommel, die Künstler geben eine Vorstellung, der auch dieser oder jener virn den vornehmeren Cajütenpassagie ren beiwohnt. In ihrerHeimath kommt ein Fakir mit seinen Angehörigen zu Öause mit vier Rupies für Kost und Wohnung für den Monat reichlich aus, und aus d'.eser Thatsache kann man entnehmen, daß die Leute auf ihren Kunstreisen" Einnahmen erzielen, die für ihre Begriffe sehr bedeutende Summen repräsentiren. Außer dem Korbtrick machen die Leute noch andere verblüffende Kunststücke: das Wachsen des Mangobaumes tot den Augen der Zuschauer, Tanzen auf scharfen Schwertern mit bloßen Füßen u. s. w. Im Besinnen. Professor (nachdem er den Gipfel des Mont Blanc erstiegen): 2öa5 wollte ich doch gleich hier " Base-Ball. AmericanAssociation. Die gestrigen Spiele resultjrten wie folgt : Y Louisville. Ky., 18. Juni. Louisville 0 000000 1 0 1 Indianapolis. .1 6001000 8 Toledo. 0.. 18. Juni. i Toledo 0 02 0 0 1 4 0 7 Columbus ....0 1 000 0000 1 Milwaukee, 18. Juni. Milwaukee ...0 0100000 12 St. Paul 000 00 0 001 1 Mnneapolis. 18. Juni. MinneaplS.2 000001100 04 KansaS CitqO 0 0 1 1 2 0 0 0 0 2 6

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vondale Heights.

Heute Abend findet die große Eröff. nungs-Feier von Avandale Heights. dem ehemaligen Kissel'schen Garten an 26. Straße und Capital Ave., statt, der nun unter der Leitung des Herrn A. C. Tamm, Sohnes des Herrn August Tamm. zu einem Erholungsort erster Classe für deutsche Bürger und Familien umgewandelt worden ist. In dem hübschen Garten werden jeden Abend und außerdem an Samstag Nachmittagen Concerte veranstaltet und können deutsche Familien dortselbst ungestört Erholung und treffliche Labung finden. Heute Abend ist für besondere Unterhaltung Sorge getragen. Ans dem Staatshause. 0 o u v. D u x b i li und Staats.. Auditeur Hart begeben sich heute nach Knightstown, um die Schlußfeier im Jndiana Heime für Waisen von Soldaten und Seeleuten beizuwohnen. Gestern zahlte der Anditeur $84,695 Zinsen an der Staatsschuld und am 1. Juli hofft er $300,000 von der Schuld selbst abtrazen zu können. W a y n e L e e s o n, der Präsidsnt der Elwood' Polizei-Behörde, hat sein letzte Woche dem Gouverneur unterbreitetes Resignations Gesuch zurückgenommen. Personal Notizen. Morgen, Freitag Nachmittag, veranstaltet Frau Aug. M. K u h n in ihrer Wohnung No. 604 Capital Ave. unter Theilnahme der Kinder aus der Nachbarschaft eine kleine, hübsche musikalischc Unterhaltung. Der Eintrittspreis beträgt nur 15 Cents und fließt der Erlös in die Casse der Fresh Air Mission". Jedermann ist freundlichst eingeladen. Heute Abend um 8 Uhr werden in der Ev. Zion's Kirche Frl. G o l d i e D. Britton und Herr Frank J.Baden durch Pastor I. C. Peters zum Bunde für's Leben vereint werden. Herr Frank Baden ist der BuchHalter der hiesigen Anheuser - Busch Agentur und Sohn des wohlbekannten Herrn Chas. Baden. Nach der Trauung wird die Hochzeit im Hause der Eltern feefl BräutgamS, No. 17 S' Teorborn Str., festlich begangen. Das Haus bewilligte Indiana'sKriegsanspruch. Washington, D. C., 19. Juni. Nach einer heftigen Debatte hat das Haus den Kriegsanspruch des Staat's Jndiana bewilligt und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß dasselbe auch im Senat der Fall sein wird. Der Betrag, welchen der Staat erhalten wird, beläuft sich auf $635, 859.20. Frenzel Bros., No. 1 W. Washington Ztx (Merchants National Bank.) Ein europäisches Department. Wechsel, Creditbriefe und Postanweisungen auf alle Städte Europas. Schiffsscheine mtSU von An un& verkauf ausländischen Geldes. Lassen SieJhrCapita! anwachsen indem Sie es in der Indiana Trust Co. deponiren. Dieselbe bezahlt 3 Prozent Zinsen auf Depositen im Betrag von $1.00 an. Keine bestimmte Zeit zum Deponiren ist zu beobachten. Kein bestimmter Betrag ist erforderlich. Keine Unkosten bei der Anlage eines SparConto. keine Abzüge bei der Entziehung von Depositen. Office t Jndiana Trust Gebäude. Ecke Wash. Straße und Virginia Ave. Samstag Nachmittag geschloffen.

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