Indiana Tribüne, Volume 25, Number 254, Indianapolis, Marion County, 17 June 1902 — Page 7
Jndiana Tridune, 17 Juni 1902;
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jjj TU enn du mich liebst.
Voman von Georg Hartwig (Lmmn Koeppel.) 1&&&$QQQQQ&&$&9 (Fortsetzung.) wird gewiß nichts mehr davon oder dazu gethan werden, Frau Kousine." Der Baronin brannte schon lange etwas auf der Zunge. Sobald Marie Antonie des Suppenauftragens halber das Zimmer verlassen hatte, schoß sie los. Vetter, ich bin ganz starr. Sie haben ja die Schönheit selbst zur Tochter!" Wollen Sie mir den Vorzug geben?" fragte der Vikomte mit entsprechender Armbewegung. Meine Tochter erwartet uns." Sehr gern! Kinder, Ihr seid ja prächtige Menschen." Dieses Lob bezog sich darauf, daß in der gesammten Familie Herr v. Debellaire als Sonderling und Hochmuthsnarr verschrieen war. Nehmt mich so reizend aus! Wenn das Betty wüßte!" Wer ist Betty?" fragte Marie Antonie, mit Schmerzen sehend, wie die Baronin das theure Tellerbouket unbeachtet zur Seite legte. Betty ist meine Tochter, Kindchen. Recht gut verheirathet an den Grafen Trackberg. Eduard Trachberg, nicht Maximilian. Maximilian ist der Majoratsherr. Schönste Figur bei Hofe." Bei Hofe?" Der Vikomte bestieg sein Steckenpferd, um es von der Freifrau eine Weile herumführen zu lassen. Sie leben am Hofe? So war Ihr Herr Gemahl vielleichtKammerherr, Vetter, und wäre sicher Hofmarschall geworden. Um ehrlich zu sein, ich hatte damals Angst wegen Betty; sie war in die Höhe geschössen wie eine Spargelstange, und so sollte ich sie bei Hofe einführen! Wenn ich denke, welche Plage ich mit den runden Taillenausschnitten hatte, wo die Schulterblätter magerer Frauen wie Entenflügel herausstehen! Und welch' andere Erscheinung ist ste nun! Es wird sie so leicht keine ausstechen. Aber was ich sagen wollte von Ihren königlichen Hoheiten " Und jetzt kamen Hofgeschichten an die Reihe, welche Vater und Tochter mit brennendstem Interesse über stch ergehen ließen. Nicht wahr," flüsterte die kleine Vikomtesse entzückt, diese Hoheiten sind alle sehr schön?" Sie haben sehr angenebme Gesichter," sagte die Tante diplomatisch. Du mußt Dir das merken, Kindchen, hohe Damen sind niemals häßlich." Der Vikomte n'.ckte einverstanden. Bei der jetzt grassirenden liberalen Richtung legt man wohl wenig Werth mehr auf Exklusivität bei den Empfängen?" Aber, lieber Vetter!" rief Frau v. Lüttmig mit ihrer gedankenlosen Liebenswürdigkeit, bei welcher eine bestechliche Natürlichkeit den innewohnenden Dünkel verhüllte. Bürgerliche Damen werden niemals zu Hoffestlichkeiten eingeladen, wie denn eine Vorstellung derselben nur besonderer Gründe halber erfolgt, während sich dies bei uns von selbst versteht." Ich setze den Fall, die Männer dieser Damen wären von Adel und also hoffähig," sagte der Vikomte mit so ernster Miene, als erörtere er den wichtigsten Fall. So wird der Mann eben eingeladen." Und seine Frau muß zu Hause bleiben?" rief die kleine Vikomtesse neugierig. Es wird ihr wohl nichts anderes übrig bleiben," lachte die Baronin und schob zu Marie Antoniens Erstaunen die schönste Zuckernuß achtlos bei Seite. Du solltest Dir die Sache 'mal in der Nähe besehen, Kindchen!" Der Vikomte, den diese Wendung peinlich berührte, bot der Baronin mit verbindlichem Lächeln seinen Arm an zur Aufhebung der Tafel. Sie werden verzeihen, Frau Kousine, wenn Marie Antonie jetzt für ein Weilchen unsichtbar bleibt. Das Geschäft der Kaffeezubereitung ist ihr ein so liebes Vergnügen." In Wahrheit verzog die kleine Vikomtesse betrübt die Lippen. Um der Fortsetzung dieses Gespräches zu lauschen, hätte sie heute gern ein Loth Bohnen mehr geopfert, damit die Aufwärterin ihrem Kafeedurste genügen konnte ohne Schädigung des Gastes. Aber des Vikomtes Anordnungen duldeten keine Wigeru.ig. Herr v. Debellaire und die Freifrau kehrten also Arm in Arm allein in's Wohnzimmer zurück. .Sagen Sie 'mal, Vetter," begann hier die Baronin, was denken Sie stch eigentlich, das aus Ihrer entzückenden Tochter werden soll? Wollen Sie wirklich die Kleine hier einmauern und verblühen lassen? Wenn Ihr Zusammenleben auch noch so charmant ist, lieber Vikomte Sie sind, so viel ich weiß, doch auch sterblich." Diese Erinnerung verursachte Herrn ', v. Debellaire ein schmerzliches Frösteln. .Sterblich stnd wir alle, sagte er leise. 'Natürlich stnd wir sämmtlich keine ewigen Juden," lachte die Baronin ohne das mindeste Verständniß für die unterdrückte Qual dieser leisen Stimme. Aber lieber Vetter, wenn Sie nicht wenigstens zweimalhunderttausend Mark haben was soll 'mal
aus Marie Antonie werden? Haben!
Sie hier standesgemäße Partien in Aussicht? Tann freilich! Wenn aber Nicht" Dem Vikomte war's heiß geworden. Genau diese traurigen Erwägungen, welche liier als Mischmarsch zwischen Scherz und Ernst an sein Ohr drangen, bewegten schon lange seine Seele. Er schlug die Augen nieder, als sei er auf einer Schuld ertappt. Würden Sie die Kleine einem bürgerlichen Bewerber geben?" fragte die Baronin weiter. Ich nein! Nie!" Also was wird ihre Zukunft sein?" Frau Baronin, Sie ahnen nicht " versetzte der Vikomte mit bebenden Lippen. Auf Ahnungen gebe ich gar nichts, Vetter. Thatsachen!' Thatsachen! Darauf kommt's an. Also ich mache Ihnen den Vorschlag, geben Sie mir Mari? Antonie mit. besser gesagt, bringen Sie sie mir. Der Winter ist vor der Thür, die großen Festlichkeiten beginnen. Eingeführt wird sie durch mich." Es wurde dem Vikomte unsäglich schwer, den künstlich festgehaltenen Schleier um seine dürftige Börse fortzuziehen. ..Es ist mir. offen gestanden, etwas zu kostspielig," versetzte er. Lassen Sie sich nicht auslachen, Vetter," rief die Baronin, welche erstens gern Heirathen stiftete und zweitens dringend wünschte, im Besitz einer so schönen Nichte eine große Rolle zu spielen. Billiger als bei Hofe kann ein junges Mädchen gar nicht in Toilette gehalten werden. Zwei neue Kleider für zwei große Bälle. In zehn anderen Gesellschaften kann sie die Fahnen auftragen es bleiben immer Hoftoiletten. Glauben Sie denn, daß nur reiche Leute hoffähig sind? Der Tausend, der Familienname, Ihr Name, Vetter, ist doch auch etwas werth." Das war Wasser auf des Vikomtes Mühle. Ich hoffe es," sagte er mit besserer Fassung. Sprechen wir jetzt nicht mehr davon. Ich höre Marie Antonie kommen. Kein Wort, ich bitte Sie inständigst. Sie gehorcht mir unbedingt." Wie Sie wollen, lieber Vetter." sagte die Baronin gleichmüthig. wahrhaftig, wie Sie wollen. Haben Sie die Geschichte klipp und klar, dann schreiben Sie mir nur. Ich " Hier trat die kleine Vikomteß, das Kaffeegeschirr in der Hand, zur Thür herein. 2. K a p i t e l. Die Baronin hatte nach wortreichem Abschied, wobei sie Marie Antonie freigebig mit Küssen, des Vikomtes rheumatischc Hand mit kräftigem Druck bedachte, die Wohnung verlassen. Die kleine Vikomtesse, ganz überwältigt von der Liebenswürdigkeit, welche während der letzten Stunden über sie hereingebrochen war. schlich, zum ersten Mal ein leeres Gefühl im Herzen spürend, an die Seite ihres Vaters und legte ihre heiße Wange gegen seine Schulter. Papa," sagte sie und schämte sich, mir ist der dumme Kopf so heiß. Laß mich noch ein halbes Stündchen durch die Promenade laufen. Ich bin pünktlich wieder da. Darf ich. Papa?" Zu keiner anderen Zeit würde die Erlaubniß hikrzu ertheilt worden sein, heute empfand Herr v. Debellaire ein Alleinsein wie eine Wohlthat. Geh nur. Kind, aber renne nicht unvernünftig." Sie war "schon im Flur, drückte ihr Pelzbarett auf's Haupt, ohne einen Spiegel zu befragen, knöpfte die kurze Jacke hastig zu und huschte die Stufen hinunter und aus dem Hause hinaus. Wie wohl that ihr die feuchte Kühle nach der trockenen Heizluft drinnen. Die kleine Vikomtesse meinte, ihr wüchsen Flügel an den Schultern, so leicht trugen die Füße sie davon. Wenn nur der Kopf nicht so vollgepfropft gewesen wäre von allen möglichen Ereignissen und Persönlichkeiten, die sie nie -sehen hatte! Da waren G??ßherzogs, da war Betty. da war deren Mann und dessen Vetter, der Majoratshcrr, uv) vor Allen die neugebackene Tante Tina; Hofdamen und Hofmarschälle gar nicht mit eingerechnet. Ein leises Weinen ihr zur Seite unterbrach das hochgehende Gedankenmeer. Marie Ar.icnie kam wieder zur Erde vor einem kleinen Knirps, welcher neben einem Henkelkorbe dicke Thränen vergoß. Was heulst Du denn?" fragte sie theilnehmend. Hat Dir Jemand was gethan?" Ich kann nicht!" schluchzte der Kleine nun völlig los. Was kannst Du nicht, mein Junge?" fragte Marie Antonie, sich tiefer ' ihm neigend. mvtn Korb nicht nach Hause tragen zu schwer." Zeig 'mal!" Die Vikomtesse hob den Korb prüfend in die Höhe. Freisich. Du Knirps, der ist schwer. Wer ist denn so dumm gewesen, Dir das aufzutragen? Wo wohnst Du denn?" Das rothe Händchen des Kleinen zeigte nach dem fernen Ende der Straße. Na, dann komm, Junge, faß an!" Kurz entschlossen nahm sie den Henkelkorb vom Boden auf und schritt, unlckümmert um die Aufmerksamkeit, welche sie erregte, neben dem glücklichen Jungen das Trottoir entlang. Nicht allzuweit. Von der anderen Seite kam ein junger Mann so hastig herüber, daß die Vikomtesse glaubte, er gehöre zu dem Kinde und meinte, sie wolle dessen Korb sich aneignen. Darüber erglühte sie vor Verdruß.
Verzeihen Sie, mein Fräulein!" rief er. als er noch etliche Schritte von ihr entfernt war, ich bitte dringend " Sie war so erschreckt, sich angeredet ZU hören, daß sie in der That wie auf Kommando stillstand. Diesen Liebesdienst überlassen Sie mir," fuhr der Fremde fort. Doktor Bruno Geisler!" Er hatte den Hut gezogen und stch tief vor ihr verneigt. In ihrer Angst, wieder irgend eine Dummheit zu begehen, ließ sie den Korbhenkel fahren. Verbindlichsten Dank!" sagte Doktor Geisler und ariff nach dem Korbe. Wenn jetzt der Vikomte um die Ecke getreten wäre! Marie Antonie fühlte, wie die Wangengluth ihr bis an die Haarwurzeln stieg. Ich werde diesen kleinen Burschen richtig an seine Adresse befördern," sagte Geisler mit einer Abschiedsverbeugung. Ach bitte, ja, thun Sie das." Er lächelte und dann war er fort. Der große Mann mit dem Knirps an der einen und den Korb an der anderen Hand kam Marie Antonie so drollig vor, daß sie lachen mußte. Plötzlich aber drückte sie ihre Hand hastig gegen die Stirn. Ach. bin ich dumm! Das war ja der Groschenmann von gestern Abend." Jetzt war's mit dem Spaziervcrgnügcn taA Thränen des Verdrusses stiegen in den dunklen Augen der kleinen Vikomtesse auf. Wieder sollte sie dastehen wie ein Schulmädel und geschölten werden für eine gute Absicht. Und immer für diesen fatalen Mann! Schnurstracks drehte sie um und lief nach Hause, sich vom Vater ihre Schelte zu holen. Aber wer beschreibt ihr Erstaunen, als just in dem Moment, wo ste den heftigsten Vorwurf erwartete, der Vikomte sie mit innigster Liebe an sich zog. Ich danke Dir, mein Kind, vielmehr dem Himmel danke ich, der mir diesen deutlichen Wink sendet in einer Sache, in der ich keinen Entschluß sassen konnte." Die kleine Vikomtesse war von dieser Wendung ihrer Angelegenheit so betroffen, daß sie kein Wort hervorzubringen vermochte. Er küßte sie und zog sie auf seine Kniee. Du weißt, wer wir sind, mein Kind, also weißt Du auch, daß ich nicht im Stande bin. nach Gebühr über Dich zu wachen. Auch kann ich nicht, wie die Baronin richtig bemerkte, standesgemäß für Deine Jugcndfreuden Sorge tragen." Er wollte sagen, für Deine Zukunft in Betreff einer standesgemäßen Heirath." aber ein Blick in die fragenden Kinderaugen machte ihm diese Enthüllung unmöglich. Die Baronin will also so gütig sein, Dich zu sich zu nehmen," fuhr er mit sichtbarer Selbstbeherrschung fort. Papa!" rief Marie Antonie, halb leidenschaftlich entzückt, halb tiefbetrübt seinen Hals umschlingend. Bis Ostern. Tu sollst Dich einmal in ihren Kreisen nach Herzenslust amüsiren." Aber Du mußt mitkommen, Papa, Du mußt dabei sein!" Wollen sehen, Kleine, wollen sehen." Aber wer führt Dir die Wirthschaft, wenn ich fort bin?" Aus dieser Frage ersah der Vikomte. daß ste mit ihrem Entschlüsse bereits fix und fertig war. Viel schwerer hatte er sich den Kampf, seine Ueberredungskunst viel nöthiger gedacht. Diese Täuschung that ihm weh. Er hob sie sanft von seinem Schooß. Also, ich schreibe der Baronin, daß Du kommen wirst. Bereite Deine Sachen vor. Ich werde dreihundert Mark aufnehmen. Sparsam bist Du, sieh zu, daß es hinreicht." Marie Antonie, erschüttert von der Größe einer Summe, welche sie niemals im Besitz gehabt, mußte in ihr Zimmer fliehen, um sich auszujubeln. Es that ihr ja um den armen Papa schrecklich leid aber zu Ostern kam sie ja wieder. Diese himmlische Tante Tina war sicher nicht so streng wie der Vikomte. Schlittschuhlaufen und in die Konditorei gehen, erlaubte sie gewiß. Alle diese Voraussetzungen Wirbelten derart im Kopf der kleinen Vikomtesse, daß Debellaire in der That eine Erleichterung verspürte, als die Zofe der Baronin sich eines schönen Morgens einstellte und Namens ihrer Herrin bat. die gnädige Komtesse ihrem Schutze während der Eisenbahnfahrt anvertrauen zu wollen. Ein letzter zärtlicher Gruß durch die Wagenscheiben nach dem Fenster, dahinter die Gestalt des gerade sehr rheumatischen Vikomtes trauernd lehnte und mit hellem Peitschenknall rasselte das Gefährt straßenabwärts. Es entführte die glückliche Marie Antonie in die Welt, in das LebenFrau v. Lüttmig erwartete das junge Mädchen auf der: Bahnsteig, empfing sie mit reichlichem Aufwand den Worten und Küssen und geleitete sie zu der harrenden Equipage. Du nennst mich nur Tante Tina, auf anderes höre ich nicht," sagte sie. Eduard ist in Holdenberg zur Jagd, Betty fuhr nicht mit, sie ist leidend. Tu wirst alle sehen. Uebermorgen ist Wohlthätigkeitsbazar. Hast Du Toilette mitgebracht? Steig ein, steig nur ein! Was macht Vater? Rheuma? Und Dein Gepäck? O. blos ein einziger Korb? Also fort!" Von dieser Zungenfertigkeit und Gedankensprungkraft überwältigt, saß die kleine Vikomtesse im Wagen und schaute mit weit geöffneten Auaen in die Straßenreihen, durch welche sie da-hinrollte.
Am folgenden Morgen durchhüpfte sie neugierig das behagliche Heim ihrer aus den Wolken gefallenen Tante Tina. Ueber dem Sopha hing ein lebensgroßes Frauenbild, Perlenschnüre im rothblonden Haar. Meine Tochter Betty." sagte die Baronin. Sie ist aber jetzt viel hübscher. Als Braut hatte sie noch .Salzfässer' am Halse, kein Mensch dachte, daß sie sich so rasch verloben würde, noch dazu mit Edi T'chberg. ,Betty' es war auf einem Diner in Holdenberg geschehen .Betty sagte ich, ,Du bist doch eine kleine Schlange ' " Weshalb denn?" fragte Marie Annie auf's höchste erstaunt. Weil bis dahin kein Mensch was davon bemerkt hatte. Also, mein Kind, was wirst Du übermorgen anziehen, wo möglicherweise Gelegenheit sein wird, Dich den Hoheiten vorzustellen?" d) babe von pa dreibundert Mark mitbekommen sür meine Toiletten," sagte Marie Antonie voller Stolz. Mitgebracht habe ich keine, denn ich hatte noch kein helles Kleid." Die Baronin war einen Moment stark verblüfft. Dann streichelte ste Marie Antonies Wange. Wir wollen mal gleich zu Betty fahren und uns von ihr rathen lassen." Als Marie Antonie die schöne Herrschaftstreppe zur Wohnung ihrer gleichfalls vom Himmel gefallenen Kousiw emporstieg, erfaßte sie eine merkwürdige Angst und Beklommenheit, die sich noch steigerte angesichts der ungeahnten Zimmerpracht. Erst das Rauschen einer seidengefütterten Schleppe hob sie wieder auf die Höhe der Situation. Guten Tag. Bettychen!" rief die Baronin. Hier ist Marie Antonie Debellaire, um Dir guten Tag zu sagen." Eine hohe Frauengestalt war unter die blaue Sammetdraperie des Thürbogens getreten. Mit scharfem Blick ließ sie ihre Augen über die tieferröthende Vikomtesse gleiten, bevor sie langsam näher trat. Seien Sie willkommen!" Was fällt Dir ein, Bettychen!" rief die Baronin lebhaft. Mich nennt sie Tante Tina und Ihr wollt Euch Sie nennen? Kein Gedanke!" Marie Antoniens Herz schlug immer lauter. So herrlich gekleidet hatte sie sich stets eine Königin vorgestellt, so blendend und majestätisch. Ich bin leider sehr angegriffen," sagte die Gräfin, ihre Hand gezwungenermaßen ausstreckend, um Marie Antoniens schüchtern dargebotene Rechte flüchtig zu berühren. Da möchte ich wirklich wissen, wovon!" rief die Varonin verdrießlich. Wenn Du als Mädchen auch gerade keine pöbelhafte Gesundheit hattest, sehlen that Dir eigentlich nie etwas. Seit Du Frau bist, hört das Gepiepst mit den Nerven gar nicht auf. Weshalb bist Du zum Beispiel gestern nicht mit zur Jagd nach Holdenberg gefahren? Hat Max nicht noch besonders darum bitten lassen? Nein, da mußtest Du Deine Nerven pflegen! Ich hätte gestern früh nicht Migräne haben sollen, ich würde Dir schon Lust gemacht haben. Max Trachberg, Kindchen," wandte sie sich dann an Marie Antonie, ist nämlich der Majoratsherr, zum Unterschied von Bettys Mann." Was ist Besonderes an einem Majoratsherrn?" fragte die kleine Komtesse neugierig. Besonderes? Na, es ist ein Mann, der die Familiengüter besitzt und nichts davon abgeben kann, noch Schulden darauf machen. Gewöhnlich also sehr reich, sonst wüßte ich nichts Besondercs; höchstens noch, daß seine Gemablin Betty, wie viele Generationen in diesem Fall? Also fünf Generationen hindurch müssen die Frauen väterlicherund mütterlicherseits hochadliger Abstammung sein, sonst ginge der Vetrefsende des Majorats verlustig. Hat Max Dir wieder diese Rosen geschickt?" Sie riechen unerträglich stark," sagte die junge Frau, ihre Hand gegen die Schläfe drückend. Fünf Generationen," wiederholte Marie Antonie. Das ist aber lange!" Wir wollen doch diese faden Geschichten lassen!" rief Betty ungeduldig. Das versteht stch doch von selbst, daß an Hausgesetzen nicht gerüttelt werden kann." Ja doch, ja doch!" sagte Frau v. Lüttmig lebhaft. Du brauchst Dich doch deshalb nicht so anzustellen! Wenn Max keinen Sohn bekommt " Erst muß er doch wohl eine Frau haben!" fiel die Gräfin nervös ein. ihr Taschentuch auf dem Knie glättend. Daran wird's nicht fehlen, wenn er will." Ich sage nur, wenn nicht.so ist Dein Mann der Erbe des Majorats." Ja. ja, meinetwegen!" murmelte die junge Frau achselzucken'd. Sei nicht immer so verdreht. Betty!" rief die Baronin zornig. Nächstens weiß bei Dir kein Mensch mehr, woran er ist. Heute ist Dir alles einerlei, morgen kannst Du vor Selbstgefühl kaum auf die Erde sehen. Heute gefällt Dir ctetos, morgen machst Du Dich darübe? lustig. Ich-" Du wolltest mich ja wohl um Rath fragen, Mama," fiel die Gräfin flüchtig lächelnd ein, als sie Marie Antoniens Augen bei diesem lebhaften Gesprächstempo immer größer werden sah. Sie müssen wissen, Mama ist etwas nervös durch ihre Migräne." Ich?" rief die Baronin vor Stau, nen beide Arme gen Hinlmel streckend, ließ sie aber gleich wieder sinken. Gut. gut! Ich bin nervös. Du nicht. Also. Kindchen, jetzt durchwandere mal die anderen Zimmer, dieweil ich mich mit Bettn öewrecke."
Die kleine Vikomtesse, welcher eine solche Umgangsform zwischen Mutter und Tochter geradezu fabelhaft vorkam, huschte eilfertig davon, um sich ebenso schnell in ein ungestörtes Beschauen der ihr fremden Herrlichkeiten zu vertiefen. Unterdessen warf sich die Baronin ihrer Tochter gegenüber in einen Sessel. Gefällt ste Dir?" Ich finde Deinen Einfall unbegreiflich," sagte die junge Frau finster, und ein scharfer Zug um ihre Nasenflügel verlieh dem stolzen Gesicht etwas wie grausamen Hohn. Plötzlich sprang sie auf und preßte leidenschaftlich ibrer Mutter Hand. Eine solche Schönheit holt man sich nicht in's Haus, wenn man klug ist. Sie bringt Unglück!" Ach was. Du bist nicht recht gesund. Du mußt Eisen nehmen oder kalte Bäder oder sonst etwas. Ich werde mit Edi sprechen." ..Mit Eduard, Mama, so viel Du willst, nur nicht mit mir," rief Betty Trachberg, rasch in Lachen ausbrechend. Was wolltest Du denn eigentlich saaen?" (Fortsetzung folgt.)
Vine Million Milgtft. Die Zeitung cincö Städtchens in Piemont, welche allsonntäglich ihren Lesern mannigfache Kost bringt, trug jüngst auf ihrer letzten Seite folgende Annonce: Sine Million Mitgift. Ter Vormund rintx jungt Xanic mochte dirs Vektzetnutzen. weil er selbst Geschäfte dsltxr Italien dsrlalvn rnufc. Tie junge Xarnc in u, si,on, kiiir Uimisc und (irfcin sine großcn VrrmogenS. ;c orai.'prucht fri:ien au kmscht Hut rechen Stttta, doch rniift er Beistand, verzkNiZiilk und ein ycioiff? onk5lk ('lcanz jcin iini ncni.cn. Csl ten ju richten u. f. w. Tiese Annonce weckte berechtigtem Aufsehen ; man rieth hin und her, wer wohl diese junge Dame sein könne, doch wollte keiner der jungen Löwen des Städtchens laut bekennen, daß er gewillt sei, sein Glück zu versuchen, im Geheimen jedoch beeilte sich jeder einzeln, die Heirathsannoncc zu beantworten, und seine Person in das rechte Licht zu setzen. Umgehend erfolgte die Antwort: Habe die Ehre, Ihr werthes Schreiben beantworten zu dürfen. Ihr hoher Name ist mir schon im voraus durch Vermittlung eines Freundes bekannt. Ich behalte mir vor, weitere Erkundigungen einzuziehen und würde mich freuen, Sie in meinem Hause als Bewerber um die Hand meines Mündels begrüßen zu dürfen. Vorerst müßte ich doch wissen, ob mcin Mündel in Ibrer werthen Person d I Ideal ibres künftigen Gatten zu s'.nden geneigt ist. Am künftigen Mantaa wird nun der berühmte Scyauspieler N. im Theater Cirio gastiren, wobei Sie nicht verfehlen sollten, sich einen Parketplatz zu sichern. .Als Erkennungszeichen schlage ich vor. eine Blume im Knopfloch und eine Zeitiliig in der Hand zu tragen. Währe::d des Prolcgs dürfen Sie nicht vergcs' sen. des Oefteren Ihr Tuch an den Mund zu führen. Mein Mündel und ich werden in der ersten Reihe eine Loge besetzt tialten, und sofern die junge Dame mit Ihrer Erscheinung zufrieden, werden wir Sie bitten, uns aufzusuchen. Hochachtend X. 9). Der berühmte Schauspieler" im Theater Cirio hatte wohl im Parket nie eine so illustre vollzählige Versammlung des starken Sesihlechtil dieser kleinen Stadt gesehen. Die heirathslustigcn jungen Herren sahen mit ihren Blüthen im Knopfloch ganz stilvoll aus und hatten alle eine Zeitung in der Hand: der Prolog, den der berühmt? Schauspieler" sprach, schien auch sehr lustig zu sein, denn die Herren führten ihre Tücher zum Munde, um das unterdrückte Lachen zu verbergen. Nach Schluß des Prologs wurde das Räthsel gelöst. Ein bäriiger, alter Herr mit freundlichen Augen hinter in Gold gefaßten Brillengläsern trat da hastig an die Fauteuils heran und die Herren erhoben sich a tcmpo. um sich bemrl'bar zu machen und warteten nun auf den Schiedsspruch. Da erhob der alte Herr seine Stimme und hielt folgende Ansprache: Meine Herren. Ihnen Alle danke ich für Il-r Erscheinen. Eine Million Mitgifl" ist nämlich der Titel eines neuen Schauspiels, das wir die Ehre haben werden, vor Ihnen aufzuführen." Der alte Herr mit der goldenen Brille und dem großen Bart war der berühmte Schauspieler, und die An nonce war weiter nichts als die neueste Theaterreclame. Die Herren aber verstanden keinen Spaß sie pfiffen das Stück aus. Mord aus Aberglauben. In Krusics, Serbien, gruben letzthin drei Landleute, Juicü. Mitlin und Markovics nach einem Schatz, der, wie sie glaubten, nur durch ein Menschenopfer gehoben werden könnte. Die Männer gruben erfolglos von drei Uhr V!orgens bis sieben Uhr Abends. Da kam die jungangetraute Frau Miklins herzu. Die Drei überfielen die Frau und tödteten sie in gräßlicher Weise, um den Schatz zu heben. Die Mörder wurden verhaftet. vr. J. A. Sutcliffe, Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin- undRectum Krankheiten. Office : 155 OftMarket Str. Tel. S41 Office-Stunden : 9 bis 10 Uhr m. ; I bis Ut,rm
