Indiana Tribüne, Volume 25, Number 252, Indianapolis, Marion County, 14 June 1902 — Page 7
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142 Nord Pennsylvania Strafte, Hauptquartier für Brillen und Opernglaser. iS IAH! MVlM'j Stz siSTsl WimciM im fOAltt rillen werden nach den besten Methoden den ugt angepaßt. nnftliche Augen werden schmerzlos eingesetzt. Philip Zapf, Wirthschaft und Restaurant. 42 Virginia Avenue. Lunch täglich von 11:30 Vormittags bis 2 Nachmittags. Anftcr Stew 13c. Rohe Austern 10c. Big Four Bahn Erturfionen Sonntag, 15. Juni. Lawrcnceburg, Aurora und wischenflationen . $1 oder weniger sür die Rundfahrt. Spezialzug verläßt Indianapolis um 7.30 Uhr Morgens. Rückfahrt von Aurora um 7 Uhr Abcnos. Union City, Wabash Nd Zwischcuflationen Speziell Zug verläßt Indianapolis um 7.45 Uhr V. M. Retourfahrt von Union City um 6 Uhr und von Wabash um 6.40 Uhr Abends. Das Staats Arbeitertaa Comittee ' versammelt sich an diesem Tag in Wabash. eueS Telephon 2834. Indianapolis. Dr. L. A. Greiner, empfiehlt sich für die Verpflegung kranker Thiere. ranke Verde werden enlgeaengenvmmen und erhalten bessere Avwartung als in ihrer eigenen Stallung. 18 bis 24 Süd Qft Ttraste. Telephon 905. Wohnung 1798. innre Wlllharm. Präs. Mary ahoney. Sekr Arbeit ersten Ranges xa der HHI0S :: C0-0PERATI7E :: LADlDRl No. 232238 Virginia Ave. John A. Kit,. Telephone: VeschLstSfShrer. t und Reu m. Dr. J. A. Suteliffe, Wund Arzt, Geschlechts-, Urin- undRectum Krankheiten. Office : 155 Oft'Market Stt. Tel. 941 Ofnce-Stunden : 9 bis 10 Ubr Bm. : 2 bis 4 Ubr Rm Besichtigen Sie unsere neue Auswahl von japanischen und : : : chinesischen Waaren frisch importirt aus China und Japan. Wäsche wrrd abgeholt und abgeliefert. Office: 152 floxh Dclaware Strahe. QUOXG, LEE & CO. Wrn. Stoeff ler aloon. 202 Nord Noble Str. eues Telephon 2001. Zu vermiethen : Zimmer im Majestic :: Gebaeude z reduzirten Preisen. Das feinste Office-Gebäude in der Stadt oUstandig feuersicher. Schnelle Fahrstühle und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei Gregory & Appel, Agenten, r die Indianapolis Gas So. HHHWMi io ciHnitMi nrben Tcnarrdöa und w.,m,,t h.n nun uiaancn j ? III. . M ' " - - i ' all, ntfnrhnhnt ourq vawrai'wci- ""' jr . miimj1 ohne UndequnnllchkkltkN, Vti ÄilJl 7 . I . I-3. nhrr ' ' i 91 V) Pf i aucn P. C. Vor Sl. k Dorf.
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Sonderbarer 'ZmeiÄlM.'
Von Mr. Myeras -. (Schluß.) Noch hatten die drei vertrachten Ingemeure dreißig Kulis zur Verfügung, welche sich gegen Ueberlassung von zwei Baracken, des Restes des Proviants und andere Vergütungen bereit erklärten, einen kolossalen Zaun aus Brettern zu errichten, die man einfach von den Baulichkeiten der Bahn nahm. Es wurde also ein rechteckiger Platz mit einem Zaun umgeben, dergestalt, daß der Länge nach die cingeleisige Bahn hindurchführte. Links oben und rechts unten in der Ecke der Schmalseiten wurde je eine Tribüne errichtet. In der Mitte des. Rechtecks sollte der Zusammenstotz stattfinden. An dieser Stelle hatte man keine Tribünen errichtet, weil anzunehmen war, daß bei dem fürchterlichen Zusammenprall der Lokomotiven eine Explosion der Kessel erfolgen, und Eisenstücke weit umherfliegen würden. Dadurch wären die Tribünengäste gefährdet gewesen. Man verlegte sie deshalb in die Ecken der Schmalseiten, wo nach menschlicher Berechnung die Gäste sicher waren und doch gut sehen konnten. . Die beiden Lokomotiven wurden auf das sauberste herausgeputzt und mit großen Namensschildern versehen. Eine Lokomotive bekam den Namen Miner," die andere den Namen Diager," und mit rother Farbe waren diese Namen auf weißen Holzplatten gemalt und an beiden Seiten der Tender befestigt. Digger" heißt Goldgräber, man bezeichnet aber damit nur den, der oberflächlich und ohne andere Werkzeuge als Hacke und Spaten die Erde aufwühlt, um zu Gold zu gelangen; Miner" dagegen ist der Goldgräber, der mit bergmännischer Kunst in die Tiefen der Erde eindringt. In den acht Tagen bis zur Aufführung des sonderbaren Schauspiels gingen so zahlreiche Meldungen auf Tribünenplätze ein, daß es kaum möglich war, allen Wünschen gerecht zu werden. Immer wieder mußte man sich entschließen, die Tribünen noch um ein Stück zu erhöhen oder zu verlängern. Fünftausend Sitzplätze wurden verkauft. Die Chinesen, denen die AchtshillingPlätze auf dem Zaun zugedacht waren, verhielten sich vorläufig noch ablehnend. Sie waren anscheinend noch nicht ganz fertig mit ihrer Ansicht über das Schauspiel; so glaubten wenigstens die Ingenieure. Besonders zahlreiche Meldungen waren aus Potsdam eingegangen, einem Orte mit wohlhabmden deutschen Ansiedlern, die dort schon 1863 durch die australische Regierung Ländereien erhalten hatten. In der Nähe von Potsdam befand sich auch ein großes Goldsucherlager, und von dort, sowie aus allen anderen Lagern, selbst aus solchen, die nicht durch Plakate in Aufregung versetzt worden waren, durfte man Zuzug erwarten. Auch ein Photograph aus Potsdam hatte sich angemeldet und eine besondere Gebühr zu zahlen versprochen, wenn ihm allein gestattet würde, den Zusammenstoß und die Szenen vorher und nachher zu photographiren. Auch dieser Mann konnte mit Sicherheit auf ein gutes Geschäft rechnen, denn für die Goldgräber war dieser Tag des Schauspiels ein höchst erinnerungsreicher, an den sie wahrscheinlich Zeit ihres Lebens zurückdachten. B r i s b a n e , den 30. Mai Herrn C. Bischof in Magdeburg. Deutschland. Lieber Bruder! Wie ich Dir in unserem letzten Briefe schrieb, planten wir drei Ingenieure zur Aufvesserung unserer Finanzen einen Zusammenstoß zweier Lokomotiven für den 14. dieses Monats. Dieser merkwürdige Zweikampf ist glücklich vorübergegangen, und ich will Dir in aller Geschwindigkeit heute die Vorgänge bei demselben schildern, welche sich dramatischer und bewegter gestaltet haben, als wir geglaubt hatten. Daß die Chinesen uns Europäern in Bezug auf List, Schlauheit und Geschäststüchtigteit ,über' sind, haben sie auch diesmal bewiesen. Auf geheime Verabredung haben sie gar keine Plätze gekauft, und erst am Tage vor der Katastrophe lern eine Deputation von ihnen zu uns und erklärte, sie beabsichtigten sämmtliche Plätze auf dem Zaun es waren nicht weniger als zehntausend Stück zu vier Shilling das Stück zu nehmen. Wir handelten noch eine Zeitlang mit ihnen; als wir aber sahen, daß sie fest entschlossen waren, nicht nachzugeben, und da ja die Kerle unter sich geheime Gesellschaften haben, gegen die man nicht aufkommen kann und die eine Macht sind, mit welcher man auch in Amerika und Australien rechnen muß, so gaben wir schließlich nach, und sie erhielten sämmtliche Zaunbillets für den Halden Preis. Es war ein ganz gutes Gefchäft. Das beste Geschäft aber machten die Chinesen. Diese hatten sich durch Herumfragen überzeugt, daß nicht nur die fünftausend Leute zu dem Schauspiel kommen würden, die Tribünenbillets gelöst hatten, sondern die doppelte Anzahl noch außerdem. Für diese Leute waren Plätze nicht vorhanden. Die schlauen Chinesen gaben die Zaunplätze auf der rechten Seite nun mit ungeheurem Aufschlag an die Weißen ab. Wie wir später erfuhren, wa-r-n an dem Geschäft die aesammten
Chinesen in allen Lagern betheiligt. Sie hatten ihre Ersparnisse zusammengeschossen, um uns in Bausch und Bogen und für den halben Preis die Zaunbillets abzukaufen. Nun sage noch einer, daß diese gelben Kerle nicht wunderbare Geschäftsleute sind! Am Morgen des 14. Mai war Alles für das Schauspiel fertig. Aber es wurde meinen Kollegen Clay und Charles, sowie mir selbst doch etwas unheimlich, als wir die Völkerwanderung sahen, die sich zu Fuß, zu Wagen, zu Pferd, zu Maulesel nach Tuwumba in Bewegung setzte. Bis aus Brisbane sind einzelne Leute gekommen, ja auch oben aus Rockhampton, ferner aus allen Ortschaften in der Nähe, aus der Entfernung von zwanzig und dreißig Meilen haben sie sich auf den Weg gemacht und selbst eine mehrtägige Reise nicht gescheut, um dem Schauspiel beizuwohnen. Dem Jrländer Macallan. der das Verdienst hat, uns auf die Idee gebracht zu haben, hatten wir gegen verhältnitzmäßig billige Pacht die Erlaubniß gegeben, auf den Tribünenplätzen Getränke zu verkaufen. Er hat dabei einen schönen Schnitt gemacht und hat sich uns dadurch dankbar erwiesen, daß er meine Kollegen und mich mit Reitpferden, Packpferden und Dienerschaft ausrüstete, um uns glücklich bis nach Brisbane bringen zu lassen. Die anderen Gastwirthe aus dem L rger zu Tuwumba, die außerhalb der Umzäunung Schankstellen aufgeschlagen hatten, haben ebenfalls genug
Geld verdient. Schon in der Nacht kamen Zuschauer an, welche außerhalb der Umzäunung biwakirten. Wir hatten die Lokomotiven mit Blumen, Fahnen, Laubgrün ausgestatter. und die Wetten, welche auf di? beiden Kämpfer gemacht wurden, waren fabelhaft. Wir ließen schon eine Stunde, bevor das Schauspiel stattfand, die beiden Lokomotiven, die natürlich von früh an unter vollem Dampf waren, hin und her fahren, und zwar stellenweise in schärfster Gangart, um den Wettenden zu zeigen. was sie leisten könnten. Eine Viertelstunde vor der Katastrophe hatten wir alle Leute glücklich auf der Tribüne untergebracht, und auch die Zaungäste hatten sich einigermaßen eingerichtet. Es wurden zwar bei der Gelegenheil zwei Mann erschossen, aber nicht etwa von uns, sondern von ihren guten Freunden; ohne Messerstechen und Schießen geht es nun einmal in austra liscken Goldgräberlagern nicht ab. Die beiden Lokomotiven wurden endlich unter Aufsicht eines Ausschusses, der aus Goldgräbern von Tuwumba bestand, je eine englische Meile von dem Punkte, an dem sie zusammenstoßen sollten, zurückgebracht, noch einmal nachgesehen, geölt, und die Kessel mit frischen Kohlen versehen; dann wurde an den Hebel, der den Dampfzufluß in das Gangwerk der Lokomotive regelt, ein Strick gebunden, fo daf ein Mensch, der neben der Lokomotive stand, durch Anziehen des Strickes den Hebel herumreißen und das Ventil öffnen konnte. Genau fünf Minuten vor halb El; wurden die Lokomotiven von beiden Enden losgelassen und rasten nun mit stetig zunehmender Schnelligkeit zischend und fauchend aufeinander los, Ich befand mich mitten auf dem Platz innerhalb der Umzäunung, natürlich in gehöriger Entfernung von der Stelle des Zusammenstoßes. Ich habe da in wenigen Minuten Höllenangst ausgestanden und erkläre hiermit feicrlich, daß ich mich nie mehr als Arrangeur von derartigen tollen Unternehmungen auffpiele. Entweder war die Lokomotive .Miner' zu spät abgelassen worden oder beim Anziehen des Strickes hatte sich das Ventil nicht genügend geöffnet; kurzum, sie fuhr nicht so schnell wie der .Digger und fo mußte denn unausbleiblich der Zusammenstoß nicht an oer geylarnen &teue ilattsmoen, fondern die schnellere Lokomotive fuhr über diefe Stelle hinaus und traf die langsamere Lokomotive, bevor diese den Mittelpunkt erreicht hatte. Der Punkt aber, an dem sie sich jetzt treffen mutzten, lag unmittelbar vor der südlichen Tribüne. Ich sah ein furchtbares Unglück kommen und war einen Augenblick wie gelähmt. Dann rannte ich zu der gefährdeten Tribüne und schrie den Leuten zu, sie sollten sich retten. Auch auf der Tribüne selbst hatten verständige Beobachter bereits gemerkt, wie die Sache gehen würde, und gaben das Alarmzeichen. Es war ein großartiges Schauspiel, als die Tribünengäste um ihr Leben flüchteten und sich auf den Platz retteten. Die Leute betrachteten übrigens den Zwischenfall sehr humoristisch; es war für sie ebenfalls ein Vergnügen besonderer Art. Die tolle Fahrt vollzog sich binnen wenigen Sekünden; oann ertönte ein fürchterlicher Krach, ein Zischen, ein Klingen und Klirren, und die beiden Lokomotiven waren genau vor der eben geräumten Tribüne zusammengerannt. Natürlich waren die Aussichten des Sieges für die beiden Maschinen sehr ungleich. Die schneller laufende wurde weniger beschädigt als die langsamer laufende. Stücke von Rädern, Nieten, Nägel, abgebrochene Hebel flogen in der Luft herum und schlugen die Tribüne, auf der wenige Sekunden vorher noch Tausende von Menschen gesessen hatten, zum Theil in Trümmer. Der Photogroph, der noch im letzten Augenblick mit seinem Apparat herbeigeeilt war, entging mit knapper Noth dem Tode, denn unmittelbar zwischen ihm und seinem Apparat schlug ein fußlanger eiserner Nagel in den Boden. Ich schicke Dir beifolgende Bilder.
Auf dem ersten siehst Du, wie die Ma
seinen sich begrüßen, bevor sie zum Zusammenstoß sich auf ihre Plätze begeben. Das zwnte Bild zngt den Zusammenstoß selbst. Die gefährdete Tribüne ist rechts auf der Photogr' phie. Das dritte Bild zeigt die LokoMotiven einen Tag nach dem Zusammenstoß, und es ist eigentlich merkwürdig, wie wenig ihnen passirt ist. Eine Kesselexvlosion fand nicht statt. Die vorn zusammengebrochene Maschine ist die langsamer laufende gewesen. Die herumfliegenden Eisenstücke sind von den Theilnehmern gesammelt worden. und ein Chinesenkomite, das uns dreihundert Pfund für die alten Mafchinen bot, machte noch ein glänzendes Geschäft, indem es davon' auf dem Platze selbst sofort Stücke als Andenken verkaufte. Das Volksfest, das sich nach dem Zusammenstoß rund um den Zaun und innerhalb der Umzäunung entwickelte, war großartig. Und amüsirt haben sich die Leute über alle Maßen. Sie wollten uns sogar zureden, zwei neue Lokomotiven kommen zu lassen, um das Schauspiel zu wiederholen. Wir haben aber dankend abgelehnt. Die Tribünen und der Rest der Gebäude in Tutrmba sind wahrscheinlich jetzt schon abgetragen. Die Chinesen und die Goldgräber haben Alles davongeschleppt, was nicht niet- und nagelfest war. Für jeden von uns drei Tbeilnehmern ist bei der Geschichte die Summe von zehntausend Dollars herausgekommen. Damit läßt sich schon etwas anfangen. Ich aber bin der australischen VerHältnisse überdrüssig und komme nach der Heimath zurück. Vierzehn Tage nach diesem Briefe gedenke ich bei Euch einzutreffen. Clay bleibt hier und will mit seinem Gelde ein Geschäft anfangen. Charles geht mit dem nächsten Dampfer nach Südamerika. Wiedersehen werden wir drei Kollegen uns wohl nicht, aber jedenfalls haben wir eine fchöne Erinnerung als gemeinsame Unternehmer eines Schauspiels, wie es wohl zum zweiten Mal weder uns noch unseren Gästen vom 14. Mai geboten werden wird. Mit herzlickn Grüßen Dein Bruder E. Bischof, australischer Eisenbahn - Ingenieur a. D." Die Weite des Erzherzogs. Zur Zeit der galizischen Manöver im Jahre 1880 erfuhr Erzherzog Albrecht durch den Obersten eines Husaren-Re-giments, daß der Rittmeister Baron L. durch seine Wettleidenschaft einen böfen Teufel in das Regiment gesetzt" habe, wie sich der etwas derbe Oberst wörtlich ausdrückte. Der Erzherzog erschien bald darauf in der Offiziersmesse des betreffenden Regiments und richtete unvermuthet an den jungen Rittmeister das Wort: Ich höre, daß Sie ein so leidenschaftlicher Wettbruder sind, Herr Rittmeister. Ich schlage Ihnen auch eine Wette vor. Angenommen?" Eine größere Ehre können mir Kaiserliche Hoheit nicht erweisen." Gut. Es gilt also. Ich wette hundert Dukaten, daß Sie nicht im Stande sind, von heute an ein ganzes Jahr ohne Wette auszuhalten." Der Offizier fah sich überlistet, allein ein Zurücktreten war nicht möglich. Die wohlmeinende Absicht erkennend, hielt er an sich und gewann richtig die Wette. Und nun, mein lieber Rittmeister," sagte ihm der Erzherzog nach Ablauf des Jahres, als er ihm den Preis der Wette auszahlen ließ, haben Sie bewiesen, daß Sie das Wetten lassen können. Ich bitte Sie, auch künftighin im Interesse des ganzen Regiments das böse Wetten zu unterlassen." Das feficnöc ZZtw. Ein Itrisfgrsdiictjtf von Bernhard Kühner:. 'Hat Ihnen eigentlich schon 'mal irgend Wer oder irgend Etwas imponirt, lieber Doktor?" fragte ich mein Gegenüber, welcher foeben in längerer Rede alle leitenden Männer der Politik. Kunst, Wissenschaft, Handel, Industrie und verschiedener anderer Gebiete als halbe Idioten zum alten Eisen geworfen und deren Leistungen lediglich als glückliche Zufälle hingestellt hatte. Ja, mein Lieber!" antwortete er bestimmt. Mir hat Jemand und Etwas imponirt. Ich werde Ihnen die kleine lustige Geschichte sofort erzählen, und Sie können diese, wenn Sie wollen, auch als einen Beitrag zum Kapitel moderner Heuchelei verwenden. Also, ich fuhr im Frühjahr 1896 auf der ,Hawarden Castle' von London nach Kapstadt. Nachdem wir die ersten schlimmen Tage des biskayischen Meerbusens und der spanisch-portugiesischen Küste hinter uns hatten Tage, -über welche einen schwarzen Schatten außerdem noch das grausige Geschick der ,Drummond Castle' warf, die vor wenigen Wochen am letzten Abend ihrer Heimreise bei Uchard mit Mann und Maus in die Tiefe gesunken war nachdem wir in Madeira die schmierige Operation des Kohleneinnehmens durchgemacht hatten und nunmehr unter der lachenden Tropensonne sanft und weich dahinglitten, da kam sich die sonst fremde Gesellschaft einander endlich näher. Ich war der einzige Deutsche an Bord und verhielt mich abwartend und vorsichtig. War es doch erst kurze Zeit her, daß das berühmte Telegramm des
aisers an Praftvenl ruger die englische Bevölkerung zu ungeahnten Wuthausbrüchen veranlaßt hatte. Konnte ich wissen, ob ich nicht zufällig in eine Schaar hitzigster Jingoes gerathen war? Ich war aber auf das Angenehmste enttäuscht. Man kam mir von allen Seiten mit so großer Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit entgegen, daß ich wirklich entzückende Tage auf dem mir bald lieb gewordenen Schiffe verlebte. Spiele und Plaudereien. Vorträge und Gefänge, etwas Tanz und ein kleines Theaterstück, die übermüthige Burleske der Aequatortaufe, Wetten aller Art und Auktionen, eine kleine niedliche Bibliothek das Alles, unterbrochen durch saubere, wohlschmeckende Mahlzeiten und ein bischen Briefschreiberei, täuschten gar angenehm über die lange Zahl der Tage hinweg. Ich fühlte mich wirklich wohl. Und dennoch! Etwas fehlte mir. Tidi hätte mich aern einmal eines Abends bei schäumendem Bier oder meinetwegen auch perlendem Sekt mit lustigen Genossen nach deutscher Sitte hingesetzt und harmlos und gemüthlich einige fröhliche Stunden verlacht und verschwärmt und verzecht. Daran war natürlich gar nicht zu denken. Des Dienstes oder hier vielmehr des Nichtsthuns gleich gestellte Uhr verlief so regelmäßig wie eine Maschine. Von dcn athletischen Spielen am frühen Morgen bis zu Cigarre und dem Schach am Abend war Alles genau eingetheilt. Punkt zehn Uhr ging das Licht auf Deck aus, man kroch in seine Kabine und benutzte die Nacht, wozu einer übrigens nach meiner Ansicht durchaus nicht erwiesenen Ueberlieferung zufolge die Nacht eben von der Natur bestimmt sein soll: zum Schlafen. Unter den Mitreisenden war mir von Anfang an ern hübscher, schlanker, beinahe zart und sanft aussehender Herr aufgefallen, wacher stets in tadellosen und gewählten Anzügen sich auf Deck präsentirte.' Die Ruhe seiner Erscheinung übertraf die schon sonst bei seinen Landsleuten übliche noch um ein Erhebliches. Er konnte stundenlang auf einem der bequemen Deckstühle sitzen, ohne sich zu rühren. Dann plötzlich schoben sich Arme, Beine, Kopf in eine andere Lage, und wiederum saß er da, wie hingegossen. Er stand eigentlich immer Modell. Und immer war seine elegante, zierliche Erscheinung ein wohlthuender Anblick. Ich nennte ihn für mich: das lebende Bild. Eines Abends nun war es mir in meiner Kabine zu heiß. Ich ging guf das leere Deck und wanderte in der kühlen Luft der Nacht unter dem blinkenden Sternenhimmel auf und ab. Nachdem sich meine Augen an die Dun-
kelhelt gewohnt batten, bemerkte ich im Vorbeigehen, daß man neben der Rauchkabine einen Tisch in das Freie gerückt hatte, und um denselben saßen das lebende Bild, der Doktor, ein Schiffsoffizier und noch einige Herren unserer Gesellschaft und tranken. Ich glaubte erst meinen Augen nicht zu trauen und ging noch einmal vorüber. Alle saßen regungslos und stumm, wie Pagoden. Ein Zweifel über den Zweck ihres Zusammenseins aber war vollständig ausgeschlossen. Zunächst war ich wüthend, daß ich erst am zehnten Tage unserer Reise es merkte, daß sich hier oben allnächtlich ein lustiges Konvivium aufgethan hatte. Dann aber, um nicht noch mehr Abende zu verlieren, kristallisirte ich mich so schnell wiemöglich anund wurde mit Freuden willkommen geheißen Aus Whisky und Wasser machte ich mir freilich damals noch nicht viel. Auch entsprach die ganze Stimmung nicht meiner Vorstellung einer lustigen Zecherci. Es wurde nur wenig und im Flüsterton gesprochen. Desto mehr allerdings getrunken. Die Mischer nabm gar kein Ende immer mehr Whisty und immer weniger Wasser. Aber schließlich ist etwas velfe? als nichts, auch in:eresirten mich die mir nsch nicht zu belannten englischen Gewöhnheiten, kurz und gut: ich that wacker mit. Am meisten aber wunderte ich mich über das lebende Bild. Der sprach kein Wort und ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll soff ganz unheimlich. Der Erfolg blieb auch nicht aus: nach kurzer Zeit sank er lautlos unter den Tisch. Auch hier noch clegant. Pose: sterbender Krieger. Wie ich an diesem Abend in meine Kabine kam, weiß ich nicht. Jedenfalls wachte ich am nächsten Morgen mit einem Saädel auf, welchen der erfahreue Doktor mit hot, copper. Heißes Kupfer, bezeichnete. Den ganzen Morgen wanderte ich weltverloren über das Deck. Mir war sehr schlecht zu Muthe. Da entdecke ich, leicht an die Brüstung gelehnt, den Kopf sanft auf die schmale weiße Hand gestützt, die Augen über die endlose Fläche des wogenden Meeres gleitend, also Stellung: Träumerei, das lebende Bild. Meiner Ansicht nach mußte es dem noch viel elender gehen, als mir. Es ist ein Trost, im Unglück Genossen zu haben. Ich stelle mich also neben ihn. Er wendet sich, schwermüchig begegnen sich und wortlos unsere Augen. Da schießt es mir plötzlich durch den Sinn, ob es nicht vielleicht gut wäre, Hundshaare, wie man bei uns sagt, aufzulegen, das heißt also, dem Teufel mit Belzebub zu Leibe gehen. ,Have a drink? Trinken Sie eins mit mir?' fragte ich, ihn also langsam. Da sieht er mich kalt und verständnißlos an, tritt einen Schritt zurück, breitet die linke Handfläche wie abwehrend gegen mich aus und sagt förmlich und aeniss,n?
Schwäche von Männern und Frauen. Könnten wir in die Kerzen eines jeden Mannes, dem wir begegnen, blicken, we'che unermeßliebe Trancr und Ber;weiflung würden wir gewahr werden! Indiskretionen und Blut krankheiten verurfachen mehr körperlichen und geistigen Ruin, als alle anderen Urfachen zusammen genommen. Sie treffen das Fundament der Mannheit, sie vernichten die Lebenskräfte, sie untergraben das Svstem und nicht nur zersprengen sie oft den Familienzirkel, fondern sie legen ihre vergifteten Arme auch in die nächste Generation. Wenn Sie ein Opfer sündiger Gewohnheiten waren, fo ist der Samen gelegt und früher oder später werden Sie die Folgen ernten. Ist Ihr Blut aus irgendwelcher Ursache vergiftet, riskiren Sie keine fpätere Wiederkehr. Unfere neue methodische Behandlung heilt Sie positiv und Sie brauchen eine Wiederkehr der rankheit niedt ui befürchten. Wir cjeben Ihnen einen Garantiebond dafür. Wir warnen Sie aufrichtig vor Benützung von Quecke silber, welches Blutvergiftung nicht heilt, fondern nur die Symptome unterdrückt. Wir heilen oder-keineBezahlung. Lassen Sie Ihr Leben nicht dahin ebben und c'rper und Geist fchwächvn. Es ist kein Raum in dieser Welt für geistige, physische oder geschlechtliche Zwerge. Unsere neue methodische Behandlung heilt alle Unnaturlichen Verluste, reinigt das Blut, kräftigt die Nerven, ftellt die Lebenskraft wieder her und macht aus Ihnen einen Mann. Wenn ie leiden, kommrn 2ir zu uns. Konfutation ist frei. Wir bedandeln uud heilen Blutkrankkeiten. Varicorcic, riktur, unnatürlicheZPerlustc. Vieren und Harnkrankbeiten. ein Schneiden, keine Orcration. eine Abhaltung vom Geichäfte. AUcs vertraulich. Konsultation frei. Bücher frei. Fragebögen für beimische Behandlung frei. gz. KENNEDY & KEß GAN, 25 Süd Meridian Str. Indianapolis. Ind. Stunden : 9 Vorm. br 8 Abends. Sonntag : 10 Vorm. Ins 12 Mittags. 2 bis Abends.
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