Indiana Tribüne, Volume 25, Number 237, Indianapolis, Marion County, 28 May 1902 — Page 7

Jndiana Tridunr, 28 Mai KVS.

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Im Dämmerlicht. Humoreske don Gerhard Hennes. KKS-HsSSZZE Es war um di: Zeit der Sommersonnenwende. Das scheidende Gestirn des Tages warf seine letzten Strahlen durch das Blättergewirr des Epheus und deckte mit künstlerischen Gebilden von vornehmer Naturwahrheit und leuchtender Farbenschöne die schreienden Tapetenmuster, die billigen Holzschnitte, die gutgemeinten, aber schlecht gerathenen Oeldrucke auf einer Wand des besseren" Wirthszimmers. Drei Freunde saßen plaudernd bei einer Flasche Nüdesheimer. Der Umstand, daß an einem entfernten Tische ein Unbekannter die Zeitung las, hatte sie nicht abgehalten, in Anbetracht der sommerlicken Schwüle Rock und Weste abzulegen und an dem Kleidergestell neben der Thür aufzuhängen. Arthur Vcrger, der die Unterhaltung gern auf geistiges Gebiet hinüberspielte, steckte selbstgefällig die Daumen unter die Hosenträger und sag:e: Es kann nicht geleugnet werben, daß eine jährelange, bestimmte Thätigkeit, sei ste körperlicher oder geistiger Art, dem Menschen ein ganz besonderes Gepräge verleiht." Nach diesen Worten zog er die Hosenträger so weit als möglich nach vorn, ließ ste auf die Brust zurückschnellen und sah ungeheuer selbstzufrieden aus. Na, na! Dann müßte man also jedem Menschen an der Nase absehen können, welches Handwerk er treibt." meinte der dicke Arent und wischte mit dem Taschentuch über die ewig schwitzende Stirn. Arthur Berger warf ihm einen etwas mitleidigen Blick zu. Wenn nicht geradc an der Nase, so doch an seinen Bewegungen, seiner Kleidung, vor Allem aber an einem gewissen Ausdruck seines Gesichtes. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht" die Hosenträger flitschten selbstgefällig ,wer gewöhnt ist, seine Beobachtungen stets mit der Wirklichkeit zu vergleichen und das Ergebniß gewissenhaft in seinem Geiste zu registriren, der gelangt auf induktivem Wege bald dahin" die Hosenträger so weit nach vorn, daß ihre ganze Elastizität dazu gehörte, nicht zu reißen dieses Gepräge zu deuten, oder wie Freund Arent sich geschmackvoll ausdrückt den Leuten ihr Handwerk an der Nase abzusehen. Zum Beispiel: elegante Kleidung, abgemessene Bewegungen, ein Ausdruck von Selbstbewutsein, dazu die Gewohnheit, jeden Menschen mit einem schnellen, scharfen Blick zu messen das verräth mit unfehlbarer Sicherheit den Offizier, während kleine Nachlässigkeiten im Anzüge, hastiges, nervöses Geberdenspiel, ein sinnender Zug des Gesichtes, ein Nichtbeachten der Umgebung den Arzt kennzeichnet." Mir hat heute," sagte Albert Sturm mit seiner Fistelstimme, ein Herr auf der Pferdebahn mit seiner Cigarre ein Loch in den Rock gebrannt. Er trug schwarzes Jackett und weiße Weste und hatte ein rothes Gesicht, und als ich ihn mißbilligend ansah, da machte er grimmige Augen und ballte die Fäuste, als wenn er mit mir boxen wollte. Was war das denn für einer?" Nu, ein Boxer!" rief Arent und lachte unvernünftiger Weise so laut über seinen eigenen Witz, daß er in einen würgenden Husten gerieth und der Schweiß ihm über das Gesicht rann. Eben wollte Arthur Berger eine geringschätzende Bemerkung über eine gewisse Art von Witzen machen, da legte der Unbekannte die Zeitung hin und kam leichten Schrittes herbei. Es war eine schlanke, vornehme Gestalt mit edelgeschnittenen Zügen und kurzem, etwas gelocktem Haar. Gestatten die Herren einem Fremden, einige Augenblicke in Ihrer Mitte zu verweilen," sagte er mit tiefer, weicher Stimme und machte eine leichte Verbeugung. Hans Eichler." Die Freunde erhoben sich und nannten ihre Namen. Ich habe den Anschluß nicht erreicht und muß drei Stunden hier liegen bleiben. Ein solches Mißgeschick kann einen schon verdrießlich machen. Aber aus dem, was ich von Ihrer Unterhaltunq erhascht, glaube ich schließen zu dürfen, daß die Zeit mir schnell verstreichen wird." . Arthur Berger lieh die Hosenträger so energisch gegen die Brust schnellen, als wolle er damit bekunden, diß er diese feine Schmeichelei mit Fug und Recht für sich allein in Anspruch nehmen könne. Herr, eh Berger," sagte Eichler. Sie behaupteten eben, daß jeder Mensch in Gesichtsausdruck, Manieren und Kleidung seinen Beruf verräth. Ich muß gestehen: die Behauptung scheint mir nicht' unrichtig zu sein. Aber so ohne Weiteres möchte ich doch nicht zustimmen. Darf ich Sie um eine Probe ersuchen?" Bitte." Nun, dann betrachten Sie mich genau und errathen Sie meinen Beruf." Arthur Berger warf, die Elastizität seiner Hosenträger in wahrhaft unmenschlicher Weise versuchend, einen prüfenden Blick auf den dünnen Mantcl, der in weichen Falten die Gestalt Eichlers umschloß, auf die schmale, weiße Hand, die eben durch das kurze Gelock fuhr. Er sah die hohe, wie aus Marmor gemeißelte Stirn, die dunk-

len, träumerischen Augen und sagte: Herr Eichler, Sie sind Dichter." Ueber das Gesicht des Fremden zog ein licfer Schatten, und seine Stimme klang merkwürdig schroff: Nein, ich bin kein Dichter." Reingefallen!" sang die Fistelstimme Sturms, und der dicke Arent schlug ein Gelächter auf, das in einen angsterregenden Erstickungskrampf überging und die Schweißabsonderung erschreckend steigerte. Eichler aber sprang plötzlich auf und rief: Dichter! O, ein herrlicher Veruf! All' das Erhabene, das drinnen im Herzen glüht, herauszuholen und zu gestalten mit schaffender Künstlerhand! Ja, meine Herren, lachen Sie Ihren Freund nicht aus. Er hat dennoch recht; denn wenn ich auch kein Dichter mehr bin ich bin's gewesen und wahrlich nicht einer der schlechtesten." Er brach ab und starrte in finsterem Sinnen vor sich hin. Dann strich er mit einer befreienden Bewegung über die bleiche, schöne Stirn und athmete tief auf. Meine lieben Freunde, ich kenne Sie erst seit einer halben Stunde, aber ich weiß nicht, was mich zu Ihnen zieht. Und darum sollen Sie erfahren, wie sich ein dunkles Äerhängniß senkte auf den Frühling meines Lebens und das glrhende Feuer meines Busens erstickte, uno wie ich statt eines freien, schaffenden Künstlers ein elender Sklave geworden bin, eine stumpfsinnig arbeitende Maschine." Herr Eichler." sagte Berger, dem das beglückende Bewußtsein eines errungenen Erfolges aus den Augen strahlte, ..ich kann nicht begreifen, wie ein noch so großes Unglück Ihnen alle Schaffensfreude nehmen konnte." Schaffensfreude!" lachte Eichler bitter. Was hilft mir das? Ich habe einen feierlichen Schwur gethan, niemals mehr dem gestaltenden Drängen meines Geistes nachzugeben, und mag das Herz auch darob verbluten höher wie Künstlerruhm steht Mannesehre. Aber geben Sie Acht, ich will Ihnen das große Unglück meines Lebens erzählen." Er hielt inne und trank sein Glas leer. Dann öffnete er die Thür und rief: ..Herr Wirth! Noch vier Flaschen Nüdesheimer!" Keine Widerrede, meine Herren." wandte er sich zu den Freunden, gönnen Sie mir die Freude!" Der Wirth brachte das Verlangte und schickte sich an, Licht zu machen. Aber Eichler meinte: Nein, lassen Sie das! Es webt ein eigener Zauber in diesen Dämmerstunden. Da kann so recht das Herz zum Herzen sprechen." Die Gläser klangen aneinander, und dann begann Eichler, im Zimmer aus uno ab gehend und sich oft an den Kleiderständer lehnend, seine Erzählung: Ich war noch ein verhältnißmäßig junger Schriftsteller, der aber zu den besten Hoffnungen berechtigte, als ich mich verheirathete. Meine Frau besaß außer allen Tugenden, die das Weib zieren sollen, auch einen Erbonkel, und ich muß gestehen, daß dieser Umstand nicht wenig von Einfluß auf meine

Herzenswahl gewesen war. Denn das Schreiben brachte mir vorläufig noch wenig ein. und einen regelmäßigen Quartalszuschuß oder eine einmalige gründliche Beihilfe hätte ich gut brauchen können. Dieser Erbonkel nun war ein prächtiger alter Herr mit weißem Haar, klugen Augen uno einem schäbigen Rock. Ueber seinen Reichthum kursirten in der Familie meiner Frau die unsinnigsten Gerüchte. Aber leider schien er entschlossen, bei Lebzeiten nicht einen Pfennig herzugeben, und so oft ich ihn um ein Darlehen bat, hob er bedauernd die Arme, zwinkerte mit den klugen Augen und machte es um kein Haar besser wie Zeus in dem bekannten Gedichte von Schiller. Uebrigens in solch' düsteren Augenblicken hab' ich gefühlt, was es heißt, ein treues Weib sein eigen zu nennen. Wie zärtlich strich sie mir über die Stirn, wie süß klang ihre tröstende Stimme! Und um zu beweisen, daß es doch so gar schlecht nicht um uns stand, kaufte sie mir eine Cigarrenspitze, eine silbirne Bleistiftröhre, eine seidene Binde oder sonst eine herzerfreuende Kleinigkeit und war dann stets um eine entsprechende Zeit früher mit ihrem Wirthschaftsgelde zu Ende. Eines Tages war meine Frau ausgegangen, um Petroleum zu kaufen, was erfahrungsgemäß mindestens zwei Stunden in Anspruch nahm. Da besuchte mich der Onkel, nahm eine Ciqarre von meinem Schreibtisch und sagte: Hans, ich hab' eine hübsche Uebcrraschung für Dich, ein reizendes und werthvolles Geschenk." Es fiel mir nun nicht ein, mir unter der angekündigten Ueberraschung einen Tausendmarkschein. einen Check oder eine Straßenbahnaktie vorzustellen. Von dieser Art waren die Geschenke des Onkels nicht. Bisher hatte ich von ihm erhalten: Erstens eine Kaffeemühle, unter Brüdern zehn Mark werth. Zweitens einen echten Murillo in Goldrahmen. Der Murillo felbst freilie war. wie der Onkl sagte, seit einen Jahre bei einem Maler zur Auf frischung. und ich erhielt einstweilen nu. den Rahmen. Drittens einen antike:. Stuhl. Der hatte keine Lehne mehr, dafür aber zwei ganze und ein halbes Bein. Viertens eine aus Horn gedrcchselte lange Pfeife, nicht mehr neu. aber schön durchgeraucht. Fünftens einen Operngucker aus Perlmutter in schwarzem Lederetui. Das wäre ein ganz Tespektables Ding gewesen, aber der Onkel hatte ihn bis jetzt noch immer mit-

zubringen vergessen Nun sollte Num, mer sechs kommen. Ein schönes, werthvolles Geschenk sagte der Alte mit besonderer Betonung, nun rath' einmal!" Einen Blumentisch?" Nein." Eine Klassikerbibliothek?" .Nein." ..Ein rothgefärbtes Heidschnuckenfcll ?" Nein." Ick rieih noch auf eine Goldfüllfeder, einen babylonischen Thoncylinder, einen Freipaß im Theater, eine Wring-' Maschine, einen Fausttommentar, eine Pelzmütze und ein Brecheisen. Tann war mein Witz erschöpft. Nein, das Alles nicht!" kicherte der Onkel. Ha, zum Henker, spanne mich nicht länger auf die Folter!" Hihihi! Sieh einer die jugendliche Ungeduld! Nun denn, ein Hund ist's." Ein Hund?" Ein Hund. Ein schönes, rassereines Thier." Mich durchzuckte eine schreckliche Ahnung. Onkel," sagte ich mit zitternder Stimme, ist es vielleicht ein Abkömmling Deines Molli?" Ganz recht." Also ein Bruder oder eine Schwester von Schwiegervaters AU?" Ja, ja. ein Schwesterchen." Ich hob in swmmer Verzweiflung die Hände. O Molli und Ali, ihr ekelhaften. ruppigen, verhätschelten Köter voll Feigheit, Tücke und Frechheit! Euer würdiger Blutsverwandter soll den stillen Frieden meines Hauses stören? Onkel, Du bist zu gütig. Ich kann das wirklich nicht verlangen," sagte ich. Unsinn! Warum soll ich Euch nicht 'mal wieder eine Freude machen? Aber Ihr müßt mir versprechen, ihn gut aufzuziehen; er ist erst vierzehn Tage alt. Morgen bringe ich ihn." Erst vierzehn Tage alt?" rief ich mit dem schwachen Hoffnungsstrahl eines Ertrinkenden, dem ein Strohhalm in den Bereich der Hände kommt. Das Thier ist ja noch gar nicht entwöhnt." Thul nichts. Deine Frau muß ihn eben aufziehen mit Milchflasche und Breinapf, just wie ein kleines Kind." Während ich in düsterer Resignation über mein Geschick grübelte, kam meine Frau mit dem Petroleum, zündete die Lampe an und sagte, beim Krämer sei der Laden wieder so voll von Käufern gewesen, daß sie bis jetzt, zwei ganze Stunden, habe warten müssen. Der Onkel entnahm meiner Cigarrenkiste einen Vorrath für mindestens acht Tage und lud mich zu einem Glase Bier in meiner Stammkneipe ein. Ich steckte seufzend so viel Geld zu mir, als nöthig ist, um den Durst eines Onkels und eines Neffen zu befriedigen, und ging mit ihm. Der Krämer aber, bei dem meine Frau zwei Stunden hatte warten müssen, machte beiläufig gesagt vierzehn Tage später wegen chronischer Ladenleere Bankerott und wurde Pferdebahnkutsöier. Als ich am Tage nach dem Besuche des Onkels von einem Spaziergange zurückkehrte, tanzte meine Frau wie besessen durch das Zimmer, im Arm ein kleines, struppiges, langohriges Ding, das sie abwechselnd an Brust, Wangen und Lippen drückte. Nun, Hans, ist das nicht ein schönes Thier?" fragte der Onkel und sah mich triumphirend mit den klugen Augen an. Ich beschloß, mit diplomatischer Schlauheit zu Werke zu gehen, durch scheinbares Nachgeben den Gegner einzuschläfern und ihn dann durch Keulenschlüge meiner Dialektik zu Boden zu schmettern. So sagte ich denn mit zärtlicker Stimme: Ein s.üßes, kleines Aeffchen!" Meine Frau sank mir gerührt mitsammt denk Hund in die Arme, und der Onkel nahm voller Befriedigung meine Kognakflasche vom Schrank und goß sich dreimal ein. Ich nahm die Haltung eines Parlamentsredners an, der die vermessene Hoffnung hegt, seine politischen Feinde zu seinen Ansichten zu bekehren. Ich schilderte zunächst begeistert das Glück, mit diesem herzigen Köterchen vereint durch's Leben zu pilgern. Dann aber sprach ich voll Bedauern den stärksten Zweifel aus, ob mir dieses Glück auch beschicken sei. Denn bei meiner häßliehen Gewohnheit, im Traume um mich zu schlagen, könne ich es nicht wagen, das Viehchen bei mir im Bett schlafen zu lassen, ich sei bei meinem knappen Einkommen nicht in der Lage, Schadenersatz für zerrissene Hosen und Schür?en zu leisten. Bißwunden ohne und mit Blutvergiftung auf meine Kosten heilen zu lassen, ich sei nicht überzeugt, daß ich nicht an Lungentuberkulose leide, wie leicht könnte ich das unschuldige Thier nsiecken und dadurch das Verderben des ganzen Hundegeschlechts auf mein Gewissen laden. Ja, ich sprach wie ein Parlamentsredner, aber es ging mir auch wie einem solchen. Bei der Abstimmung ergab es sich, daß ich Nj mand überzeugt hatte. Und so erfüllte sich das Geschick. Tilli wurde als vollberechtigtes Mitglied in meine Familie aufgenommen. Ein Vierteljahr hat er in unserer Mitte geweilt, aber ach, was hab' ich gelitten in dieser Zeit! Schon die erste

! Stunde war vielverheißend. Ich mußte Mit einer glühenden Haarnadel zwei Löcher in ein Saughütchcn bohren, was ich erst zu Stande brachte, nachdem ich mir doppelt so viele Löcher in den Finizer gebrannt hatte. Meine Frau lief in der Zeit Milch holen, verlor in der

ungewohnten Eile das Geld, das ste auf

fünf Mark herausbekommen hatte, zerriß sich an der Hausthür die neue Schürze und stieß sich an einem Trep penabsatz die große Zehe blutig. Aber sie verbiß Upra Schmerz, kochte die Milch und schüttete mir ein halbes Liter über die Füße, so daß ich acht Tage lang das Zimmer hüten mußte. Dieser Umstand hatte zwar das eine Gute, daß der Onkel mich nicht mehr zum Biertrinken abholen konnte, aber andererseits mußte mein Vorrath an Cigarren das gestörte Gleichgewicht wiederherstellen, und es geschah so gründlich, daß mein Cigarrenlieferant mich für einen Wiederverkäufe? ansah, mir statt des verlangten halben Mille drei ganze schickte, im Preise freiwillig zehn und ln der Qualität zwanzig Prozent herunterging. Meine Frau aber schmollte mit mir, weil ich mich weigerte, einen Spruch für Tillis Halsband zu dichten. Sie stovfte mir keine Strümvfe mebr. ließ den Braten zu Kohle verbrennen und setzte mir jeden Abend Reibekuchen vor. Tilli gedieh unterdeß im Sonnenschein unserer fürsorglichen Liebe wie eine Blume des Feldes und überraschte uns jeden Tag durch neue Beweise hünbischer Intelligenz. Er hatte eine besondere Neigung, sich den Schwanz zwischen Thür und Angel einklemmen zu lassen und dann ein markzerschneidendes Geheul anzustimmen, oÄer aus dem Kohlenkasten Stücke Papier, Bindfaden und Streichhölzer herauszuholen und aus dem Plüschsopha in beschaulicher Ruhe zu benagen. Er verachtete in wahrhaft großartiger Weise die geringsten Forderungen der Reinlichkeit, wählte meine Pantoffeln zur Vorrathskammer für Knochen und Wurstreste, warf Töpfe. Blumenvasen und Tintenfässer um, legte gegen meinen alten Briefträger einen so unbändigen Haß an den Tag, daß der Mann sich in einen anderen Bezirk versetzen ließ, machte mich haftpflichtig für einen Schaden von insgesammt fünfunddreißig Mark und zerfraß mir ein Trauerspiel, zwei Novellen, eine litcrarische Studie und zehn lyrische Gedichte." Eichler unterbrach seine Wanderung und hob die geballte Faust gegen das Kleidergestell. Ha, Studie und Novellen hätte ich schon verschmerzt, aber das Trauerspiel und die Gedichte! Sie waren das Beste, das ich je geschaffen, sie waren mit meinem Herzblut geschrieben. Sie hätten meinen Namen berühmt gemacht in der ganzen Welt und nun hatte dieser ruppige Köter sie zerfressen! Aber da war auch das Maß seiner Schandthaten voll. Ich gab ihm Strychnin zwischen zwei Wurstscheiben und beobachtete mit dem süßen Gefühl befriedigter Rache seine Todesqualen." Was sagten denn Ihre Frau und der Onkel dazu?" fragte Berger. Eichler knirschte mit den Zähnen. Meine Frau? Der Onkel? Nun, die Beiden schalten mich Mörder, und wissen Sie, was ich that?" Seine Stimme wurde zum heiseren Flüstern. Ich gab dem alten Filz den Nest des Giftes in einem Kognak und warf meine Frau durch das Fenster des vierten Stockwerkes auf die Straße. Noch im Fallen wandte ste das haßerfüllte Gesicht gegen mich und schrie: .Mörder dreimal verfluchter Mörder!' Ich aber bob an der Leiche des Onkels und des Hundes die Hand zum feierlichen Schwüre, niemals wieder eine Zeile zu schreiben, und" er brach in ein krampfHaftes Schluchzen aus ich habe Wort gehalten. Ich entsagte der Dichtkunst und wurde Bureauvorsteher einer Hagelversicherungsgesellschaft." Es herrschte minutenlang Todtenstille im Zimmer. Das das war ja der helle Wahnsinn. Entsetzt starrten die Freunde nach Eichler, dessen ganze Gestalt jetzt tief in Dunkel getaucht war. Nur das blasse Gesicht hob sich aus der Finsterniß. Und plötzlich stsnd er bei den Freunden und sagte mit fröhlichem Lachen: Meine Herren, nehmen Sie mir's nicht übel, wenn ich mir einen kleinen Scherz erlaubt habe. Die Geschichte ist natürlich von Anfang bis zu Ende erfunden. Aber durch die bescheidene Stegreifdichtunq glaubte ich Ihnen am besten beweisen zu können, daß Herr Berger mich thatsächlich richtig taxirt hat. Doch jetzt ist meine Stunde gekommen. Genehmigen Sie den Ausdruck meines herzlichsten Dankes für die Freundlichkeit, mit der Sie einem völlig Fremden begegnet sind. Was mich betrifft, ich werde diese Stunde nie vergessen, und ich hoffe es zuversichtlich auch Sie werden ihrer gedenken." Damit reichte er jedem von ihnen die Hand und verließ elastischen Schrittes das Zimmer. Nun, der Spaß war nicht Übel! Ein ganz famoser Kerl!" sagte Arent. Daß Berger so den Nagel auf den Kopf getroffen hat!" fügte Sturm mit einem bewundernden Blick hinzu. Berger aber ließ die Hosenträger selbstgefällig flitschen, und um seinen Triumph möglichst lange zu genießen, erklärte er sich zur Spendung noch einiger Flaschen bereit. Der Wirth kam herein, stieg auf einen Stuhl und machte Licht. Die Freunde traten an das Kleidergestell und zogen Weste und Rock an; denn die Luft war etwas kühler geworden. Plötzlich stieß Arent einen Ruf der Ueberraschung aus, ritz die Augen weit auf und klopfte in wahnsinniger Hast an seinen Kleidern herum. Ich hatte doch zep Mark in der Villettasche und meine Uhr. Herrjeh!

rei nach Schiller Ob Köchin, Mädchen oder Frau Sie alle lieben Bernhard Tdau, Nicht weil er Wangen frisch und roth. Nein ! Weil er stets das beste Brod. Nicht Einer in der ganzen Stadt Solch gutes Brod gebacken hat. Drum loben sie auch alle heut Dies 'rod und seine Gütigkeit. Auch Buttcr-Ringe, 's ist eine Pracht Wie Bernhard Thau dieselben macht. Denn Butter spart er nicht daran Wie Jedermann esgsehen kann. Und Pumpernickel, meiner Ehr' Als märe er für's Militär. Herr Thau ist Meister in dem Fach Es macht es ihm kein Zweiter nach. Weil Ehrlichkeit sein stetes Loos Ist seine Kundschaft auch so'groß. Willst ehrlich Du bedienet sein So kauf Dein Brod'bei ihm allein.

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