Indiana Tribüne, Volume 25, Number 235, Indianapolis, Marion County, 26 May 1902 — Page 7

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o 0000 0000 0000 0000 0000 oOQ Die OiiQcnfifrcimÖe. o o o 8 0 8 o o o o Eriühlung von Mzrim Garjhij. 08 OQc oOQo 0000 0000 0000 oQOoc Die glühende Julisonne schien grell über dem Dorf, die alten Hütten mit blendendem Strahlenglanz überfluthend. Besonders grell glitzerte das Sonnenlicht aus dem Dache' des Dorfältesten, dessen Hütte erst vor Kurzem mit neuen glatt gehobelten Balten bedeckt worden war die Balken waren von gelber Farbe und würzigem Geruch. 13 war Sonntag und die ganze EinWohnerschaft des Dorfes war auf der dicht mit Gras bewachsenen und mit kleinen ausgetrockneten Schmutzkegeln bedeckten Strafe?. Vor der Hütte des Dorfältesten stand eine große Gruppe von Männern und Weibern, einige saßen auf der Bank vor der Hütte, andere direkt auf der Erde, wieder andere standen zwischendurch sprangen Kinder herum und bekamen beständig dcn. d.n Erwachsenen Schelte und Püffe. Den Mittclvunkt der Gruppe bildete e'm hochgewachsener Mann mit lana herabhängendem Schnurrbart. Nach dem braunen Gesicht, welches von dichten greuen Stoppeln und einem Netze tiefer galten bedeckt war, zu schließen, sowie nach den grauen Haarsträhnen, die unter dem schmutzigen Strohhut hcrvorsahen, mochte er ungefähr fünfzig Iabre alt sein. Er sah zur Erde, die Nüstern seiner großen knochigen Nase zitterten, und wenn er den Kopf hob und einen Blick noch den Fenstern der Hütte warf, sah man seine großen, traurigen, sogar düsteren Augen sie lagen tief in ihren Höhlen und die dichten Brauen warfen Schatten auf die Augäpfel. Er war in eine braune, zerschlissene Kutte eines Klosternovizen gekleidet, die kaumllber die Kniee reichte und von einem Strick zusammengehalten war. Auf dem Rücken hatte er einen Ranzen, in der rechten Hand einen langen Stock mit eisernem Knopf, die linke Hand hielt er unter der Kutte. Die Umstehenden betrachteten ihn mißtrauisch, spöttisch, mit Verachtung, und endlich mit unverhohlener Freude darüber, daß es ihnen gelungen war. den Wolf zu fangen, ehe er noch ihrer Heerde Schaden gebracht hatte. Der Mann war durch das Dorf gegangen, hatte sich dem Fenster des Dorfältesten genähert und um einen Trunt gebeten. Der Dorfälteste hatte ihm Kwas (bierähnliches Getränk) gegeben und einc Unterhaltung mit ihm anfangen wollen. Der Wanderer aber hatte, gegen die Geroohnhcit aller Pilger, sehr einsilbig geantwortet. Der Dorfälteste hatte ihm dann seinen Paß abverlangt, er konnte einen solchen aber nicht vorweisen. Und man hatte den Wanderer aufgehalten und beschlossen, ihn der Kreisverwaltung zu überliefern. De: Dorfälteste hatte einen Wächter zu seiner Beaufsichtigung auscrwählt, dem er jetzt in seiner Hütte Weisungen ertheilte, während man den Arrestanten draußen gelassen hatte, wo das Volk sich über ihn lustig machte. Er stand in derselben Stellung, wi: man ihn gelassen hatte, mit dem gcbeugten Rücken an den Stamm einer Weide gelehnt. Da erschien auf der Ausgangstreppe der Hütte ein augeniwinkerndcr alter Mann mit einem Fuchsgcsicht und grauem keilförmigen Bärtchen. Er setzte die gestiefelten Beine bedächtig von eine? Stufe auf die andere, und sein rundes Bäucdlein bewegte sich schwankend unter dem rothen Leinenoberhemd. Hinter seiner Schulter sah das bärtige Gesicht des Torfwächters hervor. Hast Tu verstanden. Jefim?" frug der Torfälteste den Wächter. ..Was ist da nicht zu verstehen? Alles habe ich verstanden! Ich, der Dorfwächter, bin angewiesen, diesen Menschen zum Landrath zu bringen, und damit fertig!" sagte der Wächter nachdrücklich und mit komischer Wichtigkeit, indem er den Zuschauern mit den Augen zublinzelte. Und das Papier?" Das Papier? Das ist unter meinem Gürtel aufgehoben!" Nun also!" sagte der Dorfälteste uufmnnternd. und fügte hinzu, indem er sich die Hüften kratzte: Mit Gott also, vorwärts!" ..Gehen wir! Wollen wir aufbrechen. Väterchen?" lächelte der Wächter dem Arrestanten zu. ..Wenigstens ein Fuhrwerk könntet Ihr doch geben!" erwiderte dieser dumpf auf die Anrede des Wächtern. Der Dorfälteste grinste: Ein Fuhrwerk? Sieh' 'mal an! Von Euch Vagabunden laufen hier viele auf den Feldern und in den Dörfern herum da gäbe es nicht Pferde genug für alle. Wirst auch zu Fuß gehen können! Abgemacht!"' Gehen wir nur, Väterchen!" sagte der Wächter ermunternd. Glaubst Du. wir hätten es weit? Mit Gottes Hilfe nur zwanzig Kilometer! So viel sind es nicht einmal! Wir Beide, Väterchen. sind damit sehr bald fertig! Und später kannst Du ja auch ausruhen " In Nummer Sicher!" erläuterte der Dorfälteste. Das macht nichts!" beeilte sich der Wächter als Erklärung hinzuzufügen. Wenn ein Mensch müde geworden ist, kann er auch im Gefängniß ausruhen. Und dann in Nummer Sicher ist es kühl, nach einem heißen Tage ist es dort sehr schön!" Der Arrestant blickte seinen Wäcdter

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finster an. der aber lächelte treuherzig und vergnügt. Nun also, heda, lieber Mann! Lebt wohl, Wassili Gawrilowicz! Los denn!" Mit Gott. Jefim! Sei schön achtsam auf ihn!" .Und sei vorsichtig!" warf dem Wächter ein junger Mensch aus der Menge zu. Na, bin ich denn ein Kind? Oder was Aehnlichcs?" Und sie gingen davon, an den Hütten entlang schreitend, um im Schatten zu bleiben. Der Mann in der Kutte schritt voran, in der lässigen, aber raschen Gangart cincö Menschen, der an das Wandern gcwöhnt ist. Der Wächter frlgte ihm. einen kräftigen Stock in der Hand haltend. Jefim war ein Bäuerchen von kleincm Wuchs, mit einem breiten gutmüthigen Gesicht, welches von einem zottigen aschblonden Bart umrahmt war, der schon unter den hellen grauen Augen ansetzte. Er lächelte fast bestänvig aus Gott weih welchem Grunde, r.ues dabei seine kräftigen gelben Zähne und runzelte die Nase, als ob er niesen wolle. Er war in einen langen Rock gekleidet, dessen Schöße er hinter den Gürtel gesteckt hatte, damit sie ihn nicht beim Gehen störten, auf dem Kopfe halte er eine dunkelgrüne Mütze ohne Schirm, die bis auf die Augenbrauen gezogen war und einer Arrestantenkappe sehr ähnlich war. Sein Gefährte schritt voran, ohne ihn zu beachten, als ob er sich seiner Gegenwart gar nicht bewußt sei. Sie gingen auf dem engen Landweg, der fchlangenartig durch das wallende Roggenmeer führte, und die Schatten der Wanderer zogen über das Gold der Aehren. Am Horizont blaute der Waldcssaum, links von den Wanderern zogen sich endlose besäete Felder hin. in denen als dunkler Fleck das Dorf sichtbar war, und hinter diefem wieder Felder, die sich in der bläulichen Dämmerung verloren. Rechts ragte aus einem Gebüsch die bleckbeschlagene und noch mit Farbe bestrichen? Kirchthurmspitze hervor sie blitzte so grell in der Sonne, daß die Augen beim Hinsehen schmerzten. Hoch in der Luft schmetterten die Lerchen ihr Lied, im Roggenfeld lächelten die Kornblumen, und es war heiß, fast schwül. Unter den Füßen der Wanderer wirbelte Staub auf. Jefim fing an, sich zu langweilen. Er war von Natur ein großer Schwätzer und konnte nicht lange schweigen er räusperte sich und ließ ein paar langgezogene Töne erschallen. ..Hab' keine Stimme mehr daß Dich ! Ja, vor Zeiten, da hab' ich gesungen. Der Wischenky-Lehrer sagte oft zu mir: .Na. Jefim, lege 'mal los!' Und dann sangen wir! Das war ein ordentlicher Mensch!" Wer das?" frug der Mann in der Kurte mit hohler Baßstimme. Der Wischcner Lehrer!" Wischcner ist das ein Name?" Wischenky, das, mein Lieber, ist ein Dorf, und der Lehrer hieß Paul Michailowicz! Das war ein Mensch von der besten Sorte. Vor drei Jahren ist er gestorben." War er noch jung?" Noch keine dreißig Jahre alt!" Woran ist er denn gestorben?" Wohl an Kummer!" Der Gefährte Jefims blickte diesen von der Seite an und lächelte. Es war das nämlich, mein Lieber, so eine Geschichte! Er lehrte und lehrte sieben Jahr? lang und fing dann an zu husten. Wie er so immerfort hustete, wurde er schwermüthig nun, und wie er das wurde, fing er natürlich an, Sckmaps zu trinken. Hochwürden Alexis hatte ihn nicht gern, und wie er nun zu trinken anfing, da schickte der einen Bericht nach der Stadt so und so, der Lehrer säuft, und das erregt Aergerniß. Aus der Stadt kam denn auch die Antwort, und mit ihr eine Lehrerin. Lang und dürr war die. und eine riesige Nase hatte sie. Nun. da sah denn Paul Michailowicz, daß es schlimm um ibn stehe. Es schmerzte ihn, er sagte sich eben: gelehrt habe ich Euch und jetzt o Ihr Teufelsbrut! Aus der Schule ging er schnurstracks in das Krankenhaus, und in fünf Tagen war er todt das ist alles" Eine Zeitlang setzten Beide schweigend ihren Weg fort. Mit jedem Schritte kamen sie dem Walde näher, dieser wuchs zusehends an. verlor seine bläuliche Färbung und wurde grün. ' Gehen wir durch den Wald?" frug der Gefährte Jefims. Den Saum werden wir durchschneiden, so einen halben Kilometer weit. Warum? Ah! Sieh 'mal an! Bist doch ein Schelm. Väterchen, wenn ich so überlege!" Und Jefim lachte, mit dem Kopfe wackelnd. Was hast Du?" frug der Arrestant. Gar nichts! Ich meine nur so! O Du Durch den Wald will er gehen! Einfältig bist Du, mein Lieber! Ein

Gescheiterer hätte das nicht gefragt, der wäre einfach auf den Wald losgegangen. und dann " Was dann?" Nichts ich durchschaue Dich. Brüderchen. durch und durch! O Du lieber Gott! Nein, den Gedanken wegen des Waldes, den laß nur fallen! Wirst Du denn mit mir fertig? Ich kriege drei solche wie Du einer bist, unter, und Dich nehme ich auf die linke Hand allein. Berstanden?" Ja. Bist ein Schafskopf!" sagte der Arrestant kurz und mit Ausdruck.

Nun? Habe ich errathen!" trium Phirte Jefim. Vogelscheuche! Was willst Du den: errathen haben?" lacyte der Arrestant. Wegen des Waldes! Ich versieb das Du denkst Dir: ich das heiß also Du haue ihm das heißt alst mir eins über, sobald wir in der Wald kommen, und dann geht's los in den Wald, über die Felder! Nich wahr, so ist es?" Dumm bist Du antwor.tete dedurchschaute Mann, die Achseln zuckend Wohin könnte ich mich denn wenden ?' -Nun, wohin Tu willst, das is Deine Sacke" Aber wohin denn?Jefims Gefährte war halb ärgerlich halb neugierig, vcn seinem Begleiter zi erfahren, wohin er sich eigentlich wen den könne. Ich sage Tir ja wohin Di willst!" erklärte Jefim ruhig. ..'Nirgends kaun ich hinfliehen, nir gcnds!" sagte sein Gefährte leise. Nun," sagte der Wächter miß trauisch. und machte eine Bewegunc mit der Hand! Man kann immei irgend wohin fliehen. Die Erde is groß für einen Menschen gibt ci immer noch Platz genug!" Waö meinst Tu eigentlich? Wills Du, daß ich ausreiße?" lächelte de, Arrestant neugierig. Sieh 'mal an? Du bist mir bei Rechte! Wäre das denn in Ordnung' Du reißt aus und wer kommt danr in's Gefängniß? Tann werde ich ein gesperrt. Nein, ich meine nur so aU Redensart" Tu bist ein einfältiger, aber übri gens ein guter Kerl," sagte Jefims Ge. fährte seufzend. Jefim beeilte sich, seir Einverständnitz damit zu erklären. Tu hast recht. Einige nennen mick einfäl:ig. Andere sagen, ich sei ein gutei Bursche auch das ist richtig. Einfack bin ich das ist der Grund! Viele wol len alles mit List und Schlauheit mc chcn wozu habe ich das nöthig? Ick stehe allein in der Welt wenn ich listic bin. muß ich sterben, und wenn ick gradherzig bin, dann muß ich auch ster den. Da bin ich denn lieber immei offenherzig." a hast Du recht," bemerkte Je fimz Gefährte gleichmüthig. Gewiß! Wozu soll ich heucheln, wl ich Niemand auf der Welt habe, all nur mich selbst? Ich bin ein freie: Mensch, mein Lieber: wie ich will, sc lebe ich. nach meinem eigenen Gutdün kcn ja. Wie beißt Du denn?" Wie ich heiße? Nun sagen wirJohann." So. Bist Du von geistlichen Stande?" Nein" So? Ich dachte. Tu seiest einer vor denen" Tu meinst der Kleidung wegen?" Eben. Tu siebst genau aus, wi ein flüchtig gewordener Mönch, odei wi? ein verbannter Priester. Dein Gesicht aber paßt nicht dazu. Von Angesicht siehst Du aus wie ein SoldatWeiß der Himmel, wer Tu sein magst.' Und Jefim betrachtete neugierig der Wanderer. Jener seufzte auf, rückti den Hut auf dem Kopf zurccht, wischtk den Schweiß von der Stirn, und fruc den Wächter: Rauchst Tu Tabak?" O gewiß! Sehr gern! Natürlich rauche ich!" Er zog einen schmutzigen Tabaksbeute! aus dem Gürtel, beugte den Kopi und begann, ohne aber stehen zu bleiben, eine Thonpfeife mit Tabak zu stopfen. Hier rauche!" Ter Arrestant blieb stehen, beugte sick zu dem Zündholz, welches der Wächtei angesteckt hatte, und zog den Rauch ein. Ein llaues Nauchwölkchen stieg in die Luft. '.'llso wer bist Du denn? Wohl ein Kleinstädter?" Ich bin aus adeligem Stande' lagle der Arrestant kurz, und spie zur Seite in die Kornähren, die bereits golbig glänzten. O, das ist aber merkwürdig! Wie läufst Du denn so ohne Paß herum?" Sehr einfach!" Schöne Geschichten! Wird wohl Deiner adliqen Person nicht sonderlich gefallen, so' ein Wolfsleben! O Du Armseliger!" Laß es gut sein, böre auf zu schwatzen!" sagte der Arrestant trocken. Jefim aber betrachtete mit wachsender Tbeilnahme und Neugi'r den Mann ohne Paß. schüttelte nachdenklich den Kopf und fuhr fort: Ei, ei! Wie das Schicksal mit den Menschen untgeht! Es mag schon richtig sein, daß Du von Adel bist, denn Du bast ein vornehmes Aussehen. Lebst Tu schon lange auf diese Weise?" Der Mann mit dem vornehmen Aussehen blickte finster nach Jefim hin. und machte eine Bewegung mit der Hand, als wolle er eine lästige Wespe verscheuchen. Laß sein, sage ich! Was schwätzest Tu wie ein Weib?" Tu brauchst Dich nicht zu ärgern!" sagte Jefim beruhigend. Ich rede aus gutem Herzen ich habe ein sehr gutes Herz" Das ist ein Glück für Dich. Daß aUx Deine Zunge ohne Aufenthalt herumwandert, das ist ein Unglück für mich!" Nun gut denn! Wenn es sein muß. werde ich schweigen. Ich kann auch schweigen, wenn ein Anderer mein Gerede nicht hören will. Aber doch ärgerst Du Dich ohne Grund. Bin ich denn Schuld daran, daß Du ein Vagabundenleben führen mußt?" Der Arrestant blieb stehen und bin

Die Zähne so aufeinander, daß seine Backenknochen in spitzen Winkeln hervortraten, und die grauen Stoppeln darauf wie bei einem Igel zu Berge standen. Er maß Jefim von oben bis unten mit einem zornglühenden und unsteten Blick. Ehe aber noch Jefim dieses Mienenspiel bemerkt hatte, begann er wieder mit großen Schritten voranzuschrciten. Ueber das Gesicht des geschwätzigen Wächters zog wie cm Schatten der Ausdruck einer zerstreuten Nachdenklichkcit. Er blickte nach oben, wo die Triller der Lerchen herkamen, pfiff ihnen zwischen den Zähnen nach und schlug mit dem Stock den Takt zu seincn Schritten. Sie näherten sich dem Waldessaum. Der Wald stand ruhig, wie eine dunkle Wand kein Laut tönte den Wanderern entgegen. Die Sonn? war schon im Sinken begriffen, und ihre schrägen Strahlen kleideten die Givfel der Bäume in Purpur und Gold. Die Bäume strömten eine duftende Feuchtigkeit aus, und das düstere und ernste Schweigen, welches den Wald erfüllte, erzeugte ein banges Gefühl. Wenn der Wald vor den Augen steht dunkel und regungslos, wenn er ganz in geheimnißvolles Schweigen gehüllt ist und es dann ist, als ob jeder Baum nach etwas hinhorche dann scheint es. als sei der ganze Wald von etwas Lebendigem erfüllt, das nur einen Moment den Athem anhält und dann will es scheinen, als werde im nächsten Augenblick etwas Rieschaftes und dem menschlichen Verstand Unbegreifliches aus dem Walde heraustreten und mit machtvoller Stimme zu reden beginnen von den großen schöpferischen Geheimnissen der Natur. Nachdem Jefim und fein Gefährde den Waldessaum erreicht hatten, bcschlössen sie. auszuruhen, und setzten sich in's Gras neben den breiten Stumpf einer Eiche. Der Arrestant nahm langsam seinen Ranzen vom Rücken herunter und frug den Wächter gleichmüthig: Willst Tu Brod?" Wenn Tu mir gibst, so nehme ich!" sagte Jefim lächelnd. Und dann fingen sie an. das Brod zu kauen Jefim aß langsam und seufzte dabei beständig, nach links in's Feld schauend, sein Gefährte aber hatte sich vollständig in den Prozeß der Sättigung vertieft, aß rasch und schmatzte laut dabei, seine Brodrinde mit den Augen messend. Die Felder fingen an, dunkler zu werden, das Getreide hatte schon sein goldiges Kolorit verloren und war rosiggclb geworden, von SüdWesten kamen flockige Wölkchen herauf, die ihre Schatten auf die Felder warfen und die glitten zum Walde hin, wo die zwei dunklen Menschengestalten saßen. Auch die Bäume warfen Schatten zur Erde, und die Schatten erzeugten in Beiden ein wehmüthiges Gefühl. Gott fei gelobt!" rief Jefim, sammelte die Brodkrumen aus seinem Schooß und leckte sie von der Hand herunter. Der liebe Herrgott hat uns gesättigt. Niemand hat's gesebcn. und wenn auch, so hat's Niemand gekränkt! Freund! Bleiben wir ein Stündchen hier siZen? Wir kommen noch früh genung nach Nummer Sicher!" Ter Freund nickte. Nun also! Der Platz ist recht schön, und ich habe ihn gut im Gedächtniß dort links stand das Herrenhaus der Tuczkow " Wo?" frug der Arrestant schnell, sich nach der Richtung wendend, wo Jefim hingezeigt hatte. Dort, hinter dem Ausläufer! Alles hier herum hat ihnen gehört. Reich waren sie, aber nach Aufhebung der Leibeigenschaft ist es anders geworden. Auch ich hab? ihnen gehört wie alle hier herum. Eine große Familie war ?s. Der Oberst selbst Alexander Nikiticz Tuczkow die Kinder vier Söhn? wo sind di? hing?komm?n? Als ob der Wind sie auseinand?rg?w?ht hätt?, wi? Blätt?r im Herbst. Nur einer, Iwan Alexandrowicz, ist noch da zu dem führ? ich Dich ?b?n; d?r ist uns?r Landrath auch d?r ist schon alt" D?r Arrestant lachte auf. Er lachte dumpf so eigen von innen heraus die Brust und der L?ib b?w?gt?n sich dabei, das Gesicht aber blieb unbeweglich, nur zwischen den Zähnen heraus ertönt?n dumpf?, a?rad?zu b?ll?nd? Laute. Jefim rückte ängstlich, nahm seinen Stock fester in die Hand und frug: Was ist Dir? Hast Du Anfälle wie?" Es ist nichts das vergeht," sagte der Arrestant in ibg?riss?n?n Lauten ?rzähl? nur w?it?r " Ja also, so st?h?n di? Sach?n früher gab es eine Tuczkow'sche Herrschaft und jetzt ist nichts mehr da. Einige sind gestorben, Andere verdorb?n kein Hahn kräht mehr nach ihnen. Besonders der Eine der Jüngste Viktor hat ?r g?heiß?n Witty. Ich war sein Kam?rad als di? Leibeigenschaft aufgehoben wurde, waren wir ungefähr vierzehn Jahre alt. Das war ein Junge. Gott sei ihm gnädig! Ein reiner Sprudels Den ganzen Tag sprang und brauste er herum wo der jetzt sein mag? Ob er lebt oder schon todt ist?" (Schluß folgt.)

Kindliche Kogi. Großvater." sagt ein kleines Kind. bist Du sehr alt?"-Ja, mein Kind, Dein armer Großvater ist sehr alt." Hast Du noch Zähne?" Nein, mein Kind, ich habe alle verloren." Dann kannst Du meine Nüsse aufbewahren."

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Ccke Noble und t. (llair Etr. Ich erlaube mir meinen fireundkn und ?etanntkn anzuzelgen. daß ich unter dem Namen "Tlie Victor" an obengcnannlkm Platzc eine ,n jeder Beziehung erste laste Wirthschaft eröffnet hade. Es wird mein Bestreben sein, ein in ,eder Beziehung respektables Haus zu sühren und an meine eschösts. freunde, bei coulanter Bedienung, die besten Cuali taten an imrortirtkN und einheimischen e,nen, Liquören, Cigarren, Bier, etc. zu verabreichen. wird mir zur Ehre gereichen. Sie ,n meinem ittzigen Lokale begrüßen zu können. Achtungsvoll HENRV VICTOR. Europäisches hotcl, Restaurant, Bäckerei und Conditorei. O. II. SMITH, . 350 Ost Washington Str. immer zu 2öc, 50c und l. Tel. 1t und Neu 9S3 . Ottmar KeUcr, 217 Ost Washington Stt. : Feine : Veine, (iquöre und Cigarren. Rrtra-Lunch servirt auf Order zu jeder Zeit, Hauptquartier der Bäcker Badens! etzger und anderer Vereine. Telephon 3327. KM W , Emil Mantel, Eigenthümer. LOS West Washington Strafte, gegenüber dem Staatshausc. Gelder werden geliehen auf alle Arten Werthsachcn. Strengste Verschwiegenheit. Offen bis 9 Uhr Abends. Verfallene uneingelöste Pfand gegenstände billig zu verkaufen. Tel old 2 riiuc on 3284. fienry Schwarz ...Feine Weine... Liquöre, Cigarren 'und Tabak. No. 2602 West Michigan Str. Feiner Lunch von Morg ns 9 bis 12 Uhr, und von 4 bis ei Uhr Nachmittag'. Tas verläßliche und erprobte EMEE S 0 2 Zum Verkauf bei TheJOlNER-KENNEDYMUSICCO. Karstadt's Tampf-Färberei und Echt-Wiischerei. (Nachfolger von John Br.ll u. Co 1 Vlablirt 171. Te!evh,A : Maff. de.. fit 2578. Neu 2532. ollegk ve,, Kit. Brown 34. Illinois Str , Alt. Rrown 2144. M" Herren- und Tamen-Kleider gereinigt, umgeändert und ausgebügelt. H. Louis Vollrath s t vocttt)unb Fleisch Markt, 125 West Morris Straße. 'lEcke Capitol Avenue und Morrii Ttrae. Staple undFancy Groceries, k t wt V jv w.y ..vr g.tHHMVitlv i Fleisch. Wurst, reines Schmalz usw. 2 ?trHAa rte(Mipne& iinfc rtrrtiirfior4,2 T Hufschmied. W. W. Knight. 108 Virginia Avenue -nd 21.Ost Marvland.St Neue Tel. Ah.

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