Indiana Tribüne, Volume 25, Number 227, Indianapolis, Marion County, 16 May 1902 — Page 7

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)f rrtn ücs Schicksals Roman von Theodor Kabelitz. toooGoGOoooyz (Fortsetzung.) Aber wich nicht. Auch das Gesicht stand immer vor ihm. Die Augen, in die er geschaut. Mangen Niehuus, die ffrau zu suchen, der sie gehörten. Er sträubte sich, aber der innere Drang war mächtiger als er. Er mußte hinaus, und er ging hinaus. Und noch indem er es that, suchte er sür sich selbst Gründe, warum er es that. Sie war es nicht sicher nicht! Nur überzeugen wollte er sich, heimlich und verstohlen. Darum ging er hinaus. Daga schloy sich ihm nicht an, aber sie behielt ibn im Auge. Das Bild im Garten hatte sich indessen geändert. Di? Töne von Geige und Klavier lockten das junge Volk in den Tanzsaal. Nur die Alten hielten noch aus an den langen, gedeckten Tischen. Im Garten machte sich Robert Gützlass allerhand Gedanken über die Verschiedenheit der Lebensstellungen. Mitten im festlichen Getriebe und trotz seines Erfolges vorhin fühlte er sich nicht abgeneigt, ein wenig mit dem Geschick zu hadern, das ihn so weit in die hintersten Reihen gestellt hatte. Früher hatte er das viel weniger empfunden, er traute sich zu, dah er vorwärts kommen würde, und besaß guten Muth, ohne sich über die Gegenwart zu grämen. Aber jetzt! Alles, was er erreichen konnte, lag so weit in bei Ferne und war so ungewlfj Auch Elsa gehörte zu denen da vorn in der Laube. Nun war sie obendrein noch erzürnt, weil er die Wahrheit gesagt. Es war überhaupt am besten, gar nicht mehr an sie zu denken. Seine Rede schien ihren Beifall auch nicht zu haben, sonst hätte sie ihm doch ein freundliches Wort gegönnt. So grämlich dachte Robert Güylaff von der Welt und den Menschen, als der Kommerzienrath an ihn herantrat. Lilli Tychsen war keineswegs unempfindlich gegen die lockenden Tanzweisen, aber Doktor Klllwer, der nachkommen wollte, war noch nicht eingetroffen. So hatte sie vorläufig nur die Möglichkeit, sich mit einer Freundin zu drehen oder irgend einem gleichgiltigen Herr.i von den Beamten den Arm zu reichen. Da sah sie ihren Vater mit Robert Gützlaff sprechen, und ihr unternehmendes Köpfchen griff sogleich den Plan wieder auf, den Daga nicht hatte ausführen helfen. Sie kam gerade zur rechten Zeit, um die letzten Worte des Kommerzienraths aufzufangen. Sie haben Ihre Aufgab? gut gelöst, lieber Gützlaff. Ich bin fehr mit Ihnen zufrieden, und danke Ihnen herzlich. Könnte ich mich vielleicht noch in irgend einer anderen Weise erkenntlich zeigen?" Lilli sah, daß der junge Mann etwas verlegen und unschlüssig vor sich hinsah und trat schnell heran. Vielleicht trinkt Herr Gützlaff ein Glas mit uns vorn in der Laube, Papa. Wollen wir ihn nicht dazu einladen? Als hervorragendsten und erfolgreichsten Festredner gebührt ihm diese Ehre." Wie liebenswürdig wurde das gesagt. Der Kommerzienrath machte allerdings ein merkwürdiges Gesicht, indessen er war daran gewöhnt, daß sein Töchterchen manchmal wunderbare Schrullen hatte, und ließ sie gewähren. Was Lilli that, kam ja aus gutem Herzen, wenn auch manchmal der Uebermuth mithalf. Der Kommerzienrath lachte. Sie hat recht, Gützlaff. Kommen Sie nur mit!" Die Laube war in diesem Augenblick leer. Lilli selbst füllte drei Gläser mit dem perlenden W:in. Bitte, Herr Gützlaff!" sagte Lilli Tychsen und bot dem jungen Manne ein Glas. Dieser wußte gar nicht, wie ihm geschah. Kaum daß er die Worte fand: Gestatten Sie, daß ich auf Ihr Wohl trinke, gnädiges Fräulein." Lilli plauderte unbefangen weiter. In aller Geschwindigkeit fragte sie dem Monteur seinen liebsten Wunsch ab. Zum Besuch einer technischen Hochschule fehlte das Geld, und nunmehr würde wohl überhaupt nichts daraus werden. Aber warum denn nicht, Herr Gützlass? Wenn ich ein Mann wäre, Sie sollten nur sehen, mir gehörte die Welt.Gehört sie Ihnen nicht auch yeute, gnädiges Fräulein?" fragte er. Ah, Sie können auch schmeicheln!" Das wvllte ich nicht. Mir gehört Nichts als ein Kopf und zwei Arme, und Melt reimt sich nun einmal auf Geld." Das ist nun wieder gar nicht galant. Und was den Reim betrifft, so folgt auf das Ringen das Zwingen. Ich würde an keinem Dinge verzweifeln." Wer vor der Unmöglichkeit Halt macht, ist noch kein verzweifelnder Mann." Gibt's überhaupt eine Unmöglichkeit?" Für einen Monteur leider recht Viele." Neckisch wie ein Kobold sprang Lilli auf ein anderes Thema über. Weshalb tanzen Sie nicht? Oder sind Sie kein Freund davon? Hören Sie nur, bis hierher klingt der Walzer. Lockt Sie das nicht?

m(3o lange ich hier stehen darf, yar s keinen Reiz für mich, und ich fürchte, nachher erst recht nicht." Höre nur. Papa, schon wieder ein Komvlimentl" Tann wendete sie sich von Neuem an Robert Gützlaff. Aber wir können nicht immer hier stehen. Und daß ich's nur bekenne, für mich ist es reizvoll, mich im Takt zu drehen." Robert verstand diesen Wink. Wenn ich's wagen dürfte, gnädiges Fräulein" Was ist dabei zu wagen? Ein Walzer ist keine Heldenthat, wenn man ihn zu Zweien unternimmt. Du erlaubst doch, Papa?" Sie legte die Hand leicht ans den Arm des junaen Mannes. Also gehen wir. Herr Gützlaff!" Kommerzienrath Tychsen machte wieder ein ganz merkwürdiges Gesicht. Er begriff vollkommen, daß die Einladung zum Sekt nichts weiter war als die effektvolle Einleitung der Aufforderung zum Tanz. Bedächtig füllte er seir, Glas und schlürfte den perlenden Schaum. Ich möchte wissen, was sie mi: ibm vorhat. Halten Sie Ihren Kopf kühl, junger Herr! Dann kann's geschehen, daß Sie auf dem Wege sind zu einer Karriere." Im Saal erregte der Eintritt des Paares Sensation. Mädchen und Frauen stießen einander an. Dann folgten gespannte Blicke den Bewegungen der Beiden, die stch leicht und gefällig den Rhythmen der Musik anpaßten. Als endlich die Töne verstummten, gab's ein großes Geflüster an den Tischen längs der Wände. Das Paar schritt zum Ausgang. Lilli deutete mit einem Blick geradeaus. Sehen Sie dort Ihre zukünftige Frau Direktor. Werden Sie mit ihr tanzen?" Ich weiß nicht recht, gnädiges Fräulein " Lilli blieb stehen. Ihre Stimme

klang sehr ruhig, und ebenso ruhig sah sie ihm in die Augen. Was Ihnen Vergnügen macht, entzieht, sich natüilich meiner Kenntniß. Aber daß es hier keine Dame gibt, die Ihnen jetzt einen Tanz verweigert, darüber darf für den Herrn Gützlaff, dem Lilli Tychsen den Arm gereicht, kein Zweifel bcstehen." Nicht der leiseste, gnädiges Fräulein. Leider aber auch nicht betreffs der Thatsache, daß das gütige Belieben, welches mich heute freundlich aus dem Kreise der Kameraden heraushebt, morgen der Vergangenheit angehören wird. Der Robert Gützlaff, der, getragen von Ihrer Huld, heute vergessen könnte, daß er trotz alledem nur ein Monteur ist, würde morgen eine lächerllche Figur spielen in seinen eigenen Augen, und wahrscheinlich auch in den Augen von Fräulein Tychsen. In diese Lage möchte ich mich nicht bringen. Aber Ihnen aufrichtig danken für Ihre unverdiente Liebenswürdigkeit, das will ich. So sehr danke ich Ihnen, daß ich heute überhaupt nicht mehr tanzen werde, weder mit den Damen Ihrer Kreise, moch mit anderen." Aber ich will's!" Und ich will's nicht, gnädiges Fräulein." Einen Augenblick ruhten ihre Blicke beinahe ärgerlich in dep seinigen, dann lächelte sie wieder. Sie sind ein eigensinniger, unartiger Mensch. Kommen Sie, begleiten Sie mich wenigstens zu meinem Vater zurück." Daß Jemand ihrem launischen Ich will's!" ein ruhiges Und ich will's nicht!" entgegengestellt hätte, war Lilli noch nicht vorgekommen. Ihr nur mittelborcs Interesse an Gützlaff gewann dadurch neue Nahrung. Ob er wohl nein gesagt hätte, wenn Elsa in Frage kam statt Daga? Die Probe durfte ihm jedenfalls nicht geschenkt werden. Nach dem vorangegangenen Tanz konnte sie den Faden wieder aufnehmen. sobald sich Gelegenheit bot. Kommerzienrath Tychsen stand am Eingang der Laube. Robert Gützlaff verbeugte sich vor seiner Begleiterin. Noch einmal meinen herzlichsten Dank, gnädiges Fräulein. Ihre große Freundlichkeit wird mir stets unvergeßlich bleiben." Damit wollte er sich entfernen. Oho." rief der Kommerzienrath, so haben wir nicht gewettet, junger Mann! Erst kommen Sie 'mal her und trinken Sie noch ein Gläschen, wie sich 's gehört. Der Tanz macht durstig. In meiner Jugend war's weniastens so." Dann zoa. Tychsen sein Notizbuch hervor. So, lieber Gützlaff, nun sagen Sie mir vor allen Dingen 'mal hre Adresse. Ich will sie mi aus Ichreiben für den Fall, van icy Jynen gelegentlich rqps zu bestellen habe." Als der Kommerzienrath dann mit seiner Tochter wieder allein war, sah er ihr ein wenig spöttisch in's Gesicht und schob ihr die Rechte unter das runde, weiche Kinn. ,So, Herzchen, nun beichte einmal den Grund Deiner Vorliebe für diesen langen Monteur." Den Grund?" Lilli warf den Kopf ein wenig zurück. Er gefällt mir, Papa!" Ei, er gefällt Dir! Das konnte ich mir allenfalls denken. Aber was Ou mit ihm vorhast, möchte ich wissen." O, viel! Aber er will a alles nicht." Was denn zum Beispiel?" Er will nicht' mit Daga tanzen, er will überhaupt nicht mehr tanzen gar nichts will er!" Dich am Ende auch nicht?" fragte der Kommerzienrath. Im Augenblick wurde Lillis Gesicht vollkommen ernst. Bitte, Papa, nicht auf diese Art. Du weißt, ich. bin Braut."

Schön. Also was hast Du vor?" Der Herr ist offenbar sehr begabt. seine Art gefällt mir. ich möchte, daß Du Dich für ihn interessirst. Papa." Wie käme ich dazu?" Ich sagte doch schon, daß er mir gefällt. Ist das kein Grund? Und außerdem hat er Dir nicht eiiien Dienst geleistet in der Sache mit Niehuus? ($ ist doch sonst nicht Deine Art, Jemand etwas schuldig zu bleiben. Und nun gar so einem armen begabten Menschen! Daß er die technische Hochschule nicht besuchen kann, hat mir leid gethan. Nicht wahr, das richtest Du ein? Mi? macht's Vergnügen, und Du kannst Dir's ja leisten." Kommerzienrath Tychsen sah seiner Tochter mit gutmütigem Spott in die Augen. Nun komm doch 'mal heraus mit der Sprache, Kleine! Wo steckt die Liebschaft? Ich müßte die Frauenzimmer nicht kennen, wenn am hintersten Ende nicht etwas von Liebe an's Tageslicht kommen sollte. Also wo ist die Herzdame? Heraus mit der Sprache!" Er hat Elsa Brandow gern, und sie ihn auch, das heißt, ich vermuthe das. Gezankt haben sie sich wenigstens schon. Nun möchte ich sie zusammenbringen. Aber so lange er Monteur ist, kann's doch nichts werden mit den Beiden." Der Kommerzienrath lachte. Na also, da haben wir's ja!" Und was Du versprochen hast, das

thust Du, Papa? Bitte, bitte!" Ich versprochen?" Aber gewiß, diese Minute! Du wolltest ihm die technischen Studien ermöglichen." Der Kommerzienrath lachte. So! Famose Einrichtung, wenn man so hintenherum erfährt, was man will." Lilli schlang die Arme um seinen Hals. Du bist ja mein lieber, süßer Papa!" 9. Kapitel. Großmutter Neuhaus fühlte das Vedürfniß, allein zu sein. War er's war er's nicht? Ihr Herz sagte ja, der Verstand antwortete nein. So blieb ihr nichts als ein unbestimmtes Ahnen, gepaart mit quälender Unruhe. Volle Gewißheit schaffen konnte nur eine gerade Frage, der eine ehrliche Antwort folgte. Aber wie durfte das Mütterchen im schlichten, altmodischen Gewände, die Frau aus der Dachstube im Arbeiterviertel hintreten vor den reichen, hochmögenden Mann, der über so vieleMenschen gebot, mit der Frage: Bist Du mein Sohn?" Das wäre Wahnsinn gewesen. Großmutter Neuhaus mußte Rath halten allein mlt sich und ihrem Herzen. So ging sie in das stille Gehölz, das sich an den großen Garten des Restaurants anschloß. Nach der Rede hätte Elsa dem Monteilt gern ein freundliches Wort gesagt. Vielleicht war's doch zu hart, wie sie zu ihm gesprochen vordem. Aber sie sah Daga mit Gützlaff reden und wendete sich fort. Später ward sie unbemerkt Zeuge, wie Lilli und ihr Vater freundlich "thaten mit dem Mann, der ihnen fremd war. Ihr wurde gar traurig zu Sinn. Vereinsamt kam sie sich vor. Am liebsten hätte sie sich herzlich ausgeweint. Elsa suchte die Stille, wie Großmutter Neuhaus die Stille vor ihr gesucht. Im Garten gab's kein Plätzchen, wohin nicht fröhliche Menschen drangen, welche Kühlung und Erholung suchten vom Tanz. So schritt sie in das Gehölz. Musik und heiteres Lachen vcrstummten hinter ihr, es ward still um sie her. Und so wohl that die Stille dem bedrückten Herzen. Unter den Zweigen einer breitästigen Buche hatte Großmutter Neuhaus ein Plätzchen gefunden, eine kleine Erhebung des Bodens bildete eine natürliche Bank. Elsa blieb stehen. Sie kannte die alte Frau nicht, aber nach ihrem Feiertagsanzug schien dieselbe zu der Gesellschaft im Garten zu gehören. Na, Großmutter, so ganz allein?" sagte Elsa freundlich. Die alte Frau wendete ihr das Gesicht entgegen, in den Wimpern hingen zwei blinkende Tropfen. Was soll ich da drin, wo sie tanzen und singen? Ich sehe zu, wie die Sonne untergeht, das paßt sich besser für mich. Bald ist es Nacht, dann gibt's Ruhe, und wem die Sonne nicht mehr aufgeht, der hat Ruhe. Das ist das letzte, was eine alte Frau sich wünschen darf, und auch das beste. Aber Sie, Fräulein! Ihre Sonne geht erst auf. Gefällt's Ihnen nicht da, wo's fröhlich hergeht?" Auch wer jung ist, ist manchmal allein mitten im Saufen Glauben Sie's nicht, Fräulein. Wenn die Sonne drauf scheint, sehen die Wolken am schwärzesten aus. Aber das macht nichts. Nachher sind's doch blos Schauer, die vorübergehen' und dann wird's um so Heller und wärmer. Aber wer in den Winter hineingeht, der läßt alle Blumen hinter sich. Vor Ihnen blüht's noch allerwegen auf, Sie wissen noch gar nicht wie fchön." Die alte Frau unterbrach sich selbst und rückte zur Seite, daß ein bequemer Platz neben ihr frei wurde. Was mache ich nun blos! Ich rede und rede und lasse Sie ruhig stehen vor mir. Genirlich braucht's Ihnen nicht zu sein neben einer alten Frau. Es sieht uns ja Niemand." Warum soll man uns nicht zusammen sehen? Ich setze mich gern ein bischen zu Ihnen." Die alte Frau wiegte bedächtig den Kopf. Das sagt sich so leicht, und Sie glauven's am Ende auch selber. Richtig ist es darum doch nicht. Weil ich alt binund grau, darum reden Sie freund-

lich mit mir. Säße ich hier in diesen Kleidern und hätte runde rothe Backen. ich meine, wenn ich ein junges Mädchen wäre wie Sie selbst, dann gingen Sie wohl an mir vorbei. Die Welt ist nun einmal so, das läßt sich nicht ändern. Menschen sind wir ja Alle, das bestreikt keiner, aber wo sie sich begegnen, sieht einer dem anderen nach den Kleidern, ob sie zu einander passen, und nach den Händen, ob sie weich oder hart sind. Reiche und Arme sind Oel und Wasser. sie mischen sich nicht. Drüben im Garten sind sie auch. Durcheinander geschüttelt werden sie wohl, aber vereinigt nicht. Jedes bleibt für sich. Immer ein Tröpfchen Oel und ein Tröpfchen Wasser gesondert. Lassen Sie's stehen bis morgen. dann schwimmt das Oel wieder oben, und das Wasser ist unten. Sehen Sie. Fräulein, so meine ich's. Sie sind im Wagen gekommen, wir Anderen mit der Eisenbahn, das trennt schärfer wie ein Messer. Und wenn eine Mutter ihr verlorenes Kind sieht auf der anderen Seite, sie würde nicht angenommen." Elsa blickte die alte Frau betroffen an. War ihr nicht derselbe Gedanke heute schon einmal entgegengetreten? Nur feblte den Worten der Greisin die Schärfe. Sie nahm die Verhältnisse ruhig hin. wie sie lagen, während der Andere sich dagegen empörte. Damit waren Elsas Gedanken wieder bei Robert Gützlaff.

Haben Sie den jungen Herrn gesehen, der vorhin die Rede hielt?" fragte sie. Ja. Fräulein. Was ist mit ihm?" versetzte Frau Neuhaus. Ich wollte nur sagen, daß Sie doch unrecht haben mit Ihrer Meinung, reich und arm käme nimmer zusammen. Ich sah ihn in der Laube Wein trinken mit den Herrschaften, ich sah ihn tanzen mit ihren Töchtern. Keiner schämte sich seiner Gesellschaft. So genirt's auch mich nicht an Ihrer Seite. Großmutter." Borgen wird Wasser wieder unten sein, und Oel oben schwimmen." Sie sind gar nicht lieb, daß Sie mir das sagen. Kennen Sie Herrn Gützlass?" O gewiß. Fräulein, ich bin doch seine Großmutter." Robert Gützlaff ist Ihr Enkel?" Wundert Sie das? Aber nun sagen auch Sie, kennen Sie Herrn Niehuus?" Meine Schwester ist seine Verlobte." Elsa war halb abwesenden Geistes. Seine Großmutter! Seine Großmutter!" Immer wieder klang's durch ihre Seele. Und in demselben Augenblick dachte Großmutter Neuhaus: Seine Schwägcrin!" Die Greisin und die junge Dame sahcn einander wortlos an. Jede wußte nur von sich selbst, welch tieferes Intereffe sie persönlich mit der anderen verband, und da im Gefühl dieses Intercsses zwei Hände tastend einander suchten, mußten auch zwei Hände sich finden. Dann saßen die Beiden, an Jahren kaum mehr verschieden als an Lebenserfahrung, einträchtig bei einander. Gesprachen wurde von diesem und von dem, wer aber genauer zugehört hätte, mußte bald bemerken, daß zwei Namen auch dann immer wiederkehrten, wenn andere Sterbliche gar keinen Faden sahen, der zu Robert Gützlaff oder Georg Niehuus hinführte. Aber ganz von ihrem eigensten Interesse in Anspruch genommen, merkte keines von Beiden, welcher von den zwei Namen der Anderen am meisten im Sinn lag. Andächtig hörte Elsa zu, als die Greistn erzählte, wie sie lebte, wo sie lebte, und daß sie die Sonne so selten sehe. Da geht sie eben unter!" Großmutter Neuhaus und Elsa sagten es gleichzeitig. Sie standen auf vom Rasen unter der Buche. Schweigend sahen Beide dem flammenden Schauspiel zu. Als der letzte Strahl versunken war, athmete Elsa auf. So groß und so erhaben, und doch so sanft und mild!" Gemeinsam traten sie den Rückweg zu dem Garten an. Da hatten sie eine auffällige Begegnung. Niehuus hatte überall nach der alten Frau aufgeschaut. Je länger er suchte, desto sicherer fühlte er sich. Plötzlich, am Eingang des Gartens, sah er sie mit Elsa unmittelbar vor sich. Er stand wie vom Donner gerührt. Also doch! Sie war es! Seine Mutter stand leiblich vor ihm. kein Trugbild seiner aufgeregten Sinne. Entsetzt starrte er auf die alte Frau. Zu sicher hatte ihn ihre zeitweilige Abwesenheit gemacht. Nun stand sie vor ihm. Nun war sie es doch! Alles Blut strömte nach seinem Her zen, daß es schmerzend zuckte unter der Last. Jn'S Hirn schoß der gluthheiße Strom. Wie im Kreise ging's drinnen herum. Vor seinen Ohren sauste es. Er rang nach Athem und Fassung. Was mußte Elsa denken, wenn sie ihn so sah! Seine Blicke flohen die alte Frau. Sie hier, Elsa? Und allein?" stieß er hervor. Man wird Sie vermissen drinnen beim Tanz." Hser und abgebrochen klang es aus seiner Kehle. Vermissen? Mich? Wohl kaum. Und allein bin ich keineswegs, ich habe mit Frau Neuhaus den Sonneuuntergang gesehen dort hinten im Walde. Es war sehr schön." Frau Neuhaus! So trifft der letzte schrille Glockenklang das Ohr des armen Sünders, wie dieser Name den Fabrikanten. Frau Frau " er wollte lächeln. Ich muß mich ein wenig erkältet haben, die Luft wird doch wieder kühl am Abend Neubaus heißen Sie?" (Fortsetzung folgt.)

The Victor,

t Ecke Noble und St. Clair Str. Ich erlaube mir meinen Freunden und Bekanntkn anzuzeigen, daß ich uuter dem Namen '"The Victor" an obengenanntem Platze eine in jeder Beziehung erste Klaffe Wirthschaft eröffnet habe. Es wird mein Bestreben sein, ein in ikder Beziehung respektables Haus zu führen und an meine Geschästs freunde, bei coulanter Bedienung, die besten Cuali täten an importtrtkn und einheimischen Weine, Liauören. Cigarren, Bier, etc. zu verabreichen. Ei wird mir zur Ehre gereichen. E tn meinem jetzigen Lokale begrüßen zu können. Achtungsvoll HENRY VICTOR. Ottmar Keller, 217 Ost Washington Str. : Feine : Veine, kiquöre und Cigarren Ortra-Lunch servirt auf Order zu jeder Zeit. Hauptquartier der Bäcker Habens. Netzger und anderer Bereine Tclcvbon 3527. Big 50ur Bahn ...Vxcursion... Sonntag, den t8. Mai. -nach L0UI5VILLE,KY. $1.50 Rundfahrt $1.50 Abfahrt des Sveual;uqcs von Jndianapolis um 7 Uhr Morgens.Rückfahrt von Lonisville um 7 Uhr Abends. Latvrcnceburg, Aurora und Zwischen st atione. Kl oder weniger für die Rundfahrt. Spe;ialzug verläßt Indianapolis um 7.30 Ubr Morgens. Rückfahrt von Aurora um 7 Uhr Abends. kWidii! Bros. Brass Worts. Gießer und Trchcr. Große und kleine Gutzarbeiten in Mejsmg, Phosphor- Bronze, Aluminium, etc. Job- . Reraratur-Vrbetten unsere erejxaiitat. 138-142 Ost Georg, Str.. Jnlianapolis. ide Pkiones o, 121. Henry's Platz ift jetzt nicht mehr in 431, sondern in AI M Umn Iml Pabft Bier an Zapf. Jmportirte und einheimische Weine. Feine Liquöre und Cigarren. Venrz W. Kurz, 428 S. Delaware Str. vm M , Emil MaNtel, Eigenthümer. 205 Wcst Washington Straße, gegenüber dem Staatshause. Gelder werden geliehen auf alle Arten Werthsachen. Strengste Verschwiegenheit. Offen bi 9 Uhr Abends. Verfallene uneingelöste Pfand gegenftände billig zu verkaufen. Tel old 2 rin on 3284. Zu vermiethe : Zimmer im Majestic :: Gebaeude z reduzieren Preisen. Das feinste Office-Gebäude in der Stadt. Vollständig feuersicher. Schnelle Fahrstühle und alle modernen Bequemlichkeiten. Nachzufragen bei kreForz & Appel. Agenten, iur die Andianavolis Gas So. Hufschmied. W. W Knight, 108 Virginia Avenue und 215 Ost Marvland.Et Neues Tel. 45. Fnrnaces, Eisen- und Vlech-Arbeiten. Joseph Gardner, 3741 Kentuckv Avenue. Telephon 322. Reue heiße Luft Furnaces. sowie Repara, tnren besorgt.

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