Indiana Tribüne, Volume 25, Number 217, Indianapolis, Marion County, 5 May 1902 — Page 7

Jndiana Trivune, Z Mai RVNS.

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Dwi'ii!i'rr,i'rr. M. wvrvtrv. I Freigesprochen.

Von Frida Kchanz. WWttWtt,W Die junge Lehrerin fand Erlösung für ihre Seele in der erwachenden Liebe zu dem schwermüthigen Kinde. Unzugänglich waren sie alle, kleine feinde, mit denen sie erbittert Krieg führte. Aber so fremd und scheu, so abweisend und ausweichend wie diese kleine Mortha war teins. Und sie fühlte: kein Kriegführen gegen sie war's wie bei den Uebrigen. Dieses bleiche Geschöpf war auf der Wehr gegen etwas anderes; nicht aus Unart und Trotz war sie ungehorsam wie die Uebrigen. die die schneidigstrenge Lehrerin nicht leiden konnten, nur aus Gleichgiltigkeit gegen die Schule. Sie führte Krieg gegen irgend eine Macht, die die Lehrerin nicht sah. Sie zuckte zusammen wie unter unsichtbaren Peitschenhiebcn und blickte dann wild und drohend dem unsichtbaren fteind in's Gesicht. Sie ballte die kleme Hand, die den Stift halten sollte, unter der Bank. Einmal schrie sie laut auf, als ob der Feind sie packte, und stumm und zitternd saß sie dann da, glasklare Thränen auf den schmalen Backen. Die Lehrerin fragte sie vergeblich: Was hast Du? Was ist Dir, Kind?" Keine Antwort war aus ihr herauszubringen. Und die Anderen kicherten roh, wenn sie die Kleine anstießen und ihr hämisch zuflüsterten: Sag's doch. Du!" Eine Gemeindeschule in einer großen ffabrikstadt war's, an die die Lehrerin. die vornehm erzogene Geheimrathstochter, verschlagen worden war. In das fröhliche Wohlleben ihre Elternhauses hatt: die orge die Hand gestreckt; vorzeitig, mitten in seiner glänzenden juristischen Laufbahn, war der Vater durch Krankheit arbeitsunfähig geworden. Das Tanzlied, das aus den Gesellschaftsräumen des Elternhauses in ihre Kindheitsnächte geklungen und das für alle drei ihrer schönen Schwestern in einen fröhlichen Hochzeitsreigen übergegangen war, hatte schrill geendet, als ihre eigenen kleinen Füße gerade in das erste Ballschuhpaar schlüpfen wollten. Arbeit hieß nun die Melodie ihres jungen Lebens; sie klang ihr wie ein Marsch, der müde Füße zum Wandern zwingt, aus sonnigem, seligem Heimathland in kahle, kalte Fremde. Ihre Kindheit war ein einziges Lachen geWesen, ein Freuen auf das, was ihrer Schwestern Augen erglänzen ließ. Damit war's aus. Aengstliche Berechnung verlöschte jedes überflüssige Licht in ihrem enggewordenen Vaterhaus. Des Vaters Ruhegehalt war gering, und seine Krankheit kostete viel. Zwei Schwiegersöhne waren auf Zuschuß der Schwiegereltern angewiesen; deshalb sollte sie möglichst schnell auf eigenen Füßen stehen. Weil sie kein ausgesprochenes Talent hatte, sollte sie die Schulmeistere erlernen; denn dazu hält man kein Talent für nöthig. Der mißachtete Beruf aber rächt sich an denen, die ihn verkennen und ohne innere Nöthigung an ihn herantreten; er macht sie streng und eng. statt weit und frei. Verbittert hatte das Vcädchen sich durch ihre Studien hindurchgemüht, und verzweifelt nahm sie das entgegen, was einer Anderen als höchstes Glück erscheint: die erste Selbstständigkeit, eine Anstellung gut und sicher bezahlt, mit noch nicht zwanzig Jahren. Für ein Glanz und Eleganz liebendes Mädchen war diese Stellung freilich eine Sache des Schreckens: Lehrerin an einer Gemeindeschule im Fabrikviertel einer rauchschwarzen Eisenindustriestadt. Aber es gab keine Wahl. Und da der Direktor als erste Anforderung ar die neue Lehrkraft Strenge gestellt hatte, paßte sie vielleicht für diese Siellung ganz besonders gut. Denn keinen Hauch von Liebe brachte diese arme Mädchenseele mit in die im Zahlen, nüchternen Schulzimmer zusammengepferchte Masse von schlechtem Geruch, von Rohheit. Kränklichkeit. Stumpfsinn und Bosheit, als die die anvertraute Heerde kleiner Armuthsmenscher ihr erschien. Zwingen, niederzwingen! war ihr oberster Lehrgrundsatz. Sie kam äußerlich weit damit. Du Furcht vor ihrer Strenge gab den ungezügelten kindlichen Gedanken Richtunq. Die Kinder lernten, und weiter wollte sie nichts. Liebe säen? Gute, edle Gedanken einpflanzen? Sich Herzen gewinnen? Ach, in den heißen, verzweifelten Thränennächten der erster Amtswochen hatte sie die allerletzter Reste dieser ohnehin schemenhafte? Ideale begraben. Mit Grausen dacht sie an ihren ersten Lehrtag. Ein paai Frauen hatten ihre A-B-C-Schützer selbst zur Schule gebracht. Als ob s die Kleider vom Leibe reißen wollte? mit spöttischen, neidischen Blicken, sc war's gewesen. Sie sah zum erster Mal in den funkelnden Blick eines Ungeheuers, das sie bisher nur halb ungläubig aus den Zeitungen kennen gelernt hatte, wie die Kinder die seuerspeienden Drachen aus ihren Märchen büchern. Sozialer Haß." hieß es. unt sie lernte es nun leibhaftig kennen Meine Mutter läßt Ihnen sagen Schmutz hft' warm." richtete ihr ta frechste der kleinen Rebellen aus, der sie wegen unverbesserlicher Unreinlich, keit hart bestraft hatte. Und Sie soll

ten sich nur vor ihr in Acht nehmen, lafc sie Ihnen sagen." Mein Vater auch," rief ein Anderer, stand auf und sah sie so frech drohend an, als stünde Heeresgewalt hinter ihm. Die Gehcimrathstochter ließ keine Spur von der Furcht ahnen, die sich hinter ihrer eiskalten, eisenharten Strenge versteckte. Und doch war die Furcht so groß, daß ihr der Kampf dagegen den letzten rosigen Hauch von den schmal gewordenen Mädchenwangen nahm. Ihr junges (Besicht wurde streng, kalt und hart bis die kleine Martha kam. Von irgend einer anderen Armenschule her war sie mitten im Frühherbst in diese geschickt worden. Weshalb? Das konnte die Lehrerin nicht erfragen, obgleich sie sich diesem Kind gegenüber zum ersten Mal aus den Wolken ihres hochmüthigen Fremdseins herniederneigte. Ich will nichts wissen!" war ihre Weisung gewesen, wenn bisher eins der Kinder zu Mittheilungen privater Art aufgelegt war. Schrecken und Ekel über allerhand gefährliche Offenbarungen aus dem häuslichen Leben ihrer Schulkinder hatten ihr die Zurückhaltung eingegeben. Sie erzählten gern im Anfang, die noch undisziplinirten, kleinen Schwatzmäuler. Fräulein, meine Mutter hat auch so 'ne Brosche wie Sie mit 'nem Schmetterling drauf, noch viel schöner. Die hat sie beim Reinemachen bei Direktors gefunden." He, 'ne Brosche! Meine Mutter hat 'mal Geld gesunden viel " E-.nmal ist gar nichts! Meine Mutter findet jedes Mal auf dem Markt Portemonnaies. Wir schmeißen sie aber immer weg. Nur das Geld nimmt Vater raus Und mein Vater findet aber erst noble Sachen. Neulich, als Sonntag war, hat er ein Ger?ehr gefunden. Da Hai er uns wollen todtschiehen. Das ist nämlich mein grober Vater, wir haden noch einen mit 'nem rothen Bart, der gibt Muttern immer Kuchen, und neulich hat er ihr 'n Hut gegeben." Zwei Väter? Aetsch. wir haben zwei Mütter." Einzelheiten über diese Zweimütter einrichtung kamen aber nicht mehr zu Tage. Der Stock der Lehrerin, die vergeblich Stille geboten hatte, sauste dazwischen. Seitdem schnitt sein pfeifenderon alles unbewußte Ausplaudern aus den Häuslichkeiten des Fabrikarbeiterviertels im Keime ab. Sie wollte nichts oörcn. Sie wollte nichts wissen. Sie hatte genug gehört in diesem Vierteljahr. Genug! So sehr genug, daß ihr das Leben im Elternhaus, das den Augen ihrer schönen Schwestern den Zauberglanz gegeben hatte, nun manchmal wie eine Fratze erschien und daß Finger an ihr Herz klopften, die sie zum Beschreiten eines Weges einluden, immer weiter weg von jener Helle, immer weiter hinein in Dunkel und Ernst. Aber sie wollte diesen Weg nicht gehen, nichts wissen, nichts höen von all' der Häßlichkeit, von Seelenelend und Noth. Eine ihrer Kolleginnen, denen sie in Bausch und Bogen schroff und feindselig gegenüberstand, war im Laufe ihrer Lehrerinnenjahre in dieser Armenwelt völlig zur SamariteriH geworden. Zur Priesterin und Samariterin! Sie trug sich einfacher und geschmackloser als die Dienstmädchen in Gerda Röders Elternhaus: selbstgearbeitete grobe Kleider aus Abfallgewebe. Dafür sollten ein paar Arbeiterfamilien durch sie immer ganze Hemden und im Winter warme Strümpfe und Schuhe haben. Alle ihre freie Zeit brachte sie in den dunstigen schlechtriechenden Studen zu. Es grauste Gerda, wenn ste daran dachte. Sie ermaß an der Rohheit ihrer eigenen Zöglinge die FragWürdigkeit eines solchen Glücks. Und wie sie schmutzige, unnütze Kinderhände klopfte, die dummdreist ihr feines buntes Kleid befühlten, so schlug sie ich jene viel zarteren Finger hinweg, die an ihr Herz pochen wollten. Und den feinen, leisen Stimmen da drinnen gebot sie gleichfalls: Still! Ich will nichts hören! Und sie hatten doch schon manchmal mächtig gelockt. Damals zum Beispiel, als ihr kleiner Hauptftind, der strohbaarige Karl Hammer der in der biblischen Geschichte und Religion Alles besser wissen wollte, der freche Junge, der ihr immer widersprach, bis der Stock ihn still machte mitten im Unterricht über das vierte G'bot aufsprang und über ihre eigene, helle, laute Stimme weg schrie: Ich muß aber jetzt nach Hause!" Kein noch ro scharfes Schelten schüchterte ihn ein. Ich muß aber! Ich muß kochen für die Kinder. Und das ,Gargelwasser' holen für meinen kleinen Bruder! Halb elf foll's in der Apotheke fertig sein, hat der Doktor gesagt Er ließ sich auch durch den Stock nicht zur Ruhe bringen. Ich muß aber kochen! Erbswurst" Du hast hier sitzen zu bleiben und zu lernen! Das Kochen wird Deine Mutter besorgen." Meine Mutter? He, die ist ja fort gestorben, schon lange, schon vorgestern." Sie sah ihn an. Vorgestern. Das war .der Tag, wo sie seine frechen Einwenvungen im Religionsunterricht schließlich stumm geschlagen hatte. Schon damals war's in ihr aufgezuckt, mitten im Zorn, ein rasches, flüchtiges, fchamerfülltes Erbarmen. Und nun

!am's wieder und raunte heftig: Sieh bud) einmal tiefer in dieses verwilderte !

I leine Herz! Sieh jene Armenstube, aus der die Mutter ging! Aber: Still! herrschte sie die Flüsterstimme verzweifelt an. Ich will nichts wissen! Sie wußte, der erste Schritt in diese Welt wäre der Tod der Tanzmclodie gewesen, die noch immer von fern lockend, schmelzend zu ihr klang, die sie Nachts aufweckte aus dem schweren Ermüdungsschlaf zu glühenden Sehnsuchtsthräncn, zu einem verlechzten Dürsten nach Glück und Glanz und Duft seliger Jugendzeit. Der Herbst war gekommen. Seine kalten Schwingen schleppten feuchttriesend in der schweren Rauchluft. Schmutziger Nebel schien die ganze Welt. Aber durch die dunkeln Schleier glänzte für sie ein Hoffnungslicht. Sie versuchte Abends vor ihrem kleinen Spiegel, ob sie noch lächeln könne und so aussehe, als hätte ihr das Leben nichts gethan. Ihre älteste Schwester hatte sie für die Weihnachtsferien in die flotte, rheinische Garnison eingeladen, die seit Kurzem ihre Heimath war. Da sollte sie zum ersten Mal fröhliche Geselligkeit kennen lernen, zu der während der Studienhetze nicht Zeit gewesen war. Auf diesen lichten Punkt richtete sie nun den Blick. Aber sein lockender Glanz versank wieder. Sie vergaß, den Spiegel zu fragen, ob ihr Gesicht im Lampenschein noch lieblich genannt werden könnte. Keine Tanzweise weckte sie mehr auf, sondern ein Kinderschrei, ein schriller. rasender, herzzerreißender Sie hatte nun endlich den Grund von Klein-Marthas Schulwechsel und verstörtem Wesen durch die Kollegin im Klcid von Abfallgewebe erfahren. Das war's. Das hatte ihr die schlummernde, erstarrte Frauenseele jäh aufgeweckt, freilich einerseits zu noch stärkerem Abscheu gegen die Welt der schlechtriechenden Stuben, aber andererseits zum ersten Liebesathem für wenigstens eins der vielen Kleinen, die ihr bis jetzt ein einziger gleichförmiger Haufen gewesen waren, zum ersten Liebesathem, der, wie der erste Veilchenduft, durch warme Feuchtigkeit bricht. Sie hatte das Kind auf den Schooß genommen, nachdem die Anderen gegangen waren. Unter Thränen hatte sie sein elendes, blaugeadertes Gesichtchen geküßt. So ein Kind sein Eigen nennen, so etwas Süßes! Und so etwas an ihm begehen! Unmenschliche, gottverlassene Mutter! Es schallte ihr immer wieder in den Ohren, was in dem kurzen, trockenen Berichtston die geschmacklos gekleidete Kollegin ihr gesagt hatte: Schon 'mal im Kanal gewesen. Dicht vorm Ertrinken. Die Mutter mit ihren drei Kindern zusammengebunden. Eins war schon fast hin. Die Martha aber hat zuletzt so laut geschrieen, daß noch Rettung gekommen ist. Die Mutter steckt jetzt im Untersuchungsgefängniß. Der Vater ist Trinker. Die Kinder sind einstweilen anderen Leuten übergeben worden, zwei davon einer Verwandten, ein paar Gasscn von der Schule entfernt. Deshalb ist die Martha hier." . Die Geheimrathstochter hatte immer eine Ahnung dzvon gehabt, daß noch einmal ein großes Thauen durch ihre Seele gehen werde, daß die Liebe zu ihr kommen müsse in Königsgestalt, um die eingekerkerte Fee in ihrem Inneren zu erlösen zu seligem Sein. Nun war etwas Aehnliches geschehen und doch so ganz anders! Eine Liebe ging mit ihr, schlief mit ihr, erwachte mit ihr, lächelte aus ihr. Aber nicht die Liebe der Frau zum Manne. Die Natur hatte einmal eine Stufe übersprungen. Die wachgeküßte Frauenseele liebte mit inniger, leidenschaftlicher Zärtlichkeit ein Kind. Warm quoll es in ih? auf, wenn ste den Liebling sah. Ein heißer Wunsch lebte in ibr: dieses Kind durch zarte Güte das Grausen vergessen zu lassen, das es erlitten hatte. Kein Menschenbemühen ist feiner als dieses, geht tiefer in's eigene Leben. Vergüten, vergelten, was das Schicksal verbrach, heilen, glätten, was das Schicksal zerzauste, zerriß Menschenwunsch, der sich hinausschwingt über das, was unsere begrenzten Vorstellungen das Höchste nennen! So weich, so leicht und zart macht solches Bemühen die Hände. Aber das Herz macht es oft verzweifelt zum Aufschreien. Denn es ist so schwer und meist so vergeblich, wie nichts sonst auf der Welt. Die strenge Lehrerin war gegen die ganze Klasse von kleinen Feinden rnil der geworden, nur um gegen Martha recht liebevoll und mild sein zu können. Sie trug dieses Herzchen an ihrem Herzen. Ihr Spiegel hätte ihr getrost sagen dürfen: Wie lieblich siehst Du. aus! so oft sie mit diesem Kinde sprach. Und doch war der Entsetzensblich noch nicht eine Minute lang aus den starren braunen Augen des lieblichen Krausköpfchens gewichen, doch hatte der starke, suchende Pol der Liebe die kleine zitternde Magnetnadel dieser Kinderseele noch nicht eine Minute zu halten und zu fassen vermocht. Sie schwirrte und schwankte und neigte sich, tief, immer gleich tief, nach dem Pol des Grausens. Aber davon sollte sie weg! Sie sollte, sollte! Die Seele sollte sich aufschwingen und vergessen! Ach. und mehr! Eine abscheuliche, pflichtvergessene, baltlose Mutter hatte das zarte Ge schöpfchen in Todesgrauen eingetaucht. Wie eine zweite, bessere, edlere Mut

ter warb nun die junge Lehrerin Komm zu mir, an mein Herz, in rein Luft! In Friedensluft! Kleiner Lieb ling, habe mich lieb! Mit fo Kroßer, reicher Liebe wart sie, daß allein die Fünkchen, die vor dem hellen Brand über die große Armuthsklasse wegflogen, hinreichten, di, ganze schauernd aneinandergeschmiegt, Heerde traulich zu erwärmen. Es war wärmer in der großen kah len Schukstuöe geworden, seitdem es nach Thermometergraden gemessen, sl kalt darin geworden war. Auf den nassen Herbst war ein eisi' ger Schneewinter gefolgt. Der groß, Ofen in der Stubenecke meinte es gut, aber auch seine Bemühungen kämpfter nur mit halbem Erfolg gegen die VerHältnisse an. Der Raum war zu groß die Kinder brachten zu riesige Menger Kälte mit herein, und die meisten warer so erbärmlich dünn gekleidet, daß du warme Sommersonne der Ofen hätt sein müssen, der allein Wohligkeit hätt, herstellen können. Ach, da that es gut, wenn die braunrothen, frostbeuliger Händchen, die die Feder immer miedet fallen ließen, einmal ermunternd gestreichelt, start strafend geklopft wurden Alle die kleinen scheuen Freundlichkeiten. die der strengen Lehrerin Hand uni Mund jetzt über die Klasse verstreute, galten ja Marthchen. der warme Ton in dem sie von den Dingen des Leben und des Himmels sprach, vom J-Punk, im Lesebuch, vom Werden des Brodes aus dem winzigen Samenkorn bis zu dem großen Geheimniß der Liebe irr Stalle zu Bethlehem, galt ihr. Abe, es war neben dem schlechten Ergebnis der Hauptrechnung doch ein ganz behaglicher Nebengewinn, daß er aus dew gleichförmigen Häufchen der Andere? für das Bewußtsein der Lehrerin immer mehr Gesichter deutlich und heL herausleuchten ließ: rührende, kränkliche, herzergreifende, sogar hübsche, reizende Kindergesichter, die sie früher nichi gesehen hatte. Mit verschämten Liebes. blicken hing manches Augenpaar an der Augen der Lehrerin fest, und aus dieser Blicken sah ste, daß das Ungeheuer, derr, sie in den ersten Wochen so furchtsam ir die drohenden Augen gesehen hatte, sick zuweilen durch ganz kleine Vröckche? Balsambrod besänftigen läßt. Das machte das verfinsterte Herz viel leichtei und freier. Es war ein gegenseitiges Angstverlieren. Endlich ging sogar das erste gemeinsame Lachen durch die Klasse. Unt o Wunder und Wonne! in dieses Lachen stimmte ein Lächeln ein, ein verlaufenes, verflogenes. Marthchen hatte die Lehrerin angelächelt, mit zerstreutem Erstaunen, als sähe sie sie zum ersten Mal. Hab' ich Dich nun? Hab' ich Dich eingefangen, scheuer, verwilderter Vogel? jauchzte die Geheimrathsrochter, innerlich kindlich selig. Aber es war noch nichts. Sie war wieder fort am anderen Tage, weit weg. im starren, grausen Land, wo kleine Vögel verhungern und erfrieren. Unk dahin stieg die Lehrerin ihr nun entschlössen nach. Es gab nun kein Halten mehr. Dieses Kind sollte, mußte genesen. mußte die Arme fest um ihren Hals schlingen, an ihrem Herzen warm werden, vergessen, genesen. Mit der großen schwarzen Wachstuchtasche voll Vorweihnachtszauberglück, voll von Obst, Pfeffernüssen und Spielzeug, so reizend, wie es nur noch von armen Leuten für armer Leute Taschen gemacht wird, ging sie am Nachmittag von ihrer Wohnung in der Bergstraße, im oberen Theil der Stadt, in die Fabrikgegend am Kanal hinab, an der Schule vorbei, ein paar Gassen entlang. Bei der Schwester ihrer Mutter, einer Wittwe, die tagsüber wusch und Abends den Fabrikarbeitern ihre sozialdemokratischen Blätter aus der Druckerei in's Haus trug, wohnte Marthchen, wie die Kollegin ihr neulich gesagt hatte. Dieser Frau entgegen schlugen der Lehrerin Pulse in trotzigem Muth. Auf Rohheit und Feindseligkeiten war sie gefaßt. Aber das arme Weib mit dem sorgenvollen blassen Gesicht und den vom Wasserdampf rauchenden rothen Armen war wohl zu müde, um roh oder feindselig zu sein, und zu froh, daß der Eintritt des fremden Fräuleins ihr eine kleine Pause im Rumpeln mit den wundgewaschenen Fingern aufzwang. Ein Tisch stand mitten in der Waschküche, um ihn geschaart ein Häufchen Kinder, unter ihnen Marthchen, ebenso gleichziltig vor der großen Tasse voll schlechten Milchkaffees wie in der Schule vor den großen Anschauungstafeln oder der Rechenmaschine. Waschund Kaffeegeruch, Marthchens Gleichgiltigkeit und die Neugierde der Anderen lähmten zuerst allen Muth der jungen Lehrerin. Aber dann kam doch eine Viertelstunde voll fast glücklichen Vehagens. Marthchen hatte sich aus dem Ruprechtskram, über den die Anderen johlend herfielen, ein goldbeklebtes Pfefferkuchenherz gelangt, mit einem scheuen Blinzeln nach der Muhme hin. Martha sollte sich bedanken, und um ihr bei dieser Aufgabe entgegenzukom men, nahm die Lehrerin sie auf den Schooß. Voll Seligkeit glaubte sie das erste freiwillige Anschmiegen des scheuen Körperchens zu spüren. Und über das traurige, verstörte Kindergesteht huschte wieder der Abglanz eines Lächelns wie ein fernes Licht. . Schluß folgt.)

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