Indiana Tribüne, Volume 25, Number 181, Indianapolis, Marion County, 24 March 1902 — Page 7

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Jndiana Tribune, März Il)2.

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Moderne Menschen.

Romc". l'on (?wll Mrriot. orifcfeui.g Ein Mensch, der uns ein feierliches, ewiges Lebewohl gesagt hat, soll und darf nicht wiederkehren. Wozu dann erst der ganze Lärm, wenn man schließlich doch nicht geht! Nein, er würde nicht die Stirn haben, in dieser von Allem unterrichteten Gesellschaft sich zu zeigen; er würde wohl auch nicht wünschen, ihr oder Elfe zu begegnen, und solchem Zusammentreffen würde er täglich und stündlich ausgesetzt sein: hatten sie doch dieselben Bekannten, verkehrten sie doch in den nämlichen Häusern. Er war überdies aus der Mode gekommen. Seit Jahr und Tag hatte er nichts Neues veröffentlicht, seine letzten Romane waren abgefallen und seinen früheren Arbeiten fragte die schnelllebi?e Lesewelt von ganz Wien" langst nicht mehr nach. Eine reiche Braut würde er nach allen seinen Abenteuern hier ebenfalls schwerlich finden. Seine Affaire mit Elfe und sein Skandal mit Irene hatten denn doch böses Blut gemacht. Die Geldaristokratie hatte ihn freundlich aufgenommen, ihm einen Namen gemacht, eine gesellschaftliche Position gegeben, ihn als Schriftsteller und als Menschen poussirt". Dessen erinnerte man sich zetzt : er hatte vom Hause aus nicht in diese Kreise gehört, man hatte ihn nur eingelassen. Und wie hatte er diese Gastfreundschaft gelohnt? Mit dem frechsten Undanke! Sein Benehmen gegen Eine aus ihrer Mitte, gegen eine gute Partie", nach welcher der arme Schlucker von einem Schriftsteller mit beiden Händen hätte greifen sollen, war etwas Unerhörtes. Mit Elfe fühlte ganz Wien" sich Eins nicht aber mit ihm, dem Eindringling. Man stellte sich denn auf Else's Seite und ließ ihn fallen. Er war ein abgethaner Mensch.... Wenn er nur noch einen ffunken von Berstand und Ehrgefühl besah, würde er trachten, den Staub des Wiener Pslasters so schnell wie möglich von den nüfeen zu schütteln und anderswo seine Zelte aufzuschlagen. Hier war kein Boden mehr für ihn. Das mußte er selber fühlen, wenn anders er nicht rettungslos verrückt geworden war. Vtüt einen halben Narren hielt ibn Irene ohnedies hätte er sie sonst aufgeben können? Alle diese Erwägungen wirkten beruhigend auf sie ein. Demungeachtet und obwohl sie glaubte annehmen zu dürfen, daß sie von ihm nichts zu befürchten hätte, konnte sie sich desWunsches, er möchte gestorben sein, nicht ganz entschlagen. ..Ich darf ihn nicht aus den Augen verlieren," dachte sie. Ehe ich ihn nicht fern von Wien weiß, kann ich zu keinem rechten ffrieden kommen. Wenn der bloße Wunsch todten könnte, würde dieser Mensch nicht mehr athmen; längst nicht mehr. Und was würde er dabei verlieren. Vielleicht würde sie anders gesprochen haben, wenn sie ihn hätte sehen können; vielleicht würde ihr bei seinem Anblick die Ueberzeugung geworden sein, daß .von diesem Manne nichts zu befürchten wäre weder jetzt noch jemals, daß man ihn ruhig am Leben lassen könnte, ohne vor seiner Rache gittern zu müssen, daß es für ihn mit Allem vorbei wäre und er nur in's Leben zurückkehre, um langsam zu sterben. OO Während der ersten Tage und Nächte seiner Leiden hatte Marja ununterbrochen an seinem Schmerzenlager geweilt. Dann aber war eine Wendung zum Besseren eingetreten und damit hatte er seine liebevolle, geduldige. wundersam geschickte Pflegerin verloren. Sie hatte sich in der nächsten Nähe des Allgemeinen Krankenhauses eingemiethet und ihr altes Leben wieder aufgenommen : vom Morgen bis zum Abend beschäftigte sie sich mit Uebersetzungen vom Russischen in's Deutsche und vom Deutschen in's Russische und ertheilte Unterricht in ihrer Muttersprache ganz so wie einstens. Sie mußte auf die Bestreitung ihres Unterhalts bedacht sein und sorgte sich im Stillen auch um seine Zukunft: wovon würde er lkben. wenn es heißen würde, den 5!ampf um's Dasein auf's N?ue afzunehmen? Sie sah voraus und wußte auch durch den Arzt, daß dieser Kampf ihm bevorstehe, daß vom Sterben einstweilen keine Nede sei. So wollte sie wenigstenS eine gering? Summe Geldes bei Seite schaffen, damit der Kampf den armen freund nicht gänzlich unvorbereitet finde. Was später ge schehen sollte, legte ihr gläubiger inn vertrauensvoll in Gottes Hand. Wenn nur für die erste Zeit vorgeforgt war! Der erste Schritt würde der schwerste sein. Und den wollte sie demFreunde erleichtern, so viel sie konnte. Während der kurzen Ruhepausen, die sie sich im Lauf ihres harten Arbeitstaqes gönnte, sprach sie wiederholt, oft zwei- oder dreimal im Tage, flüchtig bei dem Kranken vor. freundlich gab sie ihm die Hand, erkündigte sich, wie er geschlafen, wie er die Zeit, wo sie ihm fern gewesen, zugebracht hätte, ob er etwas wünsche

ode? brauche. Sie brachte ihm Bücher, Blumen, irgend eine Kleinigkeit, von welcher sie glaubte, er würde seine Freude daran haben. Und wenn sie wieder ging, war ihm zu Muthe, als rerlöschte der Sonnenstrahl, der mit ibr?m Erscheinen in sein trauriges Gemach gefallen, und als würde es wieder Nacht um ihn und in ihm. Sie wollte, unbeschadet ihrer anstrengenden Beschäftigung am Tage, Nachtwache bei ihm halten. Dagegen aber erhob der Arzt entschieden: Einsprache. Wie wollen Sie arbeiten, wenn Sie die Nächte opfern?" fragte er sie. ..Unmögliches kann kein Mensch leis:cn. .Sie würden sich aufreiben und binnen Kurzem arbeitsunfähig w:rden. Er bedarf Ihrer nicht, er ist bei uns ganz gut versorgt. Sparen Sie Ihre Kräfte für später auf, wenn Sie sich söon durchaus für ihn opfern wollen." Man fügte sich und stand von ihrem Begehren ab. Der Arzt hatte Nccht: sie mußte haushalten mit ihrer Kraft. Immerhin forderte sie dem Arzte das Versprechen ab, sie unverzüglich und wenn es auch mitten in der Nacht wäre, holen zu lassen, im fall, daß Erwin'S Befinden eine bedrodliche Wendung nehmen oder er lebbaft den Wunsch, sie zu sehen, äußern sollte. Es kam jedoch nicht rr. daß man die Rübe ihrer Nächte s:örte. Des Kranken Genesung schritt stetia vorwärts und sie aus dem Schlafe aufzuschrecken und das aus keinem anderen Grund, als weil er das Verlangen hatte, sie zu sehen, wäre Hollburg nicht beige'allen. In mancher ' Nacht, wenn er von Schmerzen gequält und vom Fieber geschüttelt schlaflos dalag, die dumpfen Schläge der Spitaluhr, welche anzeigten, daß wieder eine Viertelstunde verronnen sei, an sein Ohr tönten und ihm fch.'inen wollte, daß den einer Viertelstunde zur anderen eine Ewigkeit liege in solchen endlosen Nächten kam ihm wohl oft der Gedanke: .Diefe Nacht überlebe ich nicht; es geht zu Ende. Ich werde den )Nocgen nicht mehr schauen." Und wenn er also dachte, erfaßte ihn namenlose Sehnsucht nach ihr und schrecklich dünkte es ihm, zu sterben, ohne Marja an der Seite zu haben. Sie war ihm, was dem Gläubigen der Schutzengel ist, dessen Fürbitte er anruft in des Todes bitterer Stunde, und Erwin schauderte bei dem Gedanken, die Sterbestunde kommen zu sehen in einer Zeit, wo sein zuter Engel ihm ferne. Dennoch aber hatte er ' kein einzigesmal das Herz, zu bitten, man möchte sie herbeibolen. Sie hatte den Schlaf so nöthig! Und wenn er auch diese Nacht überlebte und die Arme zwecklos aus dem Schlummer aufgescheucht. Zwecklos aufgeregt und erschüttert hätte, sie. die in früher Morgenstunde an die Arbeit mußte: wie hätte er seine selbstsüchtige Uebereilung vor sich UND ihr verantworten könne? Er sagte ihr auch niemals, wie heiß er sich bei Nacht oft nach ihr und ihren milden Augen, nach ihrer sansten Stimme sehnte. Er hatte kein Recht. ihr das Leben noch schwerer zu machen. als es schon durch seine Schuld aeworden war. Und wenn er ihr von seiner Sehnsucht erzählte, war es um die Ruhe ihrer Nächte geschehen. Zu genau kannte er sie und ihre selbstlose GIte. Sie hatte genug für ihn gethan, mehr als genug. Er durfte kein neues Opfer von ihr fordern. Umso besser für sie, wenn ihr der reinvolle Anblick des letzten Kampfes erspart blieb! So schwer auch der Gedanke, ohne sie zu sterben, auf sein Herz fiel, gewann seine edlere Natur doch über sich, zu wünschen, es möchte in der Nacht geschehen ; er möchte, während sie ahnungslos schlief, abberufen werden. Sie hatte wahrlich genug um ihn und mit ihm gelitten. Sie sollte den Leidenskelch nicht bis auf die Neige leeren. Davor mochte ihr Gott sie bewahren, an den sie so fest und unerschütterlich glaubte.

Im Stillen aber wunderte sich Hellburg, daß sein Ende so lange ausblieb. Aber er äußerte sich zu Niemandem hierüber. Nur manchmal schaute er den Arzt durchdringend an: Warum gab sich dieser Fremde alle die unerwünschte und unerbetcne Mühe mit ihm? Wozu alles aufbieten, um ein verlorenes Leben um eine Spanne zu verlängern? Er hatte den Gedanken, daß er genesen könnte, niemals in's Auge gefaßt. Es stand so fest in ihm. daß er sterben mußte und sterben wollte, daß er sich eine andere Lösung überhaupt nicht vorstellte. Aus diesem Grunde bereitete ihm auch die Zukunft, welche ihm nicht mehr gehörte, keine Sorge; darum war es ihm auch vollkommen gleichgiltig, was draußen in der Welt sich abspielen mochte: er hatte nichts mehr mit ihr zu schaffen. Eine hohe, unübersteigliche Schranke war zwischen ihm und der übrigen Menschheit aufgerichtet; er begehrte nicht hinüberzuschauen, um zu ersahren, was hinter dieser Schranke vor sich gehe. Alles das war abgethan für ihn. Die da drüben kämpften, siegten, unterlaaen, weinten, lachten, träumten, freuten sich; sie standen mitten im Leben mit all' seiner Lust und seinem Leide. Er aber lag hier auf seinem Bette, würde noch eine Zeitlang da liegen und auf den Tod warten und endlich still und unbemerkt von hinnen, geben: für die Welt war er schon ae.stor-

ben; Niemand stellte sich ein. um nach ihm zu sehen. Sie hatten ihn bereits

zu den Todten geworfen. Und er kam sich selber wie ein todter vor. Jetzt lag er in einem Bett und bald würde er im Sarge liegen: das war der ganze Unterschied. Er konnte heute kaum glauben, daß er einstens, und das vor so kurzer Zeit noch, gebofft. geliebt, nach Ruhm gejagt, aekämpft und gelitten hatte, wie die Andrrn. Mit dem Schuß in die Brust war es still in ihm geworden. Das Leben, die Menschen, flößten ihm weder Haß noch Lieb: ein. Verstummt war die Leidenschaft, der Durst nach Ruhm gelöscht für immer. Hatte es sich der Mühe verlohnt, allen diesen vergänglichen Dingen einen so hohen Werth beizumessen? Nein, das hatte sich wahrlich nicht verlohnt. Heute sah er's ein. . . . Aber Vergangenes ließ sich nicht ungeschehen machen. Er hatte sein Leben verspielt.... War das zu ändern? Zu Tausenden, zu Millionen gehen sie durch die Welt, die unglücklichen (Spieler, die sich um ihr Leben und ihr Glück betrügen, und verschwinden am Ende und Keiner fragt ihnen naö'?. So würde es auch ihm ergehen, wcnn es einmal vorbei sein würde. Wäre es nur schon so weit! Warum dauerte es so lange? Einmal konnte er sich -nicht enthalten. Marja zu sagen: Ich hätte nicht geglaubt, daß ich ein so langwieriges Siechthum aushalten würde. Ich meinte schwächer zu sein." Darauf sie: Langwierig nennst Du Deine Krankheit? Sie währt erst kurz, zählt erst nach Monaten." ..Soll sie gar nach Jahren zählen?" cntgegnete er mit Heftigkeit. Ein paar Wochen erscheinen uns wie eine Ewigkeit, wenn wir auf den Tod warten." Sie schaute ihn an und schwieg. Warum wartest Du mit so viel Ungeduld auf ihn?" fragte sie nach einer kurzen Stille. Woraus soll ich denn sonst warten!" rief er ungestüm und reizbar. Ich habe mich doch nicht umbringen wollen, um zu leben!" Ja, damals, als Du die schreckliche That verübtest," gab sie zu, damals hattest Du natürlich das Verlangen, Deinem jungen Leben ein Ende zu machen. Aber seitdem ist eine geraume Spanne Zeit vergangen, hat Manches sich verändert Du wolltest Dich durch den Tod einer Verpflichtung cntziehen, die zu erfüllen Dir schwerer dünkte, als zu sterben. Diese Verpflichtung besteht heute nicht mehr." Er winkte mit der Hand. Rühre die alten Geschichten nicht auf," sagte er in mürrischem Tone. Ich mag nicht an die widerliche Vergangenheit erinnert werden." Höre mich zu Ende," fuhr sie ruhig fort, ohne sich durch seinen Einwurf abschrecken zu lassen. Es muß Dir doch lieb sein, zu erfahren, daß ein Theil Deiner Schuld erloschen sei. Nein, zieh' nicht die Stirne kraus und blick' mich nicht so unfreundlich an. Ich denke besser von Dir. als Du selbst. Sieh' her." Sie überreichte ihm ein Zeitungsblatt, das auf dem Tisch am Bette gelegen hatte. Die Frau, an welche Du Dich gebunden Wähntest, hat einen Ausweg gefunden, der Dich von jeder Pflicht ihr gegenüber frei macht. Lies diese Notiz. Ich habe sie roth angestrichen. ... Sie wird Dir beweisen, daß ich wahr gesprochen habe." Noch immer ungeduldig, überflog er die Stelle in dem Blattedie ih reHand ihm bezeichnete, mir den Augen. Sie enthielt die Anzeige der gestern stattgehabten Doppelvermählung Elses und Irenens. Schweigend legte er das Blatt auf seine Bettdecke. Nun. was sagst Du dazu?" fragte Marja. ihn beobachtend. Was soll ich sagen?" erwiderte er in unverändertem Tone. Dir gestehen, daß das Schicksal dieser Frau und ihrer Schwester mir völlig gleichgiltig geworden ist. daß ich all' die Zeit kein einziges Mal ihrer gedacht habe? Sowie ich dieWaffe gegen mich losdrückte, fühlte ich mich erlöst von jeder Pflicht. Was kann uns denn sonst frei machen, wcnn es der Tod nicht kann! Und um frei zu werden, wollte ich ja eben sterhen." Ueberdies wußte ich." fuhr Hollbürg fort, daß jene Frau nach meiner That, über deren Ursache sie unmöglich in Zweifel sein konnte, nichts mehr mit mir würde zu thun haben wollen. Von ihrer Seite befürchtete ich nichts mehr, Boeder Verfolgungen noch Drohungen, noch daß sie alte Rechte auf mich geltend machen würde. So weit ich ihren Charakter beurtheilen kann, mag sie keinen anderen Wunsch gehabt haben, als mir nie wieder zu begegnen. Frauen wie sie verzeihen Alles eher, als die Beschämung, daß ein Mann es wagen konnte, ihrer überdrüssig zu werden, und diese Beschämung habe ich ihr in der unverhlllltesten Form angethan. .. Genug davon!" unterbrach ihn Marja nicht ohne Strenge. Lass' die Frau unangetastet, die Du einmal geliebt hast!" Geliebt, geliebt!" wiederholte er mit einer nervösen Kopfbewegung. Entweihe das schöne Wort nicht. Dich habe ich geliebt und außer Dir Keine'. . Was sie mir einflößte. . . ,,Jch möchte sterben!" rief er mit plötzlichem Ausbruche. Warum währt es denn so lange? Frag' doch den Arzt, Marja. Er wähnt vielleicht, daß ich den Tod fürchte.... aber dem ist nicht so. Ich fürchte den

.od nicht. Nur möchte ich cs endlich überstanden haben.... Frag' den Arzt, wie lange es noch dauern wird. Du magst mir getrost mittheilen, was er Dir gesagt hat. Ich würde aufjubeln, wenn ich hörte, .daß mein Ende endlich nahe sei." Ich will ihn befragen und Dir nichts verschweigen,"antwortete Marja in ernstem Tone und heftete einen eigenthümlichen Blick auf ihn. Aber Du mußt mir versprechen, jede Kunde, wie immer sie auch lauten möge, mit Fassung aufzunehmen. Bedenke, daß weder Du noch ich, noch der Arzt über Tod und Leben gebieten." Im Geheimen quälte sie dieser Auftrag Der Kranke wartete und hoffte auf den Tod, und sie hatte ihm das Leben zu verkünden. Und was für ein Leben! Wir sollten ihn doch allmälig darauf vorbereiten." sagte sie zum Ärzte, als sie im Begriffe stand, fortzugehen und er ihr bis an die Treppe das Geleite gab. Worauf?" fragte der Arzt und schaute sie von der Seite an. Darauf, daß er nicht sterben wird, wenigstens nicht so bald, als er hofft und wünscht." Der Arzt überlegte ein wenig. Ich denke, daß es dazu noch zu früh ist." sprach er sodann. Noch ist er zu geschwächt, um die Kunde, daß er weiterleben müsse, nicht mit Grauen von sich zu weisen. Uebrigens wie Sie sollen." Ich will das, was Sie für das Beste halten," sagte Marja. Dann lassen Sie uns noch warten. Sowie er sich kräftiger fühlt, wird sich ihm dieser Gedanke von selbst aufdrängen und er wird sich nach und nach daran gewöhnen. Wir wollen warten, bis er das erste Wort spricht. Das wird bald geschehen, und thut er es erst, dann hat er sich mit dem Gedanken, weiterleben zu müssen, schon halb und halb vertraut gemacht. Dann werden wir leichtes Spiel haben. das heißt, Sie. die Sie ihn durchaus schonen wollen. Ich habe dazu keinen Grund." Sprechen Sie doch nicht so." sagte Marja vorwurfsvoll. Sie sind so gut zu ihm! Warum sollten Sie ihn nicht schonen wollen?" Weil er ein Schwächling und nicht werth ist, daß Sie ihn lieben," entgcgnete der junge Mann. Gut zu ihm bin ich Ihretwegen, nicht ihm zu Gefallen. Wenn Sie nicht wären " Er machte eine wegwerfende Handbewegunq. Was' soll das heißen?" fragte Marja erstaunt und nicht ohne Unwillen, ich verstehe Sie nicht." Das sollen Sie auch nicht. Sie brauchen mich gar nicht zu verstehen," sagte er in unwirschem Tone und verließ sie, so schnell er konnte. Verwundert blickte sie ihm nach. Wieder verrann Woche um Woche und Erwin drang zu Marjas Bestem.den kein zweitesmal darauf, die unumwundcne Meinung des Arztes zu vernehmen. ' Ja, er war vielmehr bestrebt, jedem Gespräche über Leben und Tod auszuweichen nicht anders, als ob er sich fürchtete, an diesem Punkt zu rühren, sich Klarheit zu verschaffen. Wenn er allein war und wie oft war er allein und sich selbst überlassen dann grübelte er freilich stundenlang ü.cr das Eine nach; und einmal schreckte er plötzlich aus solchem finsteren Sinnen empor, faßte sich mit beiden Händen am Kopfe und starrte mit so entsetztem Ausdruck in die Luft, als ob ein Gespenst vor ihm stünde. Zum erstenmal war ihm der Gedanke gekommen: Du Narr, liegst da und wartest auf den Tod. Aber Du stirbst ja gar nicht! Du bleibst aR Leben!" Als bald darauf Marja, vom Arzte gefolgt, das Zimmer betrat, fanden sie den 5lranken so verstört und außer sich, daß sie voll Bestürzung an sein Bett eilten und ihn besorgt fragten, was denn geschehen wäre. Etwas Schreckliches ist mir geschehen." sprach er mit klangloser Stimme und blickte sie starr und hilflos an. Jetzt weiß ich's." Was, was?" riefen Marja und der Arzt wie aus einem Munde. Daß ich vergebens des Todes harre. Nicht wahr, ich sterbe nicht? Sie haben mir den üblen Dienst erwiesen, mich, wie man es nennt, zu retten!" Der Arzt, dem die letzten Worte galten, hob die Schultern in die Höhe. (Fortsetzung folgt.)

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