Indiana Tribüne, Volume 25, Number 179, Indianapolis, Marion County, 21 March 1902 — Page 7

7

Fnrnaces, Eisen und Blcch-Arbeitcn. Jesexh Gardner, 37-41 Kentucky Avenue. Telephon 322. Dchzcsimmse, Oberlichter und Reparaturarbeiten bescrgt. B GE0. M0SER Eöc McCcrty Str. und Madisou Ave. Beste weine, (iquöre und Cigarren. Jeden Morgen schmackhafterLunch.

IE0.IAND0 TN'nL? n & 142 Nord Pennsylvania Strafe, Hauptquartier für Brillen und Operngläser. c!mn m EOAl 3m Brillen erben ach dcnbesten Methoden den AugcN Ikun'che Augen werden schmerzlos eingesetzt. 4 I EMIL L IUEID1, 1 701 Süd Tclawarc Strasze, . .. c Händler in - 1 ciRtfitii- ?nnnnt u. T wwnn-f vvMa" 4. T - r sYV .f. X Buaiwelzcn-ccyl, X Lzeu in Ballen und allen i tZz-svf ,itt .tiittr VfST Neues Telephon 1599. TÄ X - . i rftrHiinarn werden nach irgend einem ; Theile der Stabt frei abgeliefert. ?44 TOM MULMNE, sample Moom 2021 West Michigan Sir. . Feine Weine, Liqnore ....und.... Cigarren. Deutsche Wirthschaft den G. LETJKH IßDT, zur Gemüthlichen Ecke, Xlo. 102 Nord Noble Straße', Jeden Samstag Turtelsupve und ausgezeichucter wamcr Lunch. Neues Phone 2011. BT, 124 Süd Telaware Str. Deutsche Wirthschaft und Billiard-Zimmer. , Feine Weine, Liquöre und Cigarren. Warmer Luuck von 9 biö 1. i ) ElNil MaNtel, Eigenthümer 205 West Washington Strafte, gegenüber dem Staatshause. Gelder werden geliehen auf alle Jlrten Werthsachen. Strengste Perschmiegenheit. Offen bis 9 Ur Abends. Perfauene uneingeiPiic vano gegenstande billig zu verkaufen. Tel; old 2 rin on 32S4. Chicago und ttt grosze Nordwesten Cia visrm, Rggg ((a UlaSka-Sawaii-PdlliPpiue Insel. Vier tägliche Schnellzüge nach Chicago. Bon oer lvnon 5,. i. n! ind'4 nur Minuten mittelst elektrischer ar nach m k mn . j- dAlini sTfitfAAM den Union Blehdoscn Fineli Lick 8i,rln?8. in orrn Tanac -unm . - unter neuer Seschäftsleitunq. Pluto. Pro,erpine und Bowle Quellen. Bestes Mineralwasser de: elt. Zwei Auge Sglich.via.Greencaftle. Tickrt'Offtcen : Union Station, SRaffachusett ve. und tt West Washington Straße. R.P.Alge. : r4 4 Onirtnslrini t & 57nn. . rr- i mV rfc m T tto. .iiuiu O - - ; . McDoel. E. 0. öl o ck m e l l. räs. und en. Mar. Bettlebölelter. um is- iin en. Pass. Agent. Chicago, Jll.

M ftk&mi ''W'W GW --

vm

1

MMIiNW

Moderne Menschen.

Rom? i t'on Emil Tl(xvi0U Fortsetzung Du Hättest mich qebindert. den mir vorgezeichneten Weg zu gehen." antwortete Maria. Ich bin die Tochter eines unglücklichen Volkes. Nicht mir, sondern, diesem Volk zu leben, war meine Pflicht und auch mein Verlangen. Ich kehre ich Rußland zurück. Man erwartet mich dort. Ich bm keine Verbannte und Verfolgte mehr. Ich darf den heimathlichen Boden wieder betreten In einem Dorfe will ich leben, unter armen, unwissenden Baueren. mit ihnen und für sie arbeiten und ihnen beistehen, so viel ich es vermag. Ich werde die Kinder unterrichten, die ssrauen in der Wartung und Pflege ihrer selbst, ihrer Kinder und ihrer Kranken unterwe:sen und auch ein bischen den Arzt spielen. Durch meinen Vater habe ich so Manches gelernt. Ich liebe das arme Volk, sie werden Zutrauen zu mir fassen. Und Freunde habe ich überall. In Rußland sind-Viele, die denken und streben wie ich, die sich selbst entäußern und blos für das Volk leben und wirken wollen. Wir können nur säen ernten werden wir kaum! Wir werden es nicht erleben. Aber was liegt daran? Mag unser Loos Sibirien mit allen seinen Schre cken sein wir denken nicht an uns. Wir erwarten keinen Lohn. Der wird uns anderswo werden Wir thun unsere Pflicht wie der Soldat, der auf gefährdetem Posten ausharrt, ob die Kameraden nun siegen oder weichen. Das ist mein Weg. Hättest Du ihn mit mir gehen tön nen? , Gehen wollen? Du wolltest Glück, persönliches Glück, fröhliches Genießen, Ruhm. Ehre, alle Lebensfreuden! Du wärest mir kem Mitarbeite? und kein Mitstreiter gewesen. Du armes, verzärteltes, mchlerdiges Muttersöhnchen!" Sie schaute ihn mitleidsvoll an. Was hätte ich angefangen mit Dir auf einem russischen Dorfe? Wie hätte ich von Dir verlangen können können. Dich ohne Liebe und ohneHingebung für ein Dir fremdes Volk zu opfern? Unsere schmutzigen Bauern hätten Dich ja angewidert mit Deinen reinlichen Händen hättest Du ja keinen anrühren rnö gen." - Sag' nur ehrlich, daß Du mich verachtet hast fal er ein. Gebrauche kein, so häßliches Wort!" entgeqnete sie emporfahrend. Ich hatte Dich lieb, sehr lieb. Aber Dir angehören konnte und durfte ich nicht. Ich hätte Dich, Du hättest mich unsagbar elend gemacht. Die Leidenschaft führt wohl oft Menschen zusammen, die nimmer zu einander passen. Aber sie halt uns nicht Wort, wenn die Uebereinstimmung fehlt. Wir hätten es bald empfunden. Ich wäre Dir, Du wärest mir im Wege gestanden. Lieber, wenn man das so klar einsteht, wie ich es eingesehen habe, muft man. von einandergehen." Hättest Du . mich geliebt, wie ich Dich liebte. Du wärest, weniger vernünftiq gewesen,- sprach er kaum vernehmlich. Höre mich," entgegnete sie liebevoll. Keines Menschen Herz ist weit genug, um für zwei große Neigungen Raum zu haben. Ich liebe mein Land und mein Volk zu sehr, um daneben noch Anderes rückhaltlos zu lieben. Dafür kann ich nicht. Vielleicht warst Du auch nicht derjenige, der vermocht hätte, mir solche rückhaltlose Liebe einzuflößen Kein Mann hat das vermocht. Wirklich geliebt und zugleich verehrt habe ich blos Einen, meinen Vater......" Sie schaute gerade vor sich hin und schwieg einen Augenblick. Ich habe oft g'ucht nach Einem, der ihm gliche," fuhr sie leiser fort. Aber Keiner hat den Vergleich aushalten können. Keiner, so viele ich auch kennen lernte. Ich beklage mich darüber nicht. Gott wollte, daß ich allein durch' Leben gehe, und so gehe ich denn allein. Ich werde auch ohne fremde Stütze an's Ziel gelangen." Du bist stärker als ich." murmelte er. I ch habe das - nicht vermocht. Ich brauchte Liebe und brauchte einen Arm. auf den ich mich stützen könnte in Noth und Gefahr...... und weil dieser Arm mir fehlte.... . Er vollendete nicht. Sie kniete noch immer an seinem Lager, haschte Zeht nach seiner Hand und streichelte sie leise. Keines -sprach. Still lag er da, mit geschlossenen Augen, mühsam athmend. Es war, als ob Schatten sich auf sein Antlitz herabsenkten und es .verdunkelten. Ein fremder Ausdruck, angstvoll, hilflos, wandernd, trat in fein Gesicht...... MarZa erhob sich von den Knien und beugte sich hastig über ihn. Wie ist Dir. Erwin?" schrie sie auf. von plötzlicher Furcht erfaßt. Hörst Du mich? Sieh' mich an! Ich will den Arzt rufen." Er winkte matt mit der Hand". Laß', laß', sprach er dumpf und sein Haupt sank zur Seite. Wieder fiel sie an dem Bett auf die Knie. Ihre bebenden Hände richteten an seinen Kissen, brachten sein Haupt in eine andere Lage. Sein Kopf lag hoher, er athmete wieder freier. .Ich danke Dir," sprach er mit matter Stimme. Was . für eme zarte Hand Du hast! Wenn die, . i . : je r.ti " r::jci ' nranlenwarierin mity auiuBi, lutujic

ich immer, in Stücke genjsen zu werden...... D u brauchst mich blos zu berühren und schon ist mir wohler." Sie kniete über ihn geneigt und blickte in sein grausam verändertes, leichenblasses Gesicht, auf seine eingefallenen Wangen, seine eingesunkenen, geschlossenen Augen., Was hatte er aus sich gemacht, Gott im Himmel ! Ein Mitleid, fo tief, so groß, wie sie es niemals noch empfunden in ihrem Leben, schnürte ihr die Brust zusammen. Sie hatte ihr Herzblut hergeben mögen, um wieder aus ihm machen zu können, was er gestern noch gewesen war. Warum hast Du das gethan!" Wie ein Schrei entrangen sich diese Worte ihren Lippen. Warum ertrugst Du nicht, was Tausende ertragen, ohne zu verzweifeln! Warst Du der Unglücklichste von Allen?" Beuge Dich damit ich hinwegschreite über Dich!" murmelte er mit tonloser Stimme. Sie verstand ihn nicht. Bereust Du denn nicht, was Du gethan hast?" fuhr sie drängend fort. Thut es Dir nicht selber leid um Dein reiches junges Leben, das Du verwüstet hast, als ob Du Dein bitterster Feind wärest?" Nein." sagte er. Seine Stimme klang seltsam hart. Mir ist nur leid, daß ich mich nicht besser traf, daß ich sowohl im Leben wie im Tode als erbärmlicher' Stümper mich gezeigt habe. Ja, wenn ich mein Leben von vorne beginnen könnte! Aber so, wie es geworden ist, durch eigene und fremde Schuld geworden ist, mag ich es nicht mehr. Alles, was ich schuf, wie armselig..... Meine Arbeit ist mir verächtlich geworden, seit Du sie verwarfst..... Und was ich sonst gethan und nicht gethan habe....... wie klein und unwürdig Alles..... und nun dieses Ende!" Um Gottes unendlicher Liebe willen!" rief sie voll Seelenangst, sprich ein Wort der Reue. Erwin. Du hast noch Zeit vor Dir. Ihm ganz nahe, den Blick unverwandt auf ihn geheftet, harrte sie auf Antwort. Umsonst. Er blieb stumm.

.Endlich öffnete er die Augen und schaute sie an. Es ist....... zu spät." sprach er, zurückfallend. Bei Gott gibt es kein Zuspät." Laß'das," sagte er. Ich habe an nichts geglaubt, an mich nicht und an die Mensche nicht und auch an Anderes nicht nur an Dich. Deine Liebe war der einzige Himmel, nach welchem ich Verlange trug und diesen Himmel fand ich verschlossen." Er schaute sie mit finsterem Grolle an. Warum hast Du mich nicht eingvlassen? fugte er :m Tone der Anklage hinzu. , Dann läge ich jetzt nicht so elnd vor Dir. Brauchte Dein russisches Volk Dich so nothwendig wie ich? Mich hättest Du selig machen und vor lener Schuld bewahren kon nen..... Dein Volk wäre darum nicht zu Grunde gegangen. Ich aber sterbe daran, daß Du mich von Dir stießest. Geh' denn zu Deinem Volke und laß mich im Tode allein wie einstens im Leben. Dein Gott wird Dich loben um Deiner Stärke willen.... und daß ich im Herzen unversöhnt mit Dir von der Erde scheide Daran wird Dir bei Deinem starren Glauben nichts gele gen sein. Du hast Deinen Glauben. hast Dein Volk. was kümmert Dich Y rM aues ueorige 19. Langsam hatte Marja sich von den Knieen erhoben und blickte ihn nun starr an. Er war erschöpft zurück gesunken und hielt das Gesicht von ihr abgewendet: es schien, als wollte er nichts mehr zu thun haben mit ihr, als hätte er ihr nichts weiter zu sagen und als wünschte er, sie möchte :yn vertanen. Sie aber .blieb. Unverrückt hingen ihre Äugen an seinem Gesichte. Was hatte er ihr gesagt? Und warum hatte er ihr alles das gesagt? Warum sie so bitter angeklagt? So ungerecht! . Ungerecht? Wer weiß! . V Y l c r i w - . oieueiazl veroienie ne viele ejazuldi gungen. War sie am. Ende einen falschen Weg gegangen? Wäre ihr Platz hier, an semer Seite, gewesen, und hätte sie vielleicht besser gethan. ihr Volk zu vergessen und diesem Einen zu leben? War es Vermessenheit von ihr gewesen, diesen kleinen Wirkungskreis zu eng für sie zu finden? Hätte sie sich bescheiden und diesen Einen lieben, stützen, retten sollen? Sie legte die Hand an die Stirne. Wer konnte ihr Antwort geben auf aue viese ,rag?n? In früheren Tagen, wo sie ihn ae fund, glücklich, von den Menschen verwöhnt, von Frauenqunst getragen und emporgehoben gesehen, waren ihr t-tjL. TJ.C ' lvillze eoanien niemals gekommen. vr eben einem Glucklichen zu wei hen, so lang es Unglückliche gab. wäre ihr wie ein . Frevel erschienen. Er war ihr so fern gestanden einstens... Kein einziges Mal hatte sie' darüber nachgedacht, ob es denn doch nicht möglich wäre, einen Weg mit ihm zu gehen. Was hatten sie miternan der gemein gehabt? Worin sich verstanden? Sie würden, vereint, nicht weit gekommen fein. Nach Glück, Ruhm, Liebe. Freuen, Wohlleben i r- m ' ... rrug ne lein erlangen. UNO er

hatte an alledem gehangen mit allen

Malern jemes Herzens .. Nem! Da mals hätte Eines für das Andere nicht getaugt. Aber heute? Noch mmer starrte sie lhn an. Sie gehörte zu denen, die sich opfern, opfern m ü s s e n, um leben zu können. Ihr ganzes mildes, großes Frauenherz drängte in unsagbarem Erbarme, zu ihm hin. Unglücklicher als er heute war. konnte Niemand auf dieser Erde sein! Gott hatte sie zu ihm zurückgeführt. Wie durch ein Wunder waren sie nun wieder beiammen: sollte sie ihn auf's Neue verassen, in seinem Elende, seiner Vereinsamung, ihn Fremden. Gleichqiltigen überantworten und in die Heimath zurückkehren? Wurde sie dort Gutes stiften können? Würde nicht sem mmmervolles Bild, immer vor ihrer Seele stehen' und sie ihn unabassig vor sich sehen, wie sie ihn m dieser Stunde sah, auf seinem Schmerzenslaaer in einem Spitale, einer rohen Warterrn anheimgegeben, todtkrank, ohne Freunde, ohne Liebe? Er machte eine auffahrende Bewegung und war ängstlich bestrebt, .sich J emporzurichten. Sein Gesicht nahm denselben wundernden, hilflosen Ausdruck an wie vorhin er heftete die ganz merkwürdig hellglänzenden, erstaunten, weit aufgerissenen Augen auf Marja. Bleib bei mir. Marja! Hilf mir!" stammelte er im Tone eines Kindes, das nach der Mutter ruft. Um Gottes Willen! Marja, geh' nicht fort. Ich ersticke " Sie stürzte sich über ihn und schrie nach Hilfe. Im Nahmen der Thüre erschien der junge Arzt, ihm nach drängten sich Else und Doktor Rosenberq, die. eng aneinander gerückt, auf der Schwelle stehen blieben. Der Arzt ging mit raschen Schritten zu dem Bette hin. Es hat Nicht viel zu bedeuten." sagte er über die Schulter weg zu MarZa, die todtenblaß und an allen Gliedern bebend, neben ihm stand. Wenn er Blut ausgeworfen -hat. wird ihm wieder leichter sein." Kann ich nichts thun? Ihnen nicht helfen?" fragte Marja mit heiserem plustern. Gott, wenn er zetzt stürbe! Hinüberginge mit unversohnlichem Grolle wider sie in der Brust!" Nein." antwortete der Arzt, mit dem Kranken beschäftigt. Alles ist für diesen ssau vorbereitet worden. Verhalten Sie sich nur ruhig. Regen Sie ihn nicht auf." Sie stand stumm und unbeweglich wie eine Bildsäule. Kaum, daß sie zu athmen wagte. Nach Ablauf von wenigen Minuten war der Anfall vorbei. Regungslos lag der Kranke da sein Gesicht war so weiß wie das Kissen, welches sein Haupt trug. Ich bitte Sie. Paul,- gehen wir nach Hause, murl,lte Else, welche Mnraan" mit cntsekten Auaen gefolgt war. Das ist zu schrecklich. Im Traum werde ich dieses Gesicht schzuen und das Blut Mein Gott, tok war er schön und wie sieht er aus! Ich erkenne ihn nicht wieder." . Aus dem Tone ihrer Stimme klang es halb wie Grauen, halb wie Ernüchterung.... Doktor Rosenberg, der. nichts sehnlicher verlangte alö von da wegzukommen, reichte feiner Braut hastig den Arm. Ohne einen letzten Blick nach Kem Krankenlager zu werfen, zog Elfe ihren Verlobten rasch mit sich fort, zur Stube hinaus. Als sie draußen waren, athmete das junge Mädchen tief auf. Das ist zu schrecklich!" wiederholte sie schaudernd. Ein zweitesmal möchte ich ein solches Schauspiel nicht erleben. Ich mag ihn nicht wieder sehen, Paul. Ich fürchte mich vor ihm." Gottlob!" dachte der kleine Advokat. Die Gefahr ist so gut wie vorbei. Jetzt wird sie. ihn vergessen." Darf ich hier bleiben?" fragte einstweilen Marja den Arzt. Wozu?" entgegnete dieser. Um immer um ihn zu sein, um ihn zu pflegen," sagte sie. Ist dieses Amt nicht zu schwer für Sie?" fragte der Arzt, nicht wissend, ob er ihr ihre Bitte gewähren oder abfchlägig bescheiden sollte. Für mich wäre nur Eines zu schwer: ihn verlassen müssen," antwortete Marja. Es ist nicht der Brauch bei uns, daß Fremde den Dienst unserer Wärterinnen versehen," erwiderte der Arzt. Indessen will ich in Anbetracht des außerordentlichen Falles eine Ausnahme machen und gestatten, daß Sie hier bleiben. Wenigstens für die erste Zeit, bis es besser mit ihm steht. Er wird Ihnen Dank für Ihr Bleiben wissen " Er . warf einen Blick auf das weiße, gleichsam erstarrte Gesicht des Kranken. Jetzt schläft er," fügte er in gedämpftem Tone hinzu. Wenn er aufwacht, bitte ich. zu läuten.' Ich werde dann ungesäumt wieder zur Stele sein." Tausend Dank," sagte Marja. Wofür ? Ich thue nur meine Pflicht: nicht mehr und nicht weniger." Er neigte das Haupt und' entfernte sich. Sie blieb eines Andern wegen aber sie blieb. Er würde sie täglich, stündlich sehen und sprechen können. War es nicht hauptsächlich darum, dak er ibrer Bitte nachgegeben hatte?

Ihr Gesicht hatte es ihm angethan . Er war fest entschlossen, ihre Photographie nicht aus der Hand zu lassen, sie zu behalten als Erinnerung an dieses fremde Weib, dessen Art ihn so mächtig anzog und gleichzeitig wieder

abstieß. Er wollte Nicht mehr, als sie sehen, sprechen, ihren Charakter studiren. Dieses Studium reizte ihn. Sie war ein Wesen für sich, mit ganz eigenartigem Gepräge. Aber sie liebin. trachten, ihre Gegenliebe zu erringen davor mochte ihn sein Schicksal gnädig bewahren. ..Wozu die Liebe zu dieser Frau führt, lehrt mich dieses Krankenbett." dachte er 'bei sich. Ich will mich in Acht nehmen vor ihr." . - Maria hatte sich still en das Bett gesetzt und schaute, die Hände im Schooß gefaltet, den unruhigSchlummernden mitleidig an. Die Andern, welche ihm gehuldigt hatten, so lang er gesund, schön und liebenswürdig gewesen war, wichen nun von ihm zurück. Keiner und Keine war ihm treu geblieben! S i e hielt es gerade umgekehrt: im Gluck hatte sie ihn den Ändern gelassen, im Unglück aber war sie zur Stelle. Ihr Platz war hier, an seinem Bette. Mochten die Andern ihn vergessen! Für sie hatte das Unglück nichts Grauenhaftes. Sie wollte ihn lehren. was Treue und echte Liebe seien, die dann zu finden sind, wenn man sie am nothwendigsten braucht. Leise neigte sie sich über ihn und hielt die Hand wie segnend über sein Haupt. Ich bleibe bei dir, was auch kommen mag." sprach es in ihr. Bis zu deinem letzten Augenblicke. Du Armer bist ja mein Bruder, und was wir dem geringsten unserer unserer Brüder thun, das haben wir dem Heiland selber gethan. Und du bist mir nicht der Geringste O Gott, nein. Jetzt weiß ich erst, wie lieb ich dich habe." 20. Wenige Monate später, an einem frostigen, doch klaren und sonnenhellen Iänne7tage, war jener kleine Kreis von Menschen, der sich selbst die BeZeichnung von ganz Wien" beizulegen für gut befunden hat, in angenehmer, die Nerven kitzelnden Aufregung. Um zwölf Uhr Mittags sollte im Rathhause eine Doppelcivilehe vollzogen werden. Frau Koniwald hatte sich wieder einmal beehrt, allen theilnehmenden Freunden auf einer pompös ausgestatteten Anzeigekarte die Trauung ihrer Töchter Irene und Else bekanntzugeben. Das war ein Gericht, das den blasirten Gaumen von ganz Wien" reifte. Die Gcschichte war doch wirklich einzig! Zuerst fischt die ältere Schwester der jüngeren den Bräutigam toeg. veriärtt ihren alten Gatten und breimt mit ihrem Liebhaber nach Paris durch. Kaum hat man sich von dieser Fülle der Ueberraschungen erholt, als der alte Geinahl sehr zeitgemäß stirbt und die Entflohene ruhig, als ob nichts ' geschehen wäre, nach Wien zurückkehrt, um das sogenannte Trauerjahr in aller Stille zu verleben. und auf diese Weise den Skandal, den ihre Vergnügungsreise nach Paris hervorgerufen, wett zu machen. Die jüngere Tochter verlobt man einstweilen mit einem früher abgewiesenen Freier, um sie los zu fein, und ist froh, den einst Verschmähten bei der Hand zu haben, damit Alles wieder in's richtige Geleise komme Endlich ist das Trauerjahr um, die schöne Wittwe trifft Anstalten, sich mit dem längst schon angeschafften Tröster endgiltig zu versorgen. Da hat dieser den üblen Einfall, sich eine Kugel in die Brust zu schießen.... Man weiß nicht recht, was man davon hal!en soll. Hat die schöne Irene ihn verlassen oder ist sie verlassen worden? War dieser Selbstmord die That eines Betrogenen oder das verzweiflungsvolle Mittel, sich einer Verpflichtung zu entziehen, die zu erfüllen schwerer erscheint, als zu sterben? Man räth hin und her, glaubt dieses, glaubt jenes und kann nicht klug werden aus der Sache. Da bereitet Frau Irene ihrem lieben ganz Wien" eine neue Ueberraschung: wenige Wochen ?iach dem alle Zeitungen beschäftigenden SelbstMordversuche des Schriftstellers Erwin Hollburg, gibt sie der Welt bekannt. daß sie sich mit dem berühmten Professor Jennerberg . verlobt habe. Am Arm ihres Bräutigams erscheint sie in allen Salons; sie trägt das Haupt hoch, sie spricht unbefangen von dem dahingeschiedenen Gatten und plaudert von dem in Rom und auf Capri verlebten Trauerjahr und wie einsam sie sich da gesüht hätte. Man fragt erstaunt: Ja. hat sich diese Flucht nach Paris wirklich zugetragen oder habn wir. nur davon geträumt? Haben Beziehungen zwischen dieser Frau und Hollburg bestanden oder ist auch das eine bloße Ausgeburt unserer Phantasie gewesen? orlfenung folgt.) Zeitliches Paradies. Kmd: Adam und Eva waren ,m Pa radies. Wie war's denn da, Mama?' Mama: Etwa so, wie b.'i uns zu Haus, wenn ihr fünf Buben in. der Schule seid!"

EoWgEH Enä(ül151 Meine andere Medizin kun'rt LungenLeiden so rasch und sicher wie der berühmte Dr. Bull's Knsten Syrup, er ist daS beste Mittel gc-gcnLals-Bräune, Bronchitis, Croup, Brustschmerzen, Engbrüstigkeit, Lungcnsucht und Lungen- Entzündung.

MSiMlE

SustenSynch Heilt sofort alle Brust, Hals- und LungenLeiden und kostet nur 2S Cents die?v!oä. Ottmar Keller, 217 Ost Washington Str. : Feine : lveine, kiquöre und Cigarren. kxtraLunch scrvirt aus. Order zu jeder Zeit. Hauptquartier der Bäcker, Badens! lketzger und anderer Vereine. Telephon 3327. H. A. KOLKER, Wirthschaft und Billiard-Zimmer, feiner kunch, lveine u. (iquöre. 01 Ost Washington Str. John F. Sanders Sample Room, , 228-230 Ost Wabash Str. Beste Meine, (iquöre : : : und Cigarre Telexhcn alt und neu. 955. Dennis J. 0'Bricn, sample Room, No. 150 Kenturkt) Ave., Ncrdost-Ecke Senate u. Kentucky Aves. Tel. alt 1949 neu 2959. Beste lveine, (iquöre und Cigarren. "The Capitol Bar" 229 West Washington Straße. Feine Weine, Liquöre und Cigarren. BILLIARD PARLORS. Eigenthümer. Älter Phone 2933. EDVARO A. HARMElilllG, Eigenthümer 0 Nord Delaware Str. ' Neues Telephon 2253. ö. A. Noos und Allen McCauley, - SchankkellnerTaslvcrläßlichc und erprobte M E B B 0 2fl Zum Perkauf bei TligJOlIIER-KtlliEDYMUSICCO, Neues Telephon2834. Indianapolis Dr. L. A. Greiner, empsieblt sich fnrltie Verpflegung kranker Thiere. Kranke Trrde wrrdrn rntßegkngenommen und erhalten bessere Vbwarluvg alö in ihrer eigenen Ctallung. 18 bis 24 Süd Ost Straße. Telephon 903. Wohnung 1798, Kupser bezahlt Dividende. Senden Sie sür Vorschläge und kinze'.heitcn der Jndpli. C,pper Mintu g Eo. BRIOHTDAVIDSON FiSkal Agenten. Lombard Gebäude. Indianapolis, Ind. Ul

Mk Saloon